Tätigkeitsbericht 2006

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1 Tätigkeitsbericht 2006

2 4 Vorwort 1 Aktivitäten des MPZ Soweit nicht anders vermerkt, stammen alle Fotos aus dem Archiv des Museums-Pädagogischen Zentrums Museums-Pädagogisches Zentrum München Lektorat: Dr. Brigitte Sgoff Gestaltung und Reproduktion: Nicole Üblacker Graphik, München 5 Peter Kolb: Auszug Umzug Einzug 8 Peter Kolb: Alles Logo oder was? 10 Carmen Hille: MINERVA das neue Verwaltungsund Buchungssystem des MPZ 12 Michael Meuer: Original Dokumentation Interpretation 13 Peter Kolb: Einmal Kiew und zurück. Ein ukrainisch-deutsches Seminar 17 Carmen Hille: Der Tag der Bayerischen Landesgeschichte 19 Astrid Brosch: Elternbegleitprogramme zur KinderUni 22 Michael Meuer: Graffiti. Ein schulübergreifendes Projekt 23 Michael Meuer: Informations-CDs für Lehrer 26 Susanne Bischler: Antike wird lebendig 28 Michael Bauereiß / Bettina Schumann-Jung: Das MPZ im Münchner Stadtmuseum 30 Susanne Bischler: Zu Besuch bei den Indianern Nordamerikas. MPZ-Aktionen im Staatlichen Museum für Völkerkunde 31 Monika Jerg: Kinder- und Familienaktionen im Botanischen Garten München-Nymphenburg 36 Monika Jerg: Ein neuer Praktikumsraum für das MPZ im Botanischen Garten München-Nymphenburg 36 Monika Jerg: Ferienaktion im Paläontologischen Museum 38 Sabine Hojer: Mythos Troja 40 Peter Kolb / Tobias Schönauer / Silke Stähler-Schöpf: Wer will fleißige Handwerker sehen? 45 Astrid Brosch: Architektur zur Fußball-WM 46 Astrid Brosch: Tischlein deck dich! 48 Andrea Feuchtmayr: Experiment Adventskalender Druck und Bindung: Tutte Druckerei GmbH, Salzweg bei Passau ISBN

3 Inhalt 2 Projekte 5 Publikationen 49 Bettina Schumann-Jung: Kindergarten und Museum 50 Andrea Feuchtmayr: Zielgruppe berufliche Schulen 52 Michael Meuer: Schüler begegnen Künstlern 3 Regionale Museumspädagogik 53 Johann Fischer: Der Oberpfälzer Museumstag 54 Peter Kolb / Birgit Stoderl: Das MPZ am kelten römer museum Manching 57 Sonja Strunz: Römermuseum und Limes- Informationszentrum Weißenburg 58 Bettina Nitsche: Ein Literaturprojekt im Bayerischen Armeemuseum 59 Monika Jerg: Museumskiste im Rieskrater-Museum Nördlingen 61 Monika Jerg: Fortbildungen im Rieskrater-Museum Nördlingen 61 Monika Jerg: Lehrerfortbildung in Rosenheim: Die Wüste 62 Andreas Auer / Gernot Köcher / Ulrike Martin: Didaktische Umsetzung des Themas Boden an der Kontinentalen Tiefbohrung in Windischeschenbach 63 Michael Meuer: Der Füssener Totentanz ein Kooperationsprojekt 64 Michael Meuer: Geschichte und Geschichten barocker Gemälde in Neuburg a. d. Donau 67 Christine Meyer-Grolig: Museumspädagogische Angebote zur Ausstellung Good Bye Bayern Grüß Gott America 69 Teilabgeordnete Lehrkräfte in Bayern im Jahr Peter Kolb: Arbeitsblätter was, warum, wie, für wen? 90 Neuerscheinungen 6 92 Weitere Aktivitäten von MPZ-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern 7 96 Personalia 8 Übersichten 97 Das MPZ 98 Das MPZ in Bayern 99 Teilnehmerzahlen Chronik 100 Vertrag über den Betrieb des MPZ 102 Das Kuratorium des MPZ 103 Mitglieder des Beirats Tag der Bayerischen Landesgeschichte 103 Mitglieder des Arbeitskreises Stadt- und Landesgeschichte 4 Aufsätze 70 Manfred Treml: Der Museumskurs. Ein Werkstattbericht über ein museologisches Propädeutikum für Geschichtsstudenten 81 Alfred Czech: Original und Fälschung. Eine spielerische Form der Bildannäherung 3

4 Vorwort 4 Nach einem Umzug, der dank der logistischen Meisterleistung von Dr. Peter Kolb reibungslos verlief, hat sich das MPZ nun in seinem neuen Domizil in der Infanteriestraße sehr gut etabliert. Ein kommunikativer Einstieg mit Ausstellung und Begrüßungsabend und eine gemeinsame Informationsveranstaltung haben bereits zu einer erfreulichen Partnerschaft mit den beiden großen Behörden im Hause, dem Amt für ländliche Entwicklung Oberbayern und der Teilbehörde der Autobahndirektion Südbayern, geführt und Pläne für weitere gemeinsame Aktivitäten wie Ausstellungen, Kulturveranstaltungen, Gartenaktionen etc. sprießen lassen. Besonders hervorzuheben ist allerdings die Tatsache, dass mit den Räumen in der Infanteriestraße endlich eine angemessene Unterbringung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhanden ist und sich zusätzlich neue Möglichkeiten für Praktika, Volontariate, Sonderprojekte und die Betreuung ausländischer Kollegen ergeben. Da dem MPZ auch neue Räumlichkeiten im Stadtmuseum, im Bayerischen Nationalmuseum und im Botanischen Garten zur Verfügung gestellt wurden, haben sich hier die Arbeitsbedingungen ebenfalls erheblich verbessert. Ein entscheidender Schritt ist nach mehrjähriger Vorarbeit mit einem neuen Vertrag für das MPZ und darauf aufbauend mit der Konstituierung des neuen Kuratoriums als wichtigstes Beratungsgremium gelungen, das alle für die Tätigkeit des MPZ wichtigen Bezugsgruppen durch Repräsentanten einbindet. Schon in seinen ersten beiden Sitzungen hat es sich als Forum der Beratung, der Kooperation und des Erfahrungsaustausches erwiesen, von dessen Tätigkeit sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MPZ viel versprechen. Angesichts so vieler Neuerungen lag es nahe, dass sich das MPZ ein neues Gesicht gab, sich vor allem für ein neues Logo entschied, das Dr. Kolb, der auch die entscheidende gestalterische Anregung gab, in einem Beitrag beziehungsreich erläutert. Die Neugestaltung der Homepage wurde ebenfalls in Angriff genommen und wird im Jahr 2007 zu einem völlig veränderten optischen Angebot führen. Für die täglichen Arbeitsabläufe im MPZ und die Buchung unserer Veranstaltungen hat das in fast zweijähriger Arbeit von der Firma OMNI erstellte Buchungsprogramm Minerva kaum zu überschätzende Bedeutung. Das breit angelegte Alltagsgeschäft, das wie immer von den Kunstmuseen bis zum Botanischen Garten reicht, dokumentiert der Bericht wie in den vergangenen Jahren. Besonders hervorzuheben sind die beiden beendeten Projekte für Kindergärten und berufliche Schulen und das weiterlaufende Kunstprojekt, die nicht nur das didaktische Vermögen, sondern auch die gesellschaftliche Funktion von Zentren wie das MPZ verdeutlichen können. Bemerkenswert ist außerdem die erstmalige intensive Beteiligung an einer Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte, die zum einen neue Erfahrungsbereiche erschloss und zum anderen die logistischen, didaktischen und fachlichen Fähigkeiten des MPZ bestätigte. Ein wichtiger Schwerpunkt in der Arbeit des MPZ wird weiterhin die regionale Museumspädagogik bleiben, die durch Teilabordnungslehrer, aber auch durch den Tag der Bayerischen Landesgeschichte und den Arbeitskreis Stadt- und Landesgeschichte unterstützt wird und ihre Fortsetzung und Intensivierung besonders durch den Transfer der Ergebnisse aus den verschiedenen Projekten auf ganz Bayern erfährt. So lässt der Tätigkeitsbericht sicher erkennen, welch grundlegende Bedeutung das Jahr 2006 für die Zukunftsfähigkeit des MPZ hatte. Auf dieser Grundlage packen wir nun zuversichtlich neue Aufgaben an, die ihre Schatten bereits vorausgeworfen haben: die Kooperation mit dem Jüdischen Museum und ab 2008 mit dem neuen Münchner Stadtmuseum, Projekte zum Kompetenzerwerb durch Museen, zur Hauptschule und zum Sprachenlernen in Museen und entscheidende Verbesserungen bei unseren elektronischen Angeboten. Falls uns dies alles gelingt, dürften der schon seit Langem ins Auge gefasste Freundeskreis und ein Forum Museumspädagogik als didaktische Drehscheibe in Bayern keine bloße Zukunftsmusik mehr sein. Vielleicht kann der nächste Tätigkeitsbericht schon über einige Erfolge auf diesem Felde berichten. Prof. Dr. Manfred Treml Direktor des MPZ

5 Aktivitäten des Museums-Pädagogischen Zentrums 1 Auszug Umzug Einzug: Das MPZ hat neue Räume Wer schon einmal umgezogen ist, weiß, wie viel Zeit und Nerven es kostet, bis man die richtige Bleibe gefunden hat und eingezogen ist. Nach fast 15 Jahren Suche und einigen verpassten bzw. vereitelten Chancen, geeignete Räumlichkeiten zu finden, hat es sehr zur Überraschung vieler schließlich doch geklappt: Das MPZ ist im Herbst 2006 in die Infanteriestraße 1 umgezogen, in ein Bürogebäude, in dem auch das Amt für Ländliche Entwicklung und die Autobahndirektion Süd untergebracht sind also nicht, wie wir es gerne wollten, in unmittelbarer Nähe zu den Museen innerhalb der Museumsmeile, aber doch innerhalb Münchens. Natürlich fiel es schwer, nach so vielen Jahren als Untermieter aus den Räumen der Neuen Pinakothek auszuziehen, doch die Aussicht, dass endlich jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ein eigenes Büro beziehen konnte und die Kolleginnen und Kollegen nicht mehr zu viert oder zu fünft in einem Kellerraum im Schichtbetrieb arbeiten mussten, erleichterte die Entscheidung, längere Wege zu den einzelnen Museen in Kauf zu nehmen. Zudem konnte das MPZ in der Neuen Pinakothek die zwei Studioräume für die praktischgestalterische Arbeit und die Infothek für Rat suchende Lehrkräfte und Eltern sowie einen Lagerraum und ein Büro behalten, sodass es weiterhin in den Pinakotheken präsent ist und dort seine Arbeit fortsetzen und ausbauen kann. Pinakothek) widerlegt werden. In die Brüche gingen nämlich nur ein Schreibtischstuhl und ein Schrank. Der eigentliche Umzug dauerte, zur Verblüffung aller, nur fünf Tage für einige Mitarbeiter nur zwei Tage. Es gelang sogar, die Buchungsstelle bereits nach drei Tagen wieder online zu schalten, was besonders wichtig war, da zu Schuljahresbeginn zahllose Anfragen, Buchungen und Führungen anstanden. Dass der Umzug so gut über die Bühne oder besser gesagt über den Außenaufzug ging, lag an der sorgfältigen Vorbereitung, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses und den zahlreichen helfenden Köpfen und Händen. Wie der Umzug im Einzelnen ablief, soll hier für alle, die das Gleiche vorhaben, nur kurz skizziert werden. So setzt der Ablaufplan, wie bei jedem Event, nicht mit dem Tag der Entscheidung über den Umzug an, sondern mit dem Einzugstermin. Dieser ist ausschlaggebend für alle anderen Termine, von ihm ist abhängig, zu welchem Zeitpunkt die jeweiligen Vorarbeiten abgeschlossen sein müssen, und er muss so gestaltet sein, dass Verzögerungen innerhalb des Zeitrahmens bleiben. Wie jeder weiß, der mit Handwerkern zu tun hat, ist dies leichter gesagt als getan. Doch bis das MPZ in der Infanteriestraße einziehen konnte, war es ein anstrengender Weg mit vielen kleinen Stolpersteinen, zumal die tägliche Arbeit weitergehen musste. Dennoch konnte der Spruch Zweimal umgezogen ist einmal abgebrannt (der erste Umzug des MPZ erfolgte 1981 von der Meiserstraße in die Neue 5

6 Zeitplan Aufgaben Zuständigkeit 6 Aktivitäten des MPZ Besichtigung der Räume in der Infanteriestraße 1 T, K Zuweisung der Räume durch das Bayerische Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten Einverständniserklärung des MPZ zum Umzug T Ortstermin, Besprechung mit dem Staatlichen Hochbauamt: Fenster, Schreinerarbeiten, Umbaumaßnahmen, EDV-Anlage, Telefonanlage, Arbeitszeiterfassung, Schließanlage, Lagerräume, Autostellplätze, Klärung der Kosten für Umbaumaßnahmen, Umzug und Unterhalt K, T Raumaufteilung T, alle Zustimmung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst zum Umzug. Zu klären sind: Überlassungsvereinbarung, Bewirtschaftungskosten, Umbaubedarf, Umzugskosten, Weiternutzung von Räumen in der Neuen Pinakothek durch das MPZ T, G, K Endgültige Klärung der Umbaumaßnahmen Ortstermin K, N Pflichtenheft an Ingenieurbüro: EDV, Telefonanlage K, N Vorlage der Kostenschätzung der Sanierungsarbeiten StHA Ortstermin T, K Sept Festsetzung eines neuen Umzugstermins aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten Raumbegehung in der Neuen Pinakothek mit dem Generaldirektor der BStGS, Prof. Dr. Baumstark: MPZ-Räume und -Lager T, K März 2006 Beginn der Umbaumaßnahmen 28./ Ortstermine K, N Juli 2006 Terminabsprache mit den Umzugsfirmen K Juli 2006 Planung der Bibliothekseinrichtung, Einholen von Angeboten für Bibliothekssysteme, Vergleich der Angebote, Auftragsvergabe, Terminabsprache und Feinplanung mit der beauftragten Firma S Juli 2006 Einholen von Angeboten für Büromöbel und EDV, Vergleich der Angebote, Auftragsvergabe G Klärung der weiteren Raumnutzung in der Neuen Pinakothek durch das MPZ T Ortstermin: Klärung der Zugangsberechtigung, Unterbringung der EDV-Anlage und des Serverraums, Bodenbelag, Raumverteilung, Kostenerfassung und Kostenübernahme G, K Ortstermin: Ermittlung verschiedener Raumhöhen, Telefonnummern. Zuweisung zweier neuer Räume für Archiv und Bücherlager K, G, Sch, B, S Einholen sämtlicher Kostenvoranschläge für Umzug Barer Straße Infanteriestraße allgemein, Umzug der EDV, Umzug der Materiallager, der Bibliothek und der Kellerräume G Ortstermin: Regelung des Postaus- und -eingangs, Zuweisung neuer Lagerräume sowie in der Infanteriestraße vorhandener Schreibtische und Büromöbel K, S bis Zusammenfassung aller Kostenvoranschläge für den Umzug und die Raumausstattung B Zuweisung der Räume, die das MPZ in der Neuen Pinakothek behält: die beiden MPZ-Studios, der Infotresen im Souterrain, ein Lagerraum im Keller sowie ein Büro BStGS Klärung mit der Zentralverwaltung bezüglich Postaustausch, Telefonanlage, Zugangsberechtigung in der Neuen Pinakothek, Nutzung der Bibliothek der BStGS T Kündigung der Telefonanschlüsse G Juli 2006 Bibliothek: Überprüfung der Tragfähigkeit der Böden durch einen Statiker S, K August 2006 Mitteilung der geplanten Umzugskosten an das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst T Genehmigung der Umzugskosten durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Auftragserteilung an die ausgewählten Umzugsfirmen T, G Zuteilung der neuen Telefonnummern S, K ab Bekanntgabe der neuen Adressen und Telefonnummern im Internet S Ortstermin zur genauen Kostenschätzung und Planung der Finanzierung StHA Feinplanung des Umzugs, Anforderung von 600 Umzugskartons G ab Abbau und Einpacken der Regalsysteme und des Materiallagers K, G ab Einpacken in den einzelnen Büros Alle ab Abbau und Einpacken von Bibliothek, Teilarchiv, Schriftenlager S Transport des Ausstellungssystems und weiterer Materialien in das MPZ-Lager in Karlsfeld, Transport von Büchern und Regalen aus dem MPZ-Lager in Karlsfeld in die Infanteriestraße C, M, K, Sch Abgabe der Raum- und Stellpläne Alle Antrag auf Umstellung der DSL-Leitungen über das Bayerische Landesamt für Statistik G Umzug des Medienraums B

7 Zeitplan Aufgaben Zuständigkeit Aufstellen der Kellerregale K Einbau und Anschluss der Zeiterfassungsanlage K, BStGS Urlaubssperre: Vorbereitung der Büros und Lager für den Umzug Alle ab Kommunikation der neuen Adresse und Telefonnummern (u.a. auf Buchungsbestätigungen, Fax, Briefköpfen, Prospekten und in -Signaturen) S, G Beginn des Bibliotheksaufbaus in der Infanteriestraße S Umzug des Materiallagers C Bestellung von Bürostühlen G Einbau des Rooters durch B Telecom und Leibniz-Rechenzentrum. Überwachung durch die zuständige Computerfirma K Umzug der EDV: Datensicherung, Abbau der Computer in der Barer Straße, Aufbau und Anschluss in der Infanteriestraße K bis Rückführung der Bibliotheksbücher Alle; B, S EDV-Sperre G, K bis Beschriften aller Möbel, Umzugskartons, PCs mit den neuen Raumnummern zur Orientierung für die Umzugsfirma Alle Verzögerung des Bibliotheksaufbaus aufgrund von Fehllieferungen S EDV: Aufbau und Anschluss; Terminabsprache mit der zuständigen Computerfirma K Aufbau neuer Kopierer in der Infanteriestraße G Umzug Aufgabe der Umzugsfirma: in der Barer Straße 29: Einpacken, Büros und Materiallager räumen in der Infanteriestraße 1: Büros einräumen, verfügbare Tische aus dem Lager in alle Büros stellen Nebenbei noch zu regeln: Unbedenklichkeitsbescheinigung der Umzugsfirma Neuer Außenaufzug, der bis in den 6. Stock reicht Räumen und Einrichten nach Stockwerken Erste Priorität beim Aus- und Einräumen: die Buchungsstelle im 6. Stock Problem: Die Lagerräume in der Infanteriestraße werden erst Ende der Woche frei. K, G Abbau der Kopierer in der Barer Straße G Aufnahme des Postaustauschs mit der Neuen Pinakothek (nur zweimal wöchentlich möglich) Rückführung der Transponder in die Neue Pinakothek G Okt. Nov Einräumen der Bibliothek: ca. 2 Monate mit 10 Std. / Woche S Nov Ermittlung der real angefallenen Gesamtkosten des Umzuges K, G Okt. Nov Nachbesserungen, Einsortieren des Materiallagers und des Archivs, Abholung von 60 Holzstühlen für das Konferenzzimmer B, J, S Dez Jan Neue Geschäftsausstattung S Aktivitäten des MPZ B BStGS C G J K M N S Sch StHA T Michael Bauereiß M.A. Bayerische Staatsgemäldesammlungen Dr. Alfred Czech Gabriele Göbl Monika Jerg Dr. Peter Kolb Dr. Michael Meuer Brigitte Nöbel Dr. Brigitte Sgoff Tobias Schönauer M.A. Staatliches Hochbauamt Prof. Dr. Manfred Treml Der Ablaufplan des Umzuges mag zwar banal aussehen. Doch hinter jedem Termin standen zahllose Vorgespräche, offizielle Besprechungstermine und Nachbesprechungen, Ortsbegehungen, Gesprächsnotizen, Protokolle, Pflichtenhefte, Verträge, ein umfangreicher Schriftwechsel mit den Ministerien, dem Staatlichen Hochbauamt, dem Amt für Ländliche Entwicklung und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sowie viele detaillierte Ablaufpläne, die immer wieder modifiziert werden mussten. Allen, die noch einen Umzug vor sich haben, wünschen wir viel Glück, einen langen Atem und Durchhaltevermögen. Dr. Peter Kolb 7

8 Alles Logo oder was? 8 Aktivitäten des MPZ Wie ein Blick in die Geschichte zeigt, waren und sind Logos in allen Epochen der Menschheit wichtig. Als Gesichts- oder Körperbemalung, als Schildbemalung, Wappen oder Zunftzeichen, als Zeichen einer Religionsgemeinschaft oder Partei, als Tattoo oder Brandzeichen, als Firmenlogo oder Fanabzeichen spielen sie eine große Rolle, wenn es darum geht, ein Gefolge oder eine Fangemeinschaft um sich zu versammeln und deren Zugehörigkeit zu signalisieren. Mit der ständig wachsenden Zahl von recht unterschiedlichen Anbietern auf dem Gebiet der Museumspädagogik fällt es den Museumsbesuchern sowie den Teilnehmern an museumspädagogischen Veranstaltungen immer schwerer, einzelne Organisationen voneinander zu unterscheiden und die erbrachten Leistungen der jeweiligen Institution zuzuordnen. Mit seinem hohen Wiedererkennungseffekt gewinnt das Logo somit auch für das MPZ eine immer größere Bedeutung, um auf dessen unverwechselbares Profil und die Qualität seiner Arbeit zu verweisen sowie diese konsequent in der Öffentlichkeit zu vertreten. Entspricht die Qualität der geleisteten Arbeit den Erwartungen der Teilnehmer einer MPZ-Veranstaltung oder den Wünschen der Museen oder übertrifft sie diese, wird das Logo darüber hinaus mit positiven Assoziationen besetzt und zum Qualitätssiegel für professionelle und zielgruppenorientierte Museumsvermittlung, über die man spricht und die man gerne weiterempfiehlt. Gleichzeitig müssen das MPZ-eigene Profil und die museumspädagogischen Leitmotive aber nicht nur nach außen, sondern auch nach innen, das heißt den eigenen Mitarbeitern, konsequent und nachhaltig kommuniziert werden, da sich der Mitarbeiterstab ständig vergrößert, die Museumspädagogen aus unterschiedlichsten Berufsfeldern kommen und freie Mitarbeiter oft für mehrere Institutionen arbeiten. Dies gilt wohlgemerkt nicht nur für freie und zeitlich begrenzt für das MPZ tätige, sondern auch für fest angestellte und langjährige Mitarbeiter. Auch sie müssen immer wieder an die Ziele und Aufgaben des MPZ erinnert werden und ihre Arbeitsergebnisse an dessen Leitlinien stets aufs Neue hinterfragen. Aus all den genannten Gründen sollte das Logo immer auch mit der Entwicklung der Institution Schritt halten und diese widerspiegeln. Gerade daher lag es nach dem Umzug des MPZ und im Rahmen der Neuorganisation des Internetauftritts, die noch bis Mitte 2007 im Gang sein wird, nahe, ein neues Logo zu entwickeln. Eine solche Entwicklung braucht viel Zeit, Kreativität und professionelle Gestaltungsarbeit, da das Logo möglichst einprägsam sein soll, die Corporate Identity visualisieren und sich an die unterschiedlichsten Informationsträger, seien es zum Beispiel Briefköpfe, Visitenkarten, Plakate, Bücher, Programmhefte oder Internetauftritt, farbig oder schwarz-weiß, anpassen soll. Das neue MPZ-Logo, das seit Ende 2006 im Umlauf ist Warum sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MPZ gerade für dieses Logo entschieden haben und welche Ideen bei der Entwicklung des neuen Logos zugrunde lagen, soll im Folgenden kurz beschrieben werden.

9 Ziel war es, ein einfaches Logo zu entwerfen, das mit einem Blick erfasst werden kann und dennoch komplex genug ist, um das Auge länger verweilen zu lassen. Es zeichnet sich durch Prägnanz, Dynamik und Ausgewogenheit aus und soll Eigenständigkeit, Wiedererkennbarkeit und Unverwechselbarkeit ausdrücken. Der kursiv angelegte kräftige Schriftzug des bekannten Namenskürzels steht für Entschlossenheit, Dynamik und Kreativität in der Vermittlung von Kunst, Geschichte und Naturwissenschaft. Die Kreiswelle Eine Welle ist im physikalischen Sinn eine periodische, gleichmäßige Zustandsveränderung in einem Medium und eine Form von Energieausbreitung. Erfolgt diese im zweidimensionalen Raum von einem Punkt aus, so spricht man von einer Kreiswelle. Aktivitäten des MPZ Das gerundete M ist sowohl Buchstabe als auch Zeichen. So steht das M für Museum und München. Die gewählte Formgebung verweist aber zugleich auf eine Arkadenreihe als Eingangsbereich eines Museums und auf die Frauenkirche mit ihren Zwiebeltürmen als Symbol für München. In enger Verbindung mit dem Buchstaben M steht im Übrigen auch der sehr einprägsame Wahlspruch oder Slogan des Hauses Museen muss ich sehen. Für Neukunden, die mit der Abkürzung MPZ noch wenig anzufangen wissen, steht der Institutsname in Großbuchstaben ausgeschrieben unter dem Logo, wobei die hervorgehobenen Anfangsbuchstaben an den Zeilenanfängen bei der Erschließung der Abkürzung helfen. Die Farbe Orange Orange, als Symbolfarbe für Optimismus und Lebensfreude, soll Aufgeschlossenheit, Kontaktfreude, Nähe zu Kindern und Jugendlichen, Aktivität und Kreativität signalisieren und steht somit für die Ziele und Aufgaben des MPZ. Die konzentrischen Kreisformen der Welle beschreiben somit die wesentlichen Aufgabenbereiche des Museums-Pädagogischen Zentrums, nämlich Entwicklung, Ausarbeitung und Verbreitung von übertragbaren museumspädagogischen Modellen, Konzepten und Vermittlungsmethoden. Die drei offenen Kreiswellen symbolisieren aber auch die drei wichtigsten Kooperationspartner: die Museen einerseits, Schule und Kindergarten andererseits. Da aber Museen, Schulen, Kindergärten oder andere Bildungseinrichtungen ihrerseits zum Ausgangspunkt neuer Kreiswellen werden, wenn sie mit dem MPZ in Berührung kommen, entstehen, vom MPZ ausgehend, zahlreiche Überlagerungen und Wechselwirkungen im Spannungsfeld der Museumspädagogik. So fungiert das MPZ als Impulsgeber, aber auch als Empfänger und Vermittler museumspädagogischer Innovationen. Dr. Peter Kolb 9

10 Aktivitäten des MPZ MINERVA bietet den verschiedenen Arbeitsbereichen im MPZ jeweils auf sie zugeschnittene Informationen und Dienstleistungen. MINERVA das neue Verwaltungs- und Buchungssystem des 10 Das Jahr 2006 brachte für das Museums-Pädagogische Zentrum einen großen Fortschritt im Bereich der Datenverarbeitung und -verwaltung mit sich. Nach intensiven Planungen und Vorarbeiten wurde Anfang des Jahres die neue Software MINERVA in Betrieb genommen. MINERVA ist ein speziell für das Museums-Pädagogische Zentrum entwickeltes Verwaltungs- und Buchungssystem für museumspädagogische Veranstaltungen und Informationen. Hauptaufgabe dieses neuen Datenbanksystems ist die Vereinfachung und Optimierung der Buchung von Veranstaltungen, die das MPZ konzipiert, durchführt oder koordiniert. Um den ständig wachsenden Aufgaben an der MPZ- Buchungsstelle gerecht zu werden, unterstützt MINER- VA die Arbeitsabläufe während der Erstellung und Pflege der Veranstaltungsinformationen und der Buchung. Das Spektrum reicht von Reservierungsanfragen bis zur Buchung, seien es Führungen und Werkstattprogramme für Schulklassen, Kindergartengruppen oder Hortgruppen, Fortbildungen für Lehrkräfte und Erzieher/innen oder Freizeitveranstaltungen wie die MPZ-Klassiker der Familienprogramme, Ferienaktionen und Kindergeburtstage sowie Angebote der Erwachsenenbildung. Bei der Planung des Systems wurden neben den Anforderungen der Buchungsstelle auch Anregungen und Bedürfnisse aller weiteren Fachbereiche im MPZ berücksichtigt und mit einbezogen. Somit stehen die Vorteile dieses Datenbanksystems auch der MPZ-Leitung, den Fachreferaten, dem Lektorat und der Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung. Die Daten in der Datenbank sind Quelldaten, die nur einmal gepflegt werden, aber in jedem Fachbereich beliebig oft verwendbar sind (Single-Source-Prinzip).

11 Sämtliche Arbeitsbereiche haben direkten Zugriff auf MINERVA. Alle Mitarbeiter können sowohl Informationen eingeben als auch abrufen. Aktivitäten des MPZ Museums-Pädagogischen Zentrums Schlüsselmerkmale des Systems MINERVA Zentrale Datenhaltung: einheitliche Pflege der Informationen in einem System: Single-Source- Prinzip. Eine Schnittstelle in der Datenbank gewährleistet die Weiterverwendung der Daten z.b. ab 2007 für die MPZ-Webseite (Datenexport). Optimierte Buchungsabwicklung: schneller Überblick und Eingabemöglichkeit der Buchungen mit Unterstützung des Systems, um Terminüberschneidungen zu vermeiden; automatisierte Belegerstellung Integration aller zuständigen Mitarbeiter in den Ablauf des Systems; dadurch schnelle Aktualisierung durch kurze Wege Informationen / Änderungen stehen allen Benutzern zeitgleich und unmittelbar zur Verfügung. Keine Redundanz der Daten beim Erstellen oder Pflegen Qualitätssteigerung durch unmittelbare Integration des Lektorats in den Informationsprozess Kostenreduzierung durch Automatisierung bei wiederkehrenden Arbeitsabläufen ( Klonfunktion beim Erstellen von Jahresprogrammen, Erstellen von Buchungslisten, Buchungsbestätigungen via u.a.m.) Weiterverwendung der strukturierten Daten für verschiedene Bereiche (Webseite, Newsletter, Statistik zu planerischen Zwecken, Marketing allgemein) Carmen Hille 11

12 Blick in die Ausstellung im Foyer. Im Vordergrund Gabriele Münter: Das Russenhaus Original Dokumentation Interpretation: Kampenwand von Max Joseph Wagenbauer, Aktivitäten des MPZ Ein Ausstellungsprojekt des MPZ: Original Dokumentation Interpretation Der Umzug des MPZ in seinen neuen Amtssitz in der Infanteriestraße 1 wurde mit einer kleinen, vom MPZ angeregten Begrüßungsfeier abgeschlossen. Dabei sollten sich die Ämter, die in der Infanteriestraße 1 zusammengefasst wurden, vorstellen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Gelegenheit erhalten, sich kennenzulernen. Diesen Anlass nützte das MPZ für eine kleine didaktische Ausstellung, die 2005 an der Fachhochschule für Fotodesign in Kooperation mit dem MPZ vorbereitet worden war und 2006, nach Fertigstellung der Exponate, gezeigt werden konnte. Auf diese Weise wollte das MPZ einen Einblick in seine Arbeitsweise, seine Zielsetzungen und Methoden geben. Für das Ausstellungsprojekt Original Dokumentation Interpretation, in dessen Mittelpunkt sieben ausgewählte Gemälde der Städtischen Galerie im Lenbachhaus standen, zeichneten für die Fachhochschule Hermann Ebner und für das MPZ Dr. Michael Meuer verantwortlich. Ausgangspunkt waren Museumsbesuche der Fachhochschule für Fotodesign München in der Neuen Pinakothek sowie in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus im Rahmen des Unterrichts im Fach Kunstgeschichte. In einem Vergleich von Werken der Münchner Schule mit denen der Künstlergruppe Der Blaue Reiter sollten die besonderen Merkmale expressionistischer Malerei herausgearbeitet werden. Die an den Museumsbesuch anschließende praktische Arbeit beabsichtigte eine vertiefende Beschäftigung mit einzelnen Werken. Dem Studienschwerpunkt folgend, wurde auch eine fotografische Aufgabe für die bildnerische Arbeit gestellt: Es galt, als Erstes dem dargestellten Motiv zu folgen und exakt den Standort ausfindig zu machen, den der Künstler zur Zeit der Bildentstehung einnahm. Von diesem Standpunkt aus sollte eine nüchterne dokumentarische Aufnahme gefertigt werden, welche die Ansicht des historischen Motivs aus heutiger Sicht wiedergibt und die zu einem kritischen Motivvergleich herausfordert, mit Blick auf die ökologischen, topografischen oder ökonomischen Ursachen in der Stadt- bzw. Landschaftsentwicklung. Mit der anschließenden Aufgabenstellung, eine eigene, freie Interpretation des Motivs aus heutiger künstlerischer Sicht zu fertigen, sollte ausgelotet werden, ob das Motiv an sich oder aber der Wandel des optischen Erscheinungsbildes und seine Ursachen Anreiz für eine persönliche bildnerische Stellungnahme geben können. Der Reiz der jeweils dreiteiligen Ausstellungsbeiträge, Original Dokumentation Interpretation, besteht im Bildvergleich. Dieser ermöglicht sowohl individuelle Einsichten bei der Analyse augenfälliger Veränderungen der Motive als auch einen Einblick in Seh- und Darstellungsweisen zeitgenössischer Künstler, die sich mit traditionellen Motiven, aber auch den Ursachen erkennbarer Veränderungen auseinandersetzen wollen. Die Rezeption der Ausstellung fordert zu einer intensiven, vergleichenden Bildbetrachtung heraus mit dem gewünschten Ergebnis eines weiteren Museumsbesuches. Die Ausstellung war vom 26. Oktober bis zum 20. Dezember 2006 im Foyer des Bürogebäudes in der Infanteriestraße 1 zu sehen. Weitere Ausstellungen sind vorgesehen. Dr. Michael Meuer

13 Einmal Kiew und zurück Ein ukrainisch-deutsches Seminar zum Thema Die Wechselwirkung von Museum und Schule Neben der Unterstützung der Bildungsarbeit von Museen, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen gehört die Förderung des Erfahrungsaustausches zwischen den einzelnen Bildungsinstitutionen zu den zentralen Aufgaben des MPZ. Während der Informationsaustausch zwischen den Museumspädagogen im deutschsprachigen Raum auf Bundes- und Länderebene regelmäßig stattfindet, gestaltet er sich auf internationaler Ebene naturgemäß schwieriger. Umso erfreulicher ist es, dass seit einigen Jahren nun auch einige osteuropäische Museumsdirektoren und Kulturverantwortliche die Museumspädagogik als Vermittlungsmöglichkeit zwischen den unterschiedlichsten Bildungseinrichtungen und ihren Bürgern erkannt haben. Vor allem in der vielfältigen deutschen Museums- oder Kulturpädagogik sehen sie einen möglichen Weg zur demokratischen Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten am kulturellen Erbe ihres Landes und Europas. Da aber nur einige wenige Museumsfachleute in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion die Möglichkeit haben, sich selbst vor Ort über die Arbeitsweisen der modernen Museumspädagogik zu informieren, besteht großes Interesse an kompetenten Ansprechpartnern und Multiplikatoren, die bereit sind, in diese Länder zu reisen, über ihre Arbeit zu berichten und den internationalen Erfahrungsaustausch zu fördern. So erging nach einem Kurzbesuch von Frau Prof. W. Wrublewska, stellvertretende Leiterin des Lehrstuhls für Theorie, Geschichte und Kulturpraxis, und Frau A. Wjaletz, Leiterin des Museums für ukrainische dekorative Volkskunst in Kiew, eine Einladung an das MPZ, an einem ukrainisch-deutschen Seminar zum Thema Die Wechselwirkung von Museum und Schule eine Tendenz zur Integration teilzunehmen. Dass aus einem kurzen Gespräch über die Arbeitsweise des Museums-Pädagogischen Zentrums eine zweitägige Seminarveranstaltung in Kiew wurde, ist vor allem dem Engagement von Frau Prof. W. Wrublewska zu verdanken, die ihren Kollegen das Münchner Modell vorstellen wollte. Bei ihrem Vorhaben wurde sie vom Ministerium für Kultur und Tourismus der Ukraine, der Staatlichen Akademie für leitendes Personal der Kultur und Kunst und der dortigen Botschaft der Bundesrepublik Deutschland unterstützt. An dem Seminar in Kiew, das am 23. und 24. November 2006 stattfand, sollten ursprünglich nur ca. 25 Museumsdirektoren und ihre Stellvertreter sowie wissenschaftliche Mitarbeiter der Museen aus Kiew, Dnipropetrowsk und Tschernigow teilnehmen, doch waren bei der Eröffnungsveranstaltung im Nationalmuseum für Literatur der Ukraine über 100 Personen anwesend. Bei den Tagungsteilnehmern handelte es sich zum einen um Museumsleiter/innen und offizielle Vertreter/innen aus den verschiedenen Bildungs- und Kulturbereichen der Ukraine und zum anderen um Museumspädagogen und Studenten des Lehrstuhls für Theorie, Geschichte und Kulturpraxis. Nach den Grußworten der Veranstalter folgte eine ca. zweistündige Präsentation über die Entwicklung der deutschen Museumspädagogik im Allgemeinen, über die unterschiedlichen Organisationsformen Aktivitäten des MPZ 13

14 Ein Blick in die historische Sammlung des Museums Kiyanochka 14 Aktivitäten des MPZ museumspädagogischer Einrichtungen in Deutschland und über den Aufbau und die Arbeitsfelder des Museums-Pädagogischen Zentrums München. Anschließend konnten die Teilnehmer Fragen zu Einzelproblemen aus dem museumspädagogischen Alltag stellen. Im zweiten Teil des ersten Seminartages stellten einige Museumsleiterinnen aus der Ukraine ihre Museen und ihre Arbeit mit Schulen und anderen Bildungsträgern vor. Obwohl die Redezeit pro Museum wegen der zahlreichen Wortmeldungen leider auf drei Minuten begrenzt war, zeigte sich, dass einige Museen bereits seit Jahren sehr aktiv mit Schulen zusammenarbeiten und in Kooperation mit Büchereien und anderen Bildungs- und Kultureinrichtungen in den Sommermonaten sogenannte Museumsfestivals veranstalten. Vertreter anderer Museen berichteten, dass sie zwar mit einigen Lehrkräften, vor allem höherer Jahrgangsstufen, sehr erfolgreich zusammenarbeiten, dass ihre Museen aber dennoch, gemessen an der Zahl der Schulen, kaum als Lern- und Bildungsort wahrgenommen werden. Des Weiteren wurde deutlich, dass die verschiedenen Museen oft die gleichen logistischen Probleme in der Zusammenarbeit mit den Schulen und Schulträgern oder in der Entwicklung von schulorientierten Museumsangeboten haben. Deshalb baten einige Museumsleiter/innen die für Museen zuständige Ministerialbeauftragte im Kulturministerium, mit dem Unterrichtsministerium Kontakt aufzunehmen, um die Zusammenarbeit von Schulen, Museen, Archiven und Bibliotheken zu verbessern und ihre museumspädagogische Arbeit zu unterstützen. Obwohl aufgrund des engen Zeitrahmens viele Detailfragen kaum beantwortet und Problemfelder nur angerissen werden konnten, waren sich alle Teilnehmer einig, dass der persönliche Erfahrungsaustausch unbedingt fortgesetzt und weiterentwickelt werden sollte. Da das Interesse an der deutschen und ukrainischen Museumspädagogik überwältigend groß war und die mitgebrachten Handouts, CDs und Bücher zur deutschen Museumspädagogik sowie zur Arbeit des MPZ und die Informationsschriften der ukrainischen Kollegen daher bei weitem nicht ausreichten, erklärten sich Frau Prof. W. Wrublewska und der Leiter der Staatlichen Akademie für leitendes Personal der Kultur und Kunst bereit, einen Tagungsbericht zusammenzustellen und diesen auch allen Seminarteilnehmern zukommen zu lassen. Der Tagungsbericht soll zum einen die Berichte der Referenten beinhalten und zum anderen einen Überblick über den aktuellen Stand der ukrainischen Museumspädagogik geben. In der Vorstellungsrunde der Museen zeigte sich nämlich, dass es in der Ukraine bereits viele interessante museumspädagogische Ansätze und Aktivitäten gibt, jedoch nur ein kleiner Personenkreis davon weiß. Wie groß der Katalysatoreffekt dieser Veranstaltung war, zeigte sich in den zahlreichen kleinen, äußerst intensiven Gesprächsrunden am Abend und am nächsten Tag. Am zweiten Seminartag wurden die Teilnehmer aufgeteilt. Während die sogenannte Gruppe aus Kiew und Umgebung einzelne Museen der Stadt besuchte, verbrachten die Museumsleiter/innen aus den Regionen um Dnipropetrowsk und Tschernigow den Vormittag in dem Kindergarten-Schul-Museum Kiyanochka. Bei dieser Bildungseinrichtung, die für ihre pädagogische Arbeit viele Auszeichnungen erhalten hat, handelt es sich um einen Kindergarten mit angegliederter Grundschule und einem kleinen Museum.

15 Schülerinnen einer 4. Klasse bei Schreibübungen auf Wachstäfelchen im Museum Kiyanochka Für alle Altersstufen gibt es ein reichhaltiges und intensives Bildungs- und Kulturangebot in Fremdsprachen, Musik, Tanz, Kunst und Geschichte, das von Erzieherinnen, Lehrerinnen und freischaffenden Künstlerinnen durchgeführt wird. Das Museum, das mit einem amerikanischen Kinder- oder Nachbarschaftsmuseum vergleichbar ist, umfasst eine Bildergalerie, eine heimatkundliche Ausstellung, eine sogenannte gute Stube, einen großen Saal mit Bühne und einen Garten, in dem die Kinder selber verschiedene Nutz- und Zierpflanzen anbauen können. Die Galerie im Eingangsbereich zeigt Gemälde von Eltern oder Großeltern der Kinder und ist Ausgangspunkt für Bildbetrachtungen und kreative Zeichen- und Malkurse, die von einer Künstlerin geleitet werden. Die Sammlung zur Geschichte der Ukraine und Kiews besteht aus Fotos, Plakaten, Bildern, Postkarten, Zeitungsartikeln und Büchern, die in Wandvitrinen thematisch untergliedert ausgestellt sind. Außerdem gibt es kindgerechte niedrige Vitrinen mit Originalen oder Repliken. Zu jedem der 14 Themenbereiche, sei es Vorgeschichte, Schriftkunde, Stadtgründung, die große Hungersnot, der Vaterländische Krieg oder die Ukraine heute, werden kleine Projekte oder Unterrichtseinheiten mit integriertem Werkstattprogramm durchgeführt. Zusätzlich finden regelmäßig Stadtrundgänge und Museumsbesuche zu den jeweiligen Themen statt. Die praktischkreativen Arbeiten werden entweder in den Klassenräumen oder in der guten Stube, einem mit Originalen eingerichteten ländlichen Wohnraum, durchgeführt. Die gute Stube wird aber auch für Kleinveranstaltungen und Geburtstagsfeiern genutzt. Zur Begrüßung der Seminarteilnehmer führten die Kinder traditionelle und moderne ukrainische Tänze auf. Dann folgte ein Rundgang durch die Ausstellung Die Geschichte Kiews. Die Sehenswürdigkeiten von Kiew wurden von zwei Mädchen aus der 4. Klasse, die Deutsch als Fremdsprache lernen, vorgestellt, die weiteren Stationen von der Schulleiterin. In der Regel übernehmen jedoch die Kinder selbst die Führungen für die Besucher, vor allem für andere Kindergartengruppen oder Schulklassen. Anschließend folgten eine Unterrichtsmitschau in einer 4. Klasse zum Thema Schrift mit Schreibübungen auf Wachstäfelchen und eine Mitschau beim Puppenbasteln einer Kindergartengruppe in der guten Stube. Nach einem typisch ukrainischen Mittagessen stellten die Erzieherinnen und Lehrerinnen ihr didaktisches Material zur Stadt- und Heimatgeschichte sowie zum Kunstunterricht vor, das durch seine Fülle und die hervorragende didaktische Aufbereitung restlos überzeugte. Sichtlich beeindruckt davon, was eine solch kleine Einrichtung auf dem Gebiet der Kultur- und Museumspädagogik zu leisten imstande ist, baten zahlreiche Museumsdirektorinnen um Zusammenarbeit. Nach dem Besuch im Kiyanochka folgte eine Abschlussbesprechung mit den Organisatoren über eine eventuelle Fortführung des nationalen und internationalen Gedankenaustausches und die Möglichkeiten einer weiteren Zusammenarbeit mit dem MPZ oder mit anderen deutschen museumspädagogischen Einrichtungen. Am Nachmittag und am nächsten Tag standen das Höhlenkloster mit seinen Museen, das Museum für ukrainische dekorative Volkskunst, die Sophienkathedrale, das Museum für westliche und östliche Kunst, das Pinchuk Art Center für Moderne Kunst und natürlich die Sehenswürdigkeiten Kiews auf dem Besuchsprogramm. Aktivitäten des MPZ 15

16 Eine Kindergartengruppe bastelt in der guten Stube des Museums Kiyanochka Puppen. Aktivitäten des MPZ Dass sich die Reise nach Kiew und der Gedankenaustausch für die ukrainischen Kollegen und für das MPZ gelohnt haben, steht aufgrund der positiven Rückmeldungen zur Veranstaltung und dem Wunsch nach Fortführung der Gespräche und nach Ausbau der Zusammenarbeit außer Zweifel. Die Frage ist nur, wie man den ukrainischen Kollegen helfen kann, ihren eigenen Weg zu finden. Eine Eins-zu-eins-Übernahme deutscher Organisationsmodelle ist aufgrund der unterschiedlichen Museumsstruktur sicher nicht möglich. Doch Anregungen und Anstöße zur Selbstfindung und Selbsthilfe sind, vor allem in der praktischen, alltäglichen museumspädagogischen Arbeit, sehr wohl denkbar. So hat sich gezeigt, dass die Kollegen bei der Zusammenarbeit mit den Schulen durchaus von den deutschen Erfahrungen profitieren können. Das Gleiche gilt auch für die Zusammenarbeit und den Gedankenaustausch der Museumspädagogen untereinander. Wie das Beispiel von Kiyanochka zeigt, kann auch die Ukraine ihren Beitrag zur internationalen Museumspädagogik leisten. die Organisatoren der Veranstaltung, Herr Froehly, Leiter der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Kiew, sowie Frau Iljuschenko, die die Veranstaltung sowohl finanziell als auch personell unterstützt und die technische Ausstattung zur Verfügung gestellt haben, Herr Prof. Dr. Sojko, der alle Vorträge und Gespräche simultan ins Deutsche übersetzte und mich in die Geschichte Kiews und der Ukraine einführte, und insbesondere Frau Molar, stellvertretende Leiterin des Museums für ukrainische dekorative Volkskunst, und ihr Lebensgefährte, die mir als meine ständigen Begleiter und Dolmetscher den Aufenthalt in Kiew zu einem unvergesslichen Erlebnis machten. Dr. Peter Kolb Das Seminar war auch in anderer Hinsicht wichtig, sensibilisierte es doch die anwesenden Museumsleiter/ innen und Kulturverantwortlichen für die Belange der Museumspädagogik und zeigte ihnen gleichzeitig Möglichkeiten auf, wie die Museen zu besucherorientierten Bildungs- und Kultureinrichtungen für weite Bevölkerungsschichten erschlossen werden können. Denn gerade wenn Kinder und Jugendliche die zukünftigen Besucher sein sollen, muss man sie zunächst einmal für die Museen gewinnen. 16 Zum Schuss möchte ich noch all denjenigen danken, die zum Gelingen des Seminars beigetragen haben. Dies waren Frau Prof. W. Wrublewska und Frau A. Wjaletz,

17 Besichtigung in der Seilerei C. Stahl in München-Daglfing. Foto: Jens Christopher Ulrich, Handwerkskammer für München und Oberbayern Der Tag der Bayerischen Landesgeschichte Die Förderung der Landesgeschichte und der Regionalkultur gewinnt in einer globalisierten und als zunehmend unüberschaubar empfundenen Welt immer größere Bedeutung. Kenntnis der regionalhistorischen Wurzeln und anschauliche Erfahrbarkeit des heimatlichen Raumes als Kulturlandschaft ermöglichen Identitätsbildung und öffnen Wege für ein kommunikatives Miteinander. Um diesen hohen Stellenwert der Landesgeschichte für den Kulturstaat Bayern bewusst zu machen und insbesondere die schulische Vermittlung landesgeschichtlicher Inhalte zu unterstützen, wurde 2006 auf Initiative von Prof. Dr. Manfred Treml, Leiter des MPZ und Erster Vorsitzender des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine, mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus erstmals ein Tag der Bayerischen Landesgeschichte veranstaltet, der in Zusammenarbeit mit einer Reihe anderer landesgeschichtlicher Einrichtungen künftig stattfinden soll. Konzipiert ist der Tag der Bayerischen Landesgeschichte als Fortbildungsveranstaltung für Lehrer, Wissenschaftler und Multiplikatoren aus landesgeschichtlich tätigen Vereinen und Verbänden. Kristallisationspunkt der Veranstaltung wird jeweils die Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte sein, sind doch Landesausstellungen ideale Orte, um Geschichte mit allen Sinnen zu erfahren. Der erste Tag der Bayerischen Landesgeschichte fand am 5. und 6. Juli 2006 in München im Bayerischen Landtag und im Deutschen Museum statt. Träger der Veranstaltung 2006 waren der Verband bayerischer Geschichtsvereine e.v., das Haus der Bayerischen Geschichte und das Museums-Pädagogische Zentrum. Nachdem die diesjährige Landesausstellung anlässlich des 200. Jahrestages der Erhebung Bayerns zum Königreich Bayerns Weg in die Moderne in Bezug auf das bayerische Handwerk von 1806 bis 2006 nachzeichnete, bot sich auch die Einbeziehung des Landesschülerwettbewerbs Erinnerungszeichen in den Tag der Bayerischen Landesgeschichte an. In diesem Wettbewerb waren Schüler aufgerufen, Geschichte und Gegenwart des bayerischen Handwerks zu erkunden und ein Projekt zum Thema zu präsentieren. Ob Zeitzeugenbefragung oder Arbeit mit Schrift- und Bildquellen, ob Schauplatz Museum oder Handwerksbetrieb im Wettbewerbsmotto Gerber, Goldschmied, Mechatroniker auf den Spuren des bayerischen Handwerks klang der Weg Bayerns vom traditionellen Handwerk bis zum Hightech-Standort schon an Schüler/innen machten sich auf die Spurensuche. Die preisgekrönten Arbeiten wurden zum Auftakt des Tages der Bayerischen Landesgeschichte im Bayerischen Landtag vorgestellt. Landtagsvizepräsidentin Barbara Stamm begrüßte in Vertretung des Schirmherrn des Wettbewerbs, Landtagspräsident Alois Glück, die Landessieger, die am Vormittag in einem bunten Kaleidoskop Einblick in ihre preisgekrönten Arbeiten gaben. Das Kolloquium zur Geschichte des bayerischen Handwerks eröffnete am Nachmittag Prof. Dr. Claus Grimm, Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte. Nach einer Einführung in das Thema durch Prof. Dr. Treml zeigte Prof. Dr. Ferdinand Kramer vom Lehrstuhl für Bayerische Geschichte Grundlinien der Geschichte des bayerischen Handwerks auf. Weitere Beiträge zum Aktivitäten des MPZ 17

18 Besichtigung der Firma Schröter in Oberpframmern. Foto: Jens Christopher Ulrich, Handwerkskammer für München und Oberbayern 18 Aktivitäten des MPZ Thema stellten praxisorientierte Projekte aus dem Bereich der Schule wie auch der Museumspädagogik vor. Dabei erläuterte Karin Kropp, die Rektorin der Grundschule Arnstein, den preisgekrönten Wettbewerbsbeitrag Vom Backtrog zur Backstraße als regionalgeschichtliches Beispiel für Bayerns Weg in die Moderne des Handwerks. Zwei Beiträge des Museums-Pädagogischen Zentrums befassten sich mit dem Thema Museum als Lernort für Handwerk gestern und heute: Während Reinhold Forster vom Holbein-Gymnasium Augsburg museumspädagogische Möglichkeiten im derzeit im Aufbau befindlichen Textil- und Industriemuseum (TIM) Augsburg aufzeigte, um etwa Maschinenfunktionen oder Fertigungsprozesse anschaulich be-greif-bar zu machen, stellte Andrea Feuchtmayr MPZ-Projekte vor, die im Bayerischen Nationalmuseum und in der Neuen Sammlung vor allem beruflichen Schulen die Entwicklung des Handwerks veranschaulichen und zu visuellem Lernen und eigenem kreativem Tun anregen sei es zum Thema Stilkunde, Ornament, Möbeldesign, sei es für die Berufsgruppen der Schmiede, Schreiner oder Maler Der abendliche Besuch der Landesausstellung bot schließlich den am weitesten gespannten Bogen zum Thema. Dabei war u.a. Gelegenheit, die unter Federführung von Dr. Peter Kolb entwickelten Mitmachstationen des Museums-Pädagogischen Zentrums auszuprobieren, die erwachsene wie jugendliche Besucher anregten, das Thema interaktiv anzugehen sei es in Bezug auf längst sprichwörtlich gewordene Handwerksberufe wie den Haftelmacher, oder seien es Experimente zur Optik als Brückenschlag zu Ausstellungsobjekten wie dem Refraktor Joseph von Fraunhofers (vgl. den Beitrag von Dr. Peter Kolb, S. 40ff.). Auch der zweite Tag der Veranstaltung zeigte mit der Besichtigung zweier Handwerksbetriebe ein beeindruckendes Spektrum bayerischen Handwerks zwischen Tradition und Hightech auf: So hat in der Seilerei C. Stahl in München-Daglfing die traditionelle Fertigung von Hanfseilen nach wie vor ihren Platz, ebenso aber auch modernste Stahlseiltechnik, etwa für die Bereiche Antennen- und Maschinenbau oder Seil- und Hebetechnik. Der Firmenchef persönlich ließ es sich nicht nehmen, die traditionsreiche Firmengeschichte der seit dem 17. Jahrhundert in der Ledererstraße in München ansässigen Seilerei zu schildern, die im 19. Jahrhundert sogar den Titel Königlich-bayerische Hofseilerei verliehen bekam. Herr Hutterer beließ es dabei nicht beim Vortrag, sondern demonstrierte sowohl alte Techniken wie das Drehen eines Kälberstricks als auch moderne Belastungstests für Stahlseile, sodass die Teilnehmer beruhigt ihrer nächsten Seilbahnfahrt und dem Zoobesuch vor Raubtierkäfigen entgegensehen können Die vergleichsweise junge Firma Schröter in Oberpframmern bot ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sich heute im Modell- und Formenbau traditionell handwerkliches Können und modernste Technik verbinden. Geschäftsführer Maximilian Lörzel führte u.a. vor, wie mit Netzwerkrechnern Konstruktionsdaten etwa für Autoteile aufbereitet und mit Flächenmesssoftware an Fräsmaschinen übertragen werden, deren computergesteuerte Präzisionsarbeit in der Werkhalle vom Arbeitsplatz am Rechner aus durch eine Glasfront beobachtet werden kann. Ob Blechverformungswerkzeuge aus Metall oder Kunststoff, ob Gießerei-, Architektur- oder Designmodelle auch bei der Arbeit mit modernsten Technologien sind nach wie vor alte

19 Mit großem Interesse folgten die Angehörigen von KinderUni-Studenten den Ausführungen der MPZ-Mitarbeiterinnen zum Königsplatz. Handwerkstugenden unverzichtbar: Können, Genauigkeit, Zuverlässigkeit, Fleiß, Ordnungssinn, Teamfähigkeit. Bei beiden Betriebsbesichtigungen machten die leitenden Herren kein Hehl daraus, dass diese Tugenden bei jugendlichen Auszubildenden nicht mehr selbstverständlicher Anspruch sind etwa auch die Fähigkeit, sich in Wort und Schrift angemessen auszudrücken, oder das Beherrschen einfacher mathematischer Grundkenntnisse. Klar wurde auch, dass im modernen Elternbegleitprogramme zur KinderUni Bayern die Arbeitsplätze für gering Qualifizierte weiter schwinden werden und nur ständige Weiterbildung den Arbeitsplatz sichern wird. Unser herzlicher Dank gilt beiden Firmen für diesen hautnahen Einblick in bayerisches Unternehmertum, der dank der Fotos von Jens Christopher Ulrich von der Handwerkskammer für München und Oberbayern auch anschaulich ins Bild gesetzt werden kann. Carmen Hille Aktivitäten des MPZ Seit dem Wintersemester 2004/2005 gibt es in München eine KinderUni. Während eines Semesters finden in jeweils einer Hochschule in München im Durchschnitt vier Vorlesungen für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren statt. Organisiert wird die KinderUni von Kultur & Spielraum e.v. Die Veranstalter sind die jeweils beteiligte Hochschule, die Landeshauptstadt München / Sozialreferat / Stadtjugendamt und die Initiative Kinder- Uni München in Kooperation mit dem Kulturbüro des Studentenwerks München und der Stiftung Zuhören. Da die ca. einstündigen Vorlesungen ausschließlich den Kindern vorbehalten sind, stellte sich immer wieder die Frage, wie die anwesenden Eltern bzw. Großeltern oder andere Begleitpersonen die Wartezeit möglichst sinnvoll und angenehm überbrücken könnten. So entstand die Idee eines Elternbegleitprogramms, das ab dem Sommersemester 2006 startete: Parallel zu den jeweiligen Vorlesungen bot das MPZ für die wartenden Erwachsenen und gegebenenfalls Geschwister Führungen in unmittelbarer Nähe der Kindervorlesungen an. Damit die Begleiter immer auch wieder rechtzeitig zu dem Hörsaal zurückkamen, wo sie die Kinder in Empfang nehmen wollten, dauerten die Rundgänge jeweils 45 bis 50 Minuten. Aufgrund der zeitlichen Beschränkung wurde der Fokus darauf gerichtet, am Bauwerk selbst Architekturgeschichte anschaulich zu machen und dabei ein Gespür für Formen, ihre architektonische Aussage und die zeitliche Einordnung zu vermitteln. Im Sommersemester 2006 fanden die Vorlesungen der KinderUni an der Hochschule für Musik und Theater München sowie an der Akademie der Bildenden Künste München statt. Entsprechend erarbeitete das MPZ zwei attraktive Programme für die beiden Standorte. Die Antike als Vorbild. Architektur rund um den Königsplatz Für die Vorlesung im Großen Konzertsaal der Hochschule für Musik und Theater, untergebracht im ehemaligen Führerbau an der Arcisstraße, bot sich der Königsplatz an. 19

20 Gratistickets für das Elternbegleitprogramm gab es jeweils vor Ort an den Schaltern der KinderUni. Aktivitäten des MPZ Kronprinz Ludwig ließ diesen ab 1816 im Rahmen der Stadterweiterung nach Westen auf dem Fürstenweg zwischen Stadtresidenz und Schloss Nymphenburg anlegen. Bauwerke der Antike, wie etwa die Propyläen auf der Akropolis in Athen, dienten hierzu als Vorbild. Als über 100 Jahre später unter Adolf Hitler in unmittelbarer Nähe das Parteiviertel der NSDAP entstand, wurde wieder auf die antike Baukunst zurückgegriffen. Unter dem Thema Die Antike als Vorbild. Architektur rund um den Königsplatz wurde der Einfluss der Antike auf die Architektur des Klassizismus im 19. Jahrhundert, aber auch auf die unter Adolf Hitler entstandenen Bauwerke des einstigen Parteiviertels eingehend erörtert. Hierbei trat die unterschiedliche Rezeption der Antike zu verschiedenen Zeiten deutlich vor Augen. Die Formensprache der einzelnen Gebäude wurde gemeinsam analysiert und in den Kontext der jeweiligen Entstehungszeit gesetzt. Architektonische Details wurden verglichen, wodurch die Aussage einzelner Bauelemente erkennbar wurde. Der Königsplatz hat im Laufe der Jahre mehrere Veränderungen erfahren. Zudem wurden mehrfach Umgestaltungen geplant, die jedoch nicht zur Ausführung kamen. 1 Historische Abbildungen, die die drei Mitarbeiter des MPZ den Teilnehmern als Anschauungsmaterial zur Verfügung stellten, vermittelten einen Eindruck vom Wandel der Platzgestalt sowie von den nicht realisierten Umplanungen. Zwischen Alt und Neu. Vom Umgang mit historischer Architektur Die Akademie der Bildenden Künste mit ihrem erst ein Jahr zuvor eröffneten Erweiterungsbau der Architekten Coop Himmelb(l)au war der Ausgangspunkt für einen architektonischen Rundgang mit dem Thema Zwischen Alt und Neu. Vom Umgang mit historischer Architektur. Er führte hierzu verschiedene Positionen vor Augen und stellte diese zur Diskussion. Bei der Analyse des Siegestors, 1843 bis 1852 unter König Ludwig I. nach Plänen von Friedrich von Gärtner errichtet, wurde einerseits die Rezeption eines antiken Vorbildes des ab 312 errichteten Konstantinsbogens in Rom, gleichzeitig aber auch eine Position im Wiederaufbau nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg deutlich. König Ludwig I. beziehungsweise sein Architekt Friedrich von Gärtner hatten das römische Vorbild leicht verändert und auf die spezifische Situation abgestimmt. Im Wiederaufbau 1958, den Josef Wiedemann leitete, wurden die Wunden des Zweiten Weltkrieges sichtbar gemacht, indem man die Attikazone auf der Südseite mit einer glatten Fläche gestaltete, und durch die dort angebrachte Inschrift von Wilhelm Hausenstein Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend thematisiert. Die Architektur der 1876 bis 1886 errichteten Akademie der Bildenden Künste ist Zeugnis der Adaption eines älteren Architekturstils im 19. Jahrhundert. Für diesen typischen Bau der Neorenaissance griff der Architekt Gottfried von Neureuther auf italienische Renaissancepaläste zurück. Der Vergleich mit einer 20 (1) Als Beispiele seien genannt das Project über den Ausbau des Königsplatzes in München, 1883, von Max von Heckel (aquarellierte Federzeichnung über Bleistift. München, Stadtmuseum) oder der Entwurf für ein die Brienner Straße überspannendes Ausstellungsgebäude, Januar 1948, von Martin Elsässer (Feder auf Transparent. München, Architektursammlung der Technischen Universität).

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