1.4 TCP/ IP Die Protokolle für Internet und Intranet

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1 32 1 Planung, Aufbau und Konfiguration von Netzwerken 1.4 TCP/ IP Die Protokolle für Internet und Intranet Die Protokolle des Internet basieren im Wesentlichen auf TCP/IP. Daher kann man die RFC-Dokumente, in denen die IETF ( Internet Engineering Task Force) die Internetstandards festgelegt hat, für die Beschreibung der Anwendungsschicht und des Transportsystems heranziehen. RFC heißt Request For Comment; ein RFC-Dokument kann sich von einem Vorschlag bis zum Standard entwickeln. Eine gepflegte Sammlung fin det sich im Internet unter Als Intranet bezeichnet man ein lokales Netz, welches in der Technik des Internets (gleiche Protokolle und Dienste) aufgebaut ist Überblick Die gültigen RFC-Standards beschreiben insgesamt sehr viele Protokolle für alle mög lichen Dinge, selbst an den Einsatz von Brieftauben auf Teilstrecken wurde gedacht, wenn auch nicht ganz ernst gemeint (RFC 1149, RFC 2549, RFC 6214). In diesem Rahmen können nur die wichtigsten vorgestellt werden. Bild 1.22 gibt einen ersten Überblick. Bild 1.22: TCP/IP-Protokollstapel nach der DoD-Architektur Die Protokolle des zuliefernden technischen Verbindungssystems tragen Kennungen für das Transportsystem, z. B. TCP/IP, IPX/SPX usw. Im IP-Protokoll ist eine Kennung für die nächsthöhere Protokollschicht, z. B. UDP oder TCP, enthalten (Bild 1.22). In den TCP- und UDP-Protokollen (s. u.) sind Kennungen für die Dienste und zugehörigen Serverprozesse enthalten. Als Dienst bezeichnet man die Fähigkeit eines Netzes, Informationen einer bestimmten Art zu übertragen. Populär sind vor allem die Dienste WWW und ( elektronische Post ). Zu einem Dienst gehören immer drei Dinge: Ein Diensterbringer: Serverprozess auf der Servermaschine Ein Dienstbenutzer: Clientprozess auf dem Arbeitsplatzrechner Ein Protokoll, über das sich Serverprozess und Clientprozess verständigen können

2 1.4 TCP/IP Die Protokolle für Internet und Intranet 33 Für einen Dienst gibt es normalerweise auf einer Servermaschine nur genau einen Serverprozess; es arbeiten in der Regel aber mehrere Serverprozesse, die verschiedene Clients mit jeweils verschiedenen Diensten versorgen können. Auf einem Arbeitsplatzrechner können hingegen mehrere Clients für den gleichen Dienst ablaufen, die dann mit verschiedenen Servern kommunizieren (Bild 1.23). 1 Bild 1.23: Mehrere Dienste in Server und Client Verschiedene Dienste brauchen verschiedene Transportverfahren, siehe hierzu auch Kap : Aufwendig: TCP (Transmission Control Protocol) erlaubt den Transport beliebiger Datenmengen, in mehreren Paketen, mit Absicherung ( Einschreiben mit Rückschein ) und verkehrsabhängiger Flusssteuerung. Man spricht von einem verbindungsorientierten Protokoll ( virtuelle Verbindung, nicht physische Verbindung) mit den Phasen des Verbindungsaufbaues, des Datenaustausches und des Verbindungsabbaues. Einfach und schnell: UDP (User Datagram Protocol; Datagram ist ein Kunstwort aus data und telegram) versendet kleine Lieferungen als einmalige Aufträge (verpacken, verschicken, vergessen). Man spricht von einem verbindungslosen (oder zustandslosen) Protokoll. Die Netzwerkschicht, als unterste dieses Transportsystems, hat die Hauptaufgaben der Wegelenkung (Routing) und Adressierung, der Anpassung der Paketgrößen zwischen Nachbarschichten und der Steuerung und arbeitet ebenfalls nach dem Datagramm-Prinzip Protokolle und Verfahren der Netzwerkschicht Wie aus Bild 1.22 unmittelbar hervorgeht, ist die IP-Schicht (die Netzwerkschicht des OSI-Modells) der zentrale Dreh- und Angelpunkt des gesamten Gebäudes. Trotz eini ger Schwächen verdankt der ganze Protokollstapel seine Langlebigkeit ihrer Robust heit. Die Netzwerkschicht hat drei Aufgaben: 1. Adressierung, 2. Wegesteuerung und 3. Paketgrößenanpassung an die Schicht 2.

3 34 1 Planung, Aufbau und Konfiguration von Netzwerken Netzwerk- Adressierung Ein Protokoll der Netzwerkschicht muss grundsätzlich gewährleisten, dass jeder Knoten mit jedem anderen Knoten kommunizieren kann und das weltweit! Dazu ist es unumgänglich, dass nicht nur jeder Knoten eindeutig (bei Unicast, siehe Bild 1.27) gekennzeichnet wird, sondern jedes vom Transportsystem benutzte Interface mit einer eigenen Adresse belegt wird. Da das Internet Protocol (IP) der Dreh- und Angelpunkt dieses Transportsystems ist, wird dafür der Begriff IP-Adresse eingeführt: Eine IP-Adresse ist die im Internetprotokoll angewandte Kennzeichnung für ein Interface. Jedes benutzte Interface erhält eine eigene IP-Adresse. Einem Rechner können daher auch mehrere IP-Adressen zugeordnet sein. Neben der Eindeutigkeit muss gerade ein globales Adressierungssystem gestatten, ähnlich wie bei den Postleitzahlen, aus der Adresse auf den Zielort zu schließen, um so (zunächst grob und dann immer feiner werdend) die Richtung festzulegen, in der ein Datenpaket weitergeleitet werden muss. Eine IP-Adresse der derzeit noch gültigen IP-Version 4 (zu IPv6 siehe auch Kap ) besteht aus 4 Bytes = 32 bit, z. B.: 1. Byte 2. Byte 3. Byte 4. Byte Diese Bytes werden einzeln in Dezimalzahlen umgewandelt und durch Punkte voneinander getrennt: Diese Darstellungsform heißt dotted decimal notation (dot: Punkt, notation: Schreibweise). Wie bei der Telefonvorwahl bestimmen die ersten Stellen ( prefix, engl.: Vorspann) das Netz und die nachfolgenden innerhalb dieses Netzes das Endsystem, das im Folgenden Host genannt wird. Netz-Adressteil (Prefix) Host-Adressteil Alle Hosts eines Netzes haben in ihrer IP-Adresse den gleichen Netz-Adressteil, aber unterschiedliche Host-Adressteile. Die Anzahl der Binärstellen, die das Netz kennzeichnen, muss mit angegeben werden. Das kann auf zweierlei Art geschehen: 1. Man hängt die (binäre) Stellenzahl mit einem Schrägstrich an die IP-Adresse an, also etwa /16. Das bedeutet, dass dem Host der Netz-Adressteil und der Host-Adressteil zugeordnet ist. Diese Schreibweise ist die modernere. 2. Man gibt eine Zahlengruppe an, die formal wie eine Netzadresse aussieht, jedoch in den Bits des Netz-Adressteils nur Einsen, in den Bits des Host-Adressteils nur Nullen hat: im obigen Beispiel. Diese Zahlengruppe wird Netzmaske genannt und ist die klassische Darstellung.

4 2.5 Administration des Netzes 241 Besonders für die Remoteverwaltung eignen sich individuell erstellte Konsolen, da man Verwaltungsaufgaben für verschiedene Computer im Netz sehr übersichtlich auf einer Konsole darstellen kann. Die Administration des Netzes wird übersichtlicher und damit vereinfacht Aufgabenplanung Die Aufgabenplanung hieß in Windows 2003 noch Geplante Tasks. In Windows 2008 R2 wird sie als Aufgabenplanung bezeichnet. Sie automatisiert Vorgänge, die sich in regelmäßigen Abständen oder beim Eintreten von Systemereignissen wiederholen sollen. Systemereignisse können z. B. das Starten des Computers oder das Anmelden eines Benutzers sein. Dabei können Batchdateien, Programme oder Verwaltungstools abgearbeitet werden. 2 Bild 2.49: Aufgabenplanung Die Aufgabenplanung wird unter Start, Verwaltung und Server Manager aufgerufen und entsprechend der gewünschten Aufgabe konfiguriert. Wie man dem Bild 2.50 entnehmen kann, sind die möglichen Aufgaben gegenüber Windows 2003 erheblich erweitert worden. Mithilfe des Assistenten können verschiedene Zeitpläne für eine Aufgabe erstellt werden, z.b. Täglich, Wöchentlich, Monatlich. Die einzelnen Zeitpläne können von dem Eintreten bestimmter Ereignisse wie z.b. Beim Starten des Computers, Beim Anmelden abhängig gemacht werden. So könnte der erste Zeitplan beim Anmelden des Benutzers 1 und der zweite Zeitplan beim Anmelden des Benutzers 2 aktiviert werden. Praktisch ist auch, dass man geplante Tasks anderen Netzwerkcomputern zur Verfügung stellen kann. Damit könnte man z. B. Defragmentierungsprogramme auf verschiedenen Computern zeitlich gesteuert ablaufen lassen.

5 242 2 Netzwerkbetriebssysteme AUFGABEN 1. Nennen Sie den Unterschied zwischen der Computer- und der Domänenverwaltung. 2. Was versteht man unter Komplexitätsvoraussetzungen für Kennwörter? Nennen Sie einige. 3. Welche Aufgabe hat die Einstellung Default Domain Policy? 4. Wie kann man servergespeicherte Profile in obligatorische umwandeln? 5. Erläutern Sie die Einrichtung von Home-Verzeichnissen. 6. Wozu dienen Skripte und welche gibt es unter Windows 2003? 7. Sie möchten eine individuelle Oberfläche zusammenstellen. Wie können Sie sich diesen Wunsch erfüllen? 8. Was ist und wie funktioniert das verteilte Dateisystem DSF? 9. Erläutern Sie den Unterschied zwischen Autoren- und Benutzermodi. 10. Was ist ein Task und welche Aufgabe hat der Tasksplaner? 2.6 Gruppen Benutzerkonten werden zu Gruppen zusammengefasst, um die Verwaltung zu vereinfachen. Windows 2008 R2 unterscheidet zwei Grundtypen von Gruppen: Verteilergruppen sind lediglich Listen von Benutzern, die z.b. s versenden. Berechtigungen können diesen Gruppen nicht zugeordnet werden. Sicherheitsgruppen sind Gruppen, denen man Berechtigungen für Ressourcen zuteilen kann. Deshalb benutzt Windows 2008 R2 in der Regel nur Sicherheitsgruppen Gruppenbereich Neben dem Gruppentyp muss der Gruppenbereich berücksichtigt werden. Dabei gibt es drei Gruppenbereiche: global, lokale Domänengruppe und universell. Globale Gruppen Lokale Domänengruppen Universelle Gruppen Nur Mitglieder einer Domäne können zu globalen Gruppen zusammengefasst werden. Die Gruppe kann Ressourcen in verschiedenen Domänen nutzen. Mitglieder verschiedener Domänen und Gruppen können Mitglied einer lokalen Domänengruppe werden. Die Gruppe kann nur Ressourcen der Domäne nutzen, in der sie erstellt wurde. Mitglieder verschiedener Domänen können zu einer universellen Gruppe zusammengefasst werden. Die Gruppe kann Ressourcen in verschiedenen Domänen nutzen. Bild 2.50: Gruppenbereiche für Sicherheitsgruppen

6 2.6 Gruppen 243 In Windows 2008 R2 gibt es keine lokalen Gruppen für den Computer, sondern nur für die Domäne. Mit diesen lokalen Gruppen können die Ressourcen der Domäne, wie z. B. Drucker, genutzt werden Gruppenstrategie Microsoft empfiehlt, folgende Gruppenstrategie anzuwenden: 1. Verteilen Sie die Benutzer einer Domäne auf verschiedene globale Gruppen. Wählen Sie Gruppennamen, die einen Hinweis auf die Tätigkeit geben, z. B. Einkauf, Verkauf, Technik usw. 2. Erstellen Sie lokale Domänengruppen für verschiedene Ressourcen. So könnte man z. B. eine Gruppe Drucker und Plotter erstellen. 3. Globale Gruppen werden lokalen Domänengruppen zugeordnet. Die globale Gruppe Einkauf könnte z. B. der lokalen Domänengruppe Drucker zugeordnet und die globale Gruppe Technik der lokalen Domänengruppe Plotter zugewiesen werden. 4. Berechtigungen werden den lokalen Domänengruppen zugeordnet. 5. Universelle Gruppen sollen nur dann benutzt werden, wenn die Verwaltung durch globale Gruppen und lokale Domänengruppen nicht möglich ist. Durch diese Gruppen besteht die Gefahr, dass die Übersicht für den Administrator erschwert wird. 2 Bild 2.51: Gruppenstruktur In Bild 2.51 sind als Beispiel die Benutzer Hölzel und Lahr zu einer globalen Gruppe Einkauf und die Benutzer Lahr und Kraemer zu einer globalen Gruppe Technik zusammengefasst. Durch die Zuordnung der globalen Gruppe Einkauf zu der lokalen Domänengruppe Drucker können die Benutzer Hölzel und Lahr den Drucker benutzen. Entsprechend können die Benutzer Lahr und Kraemer den Plotter benutzen. Man erkennt an der Struktur sehr leicht, dass nur der Benutzer Lahr auf beide Ressourcen zugreifen darf. Die vorhergehend gezeigte Gruppenstruktur vereinfacht die Verwaltung des Netzes erheblich. Änderungen können wesentlich einfacher und schneller durchgeführt werden.

7 244 2 Netzwerkbetriebssysteme Standardgruppen Diese Gruppen werden automatisch während der Installation von Windows 2008 R2 erstellt und erleichtern die Arbeit des Administrators, da er sie nicht selbst erstellen muss. Alle Standardgruppen sind Sicherheitsgruppen und nicht Verteilergruppen. Man kann ihnen demnach Berechtigungen zuweisen. Standardgruppen werden auf dem Server in der Verwaltung Directory-Benutzer und -Computer erstellt. Sie befinden sich im Verzeichnis Users (Benutzer) und Builtin (eingebaut, vordefiniert) Berechtigungen Berechtigungen regeln, wie Benutzer und Benutzergruppen auf Ordner und Dateien zugreifen dürfen. Die Spannweite reicht von Vollzugriff über Teilzugriffe bis zur vollständigen Sperrung. Windows 2008 R2 bietet zwei Berechtigungsarten an: die Freigabe-Berechtigung und die NTFS-Berechtigung. Unter Windows 2008 R2 werden die NTFS-Berechtigungen als Sicherheitseinstellungen betitelt Freigabeberechtigungen Freigabeberechtigungen sind ursprünglich für Datenträger vorgesehen, die mit dem FAT- Dateisystem formatiert sind. Auf diesen Laufwerken sind sie die einzige Möglichkeit, Berechtigungen für das Netz zu erteilen. Bei der Freigabe sind folgende Punkte zu beachten: Laufwerke und Ordner müssen freigegeben werden, damit sie im Netz sichtbar werden. Freigegebene Ordner müssen einen Freigabenamen erhalten (z. B. Festplatte). Laufwerk und Ordner können freigegeben werden und dennoch für Unbefugte unsichtbar bleiben. Dies erreicht man durch das Anhängen des Dollarzeichens an den Freigabenamen (z. B. Festplatte$). Auf unsichtbare Laufwerke und Ordner kann man mithilfe der UNC-Konvention zugreifen (\\Servername\Freigabename des Laufwerks bzw. der Datei). Freigaben wirken sich nur bei Netzzugriffen aus, aber nicht lokal. Man kann nur Ordner freigeben, aber keine Dateien. Freigaben wirken nur bei Zugriffen über das Netz. Lokal haben sie keine Wirkung.

8 258 2 Netzwerkbetriebssysteme In Bild 2.70 sind die Sicherheitsrichtlinien und die Überwachung der Anmeldeereignisse geöffnet worden, um die gewünschte Aktion auszuwählen. Objekt-Überwachung Objekte sind Festplatten, Ordner, Dateien, Drucker, Programme usw. Als Beispiel soll hier die Überwachung der Festplatte konfiguriert werden. Als erster Schritt müssen die Sicherheitsrichtlinien entsprechend Bild 2.70 erstellt werden. Danach muss festgelegt werden welches Objekt, wessen Zugriffe auf dieses Objekt, welche Unterobjekte des Objekts und welche Zugriffe auf erfolgreiche oder fehlgeschlagene Versuche überwacht werden sollen. Für das Beispiel der Festplatte muss man die Eigenschaften der Festplatte und anschließend die Sicherheitseinstellungen öffnen. In den erweiterten Sicherheitseinstellungen auf dem Registerblatt Überwachung werden die gewünschten Einstellungen vorgenommen. Bild 2.71: Überwachung der Festplatte In Bild 2.71 werden durch den Eintrag Jeder die Aktivitäten aller Benutzer der Festplatte auf erfolgreiche und fehlgeschlagene Versuche überwacht. In großen Netzen kann dies zu einer Überlastung und Verlangsamung des Systems führen. Deshalb ist es besser, einzelne Benutzer zu überwachen. Die gleichen Überlegungen gelten hinsichtlich der Überwachung aller Ordner und Dateien der Festplatte. Eine Einschränkung entlastet das System. Auch bei der Wahl der Zugriffe sollte man sich auf das Notwendigste beschränken.

9 2.8 Systemüberwachung Überwachung von Systemleistungen In Windows Server 2008 R2 ist der Servermanager die zentrale Überwachungs- und Konfigurationsoberfläche. Man erreicht ihn über Start und Verwaltung. Durch einen Klick auf den Menüpunkt Servermanager öffnet sich ein Fenster, das eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen des Servers anzeigt. Diese lauten: Informationen über den Computer Sicherheitsinformationen Rollenübersicht Funktionsübersicht Ressourcen und Support 2 Bild 2.72: Systeminformationen Mit den Pfeilsymbolen kann man die Informationen und Konfigurationen ein- und ausschalten. Noch wichtiger als die Serverübersicht sind die Informationen über die auf dem Server installierten Rollen. Fehler werden ebenfalls angezeigt und protokolliert. AUFGABEN 1. Was kann man anhand der Protokolle der Systemüberwachung protokollieren? 2. Welche Protokolle kann man mit der Ereignisanzeige erstellen? 3. Nennen Sie einige Aufgaben von Überwachungsrichtlinien. 4. Was ist die Default Domain Policy? 5. Warum sollte man nicht ganze Festplatten überwachen?

10 260 2 Netzwerkbetriebssysteme 2.9 Windows 2008 R2-Diagnose Microsoft empfiehlt, dass der Administrator ein Kontrollbuch für jeden Computer führt. Bei schweren Systemfehlern kann man dann leichter den Computer wieder in den vorherigen Zustand versetzen. Das Kontrollbuch wird nicht von Hand, sondern mithilfe von Protokollen verschiedener Diagnoseprogramme erstellt. Man erreicht die Diagnoseprogramme über Start und Verwaltung. Systemmonitor Durch den Systemmonitor kann der Administrator das laufende System analysieren und Engpässe und Schwachstellen aufspüren. Man erreicht es über Start, Verwaltung und Leistung. Folgende Daten können dargestellt werden: Messwerte in Form eines Diagramms, Engpässe durch grafische Warnmeldungen und Speicherung der Messwerte in Protokollen. Bild 2.73: Systemmonitor Im Kontextmenü des Indikatorsatzes muss man den Computer, das Objekt und verschiedene Leistungsindikatoren wählen, die angezeigt werden sollen. In Bild 2.73 sind z. B. verschiedene Prozessoraktivitäten dargestellt. Entsprechend der Empfehlungen von Microsoft kann man alle Aktivitäten des Systems durch die Leistungsindikatorprotokolle schriftlich festhalten und bei Problemen die Ursache damit leichter ermitteln. Netzwerkmonitor Der Netzwerkmonitor analysiert den Netzverkehr und zeigt ihn grafisch an. Außerdem überwacht er alle ein- und ausgehenden Datenpakete. In Fachkreisen werden derartige Programme auch als Sniffer bezeichnet. Seine Hauptaufgaben sind: Engpässe und überlastete Netzwerksegmente aufzuspüren,

11 2.9 Windows 2008 R2-Diagnose 261 die Geschwindigkeit der Datenübertragung im Netzwerk und die Datenpakete zu überwachen und durch den Einsatz von Filtern Teilbereiche des Netzwerkes zu analysieren und zu überwachen. Ein Sniffer ist ein Programm, das Datenpakete sammeln und analysieren kann. Das Analyseprogramm des Netzwerkmonitors (Bild 2.74) sammelt nach dem Starten alle Datenpakete und zeigt sie nach Beenden an. Die MAC-Adressen der Quelle und des Ziels sowie deren IP-Adressen bzw. DNS-Namen werden aufgelistet und das verwendete Protokoll angezeigt. Die Daten des Pakets kann man im HEX-Format einsehen und in den ASCII-Code übersetzen. Netzwerkmonitor ist ein wirkungsvolles Programm, um Datenpakete zu analysieren. 2 Der Netzwerkmonitor wird bei der Installation von Windows 2008 R2 nicht zur Verfügung gestellt, er muss nachträglich von der Microsoft-Internetseite downgeloadet werden. Datenpaket Frame-Daten Daten in Hex und ASCII Bild 2.74: Analyse eines Datenpaketes durch den Sniffer Netzwerkmonitor Windows Server 2008 R2-Lizenzierung In einem Netzwerk aus Server und Clients benötigt nicht nur der Server eine Lizenz, sondern auch jeder Client. Bei den Clients unterscheidet man zwischen einer Geräte-CAL (Client Access License) und einer Nutzer-CAL. Eine Geräte-CAL lizenziert ein Gerät für die Verwendung durch einen Nutzer, damit er auf Instanzen der Serversoftware zugreifen kann. Eine Nutzer-CAL berechtigt einen bestimmten Nutzer zur Verwendung eines Geräts, damit er auf die Serversoftware zugreifen kann.

12 2.10 Fehleranalyse 265 Gelingt die Namensauflösung auch mit der Datei LMHOSTS nicht, muss der Computer auf das Netz zugreifen und fremde Hilfe beanspruchen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, die von der Knoteneinstellung des Computers beeinflusst werden. Computer werden in verschiedene Knoten eingeteilt, die die Namensauflösung beeinflussen. Die Knoten haben folgende Bedeutung: Computer als B-Knoten versuchen die Namensauflösung durch Broadcast zu erreichen. Computer als P-Knoten lösen den Namen mithilfe eines WINS-Servers auf. Dazu müssen sie allerdings dessen IP-Adresse kennen. Diese Methode funktioniert segmentübergreifend. Computer als M-Knoten versuchen, zunächst über die Broadcast-Methode den Namen aufzulösen. Gelingt ihnen dies nicht, nehmen sie Verbindung zu einem WINS-Server auf. Der H-Knoten (Hybridknoten) verhält sich umgekehrt wie ein M-Knoten. 2 Der Knotentyp kann mit dem Konsolenprogramm ipconfig eingesehen und verändert werden. Eingabeaufforderung C:\>ipconfig /all Windows 2000-IP-Konfiguration Host-Name... : 2000-Server Primärer DNS-Suffix... : hjhoelzel.de Knotentyp... : Hybridknoten IP-Routing aktivier... : Nein Bild 2.80: Knotentyp, z. B. Hybridadapter (H-Knoten) Auflösung von DNS-Namen DNS-Namen bestehen aus mehreren Teilnamen, die durch Punkte voneinander getrennt sind. Der vollständige DNS-Name wird auch als FQDN (Fully Qualified Domain Name) bezeichnet. Host-Name Computer1.BFW.Hamburg.de Domain-Name Der Hostanteil des DNS-Namens ist häufig auch der NetBIOS-Name des Computers. In der Hostdatei kann man mithilfe eines einfachen Texteditors die Zuordnung der IP- Adressen zu den DNS-Namen eintragen. Diese Datei muss im Verzeichnis C:\Windows\ system32\drivers\etc gespeichert werden, damit der Computer sie bei der Namensauflösung findet.

13 266 2 Netzwerkbetriebssysteme Bild 2.81: Hosts Der Computer versucht, zunächst den DNS-Namen mithilfe der Datei Hosts aufzulösen. Gelingt dies nicht, nimmt er Verbindung mit einem DNS-Server auf. Dazu muss er allerdings die IP-Adresse des DNS-Servers kennen. Schlägt auch diese Auflösung fehl, wird der Hostanteil des DNS-Namens als NetBIOS-Name interpretiert und die NetBIOS-Namensauflösung eingeleitet. Durch die NetBIOS-Namensauflösung versucht der Computer, die IP-Adresse zu finden, um anschließend die MAC-Adresse des gewünschten Kommunikationspartners zu ermitteln. AUFGABEN 1. Wie kann man die MAC-Adresse eines Computers ermitteln? 2. Was listet das Konsolenprogramm ARP auf? 3. Welche Bedeutung haben die B-, P-, M- und H-Knoten? 4. Was ist ein DNS-Name? 5. Welche Aufgabe hat die Hosts-Datei? 6. Was sind NET-Befehle und was kann man mit ihnen machen? 7. Erläutern Sie den ping-befehl Windows Server 2012 (Codename Windows Server 8) Microsoft setzt seine Tradition fort, indem es seine neue Serverversion entsprechend des Erscheinungsjahres bezeichnet. Natürlich gibt es diese Software nur noch als 64-Bit- Version, aber in drei Ausführungen: Core-Version Vollversion ohne Benutzeroberfläche Vollversion mit Benutzeroberfläche Zwischen den verschiedenen Installationsoptionen kann man jederzeit wechseln. Dabei werden die entsprechenden Softwarekomponenten installiert bzw. deinstalliert. In der Core-Version müssen alle Einstellungen und Konfigurationen mithilfe der zeilenorientierten Powershell durchgeführt werden. Diese erinnert ein wenig an DOS und tatsächlich funktionieren einige DOS-Befehle wie dir oder cd auch hier. Microsoft nähert

14 2.11 Windows Server 2012 (Codename Windows Server 8) 267 sich dabei Linux an, das auch über eine zeilenorientierte Eingabe verfügt. Vorteil einer Core-Version: Geringere Hardwareanforderung Sicherer gegen Angriffe, weil keine Benutzeroberfläche vorhanden ist Schneller, weil keine Benutzeroberfläche vorhanden ist Individueller auf die Bedürfnisse konfigurierbar Nachteilig ist die etwas umständlichere Befehlseingabe für Anfänger und der sehr große Umfang des Befehlssatzes. 2 Bild 2.82: Powershell Bild 2.82 zeigt die Powershell des Windows-Server-2012-Betriebssystems. Im ersten Moment sieht sie wie die Eingabeaufforderung aus, aber dieser Eindruck täuscht. Die Powershell kann wesentlich mehr. Sie lässt sich durch Cmdlets (gesprochen Commandlets) erweitern. Mittlerweile stehen rund 2000 solcher Skripte von anderen Nutzern, Drittanbietern oder Microsoft zur Verfügung. Powershell-Befehle Windows PowerShell ist nicht nur eine Befehlszeilenshell, sondern auch eine Skriptsprache, die speziell für die Systemverwaltung entwickelt wurde. Grundlage ist.net Framework. IT-Experten können damit die Verwaltung des Windows-Betriebssystems und der darauf ausgeführten Anwendungen steuern und automatisieren. NET Framework ist eine Sammlung von Bibliotheken und Diensten, die es Anwendungen ermöglicht, auf Betriebssystemfunktionen zuzugreifen. Auch altbekannte Befehle wie z. B. cat, cd, chdir, clear, cls, copy, del, diff, dir, echo, erase, history, kill, lp, mount, move, popd, pushd, pwd, ren, rmdir, sort, type, write usw.

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