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1 Spielarten der Innovation Von der industriellen Forschung zum Crowdsourcing Ö1 Radiokolleg / Teil 1-4 Gestaltung: Ina Zwerger und Armin Medosch Sendedatum: Jänner 2013 Länge: je ca. 22 min Aktivitäten Vor dem Anhören der Sendung 1. Begriffsklärung: Innovation (Diskussion) Innovation bedeutet Neuheit, entstanden im 19. Jahrhundert. Entlehnt aus lateinisch Innovatio (Erneuerung, Veränderung), Abstraktum zu lateinisch innovare (erneuern), zu l. novus. Der neuere Gebrauch steht unter englischem Einfluss. (Kluge, 24. Auflage) Fragen: Warum wird dieser Begriff erst ab dem 19. Jahrhundert verwendet, und warum steht der neuere Gebrauch unter englischem Einfluss? Welche anderen Worten könnten ebenso beschreiben, was man unter Innovation versteht? Finden Sie mit Ihren Schüler/innen Beispiele aus dem Alltag vermutlich wird man schnell merken, dass der Begriff neben seiner seriösen Verwendung einen hohen Worthülsenanteil hat. Warum könnte das sein? Wie kann man das erkennen? 2. Konzeptklärung: Innovation (Gruppenarbeit) Innovationen werden gemacht, um etwas Bestehendes nicht nur fortzuführen, sondern zu verbessern. Diese Idee hat sich erst relativ spät von einer Zufälligkeit zu einem systematischen Streben entwickelt. Teilen Sie Ihre Schüler/innen in Gruppen ein und lassen Sie sie die Neuheit folgender Dinge und Ideen auf ihre Ursache, den Veränderungsanlass und den Erfolg des Neuen analysieren: Schlüsselloch, Baggerschaufel, Taschentuch, Glasfenster, Sturzhelm, Anti-Viren-Software, Computermaus, Schraube, Backformen aus Silikon, Händeschütteln, politische Parteien, Kaktusstacheln, Büroklammer, Hausschuhe, Kabelfernsehen, Kirchenglocken, Bircher Müsli, Pinsel, Fernrohr, Mikroskop, Kugelschreiber, Satelliten, Stahlbeton, Cabrio, Fingerhut, Gruppenarbeit, gestreifte Zahnpasta, ipad Mini, Fernbedienung, Zahnspange, Gesten. Vielleicht lassen Sie Ihre Schüler/innen als Erfinder/innen auftreten, die die Vorteile der von ihnen gefundenen Neuheit präsentieren sollen. Ausschließlich zur nicht-kommerziellen Nutzung zu Unterrichtszwecken im Sinne des 42 Abs 6 UrhG bereitgestellt. 1

2 3. Konzepterweiterung: Open Innovation. (Lehrervortrag) Ein wesentlicher Aspekt dieser Sendereihe ist die Veränderung der Innovation selbst. Waren es früher einzelne Personen (Erfinder) oder Gruppen (Neophilisten jene, die in den neu entdeckten Ländern und Kontinenten das Neue lieben), sind es heute durch Netzwerke verbundene Menschen und Menschengruppen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Schwarm-Intelligenz, von Crowdsourcing (Auslagerung von Aufgaben an das Netzwerk), von Open-Source (Öffnung, Transparenz) und Open Innovation, wenn daraus Neues entsteht. Diesen Schritt nachvollziehbar zu machen ist das Hauptthema dieser Sendereihe. Nach dem Anhören des 1. Teils (Crowdsourcing) 1. Medienanalyse Sie bitten Ihre Schüler/innen mit einer Gratiszeitung in den Unterricht zu kommen. Aufgabe ist, eine Liste für die Cross-Check-Abteilung zu machen. Das ist jene (leider oft hypothetische) Abteilung einer Zeitung, die jedes Faktum einer Zeitung nachprüft und dazu zuerst eine Liste der Fakten erstellt. Sehr schnell werden die Schüler/innen fragen, ob sie einen Artikel bearbeiten sollen, oder die ganze Zeitung. Sie antworten: die ganze Zeitung und beobachten, ob sich ein Wunsch nach Zusammenarbeit ergibt. Diesem Wunsch nach Zusammenarbeit könnte man nachgehen, man braucht dazu aber eine Plattform. Unterbrechen Sie die Arbeit der Schüler/innen an dieser Stelle, um mit ihnen eine Plattform zu überlegen, über die die Arbeit sinnvoll aufgeteilt werden kann. Ziel ist - wie gesagt - nur die Liste der Cross-Check- Fragen der gesamten Zeitung, nicht der Cross-Check selbst. Wurde diese Liste erstellt, kann man entweder weitermachen, diese Fragen zu beantworten, oder an dieser Stelle die Medienanalyse mit dem Schluss beenden, dass sinnvoller Cross-Check ziemlich große Ressourcen benötigt. 2. Produktanalyse Ihre Schüler/innen suchen in Gruppen Beispiele, in denen Produkte auf eine ganz bestimmte, vom Unternehmer vorgesehene Weise benutzt werden können, bzw. auf eine ganz andere Art. Handelt es sich in diesem Fall um einen Missbrauch? 3. Hacker Sie versuchen bestehende Dinge, Produkte, Umstände so zu ändern, dass sie selbst bestimmen können, was sie damit machen. Auf die Frage, warum, sie das tun, erklären die guten Hacker oft, weil es geht, einfach, weil es möglich ist. Andere Antworten haben aber auch damit zu tun, dass der vorgesehene Zweck eines Gerätes etwa nicht akzeptiert wird. Ein Beispiel hierfür ist Bildschirmtext, ein Vorläufer von Internet-Computern, die nach Meinung von Hackern nur dazu da waren, Kaufentscheidungen zu treffen. Sie wurden verändert, um nicht nur ja (kaufen) und nein (nicht kaufen) zu drücken, sondern auch um Inhalte zu senden ein Konzept, das von den Betreibern von Bildschirmtext nicht vorgesehen war. Bitten Sie Ihre Schüler/innen Konsumprodukte auf die Veränderbarkeit durch Benutzer zu überprüfen. Nähere Informationen dazu finden sich in einem empfehlenswerten Gespräch über Hacker in diesem Podcast: Ausschließlich zur nicht-kommerziellen Nutzung zu Unterrichtszwecken im Sinne des 42 Abs 6 UrhG bereitgestellt. 2

3 Nach dem Anhören des 2. Teils (Zwang zu Neuem) 1. Frage nach der Optimierung. (Lehrer-Schüler-Gespräch) Die Frage ist, ob bei Innovationen immer etwas verbessert wird, oder ob es für eine Innovation ausreicht, dass etwas Neues entsteht. Sammeln Sie an der Tafel bisher besprochene Innovationen und ordnen Sie diese Innovationen danach, was genau verbessert, optimiert wird. Das ist eine äußerst spannende Angelegenheit, die unmittelbar den Zwang zur Innovation, der im 2. Teil dieser Sendereihe diskutiert wird, aufgreift. 2. Umfrage, Recherche und Analyse (Schüler recherchieren und präsentieren) Bitten Sie Ihre Schüler/innen, in unterschiedlichen Bereichen nach wesentlichen Innovationen der letzten Jahre zu fragen. Feuerwehr, Rettung, Polizei, Gärtnerei, Friseur, Fußballtrainer, Flugsicherung, Kopfhörerentwickler, Bauer, Optiker, Chirurg, Gefängnis, Schule, Kirche. Die Ergebnisse werden vorgestellt. 3. Synthese und Erweiterung Die Schüler/innen diskutieren in Kleingruppen den Wert der in Punkt 2 dargestellten Innovationen, was zur Frage führt, welche unterschiedlichen Interessensgruppen es bei der jeweiligen Innovation gibt, und ob alle diese Interessensgruppen den Vorteil erfahren dürfen, oder ob es auch Nachteile gibt. Als Vorbereitung des 3. Teils der Sendereihe können Sie in einer zweiten Runde die Schüler/innen in den Kleingruppen bitten, zu überlegen, wer genau für die jeweiligen Innovationen verantwortlich zeichnet, und ob es eventuell bessere Ergebnisse gegeben hätte, oder Ergebnisse mit weniger Nachteilen, wenn mehr Menschen (Netzwerk) daran mitgearbeitet hätten. Ausschließlich zur nicht-kommerziellen Nutzung zu Unterrichtszwecken im Sinne des 42 Abs 6 UrhG bereitgestellt. 3

4 Nach dem Anhören des 3. Teils (Netzwerk) 1. You are what you share Was könnte damit gemeint sein? Ihre Schüler/innen diskutieren in Gruppen, welche Werte / Dinge sie selbst schon besitzen, und welches Wissen. Sie teilen sich dann in zwei Gruppen. Eine Gruppe entwickelt (Geschäfts-)Modelle, daraus verkaufsfähige Ideen zu entwickeln; eine zweite Gruppe entwickelt Modelle, das Vorhandene zu teilen; eine dritte Gruppe repräsentiert die gesellschaftlichen Rahmenbedinungen, die notwendig sind, dass die eine und die andere Gruppe leben und überleben kann. Das Ziel ist, herauszuarbeiten, welche Vorteile und welche Nachteile mit dem einen und mit dem anderen Modell verbunden sind. 2. Beruf Innovationsmanager Es ist eine Sache, Erfindungen zu machen, Ideen zu haben, innovativ zu denken. Es ist aber eine andere Sache, in bestehenden Systemen Menschen mit diesen Eigenschaften zu fördern. Teilen Sie Ihre Klasse in zwei Gruppen. Die einen sind nun die Erfinder. Sie versuchen, bestehende Systeme zu verbessern. Sie schlagen Änderungen bzw. Neuheiten vor, die die zweite Gruppe aufgreift. Die Gruppe lenkt diese Ideen in die passenden Bahnen und überlegt, welche Rahmenbedingungen geändert und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, damit die Neuheit umgesetzt werden kann. 3. Belohnung. Meinungsumfrage Die Schüler/innen sprechen mit anderen Menschen, welche Belohnungen sie sich auf Verbesserungen erwarten, die sie bei ihrer Arbeit machen. Ausschließlich zur nicht-kommerziellen Nutzung zu Unterrichtszwecken im Sinne des 42 Abs 6 UrhG bereitgestellt. 4

5 Nach dem Anhören des 4. Teils (Neue Modelle) 1. Medienanalyse Ihre Schüler/innen sehen sich Werbung dahingehend genau an, ob darin Neuerungen (Innovationen) vorgestellt und angepriesen werden. Was genau wird dem Konsumenten versprochen? Was genau soll mit dem neuen Produkt, mit der neuen Dienstleistung verbessert werden? 2. Faktor Glück. (Diskussion) Im vierten Teil dieser Sendereihe wird ein dematerialisierter Lebensstil vorgeschlagen. Mehr Kreativität, Glück, Zeit, mehr qualifizierte Unterstützung, Ästhetik stehen im Mittelpunkt und das bei Einsatz von weniger Materialien. Dies wäre das Thema eines klassischen Aufsatzes, einer Diskussion, einer Präsentation. Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich es 'dematerialisiere'? 3. Entwicklung einer Utopie 'Wenn alles gut geht.' - Wenn Klimawandel und Ressourcenverbrauch in geordnete Bahnen gelenkt wurden, wenn Armut und Bevölkerungswachstum keine Bedrohung mehr für die Erde und ihre Bewohner darstellen - wie würde diese Welt aussehen? Zusammenschau nach der Bearbeitung der Sendereihe 1. In einem Debriefing diskutieren Sie mit Ihren Schüler/innen abschließend die Thematik. Bitten Sie die Schüler zunächst selbst folgende drei Fragen zu überlegen: 1. Blick von außen: Was ist mein Standpunkt zum Thema Innovation? 2. Blick von oben: Welche Chancen und Gefahren stehen mit dem Thema Innovation in Verbindung? 3. Blick von innen: Wie möchte ich selbst eigene Innovationen als Teil meines Erfindungsreichtums einsetzen, alleine, in der Gruppe, im Netzwerk? 2. Entwicklung einer konkreten Sache. Zum Beispiel diese: Toiletten sind für die Verhinderung von Krankheiten von wesentlicher Bedeutung. Die sanitären Bedingungen in Ländern der 3. Welt sind jedoch oft katastrophal. Wie könnte man dieses Problem durch Innovation in den Griff bekommen? Und wer könnte das tun? Ausschließlich zur nicht-kommerziellen Nutzung zu Unterrichtszwecken im Sinne des 42 Abs 6 UrhG bereitgestellt. 5

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