Rede, Herr! Dein Diener hört Lesung aus dem ersten Buch Samuel

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1 ERSTE LESUNG Rede, Herr! Dein Diener hört 1 Sam 3, 3b Lesung aus dem ersten Buch Samuel In jenen Tagen schlief der junge Samuel im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr Samuel, und Samuel antwortete: Hier bin ich. Dann lief er zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen! Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich wieder ruft, dann antworte: Rede, Herr; denn dein Diener hört. Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat zu ihm heran und rief wie die vorigen Male: Samuel, Samuel! Und Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört. Samuel wuchs heran, und der Herr war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten unerfüllt.

2 ZWEITE LESUNG Eure Leiber sind Glieder Christi 1 Kor 6, 13c-15a Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther Brüder! Der Leib ist nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib. Gott hat den Herrn auferweckt; er wird durch seine Macht auch uns auferwecken. Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Wer sich an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm. Hütet euch vor der Unzucht! Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib! EVANGELIUM Joh 1, Sie folgten Jesus und sahen, wo er wohnte, und blieben bei ihm + Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes In jener Zeit stand Johannes am Jordan, wo er taufte, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: Was wollt ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi - das heißt übersetzt: Meister -, wo wohnst du? Er antwortete: Kommt und seht!

3 Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte - Christus. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels - Petrus. Glaube kommt vom Weitersagen (zu Joh 1, 35-42) Wir stehen noch ziemlich am Anfang des Neuen Jahres und damit auch des neuen Kirchenjahres. Passend dazu lesen wir den Anfang des Johannesevangeliums. Dort führt Johannes den Leser sehr symbolhaltig in wesentliche Aspekte der Lehre Jesu ein. An Weihnachten haben wir gehört: Jesus ist das Wort, das schon bei Gott war, als überhaupt noch nichts existierte. - Und dieses Wort ist Mensch geworden. - Heute hören wir, in ebenso symbolischer Sprache, wie zwei Jünger des Täufers Johannes auf Jesus zukommen und ihn fragen: Meister, wo wohnst du? Genauso wortkarg, wie er gefragt wurde, antwortet Jesus ihnen: Kommt, und ihr werdet sehen! Sie gehen mit ihm und bleiben den Tag über bei ihm. Danach heißt es, dass die beiden ihre Erfahrung mit anderen teilen (Andreas spricht mit seinem Bruder Simon). So, d.h. durch das Weitersagen der ersten Zeugen, bildet sich der Kreis der Jünger. - Und genauso wächst 70 Jahre später, zur Zeit des Evangelisten Johannes, die junge Kirche, als Jesus wie auch seine Jünger nicht mehr am Leben sind: durch Weitersagen. Glaube kommt vom Zeugnis, vom Hören und vom Weitersagen. Das sind Eckdaten für den Jüngerkreis Jesu, und es sind bis heute Eckdaten für die christliche Kirche. Die Formel, die von Anfang an darin steckt, heißt: 1. Glaube kommt vom Weitersagen (er sagte es seinem Bruder Simon);

4 2. Religion lebt in Gemeinschaften (sie blieben jenen Tag über bei ihm); 3. Kirche lebt aus der Bindung an Christus (er führte ihn zu Jesus) und: 4. Leitung und Amt in der Kirche werden auf Christus selbst zurückgeführt (du bist Simon, du sollst Kephas heißen: Fels). Diese vier Kerngedanken führt Johannes seinen Lesern als Grundvoraussetzungen der Jüngergemeinschaft -, der Kirche vor. Das Herzstück ist die Einladung: Kommt und seht! Was es da zu sehen gibt, beschreibt Johannes gegen Ende des Evangeliums, als Jesus die Jünger auf seinen Tod vorbereitet. In einer langen Abschiedsrede (sie ist ebenfalls ein hoch symbolhaltiger Text, Joh 14) sagt Jesus, dass er, wenn er stirbt, den Jüngern vorausgehen und ihnen im Haus des Vaters einen Platz bereiten wird; dorthin sollen sie ihm später folgen. Die Wohnung oder wörtlicher: Bleibe -, der Platz im Haus des Vaters meint natürlich keinen geographischen Ort, sondern eine existentielle Erfahrung. Gemeint ist die Lebenserfahrung, dass ich geborgen und aufgehoben bin. Die Frage nach dem Ort, wo Jesus lebt, - nach seiner Bleibe, ist die Frage nach einer Lebens-Realität, in der ich mich und meine Angst loslassen und getrost bleiben kann... Der Weg zu dieser Wohnung ist Christus selbst. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, sagt er, ebenso kurz und genauso symbolhaltig wie es am Anfang heißt: Meister, wo wohnst du? und: Kommt, und ihr werdet sehen. Das Symbolische in diesem Geschehen müssen wir näher ansehen. Da ist zuerst Jesus selbst: Er bemerkt, dass die beiden ihm folgen, und er bleibt stehen. Er dreht sich nach ihnen um und fragt: Was wollt ihr? Er weiß nicht schon im Vorhinein, was für sie gut ist; er hat nicht schon einen Plan im Kopf, bevor sie überhaupt den Mund aufgemacht haben. Jesus fragt auch später den einzelnen Kranken: Was willst du, das ich dir tun soll? Er lässt jeden zu Wort kommen, er zwingt niemanden zu seinem Glück. Der Jünger muss sich schon selbst entscheiden, ob er dazugehören will. Dazu öffnet Jesus sich, er zeigt sich und lässt den anderen an seinem Lebensentwurf teilhaben. Dadurch macht er sich natürlich auch angreifbar. Aber ohne diese Nähe geht nichts. Glaube kommt von Begegnung, nicht von Unterricht. Das zweite ist, dass Jesus ihnen die Freiheit lässt, selbst zu entscheiden. Sie überlegen, und schließlich können sie sagen: Wir sind neugierig - wo wohnst du?

5 In all dem Symbolgeschehen steckt die Realität, dass diese Männer Jesus nicht kannten; sie kamen aus dem Umkreis des Täufers. Und der hatte die Größe, sie zu Jesus zu schicken, damit sie sich ein Bild von ihm machen. Das geschieht so: Jesus fragt: Was wollt ihr? Sie fragen zurück: Wo wohnst du? Und er sagt einfach: Kommt, und dann werdet ihr sehen. Jesus sagt nichts über sein Programm, seine Absichten,- gar nichts. Er sagt nur einfach: Kommt, und ihr werdet sehen. - Und sie lassen sich auf das Neue ein. Mehr erfahren wir nicht, und Konkreteres ist da zu Anfang wohl auch noch nicht. Und wieder lautet das Fazit: Glaube kommt von dem, was wir miteinander erfahren, nicht vom dem, was wir gehorsam ausführen. Und sie gingen mit ihm und sahen wo er wohnte und blieben jenen Tag bei ihm. - Erst da konnte für die bei-den etwas Neues anfangen: weil sie genug Neugier mitbrachten und weil er ihnen genug Freiheit ließ. Das ist das Faszinierende an der Geschichte: Unser Glaube, unsere Religion soll uns frei machen, soll uns dazu fähig und bereit machen, die Lebenshaltung eines Jüngers anzunehmen. Wir sollen die Wohnung, die Bleibe Jesu als einen Ort des Herzens, als eine Lebenseinstellung in uns, erfahren. Wenn wir diese Einladung annehmen, können und dürfen wir uns dem Leben der anderen nicht verschließen: dann ist die Partnerin, der Freund nicht die Person da neben mir, sondern ein Teil von mir. Dann ist der Flüchtling nicht der lästige Afrikaner, den wir schnell wieder abschieben müssen, sondern er ist mein Bruder und meine Schwester. Wenn wir dem Beispiel Jesu folgen, dann sagen wir wie er: Komm, und dann wirst du sehen. Jesus hat den Johannes-Jüngern die Angst genommen, er kann auch uns die Angst vor dem Fremden und Unbekannten nehmen. Er will uns Mut machen zu Neugier, Liebe und Herzensgüte. Wir müssen es nur zulassen. (Dr. H-J. Reuther, Pfr.)

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