Patrick Lobacher. TYPO3 Extbase. Moderne Extension-Entwicklung für TYPO3 CMS mit Extbase & Fluid. 1. Auflage. Open Source Press

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2 Patrick Lobacher TYPO3 Extbase Moderne Extension-Entwicklung für TYPO3 CMS mit Extbase & Fluid 1. Auflage Open Source Press

3 Alle in diesem Buch enthaltenen Programme, Darstellungen und Informationen wurden nach bestem Wissen erstellt. Dennoch sind Fehler nicht ganz auszuschließen. Aus diesem Grunde sind die in dem vorliegenden Buch enthaltenen Informationen mit keiner Verpflichtung oder Garantie irgendeiner Art verbunden. Autor(en), Herausgeber, Übersetzer und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und werden keine daraus folgende Haftung übernehmen, die auf irgendeine Art aus der Benutzung dieser Informationen oder Teilen davon entsteht, auch nicht für die Verletzung von Patentrechten, die daraus resultieren können. Ebenso wenig übernehmen Autor(en) und Verlag die Gewähr dafür, dass die beschriebenen Verfahren usw. frei von Schutzrechten Dritter sind. Die in diesem Werk wiedergegebenen Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. werden ohne Gewährleistung der freien Verwendbarkeit benutzt und können auch ohne besondere Kennzeichnung eingetragene Marken oder Warenzeichen sein und als solche den gesetzlichen Bestimmungen unterliegen. Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdrucks und der Vervielfältigung des Buches oder Teilen daraus vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlags in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, Mikrofilm oder einem anderen Verfahren), auch nicht für Zwecke der Unterrichtsgestaltung, reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über abrufbar. Copyright 2014 Open Source Press, München Gesamtlektorat: Dr. Markus Wirtz Satz: Open Source Press Umschlaggestaltung: Olga Saborov, Open Source Press ISBN: (E-Book PDF) ISBN: (gedruckte Ausgabe)

4 Inhaltsverzeichnis Vorwort 19 1 Der moderne Weg der Extension-Programmierung Ein neues TYPO3 entsteht Das Berlin-Manifesto Die Geburtsstunde von TYPO3 Flow (FLOW3) Phoenix aus der Asche Das TYPO3-Dilemma Das neue TYPO3-Universum Die Geschichte von Extbase & Fluid Backports: Extbase & Fluid Höheres Programmierniveau Grundlagen der objektorientierten Programmierung 41 Lobacher TYPO3 Extbase 5

5 Inhaltsverzeichnis 2.1 Klassen und Objekte Methoden Der Pfeil-Operator Der Konstruktor Zugriff mittels $this Methoden mit Inhalt füllen Vererbung von Klassen Zugriff mittels parent Überprüfung der Klassenzugehörigkeit Abstrakte Klasse: Kontrollierte Vererbung Interfaces Sichtbarkeit: public und protected Getter und Setter Type Hints Statische Zugriffe Namespaces Wichtige Entwurfs- und Architekturmuster Singleton Prototyp Dependency Injection

6 Inhaltsverzeichnis 2.11 Annotations Domain-Driven Design Infrastructure Ignorance Das Domain Model Ubiquitous Language Bausteine für das DDD DDD strukturieren Bounded Context (BC) Context Map Core Domain Shared Kernel Extbase im Überblick Installation von Extbase & Fluid PHP Doc Comments erhalten Installation der Extension efempty Rundgang durch die Extension Die Dateien ext_emconf.php und ext_icon.gif ext_tables.php ext_localconf.php Controller: Lobacher\Efempty\Controller\StartController Lobacher TYPO3 Extbase 7

7 Inhaltsverzeichnis Domain: Lobacher\Efempty\Domain\Model\Start Die Ausgabe über den View Aufruf der Show-Action Erstellung des Domain Model (Modellierung) Das Domain Model für das Buch Grundidee Das Glossar Modell Modellierung in Extbase der Extension Builder Extension-Eigenschaften Domain Model Eigenschaften des Domain Model Relationen des Domain Model Relation zwischen Blog und Post Relationen zwischen Post und Comments Relationen von Post zu Author und Tag Installation der Extension Analyse der Dateien des Extension Builder Weitere Funktionen des Extension Builder Backup erstellen Model modifizieren

8 Inhaltsverzeichnis Class Builder Vorbereitung Frontend Frameworks Statisches TypoScript laden CSS-Datei laden IDE-Einstellungen Core-Dateien in den Include-Pfad aufnehmen Schema-Dateien für Fluid einbinden Tipp zur Auflösung von Klassen TYPO3 Extension phpstorm Der CRUD-Prozess Erstellen eines Objekts (Create) listaction anlegen Template für listaction anlegen Exkurs: Rendering des Templates Statische Blogs anlegen Persistieren der Blogs Exkurs: Persistierung Der PersistenceManager: manuelle Persistierung Erzeugung in einer eigenen Action Lobacher TYPO3 Extbase 9

9 Inhaltsverzeichnis Formular zum Anlegen eines Objekts Anzeigen eines Objekts (Read) Aktualisierung eines Objekts (Update) Löschen eines Objekts (Delete) Das Fluid-Templating: Templates, Layouts & Partials Layout erstellen und referenzieren Partials Einfache Partials Komplexe Partials Query Manager und Repositories Aufbau einer Repository-Klasse Schreibende Repository-Funktionen Lesende Repository-Funktionen Default-Aufbau einer Query Exkurs: Debugging Anpassen des Queries Ergebnis-Set bestimmen Ergebnis-Set einschränken Logische Verknüpfungen Natives SQL

10 Inhaltsverzeichnis Query-Settings Beispiel: Suchwort im Titel Dynamische Suche auf dem Repository Exkurs: Request-Objekt Konfiguration via TypoScript und FlexForms TypoScript Scope im Setup Aufbau Optionen: view Optionen: persistence Optionen: objects Optionen: features Optionen: mvc Optionen: legacy Optionen: settings Optionen: _LOCAL_LANG Optionen: _CSS_DEFAULT_STYLE FlexForms FlexForm-Konfiguration Switchable Controller Actions (SCA) TypoScript für die weitere Arbeit mit dem Buch setzen Lobacher TYPO3 Extbase 11

11 Inhaltsverzeichnis 10.4 TypoScript für Backend-Module Validierung und Error Handling Error Handling Die Validierung in der Übersicht Property Validation Eingebaute Validatoren Mehrere Validatoren Eigene Validatoren Object Validation Action Validation Fehleranzeige beim Formularfeld Möglichkeit 1: Bordmittel Möglichkeit 2: ViewHelper Relationen Relation im Domain Model Das Table Configuration Array (TCA) Der CRUD-Prozess der Posts Vorbereitungen Posts anlegen (Create) Posts ansehen (Read)

12 Inhaltsverzeichnis Posts editieren (Update) Posts löschen (Delete) Die m:n-beziehung am Beispiel der Tags Anlegen der Tags im Backend Repository für die Tags Anpassen des Post-Controllers Anpassen der Templates und Partials Anzeige der Tags in der Liste Die 1:1-Relation am Beispiel des Autors Anlegen der Frontend User und Gruppen Koppeln des Domänen-Objekts Author mit der fe_users-tabelle Festlegen des Autors beim Erstellen und Editieren eines Posts Eingeloggten User als Autor verwenden Comments & AJAX Registrierung der AJAX-Action Anzeige der Kommentare JavaScript-Handler Ajax-Action im Post-Controller AJAX Page-Type im TypoScript festlegen Lobacher TYPO3 Extbase 13

13 Inhaltsverzeichnis 13 Eigene ViewHelper erstellen Namespace-Deklaration Text-ViewHelper Parameter via Attribut Parameter via Inhalt Tag-ViewHelper If-ViewHelper Widget-ViewHelper Verwendung des Widget-ViewHelpers Erstellung des Widget-ViewHelpers Der Controller Der View Das A-Z Widget Mehrsprachigkeit Sprachen konfigurieren Sprachlabels Sprachlabels mit Platzhaltern Sprachlabels mit TypoScript überschreiben Sprachlabels in PHP Mehrsprachigkeit bei Domänenobjekten

14 Inhaltsverzeichnis 15 Backend-Module Registrierung Sprachdatei für die Labels TypoScript Comment-Repository Comment-Controller List View Aufbau Inhalt des List-Templates CSH-Buttons Action-Menü Shortcut-Button Icon-Button Der Property Mapper Beispiele Konfigurieren des Property Mapper Konfiguration des Property Mapping im MVC Stack Sicherheitserwägungen API-Referenz Automatische Auflösung des TypeConverters Lobacher TYPO3 Extbase 15

15 Inhaltsverzeichnis 17 Best Practices Flash Messages Plugin per TypoScript laden RSS-Feed UriBuilder Upload von Dateien Hinzufügen eines Upload-Feldes Anpassungen im Blog-Controller Anpassungen im Blog Model TCA anpassen StdWrap in den Settings Signal Slot Dispatcher Eingebaute Signale Beispiel für die Nutzung eingebauter Signale Eigene Signale erstellen File Abstraction Layer (FAL) Category API Extbase Models Scheduler Tasks JSON View

16 Inhaltsverzeichnis I Anhang 479 A Referenz 481 A.1 ext_emconf.php A.2 Flexform Feld-Typen A.2.1 Textfeld A.2.2 Datumsfeld A.2.3 Checkbox A.2.4 Textarea A.2.5 Textarea mit RTE A.2.6 Radio-Buttons A.2.7 Selectbox A.2.8 Selectbox (Mehrfachauswahl) A.2.9 Page-Browser Index 489 Lobacher TYPO3 Extbase 17

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18 Vorwort Sie können sich freuen, denn Extbase und Fluid machen vor allem eines: Spaß! Wenn Sie schon länger programmieren, werden Sie feststellen, dass vieles, was in Extbase & Fluid enthalten ist, entweder intuitiv von der Hand geht oder sehr schnell zu lernen ist. Haben Sie dieses Buch durchgearbeitet, werden Sie in der Lage sein, auch umfangreiche Projekte mit Extbase & Fluid durchzuführen, und es wird Ihnen sogar leicht fallen. Meine persönliche Extbase-Geschichte Als mit der Veröffentlichung der Version TYPO3 4.3 auch Extbase & Fluid das Licht der Welt erblickten, kann das zu einem kleinen Teil auch meine Schuld gewesen sein. Oliver Hader der Release Manager der Version 4.3 kam während der T3CON09 in Frankfurt auf uns zu und fragte uns nach unserer Meinung zu der Frage, ob in die Version 4.3 lieber Extbase & Fluid integriert werden sollten oder lieber ein anderes Feature (dessen Name mir allerdings entfallen ist). Mein Antwort war ebenso schnell wie Lobacher TYPO3 Extbase 19

19 Vorwort eindeutig: Extbase & Fluid braucht die TYPO3-Welt und zwar so schnell wie möglich! Wir experimentierten in der Agentur damals bereits mit der pre-alpha- Version von Extbase & Fluid und waren vollkommen überzeugt von dieser spannenden Technologie. Selbstverständlich gab es noch zahlreiche Fehler und Unzulänglichkeiten, aber es war deutlich zu erkennen, dass dies der künftige Weg des TYPO3-Projekts sein würde. Tatsächlich wurden Extbase & Fluid mit der Version 4.3 im Dezember 2009 ausgeliefert und in die Welt entlassen. Schon im Juni 2009 fasste ich den Entschluss, über dieses Thema auch zu schreiben, und widmete den dritten Teil meines im Hanser Verlag erscheinenden Buches TYPO3-Extensions Professionelle Frontendund Backend-Programmierung kurzerhand Extbase & Fluid. Ich trug hier alles zusammen, was es damals zu wissen gab, und so hat das im Mai 2010 erschienene Buch sicher auch zur wachsenden Popularität der neuen Technologie beigetragen. Ein weiteres Buch der beiden Väter von Extbase & Fluid Jochen Rau und Sebastian Kurfürst erschien im Juli 2010, und ich bin heute noch stolz, dass ich dafür die OOP-Einführung verfassen durfte. Seitdem ist kein weiteres Buch erschienen, obwohl der Bedarf nach neuen und tiefergehenden Informationen zu Extbase & Fluid nach wie vor sehr hoch ist, denn mit dem Erscheinen von TYPO3 CMS Version 6.2 steht fest, dass mindestens drei weitere Jahre Extbase & Fluid zum Einsatz kommen werden. Daher habe ich beschlossen, ein weiteres Buch zu diesem Thema zu schreiben.¹ ¹ In der Endphase der Arbeit an diesem Buch ist nun auch der Titel von Rau und Kurfürst in zweiter Auflage erschienen, die zwar Aktualisierungen zur Version TYPO3 CMS

20 Vorwort Meine ehemalige Agentur die typovision GmbH aus München verwendet Extbase & Fluid seit Mitte 2009 produktiv für alle Projekte, die wir seitdem veröffentlicht haben. Nicht ein einziges Mal haben wir den Entschluss bereut, wobei auch nicht verschwiegen werden darf, dass auch Extbase & Fluid Probleme mitbringen. Es gibt bekanntlich aber keine fehlerfreie Technologie, und so sind wir froh, dass wir der klassischen Extension-Programmierung schon lange Lebewohl sagen durften. Ich habe in den vergangenen drei Jahren knapp 100 Schulungen zu diesem Thema durchgeführt und ca. 10 Artikel sowie zwei Bücher (inklusive diesem) darüber geschrieben. Auf zahlreichen Events habe ich zudem versucht, Interessierte von Extbase & Fluid zu begeistern. Lange Zeit hatte ich daher den Spitznamen Extbase-Evangelist, und auch heute noch vertrete ich die Technologie mit Begeisterung. Und das alles hatte nur den einen Zweck: Möglichst viele mit dem Extbase-Virus anzustecken, denn darin liegt zweifelsfrei die Zukunft der Extension-Programmierung von TYPO3 und damit auch der Erfolg dieses außergewöhnlichen Enterprise Content Management Systems, das heute völlig zurecht zu den Marktführern in seinem Segment zählt. Danksagung Dieses Buch hatte die vielleicht schwerste Geburt aller Bücher, die ich bisher geschrieben habe. Mehrfach sind Kooperationen mit potentiellen Koautoren aus den unterschiedlichsten Gründen gescheitert, und auch LTS enthält, aber kaum neue Themen aufgenommen hat. Widget View Helper selbst erstellen, UriBuilder verwenden, Ajax und Extbase, Datei-Upload realisieren, Signal Slot Dispatcher programmieren und Backend-Module erstellen sind Aspekte, die dort nicht oder nur am Rande Erwähnung finden. So bleibt also genug Motivation für das vorliegende Buch. Lobacher TYPO3 Extbase 21

21 Vorwort die mir zum Schreiben zur Verfügung stehende Zeit war knapp wie nie. Zum Leidwesen aller Interessierten kommt das Buch darum mit mehr als einem Jahr Verzögerung auf den Markt. In Bezug auf die Projektentwicklung könnte der Veröffentlichungstermin allerdings kaum günstiger sein: TYPO3 CMS ist in der Version 6.2 LTS erschienen und beschreibt einen weiteren Meilenstein in der Geschichte von TYPO3. Das spiegelt sich auch in den System-Extensions Extbase & Fluid wider. Allein dank der Verzögerung haben Sie als Leser nun die Chance, mit diesem Buch von Anfang an dabei zu sein vielleicht ist das eine kleine Entschädigung für die lange Wartezeit. Ein großer Dank geht an alle (zukünftigen) Leser. Es erfüllt mich mit Freude, mein Wissen und meine Erfahrung in Buchform weiterzugeben, weil auch ich mein Fachwissen meist guten Büchern verdanke. Ein ganz besonderer Dank geht an meine Fachlektoren, die über 600 Anmerkungen, Fehler und Verbesserungen beigesteuert haben und nicht selten Informationen lieferten, die mir so nicht bewusst waren. Ihr habt maßgeblich zur Qualität des Buches beigetragen. Das versprochene Abendessen, eine signierte Ausgabe des Buches und mein ewiger Dank sind Euch sicher! Vielen vielen Dank an: Anja Leichsenring Nicole Cordes Matthias Schröder Stefan Frömken Stefan Völker 22

22 Vorwort Ja, und dann ist da noch ein Mensch, ohne den dieses Buch nicht einmal im Ansatz möglich gewesen wäre: Meine Frau Marina hat den vielleicht größten Anteil daran nicht technisch, aber immer unterstützend und inspirierend. Sie gibt mir die Kraft, aus einem 24-Stunden-Tag einen gefühlten 30-Stunden-Tag zu machen, um auch noch Projekte wie dieses Buch zu verwirklichen neben Familie, Freizeit, Freunden, Rocky (der beste Hund der Welt!) und Arbeit. Aber nun schreiben wir erst einmal unser Buch weiter ich liebe Dich für immer, mein Engel! Patrick Lobacher München, im April 2014 Lobacher TYPO3 Extbase 23

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24 1 25Kapitel Der moderne Weg der Extension-Programmierung Auf den ersten TYPO3 Developer Days (T3DD06) im Jahre 2006 wurde der Entschluss gefasst, das Content Management Framework TYPO3 von Grund auf neu zu schreiben,¹ da man der Meinung war, das Vorhandene sei künftigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. ¹ Lobacher TYPO3 Extbase

25 1 Der moderne Weg der Extension-Programmierung 1.1 Ein neues TYPO3 entsteht Da man gerade die Version 4.0 veröffentlicht hatte, war die Versionsnummer für das neue CMS auch schnell gefunden: TYPO3 5.0 mit dem Codenamen Phoenix in Anlehnung an den mythischen Vogel, der aus seiner eigenen Asche immer wieder neu ersteht. Für den Rewrite bildete man eigens das TYPO3 5.0 Development Team mit Robert Lemke als Vorsitzendem. Stellte man zunächst sogar die Systemfrage (z. B. mit einem Wechsel von Java zu Ruby), wurden Umstellungen dieser Dimension in der Brainstorming-Session von den damals Anwesenden unisono abgelehnt. Aber auch gegen ein lediglich umfangreiches Refactoring sprach man sich aus. Also war klar: Man wollte ein neues CMS schreiben, das einerseits auf PHP basierte, aber andererseits einige der damals als wichtig empfundenen und bereits vorhandenen Features implementierte, wie beispielsweise TypoScript oder den Seitenbaum. Klar war aber auch, dass sich das neue System neuen Herausforderungen und Technologien stellen musste, wie z. B. SOAP, REST, WCAG, LDAP, XHTML und ähnlichen. Schnell wurden die Entwicklungsziele definiert: Iterative Entwicklung statt großer Sprünge Kleine Schritte und häufiges Veröffentlichen Sauberer Code für fundamentale Schritte Unsauberer Code für einen Protoypen, um schnell zu einem Ergebnis zu kommen 26

26 1.1 Ein neues TYPO3 entsteht 100% Innovation und 0% Rückwärtskompatibilität Versuch der Extraktion der TYPO3 Seele, um diese im neuen Produkt aufleben zu lassen Codename Phoenix Architektur auf der Basis von PHP 5.0 Erstmals wurde zudem der Entschluss gefasst, die Entwicklung des neuen CMS von der TYPO3 Association² finanzieren zu lassen, indem die Kernentwickler (zuerst Robert Lemke und später auch Karsten Dambekalns) Vollzeit für die TYPO3 Association arbeiteten. Dieser im Open-Source- Umfeld eher unübliche Entschluss wurde auch damit begründet, dass man das neue Produkt möglichst schnell auf dem Markt haben wollte. Ende 2013 hat die Entwicklung von TYPO3 Phoenix (aka TYPO3 Flow / TYPO3 Neos ) knapp 1 Mio. EUR gekostet.³ Bereits kurz nach Beginn der Entwicklungsarbeit kam es allerdings zu Unsicherheiten in der Community, aber auch bei Kunden, die das System einsetzen wollten. So war nicht klar, ob es sich noch lohnt für TYPO3 4.x zu lernen oder direkt auf TYPO3 5.x zu warten oder ob die Investition in ein großes TYPO3 4.x Projekt denn überhaupt noch zukunftssicher sei. ² ³ Vgl. dazu die Financial Statements der TYPO3 Association, z. B. _D.pdf und der folgenden Jahre. Lobacher TYPO3 Extbase 27

27 1 Der moderne Weg der Extension-Programmierung 1.2 Das Berlin-Manifesto Als Antwort auf diese Zweifel erschien im Oktober 2008 das sog. Berlin- Manifesto,⁴ in dem ranghohe Mitglieder der TYPO3 Community folgende Beschlüsse fassten: TYPO3 v4 wird aktiv weiterentwickelt. Die Entwicklung von v4 wird auch nach dem Erscheinen von v5 fortgesetzt. Künftige Releases von v4 werden sich den Features von v5 annähern. TYPO3 v5 wird der Nachfolger von TYPO3 v4. Content-Migration von TYPO3 v4 zu TYPO3 v5 wird einfach möglich sein. TYPO3 v5 wird zahlreiche neue Konzepte und Ideen einführen. Man lernt nie aus, und wir werden mit angemessenen Ressourcen dazu beitragen, einen sanften Übergang sicherzustellen. ⁴ 28

28 1.3 Die Geburtsstunde von TYPO3 Flow (FLOW3) Abbildung 1.1: Die Unterzeichner des Berlin-Manifesto im Oktober 2006 Unterzeichner dieses Manifests waren: Patrick Broens, Karsten Dambekalns, Dmitry Dulepov, Andreas Förthner, Oliver Hader, Martin Herr, Christian Jul Jensen, Thorsten Kahler, Steffen Kamper, Christian Kuhn, Sebastian Kurfürst, Martin Kutschker, Robert Lemke, Tobias Liebig, Benjamin Mack, Peter Niederlag, Jochen Rau, Ingo Renner, Ingmar Schlecht, Jeff Segars, Michael Stucki, Bastian Waidelich. Mit diesen Zusagen wurden die Zweifler deutlich leiser, wobei auch jedem klar war, dass das neue System nicht in ein, zwei Jahren zu haben sein würde. Leider hatte das TYPO3 v5 Development Team aber auch nicht den Mut oder die Weitsicht, eine verlässliche Roadmap zu veröffentlichen wohl auch aus Sorge, was passieren könnte, wenn man diese nicht einhalten würde. 1.3 Die Geburtsstunde von TYPO3 Flow (FLOW3) Bald wurde deutlich, dass das CMS neuer Elemente bedurfte, die auch außerhalb eines CMS von Bedeutung sein konnten: MVC, Templating, Session-Handling und ähnliches. So reifte der Entschluss, zunächst ein Lobacher TYPO3 Extbase 29

29 1 Der moderne Weg der Extension-Programmierung Framework zu entwickeln, auf dessen Basis man das neue CMS wachsen lassen konnte. Abbildung 1.2: Die TYPO3 Flow Website Dies war die Geburtsstunde von FLOW3, das im Juni 2009 das Licht der Welt erblickte und nun (Dezember 2013) in Version vorliegt. Man hatte mehr als zwei Jahre gebraucht, um die Version in einen finalen Status zu versetzen, und schaut man sich die Feature-Liste genauer an, so merkt man, dass dieser Status eigentlich erst mit FLOW3 1.2.x bzw. vielleicht sogar FLOW3 2.0.x als final zu bezeichnen ist. Im Oktober 2012 wurde im Zuge der Umbenennung sämtlicher Marken im TYPO3-Universum FLOW3 umbenannt in TYPO3 Flow. 30

30 1.3 Die Geburtsstunde von TYPO3 Flow (FLOW3) TYPO3 Flow vereint viele moderne Software-Design-Konzepte wie beispielsweise Domain Driven Design (DDD) Model View Controller (MVC) Aspect Oriented Programming (AOP) Dependency Injection (DI) in einem ganzheitlichen Framework, das nach dem Paradigma Convention over Configuration konzipiert wurde. Dies beschleunigt die Entwicklung enorm, da bereits viele sinnvolle Annahmen getroffen wurden, um die sich der Entwickler zunächst nicht kümmern muss. Er kann sich zu jeder Zeit voll und ganz auf sein Problem und dessen Lösung konzentrieren. Grundsätzlich kann man TYPO3 Flow als Application Framework verstehen, oder sogar TYPO3 Flow Enterprise PHP Framework, wie das TYPO3 Flow Team es selbst bezeichnet. Damit ist es auch völlig unabhängig von TYPO3 CMS für Webapplikationen einsetzbar. Möglich wäre es, damit einen Webservice zu programmieren, ein CRM, einen Webshop oder eine ganz normale Website dann aber mit einem selbstgeschriebenen Content Management. Im Bereich der PHP-Frameworks mit Mitbewerbern wie Symfony, Zend Framework, Cake und viele weiteren gilt TYPO3 Flow sicher als das modernste und ausgereifteste; die Erfinder orientierten sich natürlich am Markt und integrierten von allem das Beste. Lobacher TYPO3 Extbase 31

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