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Allgemeines Im wurden Lagerstrafen wie Dunkelheit, Essensentzug und Prügelstrafen vollzogen, im Flur vor den Zellen auch Hinrichtungen. Bei Nachtarrest bei dem die Häftlinge nach der täglichen Arbeit während der Nacht eingesperrt wurden wurden die fünf Zellen mit 6 bis 8 Häftlingen belegt. Wegen der Enge konnten sie nur stehen. Das Lagergefängnis diente auch als Hinrichtungsstätte der Gestapo-Leitstelle Hamburg. In den letzten Monaten des Krieges wurden hier mehr als 50 Menschen pro Woche erhängt. Insgesamt wurden ungefähr 2000 Gestapo-Gefangene und KZ- Häftlinge im Flur des s durch Erhängen und Erschießen ermordet. Im September und im November 1942 wurden im insgesamt 448 sowjetische Kriegsgefangene mit Zyklon B vergast. Während der Vergasung mussten alle KZ-Häftlinge auf dem Appellplatz antreten.

Häftlingszitate Anfang September 1942 wurden mehrere Rohre durch das Dach in den Bunker hineinverlegt, in die Ventilatoren mit Heizspiralen eingebaut worden waren. Zunächst fanden die Gefangenen hierfür keine Erklärung. Schon wenige Tage später wurde ihnen jedoch klar, welchem verbrecherischen Zweck diese Einrichtung dienen sollte: an einem späten Nachmittag wurden 197 sowjetische Kriegsgefangene in das Lager geführt. Ihnen wurde alles abgenommen, was sie an persönlichen Sachen bei sich trugen. Danach mussten sie sich entkleiden und wurden von den SS-Blockführern nackt in den Bunker getrieben. Die Tür wurde verschlossen und SS-Sanitäter Bahr begab sich auf das Dach und schüttete Zyklon B in die Rohre. Die Heizspirale und der Ventilator wurden eingeschaltet und so das Gas in den Bunker geleitet. Beim Abendappell wurde in Anwesenheit aller Häftlinge und der Lagerführung die Bunkertür geöffnet und eine Anzahl Leichen fiel heraus. Die toten Kameraden lagen über- und ineinander verkrampft. Der Bunker wurde entlüftet; die Toten brachte man auf Rollwagen aus dem Lager zum Krematorium. Nach Beendigung des Abendappells durften die Häftlinge nicht gleich in die Blocks zurück, sondern hatten stehenzubleiben und mussten auf Befehl des Kommandanten das Lied Willkommen frohe Sänger singen. Ende November 1942 erfolgte in ähnlicher Weise eine weitere Massentötung von 251 Kriegsgefangenen, bei denen es sich überwiegend um Kriegsversehrte handelte. Beide Vergasungen wurden in Anwesenheit der Lagerführung durchgeführt. (Fritz Bringmann, Häftlingsbericht) [Während der Vergasungen im Bunker] standen wir auf dem Appellplatz und sangen Lieder. Dann wurden die Türen der Gaskammer geöffnet und die Leichen herausgezerrt. Sie wurden auf Handwagen geworfen und während wir sangen, durch jede einzelne Reihe der aufgestellten Häftlinge hindurch gefahren. An diesem Abend erhielten wir eine doppelte Ration Wurst. (Heinrich Soostmeyer, Häftlingsbericht Nr. 1732, S. 24)

Geliebtes du, behalte mich immer, immer lieb. Ich hoffe in Gott, dass er uns beide gesund erhält, und dass wir uns bald wiedersehen. [ ] Wenn ich nur wüsste, wohin es morgen geht. Wir sind in Neuengamme. (Annemarie Ladewig, zwei Tage vor ihrer Ermordung im in einem Brief an ihren Verlobten, 1945) Etwa im März 1945 musste ich [ ] in den Bunker gehen, um Leichen von zwei Personen abzunehmen, die aufgehängt worden waren, und ich hatte sie in die Leichenhalle zu tragen. Das Erhängen dauerte den ganzen Tag. [ ] Früh am Morgen hatte ich eine gewisse Anzahl Häftlinge zum Bunker marschieren sehen. (Eugène Marcel Prenant, Häftlingsbericht 857, S. 48) Im Bunker wurden jeden Tag Menschen gehängt; dort waren sieben Galgen aufgestellt. Man holte die Leute, z. B. aus einem Kommando, heraus und hängte sie auf, man riss sie von der Arbeit weg, um sie hinzurichten. Man gab niemals irgendeinen Grund für diese Hinrichtungen an, die ganz verborgen ausgeführt und fast geheim gehalten wurden. Ich möchte Ihnen als Beispiel einen Zimmermann nennen, den man mitten aus seiner Arbeit im August 1944 wegholte und der mit 36 anderen Häftlingen gehenkt wurde. Gegen Ende meines Lageraufenthaltes, etwa im Februar 1945, wurden 60 Holländer gehenkt, die kürzlich von Holland gebracht worden waren und der Widerstandsbewegung angehört hatten. Man wusste über ihren Fall nichts Genaues. Ich war in diesem Moment als Krankenwärter beschäftigt und wurde geholt, um sechs dieser Holländer abzuhängen. Man brachte sie in Gruppen zu je sieben, alle 20 Minuten. Wenn der Tod festgestellt war, wurde eine neue Gruppe hingerichtet. Einer meiner Freunde, der im Bunker gewesen war, erzählte mir, dass er von dort aus alle Tage Erhängungen mitanhörte. Anfangs wurden die Hinrichtungen durch den Lagerältesten, selbst ein Häftling, gemacht, dessen Namen ich nicht kannte. Dieser Lagerälteste, ein politischer Häftling, wurde im Laufe des Winters, da er in die SS kam, durch einen anderen Lagerältesten ersetzt, der mehr Skrupel hatte. Er fand drei Blockälteste, die freiwillig Henker wurden. (Eugène Marcel Prenant, Häftlingsbericht)

Zeichnung des französischen Häftlings Felix Lazare Bertrand. Der Titel der Zeichung lautet: LA QUEUE POUR ÊTRE PENDU SCÈNE VUE LE 9.8.44 (Anstehen, um erhängt zu werden Szene beobachtet am 9.8.1944). Auf der Rückseite der Zeichnung ist vermerkt: Die Zeichnung blieb lange Zeit nur auf der Vorderseite beschriftet. Ich kann heute hinzufügen, was damals zu gefährlich gewesen wäre. [Die Mithäftlinge] Pfarrer Bruni, de Vogüé und Contençon haben während der langen Viertelstunden Sterbegebete für etwa dreißig unserer Kameraden gesprochen, die einer nach dem anderen am 9.8.1944 in die Hängekammer eintraten, wo sie exekutiert wurden.

Außenaufnahme, 1945, Fotograf: Sgt. K. Edward

Zelle im, ca. 1945, Fotograf: Sgt. K. Edward

Worterklärungen Gestapo Abkürzung für Geheime Staats-Polizei. Die politische Polizei der nationalsozialistischen Regierung, die weitreichende Macht hatte, um Regierungsgegner zu bekämpfen, zum Beispiel durch eigenständige Einweisung in Konzentrationslager. Zyklon B Ein Blausäure, die zur Schädlingsbekämpfung entwickelt wurde. Die Säure wurde für Massenmorde eingesetzt, da sie bewirkt, dass Menschen beim Einatmen innerlich ersticken. Appell Auf einem Appell wurden alle Häftlinge des Konzentrationslagers auf dem zentralen Platz des Lagers ( Appellplatz ) versammelt, unter anderem, um sie zu zählen. Da diese Zählappelle stundenlang dauern konnten, war neben der Kontrolle auf Vollständigkeit der Häftlinge vor oder nach einem Arbeitseinsatz wurde der Appell vor allem als Schikane, Folter oder zur Bestrafung eingesetzt.