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52 BZB Juni 17 Wissenschaft und Fortbildung Herausforderung gemeistert Rehabilitation eines Abrasionsgebisses mit Implantation in der ästhetischen Zone Ein Beitrag von Dr. Christopher Hermanns, Jan Märkle und Dr. Ralf Masur, Unterschleißheim Sowohl eine implantologische Versorgung in der ästhetischen Zone als auch die vollständige Rehabilitation eines Abrasionsgebisses gehören zu den anspruchsvollen Herausforderungen in der Chirurgie und der Prothetik. Im vorliegenden Patientenfall bestand die komplexe Aufgabe in der Wiederherstellung der Ästhetik, der stabilen Okklusion und der korrekten vertikalen Dimension unter Berücksichtigung biologischer Prinzipien. Die leider zu häufig propagierte möglichst sofortige Umsetzung aller Behandlungsschritte in kürzester Zeit kann in komplexen Fällen wie diesem zu einem behandlerischen Genickbruch führen. Bewährte Materialien, wie beispielsweise autologer Knochen, biologische Paradigmen und routinierte Behandlungsabläufe bilden das Fundament eines vorhersagbaren Therapieerfolgs. Patientenfall Der 30-jährige Patient, männlich, Raucher, stellte sich im September 2011 das erste Mal in unserer Praxis vor. Sein primärer Wunsch war die Neuversorgung des Zahns 11. Der Patient hatte seit rund drei Jahren Beschwerden an diesem Zahn. Nach einem Hockeyunfall war der Zahn endodontisch behandelt, überkront und wenige Jahre später aufgrund akuter Schmerzen wurzelspitzenreseziert worden. Des Weiteren riet ihm seine Freundin, von Beruf ZFA, zu einer Schiene, da er nachts mit den Zähnen knirschte. Bei weiterer Befragung gab der Patient häufige Kopfschmerzen an, ferner war er unglücklich mit seinem dentalen Erscheinungsbild. Befund Im Rahmen der klinischen Untersuchung zeigten sich neben einer mäßigen Mundhygiene eine Fistel apikal von Zahn 11 sowie ein fortgeschrittener Substanzverlust aller Zähne. Auf dieser Basis wurde Zahn 11 als nicht erhaltungswürdig eingestuft. Die ausgeprägten Abrasionsspuren sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer führten zu einem ästhetisch ungünstigen Längen-Breiten-Verhältnis der Inzisiven und somit zu einem Verlust der vertikalen Kieferrelation (Abb. 1 und 2). Durch den kompensatorischen Vorschub des Unterkiefers lag ein Kopfbiss vor (s. Abb. 1). Obwohl man häufig von einem Abrasionsgebiss spricht, handelte es sich im vorliegenden Fall um einen Substanzverlust infolge einer Attrition, genauer gesagt, infolge von Bruxismus [1]. Der Parodontalbefund wies auf eine generalisierte, leichte Gingivitis mit einer Sondierungstiefe von maximal 3 mm hin. Röntgenologisch zeigten sich die zu erwartende apikale Aufhellung regio 11 sowie mehrere kariöse Läsionen im Seitenzahngebiet (Abb. 3 und 4). Anamnestisch bleibt zu erwähnen, dass der Patient starker Raucher war. Behandlungsplanung Gemeinsam mit dem Patienten diskutierten wir verschiedene Therapieansätze. Aufgrund finanziel- Abb. 1: Die Ausgangssituation von frontal zeigt deutliche Abrasionen mit Verlust des Längen-Breiten-Verhältnisses der Inzisiven. Der Kopfbiss wurde durch den kompensatorischen Vorschub des Unterkiefers hervorgerufen. Abb. 2: Im posterioren Bereich sind die Abrasionsspuren und die daraus entstandene geringe klinische Kronenhöhe erkennbar.

Wissenschaft und Fortbildung BZB Juni 17 53 Abb. 3: Ausgangssituation im Orthopantomogramm: multiple Füllungen mit Karies im Randbereich Abb. 4: Das Röntgenbild von Zahn 11 zeigt eine apikale Aufhellung. Abb. 5: Aufgrund der Fistel an Zahn 11 wurde ein zweizeitiges augmentatives Verfahren gewählt. Darstellung der klinischen Situation drei Monate nach Extraktion. Abb. 6: Von okklusal war ein bukkaler Knochendefekt bereits im Weichgewebe zu erkennen. Die definitive Versorgung der Seitenzähne und des Implantats sollte erst nach einer provisorischen Phase von bis zu zwölf Monaten stattfinden. Der Patient wurde über jeden Schritt sorgfältig aufgeklärt, sodass er den Nutzen der Therapie zu jedem Zeitpunkt erkennen konnte. Regelmäßige Prophylaxeund Kontrollsitzungen wurden vorausgesetzt. Abb. 7: Der bukkale Knochendefekt in regio 11 wurde dargestellt. ler Vorgaben entschieden wir uns im ersten Schritt für ein Implantat in regio 11. Dieses sollte dann gemeinsam mit funktioneller Betrachtung der Restbezahnung zunächst provisorisch versorgt werden. Auf einen Ersatz des Zahns 37 wurde aus den genannten Gründen verzichtet. Bei fortgeschrittenem Verlust der Vertikalrelation mit bestehender craniomandibulärer Dysfunktion sollte zur langsamen Adaptation des Kausystems eine Schienentherapie erfolgen [2]. OP-Phase Aufgrund der akuten Fistel an Zahn 11 wurde ein zweizeitiges augmentatives Vorgehen gewählt. Die fehlende Integrität der vestibulären Lamelle nach Extraktion, kombiniert mit einem ausgeprägten Muskeldruck des M. orbicularis oris, führte nach Ausheilung zu einem knöchernen bukkalen Defekt (Abb. 5 bis 7). Defekte dieses Umfangs können zuverlässig und langzeitstabil mit autologen Knochenblöcken therapiert werden. Im vorliegenden Fall wurden ein Knochenblock aus der Tuberregion 18 sowie partikulierte Spongiosa zum Aufbau verwendet (Abb. 8 und 9). Als provisorische Versorgung wurde eine klassische Interimsprothese ohne Pontic gewählt (Abb. 10).

54 BZB Juni 17 Wissenschaft und Fortbildung Abb. 8: Aus der Tuberregion wurde ein autologer Knochenblock zur Rekonstruktion des horizontalen Defizits gewonnen. Abb. 9: Die exakte Fixierung des Augmentats durch zwei Mikroschrauben wurde mithilfe eines Röntgenbilds kontrolliert. Abb. 10: Die temporäre Versorgung erfolgte klassisch mit einem Flipper ohne pontic-artige Auflage. Abb. 11: Die Implantation erfolgte drei Monate nach Regeneration des Augmentats. Nach weiteren drei Monaten zeigte sich eine ausreichend dicke befestigte Gingiva. Abb. 12: Von okklusal war die Ausformung der bukkalen Kontur deutlich erkennbar. Abb. 13: Drei Monate nach der Implantation erfolgte eine Röntgenkontrollaufnahme des Implantats. Die pontic-artige Ausformung führt zur Ausdünnung der Gingiva, wodurch ein dichter primärer Wundverschluss erschwert wird. Nach einer Heilungszeit von drei Monaten und erfolgreicher Augmentation konnte ein Camlog Screw-Line Promote-Implantat mit einer Länge von 13 mm und einem Durchmesser von 3,8 mm inseriert werden. Da der Patient starker Raucher war, wurde eine gedeckte Einheilung gewählt. Die Freilegung des Implantats erfolgte nach weiteren drei Monaten (Abb. 11 bis 13). Zur Konturverbesserung wurde ein Bindegewebstransplantat eingebracht, jedoch führte der starke Nikotinkonsum des Patienten zu dessen teilweisem Verlust. Die Heilung insbesondere zur Mesialfläche des Zahns 12 war dementsprechend als nicht optimal zu bezeichnen (Abb. 14). Da uns der Patient nicht garantieren konnte, zehn Tage rauchfrei zu bleiben, entschlossen wir uns gegen einen erneuten Eingriff und entschieden uns stattdessen für eine Ausformung der Gingiva mithilfe eines Langzeitprovisoriums. Prothetische Phase I Ziel der ersten prothetischen Phase waren nun die Findung der patientenidealen Kieferrelation sowie die Einstellung der physiologischen Bisshöhe mittels semipermanenter Repositionsonlays. Das Implantat in regio 11 wurde mit einem okklusal verschraubten Langzeitprovisorium versorgt. Im Laufe der Funktionstherapie konnte so das Weichgewebe durch sukzessives Antragen von Flow-Komposit ausgeformt werden (Abb. 15). Die initial verordnete Schutzschiene wurde nun durch einen Deprogrammierer nach J. Kois ersetzt. Der Patient wurde angehalten, diese Schiene möglichst oft zu tragen. Nach einer Tragezeit von sechs Wochen und begleitender physiotherapeutischer Behandlung wurde mithilfe der Kois-Schiene eine Bestimmung der Kieferrelation durchgeführt [3]. Diese diente dem Zahntechniker als Basis für ein diagnostisches Wax-up (Abb. 16). Nach erfolgreicher Modellanalyse konnte ein detaillierter Behandlungsplan erstellt werden. Das diagnostische Set-up lieferte nicht nur Informatio-

Wissenschaft und Fortbildung BZB Juni 17 55 Abb. 14: Situation zwei Wochen nach Freilegung. Schlechte Wundheilung und teilweiser Verlust des Bindegewebstransplantats aufgrund von Nikotinkonsum. Abb. 15: Verschraubte provisorische Krone mit Verkleinerung des Interdentalraums 11/12 und Verlegung des Kontaktpunktes nach zervikal-palatinal nen über die gewünschte Bisserhöhung und Okklusionsgestaltung, sondern auch zu ästhetischen Aspekten. Mit einem entsprechenden Mock-up am Patienten konnte so demonstriert werden, wie sich ästhetische Parameter wie Zahnlänge, Gesichtsprofil und -physiognomie verändern. Als conditio sine qua non für eine spätere restaurative Folgetherapie ist eine erfolgreiche initiale Funktionstherapie mit Verbesserung der patientenindividuellen Beschwerden anzusehen [4]. Im vorliegenden Fall kam es zu einer deutlichen Linderung der Kopfschmerzen. Wir entschieden uns daher zu einer Erhöhung der vertikalen Dimension und Stabilisierung der patientenidealen Kieferposition mittels semipermanenter Repositionsonlays. Es wurde ein zweizeitiges Vorgehen gewählt [4]. Die angestrebte Bisserhöhung um insgesamt 4 mm wurde in beiden Kiefern umgesetzt. Im Bereich der Frontzähne wurden die Größenverhältnisse nach den Regeln des Goldenen Schnitts umgesetzt. Dies vereinfachte auch die ästhetische Gestaltung der Implantatkrone regio 11. Die laborgefertigten Repositionsonlays aus PMMA wurden sukzessive in den gegenüberliegenden Quadranten im Ober- und Unterkiefer adhäsiv eingesetzt. Die Verlängerung der Frontzähne und auch der provisorischen Implantatkrone regio 11 erfolgte chairside mithilfe von Silikonvorwällen und Flow-Komposit (Abb. 17 bis 20). Zum Schutz der Restauration und zur besseren Adaption des neuromuskulären Systems trug der Patient nachts eine Schutzschiene. Die Testphase wurde von regelmäßigen Kontroll- und Hygienesitzungen begleitet. Die neue Bisslage und -höhe wurde seitens des Patienten rasch akzeptiert. Während der 13-monatigen provisorischen Phase traten keine Brüche oder Lockerungen der Provisorien auf und die Abnutzungsspuren waren als geringfügig zu bezeichnen. Prothetische Phase II Der schrittweise Kompositauftrag und der damit verbundene Druck auf das Weichgewebe führten zur Stabilisierung der Gingivaverhältnisse an der provisorischen Implantatkrone. Aufgrund der Verlagerung des Kontaktpunktes nach zervikal-palatinal war trotz verzögerter Wundheilung und starkem Nikotinkonsum eine vollständige Schließung der Interdentalräume durch Papillen zu erwarten [5]. Das Therapieziel der zweiten prothetischen Phase war die definitive Versorgung des Implantats in Abb. 16: Diagnostisches Wax-up des Ober- und Unterkiefers nach funktionellen und ästhetischen Gesichtspunkten

56 BZB Juni 17 Wissenschaft und Fortbildung Abb. 17: Situation nach Eingliederung der Repositionsonlays im Oberkiefer und adhäsiver Verlängerung der Frontzähne im Oberkiefer mit deutlicher Verbesserung des Längen-Breiten-Verhältnisses Abb. 18: Aufsicht der Repositionsonlays im Oberkiefer Abb. 19: Laborgefertigte Repositionsonlays im Unterkiefer-Seitenzahnbereich und Wax-up am Gipsmodell Abb. 20: Situation nach Eingliederung der Repositionsonlays im Unterkiefer Abb. 21: Im Oberkiefer erfolgte die Abformung des Implantats und der präparierten Zähne. Abb. 22: Im Unterkiefer sollten zunächst die Seitenzähne restauriert werden. Die Frontzähne sollten später aufgebaut werden. regio 11 sowie der übrigen Zähne des Ober- und Unterkiefers. Aufgrund der zahlreichen Füllungen und von Zahnhalskaries entschieden wir uns nach Absprache mit dem Patienten zur vollständigen Überkronung der Seitenzähne. Die Oberkieferfront sollte mit Teilkronen versorgt, die Zähne der Unterkieferfront mit Komposit aufgebaut werden. Die zentrale Aufgabe der folgenden Sitzungen war das möglichst exakte Überführen der neu gefundenen Kieferposition in die definitive Restauration. Dazu wurden zuerst einzelne Zähne einer Seite prä- pariert und mit chairside hergestellten Provisorien versorgt. Danach folgten die Zähne der anderen Seite. Erst in der darauffolgenden Sitzung wurden die übrigen Zähne der jeweiligen Quadranten beschliffen (Abb. 21 und 22). Auf diese Weise wurden die Stützzonen nie vollständig aufgelöst [4]. Zentrische Bite-Compound-Registrate konnten schrittweise unterfüttert werden und dienten der korrekten Übertragung der eingestellten Bisslage. Die Abformung des Ober- und Unterkiefers erfolgte erst nach Abheilung der marginalen Gingiva. Das ausgeformte

Wissenschaft und Fortbildung BZB Juni 17 57 Abb. 23: Die Kronen im Rohbrand auf dem Meistermodell vor der Einprobe im Mund Abb. 24: Die Verlängerung der Frontzähne war von palatinal durch eine minimale Präparation realisierbar. Abb. 25: In der Funktion angepasste IPS e.max Press-Kronen im Unterkiefer Abb. 26: Anprobe des individuellen Zirkonoxidabutments auf einer Titan-Klebebasis. Der verstärkte Druck des Hybridabutments auf das periimplantäre Gewebe ist deutlich sichtbar. Abb. 27: Bei der Rohbrandanprobe der Kronen im Mund wurden Funktion und Ästhetik überprüft. Abb. 28: Zwei Wochen nach Eingliederung der definitiven Kronen und Aufbau der Unterkieferfront zeigte sich eine stabile Situation. Emergenzprofil des Implantats 11 wurde mit Autopolymerisat auf den Abformpfosten kopiert. Zur Überprüfung der Passgenauigkeit und Okklusion wurden die Seitenzahnkronen (IPS e.max Press, Ivoclar Vivadent) sowie die Frontzahnteilkronen (Creation CP, Creation Willi Geller) vor dem Glasurbrand am Patienten überprüft (Abb. 23 bis 27). Das Austrittsprofil der Implantatkrone 11 sollte vom Labor im Durchtrittsprofil noch etwas ausgeweitet und an den Gingivaverlauf des Nachbarzahns 21 angepasst werden (Abutment: Dedicam, Camlog; Krone: Creation CP, Creation Willi Geller). Für die definitive Zementierung wurde Variolink II (Ivoclar Vivadent) verwendet. Die Unterkieferfrontzähne wurden abschließend mit Komposit (Tetric EvoCeram, Ivoclar Vivadent) aufgebaut (Abb. 28 bis 32). Zum Schutz der neuen Restauration erhielt der Patient eine neue Schiene für die Nacht. Nachsorge Die Nachkontrollen erfolgten anfangs in kurzen Intervallen. Der Patient gewöhnte sich zeitnah an die

58 BZB Juni 17 Wissenschaft und Fortbildung Abb. 29: Die klinische Situation im Oberkiefer nach der Funktionsund Okklusionskontrolle Abb. 30: Die eingegliederte Kronenversorgung im Unterkiefer Abb. 31: Die Funktionskontrolle zwei Wochen nach Eingliederung der Versorgung von linkslateral... Abb. 32:... und von rechtslateral neue Restauration. Da er weiterhin raucht, kommt er drei Mal jährlich zur Prophylaxe in unsere Praxis. Dank der guten Zahnarzt-Patient-Beziehung, der engen Zusammenarbeit mit dem Dentallabor und einer verlässlichen Behandlungsstrategie konnte ein optimales Ergebnis erzielt werden. Insbesondere das veränderte Lippenbild mit Verlängerung der Frontzähne und dem gewünschten Schluss des Diastemas wurde im Umfeld des Patienten durchweg positiv beurteilt. Die Abbildungen 33 bis 36 zeigen die Abschlussbilder der definitiven Arbeit nach mehr als zwei Jahren in situ. Diskussion Dieser Fallbericht beschränkt sich auf das Wesentliche und zeigt im Ansatz die Komplexität und den Aufwand einer Gesamtsanierung auf natürlichen Zähnen und einem Frontzahnimplantat. Trotz erschwerter Ausgangslage mit fehlender bukkaler Lamelle konnte eine suffiziente Implantatversorgung mit harmonischem Gingivaverlauf realisiert werden. Autologer Knochen stellt bei den Augmentationsmaterialien nach wie vor den Goldstandard dar. Bukkale Defekte können auf diese Weise zuverlässig rekonstruiert werden. Die Ausformung des Weichgewebes durch ein Langzeitprovisorium und das Antragen von Komposit nach feststehenden Prinzipien führen zuverlässig zur Harmonisierung und Ausbildung der Papillen [5]. Entscheidende Parameter für ein langzeitstabiles Ergebnis sind insbesondere die periimplantären Hart- und Weichgewebe. Es bleibt abzuwarten, ob dies auch bei einem Raucher im Sinne eines biologischen Schutzwalls zutrifft [6]. Das Implantat befindet sich zu diesem Zeitpunkt vier Jahre in situ. Die im vorliegenden Fall gezeigten Substanzverluste ließen sich auf Bruxismus zurückführen. Die Ätiologie für Bruxismus wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Häufig werden Zusammenhänge wie sozialer Stress oder Belastungen am Arbeitsplatz beschrieben [7]. Aufgrund supplementärer Säureeinwirkungen zum Beispiel durch exzessiven Konsum säurehaltiger Getränke oder Nahrungsmittel kann die entstandene Attrition noch verstärkt werden. Für eine entsprechende Diagnosefindung werden verschiedenste Methoden beschrieben, die zum Teil sehr aufwendig und mit hohen Kosten verbunden sind (z. B. Polysomnografie) [8].

Wissenschaft und Fortbildung BZB Juni 17 59 Abb. 33: Beim Follow-up zwei Jahre nach der Eingliederung zeigte sich ein harmonischer Gingivaverlauf. Abb. 34: Die Situation zwei Jahre nach der Eingliederung der vollkeramischen Versorgung im Oberkiefer ist absolut stabil. Abb. 35: Die Okklusion ist nach funktionellen Kriterien korrekt eingestellt. Es ist kein Chipping an den Kronen zu erkennen. Abb. 36: Es zeigen sich eine harmonische Gingivakontur und stabile Papillen an der Implantatkrone 11. Aufgrund der treffenden Selbstangaben des Patienten und der klinisch vorliegenden Zahnhartsubstanzdefekte wurde in diesem Fall auf eine weiterführende Diagnostik verzichtet. Eine langjährig bestehende Myoarthopathie führte zu einem massiven Verlust der physiologischen Bisshöhe und stellte neben der funktionellen auch eine ästhetische Beeinträchtigung für den Patienten dar. Eine Indikation zu einer prothetisch-restaurativen Versorgung ist laut Mitteilung der DGFDT (2013) gegeben. Des Weiteren wird empfohlen, vor der endgültigen Therapie eine Vorbehandlung basierend auf funktionsanalytischen Maßnahmen mit Okklusionsschienen und/oder Langzeitprovisorien zur Simulation der veränderten Kieferrelation durchzuführen. Der gezeigte Patientenfall bestätigt dieses schrittweise Vorgehen. Die aufgrund finanzieller Vorgaben sehr lange provisorische Phase mit Einstellung der patientenindividuellen Bisslage und -höhe wurde vom Patienten sehr gut adaptiert. Eine Bestätigung kann darin gesehen werden, dass es nie zu einem Verlust oder einer Reparatur der Provisorien kam. Als Therapiealternative zur zweizeitigen definitiven Versorgung mit Vollkronen stand die direkte Eingliederung von Onlays/Veneers aus Lithium-Disilikat zur Diskussion. Diese Form der Versorgung ist schneller und zahnschonender, wäre aber aufgrund der instabilen Okklusion, umfangreichen Füllungen und kariösen Läsionen im vorliegenden Fall nicht zielführend gewesen [3,9]. Fazit Der vorliegende Fall zeigt, dass selbst umfangreiche Restaurationen sowohl chirurgisch als auch prothetisch unter Verwendung von bewährten Methoden und Materialien vorhersagbar zu meistern sind. Erneut hervorzuheben ist hierbei die enge Zusammenarbeit von Zahnarzt, Patient und Dentallabor, ohne die ein solches Ergebnis nicht möglich wäre. Unser Dank gilt dem Dentallabor IDEAL Dental, Bad Wörishofen, für die ausgezeichnete zahntechnische Leistung. Literatur bei den Verfassern Korrespondenzadresse: Masur-Implantatzentrum Unterschleißheim Dr. Masur, Märkle, Dr. Hermanns Einsteinstraße 14 85716 Unterschleißheim unterschleissheim@masur-implantatzentrum.de