Cyberstalking und Cybercrime

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1 Cyberstalking und Cybercrime

2 Edith Huber Cyberstalking und Cybercrime Kriminalsoziologische Untersuchung zum Cyberstalking-Verhalten der Österreicher

3 Edith Huber Wien, Österreich Voestalpine Linz, Österreich Dissertation, Universität Wien, 2012 Bernhard Schmidt Langenhagen, Deutschland Gedruckt mit freundlicher Unterstützung der FFG KIRAS. ISBN DOI / ISBN (ebook) Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über abrufbar. Springer VS Springer Fachmedien Wiesbaden 2013 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften. Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier Springer VS ist eine Marke von Springer DE. Springer DE ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media

4 Danksagung Für Helmut, Erika, Josef, Hannelore, Erhard, Michi und Joachim. Zu allererst möchte ich mich bei meinen wissenschaftlichen Fachbetreuern herzlich bedanken. An erster Stelle sei hier mein Doktorvater OR Univ. Prof. Dr. Wolfgang Duchkowitsch erwähnt, der mich all die Jahre durch seine Leidenschaft für das Fach Publizistik- und Kommunikationswissenschaft begeistert hat. Weiteren Dank auch meinem Zweitbegutachter ao. Univ. Prof. Ing. Mag. Dr. phil Mag. Dr. rer.soc.oec. Roman Brandtweiner, MSc., dessen stetiger Motivation ich zu verdanken habe, dass ich diese Arbeit zügig weiter verfolgte. Weiters möchte ich mich natürlich bei meiner Familie und bei all meinen Freunden herzlich für die Unterstützung bedanken. Eine Doktorarbeit nimmt jahrelang einen Teil der Zeit eines Menschen ein. Ressourcen, die oft woanders fehlten. Danke Euch allen, dass Ihr mit mir diesen langen Weg gegangen seid. Besondern Dank möchte ich an dieser Stelle auch noch Mag. Karin Gollowitsch für die Unterstützung aussprechen. Last but not least möchte ich mich bei Dr. Esther Kammerer bedanken. Du warst für diese Arbeit die Inspiration. Ohne Dich wäre das niemals zustande gekommen. Wien, Oktober 2012, Dr. Edith Huber

5 Vorwort 7 Vorwort Stalking bedeutet laut präventivpolizeilicher Definition in Deutschland das beabsichtigte und wiederholte Verfolgen und Belästigen eines Menschen, so dass dessen Sicherheit bedroht und er in seiner Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt wird. Cyberstalking meint dies unter Anwendung und Zuhilfenahme von neuen technischen Hilfsmitteln wie Handy oder Internet und kann somit als Segment des weiten wissenschaftlichen Betrachtungsfeldes Medien und Gewalt verstanden werden. Die Thematik Gewalt und Medien ist nicht neu. Es beschäftigt bereits seit mehreren Jahrzehnten die universitäre Forschung, im Zentrum: Fernsehen und Gewalt. Vor rund 30 Jahren schätzte der deutsche Kommunikationswissenschaftler Michael Kunczik, dass die Zahl einschlägiger Untersuchungen auf fast angewachsen war. Die in diesem Kontext oft diskutierte Bandbreite an Theorien (wie auch Befunden) war groß. Sie reichte bis zur Theorie der Wirkungslosigkeit. Gewalt im Fernsehen, das vor allem mit maskuliner Dominanz verbunden ist, Handlungsmodelle entwirft und anbietet, die vorzeigen, wie mithilfe illegaler Mittel als legitim anerkannte Ziele (Macht, Prestige, Gerechtigkeit) erreicht werden können, war und ist weiterhin ein Offert im Unterhaltungsprogramm diverser TV-Anstalten. Die Zuschauerinnen und Zuschauer von Gewalt verharren nicht in Passivität, wie einst oft angenommen wurde, sondern denken und handeln als aktive Personen, können aber per se nicht als Akteure auftreten, von Sonderformen abgesehen. Mit der rapid sich ausfaltenden Telekommunikationsentwicklung, dem rasant expandierenden Kommunikationspotenzial, das Internet gewährt, erwuchsen dem Thema Medien und Gewalt auch (!) neue Dimensionen. Neue Produkte der Telekommunikationsentwicklung ermöglichte es ihren Nutzerinnen und Nutzern, beim Stalken nicht bloß auf frühere verwendete Mittel (Briefe, Telefon) angewiesen zu sein, sondern Stalken mithilfe neuer Kanäle auszuüben, Cyberstalking zu betreiben. Was nun in Buchform vorliegt, ist das Ergebnis einer groß angelegten Forschungsarbeit, für die in Österreich sich wohl keine andere Person besser geeignet hätte als Edith Huber, promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Expertin für Sicherheitsfragen, 2009 ausgezeichnet mit der Staatsauszeichnung für Sicherheitsforschung. Sie stellte sich vor allen den Fragen, wer mithilfe wel-

6 8 Vorwort cher elektronischer Medien in Österreich Cyberstalking betreibt, wird die Opfer sind, wie sie mit ihrer Belästigung oder Bedrohung umgehen, und wer solche Taten begeht. Zudem wollte sie wissen, auf welche Weise große wie auch mittelgroße Unternehmungen zu Opfern von Cyberstalking werden und wer dahinter steht. Da sie als Basis für eine solche erstmals in Österreich durchgeführte Studie eine repräsentative, Österreich weite Fragebogenerhebung heranzog, verdienen die Ergebnisse hohe Beachtung. Das Unterfangen, Beziehungen zwischen der Bedeutungserweiterung eines zentral gewordenen Elements der quartären Medienproduktion wie auch rezeption einerseits und andererseits gesellschaftlichen Veränderungsprozessen in der oftmals schon unter diversen Aspekten und Perspektiven beleuchteten Informationsgesellschaft zu ergründen, fußt auf hochgradiger Motivation und wissenschaftlicher Sensibilität der Autorin. Zu wünschen ist, nein: ersehnt wird, dass die vorliegende Arbeit fortgesetzt wird, wenn möglich als Langzeitforschung angelegt wird, die als Beweggrund mit hinzunimmt, mithilfe qualitativer Verfahren in Tiefensphären des Cyberstalkings einzutauchen und vorzustoßen. So etwa, um zu ergründen und begründen zu können, weshalb Personen in Kleinstädten weniger häufig als in Großstädten gestalkt werden, weshalb Personen aus bildungsfernem Milieu häufiger als solche aus bildungsnahem Milieu (vielleicht kannst Du das noch besser an die Ergebnisse der Studie anpassen als ich) gestalkt werden oder weshalb die Täterschaft (hm: besseres Wort, bitte!) überhaupt keine maskuline Dominanz aufweist. Wolfgang Duchkowitsch

7 Inhaltsverzeichnis 9 Inhaltsverzeichnis 1 2 Vorbemerkungen Stand der Forschung Erkenntnisgegenstand Die Gesellschaft und ihr Wandel Ein Exkurs Theorien des endogenen sozialen Wandels Von der klassischen Evolutionstheorie zu neoevolutionären Theorien Theorien des exogenen sozialen Wandels Die Moderne Bezeichnung des Erkenntnisobjektes Kommunikation und Information Kommunikationsmodelle Kommunikation Information Kommunikation, die als Prozess verstanden wird Vom Informationsbegriff zur Informationsgesellschaft. 49

8 10 Inhaltsverzeichnis Soziokulturelle Ansätze McLuhan, Toffler und Münch Reflexion des erkenntnisleitenden Interesses Cyberstalking ein Phänomen der Informationsgesellschaft Forschungsproblematik Eine sozialwissenschaftliche Perspektive auf die Entwicklung des Telekommunikationstechnologien Die Hauptforschungsfragen Klassifizierung von Tätern und Opfern Macht und Nutzung von Telekommunikationstechnologie Methodik Quantitative Online-Befragung Qualitative ExpertInnen - Befragung Qualitative Textanalyse Grundlagen des Cyberstalking Definition und rechtliche Grundlage Rechtliche Grundlagen aus internationaler Sicht Die rechtlichen Grundlagen aus nationaler Sicht... 71

9 Inhaltsverzeichnis Formen des Cyberstalking Methoden des Cyberstalking Das österreichische Cyberstalking-Verhalten Ausgangssituation Demografie Auswertung der Untersuchungsdimensionen Untersuchungsdimension: Online-Mediennutzung Untersuchungsdimension: Computerkompetenz Untersuchungsdimension: Nutzung von Mobiltelefonen Cyberstalking-Verhalten Klärung der Begrifflichkeiten für die Befragung: Drohung im juristischen Sinne Gefühlte Bedrohungen und Belästigungen durch die erste Kontaktaufnahme TäterInnen-Typologien Beziehungsaspekt Ausbreitung von Stalking und Cyberstalking soziodemografische Aspekte-Genderthematik Die Dauer von Stalking/Cyberstalking

10 12 Inhaltsverzeichnis 4.5 Wer sind die Opfer? Welche Auswirkungen hat Stalking/Cyberstalking auf die Opfer? Maßnahmen gegen Cyberstalking Exkurs: Juristische Möglichkeiten in Österreich Ergebnisse der ExpertInnen-Befragung Zusammenfassende Analyse über das Cyberstalking- Verhalten in Österreich Die begriffliche Auseinandersetzung TäterInnenprofile die typischen CyberstalkerInnen Opferprofile Subforschungsfragen Folgen der Telekommunikationsentwicklung Die technologische Entwicklung der virtuellen Gesellschaft Multimedia die Stufe nach der Industrialisierung Die globale Vernetzung und ihre Auswirkungen auf die Virtual Reality Die öffentliche Gesellschaft Die Sozialstruktur im Wandel

11 Inhaltsverzeichnis Die Veränderung des Kulturguts Rollenklischees Veränderungen des Geschlechterverhältnisses Strukturelle Benachteiligung von Frauen bei den Fähigkeiten der Bedienung von Informations- und Kommunikationstechnologien Qualifizierungserfordernisse in Österreich Der öffentliche Raum und die virtuelle Darstellung des Geschlechts Die neue Verwendung digitaler Telekommunikations- und Informationstechnologien Die Rolle der -Kommunikation Die Rolle der SMS-Kommunikation Die Rolle der Chat-Kommunikation Gruppendynamische Prozesse im Web 2.0 und die Dynamik sozialer Netzwerke Psychosoziale Aspekte der digitalen Kommunikation bzw., wie entscheiden sich Personen für ihr Cyberstalking-Methoden? Exkurs: Die Ökonomie in der Informationsgesellschaft

12 14 Inhaltsverzeichnis Produktionstypen der Informationsgesellschaft Qualifikationsprofil am Arbeitsmarkt Ethik im Cyberspace Begünstigung des Stalkens durch Technologie Technische Voraussetzungen Soziale Faktoren Macht Eine politikwissenschaftliche Annäherung Machtmissbrauch auf der Individualebene Aspekte der Kriminalpsychologie und -soziologie Variablen für abnormes bzw. kriminelles Verhalten Moralentwicklung Der soziale Wandel der Gesellschaft Ausgangslage Exkurs: Das Dilemma der Theoriebildung in der Sozialwissenschaft Die exogenen Theorien des sozialen Wandels Kurzzusammenfassung: Theoretische Ausgangslage Analyse der exogenen Theorien Die endogenen Theorien des sozialen Wandels

13 Inhaltsverzeichnis Kurzzusammenfassung: Theoretische Ausgangslage Analyse der endogenen Theorien Die klassische Evolutionstheorie Die neoevolutionären Theorien Exkurs: Die Moderne, Postmoderne oder Post- Postmoderne? Die moderne Gesellschaftsform Die ersten wissenschaftlichen Befunde Die Frankfurter Schule Die Ansätze von Jürgen Habermas Die Risikogesellschaft von Ulrich Beck Soziokulturelle Ansätze der Informationsgesellschaft Kurzzusammenfassung: Theoretische Ausgangslage Analyse der soziokulturellen Ansätze der Informationsgesellschaft Zusammenfassende Analyse Wie stellt sich der Prozess des Wandels dar? Methodenkritik Technologische Entwicklung Gesellschaftliche Veränderungen

14 16 Inhaltsverzeichnis Kommunikation Cyberstalking Eine neue Form der Gewalt? Telekommunikationstechnologien als Mittel zum Machtmissbrauch Fazit Literaturverzeichnis Quellen URL-Liste Tageszeitungen

15 Abbildungsverzeichnis 17 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Ursachen des Wandels Abbildung 2: Synopsis analytischer Wortmodelle zur Kommunikation Abbildung 3: Kategorisierung der Forschungsdimensionen Abbildung 4: Systematische Darstellung von Cyberstalking Abbildung 5: Anzeigen in Österreich aus dem Bereich Stalking nach 107a StGB Abbildung 6: Internetnutzung der ÖsterreicherInnen repräsentativ Abbildung 7: InternetnutzerInnen von 2002 bis 2009 in Österreich. Quelle: STATISTIK AUSTRIA Abbildung 8: InternetnutzerInnen von 2005 bis 2009 in Deutschland Abbildung 9: Wozu verwenden Sie täglich das Internet? Abbildung 10: Wozu verwenden Sie das Internet? Abbildung 11: Computerkompetenz: Welche der folgenden Aussagen treffen auf Sie zu? Abbildung 12: ComputernutzerInnen 2010 nach Geschlecht und Alter in österreichischen Haushalten Abbildung 13: Haushalte mit Computer 2010 nach Bundesländer Abbildung 14: Haushalte mit Desktop-PC, tragbarem Computer und internetfähigem Mobiltelefon als Gerät für die Internetnutzung 2005 bis Abbildung 15: Beispiel für einen Stalking-Fall Abbildung 16: Nutzung von Mobiltelefonen in Österreich I Abbildung 17: Nutzung von Mobiltelefonen in Österreich II Abbildung 18: Mobilfunkpenetration in Österreich laut RTR... 96

16 18 Abbildungsverzeichnis Abbildung 19: Stalking Kontaktaufnahmen nach Hoffmann (2006) Abbildung 20: Summary of Behaviors Associated with Cyberstalking Abbildung 21: Wurden oder werden Sie beharrlich, eine längere Zeit über, fortgesetzt, in der Lebensführung beeinträchtigt durch belästigt und/oder bedroht Abbildung 22: Wissen Sie, durch wen Sie belästigt/bedroht wurden? Abbildung 23: Stalking-TäterInnen-Typologien Abbildung 24: Klassifizierung nach TäterInnen Abbildung 25: TäterInnen-Profil Abbildung 26: Wissen Sie, wie alt die Person ist bzw. war? Abbildung 27: Median in Altersklassen der Cyberstalking-TäterInnen Abbildung 28: Dauer von Stalking in Deutschland Abbildung 29: Gegenüberstellung Cyberstalking-Opfer aus Amerika, 2005 bis Abbildung 30: Wurden oder werden Sie beharrlich, eine längere Zeit über, fortgesetzt, in der Lebensführung beeinträchtigt durch geschlechterspezifisch Abbildung 31: Haben Sie sich gegen die Bedrohung/Belästigung durch... gewehrt bzw. wehren Sie sich? Abbildung 32: Planen Sie sich zu wehren? Abbildung 33: Harte und weiche Stalking- /Cyberstalking-Methoden Abbildung 34: Median Cyberstalking-TäterInnen in den Altersklassen Abbildung 35: Frauenanteil bei den Cyberstalking-Opfern Abbildung 36: Zusammenfassung Abbildung 37: Alter und Familienstand der Cyberstalking-Opfer

17 Abbildungsverzeichnis 19 Abbildung 37: Entwicklung der Rechenmaschine Abbildung 38: Mensch-Maschine-Schnittstelle Abbildung 39: Facebook-Profil der Österreichischen Volkspartei Abbildung 40: Die zwei Dimensionen des Internets Abbildung 41: Beziehungstypen Abbildung 42: Hauptmerkmale einer sozialen Gruppe Abbildung 43: Gruppentypen Abbildung 44: ÖsterreicherInnen, die innerhalb der letzten 12 Monate online eingekauft haben Abbildung 45: Arbeitslosenzahlen in Österreich seit Abbildung 46: Erwerbspersonen nach Geschlecht und wirtschaftlicher Zugehörigkeit Abbildung 47: Der Umbruch des Wertschöpfungssystems Abbildung 48:Leistungs- und Strukturstatistik Abbildung 49: Entwicklung der Erwerbsstruktur Abbildung 50: Historischer Überblick über die Verhaltenskodizes für digitale Medien Abbildung 51: Technological and Social Aspects of the Internet That May Enable or Encourage Deviant Behavior Such as Cyberstalking Abbildung 52: Untersuchungsdimensionen Abbildung 53: Kategorisierung der stadialen Wellentheorie von Toffler Abbildung 54: Cyberstalking-TäterInnen und Opferprofile der ÖsterreicherInnen

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