Normalgebrauch, Gewöhnung, Missbrauch, Sucht. Patientenunterricht am Dr. med. Werner Traub

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2 Normalgebrauch, Gewöhnung, Missbrauch, Sucht Patientenunterricht am Dr. med. Werner Traub 2

3 Wir erhoffen uns von Alkohol und anderen Drogen, dass sie das Zusammensein mit anderen lockern (..Was kann ich Ihnen anbieten?") mit Stress fertig werden ( Ärger hinunter spülen) das Selbstwertgefühl erhöhen (sich Mut antrinken; sich in der eigenen Haut wohlfühlen) die sexuelle Annäherung erleichtern

4 Normalgebrauch = unkritischer Alkoholkonsum alkoholische Getränke als eine gelegentliche Möglichkeit des Genießens oder der Konvention auf keinen Fall im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz, während Krankheiten oder während der Schwangerschaft Alkohol konsumieren Hobbys, Interessen sowie Arten zu entspannen und zu genießen praktizieren, bei denen Alkohol keine Rolle spielt auch Freunde haben, die mäßig, wenig oder gar keinen Alkohol trinken üblicherweise vor oder während des Trinkens etwas essen nicht länger als 1-2 Stunden am Stück" trinken i. A. keine höhere Blutalkoholkonzentration als 0,5 Promille erreichen, also nicht mehr als eine Trinkeinheit (ca. 10 Gramm Reinalkohol, d.h. 0,2-0,3 l Bier) in einer halben Stunde konsumieren sich wohl fühlen mit dem eigenen Alkoholkonsum.

5 Gewöhnung Als ich zum ersten Mal Alkohol getrunken habe, war mir schon nach ein paar Schlucken schwindelig und ich habe gelabert ohne Ende. Heute merke ich die gleiche Wirkung erst nach zwei Gläsern Bier. (Sonja, 18 Jahre alt) Wer regelmäßig Alkohol trinkt, gewöhnt sich schnell an seine Wirkung und erhöht fast automatisch mit der Zeit auch die Dosis. Es wird also mehr getrunken, um dieselbe Wirkung zu erzielen. In bestimmten Situationen gehört das Glas oder die Flasche dann einfach dazu, ohne dass man dieses Verhalten hinterfragt. Es schleifen sich gefährliche Routinen ein, zum Beispiel: beim Chillen mit Freunden, beim Partymachen, nach einem anstrengenden Tag, beim Stressabbau usw.

6 Gewöhnung Je mehr sich Trinkgewohnheiten einschleifen, desto schwieriger wird es, sie zu ändern. Werden Verhaltensweisen immer wieder wiederholt, so entstehen durch Prozesse im Gehirn spezielle Verknüpfungen von Neuronen. Häufiges Wiederholen des Verhaltens stärkt diese Verknüpfungen. Andere nicht genutzte Verknüpfungen werden schwächer. Die Entwicklung von Gewohnheiten läuft zu einem Großteil nicht bewusst ab. Wenn dem Körper gewohnheitsmäßig Alkohol zugeführt wird, entwickelt sich eine Toleranz, das heißt der Körper gewöhnt sich an den Suchtstoff. Um eine vergleichbare Wirkung zu erreichen, muss dann die Dosis gesteigert werden. Wer eine Toleranz entwickelt hat und also größere Mengen Alkohol verträgt, sollte das als Warnzeichen betrachten.

7 Missbrauch = kritischer Alkoholkonsum alkoholische Getränke werden als unverzichtbaren Teil des alltäglichen Lebens betrachtet (und dementsprechend so gut wie immer getrunken, wenn es von den Konventionen des sozialen Umfelds her geht) sich gelegentliche Verstöße gegen ein situationsbedingtes Trinkverbot erlauben (Autofahren, Arbeit, Sport, Schwangerschaft) es werden nahezu ausschließlich Hobbys, Interessen sowie Möglichkeiten zu entspannen und zu genießen praktiziert, die irgendwie mit dem Konsum von Alkohol verbunden sind; Trinken als Seelentröster einen Freundes- und Bekanntenkreis haben, in dem viel getrunken wird (bzw. kaum Freunde haben) auch außerhalb von Mahlzeiten und im Verlauf des Tages trinken oft länger als 1-2 Std. am Stück" trinken und insgesamt viele Stunden mit dem Trinken verbringen oft eine Blutalkoholkonzentration höher als 0,5 Promille (Rauschzustände) erreichen insgeheim nicht so ganz glücklich sein mit der Art des Trinkens

8 Faustregel für Alkohol Wer einen halben Liter Bier zügig trinken kann, ohne davon eine Änderung im Befinden und in der Stimmung zu erleben, betreibt mit hoher Wahrscheinlichkeit Alkoholmissbrauch (oder ist genetisch erheblich gefährdet)

9 Gesellschaftliche Akzeptanz von Alkoholmissbrauch Wie viel Prozent der Autofahrer sind 10 Jahre nach Erwerb des Führerscheins noch nie alkoholisiert (über 0,3 Promille) gefahren? Wie oft pro Woche, Monat oder Jahr darf Mann/Frau einen Schwips haben, ohne als Säufer oder gar Alkoholiker ins Gerede zu kommen? Wie viele von den normalen" Alkoholkonsumenten meiden in der Zeit seelischer Krisen, Niederlagen und Verstimmungen Alkohol wie die Pest? Wie viele Männer und Frauen kennen die kritische tägliche bzw. wöchentliche Alkoholmenge? Und wie viele überschreiten sie trotzdem häufig oder regelmäßig?

10 Einteilung des Alkoholmissbrauchs (durchschnittlicher tgl. Verbrauch) Männer Frauen Riskant g g 2 3 * 0,5 l Bier Gefährlich Bis 120 g Bis 80 g 4 6 * 0,5 l Bier Hochkonsum Über 120 g Über 120 g Über 6 l Bier

11 Welche Hinweise auf Alkoholprobleme sollten ernst genommen werden? Schlafstörungen: man fühlt sich unausgeruht, müde und zerschlagen Unspezifisches Durstgefühl Appetitstörungen, besonders morgens keine Zeit zum Frühstücken", trotzdem bei Alkoholkonsum anfangs Gewichtszunahme Schwitzen/Schweißausbrüche nachts, aber auch tagsüber Verdauungsbeschwerden aller Art, Blähungen, Völlegefühl, Aufstoßen (Magen-Darm-Trakt, Leber, Bauchspeicheldrüse) Übelkeit und Brechneigung, besonders morgens, z. B. beim Zähneputzen, wenn man irrtümlich an den Gaumen gerät Erhöhte Leberwerte und sonstige Laborergebnisse, die der Arzt berichtet

12 Vielen Dank für Ihre Geduld THE END 12

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