Avantgarde und Moderne

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Transkript:

Lehrbuch Germanistik

Walter Fähnders Avantgarde und Moderne 1890-1933 Lehrbuch Germanistik Verlag J. B. Metzler Stuttgart. Weimar

Walter Fähnders, geb. 1944; apl. Professor für Neuere Germanistik an der Universität Osnabrück. Publikationen und Editionen zur deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Bei J. B. Metzler sind erschienen:»manifeste und Proklamationen der europäischen Avantgarde (1909-1938)«, (zus. mit W. Asholt);»Anarchismus und Literatur«. 1987;»Proletarisch-revolutionäre Literatur der Weimarer Republik«. SM 158. 1977. Die Deutsche Bibliothek - CIP-Einheitsaufnahme Fähnders, Walter: Avantgarde und Moderne 1890-1933/ Walter Fähnders. - Stuttgart ; Weimar: Metzler, 1998 (Lehrbuch Germanistik) ISBN 978-3-476-01451-1 ISBN 978-3-476-01451-1 ISBN 978-3-476-03660-5 (ebook) DOI 10.1007/978-3-476-03660-5 Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. 1998 Springer-Verlag GmbH Deutschland Ursprünglich erschienen bei]. B. Metzlersehe Verlagsbuchhandlung und earl Ernst Poeschel Verlag GmbH in Stuttgart 1998

INHALT Vorbemerkung... IX Einleitung... 1 I. Naturalismus, Fin de siede und >historische Moderne< 1. Zur Abfolge der >Ismen< 1.1 Synchronie und Diachronie... 9 1.2 Phasenverschiebungen... 10 2. Grundlagen und Voraussetzungen des Naturalismus 2.1 Periodisierung... 12 2.2 Gruppenbildung... 13 2.3 Formen der Selbstdarstellung... 16 2.4 Jüngstdeutschland, Realismus, Naturalismus... 17 2.5 Naturalismus als >die Moderne<... 20 2.6 Kunst und Wissenschaft... 24 2.7 Positivismus, Determinismus, Experiment... 26 2.8 Kunstgesetz und >konsequenter Naturalismus<... 30 2.9 Zur Naturalismus-Forschung... 32 3. Naturalistische Literaturpraxis 3.1 Gattungspräferenzen... 34 3.2 Revolution der Lyrik?... 35 3.3 >Sekundenstil< und naturalistische Prosa... 41 3.4 Naturalistisches Drama und naturalistisches Theater... 46 4. Zur Lage des Schriftstellers 4.1 >Sklavenjoch< und >Tintensklaverei<... 51 4.2 Deklassierung: Das Beispiel Arno Holz... 55 4.3 Zur gesellschaftlichen Isolation des Intellektuellen... 58 4.4 Zwischen Staatssubvention und Selbstorganisation... 61 4.5 Selbstnobilitierung des Dichters... 64 4.6 Zur Kunstpolitik Wilhelms II.... 66 4.7 Zensur... 68 5. Naturalismus, Arbeiterbewegung, Sozialismus 5.1 Die >Jungen< in der Sozialdemokratie... 70 5.2 Zum sozialistischen Engagement naturalistischer Autoren... 71 5.3 Sozialistische Naturalismus-Kritik... 73 5.4 Volksbühnenbewegung... 76 5.5 Kunst und Proletariat... 78 6. Fin de siede, Ästhetizismus, Wiener Moderne 6.1 >Sozialaristokratie< und >Parole Individualität<... 80 6.2 Das >unrettbare Ich<... 84 6.3 Überwindung des Naturalismus... 86 6.4 Ästhetizistische Naturalismus-Kritik... 88

VI Inhalt 6.5 Stilpluralismus... 90 6.6 >Ismen< der Jahrhundertwende... 91 6.7 Antimoderne Bewegungen... 93 6.8 Fin de siede, Decadence, Ästhetizismus... 95 6.9 Kunst und Leben, Natur und Kunst... 104 6.10 Geschlechterverhältnisse und Frauenbilder... 108 6.11 Ästhetik der >kleinen Form<... 114 6.12 Sprachkrise und Sprachkritik der Jahrhundertwende... 116 6.13 Zur Forschungsproblematik... 118 ll. Expressionismus, Dada und >historische Avantgarde< 1. Künstlerischer Aufbruch um 1910 1.1 Von der >historischen Moderne< zur >historischen Avantgarde<... 123 1.2 Die expressionistische Generation... 125 1.3 Krieg... 131 2. Grundlagen und Voraussetzungen des Expressionismus 2.1 Begriffsbestimmung... 134 2.2 Wortgeschichte und Selbstverständnis... 136 2.3 Gruppenbildung und literarisches Leben... 139 2.4 Dichter, Literaten, Intellektuelle..... 142 2.5 Urbanität... 147 2.6 Film und >Kinostil<... 151 2.7 >Messianismus< und >Ichdissoziation<... 154 2.8 Expressionismus und Futurismus... 157 2.9 Zur Expressionismus-Forschung... 159 3. Expressionistische Literaturpraxis 3.1 Gattungspräferenzen... 163 3.2 >0 Mensch<-Lyrik und Lyrik der Simultaneität... 165 3.3 Stationen- und Verkündigungsdrama... 172 3.4 Roman und und >Reflexionsprosa<... 178 Exkurs: Franz Kafl<a... 179 3.5 >Wortkunst<... 186 4. Dada 4.1 Begriffsgeschichte und Bedeutungsverweigerung... 189 4.2 Kunst und Kunstzerstärung... 193 4.3 Zwischen Gattungsinnovation und Gattungsaufläsung... 195 4.4 Dada und kein Ende... 197 5. Historische Avantgarde 5.1 Begriffsgeschichte und Forschungsproblematik... 199 5.2 >Ismen< der Avantgarde... 200 5.3 Manifest und Manifestantismus... 202 5.4 Theatralisierung, Publikum, Gesamtkunstwerk... 204 5.5 >Projekt Avantgarde<... 206

Inhalt VII 111. Neue Sachlichkeit, proletarisch-revolutionäre Literatur und >Moderne< 1. Schriftsteller und Literatur in der Weimarer Republik 1.1 Die Republik von Weimar... 208 1.2»Jahrgang 1899«... 210 1.3 Vom >Dichter< zum >neuen Schriftstellertyp<... 212 1.4 Demokratie und Republik... 215 1.5 Die >Not der geistigen Arbeiter< und der organisierte Schriftsteller... 216 1.6 Die neuen Medien... 218 1.7 Zur Weimarer Literaturentwicklung... 221 1.8 Zeitgenossenschaft, Politisierung, Zerstreuung... 225 1.9 Die >Goldenen zwanziger Jahre<: Zur Forschungslage... 226 2. Neue Sachlichkeit 2.1 Begriffsgeschichte und Selbstverständnis... 229 2.2 Modernisierung und Synchronisierung... 233 2.3 "Präzisionsästhetik«... 235 2.4 Literarische Gebrauchsanweisungen... 236 2.5 Sujets und Gattungspräferenzen... 237 2.6 Die >neue Frau<... 239 2.7 Kritik der Tatsachenliteratur... 241 2.8 Forschungspositionen... 244 3. Proletarisch-revolutionäre Literatur 3.1 Begriff und Rezeption... 247 3.2 Trends seit der Novemberrevolution... 249 3.3 Arbeiterkorrespondentenbewegung... 251 3.4 >Offene< oder >geschlossene< Form?... 251 3.5 Agitprop und Massenliteratur... 254 3.6 >Lagermentalität< und >Gegenäffentlichkeit<... 256 4. Literarischer Form- und Funktionswandei 4.1 Essayistik und >kleine Form<... 258 4.2 Zwischen Epochen- und Zeitroman... 260 4.3 Zwischen Gebrauchs- und Naturlyrik... 262 4.4 Dokumentartheater - Politisches Theater - Episches Theater... 265 4.5 Ästhetische Strategien in der Moderne... 269 5. Die Zäsur 1933... 273 Bibliographie 1. Quellen... 276 2. Forschungsliteratur... 279 Namenregister... 310

VORBEMERKUNG Die rund vier Jahrzehnte deutscher, genauer deutschsprachiger Literatur, denen dieses Lehrbuch gewidmet ist, bilden literarhistorisch alles andere als eine Einheit. Im Gegenteil: wie die Geschichte selbst zeigt auch die Literatur in dieser Zeitspanne unglaubliche Entwicklungen, Veränderungen, Innovationsschübe, Brüche. Die historische Periode von 1890 bis 1933 umfaßt Beginn und Ausfaltung des Wilhelminismus, also Konsolidierung und Weiterentwicklung des Bismarckreiches, bis zu seinem Untergang im Ersten Weltkrieg. Sie umschließt zudem die Weimarer Republik, der gut ein Dutzend Jahre beschieden war, um Erblasten und Traditionen des WilheIminismus mitzuschleppen, zu überprüfen, zu verwerfen, um republikanische und demokratische Neuanfänge zu erproben und Brüche produktiv werden zu lassen. Die mit dem Jahr 1933 markierte politische Zäsur betrifft vorrangig alle jene literarischen Strömungen, die im Zentrum dieses Bandes stehen - Moderne und Avantgarde. Ihnen widmet sich dieser Band. Der hier untersuchte Zeitraum gewinnt unter dem zentralen Aspekt von Moderne und Avantgarde ein deutliches und unverwechselbares Profil, das sich aus der Historisierung der vieldeutigen und kontrovers diskutierten Leitkategorien ergibt (darüber informiert die Einleitung). Diese Historisierung führt zur Gliederung des Materials in drei große literaturgeschichtliche Perioden von Naturalismus und Fin de siede (etwa 1890 bis 1910), Expressionismus und Avantgarde (etwa 1910 bis 1920) und der Literatur der Weimarer Republik bis zur Zäsur 1933. 1. Die >historische Moderne< beginnt mit der Literaturrevolte des Naturalismus in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts und umfaßt zudem die gegennaturalistischen Strömungen des Fin de siede einschließlich der Wiener Moderne der Jahrhundertwende. Sie sind Thema von Kapitel I. 2. Europaweit läßt sich um 1910 ein künstlerischer Aufbruch beobachten, der - begrifflich parallel zu >historischer Moderne< - als >historische Avantgarde< zu bezeichnen ist. Sie beginnt mit dem Aufbruch des Futurismus in Italien und findet in Deutschland mit dem Expressionismus und seinem Widerpart, Dada, eine besondere Ausprägung. Expressionismus, Dada und historische Avantgarde sind Thema von KapitellI. 3. Nach dem Ausgang des >expressionistischen Jahrzehnts< formiert sich die Neue Sachlichkeit als besondere Strömung der >Moderne< und bildet die Dominante in der Literatur der Weimarer Republik seit Mitte der zwanziger Jahre. Dem besonderen Form- und Funktionswandel dieser Literatur unter Skizzierung auch der proletarischen Tendenzen widmet sich Kapitel III. Der literaturgeschichtlichen Konzentrierung auf Autoren und Werke wird dabei eine eher systematisierende Analyse der einzelnen Literaturströmungen unter zentralen Aspekten vorgezogen, und an die Stelle der monographischen Einzelanalyse literarischer Werke oder Werkgruppen tritt eine exemplarische Auswahl. Die einzelnen Gat-

X Vorbemerkung tungen werden in Theorie und Praxis in ihren ästhetischen Trends und anhand exponierter Beispiele vorgestellt. Eine wichtige Rolle spielen zudem Entwicklung und Veränderung von Dichterbild und Autorenstatus sowie die inner- und außerästhetischen Rahmenbedingungen der Produktion, Distribution und Rezeption von Literatur. Die Darstellung verzichtet auf einen Anmerkungsapparat. Statt dessen erfolgen Hinweise auf Primär- und Sekundärliteratur im fortlaufenden Text unter Angabe von Autor und Seitenzahl. Die genauen Titel finden sich in der nach Quellen und Forschungsliteratur gegliederten Bibliographie am Ende des Buches. In Zweifelsfällen (bei verschiedenen Werken des selben Autors) ist das Erscheinungsjahr dem Namen hinzugefügt. Das Namenregister umfaßt alle im Text erwähnten Autorinnen und Autoren und erschließt auch die zu diesen Namen zitierte Forschungsliteratur. Für häufiger zitierte Sammelwerke werden Siglen verwendet, die im Literaturverzeichnis aufgelöst sind; bei Gesamtausgaben folgt die jeweilige Bandzahl auf den Namen des Autors; gelegentliche Zitat-Übernahmen aus anderen Werken sind durch ein dem Nachweis vorangestelltes»zit.«ausgewiesen. Alle Zitate folgen im Lautstand und bei (kursiven) Hervorhebungen dem Original; gelegentlich fett markierte Hervorhebungen stammen hingegen vom Verfasser. Des öfteren werden Quellen aus leicht zugänglichen Sammelwerken zitiert, soweit diese wissenschaftlich zuverlässig sind, um ein rasches Nach- und Weiterlesen der Originaltexte zu ermöglichen. Zur Quellenlektüre möchten nämlich nicht allein die relativ vielen, gelegentlich auch längeren, Zitate einladen, sondern auch das Buch insgesamt. An dieser Stelle sei Rüdiger Reinecke und Donald Weiss gedankt für organisatorische Unterstützung, Wolfgang Asholt und Helga Karrenbrock für konzeptionelle Hilfe und, last but not least, Frau Hechtfischer vom Metzler Verlag für die kompetente Betreuung dieses Buches. Walter Fähnders