ELEKTRONISCHE TAFELN - HANDREICHUNG 2014

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1 ELEKTRONISCHE TAFELN - HANDREICHUNG Überlegungen zum Einsatz elektronischer Tafeln in den allgemein bildenden Pflichtschulen in Tirol Diese Handreichung vom Schultechnischen Seminar stellt den aktuellen Diskussionsprozess in den Tiroler Pflichtschulen dar. Ausgangspunkt war eine Diskussionsveranstaltung des Schultechnischen Seminars im Beisein der beteiligten Partnerinstitutionen. Im anschließenden zweistufigen Reviewprozess wurden die betroffenen Themenblöcke von verschiedenen Standpunkten aus beleuchtet, überarbeitet und ergänzt. Die Handreichung steht 1 unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz. 1 ausgenommen: Bild oben und Grafik auf S. 18

2 Inhalt BEGRIFFE UND ABKÜRZUNGEN... 2 EINLEITUNG (FÜR ALLE)... 3 VERTIEFENDE GEDANKEN (FÜR INTERESSIERTE)... 6 POTENZIALE UND GEFAHREN ALLGEMEINE BEMERKUNGEN (FÜR ENTSCHEIDUNGSTRÄGER/INNEN UND LEHRENDE)... 8 ÜBERLEGUNGEN ZU DEN E-TAFELN (FÜR PLANDENDE UND AUSSTATTER/INNEN) ) Elektronische Tafel ist nicht gleich elektronische Tafel ) Muss die herkömmliche Tafel entfernt werden? ) Anforderungen abhängig vom Schultyp ) Folgekosten beachten ) Zertifizierte Anbieter für Gesamtlösungen ) Technische Hinweise ) Einbindung der Lehrenden ) Fortbildungen TECHNIKÜBERBLICK ALLGEMEIN (FÜR INTERESSIERTE) WEITERFÜHRENDE QUELLEN (FÜR INTERESSIERTE) BLITZLICHTER (ZUR VERANSCHAULICHUNG) ANHANG Lehrplanbezug VS Lehrplanbezug PTS Lehrplanbezug NMS Kontakt: Seite 1

3 BEGRIFFE UND ABKÜRZUNGEN Elektronische Tafeln (elektron. Tafeln, e-tafeln, etafeln) werden in diesem Dokument synonym für interaktive Tafeln (i-tafeln), für interaktive Whiteboards (IWB im englischsprachigen Raum) oder den weiten Begriff moderner Präsentationstechnologien verwendet. Damit sollen pädagogische Vielfalt sowie die Weiterentwicklung ganz allgemein zu surfaces oder zur Tafel des 21. Jh. angedeutet werden. Beamer dient in diesem Dokument als allgemeine Umschreibung für einen Projektor, der Signale von diversen Video- oder Datenquellen auf die Tafel oder an die (Lein-)Wand projiziert. Der Begriff der Neuen Medien wird in diesem Dokument vermieden und mit modernen Unterrichtsmitteln umschrieben. Dabei meinen diese ungefähr die technischen Entwicklungen der letzten 25 Jahre. HS IT/IKT LED LeOn MEP NMS PC/NB PHT PTS QR SchiLF Smartphone SoS STS Tablet TiBS VS WLAN Hauptschule Informationstechnologien/Informations- und Kommunikationstechnologien Light Emitting Diode, Leuchtdiode Lernen Online, Medienportal des Medienzentrums Tirol zur elektronischen Distribution von Unterrichtsmedien über das Internet Medienentwicklungsplan Neue Mittelschule Personal Computer/Notebook Pädagogische Hochschule Tirol Polytechnische Schule Quick-Response (Technologie mit einem zweidimensionalen Code, einer quadratischen Matrix aus weißen und schwarzen Punkten; diese stellt binär kodierte Daten dar) Schulinterne Lehrerinnen- und Lehrer-Fortbildung Mobiltelefon mit mehr Computerfunktionalität und -konnektivität Sonderschule Schultechnisches Seminar, eine Tiroler Arbeitsgruppe, die sich um laufende Aktualisierung der Amtsschriften und um ein einheitliches Vorgehen in allen Schulverwaltungsagenden kümmert Tragbarer, flacher Tablet-Computer mit einem Touchscreen-Display Tiroler Bildungsservice Volksschule Wireless Local Area Network, lokales Funknetzwerk Seite 2 Kontakt:

4 Elektronische Tafeln - Handreichung 2014 Ü B E R L E G U N G E N Z U M E I N S A T Z E L E K T R O N I S C H E R T A F E L N I N D E N A L L G E M E I N B I L D E N D E N P F L I C H T S C H U L E N I N T I R O L EINLEITUNG (FÜR ALLE) Die Diskussionsveranstaltung des Schultechnischen Seminars (STS) war der Start in eine Findungsphase zum Thema Elektronische Tafeln (s. Begriffe und Abkürzungen, S. 2), mit dem Ziel, im Laufe des Kalenderjahres 2013 eine nützliche Handreichung in erster Linie für die Schulleitungen zu erstellen. Das vorliegende Dokument soll die verschiedensten Aspekte des Einsatzes dieses sog. modernen Unterrichtsmittels abseits einer Marken- bzw. Technikdiskussion beleuchten. Es versteht sich von selbst, dass diese Handreichung für die Schulleitung die Grundlage für weiterführende Planungs- und Steuerungsgespräche mit verschiedenen Partnern sein soll Lehrer und Lehrerinnen, planende Personen (Architektinnen und Architekten, Ausstatterinnen und Ausstatter, ) sowie Entscheidungsträger (z. B. Bürgermeister und Bürgermeisterinnen). Interaktivität (mit Hardware und digitalen Medien) kommt verstärkt in die Schule und wird den Unterricht genauso durchdringen wie es Computer und Internet in den letzten 25 Jahren gemacht haben und wie es bei der Durchdringung der Gesellschaft mit den verschiedensten mobilen Endgeräten derzeit zu beobachten ist. Dabei wird klar, dass sich multimedialer Unterricht mit interaktivem Unterricht überlagert. Die Interaktivität in diesem Zusammenhang findet zwischen der Hardware/Software und der/dem Lernenden statt. Die Entwicklung hinsichtlich des Einsatzes der elektronischen Tafeln ist in einen größeren Zusammenhang eingebunden: nach der Ausstattung aller Schulen mit Internet und Schüler-/Lehrer-/Verwaltungs-PC vor gut 10 Jahren, erfolgt nun die Ausstattung aller Klassen mit PC und Internet, die Aufstockung der Internet- Leitungsbandbreiten und damit der Zugang zum Netz (zu Wissensquellen, Informationen und Medien) für alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer zu jeder Zeit. Die ministeriellen Leitprojekte 2, die efit-strategie, Future Learning, Edumoodle sowie LeOn 3 (Lernen Online) sind in erster Linie eher techniklastig die Entwicklung der Unterrichtsmethoden, die Anpassung der (Fach-)Didaktik kann hier kaum Schritt halten. Ein mediendidaktischer Schub tut not! (S. a. die vielen Bemerkungen zu Ausbildung und Fortbildung in diesem Dokument). Hier wurde im STS Handlungsbedarf erkannt. Bei einer 2012 erfolgten Umfrage zu den Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) in der Direktion 4 zeigte sich, dass rund 20 % der Befragten elektronische Tafeln (von einem Stück bis zur Ausstattung aller Klassen) in der Schule haben, rund 10 % gaben bei dieser Frage mit Mehrfachantworten an, dass sie selber schon mit elektronischen Tafeln gearbeitet haben Kontakt: Seite 3

5 Die persönliche Einschätzung der STS-Mitglieder ist eher so, dass vereinzelt negative Erfahrungen gemacht wurden oder bei anderen Schulen beobachtet werden, dass es manchmal zu einem eher unmotivierten, häufiger zu einem nicht gerade abgestimmten Ankauf von Einzelexemplaren kommt nicht abgestimmt bezieht sich in diesem Zusammenhang auf Gebäudetechnik, Lehrkörper, Aus- und Fortbildung oder auf den nachhaltigen Einsatz. Die Realität wird vom STS so eingeschätzt, dass neben den Schulen, wo es gut funktioniert an einigen Schulen die e-tafeln zwar verwendet werden, aber bei weitem nicht so, wie sie verwendet werden könnten! Unserer Einschätzung nach gibt es in Tirol keine koordinierende und unterstützende Stelle, eher stößt man bei der Recherche auf allgemeine Projekte im Ministerium (s. Quellen, S. 19). Die Quintessenz bzw. Empfehlungen daraus wurden in dieser Handreichung berücksichtigt. Aus den oben erwähnten Gründen wurde versucht, diese Diskussion auf breiter Basis, unter Einbindung der Systempartner zu führen und diese Handreichung unter ihnen abzustimmen. Die Systempartner sind in diesem Fall: Landesschulrat für Tirol Landesschulinspektoren und NMS-Betreuer/innen Schulaufsicht auf der Bezirksebene Bezirksschulinspektorinnen und -inspektoren PHT TiBS Medienzentrum Tirol Mitglieder des STS als Schulleitungs-Vertreter bzw. -Vertreterinnen der allgemein bildenden Schultypen (VS, NMS/HS, PTS, SoS) Dienstgeber Landesregierung Tirol Abt. Bildung Wie begegnet man dem Argument der sog. Methodenfreiheit oder dem Argument, dass Lehrkräfte, die herkömmlich unterrichten wollen, nicht überfordert werden dürfen? Unter Wahrung der Methodenfreiheit und der persönlichen freien Entscheidung der Unterrichtsplanung, sollen doch die Dienstpflichten gegenüber fortbildungsresistenten Kolleginnen oder Kollegen erwähnt werden. Im Landeslehrerdienstrechtsgesetz 5 sind einerseits die Pflicht zur beruflichen Fortbildung hinterlegt, andererseits im Abschnitt Leistungsfeststellung die Vermittlung des im Lehrplan vorgeschriebenen Lehrstoffes gemäß dem Stand der Wissenschaft sowie unter Beachtung der dem Unterrichtsgegenstand entsprechenden didaktischen und methodischen Grundsätze. Abschließend sei allerdings nicht verschwiegen, dass es sich bei den e-tafeln um Klassentechnik handelt. Um Technik, mittels derer die Lehrkräfte aufgrund pädagogisch-didaktischer Vorüberlegungen das Medium innerhalb eines Lernsettings zum Kind bringen, zum Kind, dessen Alltag zuhause ganz selbstverständlich von Medien wie TV, PC/NB, Smartphone, geprägt ist. Der Gang mit einer Klasse oder Schüler/innen- Gruppe in den PC-Raum ist mit Aufwand und Wartezeit verbunden und eignet sich für einen Unterrichtsabschnitt. Die Verwendung von Klassen-PC ist zwar mit weniger Aufwand verbunden, aber nur für einzelne Schüler oder Schülerinnen in bestimmten Unterrichtssequenzen gedacht. Die e-tafel liefert quasi integrativ aktuelle Informationen in Sekundenschnelle für Einzelne oder für die ganze Klasse. 5 Seite 4 Kontakt:

6 Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die anfängliche Materialschlacht nach einiger Zeit zurückgedrängt wird und von guter Präsentation und richtig dosiertem Einsatz abgelöst wird. e-tafeln machen keinen guten oder schlechten Unterricht, es ist die Lehrkraft! Wie kann sie junge Menschen für das Lernen begeistern? Das ist die alte Frage der Didaktik. Dabei kann die e-tafel per se nicht abwechslungsreiche Unterrichtsplanung ersetzen. Allerdings bedeutet dies für die Lehrkräfte: Hilfe! Mein Unterricht und meine Vorbereitung werden geändert. Und Fortbildungen sind außer Firmeneinschulungen bis dato nicht im Angebot. Diese Handreichung soll also in gewisser Weise einen kleinen Anforderungskatalog im Hinblick auf den pädagogischen Einsatz darstellen und die Schulleiterinnen und Schulleiter bei der Entscheidungsfindung (ob elektronische Tafeln, wie einführen oder weiterentwickeln) und Strategieentwicklung an ihrer Schule unterstützen. Kontakt: Seite 5

7 VERTIEFENDE GEDANKEN (FÜR INTERESSIERTE) Die Frage nach der Konkurrenzfähigkeit des Unterrichts generell, im Speziellen durch den Einsatz sog. moderner Unterrichtstechnologien, muss der Öffentlichkeit erlaubt sein. Meist werden die neuen Themen zuerst allgemein diskutiert, getrieben durch Medienberichte o. Ä., anschließend wird man immer mehr zum Betroffenen (bekannte (Un-)Fälle, Nachbarschulen, ) und wenn dann Ablehnung, Verbote oder Negieren, stille Akzeptanz usw. nicht mehr helfen, muss sich Schule aktiv um die Einbettung neuer Trends oder Techniken bemühen und versuchen, das didaktische Potenzial zu heben und die Neuerungen für den Unterricht nutzbar zu machen. Auf die Frage des Schulerhalters Braucht s das wirklich? muss mit harten Fakten geantwortet werden, um kurzlebige Beliebigkeiten oder eine befürchtete Verschwendung von Steuergeldern zu vermeiden. Die hard facts sind einerseits gesetzliche Rahmenbedingungen, in unserem Fall beispielsweise Lehrplanforderungen (s. Lehrplanbezug, S. 23), andererseits fundierte Recherchen über aktuelle gesellschaftliche und/oder pädagogische Entwicklungen. Kostspielige technische Neuerungen gehören in die Schulentwicklung eingebettet, Unterrichtsumstellung findet damit den Niederschlag im Schulprogramm. Ein sog. Medienentwicklungsplan (MEP) 6, in vielen deutschen Bundesländern erfolgreich eingesetzt, scheint hier eine gute Lösung für längerfristige Planung, Budgetierung, Klärung von Zuständigkeiten und Sicherung von Ressourcen zu sein. Damit kann auch gewährleistet werden, dass am jeweiligen Schulstandort mit dem Schulerhalter eine ausgewogene Balance gefunden wird und nicht immer nur der Ruf nach mehr Geld bzw. die Antwort vom fehlenden Geld ertönen. Dies alles mit dem Ziel, dass sich Unterricht kontinuierlich (weiter) verbessert, (noch mehr) den Lernenden und bildungspolitischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, Entwicklungen anpasst und aktueller, moderner wird. Der Ausbildung der Lehramtsstudierenden bzw. der Fortbildung auf dem Gebiet von media literacy 7 wird von allen Beteiligten großes Gewicht beigemessen, Schulen, die gerade ihren Unterricht in dieser Hinsicht umgestellt haben, unterstreichen diese Forderung. In der Praxis haben die Schulen aber eher das Gefühl, dass der Bereich der Medienkompetenz (bei der ein reflektiertes Verhältnis zu allen gebräuchlichen Medien im Vordergrund steht und die Ausdrucksfähigkeit der Schülerinnen und Schüler hinsichtlich unterschiedlichster Medien gefördert wird) in der Ausbildung und in der Fortbildung bis dato eine geringe Rolle spielt. Die Forderung lautet: Lehrende müssen IT-fit(er) werden in medienpädagogischer Hinsicht. Digitale Kompetenzen sind ein wesentlicher Punkt in der Berufsvorbereitung und für die Berufsausübung. Dabei stellt nach dem Meistern der ersten technischen Hürden die pädagogisch-didaktische Ausbildung im Bereich der sog. modernen Unterrichtsmittel die Herausforderung dar. Und sie ist hersteller- und produktunabhängig und kann sich flexibel auf die jeweilige Ausstattung vor Ort adaptieren. Die Methodik eines interaktiven Unterrichts richtig verstanden und vorerst unabhängig von einer e-tafel muss wesentlicher Bestandteil einer aktuellen Ausbildung für die Lehrenden sein. Die Ressourcen in der Fortbildung könnten gezielt in diesem Bereich eingesetzt werden. Deshalb wird empfohlen, in Abstimmung mit Praktikerinnen und Praktikern ein gut durchdachtes Schulungskonzept (s. 8.) Fortbildungen, S. 17) zu entwerfen, in einem einmaligen Aufwand Teile davon als Onlinekurse abzubilden und die Schulungen vielfach in der Aus- und Fortbildung oder auch verstärkt in schulinternen oder schulübergreifenden Lehrerfortbildungen (SchiLF) bzw. in den Bezirken zu verwenden. 6 Ein MEP ist ein Instrument, mit dem die Schule in Abstimmung mit dem Schulerhalter den nachhaltigen Einsatz von Medien und die erforderliche Ausstattung plant und sich dabei an pädagogisch-didaktischen Anforderungen orientiert. 7 Media literacy is the ability to access the media, to understand and to critically evaluate different aspects of the media and media contents and to create communications in a variety of contexts (European Commission). Seite 6 Kontakt:

8 Eine Strategie, auf Technologien zu setzen (oder auf sie zu warten), die keine Schulung benötigen oder zu erwarten, dass Lehramtsstudierende an die PHT kommen, die die digitalen Kompetenzen von der Sekundarstufe I und II mitbringen, ignoriert die Wichtigkeit mediendidaktischer Inhalte in der Lehrer-Ausund -Fortbildung und führt unserer Einschätzung nach nicht zum gewünschten Ziel! Kontakt: Seite 7

9 POTENZIALE UND GEFAHREN ALLGEMEINE BEMERKUNGEN (FÜR ENTSCHEIDUNGSTRÄGER/INNEN UND LEHRENDE) Elektronische Tafeln schöpfen ihr didaktisches Potenzial v. a. aus der Möglichkeit, ein multimediales Lernhilfsmittel sowie ein hervorragendes Präsentations- bzw. Demonstrationsmittel zu sein. Die folgenden kritischen Fragen sollen das Diskussionsfeld kurz umspannen: Was kann ich mit der elektronischen Tafel besser umsetzen (darbieten, erarbeiten, üben, ) als mit der althergebrachten grünen Tafel? Was kann ich an der grünen Tafel gar nicht machen (im Vergleich zu e-tafel)? Welche Nachteile hat die elektronische Tafel für den Verlauf bzw. Erfolg des Unterrichts? In welchem Ausmaß und von wem wie stark von Lernenden wird die Interaktivität als methodisches bzw. didaktisches Addendum genutzt? Was ist im praktischen Schuleinsatz für den durchschnittlichen User möglich? Was sind die normalen technischen Problembereiche? Welche alternative Projektions- oder interaktive Lösungen sind denkbar? Häufig genannte Potenziale oder Rückmeldungen von betroffenen Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern seien hier in Stichwortform aufgezählt ohne Anspruch auf Vollständigkeit: multimediales Lernen multisensorisches Lernen didaktisches Potenzial o Motivationssteigerung, Unterricht wird interessanter o Freude am Lernen o Schüler und Schülerinnen schätzen die aktive Einbindung durch Berührungssensitivität und fühlen sich positiv beeinflusst o mehr Aufmerksamkeit (auch für die Lehrenden), wenn der Einsatz nicht jede Stunde und nicht die ganze Stunde erfolgt Seite 8 Kontakt:

10 o mehr oder intensivere Beteiligung am Unterrichtsgeschehen o Präsentieren von Schüler/innen-Arbeiten o modellieren demonstrieren kommentieren methodisches Potenzial o Lernprozesse erweitern 8, o verändern bzw. transformieren 9 o Fördern von Diskussionen o gemeinsam Probleme erkennen und lösen oder an Dokumenten arbeiten o Kreativität durch Interaktivität Methodisch-didaktisch kurz gefasst: Gelerntes bleibt besser im Gedächtnis. rationalisierte Unterrichtsvorbereitung 10 und -nachbereitung Wiederverwendbarkeit von Unterrichtsmaterialien o zu 100 %, weil digital o hervorheben oder kommentieren o speichern, drucken, versenden o dokumentieren Nachbereitung für Schüler und Schülerinnen o generell (Stundenwiederholung) o Nachvollziehbarkeit für abwesende Schüler und Schülerinnen digitale Schulbücher sind im Kommen bzw. Realität; ein device dafür muss ohne Aufwand im Nu verfügbar sein 8 Z. B. eine weitere Station im Stationenlernen oder auch Verwendung von mehr oder animierenderen Materialien zur Erklärung von Konzepten und Inhalten. 9 Beispiele: neue Lernstile ausprobieren (die durch die e-tafel angeregt werden); Perspektiven, Werte und Annahmen revidieren, empfänglich sein für neue Ereignisse und Informationen. 10 Später - am Anfang ist das Gegenteil der Fall! Kontakt: Seite 9

11 Allerdings werden auch folgende Gefahrenmomente erwähnt, ebenso in subjektiver Weise und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: große Anschaffungskosten sowie Folgekosten wie mögliche Beschädigungen vermeiden? Höhenverstellbarkeit vs. Beamerlampenhaltbarkeit Schattenwurf des Bedienenden Raumbeschattung (Sonneneinstrahlung) Dauer von Systemstart und -ende; Standbybetrieb Whiteboard oder grüne Tafel dabei haben bzw. im Klassenraum belassen die Gefahr des vermehrten Frontalunterrichts und damit einer Konsumhaltung besteht und muss berücksichtigt werden ( Endlich können wir mit den Freizeitmedien unserer Schüler/innen konkurrieren! ) Präsentieren aber richtig! gehört in die Ausbildung, ebenso die Grundlagen des IKTunterstützten Lernens Ausnützen der Interaktivität über den Neuheitswert und eine exemplarische Unterrichtssequenz hinaus, um damit eine teure Projektionslösung zu vermeiden (wenn nämlich die Interaktivität nicht zum Zug kommt) herkömmliches, sich entwickelndes Tafelbild war immer schon in gewisser Weise Ausdruck einer Struktur und Orientierung im Lernprozess, einer Wissensentwicklung etc. einfache Bedienung, damit auch nicht IT-affine Lehrkräfte ganz normal arbeiten können Wer spielt Helpdesk? Werden dafür pädagogische Stunden (=U-Std.) geopfert? Softwareinstallation und Aktualisierung durch Lehrende und Schüler bzw. Schülerinnen auf den privaten Geräten Alternative oder zukünftige Lösungen gehen unter Umständen in eine andere Richtung: Wireless Display (Fa. Intel) Einschränkung auf entsprechende Intel-Hardware; Projektion von mobilen Geräten auf HDTV Interaktivität mit dem Vorteil, dass sich nicht nur maximal 4 Schüler bzw. Schülerinnen am Board, sondern alle Schüler bzw. Schülerinnen einer Klasse über andere devices interaktiv am Unterricht beteiligen Wie wird eine grüne Tafel mittels geeigneter Tools (z. B. QR-Technologie) interaktiv? Projektionslösungen unter Verzicht auf die Interaktivität Seite 10 Kontakt:

12 ÜBERLEGUNGEN ZU DEN E-TAFELN (FÜR PLANENDE UND AUSSTATTER/INNEN) Für eine e-tafel benötigt man eine Software für eine aktive Verbindung zwischen Wandtafel, projiziertem Bild und steuerndem Rechner, damit der Benutzer/die Benutzerin mit der e-tafel interagieren kann mit Hilfe von Spezialstiften oder den Fingern. Dabei können verschiedene Versionen für die weitere Nutzung gespeichert oder gedruckt werden, sei es zur Vorbereitung, zu Übungszwecken oder zur Nachbereitung des Unterrichts (für Schüler und Schülerinnen sowie Lehrer und Lehrerinnen). Diese Technik ist seit Jahren schon in Nordamerika, in den angelsächsischen Ländern oder Skandinavien weit verbreitet und wird unter dem Namen IWB (Interactive Whiteboard) zusammengefasst. Es wird im gesamten Dokument absichtlich auf eine Markendiskussion verzichtet und Hersteller werden nur beim Techniküberblick genannt. Eine Technikdiskussion findet nur insofern statt, als sie für die (bessere) Umsetzung didaktisch oder methodisch motivierter Unterrichtsgestaltung notwendig erscheint. Wie wir alle wissen, ist die technische Entwicklung hinsichtlich der modernen Unterrichtshilfsmittel (oder sind es nicht viel mehr zeitgemäße?) in der Schule sehr rasant. Das bedeutet: das was gestern als modern und toll galt, ist heute veraltet. Die Ängstlichen wollen immer warten, bis alles spruchreif und klar und bis zum Ende ausgereift ist. Sie übersehen dabei aber, dass dann die Technik veraltet und von gestern ist und damit nicht mehr eingesetzt wird. Vorweg: auch aus diesem Grund sind vernünftige Leasingvarianten eine Überlegung wert! 1.) Elektronische Tafel ist nicht gleich elektronische Tafel (s. dazu auch Techniküberblick, S. 18) a. Mehrbenutzerfähigkeit e-tafeln sollen heutzutage multiuserfähig sein. Das bedeutet einerseits, dass mehrere Gesten (von mehreren Personen) parallel zur gleichen Zeit von der Hardware erkannt werden, andererseits bedeutet dies, dass die Stifte programmierbar sind und verschiedene User oder Userinnen abbilden können. b. Mehrere Eingabemethoden Sowohl die Bedienung mit Stiften als auch mit Gesten (Fingern) sollte heute von einer elektronischen Tafel unterstützt werden. c. Mehrere Schnittstellen Achten Sie jedenfalls bei einem elektronischen Tafelsystem auf genügend heute aktuelle Standard-Schnittstellen, um die Kompatibilität mit verschiedenen Geräten auch zukünftig zu wahren. Eine weitere Schnittstelle für ein zusätzliches Gerät von Lehrenden, einfaches Umstöpseln, mechanisch einwandfreie Ausführung der häufig benötigten Steckverbindungen, - all das zeichnet gute Systeme aus. Kontakt: Seite 11

13 2.) Muss die herkömmliche Tafel entfernt werden? Bei der Einführung von e-tafeln gibt es immer die zwei widersprechenden Diskussionsstandpunkte sanfter Übergang oder Bruch mit jeweils triftigen Argumenten zu bedenken: a. Entfernung der herkömmlichen Tafel Damit alle Lehrenden die e-tafel in ihrem Unterricht einsetzen (müssen), darf keine analoge Alternative in der Klasse sein. Andernfalls stellen sich manche Lehrerinnen bzw. Lehrer nie um. Daneben gibt es selbstverständlich Argumente wie: Platzproblem bei zwei Tafelsystemen! Welches System befindet sich im Zentrum des Sichtfeldes der Lernenden und damit im Zentrum der Aufmerksamkeit? b. Beide Tafel-Alternativen eine Zeitlang bzw. permanent anbieten Um den Umstieg möglichst reibungsfrei zu gestalten und den Ängstlichen das Gefühl der Sicherheit (Kontrolle über den Unterricht) zu geben, müssen die Lehrerinnen und Lehrer die Wahl haben, welche Tafelart sie im Unterricht oder in Unterrichtsphasen einsetzen wollen. c. Analoge Alternativen im Klassenraum Für diverse Unterrichtsszenarien muss die e-tafel oder eine analoge Ergänzung (ausklappbare grüne Tafel oder Whiteboard) bzw. eine analoge Alternative im Klassenraum magnetisch sein, mit Flipchartmarker beschriftbar sein etc. Der sog. Geometrieanteil im jeweiligen Unterricht bzw. Schulalltag für die Demonstration von Konstruktionen mit Zirkel und Lineal muss beachtet werden, wenn dieser Punkt nicht schon bei den Anforderungen für den Schultyp (s. 4.) Anforderungen abhängig vom Schultyp) berücksichtigt wurde. In eben dieser Weise muss bedacht werden, dass die transformierte Handschrift (bedingt durch Zeitverzögerung, Unhandlichkeit des Stiftes, Übersetzung durch Software, ) niemals die Qualität der Handschrift mit Kreide oder Whiteboardmarker erreicht in den Fällen, wo dies zur Demonstration oder für das sog. Tafelbild von pädagogischer Wichtigkeit ist. 3.) Anforderungen abhängig vom Schultyp Die Verwendung von e-tafeln ist auf allen Bildungsstufen in allen Fächern möglich. Allerdings hat z. B. eine kaufmännische Schule (Berufsschule oder berufsbildende mittlere oder höhere Schule) andere Anforderungen an eine elektronische Tafel als eine Volksschule. Betrifft dies unter Umständen nur die Software, die beim Tafelsystem zum Einsatz kommt, und nicht die Tafel selber? Manche Stimmen meinen: Interaktivität ist in der Volksschule wichtiger als auf höheren Stufen. Die Begründung dafür bleibt aber etwas im Dunkeln. Es ist zu befürchten, dass man bei dieser Argumentation einem klassischen Denkfehler unterliegt: Lernen in der VS soll kindlich, lustig und spielerisch sein, deshalb kann es auch interaktiv sein. Auf höheren Stufen beginnt der sog. Ernst des Lebens Lernen ist anstrengend, weil demonstrativ bzw. allzu sehr lehrendenzentriert. Seite 12 Kontakt:

14 Wo ist interaktives Lernen im heuristischen Lernmodell (P. Baumgartner, Lernen mit Software, 1999) zu verorten? Quelle: nach P. Baumgartner, ebd. 4.) Folgekosten beachten Die Entscheidung, e-tafeln anzuschaffen, hat weitere Auswirkungen: a. Verkabelung Eine nachträgliche Verkabelung ist immer teurer, nebenbei sind die Kabelschächte im Aufputz- System meist optisch nicht schön anzusehen. Beachten Sie die nötige Verkabelung für Strom, Internet, Präsentation (Beamer) und für das Audiosystem. Welche kabellosen Präsentations- oder Audiosysteme können zufriedenstellende Ergebnisse liefern? b. Beamerlampen Die LED-Beleuchtungstechnologie ist nicht nur modern, sondern bedeutet neben geringem Stromverbrauch (Watt) v. a. Langlebigkeit. Mit LED-Beamern haben Sie in dieser Hinsicht mit weniger Folgekosten zu rechnen. c. Wartung und Helpdesk Wer ist für die Wartung inkl. Systemanpassung und Softwareaktualisierung zuständig? Wer macht Helpdesk, unterstützt also die Anwender und Anwenderinnen? Innerhalb welcher Zeitspanne wird auf Probleme im Zusammenhang mit der e-tafel reagiert und ist jemand vor Ort? Dazu gehört auch die Frage nach Stiftersatz bzw. batteriebetriebenen Stiften. Im Vergleich mit anderen Hardwareanschaffungen im Schulbereich kann die Empfehlung nach langfristigen Wartungsverträgen mit 3 bis 5 Jahren Vor-Ort-Service ausgesprochen werden. Klären Sie diese Fragen, um sich und Ihr Team vor unliebsamen Überraschungen zu schützen und vermeiden Sie, alles Technische auf den IT-Betreuer oder die IT-Betreuerin abzuwälzen. Kontakt: Seite 13

15 d. Medienpool Welche vorhandenen analogen Medien werden digitalisiert? Wer kann dies erledigen? Wie werden die vorhandenen und erstellten digitalen Unterrichts-Ressourcen in der Schule nachhaltig gespeichert, so dass sie später für jeden schnell auffindbar, in der Vorbereitungsphase zugänglich sind und im Unterricht gewinnbringend eingesetzt werden können? Überlegen Sie sich diese Fragen und diskutieren Sie dies im Lehrkörper. e. Je mehr Technik, desto fehleranfälliger Die Forderung nach Robustheit ist im schulischen Umfeld gleichzeitig eine nach Einfachheit des Systems. Je mehr Bedienelemente mitverkauft werden, desto größer ist die Fehleranfälligkeit (Verschleiß, Verlust, ). f. Ein Tafelmodell durchgängig Schließlich muss noch an ein durchgängiges Tafelmodell gedacht werden: Ist es besser, an der Schule nur ein Modell zu haben, bezogen v. a. auf Software, Usability etc. oder haben die Lehrenden keine Probleme, wenn jährlich ein, zwei neue Tafeln dazukommen, evtl. von anderen Firmen oder gar mit anderer Software? 5.) Zertifizierte Anbieter für Gesamtlösungen Welche Tiroler Gesamtlösungsanbieter gibt es, die eine entsprechende Zertifizierung sowie Kundenzufriedenheit vorweisen können? a. Garantie- und Ausfallzeiten Beachten Sie definierte Garantie- und Ausfallzeiten (Reaktionszeiten). Dies ist aus monetärer Sicht sehr wohl relevant. b. Ersatzlösungen Die Kosten für reduzierte Ausfallzeiten können sehr stark ansteigen, weshalb Sie Ersatzlösungen einplanen könnten. c. Lebenszyklus Bedenken Sie den Lebenszyklus auf dem Hintergrund der technischen Entwicklung und beziehen Sie ein Mietmodell in Ihre Überlegungen mit ein. 6.) Technische Hinweise Im schulischen Umfeld steht die Anforderung nach Robustheit (schülerfest und lehrerfest) jedenfalls ziemlich oben in der Bewertungsskala der Anwender. Einerseits bezogen auf die e-tafel selber, als auch im Hinblick auf die Steckverbindungen mit Laptops o. Ä. Andererseits spielt hier auch die Kalibrierungsproblematik (häufig ausgelöst durch Vibrationen) hinein, die bei fest installierten e- Tafeln und fix montierten Beamern kein großes Problem darstellen sollte und von jedem Unterrichtenden einfach erledigt werden können muss. Bei mobilen Systemen muss jedenfalls darauf geachtet werden! Seite 14 Kontakt:

16 a. Projektionsgröße Achten Sie auf eine spiegelungsfreie Projektionsgröße in Verbindung mit der Standard- Auflösung; sie muss so beschaffen sein, dass jemand in der letzten Bankreihe bzw. am entferntesten Punkt des Raumes noch ohne Probleme alles gut sehen kann. Während z. B. 87 Zoll 11 Bilddiagonale für den einen Raum passend erscheint, können 90 Zoll für einen anderen, größeren Raum zu klein sein. Beachten Sie in weiterer Folge ein mediendidaktisch begründetes Seitenverhältnis der Projektion (16 zu 9; 16 zu 10). b. Schatten und Beschattung Lange Zeit galt der Schattenwurf der Person an der e-tafel als lästiges Problem. Seit der Verfügbarkeit von sog. Nahdistanzbeamern tritt dies in den Hintergrund. Testen Sie selber, wie störend der Schattenwurf des Users bzw. der Userin beim Arbeiten an der e-tafel ausfällt. In der Umkehrung ist auch der Blendeffekt eine Überlegung wert, wenn der User oder die Userin sich während der Arbeit an der e-tafel intuitiv für Erklärungen zur Klasse dreht. Ziehen Sie die Raumbeschattung in Ihre Überlegungen mit ein, und zwar dann, wenn die Sonne an einem schönen Frühlings- oder Sommertag schön in den Raum hereinleuchtet. Können die Lernenden alles gut sehen und den Darbietungen an der e-tafel optisch einwandfrei folgen? c. Adaptierbarkeit Eine prinzipielle und einfache Höhenverstellbarkeit mit anschließender Fixierung soll eine Anpassung an unterschiedlich große Menschen ermöglichen. Eine laufende und freie Höheneinstellung widerspricht einer langen Lebensdauer, nicht nur der Beamerlampen (Erschütterungen). d. Systemstart und -ende Ein System, welches in wenigen Sekunden verfügbar ist und ebenso schnell beendet ist, wird gerne und oft verwendet! Server- oder zeitgesteuertes Hochfahren vor Unterrichtsbeginn, gesteuertes Herunterfahren des Systems nach Unterrichtsende, Wechsel in den Standby-Modus des Beamers, wenn kein Signal anliegt oder keine Signalstromänderung mehr erfolgt, sollten heutzutage technisch kein Problem mehr darstellen. e. Geräuschpegel Beamer Für Systeme, die täglich und über mehrere Unterrichtsstunden hinweg im Einsatz sind, muss unbedingt auf den Geräuschpegel vom Beamer oder Steuer-PC geachtet werden. Empfohlen sind Werte kleiner 28 db(a). f. Lichtstärke Beachten Sie die Lichtstärke des Projektionssystems (Beamer). Es sollte sich um Tageslichtprojektoren handeln, welche auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen ansprechende Projektionsleistungen bringen. Je größer die Projektionsfläche, desto mehr Ansi-Lumen muss der Projektor liefern (> 3000 Ansi-Lumen) Zoll entspricht 2,54 cm. Kontakt: Seite 15

17 g. WLAN am Projektor Bedenken Sie den Umstand, wie und mit welchen Geräten sich Lehrende oder auch Lernende mit dem Beamer verbinden können. Eine Verbindung der diversen mobilen Endgeräte mittels Funktechnologie (WLAN) ermöglicht es, schnell und effektiv Problemstellungen, Ergebnisse, Fragen o. Ä. mit Laptop/Notebook, Tablet oder anderen mobilen Endgeräten wie Smartphones zu projizieren. h. Audioqualität Achten Sie auf eine qualitätsvolle Beschallung, angepasst an den Raum! i. Intuitiv bedienbare und einfache Software Ein wesentlicher Punkt bei den Überlegungen stellt die sog. Tafelsoftware 12 dar. Sie ist nicht Selbstzweck oder Spielerei, sondern ein Mittel zum Zweck nämlich der Darstellung, der Vermittlung, sozusagen der Metamorphose des sog. Lehrstoffes in gelernten Stoff. Wenn die Software für die Benutzerin oder den Benutzer nicht einfach erscheint oder intuitiv bedienbar ist, wenn die Starttafel mit vielen Symbolen und Verknüpfungen überlagert erscheint und vom Inhalt ablenkt, anstatt sich nach Bedarf und kontextbezogen dem fragenden User anzubieten, dann lassen Sie die Finger davon. Im Idealfall ist sie herstellerunabhängig, funktioniert mit den gängigen Betriebssystemen und hat schon einige Updates hinter sich, also eine höhere Versionsnummer. Damit kann man annehmen, dass die Software in ein paar Jahren noch klaglos funktioniert und von der Benutzerin bzw. vom Benutzer verwendet werden kann. Das Autorensystem Mastertool 13 scheint in diesem Zusammenhang vielversprechend zu sein und könnte sich zu einem Standard in Tirol entwickeln. Das Onlinetool kann unabhängig vom Rechner verwendet werden. Der Player, mit dem Übungen gestartet und durchgeführt werden, ist kostenlos für Schüler/innen oder Lehrende verfügbar. Für LeOn-Schulen 3 ist das Autorensystem frei verfügbar, andere zahlen einen geringen Betrag. Allerdings sei angemerkt, dass Mastertool derzeit eine Tafelsoftware, die die Möglichkeiten der e-tafel ausnützt, nicht vollständig ersetzen kann. Andererseits fällt der Einstieg in die Interaktivität der Unterrichtsgestaltung durch die einfache Bedienung wesentlich leichter. Richten Sie in puncto Tafelsoftware Ihr Augenmerk auf möglichst offene sowie boardunabhängige Software, damit Lehrende und Lernende diese auf vielen schulischen und privaten Rechnern installieren können und elektronische Tafelbilder, Lernfolien, Rechercheoder Präsentationsergebnisse beliebig weiterverarbeiten oder austauschen können. Software, die problemlos mit Lernplattformen zusammenspielt und damit einschlägige Standards 14 unterstützt, ist jedenfalls zu bevorzugen. Software, welche Sie oder Ihre Lehrenden und Lernenden einschränkt oder auf einen Anbindeeffekt abzielt ( locked-in ), widerspricht der Nachhaltigkeit oder der Vermeidung von sinnlosem, weil mehrfachem Arbeitsaufwand (Formatwechsel, Abbildung bzw. Umsetzung in parallelen Systemen, ). Achten Sie auf ein nachhaltiges Format zum Austausch von Materialien sowie auf einen PDF-Export, da sich das PDF-Format 15 seit langem als Standard für Leseansicht und Druck durchgesetzt hat. 12 Für eine e-tafel benötigt man eine Software auf einem PC oder Notebook, mit welchem die Tafel gesteuert wird Beispiele sind SCORM, AICC oder IMS Content Packaging. Solche Autorensysteme können Inhalte für alle aktuellen Lernumgebungen erzeugen. 15 Portable Document Format, also ein (trans-)portables Dokumentenformat, ist ein plattformunabhängiges Dateiformat für Dokumente (von Adobe Systems entwickelt und 1993 veröffentlicht). Seite 16 Kontakt:

18 7.) Einbindung der Lehrenden Diskutieren Sie die Anschaffung elektronischer Tafeln in der Planungsphase mit möglichst vielen Partnern (Lehrkräfte, Schüler und Schülerinnen, Eltern, Schulerhalter, ), wenn Sie Erfolg haben wollen. Kritik ist zulässig und berechtigt. Manchmal werden anfängliche Kritiker zu glühenden Verteidigern und wollen die elektronischen Tafeln nach der erfolgten Umstellung ihres Unterrichts keinesfalls mehr missen. Binden Sie jedenfalls Ihren Lehrkörper mit in die Planungen und Entscheidungsfindung ein! Im Idealfall arbeiten Lehrende nach der Einführung e-tafeln vermehrt und intensiver zusammen, tauschen Materialien und helfen sich gegenseitig! Eine Einschulung ist zu wenig. Es dauert seine Zeit, bis die Lehrerinnen und Lehrer die Grundfunktionen des elektronischen Tafelsystems sicher beherrschen. Achten Sie auf eine nachhaltige und mehrstufige Schulungsstrategie, die dazwischen genügend Raum für offene Workshops und Peer-Learning 16 lässt und die einen guten Praxisbezug zum täglichen Einsatz in der Klasse hat. Meist blenden Verkäufer mit den sog. goodies (was man nicht alles machen könnte) in praxisfernen Bezügen! Es wird empfohlen, dieses Technik- und Methodikpaket mit dem Kauf elektronischer Tafeln zu ordern und dabei Wert auf Praktiker/innen sprich Lehrkräfte zu legen! 8.) Fortbildungen Die Einführung elektronischer Tafeln bedeutet für die Lehrenden eine Umstellung ihres Unterrichtes und damit der Vorbereitung dafür. Damit dieser tiefgreifende medienpädagogische Wandel gelingt, bedarf es eines regelmäßigen Fortbildungsangebots, quasi eines PHT-Mediendidaktik- Pakets. Einerseits muss dieses Angebot zeitnah und laufend von den Lehrenden beansprucht werden können, andererseits muss es ortsnah, sprich in den Bezirken, angeboten werden. Dabei geht es in erster Linie nicht um technische Schulungen (s. o. Einbindung der Lehrenden), sondern um pädagogische Einsatzszenarien ausgewählte und allgemeine pädagogische settings für den Unterricht in allen Gegenständen. Anschließend oder parallel zur grundsätzlichen Bedienung wenden sich diese Angebote dem Prinzip Unterricht mit elektronischen Tafeln zu, damit also den Kompetenzen, um eine methodische Vielfalt zu gewährleisten, die Vorteile der Interaktivität beispielsweise auch für gute und abwechslungsreiche Förderung oder gezielte Forderung schlagend werden zu lassen. Neben dieser methodischen Begleitung über mehrere Jahre sollte daraus bzw. ergänzend auch ein Online-Angebot entwickelt werden, damit die Lehrenden zukünftig on demand, also bei Bedarf ihre persönlichen Fortbildungen in diesem Bereich online und damit unabhängig von Ort, Zeit oder Lerngeschwindigkeit abrufen können. Bei Gelingen dieser Punkte hinsichtlich Schulung oder Fortbildung stellt sich ein großes Zufriedenheitsgefühl ein. Mancher Kollege bzw. manche Kollegin möchten nach einigen Jahren die e- Tafel nicht mehr missen. Zu verdanken ist dies einem funktionierenden peer-learning und kollegialem Austausch, gegenseitiger Hilfe oder einem e-buddy-system 17. Es hat sich auch bewährt, über einen gewissen Zeitraum Schwerpunkte zu setzen, damit eine Lehrkraft nicht alle ihre Unterrichtsfächer auf einmal umstellen muss und Zeit für die schrittweise Adaptierung ihres Unterrichts findet. 16 Sehr gut lernt der Mensch von seinesgleichen sowie situationsbedingt, s. a Kontakt: Seite 17

19 TECHNIKÜBERBLICK ALLGEMEIN (FÜR INTERESSIERTE) Eine e-tafel ist beispielsweise eine weiße interaktive Tafel, die mit PC und Projektor (Beamer) verbunden ist. Am steuernden PC oder NB läuft die Software, damit der Benutzer oder die Benutzerin mit der Tafel interagieren kann. Der Beamer projiziert die Arbeitsoberfläche des Computers auf die Tafel. Wegen der berührungssensitiven Tafel können Veränderungen direkt an der Tafel durch Finger, Spezialstift, Gesten usw. durchgeführt werden. Am häufigsten finden sich in Tiroler Schulen unserer Einschätzung nach Modelle der Firmen SMART Technologies (Smart Board), Promethean (ActiveBoard) oder einstruction (Interwrite). Neben Gesamtlösungen für e-tafeln sind aber auch interaktive Beamer mit aktivem Stift im Einsatz, diverse Ergänzungen zu bestehenden Projektionslösungen und das eine oder andere 100-Euro-Whiteboard im Eigenbau. An e-tafel-typen wird derzeit unterschieden: analog resistive Whiteboards elektromagnetische Whiteboards trigonometrische (optische) Whiteboards kapazitive Whiteboards An Installationsvarianten unterscheiden wir (s. Abb. rechts): fix montierte und nicht höhenverstellbare e-tafel höhenverstellbare e-tafel mobile und höhenverstellbare e-tafel Für weitere Informationen s. a. myboard.de 18 das Portal für interaktive Whiteboards und Medien. Quelle, zugleich Copyright: 18 Seite 18 Kontakt:

20 WEITERFÜHRENDE QUELLEN (FÜR INTERESSIERTE) Rund um MR Mag. Karl Lehner und die AG IWB fef015cb7820&groupid= IWB-Bericht_30_12_2012.doc Mag. Diana Wieden-Bischof, Salzburg Research FG Virtuelle Schule, bm:ukk Zeitschrift Pädagogik 7 8/12 myboard schule.at ZUM-Wiki, Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e. V. Medienentwicklungsplan in den deutschen Bundesländern am Beispiel Baden-Württemberg: Multimediale Schultafeln im Unterricht an der Praxisvolksschule der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, Campus Wien-Strebersdorf (Eder, Pfann, Reiter, Sperker, Vallant, 2008, Studienverlag Kontakt: Seite 19

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