FACHSPEZIFISCH ERGÄNZENDE HINWEISE

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1 FACHSPEZIFISCH ERGÄNZENDE HINWEISE Zur Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen der Wirtschaftsinformatik (Stand 08. Dezember 2006) Zum Abschnitt 3 der Anforderungen und Verfahrensgrundsätze für die Akkreditierung und Reakkreditierung von Bachelor- und Master-Studiengängen in den Ingenieurwissenschaften, der Architektur, der Informatik, den Naturwissenschaften und der Mathematik der ASIIN 1. Einordnung 1.1 Funktion Diese Fachspezifischen Ergänzenden Hinweise (FEH) gelten nur in Verbindung mit den allgemeinen Kriterien der ASIIN. Sie ergänzen diese und spezifizieren sie aus fachlicher Sicht. Bei der Entscheidung über eine Akkreditierung ist zu prüfen, ob mit dem zu bewertenden Studiengang die angestrebten Studienziele erreicht werden können. Die in den folgenden Abschnitten beschriebenen Studienziele für Bachelor- und Masterstudiengänge der Wirtschaftsinformatik sind vor diesem Hintergrund als Orientierung für die Antragstellung und Begutachtung in Akkreditierungsverfahren gedacht, die begründete Abweichungen zulassen. Ein rein formaler Vergleich der zu bewertenden Studiengänge mit den hier gegebenen Beschreibungen ist nicht das Ziel dieser fachspezifischen Anforderungen. Bei der Erarbeitung dieser FEH wurden auch die Empfehlungen einschlägiger Fachgesellschaften, Verbände und Koordinationsgremien der Hochschulen einbezogen. Der Fachausschuss greift grundsätzlich für die Begutachtung in einzelnen Akkreditierungsverfahren auf deren Expertise zurück. Für die Aufnahme in Listen akkreditierter Studiengänge ausländischer Institutionen / Organisationen bzw. die Vergabe zusätzlicher internationaler Zertifikate müssen evtl. weitere fachspezifische Kriterien berücksichtigt werden. Die Vergabe des Siegels des deutschen Akkreditierungsrats beruht dagegen ausschließlich auf den Kriterien der ASIIN. 1.2 Zusammenarbeit der Fachausschüsse Der Fachausschuss Wirtschaftsinformatik arbeitet mit den anderen Fachausschüssen der ASIIN zusammen, v. a. um den Anforderungen interdisziplinärer Studienprogramme gerecht zu werden. Die Hochschulen sind aufgefordert, ihre Einschätzung für die Zuordnung zu einem oder mehreren Fachausschüssen im Zuge der Anmeldung eines Akkreditierungsverfahrens abzugeben.

2 FEH 07 - Wirtschaftsinformatik, Stand von 5 In die Zuständigkeit des Fachausschusses fallen Wirtschaftsinformatik-Studiengängen sowie verwandte Studiengänge, die sich schwerpunktmäßig mit der Informationsverarbeitung in betrieblichen Systemen beschäftigen (z.b. Informationsmanagement, Business Systems Engineering, Verwaltungsinformatik). Der Fachausschuss grenzt sich damit gegenüber benachbarten Fachausschüssen ab (insbesondere Fachausschüsse Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen). Die Hinweise tragen den Besonderheiten der Wirtschaftsinformatik als integrativer Fachdisziplin Rechnung. Sie erfassen fachspezifische Anforderungen an Wirtschaftsinformatik-Studiengänge. Die Hinweise sind als Orientierung für die Antragstellung und Begutachtung von Studiengängen im Akkreditierungsverfahren konzipiert und lassen begründete Abweichungen zu. Die fachspezifischen ergänzenden Hinweise spiegeln den aktuellen Stand einer qualifizierten Ausbildung in der Wirtschaftsinformatik wider und werden regelmäßig an die sich fortentwickelnde Wissenschaft und Praxis angepasst. In einem induktiven Erkenntnisprozess werden Erfahrungen aus durchgeführten Akkreditierungen eingearbeitet. In die fachspezifisch ergänzenden Hinweise sind Empfehlungen einschlägiger Fachgesellschaften eingeflossen Studienziele und Lernergebnisse Studienziele werden durch die Beschreibung derjenigen Kompetenzen deutlich, die Absolventinnen und Absolventen in ihrer Berufstätigkeit oder für weiterführende Studien benötigen. Diese Kompetenzen sind gemäß der unterschiedlichen Zielsetzung von Bachelor- und Masterstudiengängen hinsichtlich Breite und Tiefe verschieden ausgeprägt. Sie können in verschiedenen Kompetenzfeldern zusammengefasst werden. So unterscheiden die allgemeinen Kriterien der ASIIN die Felder Fachliche Kompetenzen und Soziale Kompetenzen, die aus fachspezifischer Sicht auch noch weiter aufgeschlüsselt werden können. Wirtschaftsinformatik ist eine integrative Fachdisziplin, die Inhalte traditioneller Fachdisziplinen verbindet und weiterentwickelt. Für die Planung von Studiengängen ist es daher unverzichtbar, das Berufsfeld der Absolventinnen und Absolventen inhaltlich und quantitativ zu analysieren. Hierzu sind entsprechende Aussagen zu treffen. Zum Beispiel sind die Anforderungen kleiner und mittelständischer Unternehmen zu berücksichtigen, die naturgemäß in besonderem Maß Arbeitskräfte mit hybriden Qualifikationen nachfragen. Bei integrativen Studiengängen ist eine auf das jeweilige Berufsfeld ausgerichtete Auswahl der Wissensinhalte der einzelnen Teildisziplinen von besonderer Bedeutung. In Abstimmung mit den Zielen des Studiengangs ist dabei einer Konzentration auf wesentliche Studieninhalte der Vorzug gegenüber einer breiten, aber oberflächlichen Abdeckung der beteiligten Teildisziplinen (z.b. BWL, Informatik) zu geben. Gleichzeitig ist darzulegen, durch welche Wissensinhalte speziell die Integration der Teildisziplinen erreicht werden soll. Die Positionierung des Studiengangs hinsichtlich der Vermittlung von Theorie-, Methoden- und 1 Empfehlung der Gesellschaft für Informatik e.v.: Standards zur Akkreditierung von Studiengängen der Informatik und interdisziplinären Informatik-Studiengängen an deutschen Hochschulen. Rahmenempfehlungen für die Universitätsausbildung in Wirtschaftsinformatik. In: Informatik-Spektrum, Mai 2003, Wirtschaftsinformatik an Fachhochschulen, Der fachliche Rahmen; Schriftenreihe des Fachbereichstags Informatik FBT-I 9/ oder

3 FEH 07 - Wirtschaftsinformatik, Stand von 5 produktnahem Anwendungswissen ist darzulegen und mit dem möglichen Berufsfeld der Absolventen abzustimmen. Dabei sind die Besonderheiten von Fachhochschul- und Universitäts- Studiengängen zu berücksichtigen. Neben der Erreichung von Berufsfertigkeiten ist durch die Gestaltung des Studiengangs auf die Erzielung von Berufsfähigkeiten hinzuwirken. Letztere sind insbesondere die Voraussetzung für eine individuelle Weiterentwicklung der Absolventinnen und Absolventen auf der Grundlage eines lebenslangen Lernens. Das Profil und die Ausbildungsziele des Studiengangs sowie das Modulhandbuch, welches deren Umsetzung in Form eines konkreten Studienprogramms beschreibt, sollen im Selbstbericht der Hochschule ergebnisorientiert (outcomeorientiert) dargelegt werden. Dabei ist zu verdeutlichen, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten eine Absolventin oder Absolvent des Studiengangs erwirbt und für welche Berufsfelder sie/er damit qualifiziert ist. Gleichzeitig soll auch die Positionierung des jeweiligen Studiengangs innerhalb des mittlerweile sehr breiten Spektrums an unterschiedlichen Ausprägungen von Wirtschaftsinformatik- Studiengängen bestimmt werden. Schließlich soll die Positionierung des Studiengangs bezüglich der Ausbildungsziele anderer Studiengänge an der gleichen oder an anderen Hochschulen dargelegt werden. Im Sinne einer Outcome-Orientierung werden Ausbildungsziele wesentlich durch die Beschreibung derjenigen Kompetenzen geprägt, die Absolventinnen und Absolventen in ihrer Berufstätigkeit oder für weiterführende Studien benötigen. Diese Kompetenzen sind gemäß der unterschiedlichen Zielsetzung von Bachelor- und Masterstudiengängen hinsichtlich Breite und Tiefe verschieden ausgeprägt. Die Kompetenzfelder gliedern sich in die Bereiche Fachliche Kompetenzen und Schlüsselkompetenzen. 2.1 Anforderungen an Bachelorstudiengänge Ein erfolgreich absolvierter Bachelorstudiengang soll einerseits einen frühen Einstieg ins Berufsleben ermöglichen (Berufsbefähigung) und andererseits die Absolventinnen und Absolventen auch zu einem wissenschaftlich vertiefenden Studium oder zu einem Zusatzstudium in einem komplementären Fachgebiet befähigen. Bezüglich der in einem Bachelorstudiengang zu erwerbenden fachlichen und sozialen Kompetenzen wird auf die allgemeinen Kriterien der ASIIN verwiesen. Bezüglich der fachlichen Kompetenzen kommt der Befähigung zur methodisch geleiteten Verbindung der Wissensgebiete Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaftslehre und Informatik sowie der integralen Anwendung dieser Kenntnisse zur Lösung anspruchsvoller Probleme der Wirtschaftsinformatik besondere Bedeutung zu. 2.2 Anforderungen an Masterstudiengänge Aufbauend auf einem ersten Hochschulabschluss führt das Masterstudium zum Erwerb vertiefter analytisch-methodischer Kompetenzen. Zugleich werden die fachlichen Kompetenzen aus dem ersten Studium vertieft bzw. erweitert. Bezüglich der in einem Masterstudiengang zu erwerbenden fachlichen und sozialen Kompetenzen wird auf die allgemeinen Kriterien der ASIIN verwiesen. Bezüglich der fachlichen Kompetenzen kommt der Befähigung zur methodisch geleiteten Verbindung der Wissensgebiete Wirt-

4 FEH 07 - Wirtschaftsinformatik, Stand von 5 schaftsinformatik, Betriebswirtschaftslehre und Informatik sowie der integralen Anwendung dieser Kenntnisse zur Lösung komplexer und ggf. schlecht strukturierter Probleme der Wirtschaftsinformatik besondere Bedeutung zu. Darüber hinaus sollen die Absolventinnen und Absolventen in der Lage sein, zur Weiterentwicklung des Faches in Wissenschaft und Praxis beizutragen. 3. Profil des Studiengangs Die Fachdisziplin Wirtschaftsinformatik beruht nach allgemeinem Fachverständnis auf gleichwertigen und gleichgewichtigen Säulen in Betriebswirtschaftslehre, Informatik und den spezifischen Kerngebieten der Wirtschaftsinformatik. Das geplante Curriculum soll diese Säulen und ihre Gewichtung ausweisen. Abweichungen von der Gleichgewichtung sind in begrenztem Umfang möglich, wenn dadurch eine spezifische Ausdifferenzierung des Studiengangs erreicht werden soll. Die spezifische Profilbildung ist zu begründen. Gerade bei interdisziplinären und integrativen Studiengängen ist es unverzichtbar, das spezifische Profil gegenüber Studierenden und Interessenten, nachfragenden Arbeitgebern, Kultusbehörden sowie Professorinnen / Professoren und Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern zu kommunizieren. Hierzu gehören neben inhaltlichen Merkmalen auch formale Merkmale des Studiengangs (Qualitätsanspruch, Internationalität usw.). Die Profilbildung von Wirtschaftsinformatik-Studiengängen hängt stark vom institutionellen Umfeld an der jeweiligen Hochschule ab. Im Regelfall wird ein Wirtschaftsinformatik-Studiengang entweder aus einem wirtschaftswissenschaftlichen Umfeld oder einem informatik-orientierten Umfeld heraus angeboten. Aus der Sicht eines informatik-orientierten Umfelds lassen sich drei Typen von Studiengängen unterscheiden: Typ 1 Typ 2 Typ 3 Studiengänge Informatik mit einem Informatik-Anteil von etwa Prozent. Informatik-Studiengänge mit einem speziellen Anwendungsbereich, wobei der Informatik-Anteil etwa Prozent betragen soll (Wirtschaftsinformatik, Technische Informatik, Medieninformatik, Medizininformatik, Bioinformatik etc.). Interdisziplinäre Studiengänge mit einem Informatik-Anteil von etwa Prozent, der mit dem Anteil der anderen beteiligten Fachdisziplinen gleichgewichtig ist (Wirtschaftswissenschaften in einem Studiengang Wirtschaftsinformatik, Elektrotechnik und Maschinenbau in einem Mechatronik-Studiengang, etc.). Wirtschaftsinformatik-Studiengänge sind im Allgemeinen dem Typ 2 oder dem Typ 3 zuzuordnen. Dabei ist im Regelfall das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik in das Informatik-Umfeld integriert. Die Verantwortung für die Gestaltung und den Betrieb der Studiengänge wird unter Federführung des Fachgebiets Wirtschaftsinformatik gemeinsam und in Abstimmung mit den beteiligten Fachgebieten wahrgenommen. Aus der Sicht eines wirtschaftswissenschaftlichen Umfelds werden insbesondere folgende Ausprägungen von Studienangeboten unterschieden: a) Wirtschaftsinformatik als Teil der methodischen Grundausbildung im Bachelor- oder Masterstudium eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiengangs

5 FEH 07 - Wirtschaftsinformatik, Stand von 5 b) Wirtschaftsinformatik als Schwerpunktfach in einem wirtschaftswissenschaftlichen Studiengang c) Wirtschaftsinformatik als eigenständiger Studiengang Das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik ist hier im Regelfall in das wirtschaftswissenschaftliche Umfeld integriert. Die Verantwortung für die Gestaltung und den Betrieb der Studiengänge bzw. Studienangebote erfolgt - unter Federführung des Fachgebiets Wirtschaftsinformatik - gemeinsam und in Abstimmung mit den beteiligten Fachgebieten. Im Selbstbericht der Hochschule soll eine Kategorisierung des jeweiligen Studiengangs erfolgen. Hierzu kann die GI-Typisierung oder eine Quantifizierung der Studieninhalte nach dem Drei- Säulen-Modell (Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Kerngebiete der Wirtschaftsinformatik sowie allgemeine Grundlagen) verwendet werden. 4. Institutionelles und organisatorisches Umfeld Die Integration der Säulen Betriebswirtschaftslehre, Informatik und Wirtschaftsinformatik ist sowohl in fachlicher Hinsicht als auch bezüglich der personellen Ressourcen darzulegen. Bei den personellen Ressourcen ist insbesondere darzulegen, ob die aufbauorganisatorische Zuordnung der Lehrenden und die vorgesehenen Entscheidungsprozesse geeignet sind, die notwendige fachliche Integration zu gewährleisten. Entsprechende Vereinbarungen sollen den Antragsunterlagen beigefügt werden. Sind mehrere Organisationseinheiten an der Durchführung des Studiengangs beteiligt, so sollen entsprechende Gremienbeschlüsse und Kooperationsvereinbarungen vorgelegt werden. Insbesondere ist darzulegen, durch welche Entscheidungsprozesse die inhaltliche Abstimmung des Studienprogramms sichergestellt werden soll. 5. Studienumfang Allgemein verbindliche Empfehlungen zur inhaltlichen Ausgestaltung des Wirtschaftsinformatik- Studiums lassen sich angesichts des raschen Wandels von Wissensgegenständen der Fachdisziplin Wirtschaftsinformatik nur schwer geben. Hinzu kommt eine zunehmende Ausdifferenzierung von Wirtschaftsinformatik-Studiengängen. Generell sind folgende Hinweise zu beachten: Die Ausgestaltung des Curriculums orientiert sich an dem unter 3. genannten Drei- Säulenmodell und ist mit den gewählten Studienzielen abzustimmen. Neben der inhaltlichen Darstellung des Curriculums ist die Verteilung der Module auf die einzelnen Semester unter Einbeziehung der Abschlussarbeit und ggf. der Praxisphase schlüssig darzulegen. Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit des Curriculums sind die einzelnen Module den drei Säulen zuzuordnen. Übergreifende oder interdisziplinäre Module sind speziell zu kennzeichnen.

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