Landwirtschaft von heute & morgen -
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- Hede Steinmann
- vor 9 Jahren
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1 Landwirtschaft von heute & morgen - Klima-Killer oder Klima-Retter? Warum konventioneller Landbau nicht nachhaltig ist und naturnaher Landbau künftig vorherrschen wird! Vortrag im Rahmen des 10. Regionalen Klimagipfels Trier am in der Volkshochschule Trier Prof. em. Dr. E. Schrimpff FH Weihenstephan Arbeitsgemeinschaft Bayer. Solar-Initiativen E.F.-Schumacher-Gesellschaft für politische Ökologie e.v.
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4 Flächenbezogener Energieaufwand in der Landwirtschaft (Gesamtbetriebliche Betrachtung nach HAAS & KÖPKE (1994:20) u. HEIM & KEMMNER (2003:44)) Konventionell w. Ökologisch w. Naturnah w. H.E.-Betriebe H.E.-Betriebe H.E.-Betrieb Energieaufwand: 5,14 1,58 0,72 MWh/ha u.j Mineraldünger-Eins.: % (bzw. Gesteinsmehl) Biozid-Einsatz: % Treibstoffe: % Futtermittel: % Saatgut: % Trocknung: % Summen: %
5 Strategien zur CO 2 -Emissionsminderung in Betrieben und zur C-Speicherung in Ackerböden Energieeinsparung durch Energieberatung und Erhöhung der betrieblichen Energie- Effizienz (z.b. reduzierte Bodenbearbeitung & Düngereinsatz), Verwendung erneuerbarer statt fossiler Energien durch Einkauf von Biotreibstoffen, Biobrennstoffen, Ökostrom Erzeugung erneuerbarer Energien auf den Höfen durch Solar-,Wind- und Bioenergien (Eigenbedarf & Vermarktung) C-Speicherung in den Böden durch Aktivierung des Bodenlebens, tiefgründige Durchwurzelung des Bodenraums, gezieltem Humusaufbau und Terra-preta-System
6 Natürlicher C-Kreislauf nach Janzen (2004)
7 Ackerböden als C-Quelle heute
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9 Elemente des konventionellen Landbaus Paradigma: Boden = physiko-chemisches Substrat Bodenbearbeitung - mehr oder weniger intensiv: Lockerung des Bodens ist zwingend erforderlich! Mineraldünger-Einsatz hat Vorrang: N, P, K, Ca, Mg & Spurenelemente werden genau dosiert verabreicht! Biozid-Einsatz: (Herbizide, Insektizide, Fungizide, Akarizide u.a.) Unkräuter und Schädlinge sind unsere Feinde, sie müssen bekämpft werden, sie mindern den Ertrag! Monokulturen: Nur Einartensysteme sind berechenbar und beherrschbar! Trend zur Gentechnik: angeblich höhere Erträge & geringere Anfälligkeit der Kulturpflanzen gegen Krankheiten und Schädlinge!
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11 Elemente des naturnahen Landbaus Paradigma: Boden = komplexer und hochproduktiver biologischer Lebensraum Minimal- bis Nullbodenbearbeitung: Schonung der natürlichen Bodenstruktur und der Bodenorganismen Keine Biozide Mitgeschöpfe sind unsere Freunde und Helfer! deshalb: Förderung der produktiven Lebensgemeinschaften durch Organ. Dünger bzw. Flächenkompostierung Tiefe und intensive Durchwurzelung des Bodens Mischfruchtanbau & Agroforstwirtschaft Terra preta: Weitere Steigerung der Bodenfruchtbarkeit!
12 Nullbodenbearbeitung Im wahrsten Sinne des Wortes null Bodenbearbeitung, nicht einmal vor dem Säen! Der Boden wird lediglich leicht angeritzt, um den Samen einzubringen. Die ständige Pflanzen- oder Strohdecke schützt den Boden vor Austrocknung und Erosion. Lichtkeimende Unkräuter haben keine Chance. Alle Bodenlebewesen führen ein ungestörtes Dasein! Einziges Anfangsproblem: Wurzelunkräuter
13 Nullbodenbearbeitung in Brasilien
14 Nullbodenbearbeitung Direktsaat in Deutschland
15 Flächenkompostierung
16 Der Tauwurm - einer unserer nützlichsten Bodentiere...
17 ... baut Regenwurmröhren bis 1,2 m Tiefe
18 ... und Strohsterne
19 ... und legt wertvollen Kot an der Bodenoberfläche ab
20 Zahl der Regenwürmer pro m 2 Boden in konventionell bewirtschafteten Äckern: ~15 nach 20 Jahren Biolandbau (Sepp Braun): >300 vom natürlichen Potenzial her: bis 600
21 600 Regenwürmer je m 2 : wandeln bis zu 8 t /ha Ernterückstände von Herbst bis Frühjahr in Wurmhumus um (aber nur von der Bodenoberfläche!) 8 t Wurmhumus = 280 kg N/ha u Jahr! 600 RW graben m Wurmröhren mit einem Volumen von 42 Litern je m 2 Boden kann 150 Liter Wasser je m 2 in 1 Stunde aufnehmen! RW sind aktiv von Sept.- Juli =10 Monate Sommerschlaf: Anfang Juli - Ende August
22 Durchwurzelung des Bodens
23
24 Eingeschränktes Weizen-Wurzelsystem
25 Voll ausgebildetes Weizen-Wurzelsystem
26 Kulturpflanzen des Ackerbaus Quelle: Kutschera Wurzelatlas
27 Klee-Gras-Kräuter-Mischung Quelle: Kutschera Wurzelatlas
28 Folgerung: Die Landwirtschaft würde nachhaltiger werden, wenn die wichtigsten Kulturpflanzen mehrjährig wachsen und tiefgründige Wurzelsysteme ausbilden könnten. aus: GLOVER, COX & REGANOLD (2007): Ackerbau der Zukunft - zurück zu den Wurzeln Spektrum der Wissenschaft, Dez. 2007, S. 89
29 Mischfruchtanbau und Agroforstwirtschaft
30 Monokulturen
31 Mischkultur Gerste & Leindotter
32 Mischkultur Weizen & Leindotter
33 Mischkultur Erbsen & Leindotter
34 Agroforst-Systeme in Spanien, Großbritanien, Frankreich und Italien
35 Agro-Forstwirtschaft in England
36 Klimaproblem kann nur durch zwei Strategien gelöst werden: 1. Stopp der Klimagas-Emissionen (Reduktion der Emissionen reicht nicht!) Nullemissions-Technologien (z.b. Elektromobilität) Schluss mit der Nutzung fossiler und atomarer Energien und fossiler Chemie Keine mechanische Bearbeitung von Böden (CO 2 ) Beendigung des Naßreis-Anbaus (CH 4 ) Verringerung des Rindfleischkonsums (CH 4 )
37 Klimaproblem kann nur durch zwei Strategien gelöst werden: 2. Herausholen des Kohlenstoffes aus der Atmosphäre durch... Großflächige Aufforstungen bzw. natürl. Sukkzession Humusaufbau in den Böden (naturnaher Landbau) Tiefwurzelnder Mischfruchtanbau & Agroforst-Systeme Hydrothermale Karbonisierung & Terra preta
38 Terra preta
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40 Aus dem Reisebericht von 1879 von Herbert H. Smith Brasilien: Amazonien und die Küste (S. 144): Wogendes Zuckerrohrfeld mitten im Urwald: Die Stengel sind 10 Fuß (~ 3 m) hoch und von der Dicke eines Handgelenks. Das ist die fruchtbare Terra Preta, schwarzes Land, das Beste am Amazonas!
41 Tropische Böden im Amazonas-Becken
42
43 Lage der Terra preta-böden
44 Tongefäße der Indiokultur im Amazonas-Becken
45 Tongefäße mit Löchern von Litern Fassungsvermögen
46 Terra preta-profil mit 4 Kulturschichten
47 Terra preta de Indio Jahre alt Flächen von 0,1 350 ha, mosaikartig In ca. 10 % von Amazonien zu finden Dort um 1500 noch > Menschen, heute nur ca Einwohner! Weitere Verbreitung: Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Südafrika! Zusammensetzung: Holzkohle, Asche, Knochen, Fischgräten, menschl. Exkremente, Tonscherben, Humus
48 Terra preta in Brasilien
49 Struktur der Pyrolysekohle
50 Qualität der Terra preta-böden Hohes Wasser-Speicher-Vermögen Hohes Nährstoff-Rückhalte-Vermögen Hohe biologische Aktivität Hohe nachhaltige Fruchtbarkeit Langfristig effektive Kohlenstoff-Senke
51 Höchste Erträge der Terra preta-böden
52 Anwendung des Terra preta-prinzips
53 Herstellung von Terra preta in Deutschland
54 Erste Versuche und Ergebnisse
55 Terra preta in Gartenböden Deutschlands
56
57 Weltweites Potenzial der Biokohle als C-Senke (nach Jim Amonette, US-Energie-Ministerium) 1,5 Billionen Hektar landwirtschaftliche Flächen 0,5 Billionen Tonnen Biokohle aus Agrar- & Forst- Rückständen könnten theoretisch hergestellt werden. Damit könnten: 1,2 Giga-Tonnen Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden gebunden werden. Das entspricht etwa der Menge, die Europa derzeit jährlich in die Atmosphäre abgibt!
58 Warum werden heute immer noch mehr als 90% aller Ackerflächen konventionell bewirtschaftet? mit Bodenbearbeitung mit Mineraldüngern mit Bioziden mit Monokulturen mit hohen CO 2 -, Methan- und Lachgas-Emissionen also: Landwirtschaft als Klima-Killer? Antwort: Die Mineralöl-Industrie hat immer noch das Sagen!
59 Die Folge: Boden-Degradation weltweit!
60 Lösung: Effektiver Klimaschutz durch flächendeckenden naturnahen Landbau morgen: Nullbodenbearbeitung Kein Biozid-Einsatz Dauerbegrünung der Felder Flächenkompostierung (Regenwurm-Dung) Terra-preta-Prinzip (C-Bindung in Biokohle und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit) Mischfruchtanbau & Agroforstwirtschaft also: Landwirtschaft als Klima-Retter!
61 Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
62 Wasser auf der Welt ein knappes Gut?
63 Nein! Meerwasser-Entsalzung durch PV wird kommen!
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