IBB Wohnungsmarktbericht 2012
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- Hannah Baumgartner
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1 IBB Wohnungsmarktbericht 2012 Zusammenfassung
2 Vorwort 1 Vorwort Die Anspannung am Berliner Wohnungsmarkt hat im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Gründe dafür sind die anhaltend hohen Zuwanderungszahlen bei bislang relativ geringen Baufertigstellungen. Allerdings weist die Zahl der Baugenehmigungen inzwischen deutlich nach oben, so dass man davon ausgehen kann, dass auch die Zahl der Fertigstellungen zunehmen wird. Das ist auch dringend nötig, denn nach der aktuellen Einwohnerprognose von Dezember 2012 wird die Einwohnerzahl Berlins bis 2030 um rund auf ca anwachsen. Dieser Zuwachs entspricht in etwa der Einwohnerzahl von Städten wie Kiel oder Aachen. Seriösen Schätzungen zufolge werden zur Deckung der zusätzlichen Nachfrage in den nächsten Jahren bis neue Wohnungen jährlich benötigt. Die steigende Nachfrage auf dem Mietwohnungsmarkt lässt bei Neuvermietung Erhöhungen der Angebotspreise zu, die zu Zeiten eines entspannten Wohnungsmarktes bis vor kurzem nur schwer durchsetzbar waren. Dabei hat der Preisauftrieb der Angebotsmiete zunehmend die Gesamtstadt erreicht. Wie bereits in den Vorjahren ist zu beobachten, dass innerhalb des Stadtgebiets große Unterschiede hinsichtlich der Stärke und Dynamik der Wohnungsnachfrage sowie der Entwicklung der Angebotsmieten bestehen. Der stärkste Druck liegt auf den zentralen Stadtgebieten. Generell bleibt aber festzuhalten, dass im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten wie Hamburg oder München die aktuelle durchschnittliche Angebotsmiete in Berlin deutlich niedriger liegt. Von kräftiger Dynamik ist auch der Markt für Eigentumswohnungen geprägt. Hier sorgt nicht zuletzt die Kapitalflucht in Immobilien als vermeintlich sichere Geldanlage und die sich daraus ergebende starke Nachfrage für steigende Angebotspreise im Bestand ebenso wie im Neubau. Wie in den IBB Wohnungsmarktberichten der Vorjahre gibt es im Rahmen des Reports 2012 auch wieder ein Sonderthema. Dieses Mal bildet die 2012 veröffentlichte Sonderauswertung zum Mikrozensus 2010 den Schwerpunkt. Sie bietet die Möglichkeit, einen aktuellen Blick auf die Wohnsituation der Berliner Haushalte zu werfen und die Entwicklung im letzten Jahrzehnt zu beleuchten. Alles in allem ist der vielschichtige Berliner Markt von anhaltend hoher Dynamik geprägt. Wir laden Sie daher als Leser wieder ein, das vorliegende Material aus Ihrer individuellen Marktperspektive zu betrachten und sich mithilfe des IBB Wohnungsmarktberichtes 2012 ein eigenes Bild von der Lage am Wohnungsmarkt in der Hauptstadt zu machen. Ulrich Kissing Vorsitzender des Vorstandes der Investitionsbank Berlin
3 Berlin im Überblick 2 Berlin im Überblick Übersichtskarte Bezirksgrenze Bewohnte Gebiete Unbewohnte Gebiete Grünflächen Gewässer Grenze Planungsraum Reinickendorf Pankow Lichtenberg Spandau Mitte Marzahn- Hellersdorf Charlottenburg- Wilmersdorf Friedrichshain- Kreuzberg Steglitz- Zehlendorf Tempelhof- Schöneberg Neukölln Treptow- Köpenick Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
4 Ausgewählte Daten im Überblick 3 Ausgewählte Daten im Überblick Kennzahl Berlin Veränderung Trendpfeil 2011 gegenüber Wirtschaftliche Rahmenbedingungen Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Mrd. EUR 101,4 +2,3 % Arbeitslosenquote (bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen in %) 13,3-0,3 %-Punkte Preisindex für Verbraucherpreis (2005 = 100) 110,5 +2,4 % Baukosten pro m 2 Wohnfläche (Neubau) (EUR) ,7 % Wohnungsnachfrage Bevölkerung (am Ort der Hauptwohnung) ,2 % Zahl der Haushalte ,3 % Einwohner je Haushalt 1,75 +0,02 Anteil Einpersonenhaushalte (%) 54,1 +0,5 %-Punkte Bedarfsgemeinschaften nach SGB II je 100 Haushalte 16,1-0,6 %-Punkte Durchschn. mtl. Haushaltsnettoeinkommen in EUR (arithm. Mittel) ,0 % Wohnungsangebot Wohnungsbestand ,2 % darunter Mietwohnungen ,6 % darunter Sozialmietwohnungen (nach WoBindG) ,9 % darunter belegungsgebundene Mietwohnungen (nach BelBindG) ±0 % Fertiggestellte Wohnungen ,9 % darunter Neubau ,6 % Baugenehmigungen ,5 % darunter Neubau ,1 % Mieten und Wohnungsmarkt Belegungsdichte (Einwohner je Wohnung) 1,84 +0,02 Wohnfläche je Wohneinheit (in m 2 ) 70,7 +0,1 Wohnfläche je Einwohner (in m 2 ) 38,4-0,3 Längerfristiger Leerstand (Anteil am Gesamtbestand in %) 5,0 (2010) Binnenwanderung (umziehende Personen je 100 Einwohner) 9,1-0,1 Mietenindex Nettokaltmiete (2005 = 100) 108,8 +1,5 Index Wohnnebenkosten (2005 = 100) 108,0-0,5 Angebotsmieten (in EUR nettokalt/m 2 Wohnfläche) 7,40 +14,0 % Angebotskaufpreise (Eigentumswohnungen) (EUR/m 2 Wohnfläche) ,6 %
5 Allgemeine Situation und wichtige Trends 4 Allgemeine Situation und wichtige Trends In der 2011 einsetzenden globalen Konjunkturschwäche hat sich die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland zunächst als robust erwiesen. Das Wachstum beruhte dabei erneut ausschließlich auf Exporterfolgen. Im Laufe des Jahres 2012 wurden die Krisenfolgen jedoch auch in Deutschland spürbar. Konjunkturelle Dämpfer zeigten sich in einer rückläufigen Investitionstätigkeit. Anfang 2013 beurteilten die deutschen Unternehmen die Konjunkturaussichten wieder überwiegend positiv. Ob sich hier ein Aufwärtstrend der Konjunktur abzeichnet, ist derzeit noch offen. Der Wirtschaftsstandort Berlin ist 2012 relativ unbeschadet durch die Eurokrise gekommen. Grundsätzlich ist die Wirtschaft der deutschen Hauptstadt weniger von den krisenanfälligen Industriebranchen abhängig, als die Wirtschaftsstandorte in den südlichen Bundesländern. Der Berliner Arbeitsmarkt befindet sich momentan in der Aufbauphase, nachdem der Strukturwandel weitgehend vollzogen wurde. Die Zahl der Beschäftigten nimmt in Berlin im bundesweiten Vergleich bereits seit längerer Zeit überdurchschnittlich zu. Dennoch verringert sich die relativ hohe Sockelarbeitslosigkeit in der Stadt nur langsam, weil viele neu geschaffene Arbeitsplätze von höher qualifizierten Zuwanderern aus anderen Regionen und Pendlern aus dem Umland besetzt werden. Die relativ robuste Entwicklung im Bereich Unternehmensdienstleistungen, die steigenden Erwerbstätigenzahlen, die Lohnzuwächse und vor allem der durch die stark expandierenden Touristenströme wachsende Konsum wirken stabilisierend. Die Berliner Konjunktur entwickelt sich daher im aktuellen Umfeld stabiler als im Bundesdurchschnitt. Auch von der in Berlin nach wie vor starken Baukonjunktur nicht zuletzt durch das im Zuge der Finanzkrise wachsende Interesse an Sachwerten gehen Impulse für die hiesige Wirtschaft aus. Insbesondere im Wohnungsbau aber nicht nur dort zogen die Auftragseingänge im bisherigen Jahresverlauf 2012 weiter an und liegen nach wie vor auf dem höchsten Wert seit Mit einem Ordervolumen von insgesamt 1,52 Mrd. EUR wiesen die Auftragsbücher der Berliner Baufirmen im Zeitraum Januar bis September 2012 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ein Plus von 107,0 Mio. EUR (+7,6 %) aus. In den ersten neun Monaten 2012 wurde bereits ein Umsatz von insgesamt 1,96 Mrd. EUR erwirtschaftet, immerhin 6,9 % mehr als im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres, so dass auch in den nächsten Monaten noch erhebliche Impulse auf die Bautätigkeit in Berlin ausgehen werden. Die Kehrseite der wirtschaftlichen Erholung Berlins ist die Anspannung des Wohnungsmarktes. Steigende Zuwanderungszahlen, insbesondere aus dem Ausland, tragen dazu bei. Nach der aktuellen Einwohnerprognose vom Dezember 2012 wird die Einwohnerzahl Berlins bis 2030 um rund (ca. 7 %) auf ca anwachsen. Dieser Zuwachs entspricht in etwa der Einwohnerzahl eines Berliner Bezirks bzw. Großstädten wie Kiel oder Aachen. Damit wird auch die Wohnungsnachfrage weiter erheblich steigen. Markt für Ein- und Zweifamilienhäuser Während die Dynamik der Preisentwicklung für Eigentumswohnungen und der Anstieg der Angebotsmieten in den letzten drei Jahren stark zunahmen, erhöhten sich die Angebotspreise für Ein- und Zweifamilienhäuser nur leicht. Der Markt für Ein- und Zweifamilienhäuser in Berlin unterliegt einem stärkeren Wettbewerbsdruck aus dem Umland und steht nicht im Fokus von Kapitalanlegern, so dass deutliche Preiserhöhungen nur in ausgesuchten Lagen möglich waren. Markt für Eigentumswohnungen Eigentumswohnungen werden derzeit in erster Linie im Stadtzentrum und in traditionell guten Wohnlagen angeboten. Die Kapitalflucht in Immobilien, als vermeintlich sichere Geldanlage, und die daraus folgende starke Nachfrage führt zu steigenden Angebotspreisen im Bestand wie im Neubau. Die Angebote konzentrieren sich zudem stärker auf Neubauobjekte und das Luxussegment, was das Preisniveau entsprechend beeinflusst. Mietwohnungsmarkt Die steigende Nachfrage auf dem Mietwohnungsmarkt lässt bei Neuvermietung Erhöhungen der Angebotspreise zu, die zu Zeiten eines entspannten Wohnungsmarktes nicht durchsetzbar waren. Festzustellen ist, dass der Preisauftrieb der Angebotsmiete zunehmend die gesamte Stadt erreicht hat. Die durchschnittliche Angebotsmiete (Median) stieg innerhalb eines Jahres um gut 14 % von 6,49 EUR/m 2 auf 7,40 EUR/m 2. Innerhalb des Stadtgebiets bestehen jedoch weiterhin große Unterschiede hinsichtlich der Stärke und Dynamik der Wohnungsnachfrage und der Entwicklung der Angebotsmieten. Der stärkste Druck liegt auf den zentralen Stadtgebieten. Hier sind erhebliche Steigerungen der Angebotsmieten und Kaufpreise nun auch in Bereichen festzustellen, die bislang im Windschatten der Entwicklung lagen. Im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten wie Hamburg oder München liegt die aktuelle durchschnittliche Angebotsmiete von 7,40 EUR/m 2 (netto/kalt) deutlich niedriger, ebenso wie die verfügbaren Haushaltseinkommen.
6 Allgemeine Situation und wichtige Trends 5 Die Wohnungswirtschaft und Investoren reagieren auf die Verknappung des Wohnungsangebots erst mit einiger Verzögerung. Da entsprechende Planungen einen zeitlichen Vorlauf von mindestens zwei Jahren benötigen, ist eine Trendumkehr bei den Baufertigstellungen des Jahres 2011 noch nicht ablesbar wohl aber bei den Baugenehmigungen wurden Baugenehmigungen für rund Neubauwohnungen erteilt, rund 30 % mehr als im Vorjahr. Zur Deckung der zusätzlichen Nachfrage werden in Berlin in den nächsten Jahren jährlich jedoch bis Wohnungen benötigt. Nachdem der Trend an belastbaren Zahlen, wie steigenden Mieten und Einwohnerzahlen, erkennbar ist, werden wieder Neubauwohnungen für eine breitere Nachfragerschicht projektiert. Kommunale Wohnungsunternehmen engagieren sich wieder verstärkt im Wohnungsneubau, die öffentliche Hand stellt Flächen und Mittel zur Verfügung, um den Bau von Wohnungen zu befördern. Die Politik reagiert auf die Verknappung des Wohnungsangebots mit einer Vielzahl von Maßnahmen. Zu den wichtigsten gehört das Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten. Im September 2012 vereinbarte das Land Berlin mit seinen kommunalen Wohnungsunternehmen, bis 2016 den kommunalen Wohnungsbestand von derzeit Wohnungen auf Wohnungen durch Zukauf und Neubau zu erweitern, den Wohnungsbestand bedarfsgerecht anzupassen und den Mietanstieg in den kommunalen Beständen zu begrenzen. Darüber hinaus haben sich die städtischen Wohnungsunternehmen verpflichtet, 50 % innerhalb und 33 % außerhalb des S-Bahn-Rings der zur Wiedervermietung anstehenden Wohnungen an Haushalte zu vermieten, die die Berliner Einkommensgrenzen für einen Wohnberechtigungsschein einhalten. Damit wird das Versorgungspotenzial für einkommensschwächere Haushalte bei den städtischen Wohnungsunternehmen deutlich erhöht. Schwerpunktthema Mikrozensus-Zusatzerhebung zur Wohnsituation In jedem IBB Wohnungsmarktbericht wird ein aktuelles Schwerpunktthema näher beleuchtet. Die 2012 veröffentlichte Sonderauswertung zum Mikrozensus 2010 bietet die Möglichkeit, einen aktuellen Blick auf die Wohnsituation der Berliner Haushalte zu werfen und die Entwicklung im letzten Jahrzehnt zu beleuchten. Der Mikrozensus ist eine amtliche Erhebung und die größte Haushaltsbefragung Deutschlands. Jährlich werden ein Prozent aller Haushalte zu ihrer Lebenssituation befragt und alle vier Jahre zu ihrer Wohnsituation. In Berlin entspricht diese Stichprobe rund Haushalten. Vor dem Hintergrund des sich verengenden Wohnungsmarktes liegt der Schwerpunkt der Darstellung in diesem Bericht auf dem Thema Mieten und Mietbelastungen der Berliner Haushalte. Die im Rahmen der Mikrozensus-Zusatzerhebung ermittelten Mietwerte haben den Vorteil, dass sie das ganze Spektrum des Mietwohnungsmarktes umfassen, anders als die Angebotsmieten, die sich nur auf gerade zur Vermietung stehende Wohnungen beziehen oder die Mietspiegelmieten, die nur die Mieten berücksichtigen, die innerhalb der letzten vier Jahre vor der Erhebung vereinbart wurden. Damit ein Vergleich mit den anderen Mietdaten im Bericht (Mietspiegel- und Angebotsmieten) möglich ist, wurde durch das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt für diesen Bericht eine Sonderauswertung der Mikrozensusdaten auf Basis der Nettokaltmiete durchgeführt. Im Durchschnitt lag die Nettokaltmiete bei 5,23 EUR/m 2 und damit deutlich unterhalb der Angebotsmieten. Im Zeitraum von 2002 bis 2010 war der Anstieg der Bestandsmieten in Berlin insgesamt eher moderat. Die Nettokaltmieten stiegen durchschnittlich um ca. 22 %, das sind knapp 3 % pro Jahr. Zwischen den Bezirken bestehen jedoch große Unterschiede. So weist Pankow mit 29 % seit 2002 die höchste Steigerungsrate auf. In Spandau hingegen stiegen die Mieten seit 2002 nur um 16 %. Auch wenn sich die Nettokaltmieten insgesamt nur moderat erhöhten, stieg jedoch die Mietbelastung der Haushalte an. Die Mietbelastung ergibt sich aus dem Anteil der Nettokaltmiete (ohne Heiz- und Betriebskosten) am Nettoeinkommen der Haushalte betrug die durchschnittliche Mietbelastung der Berliner Haushalte ca. 20 % des Haushaltsnettoeinkommens. Bis 2010 erhöhte sich der Anteil auf rund 23 %. Offenkundig war der Anstieg der durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen in diesem Zeitraum nicht ausreichend, um die gestiegene Mietbelastung zu kompensieren. Insbesondere Haushalte mit Erwerbslosen als Haushaltsbezugsperson müssen heute einen wesentlich größeren Anteil ihres Einkommens für die Miete aufwenden, als noch Diese Haushalte geben im Durchschnitt 31 % ihres Nettoeinkommens für die Nettokaltmiete aus. Dafür sind neben den gestiegenen Mieten vor allem die Änderungen im Sozialsystem mit Einführung der Hartz-IV-Gesetze im Jahr 2005 ursächlich.
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