WerkBundStadt Berlin

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Transkript:

2017-1 Februar Im Zentrum Berlins plant der Deutsche Werkbund Berlin ein neues Stadtviertel. Ein Zwischenbericht. WerkBundStadt Berlin Der Deutsche Werkbund Berlin hat auf dem Gebiet eines ehemaligen Tanklagers im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf Grosses vor. Ein «dichtes urbanes Quartier zum Wohnen, Leben und Arbeiten» soll hier entstehen, wie die Vorsitzende des Werkbundes Berlin, Claudia Kromrei, und der Vorsitzende des Deutschen Werkbundes, Paul Kahlfeldt, in der Einleitung der kürzlich erschienenen Publikation «Werk- BundStadt Berlin am Spreebord» zum Projekt erläutern (detaillierte Angaben im Nebentext). Schreitet das Projekt wie geplant voran, kann 2019 auf dem fast 30 000 m 2 grossen Areal mit dem Bau von gut 1100 Wohnungen begonnen werden. Bruch mit der Tradition? Die Thematik des Wohnens begleitet den Deutschen (und Schweizerischen) Werkbund durch ihre mehr als 100-jährige Geschichte. Zu den bekanntesten Werkbundprojekten dürften denn auch die sogenannten Werkbundsiedlungen zählen, die in den 1920er und 1930er Jahren in einigen europäischen Städten entstanden. Nicht Die WerkBundStadt im Modell 1 : 200. Stefan Müller. nur als Fortführung dieser Tradition sieht der in der erwähnten Publikation ebenfalls vertretene Kultursoziologe Albrecht Göschel die neu entstehende WerkbundStadt. Vielmehr bemerkt «Ein dichtes urbanes Quartier zum Wohnen, Leben und Arbeiten soll entstehen.» er in ihr ebenso einen «gravierenden Bruch mit den klassischen Werkbundsiedlungen» jener Zeit und mit der «stilistischen Tradition» des Werkbundes. Mit der Konzipierung eines neuen Stadtviertels mitten in der Stadt möchte sich der Deutsche Werkbund Berlin denn auch bewusst von den peripher gelegenen Werkbundsiedlungen der 1920er und 1930er Jahre abgrenzen. Und dennoch stehe die WerkBundStadt in kontinuierlicher Tradition zu ihnen, führt Albrecht Qualitätsorte für den Alltag 7 Fragen an Simone Hänggi, Neumitglied der Ortsgruppe Bern Seiten 5 7 Mädchen fürs Bauen begeistern Rückblick auf den Nationalen Zukunftstag vom 10. November 2016 Seite 8 Vorschau Werkbundversammlung und Werkbundtag 13. Mai 2017 in Emmenbrücke Seite 9

2 Göschel weiter aus: «So wie die alten Siedlungen ihre Zeit und Kultur, die der Industriegesellschaft, in Architektur manifestieren, so geschieht es in Hinsicht auf die Kultur des expressiven Individualismus bei der WerkbundStadt Berlin von 2016. In diesem Sinn höben sich weder die alten Werkbundsiedlungen noch das neu geplante Stadtquartier von einem jeweils aktuell gültigen kulturellen Grundmuster ab.» Expressiver Individualismus Dieser «expressive Individualismus» zeigt sich im städtebaulichen WerkBundStadt-Konzept und in den ersten architektonischen Entwürfen, die im Herbst 2016 anlässlich des Deutschen «Der sehr aufwändige, konsensbasierte Prozess, aus dem kein einzelner Sieger, sondern vielmehr ein aus individuellen Teilstücken zusammengesetztes Ganzes hervorging, ist überaus bemerkenswert.» Grundlagen für den Entwurfsprozess fest und hielten diese in einem Planungsreglement fest. Vorgegeben wurde, dass die Überbauung «möglichst autoarm» auszugestalten sei und dass eine gewisse soziale Durchmischung über die Preisstruktur der Wohnungen gewährleistet werden solle. Danach ging es in Workshops an die Konzeption und Entwicklung des städtebaulichen Rahmenplans, der auf der Basis verschiedener Vorschläge wiederum zu einem Konsensplan zusammengefügt und gemeinsam verabschiedet wurde. In einem Losverfahren erhielten die 33 beteiligten Architektur-Büros jeweils 3 Parzellen mit je einem zu planenden Eck-, Reihen- und Turmhaus zur Bearbeitung zugeteilt. Aus der Vielzahl der sich daraus ergebenden Möglichkeiten kristallisierte sich schliesslich der Vorentwurf für die WerkBundStadt Berlin heraus, der im letzten Herbst in Berlin präsentiert wurde. Dieser sehr aufwändige, konsensbasierte Prozess, aus dem kein einzelner Sieger, sondern vielmehr ein aus individuellen Teilstücken zusammengesetztes Ganzes hervorging, ist überaus bemerkenswert. Skizze des städtebaulichen Konzepts zur WerkBundStadt. WerkBundStadt Berlin. Werkbundtages in Berlin in einer Ausstellung zu sehen waren. Das neue Stadtquartier besteht demnach aus fünf schiefwinkligen Blöcken, die von einem langen Reihenhausblock flankiert werden. Unterteilt ist das Ganze in 39 individuelle neue Einheiten (vgl. Skizze und Modell). Einzig das bereits vorhandene Wohnhaus auf dem Gelände soll saniert und erhalten bleiben. Dieses diente sinnigerweise auch als Ausstellungsort. Bemerkenswerter Prozess Von Beginn weg wurden im Verfahren verschiedene Akteure mit einbezogen: Grundstückseigentümer, politische Entscheidungsträger, zuständige bezirkliche Verwaltungen ebenso wie 33 ausgewählte Architekturbüros (Auflistung im Nebentext). In vier Konzeptklausuren legten die Mitwirkenden zunächst die gestalterischen, politischen, ökonomischen, ökologischen und technischen Zwischenbilanz Der langwierige Prozess hat den Mitwirkenden einiges an Geduld abbedungen. Und trotzdem würde der Erste Vorsitzende des Deutschen Werkbundes, Paul Kahlfeldt, in einer Ende 2016 gezogenen persönlichen Zwischenbilanz das Projekt wieder gleich angehen: «Die Zusammenarbeit mit den Architekten, den Behörden und allen anderen Partnern hat sehr viel Spass gemacht. Von Holland bis Italien haben alle Beteiligten zusammengewirkt und sprachen offen über alles.» Nicht ohne Stolz sieht Paul Kahlfeldt auf das «Enthusiasmusprojekt», das nur mit einem sehr grossen Engagement verschiedenster Akteure bis an diesen Punkt gelangt sei.

3 Aktuelle Aufnahmen vom Gelände der zukünftigen WerkBund- Stadt. Am Spreebord. WerkBundStadt Berlin. Unter der Federführung des Deutschen Werkbundes Berlins werde nun zusammen mit den Architektinnen und Architekten sowie den Planern eine Projektgesellschaft gegründet: die Werkbundgesellschaft. Diese werde das Grundstück übernehmen und den Bau realisieren. Bis zum voraussichtlichen Baubeginn im Jahr 2019 bleibt Zeit für die planerische und gestalterische Feinarbeit, für weitere und vertiefte Informationsarbeit sowie für innerhalb wie ausserhalb des Deutschen Werkbundes zu führende Diskussionen. Bis anhin stiess das Projekt auf anerkennende Beachtung; es meldeten sich aber auch kritische Stimmen zu Wort: «Die dichte Stadt stellt nicht für jeden ein Idealbild dar», bemerkt Paul Kahlfeldt. Solchen, aber auch anderen Stimmen, die dem Projekt zu wenig Innovationskraft zuschrieben, könne am besten begegnet werden in der Realisierung einer «funktionierenden» WerkBundStadt. Eines Stadtviertels im Heute, das EIN mögliches Modell und nicht DAS Modell städtischen Wohnens darstelle. Monika Imboden Weiterführende Informationen über das Projekt und die Geschichte der Werkbundsiedlungen: www.werkbundstadtberlin.de «Ein Stadtviertel im Heute, das EIN mögliches Modell und nicht DAS Modell städtischen Wohnens darstellt.» Deutscher Werkbund Berlin (Hg.). WerkBundStadt Berlin am Spreebord. Berlin 2016. Deutscher Werkbund Berlin (Hg.). Bauen und Wohnen. Die Geschichte der Werkbundsiedlungen. Berlin 2016. Die soeben erschienenen TEC21-Nummern (3/4 2017 vom 19. Januar 2017 und 5/6 2017 vom 3. Februar 2017) sind ebenfalls der WerkBundStadtBerlin gewidmet: www.espazium.ch

4 Klausurtagung Amsterdam. WerkBundStadt Berlin. An der WerkBundStadt beteiligte Büros Bernd Albers Architekt, Berlin Bayer & Strobel Architekten, Kaiserslautern Brandlhuber+, Berlin mit Büro June14 Meyer-Grohbrügge & Chermayeff, Berlin und New York Klaus Theo Brenner Stadtarchitektur, Berlin Caruso St John Architects, London + Zürich Cramer Neumann Architekten, Berlin Dierks Sachs Architekten, Berlin Max Dudler Architekt, Berlin E2A, Zürich Hans van der Heijden Architect, Amsterdam Heide & von Beckerath, Berlin Hild und K Architekten, München ingenhoven architects, Düsseldorf jessenvollenweider architektur, Basel Petra und Paul Kahlfeldt Architekten, Berlin Jan Kleihues, Kleihues + Kleihues Architekten, Berlin Kollhoff Architekten, Berlin Thomas Kröger Architekt, Berlin Lederer + Ragnarsdottir + Oei Architekten, Stuttgart Christoph Mäckler Architekten, Frankfurt am Main Modersohn + Freiesleben Architekten, Berlin Nöfer Architekten, Berlin nps tchoban voss, Berlin Office Winhov, Amsterdam Patzschke Architekten, Robert Patzschke, Berlin Rapp + Rapp, Amsterdam RKW, Joachim Hein, Düsseldorf schneider + schumacher Architekten, Frankfurt am Main Uwe Schröder Architekt, Bonn Schulz & Schulz Architekten, Leipzig mit bayer I uhrig Architekten, Kaiserslautern Staab Architekten, Berlin Studio di Architettura, Mailand Weinmiller Architekten, Berlin

5 7 Fragen an Simone Hänggi, Neumitglied der Ortsgruppe Bern Qualitätsorte für den Alltag Seit 2007 führt die Landschaftsarchitektin zusammen mit ihrem Mann das Büro Hänggibasler für Landschaftsarchitektur in Bern. Neugestaltung einer Aussichtsplattform auf dem Schlosshügel Arbon: Neuinterpretation des historischen Kontextes. Foto: Clemens Basler. Mit Ihren Projekten möchten Sie Freiräume für Menschen schaffen. Wo sind solche Freiräume am besten realisierbar? In den letzten Jahren wurde die Verdichtung zu einem wichtigen Thema. Eine bauliche Verdichtung bedeutet, dass weniger Freiraum von mehr Menschen beansprucht wird. Daher ist es uns ein Anliegen, Freiraum vielfältig nutz- bar, aneigenbar und durchlässig zu gestalten. Unsere Projekte stehen auch für soziale Nachhaltigkeit. In vielen Ihrer Projekte gestalten Sie spezifische Räume für ganz junge, aber auch alte und/oder kranke Menschen. Gibt es hier Parallelen? In der ersten Phase der Projektbearbeitung spielt es keine grosse Rolle, ob der Raum für eine bestimmte Personengruppe bestimmt ist. Wir suchen in allen Projekten zunächst das Ortsspezifische. Die kollektive Erinnerung an Orte und Geschehnisse scheint mir wichtig zu sein im Gestaltungsprozess. An diese Erinnerung knüpfen wir an und versuchen, Orte mit grossem Wiedererkennungswert zu schaffen.

6 erst nach einigen Jahren zu bewältigen sind. Im besten Falle bietet er Raum und Aufenthaltsmöglichkeit für alle Generationen. Welche Bedürfnisse gilt es bei der Aussenraumgestaltung für demenzkranke Menschen zu berücksichtigen? 1 Es gibt Richtlinien und Empfehlungen zu Demenzgärten, und auch die Abläufe im Pflegealltag haben eine hohe Priorität. Darüber hinaus versuchen wir, die Menschen über ihre Sinne zu erreichen. Im besten Fall klingt eine Erinnerung bei einem Besuch des bunten Gartens an. Dabei platzieren und gestalten wir die Elemente so, dass die älteren Menschen sie auch tatsächlich wahrnehmen können. So wird eine duftende Blume erhöht gepflanzt, damit ihr Geruch auch stehend riechbar ist oder die Wasserfläche ist so angelegt, dass die badenden Vögel vom schattigen Sitzplatz aus zu sehen sind. In Bümpliz sind Sie in die Planung eines Mehrgenerationenprojekts involviert. Was zeichnet ein solches Projekt aus? 2 1: Wohnüberbauung Schönberg Ost, Baufeld F in Bern: Der Innenhof als wichtiger sozialer Treffpunkt. Foto: Alexander Gempeler. Dieses Projekt ist in seinem Entstehungsprozess ungewöhnlich. Der Weg scheint mir dabei fast wichtiger zu sein als der konkrete Entwurf. Es ist ein Prozess, in den viele Akteure eingebunden sind. Deren Mitwirkung prägt den Mehrgenerationenweg als Grundidee und zeichnet ihn aus. Neben den baulichen Massnahmen entstehen aus dem Prozess heraus zudem Aktivitäten, die ein weiteres Publikum anziehen und die den Park als öffentlichen Raum interessant machen. 2: Pflege- und Betreuungszentrum Kastanienpark in Oberdiessbach: Anregung zu Naturbeobachtungen und Bewegung im Garten. Foto: Clemens Basler. «In der Ausgestaltung suchen wir nach Sinnlichkeit.» In der Ausgestaltung suchen wir nach Sinnlichkeit. Für uns alle gibt es kleine Erlebnisse, die unseren Alltag erhellen: die Sonnenstrahlen zwischen den Zweigen etwa oder das kurze Gespräch mit dem Nachbarn vor der Haustüre. Zu solchen Erlebnissen verhelfen einfache Überlegungen, wie das Pflanzen eines Baumes vor einem bestimmten Fenster. Auch die Platzierung eines Kleinkinderspielplatzes direkt neben dem Hauseingang oder eine Wasserdüse an einem überraschenden Ort können dazu beitragen. Was hat Ihrer Meinung nach der ideale Spielplatz zu bieten? Freiräume für Kinder sollten meiner Ansicht nach echte «Freiräume» sein. Kinder sind in unseren Siedlungen in ihrem Handlungs- und Bewegungsraum stark eingeschränkt. Deshalb versuchen wir, einen Raum zu kreieren, wo Geschichten entstehen, die die Kinder am nächsten Tag weiter spielen können. Der Spielplatz soll auch Herausforderungen bieten, die

7 Sie sagen, dass Sie in ihrer Planung die vierte Dimension miteinbeziehen. Was heisst das? Nun, im Gegensatz zum Hoch- oder auch Tiefbau wachsen unsere Projekte nach der Fertigstellung. Natürlich beinhaltet die Landschaftsarchitektur nicht nur das Planen der Pflanzung. Viele andere Überlegungen sind für ein Projekt wichtig. Aber die Pflanzung ist oft prägend im ausgeführten Projekt. Daher machen wir uns von Anfang an Gedanken, wie ein Ort in fünf oder zwanzig Jahren aussehen wird. Wir überlegen uns, wie sich diese Räume im Lauf der Jahre verändern sollen und wo über pflegerische Eingriffe ein Status quo erhalten werden soll. Unsere Projekte gleichen also eher einem bewegten Film als einer statischen Visualisierung. Im besten Fall ist ein Gestaltungspielraum im Projekt angelegt. Denn neben den Pflanzen, die wachsen, verändern auch die Menschen den Raum. Diese Veränderung geht im Aussenraum sehr viel einfacher und selbstverständlicher vonstatten als bei Gebäuden. Die Balance zwischen «harten» und den soeben beschriebenen «weichen» Teilen in einem Projekt zu finden ist für mich eine grosse Herausforderung. Was ist Ihnen in Ihrem Arbeitsalltag wichtig? Ich schätze in meinem Beruf die vielfältigen Diskussionen mit unterschiedlichsten Menschen rund um das Thema der Frei- und Siedlungsräume. Wir verstehen uns als Bauende für das alltäg- liche Leben. Dabei suchen wir nach einer hohen Qualität in den übergeordneten Überlegungen des Städtebaus und streben eine grosse Sorgfalt im ausgeführten Detail an. Ich hoffe, dass wir mit diesem Grundsatz Orte schaffen, deren Qualitäten im Alltag erlebbar sind. Denn darum geht es uns. Zwergenhaus Spielplatz Hallenbrunnen in Bern: versteckte Märchenwelten laden zum Spielen ein. Foto: Clemens Basler. Fragebogen: Monika Imboden «Unsere Projekte gleichen eher einem bewegten Film als einer statischen Visualisierung.» Anzeige FACHGESPRÄCH POTENZIAL DER KÖRNUNG IN DER OBERFLÄCHENGESTALTUNG 28.2.2017, 18:30 UHR HAUS DER FARBE www.hausderfarbe.ch TREFFPUNKT GESTALTUNG IM HANDWERK 23.3.2017, 18:00 UHR SCHWEIZER BAUMUSTER-CENTRALE Telefon 044 493 40 93

8 Mädchen fürs Bauen begeistern Rückblick auf den Nationalen Zukunftstag vom 10. November 2016 Mit Eifer an der Arbeit: Schülerinnen schnuppern Architekturluft am Nationalen Zukunftstag. Foto: AMJGS Architektur. «Mädchen, bauen, los» Am Zukunftstag 2016 luden wir erstmalig drei Schülerinnen via die Plattform «nationaler Zukunftstag» zu uns ins Büro AMJGS Architektur in Zürich ein. Wir setzten das Angebot in der Rubrik «Mädchen, bauen, los» um, mit dem Gedanken, Schülerinnen für Berufe rund um das Bauen zu begeistern. Dass es sich hierbei keineswegs (mehr) um eine Männerdomäne handelt, zeigte sich den Mädchen auch in unserer grösstenteils aus Frauen zusammengesetzten Architekturbürogemeinschaft. Ausserdem bilden wir in unserem Betrieb Lernende der Fachrichtung Hochbauzeichnen aus. Wir möchten unser Wissen an die jüngere Generation weitergeben und mit ihr im Austausch bleiben. Unsere Lehrtochter Dana betreute Mara, Olivia und Noemi am Zukunftstag mit viel Freude. Diese erhielten von ihr die Aufgabe, ihr eigenes Zimmer mit Möblierung aus dem Kopf zu rekonstruieren und massstabsgerecht darzustellen. Die Mädchen führten dies in verschiedenen Schritten und Darstellungsformen aus. Zuerst skizzenhaft und dann immer genauer. So lernten sie auch, die korrekten Masse zu verwenden und dies in Bezug zum eigenen Körper zu verifizieren. Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurde das Gezeichnete im Modell umgesetzt mit Graukarton und farbigen Papieren sowie an der Styroporschneidemaschine. Zuletzt konnten sich Mara, Olivia und Noemi selber ins Modell einsetzen in Form eines massstabsgerechten Ausdrucks der zuvor von ihnen angefertigten Fotografie. Schliesslich präsentierten sie stolz ihr Resultat. Wir hatten den Eindruck, dass ihnen der Zukunftstag viel Spass machte und dass sie mit diesem Schnupperangebot einen ersten Einblick in unser Berufsfeld erhalten konnten. Sandra König, Architektin, Vorstandsmitglied der SWB-Ortsgruppe Zürich Nächster Nationaler Zukunftstag: 9. November 2017 www.nationalerzukunftstag.ch

9 Vorschau Werkbundversammlung und Werkbundtag 2017 zum Jahresthema «fremd inconnu» in Emmenbrücke. Samstag, 13. Mai 2017 «Emmenbronx», wie der Luzerner Vorort seit den 1990er Jahren verschiedentlich genannt wird, entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Industriezentrum der Schweiz. In neuerer Zeit ist Emmenbrücke wiederum einem grossen Wandel unterworfen. Auf fast 90 000m 2, einer Fläche also, die derjenigen der gesamten Altstadt Luzerns entspricht, entsteht momentan auf dem ehemaligen Viscosuisse Areal die Viscosistadt. Am diesjährigen Werkbundtag besuchen wir bereits bewährte, provisorische und neue Standorte der Viscosistadt und erhalten spannende Inputs zum Jahresthema «fremd-inconnu» aus philosophischer wie auch gestalterischer Sicht. Die Kunstplattform akku in der Viscosistadt Emmenbrücke. Fotos: zvg. Werkbundversammlung: Samstag, 13. Mai 2017, 9.30 bis 10.30 Uhr, kunstplattform akku, Emmenbrücke: nur für Mitglieder. Werkbundtag: Samstag, 13. Mai 2017, 11.00 bis ca. 17.15 Uhr, kunstplattform akku (Start) und weitere Orte in der Viscosistadt Emmenbrücke: für Mitglieder und weitere Interessierte. Die Einladungen werden Ende März verschickt. Anzeige raschle & partner Atelier für Gestaltung und Kommunikation GmbH n 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 ƒn 0 1 1 2 3 5 8 13 21 34 55 89 144 233 377 610 Wir bringen auch Komplexes auf den Punkt. Wir konzipieren, schreiben und lektorieren, wir gestalten, fotografieren und programmieren wir bieten Ihnen alle Kommunikationsleistungen von der Idee bis zur analogen oder digitalen Umsetzung. Nicht immer halten wir uns dabei an den Goldenen Schnitt, immer aber an vereinbarte Kosten und Ziele. Sie finden uns in Bern, Signau und im Web: raschlepartner.ch

10 Mitteilungen des Schweizerischen Werkbundes 2017-1 Neumitglieder des SWB Herzlich willkommen Wir begrüssen die neu aufgenommenen Mitglieder des Schweizerischen Werkbundes Ronnie Ambauen, Architekt, Rorschach, OG Ostschweiz Pascale Bellorini, Architektin, Bern, OG Bern Regula Bielinski, Farbgestalterin /Kunsthistorikerin, Heimberg, OG Bern Pierrette Gnädinger, Bildhauerin /Architektin, Untereggen, OG Ostschweiz Elke Hegemann, Fotografin, St. Gallen, OG Ostschweiz Mario Rüegger, Architekt, Bern, OG Bern Impressum «werkbrief» Publikation des Schweizerischen Werkbundes SWB Redaktion Monika Imboden Iwan Raschle Übersetzung d/f: Sophie Wolf Korrektorat: Sonja Blaser Erscheinungsweise Der «werkbrief» erscheint fünfmal jährlich und wird Mit gliedern des SWB sowie I nteressierten per Mail zugestellt. Redaktion und Geschäftsstelle SWB Schweizerischer Werkbund SWB Limmatstrasse 118 8031 Zürich Telefon +41 44 272 71 76 swb@werkbund.ch www.werkbund.ch Bürozeiten Die Geschäftsstelle des SWB ist normaler weise am Dienstag, Mittwoch-Morgen, Donnerstag und Freitag besetzt. Am Montag bleibt die Geschäftsstelle geschlossen. S chweizerischer Werkbund, 2017 Anzeige Anzeige Fachkurs Baubiologie Gesund und ökologisch Bauen Nachhaltig Planen und gesund Bauen kann gelernt werden. Nutzen Sie unser Wissen für Ihre erfolgreiche berufliche Zukunft. Das Bildungszentrum Baubiologie bietet Ihnen alles, was Sie dazu brauchen: WETTER SONNE, BLITZ UND WOLKENBRUCH 12.1. 21.5.2017 - Eidg. Fachausweis BaubiologIn - Lehrgang mit 10 Modulen - Beginn jederzeit möglich - Besuch einzelner Module möglich Bildungszentrum Baubiologie, 8045 Zürich Tel. 044 451 01 01 / www.bildungszentrumbaubio.ch www.landesmuseum.ch