WOLFGANG KOHLER

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WOLFGANG KOHLER 21. 1. 1887-11. 6.1967

Wolfgang Kohler Werte und Tatsachen Deutsche Dbersetzung von Dr. Mira Koffka Redigiert von Dr. Dr. Ottilie C. Selbach Springer-Verlag Berlin Heidelberg GmbH 1968

Frau Dr. phil. MIRA KoFFKA, 8311 Pauluszell iiber Landshut Frau Dr. phil., Dr. med. 0TTILIE C. SELBACH, 1000 Berlin 19, Ulmenallee 32 ISBN 978-3-540-04211-2 ISBN 978-3-642-88701-7 (ebook) DOI 10.1007/978-3-642-88701-7 Titei der Originalausgabe: The Place of Value in a World of Facts Copyright 1938, by Liveright Publishing Corporation, New York Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieses Buches darf ohne schriftliche Genehmigung des Springer Verlages iibersetzt oder in irgendeil'ler Form v e r v i e l f werden. l t i g t by Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1968. Urspriinglich erschienen bei Springer-Verlag, Berlin. Heidelberg 1968 Library of Congress Catalog Card Number 68-57395. Titel-Nr. 1537

Vorwort der englischen Ausgabe Dieses Buch hat ein philosophisches Thema. 1m Gegensatz zu vielen anderen philosophischen Biichern hat es aber vor al1em mit gewissen Teilen der Naturwissenschaft zu tun. In den letzten Jahren haben sich ernste Zweifel erhoben, ob die Naturwissenschaft bei ihrer gegenwartigen Haltung im Stande sein wird, viel zur Beantwortung der fundamentalen Fragen der Menschheit beizutragen. Miissen wir daraus den SchiuB ziehen, dab der Philosoph und der Naturforscher jeder in seiner Welt leben und arbeiten soli? Tatsachlich trennen keine scharfen Grenzen die Probleme des einen von denen des anderen. Daher mub, wenn keine Fiihlung zwischen ihnen besteht, entweder bei der Philosophie oder bei der Naturwissenschaft oder viel1eicht bei beiden etwas nicht ganz in Ordnung sein. Diese Dberzeugung braucht nicht etwa zu einer positivistischen Einstel1ung zu fiihren. Sie hat es bei unseren Dberlegungen nicht getan. Niemals, glaube ich, werden wir im Stande sein, irgendwelche Grundprobleme zu losen, wenn wir nicht bis zu den Urspriingen unserer Begriffe zuriickgehen - mit anderen Worten, wenn wir nicht die phanomenologische Methode anwenden, d. h. die qualitative Analyse des menschlichen Erlebens. Hierfiir zeigen unsere Positivisten kaum irgendwelches Interesse. Sie ziehen es vor, mit Begriffen zu arbeiten, die einen gewissen Glanz in der Geschichte des wissenschaftlichen Denkens gewonnen haben, und sie halten nicht viel von Themen, auf die diese Begriffe nicht direkt anwendbar sind. Bei der vorliegenden Untersuchung wurde ein weniger konservatives Vorgehen notig, weil an verschiedenen Stel1en einfach keine angemessenen wissenschaftlichen Begriffe zur Verfiigung standen. Der Positivismus mibbil1igt viel1eicht unseren Versuch, bei solchen Gelegenheiten durch phanomenologische Analyse zu klareren Ansichten zu gelangen. Nun gibt es eine Lektion, die der Philosoph yom Naturforscher lernen konnte. Es liegt im Wesen der Philosophie, auf die Losung genereller Probleme abzuzielen, aber es liegt in Niemandes Macht, so

GroBes ohne wei teres unmittelbar zu bewerkstelligen. Diejenigen, die dies dennoch versuchen, ubersehen bestandig wesentliche Aspekte ihrer Aufgabe. Wir haben kein Vertrauen zu ihren Schlussen. Ich uberlege, ob nicht philosophisches Denken mit etwas mehr Geduld tatsachlich schneller vorwarts kommen wurde. Solche Geduld wurde eine fur die F orschung charakteristische Haltung einnehmen. Es wurde sich ergeben, dab in der Regel partielle und vorbereitende Probleme vollkommen beherrscht werden mussen, bevor generelle Losungen erfolgreich angegriffen werden konnen. Hin und wieder konnte man dann einen Philosophen sagen horen: "Bis zu dieser Stelle weib ich meinen Weg; aber ich bin durchaus nicht sicher, was ich hinter der nachsten Ecke finden konnte. Das halte ich fur naturlich, denn die Philosophie kommt wie die Naturwissenschaft schrittweise vorwarts." Damit meine ich nicht, die Philosophen sollten ihr Interesse an generellen Losungen genereller Probleme verlieren. 1m Gegenteil, ich glaube, dab von der Philo sophie nur solche Schritte unternommen werden soli ten, die zur Vorbereitung jener allgemeineren Ergebnisse erforderlich sind. In unserer gegenwartigen Lage jedoch kann wohl der philosophische Geist echter zum Ausdruck kommen bei Arbeiten, die generelle Losungen vorbereiten, als bei einem verfruhten Bestreben, die Losungen seiber zu geben. Ich mub gestehen, dab ich hierbei zum Teil mein eigenes Vorgehen zu verteidigen suche. Unsere Zeit und eben falls die vorliegende Untersuchung hat Dutzende von verwandten Fragen vollig unbeantwortet gelassen. Hinsichtlich des Hauptproblems ist mir, wie ich hoffe, einiger Fortschritt gelungen; aber ich war auber Stande, eine einfache Formulierung endgultiger Losungen zu geben. Daher ist dies im gegenwartigen Sinn des Wortes vielleicht doch kein philosophisches Buch. W. Kohler

Inhaltsverzeichnis I. Eine Anklage gegen die Wissenschaft II. Werttheorien. III. Eine Analyse der Gefordertheit. IV. Jenseits der Phanomenologie.. V. Die Natur der physikalischen Welt. VI. Uber Isomorphie VII. Gedachtnis und Transzendenz VIII. Eine Diskussion der organischen Angepalhheit IX. Tatsachen und Krafte. X. Der Mensch und die physikalische Welt Sachverzeichnis 1 25 46 75 104 135 170 202 237 265 295