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Transkript:

Heft 6 - März 2016 Mut zur Inklusion machen! ich bin martin hackl hurra ich lebe

ich bin martin hackl ich bin 51 Jahre alt von 1973 bis 2014 habe ich in einer groß einrichtung gelebt dort wohnten nur menschen mit geistiger behinderung 1998 habe ich angefangen mit fc zu zeigen ich habe mit dem finger auf die buchstaben einer buchstaben tafel gezeigt mein arm wurde dabei von ingrid stubenvoll angefasst das hat mir geholfen hand und finger richtig zu bewegen ohne hilfe konnte ich nicht zeigen später habe ich auf dem computer getippt ingrid war von 1997 an meine kommunikations helferin im heim und ist es heute noch als mein besonderer dolmetscher erzählt sie mit mir zusammen meine geschichte als botschafter und mit inklusion sie hat dafür meine texte genommen und etwas dazu erklärt meine worte sind in roter schrift ich kann nicht alles leicht sagen ich schreibe meine wörter klein 2

Herbst 1999 idioten beurteilung muss vorbei sein wir können alle denken genau sage ich ich verlange keine unnötigen dinge arbeit urlaub freie zeit erwachsenen gemäß füllen achtung meiner intelligenz Martins Tippen wird im Heim nicht ernst genommen. Keiner beachtet seine Wünsche. Sommer 2000 italien ist wunderbar gedanke an rückkehr ist schlimm ich liebe städte da tobt das leben Martin fährt mit Ingrid und ihrer Familie nach Italien. Er vergleicht das normale Leben immer wieder mit seinem Leben im Heim. 2003 ist das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen. Martin liest einen Bericht über eine Tagung in Spanien. Darum geht es dort: Integration und Menschen-Rechte für behinderte Menschen. nirgendwo steht geschrieben dass es einen unterschied gibt zwischen euch und uns 3

Sommer 2005 Martin lernt Stefan Göthling kennen. Stefan Göthling ist der Geschäfts-Führer von Mensch zuerst. Martin schreibt zum 1. Mal Wünsche für sein Leben auf. ich möchte ein buch schreiben meine träume für mein leben theater philosophie und literatur Dezember 2005 bis Frühjahr 2006 warum lebt der fortschritt nur außerhalb meiner einrichtung ich dachte immer meine einrichtung ist vorne dran Martin macht den Schulungs-Kurs Schritt für Schritt mit. Mensch zuerst bietet den Kurs an. Martin lernt zum 1. Mal behinderte Menschen kennen, die nicht im Heim leben. Er hört viele neue Dinge. Und Martin sagt immer mehr die Worte Ja und Nein. 2006 Martin zieht in eine große Pflege-Gruppe um. Die Mitarbeiter haben zu wenig Zeit dafür: Um mit Martin Tippen mit der Buchstaben-Tafel zu lernen. Er sagt kaum noch Ja und Nein. Und er sagt über sich: nun bin ich selber wieder zum schweiger geworden 4

2006, 2007 und 2008 ich brauche neuen denkstoff dafür könnten menschen draussen sorgen Martin fährt zu 3 Sommer-Camps in Duderstadt und Graz. Er trifft viele neue Leute. Zum Beispiel Waltraud David und Petra Groß und Josef Ströbl. Sie machen alle bei Mensch zuerst mit. Darum geht es bei den Sommer-Camps: Ein selbstbestimmtes Leben für behinderte Menschen. 2007 orte wie mein heim können nur leben bieten das zufriedene ängstliche behinderte schätzen sind genug angebote da freut man sich ist nichts da hakt man den tag als erledigt ab Martin zieht in eine Außen-Stelle von seinem Heim. Das Haus liegt am Wald-Rand von einem Dorf. Er wohnt mit 27 anderen Menschen in dem Haus. Alle haben hohen Unterstützungs-Bedarf. Das ist jetzt anders: Wenn genug Mitarbeiter da sind, darf Martin sich viel wünschen und mit-reden. Einige verstehen sein Ja und Nein gut. Manche Mitarbeiter versuchen das mit der Buchstaben-Tafel. Aber nur, wenn genug Zeit dafür da ist. 5

2009 Martin geht zu einer großen Tagung nach Heidelberg. Er leitet dort eine Arbeits-Gruppe. bin ein anderer geworden seit kontakt nach draussen sicher ist Das wünscht er sich von Mitarbeitern in Heimen: erwarte zusätzlich angebote draussen ich will spass im leben ungeplant erleben 2012 Martin kauft sich einen Computer. Und er bekommt einen Taster. Damit schreibt er am Computer. Jetzt muss keiner mehr Martin beim Tippen anfassen. Aber man muss noch den Taster halten. Das will Martin noch ändern. Er will es ganz alleine können. Ab 2013 macht Martin beim Botschafter-Kurs mit. Er will etwas für sich erreichen. Und für seine Mit-Bewohner im Heim. Die auch nicht sprechen können. ich bin ein stiller beobachter der inklusion das ist Inklusion jedem zuteilen was ihn glücklich macht einer braucht mehr der andere wenig jeder hat zu jeder zeit seinen platz in der welt 6

Herbst 2014 Martin hält einen Vortrag in seinem Heim. Er spricht über Rechte und Inklusion. Sein Wohn-Heim-Leiter ist dabei. Und der obere Chef vom Wohnen aus seiner Einrichtung. ich finde dass es schwer ist ein recht zu bekommen das man nicht ausüben kann gelten im heim die gleichen rechte wie draußen muss man hier schließen ich bin nicht überall dabei ich möchte öfter dabei sein wenn die mitarbeiter diskutieren es geht um mein leben hier Weihnachten 2014 Martin wird schwer krank. Er muss jetzt beatmet werden. Deshalb muss er aus seinem Heim ausziehen. Seine Einrichtung kann ihn nicht mehr unterstützten. Seit Februar 2015 Seit Februar wohnt Martin in einer Wohn-Gemeinschaft. Es lebt in einem normalen Haus. Das Haus ist in der Stadt. In der WG leben noch 5 andere Männer. Das ist in der WG sehr wichtig: Selbst-Bestimmung. 7

2015 und 2016 Martin kann beim Botschafter-Kurs weiter mit-machen. Zuerst weiß Martin nicht so genau: Für wen soll er noch Botschafter sein. Aber Andrea Kohle macht ihm viel Mut. Sie ist auch eine Botschafterin aus dem Kurs. Martin entscheidet sich: Er will weiter Botschafter für Menschen im Heim sein. Für Menschen, die sehr viel Unterstützung brauchen. Und die nicht sprechen können. Das will Martin jetzt machen: Er will seine Freunde in seiner früheren Einrichtung besuchen. Er will dort den ruf der anderen bewohner im haus verbessern die mitarbeiter wach machen Mut zur Inklusion machen! Heft 6 - März 2016 Mensch zuerst - Netzwerk People First Deutschland e.v. Samuel-Beckett-Anlage 6 34119 Kassel 0561-7 28 85-320 E-Mail: info@menschzuerst.de Das Projekt Mut zur Inklusion machen! dauert 3 Jahre. Das Projekt bekommt Geld von der Aktion Mensch. Vielen Dank für die Unterstützung. Fotos: Ingrid Stubenvoll, Susanne Göbel 8