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1 Noch schlägt das Herz des Iran Geschichten von Frauenrechtlerinnen

2 Inhalt Iran Ein Überblick 4 Frauenrechtsgruppen im Iran 6 Zeitleiste zur Frauenbewegung im Iran 8 Portraits von Frauenrechtlerinnen im Iran 12 ALIEH AGHDAM-DOUST 12 ASIEH AMINI 13 BAHAREH ALAVI 14 BAHAREH hedayat 15 Haleh sahabi 16 JIla Baniyaghoub 17 Kaveh Kermanshahi 18 Khadijeh Moghaddam 19 Mahboubeh Karami 20 mahboubeh abbasgholizadeh 21 MANSOUREH SHOJAI 22 MEHRANGIZ KAR 23 Nasrin sotoudeh 24 shadi sadr 25 Sussan Tahmasebi 26 PARVIN ARDALAN 27 Shirin ebadi 28 Shiva Nazar AharI 29 Zohreh Arzani 30 Amnesty International Eine Veröffentlichung der Iran-Gruppe von Amnesty International am Trinity College Dublin, Irland Deutsche Übersetzung von der Iran-Koordinationsgruppe der deutschen Sektion

3 Amnesty International IRAN / 3 Kosoof (Arash Ashoorinia) Frauen im Iran werden oft als Opfer dargestellt hoffnungslos unfähig, für ihre eigenen Rechte einzutreten und sie einzufordern. Die Wahrheit ist jedoch, dass iranische Frauen im Herzen der Menschenrechtsbewegung sind und dass einige die mutigsten und effektivsten Menschenrechtsaktivisten im Iran sind. Noch schlägt das Herz des Iran Geschichten von Frauenrechtlerinnen ist eine Ausstellung, die die iranischen Menschenrechtsverteidigerinnen würdigt. Die Ausstellung und diese daraus hervorgegangene Broschüre wurde vom TCD Community Fund finanziert und von Mitgliedern der Amnesty Iran-Gruppe in Irland mit Unterstützung von Amnesty International erstellt. Sie stellt 19 Frauenrechtlerinnen des Iran vor. Viele wurden wegen ihrer Arbeit inhaftiert und einige wurden ins Exil getrieben, aber sie kämpfen weiterhin für Frauenrechte im Iran.

4 4 / Geschichten von Frauenrechtlerinnen IRAN Bevölkerung (geschätzt 2010) grösste Städte Teheran (Hauptstadt): 7,19 Mill. Mashhad: 2,592 Mill. Esfahan: 1,704 Mill. Karaj: 1,531 Mill. Tabriz: 1,459 Mill. Ethnische Gruppen / Sprachen Persisch 51% Baluchi 3% Turkmenisch 24% Arabisch 2% Kurdisch 8% Türkisch 2% Luri 7% Andere 2% Religionen Moslems (offiziell) 98% (Schiiten 89%, Sunniten 9%) Andere (darunter Zoroaster, Juden, Christen und Baha i) 2% Nachbarländer Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Irak, Pakistan, Türkei, Turkmenistan Staatsoberhaupt Ayatollah Sayed Ali Khamenei (Oberster Führer der Islamischen Republik Iran) Regierungschef Dr. Mahmud Ahmadinejad (Präsident) AP (AP/PA Photo) Todesstrafe beibehalten 2010 gaben die Behörden 252 Hinrichtungen bekannt, aber es gab glaubwürdige Berichte über mehr als 300 weitere Hinrichtungen. Die wahre Zahl könnte sogar höher liegen. Mindestens ein jugendlicher Straftäter wurde hingerichtet. Verurteilungen zur Steinigung werden weiterhin ausgesprochen. Verfassung verabschiedet am 3. Dezember 1979, überarbeitet Anmerkung: die Überarbeitung 1989 dehnte die Macht des Präsidenten aus und schaffte den Posten des Premierministers ab. Iran ist Unterzeichnerstaat folgender internationaler Verträge: Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte Konvention über die Rechte des Kindes Konvention über die Rechte Behinderter Konvention über die Verhinde rung und Bestrafung von Völkermord Konvention über die Beseitigung jeglicher Form von Rassendiskriminierung

5 Amnesty International IRAN / 5 Menschenrechte im Iran Die Behörden haben die Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit stark eingeschränkt. Es werden weitreichende Kontrollen einheimischer und internationaler Medien durchgeführt, die den Kontakt von Iranern mit der Außenwelt einschränken sollen. Einzelpersonen und Gruppen laufen Gefahr, verhaftet, gefoltert oder inhaftiert zu werden, wenn sie mit Menschen rechtsgruppen oder persischsprachigen Medien im Ausland zusammenarbeiten. Folter und Misshandlungen von Häftlingen werden routinemäßig durchgeführt und bleiben straflos. Allgemeiner politischer Rahmen Iran ist eine theokratische Republik, mit einem religiösen Rechtssystem auf der Grundlage der Scharia. Der Oberste Führer, Ayatollah Khamenei, ist die mächtigste politische Figur im Iran. Er ernennt den Leiter der Justiz, 6 der 12 Mitglieder des mächtigen Wächterrates, die Kommandeure aller Streitkräfte, die Leiter der Freitagsgebete und die Leiter von Radio und Fernsehen. Er bestätigt auch die Wahl des Präsidenten. Präsident Ahmadinejad verfolgt eine harte Linie sowohl im Inland als im Ausland. Eine ständige Verletzung der Menschenrechte im Iran ist verbunden mit einer Konfrontationshaltung in der internationalen Arena. Formelle politische Parteien sind eine relativ neue Erscheinung in der Islamischen Republik Iran und die meisten Konservativen arbeiten lieber in politischen Zusammenschlüssen als in Parteien. In den Revolutionsgarden sind schätzungsweise Mann aktiv. Sie haben ihre eigenen Boden-, See- und Luftstreitkräfte neben der regulären Armee und haben die Kontrolle über Irans strategische Waffen. Die Garden haben auch eine starke Präsenz in zivilen Institutionen und sollen ein Drittel der iranischen Wirtschaft über Tochterfirmen und Stiftungen kontrollieren. Sie kontrollieren auch die freiwilligen Basidj-Milizen. Geistliche dominieren die iranische Gesellschaft und Justiz. In den letzten Jahren haben konservative Kräfte die Justiz benutzt, um Reformen durch Inhaftierung reformorientierter Persönlichkeiten und Journalisten und die Schließung von Zeitungen zu verhindern. Frauen im Iran Frauen im Iran sind verbreiteter gesetzlicher Diskriminierung ausgesetzt: Sie sind von Schlüsselpositionen des Staates ausgeschlossen sie können z.b. nicht Richterinnen werden oder für das Amt des Staatspräsidenten kandidieren. Sie haben keine Gleichberechtigung bei Eheschließung, Scheidung, im Sorgerecht und Erbrecht. Straftaten gegen Frauen werden weniger hart bestraft als solche gegen Männer. Die Zeugenaussage einer Frau vor Gericht ist halb so viel wert wie die eines Mannes. Obwohl das gesetzliche Heiratsalter 13 Jahre beträgt, können Väter um Erlaubnis bitten, ihre Töchter früher zu verheiraten, auch an Männer, die viel älter sind als ihre Töchter. Männer dürfen mehrere Frauen heiraten, Frauen aber nicht mehrere Männer. Männer haben das uneingeschränkte Recht auf Scheidung, Frauen nicht.

6 6 / Geschichten von Frauenrechtlerinnen Frauenrechtsgruppen im Iran Trotz ständiger Unterdrückung und Schikanierung sind viele iranische Frauenrechtsgruppen weiterhin lebendig. Sie rücken Fragen ins Bewusstsein wie die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen, das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Anwendung der Steinigung als Hinrichtungsform. Hier sind einige der prominentesten Frauenrechtsgruppen. Zentrum für Menschenrechtsverteidiger (CHRD) Das CHRD ist von Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi zusammen mit vier anderen prominenten Menschen rechtsanwälten gegründet worden: Mohammad Ali Dadkhah, Mohammad Seyfzadeh, Mohammad Sharif und Abdolfattah Soltani. Das CHRD berichtete über Menschenrechtsverletzungen im Iran, gab politischen Gefangenen unentgeltlich Rechtshilfe und unterstützte ihre Familien. Das CHRD ersuchte seit seiner Gründung 2001 vergeblich um offizielle Registrierung. Daher arbeiteten Shirin Ebadi und ihre Kollegen in einer rechtlichen Grauzone mit der ständigen Gefahr von Schließung und Repressalien. Sie wurden wiederholt schikaniert, eingeschüchtert, verhaftet und in Haft gehalten. Das Büro des CHRD wurde 2008 von den Behörden geschlossen. Einige seiner Mitglieder sind seit den Präsident schaftswahlen 2009 inhaftiert worden. Mohammad Seyfzadeh wurde im Zusammenhang mit seiner Beteiligung an der Gründung des CHRD zu 9 Jahren Haft ver urteilt. Shirin Ebadi ist seit der Präsidentschaftswahl nicht in den Iran zurückgekehrt. Sie hat Todesdrohungen erhalten und ihr Konto im Iran mit dem Preisgeld ihres Nobelpreises wurde, unter Verletzung iranischen Rechts, eingefroren. Kosoof (Arash Ashoorinia) DIE KAMPAGNE Stoppt Steinigungen für immer Eine Gruppe von iranischen Menschenrechtsverteidigerinnen, Rechtsanwältinnen und Journalistinnen, angeführt von Anwältin Shirin Ebadi und den Journalist innen Mahboubeh Abbasgholizadeh und Asieh Amini, zusammen mit anderen Aktivistinnen außerhalb des Iran, starteten 2006 die Kampagne Stoppt Steinigungen für immer, um Steinigungen im Gesetz und in der Praxis abzuschaffen. Gemäß dem iranischen Strafgesetz ist Steinigung für die meisten Formen von Ehebruch vorgeschrieben. Die Kampagne hat zum Ziel, das Leben aller Menschen im Iran, gegen die die Steinigung verhängt wurde, zu retten. Diese mutigen Bemühungen wurden von inter nationalen Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, und vielen Einzelpersonen weltweit unterstützt. Seit 2006 wurden mindestens 13 Menschen vor der Steinigung bewahrt. Bei anderen wurde die Hinrichtung ausgesetzt, und einige Fälle wurden überprüft oder neu verhandelt. Jedoch war die Kampagne im Iran Repressionen ausgesetzt und ihre Unterstützerinnen wurden eingeschüchtert und schikaniert. Einige waren gezwungen, das Land aus Sorge um ihre Sicherheit zu verlassen, und leben seitdem im Exil. Komitee der Menschenrechtsreporter (CHRR) Das CHRR wurde 2006 gegründet und kämpft gegen eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen, darunter solche, die Frauen, Kinder, Gefangene und Arbeiter betreffen. Es wurde Zielscheibe von Angriffen insbesondere seit den Wahlen vom Juni Im Januar 2010 beschuldigte die Staatsanwaltschaft von Teheran die Gruppe, Verbindungen zu den Volksmujahedin des Iran zu haben, einer verbotenen Organisation, und sagte, dass jede Zusammenarbeit mit ihm (dem CHRR) ein Verbrechen sei. Das CHRR bestreitet entschieden, solche Verbindungen zu unterhalten.

7 Amnesty International IRAN / 7 Die Kampagne eine million unterschriften Die Eine Million Unterschriften-Kampagne, auch bekannt als Kampagne für Gleichberechtigung, wurde 2006 ins Leben gerufen. Es ist eine Graswurzelbewegung, bestehend aus einem Netzwerk von Menschen, die sich für ein Ende der Diskriminierung von Frauen im iranischen Recht einsetzen. Die Kampagne gibt eine grundlegende rechtliche Ausbildung an Freiwillige, die durch das Land reisen und ihre Ideale verbreiten. Sie sprechen mit Frauen in ihren Häusern sowie auf öffentlichen Plätzen, klären sie über ihre Rechte auf und die Notwenigkeit einer Rechtsreform. Die Freiwilligen haben sich auch zum Ziel gesetzt, eine Million Unterschriften unter eine Petition zu sammeln, die eine Abschaffung Frauen diskriminierender Gesetze im Iran verlangt. Die Mitglieder der Kampagne legen Wert darauf, ihre Aktivitäten in voller Übereinstimmung mit dem Gesetz durchzuführen. Die iranische Verfassung erlaubt friedliche Zusammenkünfte, und es ist völlig legal, Bildungsseminare zu veranstalten und Unterschriften unter eine Petition für rechtliche Änderungen zu sammeln. Dennoch wurden Dutzende der Kampagnenmitglieder wegen ihrer Aktivitäten verhaftet oder schikaniert, einige beim Versuch, Unterschriften für die Petition zu sammeln. Da ihnen Genehmigungen für öffentliche Versammlungen häufig verweigert werden, halten Kampagnenaktivistinnen ihre Seminare häufig in Häusern von Sympathisantinnen ab, von denen einige Drohanrufe erhalten haben, angeblich von Sicherheitskräften, oder zu Verhören einbestellt wurden. Mitgliedern der Kampagne für Gleichberechtigung wurde auch verwehrt, ins Ausland zu reisen. privat Mütter für den Frieden Mütter für den Frieden wurde 2007 gegründet, als über 500 Frauen einen Brief an iranische Behörden schrieben, in dem sie gegen die nationale Nuklearpolitik Stellung bezogen. Mütter für den Frieden setzt sich gegen eine mögliche militärische Intervention im Iran wegen des Nu klearprogramms ein, sucht nach tragfähigen Lösungen für die Instabilität der Region und kämpft gegen die Festnahme, Inhaftierung und Schikanierung gewöhnlicher Iraner. Mitglieder der Organisation wurden bei vielen Anlässen festgenommen und inhaftiert. Das Geheimdienstministerium hat den Müttern für den Frieden Verbindungen zu linksgerichteten Gruppen wie den Volksfedayin des Iran unterstellt. Die Mütter für den Frieden bestreiten vehement, dass es irgendwelche politischen Verbindungen gibt. Die trauernden Mütter / Mütter des Laleh-Parks Die Trauernden Mütter sind Frauen, deren Kinder bei den Gewalttätigkeiten nach den Wahlen im Iran im Juni 2009 getötet, verschwinden gelassen oder verhaftet wurden. Zu den Mitgliedern der Gruppe zählen die Mütter von Neda Agha-Soltan und Sohrab Arabi, die beide bei den Protesten nach den Wahlen ums Leben kamen. Die Trauernden Mütter treffen sich schweigend jeden Samstag in der Nähe des Platzes und zur Zeit der Ermordung der Protestteilnehmerin Neda Agha-Soltan, um ihrer Söhne und Töchter zu gedenken. Im Januar 2010 hielten die Trauernden Mütter eine friedliche Mahnwache im Laleh-Park in Teheran. Die 33 Frauen wurden abgeführt, einige von ihnen wurden geschlagen und 10 ins Krankenhaus gebracht. Alle 33 Frauen wurden ins Vozara-Haftzentrum in Teheran gebracht. Mitglieder der Gruppe wurden auch im Dezember 2009 festgenommen und inhaftiert.

8 8 / Geschichten von Frauenrechtlerinnen Zeitleiste zur Frauenbewegung im Iran Die iranische Frauenbewegung geht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Im folgenden finden Sie eine kurze Geschichte des mutigen Kampfes für ihre Rechte und einige Herausforderungen, denen sie dabei immer noch ausgesetzt sind Juni: Irans Frauenfußball-Nationalmannschaft wird von einem Qualifikationsspiel für 2012 ausgeschlossen, weil sie die Kleiderordnung der FIFA nicht eingehalten hat. Diese besagt, dass Ohren und Hals nicht bedeckt sein dürfen, was wiederum die islamische Kleiderordnung im Iran vorschreibt. Juli: Die Menschenrechtsverteidigerin und Filmemacherin Mahnaz Mohammadi und die Schauspielerin, Bloggerin und Dokumentarfilmerin Pegah Ahangarani werden inhaftiert. Mahnaz Mohammadi wird der Kontakt zu ihrer Familie oder anwaltlicher Vertretung verweigert. 17. Juli: Die Schauspielerin Marzieh Vafamehr wird wegen ihrer Rolle im Film Mein Teheran zu verkaufen verhaftet, weil sie in diesem Film ohne Hijab auftrat März: Change for Equality (die Webseite der Ein-Millionen- Unterschriften-Kampagne) erhält den Netizen ( Netzbürger )-Preis von Reporter ohne Grenzen. Die iranischen Behörden schlossen die Webseite am folgenden Tag (dem Welttag gegen Zensur) zum 23. Mal seit Mai: Fünf politische Gefangene, darunter die 28-jährige Kurdin Shirin Alam-Holi, werden im Geheimen hingerichtet. 8. Juni: Shirin Ebadi, Mitbegründerin der Ein-Millionen- Unterschriften-Kampagne, erklärt: Die brutalen Angriffe machen Irans Frauen nur stärker Juni: Präsidentschaftswahlen werden abgehalten. 13. Juni: Die Behörden erklären Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad zum Gewinner mit beinahe 63% der Stimmen. Mir Hossein Mousavi wird Zweiter mit 34 % und beklagt Wahlbetrug. Es kommt zu Auseinandersetzungen Tausender Protestierender mit der Polizei. 17. Juni: Bis zu einer halben Million Menschen protestieren auf dem 7.Tir-Platz in Teheran, viele davon Frauen. Die Feminist Majority Foundation verleiht den Weltweiten Frauenrechtspreis an die Ein-Millionen-Unterschriften- Kampagne. 27. Juni: Die Aktivistinnen der Trauernden Mütter versammeln sich zum ersten Mal im Laleh-Park in Teheran. Sie sehen sich ständigen Schikanen durch die Behörden ausgesetzt. Einige von ihnen werden verhaftet Prominenten Aktivistinnen der Ein- Millionen-Unterschriften-Kampagne: Nasrin Sotoudeh, Parvin Ardalan, Sussan Tahmasebi und Esha Momeni wird die Ausreise verweigert. 14. Februar: Raheleh Asgarizadeh und Nahim Khosravi werden wegen der Sammlung von Unterschriften für die Ein-Millionen-Unterschriften-Kampagne verhaftet April: Anousheh Ansari wird die erste Iranerin im All. Der Erste IPA Verleger-Freiheitspreis geht an die Herausgeberin Shahla Lahiji.

9 Amnesty International IRAN / Januar: Nasim Sarabandi und Fatemeh Dehdashti, Mitglieder der Ein-Millionen-Unterschriften-Kampagne, werden inhaftiert wegen der Sammlung von Unterschriften in der U-Bahn. Sakineh Mohammadi Ashtiani wird von einem Gericht in Tabriz des Ehebruchs schuldig befunden und zu 99 Peitschenhieben verurteilt, die vor ihrem 17-jährigen Sohn ausgeführt werden. Ihr Fall wird später wieder eröffnet, als ein Gericht ihre Beteiligung am Tod ihres Ehemanns vermutet. Sie wird später freigesprochen, aber der Richter überprüft auch ihre frühere Anklage wegen Ehebruch und verurteilt sie zum Tod durch Steinigung Mahmoud Ahmadinejad wird zum Präsidenten Irans gewählt. 8. März: Aktivistinnen versammeln sich im Studentenpark (Park-e Daneshjoo) in Teheran und begegnen heftiger Gegenwehr. Im Juni versammeln sich 6000 Aktivistinnen vor der Universität Teheran Das Frauenkulturzentrum öffnet die erste Frauenbibliothek. Sedigheh Dolat-Abadi und Mehrangiz Kar erhalten den jährlichen Human Rights First -Preis. 64% der Studienanfänger sind weiblich. Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation zwingt Millionen von Frauen zur Arbeitsaufnahme Oktober: Shirin Ebadi erhält den Friedensnobelpreis für ihre Menschenrechtsarbeit März: zum ersten Mal wird der Internationale Frauentag öffentlich in einem der größten Teheraner Parks, dem Laleh-Park begangen. Dezember: Der Leiter der Justiz, Ayatollah Shahroudi, ordnet ein Verbot der Steinigung an. Die Gerichte sprechen jedoch nach wie vor Steinigungsurteile aus März: Zum ersten Mal seit der Revolution wird der Frauentag in Teheran begangen. Frauen diskutieren auch über Sexualität und kritisieren die patriarchalische Struktur offen in Weblogs, die als die einzigen unzensierten Medien im Iran gelten Studentinnen liegen vor ihren männlichen Bewerbern bei den nationalen Eingangsprüfungen für die Universitäten Die erste Frauen-Polizeiakademie seit der Revolution 1979 wird eingeweiht 11. Oktober: Die erste Journalistinnenunion seit der Islamischen Revolution wird gebildet Trotz der Wahl von Mohammad Khatami mit 80% der Stimmen ändert sich wenig an der Situation der Frauen Faezeh Hashemi, Tochter des ehemaligen Präsidenten Akbar Hashemin Rafsanjani, wird von Hardlinern wegen ihrer Kritik und des Tragens von Jeans und des Radfahrens attackiert. Mit einem Erdrutschsieg und der höchsten Zahl von Stimmen in Teheran wird sie in das 5. Majlis (Parlament) gewählt.

10 10 / Geschichten von Frauenrechtlerinnen : Iran-Irak-Krieg 1980 Azam Taleghani, Ateghe Sedighi, Maryam Behruzi und Ghoharoshaye Dastqeib sind die ersten vier Frauen, die nach der Revolution ins Parlament kommen. Frauen mili zen werden zur Verteidigung des Vaterlandes trainiert. Tausende Aktivistinnen werden verhaftet und viele in Gefängnissen hingerichtet, ebenso wie Männer. Amnesty International veröffentlicht Berichte über Vergewaltigungen durch Gefängniswärter vor der Hinrichtung. Gründung der Islamischen Republik Iran 1979 Das Familienschutzgesetz wird geändert und Frauen wird der Zugang zum Richteramt und anderen Bereichen wie Gärtnerarbeit versperrt. Die Verschleierung wird verpflichtend, zunächst für Regierungsbehörden, dann für das ganze Land. Linke Demonstrationen gegen den Schleier werden mit Gewalt beantwortet. Im ersten Parlament sind unter den 217 Abgeordneten nur 3 Frauen : Pahlavi-Dynastie Prozent der Studenten sind jetzt weiblich, etwa 2 Millionen arbeiten sind beruflich mit einem Universitätsabschluss tätig. 333 Frauen sind in Gemeinderäten, 22 im Parlament und zwei im Senat Frauen erhalten das Sorgerecht für ihre Kinder nach dem Tod ihres Ehemanns Das erste Frauenfußballspiel in Teheran findet statt Am 4. Juni werden Shirin Ebadi, Manijeh Farzad, Meimanat Chubak, Adineh Banimehr, Zahra Khavaran, Azamush Malek und Homayundokht Homayuni zu den ersten Richterinnen des Iran ernannt Das Familienschutzgesetz wird ratifiziert. Es gibt Fortschritte beim Scheidungsrecht, da Scheidungen an Familiengerichte verwiesen werden. Die Polygamie wird eingeschränkt, da die schriftliche Zustimmung der ersten Frau nun erforderlich ist. Das Heiratsalter für Mädchen wird auf 18 heraufgesetzt. Farokhroo Parsa wird die erste Ministerin im Iran In Bahman erhalten Frauen endlich das Recht zu wählen und gewählt zu werden. Fatwas (religiöse Gutachten) von bekannten Persönlichkeiten wie Ayatollah Khomeini verurteilen dies als häretisch; die folgenden Demonstrationen werden unterdrückt Die erste Anwältinnenvereinigung wird gegründet und verlangt für Frauen das Wahlrecht, das Recht, ins Parlament gewählt zu werden sowie Gleichberechtigung im Beruf Sattareh Farmanfarmaian gründet die ersten Klassen zur Ausbildung von Sozialarbeiterinnen und soziale Einrichtungen Maryam Svoji, Schriftstellerin, Dichterin und Juristin, ist die erste Frau, die über rechtliche Fragen im Radio spricht Kurz nach dem Putsch von 1953 wird der Höhere Frauenrat gebildet, geleitet von Ashraf Pahlavi Veröffentlichung von Hoghugh-e Zan (Zeitschrift für Frauenrechte) durch Ebtehaj Mostahagh.

11 Amnesty International IRAN / Mehrangiz Dawlatshahi, die erste Botschafterin, gründet mit Safayeh Firouz die Menschenrechtsorganisation Rah Naw (Neuer Weg). Die beiden treffen den jungen Schah und verlangen das Wahlrecht. Durch Einspruch religiöser Autoritäten wird die Debatte beendet Yekatrina Saidkhanian wird zur ersten Anwältin des Landes ernannt. Dr. Mehrangiz Manuchehrian veröffentlicht einen Aufsatz mit dem Titel: Kritik an der Verfassung des Iran unter dem Gesichtspunkt der Frauenrechte Februar: Raziyeh Sha bani, eine prominente Aktivistin, wird verhaftet Fatemeh Sayah und Simin Daneshvar gründen zusammen mit anderen prominenten Aktivistinnen die Hezb-e Zanan-e Iran (Iranische Frauenpartei) Mehrangiz Afzal und Zia Javid sind die ersten Hochschulabsolventinnen in Naturwissenschaften im Iran. Die erste iranische Pilotin, Efat Tejaratchi, führt ihren ersten Alleinflug durch Reza Shah, seine Frau und Töchter, wohnen der Graduierungszeremonie am Lehrerinnenausbildungskolleg in Teheran bei. Alle Frauen werden angewiesen, unverschleiert zu kommen. Das Ablegen des Schleiers wird verpflichtend und Tschador und Kopftuch in der Öffentlichkeit werden verboten. Die ersten Frauen beginnen ihr Studium an der Universität Teheran. Amineh Pakhravan wird die erste Dozentin und Dr. Fatemeh Sayah 1938 die erste Professorin Die iranische Regierung verabschiedet ein Gesetz, das Frauen die Zulassung zu staatlichen Universitäten erlaubt Ruhangiz Saminejad wird die erste iranische Schauspielerin in einem längeren Film Die erste offizielle Frauenkonferenz wird in Teheran abgehalten. Das Heiratsalter wird auf 15 Jahre für Mädchen und 18 für Jungen heraufgesetzt. Die erste Gruppe von Mädchen aus dem Iran reist nach Europa, um ihre Ausbildung fortzusetzen Banu Namus gründet die erste Mädchenschule in Shiraz. Eine erregte Menschenmenge schüttet ihr daraufhin heiße Asche auf den Kopf und hält ihr eine Fackel an die Haut : Qajaren-Dynastie Januar: Die Jamiyate Nesvan-e (Patriotische Frauengesellschaft) wird gegründet Sedigheh Dolatabadi wird die erste iranische Frau, die an der Internationalen Frauenkonferenz teilnimmt Sedigheh Dolatabadi gründet die erste Frauenzeitschrift ( Zaban-e Zanan Stimme der Frau), die unter dem Namen einer Frau registriert wird Trotz der Tatsache, dass 97% der iranischen Frauen Analphabetinnen sind und das Schreiben für Frauen tabu ist, gründet Dr. Kahali Jadid al-islam Hamedani die erste Frauenzeitschrift Danesh. 1904/1905 Frauen werden vor allem in Teheran und Tabriz im Kampf für eine Verfassung aktiv und boykottieren ausländische Waren, führen Untergrundaktionen gegen ausländische Streitkräfte durch, organisieren, Straßenproteste und verkaufen Schmuck, um Verfassungskräfte zu unterstützen.

12 12 / Geschichten von Frauenrechtlerinnen ALIEH AGHDAM-DOUST lehrerin UND FRAUENRECHTLERIN Widerspruch ist Teil unseres bürgerlichen Lebens als Menschen und meine Beteiligung an den Frauenprotesten gehörte zu der Lebensweise, die ich gewählt habe. Alieh Aghdam-Doust, 58, ist Mitglied der Kampagne für Gleichberechtigung. Sie war zur Zeit der Islamischen Revolution Lehrerin und später auf Anordnung des Erziehungsministeriums gezwungen, ihren Beruf aufzugeben. Alieh Aghdam-Doust, eine gewaltlose politische Gefangene, verbüßte ab Januar 2009 eine dreijährige Haftstrafe im Evin-Gefängnis in Teheran wegen ihres Protestes gegen diskriminierende Gesetze nach der Islamischen Revolution von Sie wurde im Januar 2007 wegen Handlungen gegen die nationale Sicherheit durch Teilnahme an einer illegalen Versammlung verurteilt. Ihre Verurteilung bezog sich auf eine friedliche Demonstration gegen Frauendiskriminierung, an der sie im Juni 2006 teilnahm. Diese wurde von Sicherheitskräften gewaltsam aufgelöst und 70 Personen wurden verhaftet. Alieh Aghdam-Doust wurde im März 2010 in Einzelhaft verbracht, nachdem sie am Internationalen Frauentag, dem 8. März 2010, vor weiblichen Mitgefangenen eine Rede gehalten hatte. Sie wurde später in Abwesenheit ihres Anwaltes vor Gericht gestellt und wegen ihrer Rede mit neuen Anklagen konfrontiert. Sie ist noch nicht deswegen verurteilt worden. Im November 2010 verbrachte sie eine Woche in Einzelhaft, nachdem sie gegen die Verlegung weiblicher Gefangener in die Methadon- Abteilung, in der weibliche Drogenabhängige einsitzen, protestiert hatte. Alieh Aghdam-Doust wurde am 8. Januar 2012 nach Verbüßung ihrer Haftstrafe entlassen.

13 Amnesty International IRAN / 13 ASIEH AMINI JOURNALISTIN, dichterin UND FRAUENRECHTLERIN Gesetze spiegeln nicht die Wünsche einiger hundert Leute wider, die Steine auf andere werfen. Gesetze müssen die Gesellschaft genauso wie die Sicherheit von Individuen schützen. Gesetze müssen mit den zivilisierten Normen unserer Zeit in Einklang stehen. Gesetze müssen Gesellschaften von Gewalt und Kriminalität wegführen. Kosoof (Arash Ashoorinia) Asieh Amini ist Journalistin, Dichterin und Aktivistin für Frauen- und Menschenrechte. Viele Jahre hat sie gegen die Todesstrafe im Iran gekämpft, insbesondere die Hinrichtung von Minderjährigen und die Steinigung von Frauen. Sie ist eine der Gründerinnen der Kampagne Schluss mit Steinigungen, die viele vor der Hinrichtung durch Steinigung bewahrt hat, und ist Gründungsmitglied und Leiterin der Iranischen Frauenvereinigung (Kanoon Zanan Iran). Asieh Amini lebt jetzt mit ihrem Mann Javad Montazeri im Exil in Norwegen. Asieh Amini hat in den letzten zwei Jahren mehr als 60 Artikel, Berichte und Interviews auf Farsi, Englisch und Norwegisch veröffentlicht. Diese betrafen soziale Fragen im Iran wie Menschenrechte, Frauenrechte und Steinigung. Sie hat diese Fragen auch auf verschiedenen internationalen Konferenzen erörtert. Asieh Amini ist Herausgeberin von Online-Magazinen, Frauen im Iran und Koneshgaran und der Zeitungen Sobhe Emrooz, Etemaad und Iran Javan. Sie ist auch Reporterin für die Tageszeitung Azad und hat Artikel auf Roozonline veröffentlicht verlieh Human Rights Watch Asieh Amini den Hellman/Hammett-Preis. Laut der Organisation wurde damit gewürdigt, dass sie das Leben einiger Jugendlicher und Frauen im Todestrakt gerettet hat, indem sie ihre Fälle veröffentlichte, Kampagnen an die Behörden organisierte und Familien von Opfern überzeugte, auf ihr Recht auf Vergeltung zu verzichten. Im März 2007 gehörte Asieh Amini zu 33 Frauen, die verhaftet wurden, als sie gegen die Anklage von fünf Frauenrechtlerinnen in Teheran protestierten. Sie wurde einige Tage später freigelassen und von den Anklagen gegen sie freigesprochen. Im Januar 2012 erhält sie den Oxfam Novib/PEN Award.

14 14 / Geschichten von Frauenrechtlerinnen BAHAREH ALAVI JOURNALISTIN, bloggerin, FRAUENRECHTLERIN UND AKTIVISTIN FÜR DIE RECHTE DER KURDEN privat Bahareh Alavi, Menschenrechtlerin und Mitglied der Eine Million Unterschriften-Kampagne, war eines der jüngsten Mitglieder der Frauenbewegung. Sie begann ihre Menschenrechtlichen und journalistischen Aktivitäten, als sie 16 war, und wurde 2007 Mitglied der Eine Million Unterschriften-Kampagne. Am 26. April 2011 starb Bahareh Alavi im Alter von 20 Jahren bei einem Autounfall. Bahareh Alavi beteiligte sich an den Protesten von 2009 nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen. Sie beschrieb sie detailliert in ihrem Blog. In den Tag nach den Protesten, als viele politische und zivilgesellschaftliche Aktivisten verhaftet wurden, waren auch viele ihrer Freundinnen und Freunde betroffen. Bahareh Alavi veröffentlichte ihre Lage in den Medien. Bahareh Alavi schrieb einen regelmäßigen Weblog, Die Tochter der Sonne, über die Einschränkungen, die sie als iranische Frauen erfuhr, und die Wut und Trauer die sie bei jeder Hinrichtung empfand. Im April 2010 schrieb sie einen Artikel für das Menschenrechtshaus des Iran über das Leben von Farangis Khanum Davoudifar, der Mutter von Kaveh Kermanshahi, einer kurdischen Menschenrechtsaktivistin und Mitglied der Eine Million Unterschriften-Kampagne. In ihren letzten Projekten vor ihrem vorzeitigen Tod beschäftigte sie sich u.a. mit einer Untersuchung weiblicher Genitalverstümmelung und der Übersetzung eines Buches über die Erfahrung, im Iran lesbisch zu sein. In einem Interview mit BBC sprach sie über Frauenrechte in der Ehe und die Gleichberechtigung für Frauen im Iran.

15 Amnesty International IRAN / 15 BAHAREH hedayat StudentiN und frauenrechtlerin Wir sind erschöpft, aber sind nicht gebeugt oder gebrochen. Wir stehen weiterhin aufrecht, wenn auch mit verwundeten und ruhelosen Herzen. Wir sind Zeugen der Bemühungen von Diktatoren, die ein fruchtbares Land plündern, das durch die selbstlose Opferbereitschaft vergangener und gegenwärtiger Generationen genährt wird. privat (Campaign for Equality) Bahareh Hedayat, 30, ist Studentin und Frauenrechtlerin und Mitglied der Kampagne für Gleichberechtigung. Sie verbüßt gegenwärtig eine 10-jährige Haftstrafe nach ihrer Verhaftung am 31. Dezember 2009, inmitten der Unruhen nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen. Sie verbrachte 81 Tage in Einzelhaft und erduldete einen grauenhaften Verhörprozess, bevor sie ins Evin-Gefängnis gebracht wurde. Am 16. Juli 2011 wurde ihr ein viertägiger Hafturlaub zur Begehung eines religiösen Feiertages gegen US-Dollar Kaution gewährt. Bahareh Hedayat ist Mitglied des Büros für die Bewahrung der Einheit (einer Studentenorganisation) und Vorsitzende von dessen Frauenkomitee sowie Mitglied der Eine Million Unterschriften-Kampagne gegen Frauen diskriminierende Gesetze. Wegen ihres Einsatzes war Bahareh Hedayat vor ihrer Verhaftung 2009 bei zahlreichen Anlässen festgenommen und inhaftiert worden. Sie war für den Studenten-Friedenspreis 2010 nominiert worden. Sie ist verheiratet mit Amin Ahmadian, einem politischen Aktivisten und Mitglied der Islamischen Graduiertenvereinigung. Am 24. Mai 2011 wurde Bahareh Hedayat ein halbstündiges Treffen mit Verwandten von Angesicht zu Angesicht gestattet. Dies war ihre erste persönliche Begegnung mit ihren Eltern nach 13 Monaten. Einige der Anklagen, die gegenwärtig gegen Bahareh Hedayat erhoben werden, beziehen sich auf einen Brief anlässlich des Studententages am 7. Dezember Diesen Brief hatte sie verfasst mit Majid Tavakkoli, einem prominenten Studentenführer und politischen Gefangenen, und er lobte die Anstrengungen iranischer Studenten im Ausland. Der Brief fand großes Echo im und außerhalb des Iran und stieß auf großes Medieninteresse erhielt sie den Menschenrechtspreis der Edelstam Foundation, Stockholm/ Schweden. Nach einer zweiten Berufung hielt das Gericht an einer 9½-jährigen Haftstrafe fest. Am 17. Januar 2013 wurde sie jedoch aus medizinischen Gründen vorläufig aus der Haft entlassen, laut Mitteilung ihres Ehemanns gegen eine hohe Kaution und die Zusage, keinerlei Interviews zu geben und nicht an politischen Zusammenkünften oder Aktivitäten teilzunehmen. Wenn sie die Bedingungen einhalte, werde ihr Hafturlaub zwecks medizinischer Behandlung verlängert, hieß es.

16 16 / Geschichten von Frauenrechtlerinnen Haleh sahabi politische aktivistin und frauenrechtlerin, religionswissenschaftlerin privat Haleh Sahabi, 54, war politische Aktivistin, Frauenrechtlerin und Religionswissenschaftlerin. Sie war Mitglied der Mütter für Frieden und beteiligte sich an Kampagnen für Frauenrechte. Haleh Sahabi war eine der wenigen weiblichen iranischen Korangelehrten. Sie verbrachte einen Großteil ihres Lebens mit dem Studium des Koran auf der Suche nach Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Islam. Ihr Hauptanliegen war, zu beweisen, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, und einen Weg zu finden, ihre Forschungsergebnisse der religiösnationalistischen Öffentlichkeit zu vermitteln. Haleh Sahabi, eine von Amnesty International betreute politische Gefangene, verbüßte eine zweijährige Haftstrafe, nachdem sie wegen ihrer friedlichen Demonstrationsteilnahme im Protest gegen Präsident Ahmadinejads Amtseinführung im August 2009 verhaftet worden war. Sie wurde Mitte August 2009 gegen Kaution freigelassen, aber später zu zwei Jahren Haft verurteilt wegen Propaganda gegen das System durch wiederholte Anwesenheit bei illegalen Versammlungen und wegen Störung der öffentlichen Ordnung. Haleh Sahabi starb, offensichtlich nachdem sie von einem Angehörigen der Sicherheitskräfte geschlagen worden war, am Morgen des 1. Juni 2011 während der Beisetzung ihres Vaters Ezzatollah Sahabi, einem ehemaligen Abgeordneten und Führer der Nationalreligiösen Allianz. Amnesty International erhielt den Bericht eines Augenzeugen, der sagte, dass ein oder mehrere Angehörige der Sicherheitskräfte Haleh Sahabi grob behandelt und geschlagen hatten, nachdem sie sich weigerte, ein Foto ihres Vaters herauszugeben, das sie hochhielt. Haleh Sahabis eigene Beisetzung, organisiert von Sicherheitskräften, wurde um 10 Uhr abends an ihrem Todestag durchgeführt. Eine vorherige Autopsie fand nicht statt. Einige Trauernde wurden laut Berichten bei ihrer Beisetzung verhaftet. Als Reaktion auf ihren Tod traten 18 gewaltlose politische Gefangene in einen Hungerstreik.

17 Amnesty International IRAN / 17 JIla Baniyaghoub Journalistin und frauenrechtlerin Kosoof (Arash Ashoorinia) Anders als Sie habe ich nicht Jura studiert, aber ich kenne das Recht in allgemeiner Weise, wie es jeder Bürger kennen sollte, und ich weiß, dass Staatsanwälte nicht dazu da sind, Journalisten oder andere Bürger zu verfolgen, sondern auch die Regierung, wenn diese Bürgerrechte verletzt. Jila Baniyaghoub, 41, ist eine freie Journalistin und Chefredakteurin der Website Kanoon Zanan Irani (Iranisches Frauenzentrum), einer Nachrichtenseite, die Frauenthemen behandelt. Die Seite steht unter regelmäßiger Überwachung durch iranische Behörden, die wiederholt versucht haben, sie zu schließen. Sie ist auch Gründungsmitglied der Eine Million Unterschriften- Kampagne. Jila Baniyaghoub begann ihre Journalismus-Karriere bei der Tageszeitung Hamshahri, als sie noch an der Universität Allameh Tabatabai Journalismus studierte. Sie hat seitdem für verschiedene Zeitungen gearbeitet, darunter Sarmayeh, und wurde mehrfach bedroht oder entlassen wegen ihrer Berichterstattung über Unterdrückung durch die Regierung reiste Jila Baniyaghoub durch den Nahen Osten. Dort schrieb sie Artikel über Flüchtlinge und Frauen, die sie traf und behandelte Themen wie soziale und rechtliche Diskriminierung. Sie veröffentlichte kürzlich ein Buch, Journalisten im Iran, das die Erfahrungen iranischer Journalisten dokumentiert, darunter auch ihre eigenen. Derzeit schreibt sie ein Buch mit dem Titel: Frauen in Abteilung 209 von Evin gewann Jila Baniyaghoub den Mut im Journalismus -Preis der Internationalen Frauen-Medienstiftung. In den letzten Jahren hat sie auch andere internationale journalistische Auszeichnungen erhalten, darunter den Internationalen Freiheit der Meinungsäußerung -Preis der Kanadischen Journalisten für Meinungsfreiheit und den Bestes Weblog -Preis von Reporter ohne Grenzen. Jila Baniyaghoub wurde bei vier Anlässen inhaftiert. Zu letzt wurde sie im Juni 2009 verhaftet, als sie über Proteste nach der Wahl im Iran berichtete. Jila Bani yag houbs Ehemann, der Journalist Bahman Ahmadi Amou i, wurde damals auch verhaftet. Sie wurde im August freigelassen, aber ihr Ehemann bleibt gegenwärtig noch in Haft. Am 12. Dezember 2011 schrieb er einen bewegenden Brief an seine Frau aus der Haft. Ein Zitat: Vielleicht, wenn du nicht gewesen wärest, wäre ich vor Jahren anders wo gelandet und nicht hier in der Abteilung 350 des Evin-Gefängnis neben den besten, aufrichtigsten und aus erwählten Kindern unseres Landes. Jetzt aber kann ich auf diese Art zu leben stolz sein und meinen Kopf hochhalten. Im August 2012 forderte man sie erneut auf, ihre einjährige Haftstrafe mit 30 Jahren Berufsverbot als Journalistin im Evin-Gefängnis anzutreten. Seit 1. September 2012 ist sie nunmehr in Haft.

18 18 / Geschichten von Frauenrechtlerinnen Kaveh Kermanshahi Journalist und Menschenrechtler privat Kaveh Kermanshahi, 27, Journalist und Menschenrechtler, fing 2005 an, auf dem Gebiet der Bürger- und Menschenrechte zu arbeiten, als er Mitglied des Zentralrates der Nichtregierungsorganisation Zhiar in Kermanshah wurde. Drei Jahre später löste das iranische Innen ministerium die Organisation auf begann er, bei der Eine Million Unterschriften-Kampagne mitzuarbeiten wurde Kaveh Kermanshahi Mitglied des Zentralrats der Menschenrechtsorganisation von Kurdistan. Er half mit, die Vertretung des studentischen Büros für die Stärkung der Einheit in Kermanshah aufzubauen und war verantwortlich für den Menschenrechtsausschuss. Kaveh Kermanshahi hat einen Bachelor-Abschluss in Rechtswissenschaft der Universität Kermanshah. Kaveh Kermanshahi schreibt den Blog Zhiar, der mehrmals von iranischen Behörden blockiert wurde. Er hat Berichte für die kurdische Human Rights Watch-Agentur, Radio Zamaneh, Roozonline, Change for Equality und andere kurdische und Farsi-Websites geschrieben. Kaveh Kermanshahi wurde im Februar 2010 vom iranischen Geheimdienst festgenommen und inhaftiert. Er wurde vier Monate lang in Einzelhaft gehalten und harten Bedingungen und Verhören unterworfen. Im Mai 2010 wurde er gegen Kaution freigelassen, ohne formell angeklagt worden zu sein. Er wurde schließlich im Berufungsverfahren zu 4 Jahren Haft verurteilt. Jedoch entschied sich Kaveh Kermanshahi, sich nicht erneut zum Haftantritt anzumelden, um seine Strafe zu verbüßen. Er lebt seit März 2012 in Deutschland.

19 Amnesty International IRAN / 19 Khadijeh Moghaddam Aktivistin für frauenrechte und Die umwelt privat Khadijeh Moghaddam ist aktives Mitglied der Kampagne für Gleichberechtigung und Mütter für den Frieden. Die 2006 ins Leben gerufene Kampagne für Gleichberechtigung ist eine iranische Frauenrechtsbewegung, die von Frauen wie Männern getragen wird und die Diskriminierung von Frauen im iranischen Recht abschaffen will. Mütter für den Frieden wurde 2007 von einer Anzahl iranischer Frauen mit dem Ziel gegründet, gegen eine mögliche militärische Intervention aus Anlass des iranischen Atomprogramms Stellung zu beziehen und tragfähige Lösungen für die instabile Region zu entwickeln. Khadijeh Moghaddam ist häufig wegen ihrer Tätigkeit als Aktivistin der Frauen- und Umweltbewegung gerichtlich vorgeladen worden. Auch wurde sie wegen ihrer Teilnahme an friedlichen Protesten verhaftet und mit einem Ausreiseverbot belegt wurde Khadijeh Moghaddam im Zusammenhang mit einer am 11. Januar 2009 abgehaltenen Demonstration der Mütter für den Frieden angeklagt wegen Missachtung von Polizeibefehlen, Störung der öffentlichen Ordnung und Propaganda gegen das System. Bereits 2008 war Khadijeh Moghaddam im Zusammenhang mit Zusammenkünften in ihrer Wohnung festgenommen und verhört worden, die sie für Mitglieder der Kampagne für Gleichheit und Mütter für den Frieden organisiert hatte. Am 18. Dezember 2011 erhielt Khadijeh Moghaddam den Menschenrechtspreis der Stadt Bochum, den sie auch persönlich entgegennehmen konnte.

20 20 / Geschichten von Frauenrechtlerinnen Mahboubeh Karami Journalistin und Aktivistin für Frauenrechte Ich bereue nicht den Weg, den ich gegangen bin. Ich glaube von ganzem Herzen an mein Anliegen, und ich bin bereit, den Preis dafür zu zahlen. Raha Asgarizadeh Mahboubeh Karami, Journalistin und Aktivistin für Frauenrechte, gehört der Eine Million Unterschriften Kampagne an. Früher war sie Direktorin der Frauensektion der unabhängigen Organisation Menschenrechtsaktivisten im Iran (HRAI). Für die Kampagne für Gleichberechtigung hat sie Artikel geschrieben. Mahboubeh Karami, 42, wurde im März 2010 verhaftet und ohne Anklage oder gerichtliches Verfahren in Einzelhaft im Evin-Gefängnis Teheran festgehalten. Am 18. August 2010 wurde sie gegen eine Kaution von US-Dollar freigelassen. Am 15.Mai 2011 trat sie eine dreijährige Gefängnisstrafe an, die gegen sie wegen ihrer friedlichen Unterstützung von erweiterten Frauenrechten verhängt worden war. Sie wurde verurteilt wegen Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation (HRAI) und wegen Zusammenkünften und Verabredungen mit der Absicht, die Staatssicherheit zu be ein träch ti gen und Propaganda gegen das System zu verbreiten. Mahboubeh Karami leidet unter gesundheitlichen Problemen. Zur Zeit ihrer Verhaftung im März 2010 hatte sie Depressionen, die während ihrer Inhaftierung schwerer wurden. Es wird auch berichtet, dass sie unter Schlaflosigkeit und Atemproblemen litt. Als ihre Mutter 2009 starb, war sie in Haft, und ihr wurde nicht gestattet, das Gefängnis aus Anlass des Jahres tags des Todes ihrer Mutter zu verlassen. Vor ihrer Verhaftung war sie die einzige Fürsorgeperson ihres alternden Vaters, der an Alzheimer erkrankt war und inzwischen auch gestorben ist. Mehrere weibliche gewaltlose politische Gefangene im Evin-Gefängnis, darunter Bahareh Hedayat (S.15), Mahboubeh Karami und Shiva Nazar Ahari (S. 29) traten Ende Oktober 2012 für eine Woche in einen Hungerstreik. Sie protestierten gegen ihre Behandlung durch das weibliche Gefängnispersonal. Sie seien auf entwürdigende Art durchsucht worden und persönliche Dinge seien konfisziert worden. Einige berichteten von sexueller Belästigung. Sie beendeten den Hungerstreik, nachdem sie sie die Zusicherung erhalten hatten, dass die Vorgänge untersucht würden. Mahboubeh Karami musste ihren Hungerstreik abbrechen, da ihr Gesundheitszustand bedrohlich wurde und man sie in die Krankenabteilung des Gefängnisses bringen musste.

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