IT- Forum: Best Practice-Beispiele Effiziente Ausbildung in den IT-Berufen bei der Deutschen Telekom AG Die Deutsche Telekom AG wird in allen Anbieterberufen ausbilden. Nach den Wünschen der Niederlassungen wird der IT-Systemelektroniker/die IT-Systemelektronikerin zukünftig der Hauptberuf der Telekom im technischen Bereich sein. Dieser Beruf wird den Kommunikationselektroniker/die Kommunikationselektronikerin in der Fachrichtung Telekommunikation ersetzen. Der zunehmenden Bedeutung des Vertriebs entsprechend wird aber auch von vielen Niederlassungen die Ausbildung von IT-Systemkaufleuten gewünscht. Die Ausbildung zum Fachinformatiker/zur Fachinformatikerin in der Fachrichtung Systemintegration wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Fachinformatiker/Fachinformatikerinnen in der Fachrichtung Anwendungsentwicklung werden hauptsächlich in den Entwicklungszentren ausgebildet. Da 50% der Ausbildungsinhalte ohnehin als gemeinsame Qualifikationen ausgewiesen sind, ist es möglich, zusammen mit den IT-Systemelektronikern/IT-Systemelektronikerinnen auch einzelne Auszubildende in einem der anderen IT-Berufe auszubilden. Die Auszubildenden erwerben die fachspezifischen Inhalte ihres jeweiligen Berufsprofils durch entsprechende Einsätze in geeigneten Betriebsressorts. Die Anforderungen der Ausbildungsordnungen legen es nicht nur nahe, mehr Inhalte als bisher direkt in der Praxis lernen zu lassen, vielmehr muß sich auch der Stand der vermittelten Technik daran orientieren, was aktuell im Betrieb eingesetzt wird. Mit der Ausbildung in den IT-Berufen werden deshalb nicht nur veränderte Inhalte vermittelt, sondern es ist auch eine völlig neue Organisation notwendig, mit der es der Ausbildung gelingen soll, an den technischen Entwicklungen des Betriebes teilzuhaben. Dazu wurden und werden Ausbildungswerkstätten räumlich in die Ressorts verlagert, in denen relevante 1
Teile der Ausbildung durchgeführt wird. In diesen Lernwerkstätten (LW) bereiten hauptamtliche Ausbilder sowohl die betrieblichen Aufträge vor und nach, führen betriebliche Projekte durch und unterstützen die Ressorts bei der Organisation und Koordination der Ausbildung. Unabhängig von den formalen Zuständigkeiten für die Bildung und für die Aufgabenerledigung des Ressorts soll hier eine enge Kooperation mit dem Ziel erfolgen, die Integration von Arbeiten und Lernen als wesentlichen Bestandteil der Unternehmensentwicklung voranzutreiben. Die betriebliche Ausbildung der Telekom wird sich deshalb in Zukunft nicht mehr als Gebäude der Beruflichen Bildung repräsentieren, sondern als vernetzte Organisation mit einem Lernzentrum und Lernwerkstätten sowie Lern-/Arbeitsplätzen in den Ressorts. Lernwerkstätten und Lernzentrum entsprechen nach Ausstattung und Funktion nicht mehr den bisherigen Werkstätten der Ke-Ausbildung. Da die praktische Ausbildung fast vollständig im Betrieb stattfindet, erhalten sie die Aufgabe, die betrieblichen Aufgaben vor- und nachzubereiten. Insbesondere die Lernwerkstätten dienen deshalb selbst weniger als Lernort, sondern vor allem als logistischer Stützpunkt für die Kommunikation und zur Koordination für die betriebliche Ausbildung. Mit Lernaufträgen im Betrieb ausbilden Die Ausbildung in den IT-Berufen wird durchgängig während der gesamten Ausbildungszeit durch Lernaufträge strukturiert. Alle Lernaufträge werden in der Lernwerkstatt/Lernzentrum vor- und nachbereitet. Sie stellen zielerreichendes Lernen sicher. Die Lernaufträge sind lernsystematisch so strukturiert, daß sie vom Einfachen zum Schwierigen führen. Hierbei dienen im Gegensatz zur bisherigen (traditionellen) Ausbildung, in der die Ausbildung unabhängig neben den Geschäftprozessen ihren eigenen Ausbildungsprozess durchlief, die betrieblichen Geschäftsprozesse als Grundlage für die Erstellung der Lernaufräge. Das führt dazu, daß sich die Auszubildenden bei jedem Ausbildungsschritt im Geschäftsprozess des Unternehmens wiederfinden und daß die Ausbildung praxis- und geschäftsprozessorientiert erfolgt. 2
Bei der Erstellung der Lernaufträge wurden im ersten Schritt die Arbeitsabläufe und Geschäftsprozesse des Betriebes ermittelt. Hieraus wurden Kernaufträge für die Ausbildung definiert. Aus diesen Definitionen wurden die Lernaufträge strukturiert und mit der Ausbildungsordnung abgeglichen. Der Lernauftrag 3
Die Übersicht des Lernauftrages zeigt die Gliederung in "Teilaufträge". Die Bezeichnung und Numerierung wurde von dem zugehörenden Lernauftrag abgeleitet.vor dem Bearbeiten des "Gesamtlernauftrages" müssen alle Teilauftag bearbeitet werden. Diese Strukturierung führt vom Einfachen zum Schwierigen und soll anleiten, frühzeitig Teilaufträge selbständig zu bearbeiten. Somit kann immer im Handlungszusammenhang des Betriebsauftrags gelernt werden, auch wenn die vorgesehene Reihenfolge aufgrund betrieblicher Bedingungen nicht immer einhaltbar ist. Im dargestellten Beispiel soll das strukturierte Lernen aufgezeigt werden. Dabei wird auch deutlich, daß Lernaufträge nicht die Ausbildungsinhalte im Detail beschreiben und anleiten, sondern Organisations- und Strukturierungshilfen darstellen, anhand derer sich die Ausbildung steuern läßt. Überdies läßt eine solche Ausbildungsorganisation auch das Reagieren auf betriebliche Erfordernisse und die Auftragslage zu, bedingt aber auch eine sorgfältige Nachbereitung des Gelernten. Hierbei wird sichergestellt, daß von den Auszubildenden alle Inhalte aus der Ausbildungsordnung vollständig systematisch erworben werden. Planung der Ausbildung Die Planung der Ausbildung erfolgt in einem abgestuften Prozeß. Somit können zentrale Vorgaben, örtliche Rahmenbedingungen und individuelle Bedürfnisse der Auszubildenden angemessen berücksichtigt werden. Zunächst ist die Gesamtstruktur der Ausbildung in Abstimmung mit den Unternehmenszielen festgelegt worden. Diese jeweils am Zeitraster von Ausbildungshalbjahren (Ahj) ausgerichtete Struktur soll allen an der Ausbildung Beteiligten einen Überblick über wesentliche Inhalte und Ziele der Ausbildung vermitteln. 1.Ahj. Grundlagen und Identifikation mit dem Unternehmen Im ersten Halbjahr werden die Auszubildenden mit Hilfe von Lernaufträgen auf die Realisierung einfacher Kundenwünsche vorbereitet. Am Lernort im Betrieb steht die Mitarbeit noch nicht im Vordergrund, sondern die Auszubildenden sollen vor allem die Anforderungen der Praxis kennenlernen. Dabei soll auch die Identifikation mit dem Unternehmen gefördert werden. Insbesondere sollen die Azb auch schon in dieser Phase der Ausbildung das Gefühl erhalten, als 4
Mitarbeiter anerkannt zu werden. Grundlagen werden in der Lernwerkstatt nur so weit vermittelt, wie es für eine sinnvolle Mitarbeit der Auszubildenden im Betrieb notwendig ist. Günstig ist es, wenn in der Lernwerkstatt vermittelte Grundlagen unmittelbar im Betrieb angewandt und vertieft werden können. Solche Anwendungen können vom Ausbilder/von der Ausbilderin oder von einer Fachkraft angeleitet werden. Diese ersten betrieblichen Erfahrungen und Erkundungsergebnisse aus unterschiedlichen Arbeitsaufträgen sollen in der Gruppe der Auszubildenden präsentiert werden. Damit werden Präsentationstechniken eingeübt, und Erfahrungen ausgetauscht. 2. u. 3. Ahj. Lernen, einfache Kundenwünsche zu realisieren Im zweiten und dritten Ausbildungshalbjahr werden Regelaufgaben im Zusammenhang mit Lernaufträgen in verschiedenen Betriebsressorts bearbeitet. Dabei kommen, abhängig von den regionalen Gegebenheiten, alle Ressorts in Betracht, in denen die geforderten Qualifikationen erworben werden können. Dies können z.b. sein: Service, Vertrieb und Montagebereiche. Es werden zum großen Teil Lernaufträge, die im 1. Ahj. stärker angeleitet durch Ausbilder/in bzw. Mitarbeiter/in bearbeitet wurden, mit zunehmendem Grad an Selbständigkeit weiterbearbeitet. Produkt-, Systemund Verfahrenskenntnisse werden vertieft sowie Erfahrungen im Umgang mit Kunden intensiviert. Die beruflichen Schwerpunkte der einzelnen IT-Berufe werden durch unterschiedliche Bearbeitungszeiten der Lernaufträge berücksichtigt. 4. Ahj. Projektmanagement und Systemkenntnisse Mit dem 4. Ausbildungshalbjahr verlagert sich der Schwerpunkt der Ausbildung z.b. bei dem/der IT- Systemelektroniker/in zur Systemtechnik, der Installation und dem Aufbau von Netzen und größeren TK-Anlagen und bei dem/der IT-Systemkaufmann/frau zu der Erarbeitung von Systemlösungen und Servicekonzepten sowie der Erstellung von Angeboten und Verträgen. Die Auszubildenden sollen an betrieblichen Projekten beteiligt werden und auch mitarbeiten. Diese Beteiligung muß flexibel organisiert werden, damit alle geeigneten Projekte am Standort für die Ausbildung genutzt werden können. Die Auszubildenden sollen lernen, wie man Projekte in der Praxis plant und durchführt und gleichzeitig vertiefte Systemkenntnisse erwirbt. Da die Auszubildenden aus ihrer Tätigkeit am Lernort Betrieb die verschiedenen Ressorts mit ihren Aufträgen bereits gut kennen, sollen sie auch selbst an der Suche nach telekominternen Auftraggebern für ihre Projektarbeiten beteiligt werden. 5. u. 6. Ahj. Lernen an komplexen Projekten und Vertiefen in einem speziellen Einsatzgebiet (ggf. in dem Bereich, in dem eine Übernahme erfolgen kann) Im 5. u. 6. Ausbildungshalbjahr soll die Mitarbeit an Projekten fortgesetzt werden. Dabei sollten die Azb weitgehend selbständig handeln. Soweit erforderlich, erfolgt die Betreuung der Projektarbeit überwiegend durch die Ressorts, für die das Projekt bearbeitet wird. Die Möglichkeit, entsprechend der Ausbildungsordnung die betriebliche Ausbildung in einem speziellen Einsatzgebiet zu vertiefen, soll genutzt werden. Aus diesem Bereich ergibt sich auch der Projektauftrag für den Teil A der Abschlußprüfung. Findet rechtzeitig eine Übernahmeentscheidung statt, sollte die Projektarbeit in dem Ressort erfolgen, in dem die spätere Beschäftigung erwartet wird. Örtlicher Planungsprozeß Die Lernaufträge sind von betrieblichen Arbeitsaufgaben abgeleitet und mit den Vorgaben der Ausbildungsordnung abgeglichen. Die Anleitung zur zeitlichen und sachlichen Gliederung der 5
Ausbildungsordnung ist Grundlage für die Festlegung des Zeitrahmens für die Bearbeitungsdauer der einzelnen Lernaufträge. Die jeweiligen Ausbildungsschwerpunkte der IT-Berufe sind durch unterschiedliche Zeitrahmen für die Bearbeitung der Regelaufgaben im Zusammenhang mit Lernaufträgen berücksichtigt. Im Rahmen des örtlichen Planungsprozesses werden in dem Ausbildungsplan (Anlage) für jede Ausbildungsgruppe die Lernorte/Betriebsressorts konkret festgelegt. Dabei sind die regionalen Gegebenheiten und Ausbildungsmöglichkeiten in den jeweiligen Ressorts zu berücksichtigen. Fragen per E-mail an: IT-Forum Stand 03/99 6