Alumni.Med. Das ALUMNI-Club-Magazin der MedUni Wien

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1 Alumni.Med Das ALUMNI-Club-Magazin der MedUni Wien

2 Liebe Leserinnen und Leser! Die Medizinische Universität Wien ist die jüngste Universität Österreichs mit der längsten Geschichte als medizinische Fakultät erstmals erwähnt, wurde diese im Jahr 2004 zu einer eigenständigen Universität. In diesen über 640 Jahren haben wir mehrere zehntausend AbsolventInnen verabschiedet im angloamerikanischen Raum hat sich dafür das Wort Alumni/ae eingebürgert. Im ursprünglichen Sinne bedeutet dies Erleuchteter/Erhellter. Um unsere AbsolventInnen auch nach ihrem Studium zu erleuchten und ein Platz für Wissensaustausch und Netzwerkförderung zu sein, wurde heuer im Mai der Alumni Club unter der Schirmherrschaft von Vizerektor Rudolf Mallinger gegründet. Unser Ziel ist es, diesen Club als offene Plattform nach dem Prinzip der Universitas zu betreiben. Eingeladen sind alle AbsolventInnen der ehemaligen Medizinischen Fakultät und nunmehrigen Medizinischen Universität Wien, sich bei dem Club zu registrieren. Auch StudentInnen unserer PhD-Programme und Universitätslehrgänge sind herzlich willkommen. Nähere Informationen dazu finden Sie unter Die vorliegende erste Ausgabe des ALUMNI.MED-Magazins soll Ihnen einen Eindruck darüber geben, welche Personen hinter dem Alumni-Gedanken stehen und wie herausfordernd der Clubgedanke für MedizinabsolventInnen ist, da die Medizin die vornehmste aller Wissenschaften ist, wie bereits Hippokrates bemerkte. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre! Wolfgang Schütz Rektor der Medizinischen Universität Wien Inhalt 3 Alles neu Universitätsprofessor Rudolf Mallinger über das neu gestaltete Studienangebot der MedUni Wien. 4 Vernetzung Präsidentin Karin Gutiérrez-Lobos über Vorteile und Nutzen des neu gegründeten Alumni Clubs. 6 Medizin im Spiegel der Zeit Drei Generationen im Interview: über das Medizinstudium in den Jahren 1938, 1968 und heute. 10 Das Josephinum Seit 1785 beherbergt das Josephinum 1192 Wachspräparate von Teilen des menschlichen Körpers. 12 Der Alumni Club Im November startet der neue Club für AbsolventInnen der MedUni Wien sowie für Studierende im dritten Abschnitt. 14 Die Bibliothek Ab sofort hat die Bibliothek der MedUni Wien länger geöffnet, und für Alumni-Club-Mitglieder wird ein spezieller Literaturlieferdienst angeboten. Fotos: I.Stock, Montage: Die Presse Impressum Medieninhaber, Herausgeber und Redaktion: Medizinische Universität Wien, Spitalgasse Wien. Umsetzung und Produktion: Die Presse Magazine GmbH & Co KG, 1030 Wien, Hainburger Straße 33, Tel.: 01/ Serie. Geschäftsführung: Reinhold Gmeinbauer. Art Direction: Matthias Eberhart. Produktion: Christina Wild, Christian Stutzig. Koordination: Sandra Sulzer. Anzeigen: Alexandra Supper. Hersteller: Niederösterreichisches Pressehaus, Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.h., 3100 St. Pölten. Bezahlte Sonderbeilage. A l u m n i. m e d 3

3 I m g e s p r ä c h Alles neu an der MedUni in Wien Universitätsprofessor Rudolf Mallinger, Vizerektor für Studium und Lehre, über das in den letzten Jahren völlig neu gestaltete Studienangebot der MUW. Fotos: MUW Alles neu - so könnte man das Studienangebot der Medizinischen Universität Wien bezeichnen. Was hat sich im letzten Jahrzehnt geändert? Sehr viel wurde aufgrund der Erfordernisse nach dem EU-Beitritt mit der großen Reform des Medizinstudiums begonnen studierte bereits der erste volle Jahrgang nach dem neuen Curriculum. Analog dazu wurde das Zahmedizinstudium neu strukturiert. Hier wird es noch im praktischen Teil eine Umstellung geben, wenn 2010 der Neubau der Universitätszahnklinik abgeschlossen ist. Beide Studien sind jetzt Diplomstudien, schließen aber nach wie vor mit Dr. med. bzw. Dr. med. dent. ab. Als 2004 die Medizinische Fakultät aus der Universität ausgegliedert und zur eigenständigen Medizinischen Universität Wien wurde, haben wir in enger Kooperation mit der Universität Wien ein Bachelor- Studium sowie ein Master-Studium für Medizin-Informatik geschaffen. Außerdem führten wir völlig neue Doktoratsstudien ein. Die MUW bietet jetzt ein dreijähriges PhD-Studium und ein Doktoratsstudium der angewandten medizinischen Wissenschaft. Beide sind gleichwertig, das PhD-Studium hat Wissenschaft als Beruf zum Ziel, das Doktoratsstudium Wissenschaft im Beruf. Diese beiden Studien sind die dritte Säule der Bologna-Architektur. Da wir kontinuierliche medizinische Weiterbildung als essenziell ansehen, wurde auch ein breites Weiterbildungsangebot in Form von Kursen und von Universitätslehrgängen eingeführt. Letztere sind zu einem großten Teil Masterstudien, wobei das Angebot von Health Care Management oder Public Health bis zu interdisziplinärer Schmerztherapie oder medizinischer Hypnose reicht. Wie steht die MUW mit diesen Angeboten im Vergleich zu anderen Medizinischen Universitäten im deutschsprachigen Raum da? Es gibt nur wenige Universitäten im deutschsprachigen Raum, die dieses integrierte Modell gewählt haben. Unsere Lehre ist sehr anwendungsorientiert. Die Studierenden kommen frühzeitig mit konkreten medizinischen Fragestellungen in Berührung. Medizin besteht schließlich nicht nur aus Wissen um die Zusammenhänge, sondern auch aus manuellen Fertigkeiten, die notwendig sind, um diagnostisches Prozedere durchzuführen. Und das versuchen wir sehr früh zu vermitteln. Geht das nicht auf Kosten des enzyklopädischen Wissens? Das Wissen im Bereich der Medizin hat sich so vermehrt, dass jede Medical School gut beraten ist, den Fokus auf ein Kern-Curriculum zu legen, auf die wesentlichen Grundlagen. Darüber hinaus muss sie ihre Studierenden befähigen, sich spezielles Detailwissen selbst zu organisieren. Life long learning ist das Stichwort, die Absolventen sollen in der Lage sein, sich ein Leben lang dort weiterzubilden, wo es für ihre spezifische Tätigkeit notwendig ist. Wie wirkt sich die Reform des Medizinstudiums auf die Dauer des Studiums aus? Das integrierte Curriculum brachte auch eine Restrukturierung des Prüfungssystems. Das hat zur Folge die ersten Ergebnisse bestätigen das auch eindrucksvoll, dass der Großteil der Studierenden ihr Studium in der Regelstudienzeit von zwölf Semestern absolvieren wird, während wir im alten Curriculum eine durchschnittliche Studienzeit von 18 Semestern hatten. Im Zusammenhang mit dem neuen Curriculum wird auch eine Abschaffung des Turnus diskutiert? Das alte System war darauf ausgelegt, die Defizite in der praktischen medizinischen Tätigkeit durch die Turnustätigkeit auszugleichen. Unser neues Medizinstudium ermöglicht jetzt die Überlegung, den Turnus überhaupt abzuschaffen und die Berufberechtigung in Form einer Approbation ähnlich wie bei den Juristen oder nach einem praktischen Jahr nach dem Studium zu erwerben. Zusätzlich steht eine sechsjährige Facharztausbildung für Allgemein-Medizin zur Diskussion, die profunder sein sollte als der jetzige Turnus. Wird das realisiert, werden die Ausbildungszeiten insgesamt verkürzt und die Qualität wird gesteigert. Sind sie mit dem Erreichten zufrieden? Man sollte nie zufrieden sein und sagen, jetzt haben wir etwas Großes gemacht und das muss 100 Jahre halten. Unser Ziel ist, die Studien ständig weiter zu entwickeln und zu adaptieren. Da schließt sich der Kreis zu den Alumni. Von ihnen erwarten wir uns das Feedback, wie sie das Studium erlebten und was die tatsächlichen Anforderungen in der Praxis sind. Darauf können wir dann durch entsprechende Maßnahmen reagieren. n Vizerektor Rudolf Mallinger: Die Lehre an der MUW ist sehr anwendungsorientiert. A l u m n i. m e d

4 I m G e s p r ä c h Vizerektorin Gutiérrez- Lobos: Networking unter den Absolventen der Universität ist sicherlich förderlich für die berufliche Karriere. Sowohl Uni als auch Alumni profitieren Die Präsidentin des Alumni-Clubs der MUW, Vizerektorin und Universitätsprofessorin Karin Gutiérrez-Lobos, über Nutzen und Ziele dieser Aktivität. Was gab den Anstoß zur Gründung eines Alumni- Clubs der Medizinischen Universität Wien? Alumni-Clubs haben im angloamerikanischen Raum eine lange Tradition. Diese Idee setzt sich nun auch bei uns durch und das sehe ich durchaus positiv. Alumni- Clubs bieten interessante Potenziale für eine Universität und zugleich auch für unsere AbsolventInnen. Gerade in der Medizin bringt diese Vernetzung von Praxis mit Wissenschaft und Fortbildung immer eine gegenseitige Befruchtung, von der alle Beteiligten profitieren. Diese Vernetzung ist auch das zentrale Thema des Alumni-Clubs der Medizinischen Universität Wien und ich erwarte mir davon sehr viele interessante Ergebnisse sowohl für die Uni als auch für die Alumnis. Welche Vorteile bringt eine Mitgliedschaft im Alumni-Club den Absolventen? Alumni kommt aus dem Lateinischen und heißt Zöglinge. Dementsprechend ist es unser Ziel, die Mitglieder sozusagen mit unserem Wissen zu begleiten. Durch Networking und Friends Raising wollen wir den fachlichen Austausch zwischen Praxis auf der einen sowie Forschung und Wissenschaft auf der anderen Seite fördern. Zu diesem Zweck werden wir eine Reihe von Veranstaltungen organisieren, etwa Fortbildungsveranstaltungen, Diskussionsveranstaltungen Fotos: MUW A l u m n i. m e d

5 I m g e s p r ä c h Wir wollen durch zahlreiche Aktivitäten den fachlichen Erfahrungsaustausch zwischen Praxis auf der einen sowie Forschung und Wissenschaft auf der anderen Seite fördern. zu aktuellen gesundheitspolitischen universitären Fragen, aber beispielsweise auch gesellschaftliche Events wie etwa unsere Auftaktveranstaltung im Musikverein. Außerdem planen wir die Schaffung einer Internetplattform, um die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern zu unterstützen. Last but not least wird der Alumni-Club eine Reihe von Fortbildungsmöglichkeiten anbieten und den Alumnis die Möglichkeit geben, an Lehrveranstaltungen teilzunehmen. schon skizzierten Erfahrungs- und Wissensaustausch. Zweitens ist ein Alumni-Club auch für die Imagebildung sehr wichtig. Ich bin überzeugt, dass der Club das Image und den Bekanntheitsgrad der Medizinischen Universität Wien fördern und die Absolventen stärker an ihre Universität binden wird. Es ist sicher auch ein Benefit, wenn es außerhalb ein besseres Verständnis für die Anliegen und Probleme der Universität gibt, wenn man die Dinge von innen kennt. Bei vielen Alumni-Clubs geht es ja nicht allein um den Austausch von Wissen, sondern auch um die Förderung der Karriere. Wird das ebenfalls ein Thema sein? Selbstverständlich haben wir auch diesen Aspekt im Auge. Networking unter den Absolventen der Universität ist sicherlich schon grundsätzlich förderlich für die berufliche Karriere. Darüber hinaus denken wir auch an so etwas wie eine Jobbörse und natürlich werden wir auch viele Informationen über Stipendien, Möglichkeiten für Auslandsaufenthalte und Ähnliches bieten und damit die Mitglieder bei der Planung ihrer Karriere unterstützen. Das klingt alles sehr spannend und vielversprechend. Wer kann Mitglied in diesem exklusiven Club werden? Jeder, der hier an der Medizinischen Universität Wien erfolgreich studiert hat. Der Wissenschaftler, der heute im Ausland arbeitet, ist ebenso willkommen wie der praktische Arzt. Ganz besonders freuen wir uns über jene, die schon vor vielen Jahren ihr Studium abgeschlossen haben. Wir glauben, dass es wichtig ist, über die Grenzen und über die Generationen hinweg den Austausch zu pflegen, denn ein besserer Informationsfluss ist etwas, von dem letztlich jeder profitieren wird. Was wird der Alumni-Club der MUW bringen? Erstens profitieren Forschung und Lehre von dem Welche persönlichen Ziele verbinden Sie mit Ihrer Aufgabe als erste Präsidentin des Alumni-Clubs? Ich freue mich sehr, dass ich als Präsidentin vorgeschlagen wurde und nehme die Herausforderung gerne an. Für mich geht es darum, den Alumni-Club auf die Beine zu stellen. Mein Ziel ist es, qualitativ hochwertige Programme zu entwickeln und anzubieten. Interessante Veranstaltungen mit spannenden Themen sollen letztlich den Ruf schaffen: Das ist ein Event des Alumni-Clubs der MUW, da kann man hingehen und sicher einen spannenden Abend verbringen. Dafür garantiert auch der Vorstand des Alumni-Clubs, der sehr vielfältig zusammengesetzt ist und dem etwa der Direktor des AKH, ein Vertreter der Ärztekammer, zwei ehemalige Studentenvertreter und ein Zahnmediziner angehören. Das wird uns in die Lage versetzen, ein wirklich großes und differenziertes Spektrum anzubieten, in dem jeder Alumni für ihn Wichtiges und Spannendes findet. Als Vizerektorin der MUW sind Sie auch für Genderfragen zuständig. Wird das ebenfalls ein Thema im Alumni-Club sein? Natürlich wird das eine große Rolle spielen, weil wir erfreulicherweise immer mehr AbsolventInnen haben. Wir denken über eigene Aktivitäten für Frauen nach. Interessanter ist für mich, den Gedanken der Genderforschung auch in den Alumni-Club einzubringen. Da gibt es sehr viele spannende Fragestellungen. n A l u m n i. m e d

6 M e d i z i n i m S p i e g e l d e r Z e i t Fotos: Istock, Archiv, MUW A l u m n i. m e d

7 M e d i z i n i m S p i e g e l d e r Z e i t Zeitzeugen: studiert 1938, 1968 und 2008 Universitätsprofessor Anton Luger studierte Medizin während des Zweiten Weltkriegs: Leben in einer Diktatur und Pendeln zwischen Fronteinsatz und Universität. Sie absolvierten ihr Medizinstudium in einer dramatischen Zeit von 1938 bis Wie erlebten Sie diese Jahre? Als ich inskribierte, war der sogenannte Anschluss schon auf allen Ebenen vollzogen, jüdische Professoren hatte man entlassen, ohne Arier-Nachweis konnte man nicht mehr studieren. Auf der Universität herrschte die nationalsozialistische Studentenschaft. Es war alles organisiert und man war seiner Freiheit weitgehend beraubt. Ende August 1939 wurde ich außerdem eingezogen und musste den Frankreich-Feldzug mitmachen. Während ich im Krieg war, haben meine Freunde für mich inskribiert und bei Vorlesungen mitgeschrieben. Als ich Anfang Juli 1940 zurückkam versuchte ich, neben dem Militärdienst zu studieren und lernte den versäumten Stoff vor allem aus Skripten. Es gelang mir trotz dieser Umstände die erste Prüfung des Rigorosums in Histologie erfolgreich abzulegen. Bei der Prüfung in Physiologie scheiterte ich an einem Professor, der der zivilen SS angehörte und mich aus reiner Willkür durchfallen lies. War solche Willkür damals üblich? Es war eigentlich nicht die Regel. Die Prüfungen waren immer streng, aber ich habe mich abgesehen von dieser Ausnahme nicht benachteiligt gefühlt. Prüfungen waren oft ein Vabanque-Spiel, da man aufgrund der schwierigen Umstände kaum in der Lage war, den Stoff zur Gänze zu lernen. Wie ging es mit ihrem Studium nach der ersten Prüfung weiter? Ich konnte die Physiologie-Prüfung nicht mehr nachholen, da der Griechenland-Feldzug begann. Aufgrund des zunehmenden Ärzte-Mangels gab es dann aber eine Verordnung, dass Medizin-Studenten unter den Soldaten bei bestimmten Voraussetzungen zum Studium abkommandiert werden können, wie das damals hieß. Ich habe mich natürlich sofort um eine entsprechende Versetzung bemüht. Ende 1941 wurde ich in eine sogenannte Studentenkompanie versetzt, in der ich unter militärischer Aufsicht studieren konnte. Mit Studieren in heutiger Form ist das aber nicht vergleichbar. Ich musste dazwischen immer wieder für einige Monate Kriegseinsatz leisten. Im Dezember 1944 habe ich dann endlich promovieren können. Danach hätte ich eigentlich nach Lundenburg versetzt werden sollen. Aber es gelang mir, an der Chirurgischen Universitätsklinik in Wien unterzukommen. Das Kriegsende erlebte ich im Reservelazarett für Infektionskrankheiten in Purkersdorf, wo ich ursprünglich als Patient hinkam, aber trotz meiner Erkrankung bald zum Dienst eingeteilt wurde. Wie sahen die Studenten und Professoren die schrecklichen Vorgänge dieser Zeit? Die Ablehnung des Regimes begann bei vielen Menschen eigentlich sehr bald nach der Okkupation Österreichs. Aber aus Angst wagte es niemand, kritisch über den Nationalsozialismus zu sprechen. Auf der Universität waren viele Professoren Nationalsozialisten oder besser gesagt, sie mussten es sein. Bis auf ganz wenige Ausnahmen haben sie sich aber in der Lehre neutral und unpolitisch verhalten, ihren Stoff vorgetragen und geprüft. Für mich war von Anfang an klar, dass das Regime den Krieg verlieren und untergehen wird. Deshalb habe ich mir das Ziel gesetzt, mein Studium so rasch als möglich zu beenden, um beim Zusammenbruch nicht ohne Beruf dazustehen. Universitätsprofessor Anton Luger: Man war seiner Freiheit beraubt. Gab es unter diesen Umständen überhaupt so etwas wie ein studentisches Leben? Es war eine Untergangsstimmung und jeder versuchte noch ein bisschen etwas vom Leben zu bekommen. Wir sind hin und wieder ausgegangen, mit Kollegen, mit Mädchen. Ich ging sehr gerne in die Staatsoper, aber auch mit Vergnügen ins Kabarett. Wie hatten Sie Ihr Studium finanziert? Anfangs war meine Mutter in der Lage, mich finanziell zu unterstützen. Nach meiner Einberufung konnte ich meine Ausgaben und die Studiengebühren vom Sold bestreiten, der nicht hoch war, aber es gab ja in dieser Zeit ohnehin kaum etwas zu kaufen. Sie machten eine beeindruckende Karriere, wurden Universitätsprofessor, übten zahlreiche nationale und internationale Funktionen aus, publizierten wegweisende Ergebnisse ihrer Forschungen. Sind Sie mit Ihrem Leben zufrieden? Ich habe viel mehr erreicht als ich mir in jungen Jahren und vor allem in der schwierigen Zeit meines Studiums vorstellen konnte. Ich bin trotz meines hohes Alters noch geistig rüstig. Wie könnte ich da mit meinem Leben nicht zufrieden sein? n Zeit des Terrors Im März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Das Land wurde als Ostmark dem Deutschen Reich angeschlossen. Allein in den ersten Wochen ließ das Regime etwa Menschen verhaften. An den Universitäten wurden verdiente jüdische Wissenschaftler entlassen, ein Ariernachweis war bald Voraussetzung für das Studium. Ein Jahr später begann der Zweite Weltkrieg. Anton Luger, Jahrgang 1918, begann in dieser Zeit sein Studium an der medizinischen Fakultät der Universität Wien. Trotz der widrigen Umstände promovierte er Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er als anerkannter Arzt und Wissenschafter für Dermatologie und Venerologie und als Berater der Weltgesundheitsorganistion. A l u m n i. m e d

8 M e d i z i n i m S p i e g e l d e r Z e i t Eveline Schillinger ist praktische Ärztin in Wien. Sie studierte 1968 Medizin. Die Ereignisse dieses Jahres hat sie nur am Rande mitbekommen. Das Studium stand im Vordergrund. Praktische Ärztin Eveline Schillinger: Es ging großteils noch sehr autoritär zu Veränderungen 1968 ist als Jahr der Studentendemonstrationen in die Geschichte eingegangen. Die Jugend ging für politische, soziale und wirtschaftliche Modernisierungen auf die Straße. Während in Deutschland und Frankreich die Demonstrationen der Studenten fast bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen mit der Polizei zur Folge hatten, ging es an den österreichischen Universitäten relativ ruhig zu. Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren war ein Slogan, den deutsche Studenten prägten und der hier auch hier skandiert wurde. Eveline Schillinger, Jahrgang 1947, erlebte diese konservative Einstellung der Lehrenden noch als Studentin mit. Sie studierte 1968 im dritten Jahr an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Sie haben mit Ihrem Medizin-Studium in Wien im Herbst 1965 begonnen und 1971 promoviert. Dazwischen lag das legendäre Jahr hat das Ihr Studium irgendwie beeinflusst? Das Jahr 1968 ist an mir eigentlich weitgehend vorbeigegangen. Die Aktivitäten waren eher an der Hauptuni am Ring. Dorthin bin ich kaum gekommen, da unsere Vorlesungen vor allem auf der Universitätsklinik im alten AKH und in den Instituten bei der Währinger Straße stattfanden. Bei meiner ganzen Freude am Studium hatte ich auch wenig Zeit, um mich um diese Entwicklungen wirklich zu kümmern. Wie haben Sie das Studium damals empfunden, wie war die Atmosphäre? Es ging großteils noch sehr traditionell zu. Einige, vor allem ältere Vortragende und Lehrer waren sehr autoritär, es gab aber auch etliche, die humorvoll und bemüht waren. Natürlich hatten wir nicht das Selbstbewusstsein der heutigen Studierenden. Die Prüfungen beispielsweise fanden öffentlich statt, manchmal war schon zu merken, dass ein Prüfer parteiisch war und so lange prüfte, bis der Student etwas Falsches sagte. Da haben wir uns geärgert, aber man konnte dagegen kaum etwas unternehmen. Das heutige System bietet da zweifellos wesentlich mehr Gerechtigkeit. Bei den Hauptvorlesungen in Chemie, Physik und Anatomie waren die Hörsäle vor allem wenn spannende Professoren vortrugen oft knallvoll. Man ist deshalb sehr früh hingekommen, um einen Platz zu bekommen, oder Kollegen haben Plätze besetzt. Manchmal sind wir auch auf den Stiegen gesessen. Die Räumlichkeiten im alten AKH waren großteils auch alles andere als ansprechend. Aber trotzdem hat mir das Studium viel Freude gemacht und ich war gerne an der Universität. War es für Sie als Frau damals schwerer zu studieren? Vor allem die älteren Professoren haben Männer und Frauen unterschiedlich geprüft. Das war aber nicht unbedingt immer zum Nachteil der Frau. Grundsätzlich hat sich die Stellung der Frau an der Universität seit meinem Studium wesentlich geändert. Die Quotenregelung ist sicher hilfreich bei der Karriere. Frauen stellen sich heute wesentlich mehr auf die Füße, sind selbstbewusster, verdienen gut und sind nicht mehr abhängig von einem Mann. Was unternahmen Sie in Ihrer Freizeit? Meine damaligen Studienkollegen und ich verfügten nur über wenig Geld. Trotzdem hatten wir unseren Spaß. Partys wurden zu Haus gefeiert. Wenn es sich finanziell ausging sind wir aber auch gerne in Lokale gegangen und haben Ausflüge gemacht. Ich erinnere mich, dass wir etwa am Neusiedler See Boot fahren waren. Einmal haben wir - eine Gruppe von sieben oder acht Kollegen - eine Hütte in den Tauern für einen Skiurlaub gemietet. Sie sagten, Sie das Geld war knapp. Wie war das damals mit Studiengebühren?. Wir hatten Studiengebühren und Prüfungsgebühren zu zahlen. Im ersten Jahr war ich aufgrund eines Begabtenstipendiums von den Gebühren befreit. Im zweiten Jahr wurde das Stipendium gestrichen, weil das Jahreseinkommen meiner Mutter um 1000 Schilling zu hoch war. Ich bin mir aber nie arm vorgekommen und es war selbstverständlich, dass ich mit Nachhilfestunden und Babysitten etwas Geld verdiente. Wie ging es nach der Promotion weiter? Ich machte den Turnus im Kaiserin-Elisabeth-Spital, wo ich auch meinen späteren Mann, ebenfalls praktischer Arzt, kennenlernte. Am Ende des Turnus haben wir geheiratet und unser erstes Kind ist gekommen, dem noch zwei weitere folgten. Danach arbeitete ich bei meinem Mann in der Ordination mit, 1976 richtete ich meine eigene Ordination für Allgemeinmedizin ein. Und dort möchte ich noch sehr lange arbeiten.. Wenn Sie sich die Entwicklungen der Medizin ansehen und auf Ihr Studium zurückblicken, wie beurteilen Sie die Fortschritte in diesen vier Jahrzehnten? Die Fortschritte seit damals sind enorm. Als ich studierte, gab es weder CT noch MR noch Ultraschall. Die Diagnose basierte auf Reden, Schauen, Zuhören, Tasten und Röntgen. Wir hatten zwar erstmals Biochemie, aber in Bezug auf Genetik erfuhren wir gerade, dass es eine DNA-Helix gibt. Auch bei der Behandlung wurden in den letzten vier Jahrzehnten faszinierende Fortschritte erzielte, wenn ich etwa an die Krebstherapie denke, die zahlreichen Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung das existierte damals nur in Ansätzen. Diese Entwicklung hat sich natürlich auf den Beruf ausgewirkt. Das medizinische Wissen ist heute so groß, dass niemand alles wissen kann. Man muss sich deshalb laufend in seinen Bereichen fortbilden. Mein Interesse etwa sind Chemotherapien bei Krebs und chronische Krankheiten. Hier muss ich wissen, was es gibt, damit ich den Patienten richtig überweisen kann. n Fotos: MUW A l u m n i. m e d

9 M e d i z i n i m S p i e g e l d e r Z e i t Patrick Brunner absolviert derzeit seine Facharztausbildung an der Universitätsklinik für Dermatologie. Der junge Mediziner sieht die Veränderungen an der Uni sehr positiv. Patrick Brunner: Der Studierende kann sich heute die kompetentesten Professoren aussuchen. Absolventen früherer Generationen erzählen, dass es auf der medizinischen Fakultät der Universität Wien manchmal sehr autoritär zuging. Merkten Sie während ihres Studiums auch noch etwas davon? Da scheint sich einiges verändert zu haben. Es gibt einerseits einen gewissen Wettbewerb unter den Lehrenden, der verhindert, dass autokratische Professoren schalten und walten, wie sie wollen. Andererseits wurde durch Einführung des neuen Studienplanes der Umgang auch persönlicher, die Gruppen sind kleiner geworden, der Abstand zwischen Lehrenden und Studierenden hat sich verringert. Bringt der neue Studienplan Vor- oder Nachteile für das Studium? Früher war es so, dass viele mehr oder weniger als Freelancer studierten. Der liberale Studienplan ermöglichte es, dass sie großteils aus dem Buch lernten und wenig Kontakte in der Klinik hatten. Das ist im neuen Studium in diesem Ausmaß nicht mehr gegeben, weil sehr viel in Kleingruppen gearbeitet wird. Der Studierende findet heute ein sehr breites Angebot an der MUW. Er kann sich für jedes Fach die Rosinen rauspicken, zwischen verschiedenen Vorträgen wählen und sich die kompetentesten Professoren aussuchen. Ein viel diskutiertes Thema während ihres Studiums hieß Zugangsbeschränkung. Wie stehen Sie dazu? Als ich mit meinem Studium begonnen hatte, gab es keine Aufnahmeprüfung und da war es so, dass 80 Prozent bei der ersten Chemieprüfung durchgefal- len sind. Es gab also einen verschleppten Aufnahmestopp und das ist von Seiten der Universität zu verstehen. Die Idee des freien Hochschulzugangs kann nicht sein, dass jeder der will, studiert, sondern jeder der will und dafür geeignet ist. Überfüllte Universitäten führen sicher nicht zu einer höheren Qualität in der Ausbildung. Apropos Qualität der Ausbildung. Es gab im Vergleich zu früheren Generationen von Multimedia- Präsentation bis zum Laptop des Studenten enorme technische Fortschritte. Bringt das eine bessere Ausbildung? Ein guter Online-Zugang zu wissenschaftlichen Quellen ist heute natürlich wichtig. Aber grundsätzlich glaube ich, dass diese technologischen Hilfsmittel in der Lehre und beim Lernen sekundär sind. Natürlich gibt es gerade in der Dermatologie sehr viel zu visualisieren und da hilft eine gute technische Ausrüstung den Stoff besser rüberzubringen. Aber wenn jemand gut unterrichtet, spielt das eine geringe Rolle. Einer unserer besten Professoren hat noch mit Kreide an der Tafel geschrieben und kaum moderne Methoden verwendet. Anders schaut es im Bereich der klinischen Arbeit und in der Forschung aus. Hier bringen neue Technologien wirklich enorme Verbesserungen. Weshalb entschlossen Sie sich, Medizin zu studieren? Naturwissenschaften hatten mich schon immer interessiert. Ich hatte auch ein rein naturwissenschaftliches Studium überlegt, aber ich sah dann in der Medizin mehr Möglichkeiten. Ich möchte forschend tätig sein, eine Ordination war eigentlich nie mein Ziel. Mich interessiert es, den Fragen, die sich im Rahmen der klinischen Tätigkeit stellen, nachzugehen. Eine Universität, das akademische Umfeld bieten ideale Möglichkeiten dazu. Ich denke, diese Spannungen zwischen Klinik und Forschung, der Patientenkontakt mit Pathologien und Krankheitsbildern, das alles bringt für mich viele zusätzliche interessante Aspekte gegenüber den reinen Naturwissenschaften. Sie sind in Kärnten geboren und aufgewachsen. Was hat Sie bewogen, in Wien zu studieren?. Sehr viele aus meinem Freundeskreis sind zum Studium nach Graz gegangen. Ich sagte mir: Auf zu neuen Horizonten und entschied mich deshalb für Wien. Konkret war neben dem Ruf der Medizinischen Universität Wien auch das kulturelle Angebot der Stadt und hier vor allem das rege Opern- und Konzertleben, ein Grund, hierher zu kommen. Und fanden Sie in Wien schnell Anschluss und neue Freunde? Zum ersten Mal wirklich in näheren Kontakt mit anderen Studenten bin ich beim Sezierkurs im zweiten Semester gekommen. Wir waren zu sechst in einer Gruppe, das hat viel Spaß gemacht und dazu geführt, dass wir uns auch privat gut verstanden. Wir waren auch abends oft gemeinsam unterwegs, sind mit dem Fahrrad durchs Burgenland gefahren. Die Kontakte bestehen heute zwar nicht mehr so intensiv, aber doch noch regelmäßig. Ich denke, es ist sowohl beim Studium als auch später im Beruf wichtig, dass man sich abseits der üblichen Arbeitszeiten austauschen kann, Zeit und Freiräume hat um neue Ideen zu entwickeln. Wie sieht ihre weitere Karriereplanung aus? Ich habe im vorigen Jahr meine Facharztausbildung an der Abteilung für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten bei Professor Georg Stingl begonnen. Der Grund ist, dass sich hier ein breites und spannendes Betätigungsfeld sowohl auf immunologischen als auch auf infektiologischem Gebiet bietet. Natürliches Fernziel einer akademischen Laufbahn wie ich sie anstrebe, ist eine Habilitation. Obwohl ich sehr gerne an der Medizinischen Universität Wien tätig bin, habe ich natürlich vor, auch im Ausland zu arbeiten. n Finanzkrise Prägendes Ereignis des Jahres 2008 ist neben Neuwahlen und einer schwierigen Regierungsbildung die Finanzkrise mit ihren noch nicht vorhersehbaren Folgen. Wesentlich positiver als in der Wirtschaft blickt man an der Medizinischen Universität Wien in die Zukunft. Nach vier Jahren Selbständigkeit öffnen sich neue Perspektiven für die Forschung. Den Studenten wird ein komplett reformiertes Studienprogramm geboten. Der Kärntner Patrick Brunner steht im zweiten Jahr seiner Facharztausbildung. Während seines Medizinsstudiums hat er die Veränderungen in Lehre und Forschung miterlebt und beurteilt sie sehr positiv. Auch seine Zukunft sieht er mit Optimismus. Er strebt eine Laufbahn als Forscher an. A l u m n i. m e d

10 D a s J o s e p h i n u m Der Mensch als kunstvolles Lehrmittel Das Josephinum, akademische Ausbildungsstätte für Militärchirurgen, wurde 1785 eröffnet und beherbergt 1192 Wachsmodelle, die des Menschen Innerstes veranschaulichen. Im dritten Buch von Wilhelm Meisters Wanderjahren macht Goethe den plastischen Anatomen zur zentralen Figur. Goethe hatte auf seiner italienischen Reise das 1775 eröffnete Imperiale Reale Musei di Fisica e Storia Naturale ( La Specola ) besucht das Zentrum der florentinischen Wachsmodellierkunst. Joseph II. holte diese Wachsmodelle als Unterrichtsmaterial für die Studenten der Josephs-Akademie nach Wien. Unter der Aufsicht Felice Fontana und des Anatomen Paolo Mascagni wurden die Modelle von 1784 bis 1788 in Florenz hergestellt. Nach einem mühsamen Transport gelangten die insgesamt 1192 Wachspräparate schließlich nach Wien. Sie sollten einerseits als Anschauungsmaterial für den Unterricht am Josephinum dienen, andererseits waren sie auch für die Öffentlichkeit bestimmt. Die Wachsmodelle wurden in sieben Räumen in Vitrinen aus Rosenholz und venezianischem Glas ausgestellt. Zur Erläuterung waren Beschreibungen in Italienisch und Deutsch beigelegt. Heute ist die Sammlung der Medizin im Besitz der MedUni Wien und in sechs Räumen des Josephinums (Währinger Straße 25, 1090 Wien) untergebracht. Sie unterteilt sich in die anato- Fotos: MUW/Tanya Marcuse 1 0 A l u m n i. m e d

11 D a s J o s e p h i n u m Die Josephina-Bibliothek beherbergt medizinische Fachliteratur aus vielen Jahrhunderten. Das zur Gänze zerlegbare Modell eines Herzens stammt aus dem 18. Jahrhundert. mischen Bereiche Bänder und Muskeln, Herz-, Blut und Lymphgefäße, Eingeweide, Gehirn, Rückenmark und Sinnesorgane. Im fünften Raum befindet sich die umfangreiche Sammlung von geburtshilflichen Wachsmodellen. Eine Besonderheit der Sammlung sind außerdem zwei zur Gänze zerlegbare Modelle - ein Herz und die sogenannte Mediceische Venus. Joseph II. und die Wachsmodelle 1780 besuchte Joseph II. gemeinsam mit dem Arzt Giovanni Alessonado Brambilla, seinen Bruder Peter Leopold, Großherzog der Toskana, in Florenz. Bei diesem Aufenthalt zeigte Peter Leopold dem Kaiser auch die florentinische Sammlung anatomischer Wachsmodelle, die Joseph II. sofort begeisterten. Sowohl vom Direktor der Specola wie auch von Peter Leopold selbst bekam Joseph II. nicht sofort die gewünschte Unterstützung. Beide befürchteten, dass die Produktion für Wien zu Lasten der Modelle in Florenz gehen würde und planten zunächst, eigene Künstler für das Modellieren der Wachsmodelle anzulernen. Schlussendlich gab Peter Leopold dem Drängen seines Bruders nach, und die Produktion der Wiener Wachsmodelle konnte in Florenz begonnen werden. Von entscheidender Bedeutung für die Wiener Sammlung war, dass der seit 1781 der Florentiner Wachsmodellwerkstatt angehörige Anatom Paolo Mascagni den anatomischen Bereich übernahm, während Felice Fontana vor allem die künstlerische Gestaltung überwachte. Mascagni trug wesentlich zu eigenen Modellen der Wiener Sammlung bei, wie zum Beispiel dem berühmten Lymphgefäßmann, bei dem das gesamte Lymphsystem des menschlichen Körpers abgebildet ist. Nach mehreren Jahren mühevoller Arbeit konnten die Modelle 1786 endlich nach Wien gebracht werden. In insgesamt 40 Päcken, auf den Rücken von Maultieren und Menschen, wurden die Wachsmodelle über den Brenner nach Linz transportiert und von dort donauabwärts auf dem Schiff nach Wien gebracht. 16 überlebensgroße Figuren Ingesamt 1192 Figuren wurden im ersten Stock des Josephinums in den von Brambilla vorgesehenen Kabinetten aufgestellt. Ehre sei Gott. Die Präparate sind glücklich angekommen... Morgen wird man damit beginnen, die Decken aus grünem Taft, die notwendigen Tafeln und die Gläser zu machen..., schrieb Brambilla am 27. August 1786 an Kaiser Joseph II. Die Urteile der Zeitgenossen und auch späterer Generationen über den Wert einer solchen Art und Weise der anatomischen Darstellung reichen von höchster Begeisterung bis zu heftigster Ablehnung. Geheimnisse der menschlichen Gestalt Goethe, der Joseph II. vielleicht indirekt für die Wiener Wachsmodellensammlung inspirierte und sich selbst lange vergeblich für eine Berliner Sammlung dieser Art einsetzte, hatte allerdings eine ganz andere Vorstellung für die Verwendung dieser Modelle: Der praktische Arzt wie der Chirurg werden sich das notwendige Anschau'n leicht und schnell jeden Augenblick wieder vergegenwärtigen; dem bildenden Künstler treten die Geheimnisse der menschlichen Gestalt, wenn sie schon einmal durch den Künstlersinn durchgegangen sind, um so viel näher. (Brief an Peter W. Beuth, preuss. A l u m n i. m e d 1 1

12 d e r C l u b Der Alumni Club der MedUni Wien Ab November startet die Medizinische Universität Wien einen eigenen Club für MedizinnerInnen und ÄrztInnen und Studierende des dritten Abschnitts. Im Latein-deutschen Wörterbuch kann man unter alumnus folgende Begriffe nachlesen: Zögling, Pflegling. Die Medizinische Universität Wien will sich nicht nur um ihre Zöglinge während des Studiums kümmern, mit der Gründung des Alumni Clubs beabsichtigt sie, die an ihrer Institution ausgebildeten Zöglinge auch in ihrem medizinischen Alltag zu begleiten. Wer kann Mitglied werden? Willkommen sind alle AbsolventInnen der Medizinischen Universität bzw. deren juristischer Vorgängerin, der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. Studierende im dritten Studienabschnitt können sich ebenfalls bereits registrieren. Der Alumni Club steht aber auch AbsolventInnen diverser Universitätslehrgänge wie zum Beispiel Public Health oder Health Care Management, die an der Medizinischen Universität angeboten werden, offen. Die Anmeldung erfolgt unkompliziert über die Homepage Die Anmeldung ist ausschließlich via Internet möglich, da ein Großteil der Informationen über dieses Medium versandt wird. Durch die Eingabe des Passwortes werden sämtliche relevanten Infos in einem geschützten Bereich weitergegeben. Das Team des Alumni Clubs stellt sich vor: Mag.a Nina Hoppe Gesamtleitung Strategie/ Sponsoring Mag. a Michaela Zykan Kooperationen Susanna Pouliceck Assistentin Mag. Marcel Chahrour Veranstaltungen Ing. Robert Wanderer Drucksorten & Webseiten Fotos: MUW 1 2 A l u m n i. m e d

13 D e r C l u b Michael Prüller, Chefredakteur- Stellvertreter der Presse. Die Zielgruppen des Alumni Clubs Studierende des dritten Abschnittes MedizinerInnen in Klinik und Forschung Ärzte in Facharztausbildung Niedergelassene Ärzte Pensionierte MedizinerInnen MedizinerInnen in anderen Berufsfeldern, die Kontakt zu ihrer Alma Mater halten wollen (Pharmaindustrie, etc) Ein besonderes Anliegen des Clubs ist es, die einzelnen Zielgruppen nicht isoliert zu sehen, sondern sie in einen gemeinsamen Dialog zu bringen Ärzte mit langer Berufserfahrung oder auch bereits pensionierte Ärzte können Jungärzten wertvolle Erfahrungen weitergeben. Was kann man vom Club erwarten? Wir beschränken uns nicht nur auf die Veranstaltung von gesellschaftlichen Events. In Podiumsdiskussionen, interdisziplinären Symposien und wissenschaftlichen Seminaren soll es unter den einzelnen Mitgliedern zum intellektuellen Austausch kommen. Nicht zu vergessen ist der Dialog mit der Wirtschaft, Kunst und Kultur und den gestaltenden politischen Kräften des Landes. Für Jungärzte und Jungärztinnen stehen vermehrte Angebote zur Aus- und Weiterbildung auf dem Programm. Der Literaturlieferdienst der Universitätsbibliothek (siehe auch Geschichte Seite 14/15) wurde im Oktober eigens für Alumni Club Mitglieder eingerichtet. Weitere spezielle Angebote sind in Planung. Wichtig für die Konzepterstellung des Alumni Clubs ist auch die aktive Teilnahme der Mitglieder selbst was sind ihre konkreten Anliegen und Bedürfnisse an den Club? Wir sind offen und dankbar für konkrete Anregungen. Unsere Mitglieder werden regelmäßig im Alumni Faltblatt sowie im digitalen Alumni Newsletter über Veranstaltungen informiert. n Am 8. November wird die Eröffnungsfeier des Alumni Clubs der Medizinischen Universität Wien über die Bühne gehen. Warum ist Ihrer Meinung nach die Gründung eines solchen Clubs wichtig? Für die Alumni selbst ist es natürlich ein guter Rahmen für Networking. Wichtiger scheint mir aber der mittlerweile ja allgemeine Trend zu Alumni-Clubs für die Universitäten selber zu sein. Die Universitätsreformen haben eine gewisse Emanzipierung der Hochschulen vom Staat gebracht und sie stärker in eine Wettbewerbsumgebung gestellt. Wie man in Amerika sieht, spielen die Alumni dabei eine wichtige Rolle sowohl als direkte Financiers ihrer Alma Mater als auch indirekt als Werbeträger und Imagebildner für sie. Eine Universität kann es sich daher heute gar nicht leisten, ihre Alumni nicht zu pflegen. Und ein Alumni-Club stellt auch die dringend nötige Herausforderung an die Universitäten dar, eine ihnen angemessene Art von Kundenorientierung zu erlernen und einzuüben. Warum hat sich Die Presse dazu entschieden eine Medienkooperation mit dem MedUni Alumni Club einzugehen? Was erwartet sie sich? Die MedUni Wien ist nicht der einzige universitäre Partner der Presse, aber sicher einer der bedeutenderen. Bei Absolventen der Med- Uni Wien und Lesern der Presse gibt es eine große Überschneidung. Auch denken wir, dass uns in gewisser Weise eine geschichtliche Gemeinsamkeit verbindet: Sowohl die MedUni Wien wie auch die Presse sind von ihrer Geschichte her altehrwürdige Institutionen, die beide den Modernisierungsprozess in den vergangenen Jahren zielstrebig und mit bedeutenden Etappenerfolgen angegangen sind, aber damit noch lange nicht abgeschlossen haben. Ein Schwerpunkt des MedUni Alumni Club wird im Lauf der Zeit die Exzellenz-Initiative sein. Welche Inhalte sollen hier transportiert werden? Exzellenz ist heute ein heißes Vokabel in der internationalen Forschungs- und Bildungsdiskussion bis hin zur Frage, ob es künftig mehr Spezialisierung geben soll. Also: hier breit aufgestellte Berufsausbildungs-Unis, dort Spitzenforschungsstätten. Die Exzellenz-Initiative soll mit Diskussionen und Expertenauftritten zu mehr Klarheit in diesen Fragen beitragen: Kann man Exzellenz planen? Soll man Exzellenz von der Breite trennen oder bedürfen beide nicht einander, um nachhaltig ihre Ziele zu erreichen? Was sind die Grundlagen von Exzellenz, wer und was ist dafür essenziell, was braucht es an Strukturen? Gerade auf der MedUni Wien, die schon zwei weltberühmte und für die moderne Medizin entscheidend wichtige Schulen hervorgebracht hat, ist ein solches Thema natürlicherweise zuhause. n A l u m n i. m e d 1 3

14 D i e B i b l i o t h e k Lungenmakrophage (Fresszelle) mit Bakterien, künstlerische Interpretation. Von zu Hause und noch länger lernen Die Bibliothek der Medizinischen Universität Wien bietet Alumni Clubmitgliedern einen speziellen Literaturlieferdienst und lockt mit neuen Öffnungszeiten. Die Bibliohtek Adresse: Währinger Gürtel Postfach Wien Tel: + 43/1/ Fax: + 43/1/ Neue Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 8 Uhr bis 20 Uhr Samstag: 9 Uhr bis 17 Uhr 1 4 A l u m n i. m e d Mit dem größten medizinischen Medienbestand Österreichs - sowohl auf historischem als auch aktuellen Niveau - versorgt die Bibliothek der Medizinischen Universität Wien ihre Besucher effizient und kompetent mit wissenschaftlicher Literatur und Informationen aus dem Fach Medizin und seinen Grenzgebieten. Die ständigen Aktualisierungen im Zeitschriftenbestand und Bearbeitungen dieser Zeitschriften in nationalen und internationalen Katalogen sorgen für einen optimalen Wissensstand der Bbibliotheksbesucher. Auf Grund seiner zukunftsweisenden Technik und der Vernetzung der elektronischen Wege und Informationen zählt die Medizinische Universität Wien zu den innovativsten und initiativsten Medizinbibliotheken Europas. Gerade Alumniclub-Mitglieder kommen nicht nur in den Genuss der oben erwähnten Dienste, sondern haben als erstes spezielles Angebot der Bibliothek die Möglichkeit, den Literaturlieferdienst in Anspruch zu nehmen. Als besonderes Service können die Alumniclub- Mitglieder der Med Uni Wien bereits seit 1. Oktober Medizinische Fachartikel, die im Printbestand der Universitaetsbibliothek vorhanden sind, bestellen. Je nach gewünschter Lieferart werden sie dann per Post, Fax oder zum Pauschalpreis von sechs Euro pro Literaturstelle direkt an die gewünschte Adresse geliefert. Exklusiver Literaturlieferdienst Auch der bisher exklusive Dienst, medizinische Fachartikel, die nicht im Printbestand der Universitätsbibliothek vorhanden sind, von anderen Bibliotheken zu organisieren und zu vermitteln, steht nun nicht mehr nur den Angehörigen und Studie- Fotos: MUW

15 renden der Medizinischen Universität Wien zur Verfügung, sondern exklusiv auch den Alumniclub- Mitgliedern. Wie man als Mitglied dann zu den gewünschten Fachartikeln kommt, ist dem persönlichen Geschmack vorbehalten. Es besteht die Möglichkeit, die Artikel persönlich abzuholen, oder sie sich per Post oder Fax schicken zu lassen. Die Preise für diesen Dienst können je nach Preispolitik der jeweiligen Bibliothek zwischen acht und 18 Euro liegen. Längere Öffnungszeiten Ab November 2008 ist es nun möglich, noch länger in den Regalen der Universitätsbibliothek zu schmökern. Gerade für Alumniclub-Mitglieder, die bereits im Berufsleben stehnen und deren Arbeitszeiten meist einen Besuch der Bibliothek sehr schwierig gestalten, bieten die neuen Öffnungszeiten nun wieder Möglichkeit, die Bibliothek zu nutzen. Seit 3. November 2008 wird die Bibliothek von Montag bis Freitag bereits ab 8 Uhr morgens geöffnet und kann durchgehend bis 20 Uhr genutzt werden. Auch an Samstagen wurden die bisherigen Öffnungszeiten nun um täglich vier Stunden zusätzlich erweitert. Die Bibliothek kann jetzt von 9 bis 17 Uhr besucht werden. Mit den neuen Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek der Med Uni Wien auch an Samstagen erhalten besonders auch Alumniclub-Mitglieder die Gelegenheit, die wissenschaftlichen Datenbanken, sowie die elektronischen Zeitschriften und Bücher zu nutzen. Aufgrund der mit den wissenschaftlichen Verlagen abgeschlossenen Lizenzverträge darf die Universität zwar außerhalb des Campus MedUni Wien niemandem Zugriff einräumen, allerdings konnte hier ein rechtliches Schlupfloch gefunden werden, meint der Bibliotheksleiter Bruno Bauer. So ermöglichen die lizenzrechtlichen Bestimmungen ein Recherchieren in den betreffenden elektronischen Ressourcen innerhalb der Räume der Universitätsbibliothek. Lebenslanges Lernen Die speziell im Hinblick auf die Anforderungen von Alumniclub Mitgliedern erweiterten Öffnungszeiten sollen diese in die Lage versetzen, die während ihres Studiums genutzten elektronischen Ressourcen von den großen Literaturdatenbanken Web of Knowledge und Scopus bis hin zu den elektronischen Volltextdatenbanken von Elsevier, Springer oder Wiley - auch weiterhin nutzen zu können und die damals gemachten Kontakte weiter aufzubauen und zu intensivieren. Damit schafft die Universitätsbibliothek Rahmenbedingungen für den Zugang zu wissenschaftlichen Fachinformationen, die den Alumni der Med Uni Wien ein lebenslanges Lernen in ihrem Fach erleichtern sollen. n Nur die beste Bank steht Ärzten immer zur Seite. Unsere Kundenbetreuer kennen Ihr Geldleben als Freiberufler fast so gut wie Sie selbst. Ob privat oder beruflich wir bieten Ihnen rasch und kompetent eine maßgeschneiderte Lösung für Ihre Bedürfnisse. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin bei Ihrem Kundenbetreuer oder unter

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