Tätigkeitsbericht 2012



Ähnliche Dokumente
Fragen und Antworten zur Begutachtung von Behandlungsfehlern durch den MDK

Statistische Erhebung der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für das Statistikjahr 2007

Pro Jahr werden rund 38 Millionen Patienten ambulant und stationär in unseren Krankenhäusern behandelt, statistisch also fast jeder zweite Deutsche.

Professionelle Seminare im Bereich MS-Office

Kurzgutachten zum Verfahren vor der Gutachterstelle der Landesärztekammer Sachsen. Rechtsanwältin Andrea Schmid

von Dr. med. Wolfgang Rechl, Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK)

Verordnung über Diplome, Ausbildung, Weiterbildung und Berufsausübung in den universitären Medizinalberufen

Was ist Sozial-Raum-Orientierung?

Wir machen neue Politik für Baden-Württemberg


Was meinen die Leute eigentlich mit: Grexit?

Stellen Sie bitte den Cursor in die Spalte B2 und rufen die Funktion Sverweis auf. Es öffnet sich folgendes Dialogfenster

Erfahrungen mit Hartz IV- Empfängern

Gesellschaft für Qualifizierte Schmerztherapie Certkom e.v. Gründungsgesellschaften: Deutsche Schmerzgesellschaft e.

Lineargleichungssysteme: Additions-/ Subtraktionsverfahren

Anwendungsbeispiele Buchhaltung

Gründe für fehlende Vorsorgemaßnahmen gegen Krankheit

Dieses erste Kreisdiagramm, bezieht sich auf das gesamte Testergebnis der kompletten 182 getesteten Personen. Ergebnis

Die große Wertestudie 2011

Deutsches Rotes Kreuz. Kopfschmerztagebuch von:

Einweiserbefragung Ihre Meinung ist uns wichtig! Sehr geehrte/r Frau/Herr Dr. med.

Osteoporose. Ein echtes Volksleiden. Schon jetzt zählen die Osteoporose und die damit verbundene erhöhte Brüchigkeit der Knochen

Internationales Altkatholisches Laienforum

Menü auf zwei Module verteilt (Joomla 3.4.0)

Versorgungssituation in Schleswig-Holstein

Die Post hat eine Umfrage gemacht

Den Durchblick haben. VOLKSBANK BAD MÜNDER eg. Online aber sicher: Unsere Produkt- und Sicherheitshotline hilft und informiert

Der Pflegefall tritt ein was tun?

Studieren- Erklärungen und Tipps

Schuldenbarometer 1. Q. 2009

Leichte-Sprache-Bilder

Leitbild. für Jedermensch in leicht verständlicher Sprache

Patientensicherheit aus Patientensicht

Das Freiwillige Soziale Jahr. Der Bundes-Freiwilligen-Dienst

POINT. of Reha Sport e.v. Reha-Sport. Der Wegweiser zum. Eine Information für Patientinnen, Patienten und Angehörige

Round Table 60: 859 Pakete für den Weihnachtskonvoi

ALEMÃO. Text 1. Lernen, lernen, lernen

Qualität und Verlässlichkeit Das verstehen die Deutschen unter Geschäftsmoral!

Ärzte befürchten Engpässe bei der Patientenversorgung

Anwendungsbeispiele Buchhaltung

Was ist das Budget für Arbeit?

Außergerichtliche Streitbeilegung in Arzthaftungssachen

-> Wir können bei Ihnen alle Behandlungen mit aufwendigen Maßnahmen, Spezialgeräten und hochwertigen Materialien, entsprechend den Kriterien

Glaube an die Existenz von Regeln für Vergleiche und Kenntnis der Regeln

Organisation des Qualitätsmanagements

Landes-Arbeits-Gemeinschaft Gemeinsam Leben Gemeinsam Lernen Rheinland-Pfalz e.v.

1. Änderungsmitteilungen

Das Leitbild vom Verein WIR

teamsync Kurzanleitung

Bürger legen Wert auf selbstbestimmtes Leben

Dramatisch: 6,6 Millionen Deutsche sind überschuldet DEUTSCHE...

Sich einen eigenen Blog anzulegen, ist gar nicht so schwer. Es gibt verschiedene Anbieter. ist einer davon.

Urlaubsanspruch = Nominale Zahl der Urlaubstage X Pflichtarbeitstage pro Woche / 6 Werktage

der Eingabe! Haben Sie das Ergebnis? Auf diesen schwarzen Punkt kommen wir noch zu sprechen.

Die integrierte Zeiterfassung. Das innovative Softwarekonzept

Wie Sie mit Mastern arbeiten

10.1 Auflösung, Drucken und Scannen

Abwesenheitsnotiz im Exchange Server 2010

1: 9. Hamburger Gründerpreis - Kategorie Existenzgründer :00 Uhr

Die Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen bei der Bayerischen Landesärztekammer. Dr. med. Klaus Ottmann Vizepräsident

Eva Douma: Die Vorteile und Nachteile der Ökonomisierung in der Sozialen Arbeit

Anlage eines neuen Geschäftsjahres in der Office Line

40-Tage-Wunder- Kurs. Umarme, was Du nicht ändern kannst.

Gezielt über Folien hinweg springen

Inhaltsübersicht Produktinformationsblatt zur Jahres-Reiserücktritts-Versicherung der Europäische Reiseversicherung AG

Personal der Frankfurter Pflegeeinrichtungen 2005

Dr. Kraus & Partner Ihr Angebot zu Konfliktmanagement

Rechtsgrundlage für die PKV ist die Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) und die Gebührenordnung der Zahnärzte (GOZ).

Arbeitsblätter. Sinnvolle Finanzberichte. Seite 19

AGROPLUS Buchhaltung. Daten-Server und Sicherheitskopie. Version vom b

Senioren helfen Junioren

Letzte Krankenkassen streichen Zusatzbeiträge

Bedienungsanleitung. Matthias Haasler. Version 0.4. für die Arbeit mit der Gemeinde-Homepage der Paulus-Kirchengemeinde Tempelhof

Was heißt das Was soll das?

Professionelle Seminare im Bereich MS-Office

Welches Problem denn? Das Heiratsproblem. Formale Beschreibung. Paarungen

Anlegen eines DLRG Accounts

Freie Wohlfahrtspflege

expopharm 30. September 2015

Schnittstelle DIGI-Zeiterfassung

Handbuch zur Anlage von Turnieren auf der NÖEV-Homepage

Pflegedossier für die kreisfreie Stadt Frankfurt (Oder)

Moderne Behandlung des Grauen Stars

Meinungen zum Sterben Emnid-Umfrage 2001

Behandlung und Beratung von Alkoholabhängigen

Das sogenannte Beamen ist auch in EEP möglich ohne das Zusatzprogramm Beamer. Zwar etwas umständlicher aber es funktioniert

1. Weniger Steuern zahlen

Die SPD und die Grünen machen im Niedersächsischen Landtag. Alle Menschen sollen in der Politik mitmachen können.

Schritte 4. Lesetexte 13. Kosten für ein Girokonto vergleichen. 1. Was passt? Ordnen Sie zu.

Pflegedossier für den Landkreis Oberspreewald- Lausitz

Sollsaldo und Habensaldo

HVM Übersicht der Änderungen RLV / QZV / Leistungen außerhalb RLV und QZV. Stand:

IMPLEMENTIERUNG VON GOOD PRACTICE ZUR REDUZIERUNG VON MEDIKATIONSFEHLERN IN SPITÄLERN

Umfrage: Kreditzugang weiter schwierig BDS-Präsident Hieber: Kreditnot nicht verharmlosen

Deutliche Mehrheit der Bevölkerung für aktive Sterbehilfe

Schritt für Schritt zur Krankenstandsstatistik

Spezielle Lebenslösung für die Grafts zum Aufbewahren - Songul Alci

= i (V) = d 2. v = d! p! n da v 1 = v 2 gilt auch d 1 ÿ p ÿ n 1 = d 2 ÿ p ÿ n 2 (III) p kürzen (Division durch p) d 1 ÿ n 1 = d 2 ÿ n 2 (IV) oder

Implantate Anwendung in unserer Praxis

Transkript:

Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen Tätigkeitsbericht 2012 Die Tätigkeitsberichte der Gutachterstelle für Arzthaftungsfragen der letzten Jahre unterscheiden sich nur graduell voneinander. Seit vielen Jahren beobachten wir eine relative Konstanz des Zahlenmaterials. Dies gilt auch für 2012. Die Zahl der eingegangenen Anträge liegt etwas niedriger als im Vorjahr. Auf die Zahl der eingeleiteten und abgeschlossenen Begutachtungsvorgänge hat dies jedoch keinen Einfluss. Die nachstehende Grafik zeigt in bekannter Form das Gesamtmaterial unserer Gutachterstelle seit ihrem Bestehen. Die Zahl der durch die Gutachterstelle bestätigten Behandlungsfehler mit Schadensfolge für den betroffenen Patienten lag mit 69 Fällen (= 25,65 Prozent bezogen auf alle im Berichtsjahr abgeschlossenen Begutachtungen) in der aus den letzten Jahren gewohnten Größenordnung. Auch hierzu wieder die gewohnte Grafik. Die Zahlen sind wie auch in den Vorjahren in die bundesweite Statistik der Bundesärztekammer eingegangen. Gemessen am Gesamtmaterial und den Begutachtungsergebnissen ergibt sich also keine wesentliche Veränderung in dem für uns einsehbaren Segment der behaupteten und bestätigten Behandlungsfehler.

Der zunehmende, durch ökonomischen Druck bedingte Wandel in unserem Gesundheitswesen (Ärztemangel, extrem beschleunigte Abläufe in Krankenhäusern und Praxen, zunehmende Bürokratie etc.) hat sich in diesen Zahlen bisher (noch?) nicht niedergeschlagen. Dies darf sich die Ärzteschaft wohl schon als große Leistung zurechnen. Die Schärfe in der Auseinandersetzung um den behaupteten oder den tatsächlichen Behandlungsfehler hat weiter zugenommen. Bevor auf einige interessante Aspekte unserer Tätigkeit eingegangen werden soll, gilt zunächst unser Dank allen für unsere Gutachterstelle tätigen Gutachter. Ihrer mühevollen und engagierten Arbeit ist es zu verdanken, dass die Begutachtungstätigkeit auf hohem Niveau möglich ist. Die Mehrzahl unserer Gutachter steht im Berufsleben und leistet die Gutachtertätigkeit zusätzlich zu der ohnehin hohen beruflichen Belastung. Auch 2012 haben wir diesen Gutachterstamm planmäßig ausgebaut; dennoch an dieser Stelle unsere herzliche Bitte an alle Ärzte, die an dieser Aufgabe mitwirken wollen, sich mit der Gutachterstelle in Verbindung zu setzen. Insbesondere in den Fachgebieten Orthopädie/Traumatologie, Visceralchirurgie, Gynäkologie/Geburtshilfe herrscht chronischer Gutachtermangel. Arzthaftpflichtversicherungen sind für die Versicherungsbranche schon immer ein Problemsegment. Der bereits in 2010 von den Versicherern angekündigte Prozess, der Risikostruktur der einzelnen Fachdisziplinen zunehmend Rechnung zu tragen, hat sich in 2012 deutlich fortgesetzt. Insbesondere in den Hochrisikofächern Geburtshilfe, Neurochirurgie und Traumatologie/Orthopädie sind erhebliche Prämiensteigerungen, insbesondere im stationären Bereich, die Folge. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Die Zahl der Versicherungsunternehmen, die im Arzthaftungsbereich tätig ist, nimmt stetig ab. Welche Folgen diese zunehmende Monopolisierung für die Versicherungsnehmer hat, ist unschwer abzusehen. Die personelle Besetzung der Gutachterstelle ist in 2012 stabil geblieben. Seit ihrem Bestehen arbeitet die Gutachterstelle dezentral. Die juristische Säule steht traditionell in

Nürnberg, der ärztliche Teil wird in Kamenz erledigt, die Geschäftsstelle befindet sich in Dresden. Ergänzt wird dieses System durch die Kollegen Dr. Uta Poppelbaum, Dresden, und Doz. Dr. habil. Gottfried Hempel, Saupsdorf, bei der Erstellung der Gutachtenaufträge. Jeder, der mit dezentralen Strukturen Erfahrung hat, weiß, dass diese nur dann effektiv arbeiten können, wenn die Schnittstellen gut organisiert sind und möglichst wenig Reibungsverluste auftreten. Diese schwierige Aufgabe haben auch in 2012 unsere bewährten Mitarbeiterinnen in der Sächsischen Landesärztekammer mit viel Engagement gelöst Dr. Rainer Kluge, Kamenz, Vorsitzender (veröffentlicht in der Broschüre Tätigkeitsbericht 2012 )

Jahresstatistik 2012 1. Gesamtmaterial Kumulativ 1992 2011 2011 2012 1.1. eingegangene Anträge 65.319 396 365 1.2. eingeleitete Begutachtungen 4.105 253 266 1.3. abgeschlossene Begutachtungen 3.977 259 269 1.4. am Ende des Berichtszeitraumes offene Begutachtungsverfahren 128 2. Gliederung nach Einrichtungen (Bezugsgröße: im Berichtsjahr in Auftrag gegebene Gutachten) n 4.105 253 266 2.1. Klinik 2.758 140 173 2.2. Klinikambulanz 225 22 12 2.3. Universitätsklinik (seit 2008) 112 37 22 2.4. Universitätsambulanz (seit 2008) 15 3 4 2.5. Praxis 1.121 51 55 3. Gliederung nach Entscheidungen (Bezugsgröße: im Berichtsjahr abgeschlossene Begutachtungen) n 3.978 259 269 3.1. Anspruch anerkannt: 1.017 56 69 3.1.1. Behandlungsfehler ursächlich für Körperschaden (Anerkennung) 995 53 67 3.1.2. Anspruch anerkannt wegen unzureichender Aufklärung 28 3 2 3.2. Anspruch abgewiesen 2.956 199 200 3.2.1. kein Behandlungsfehler festgestellt 2.696 195 187 3.2.2. Behandlungsfehler festgestellt, aber nicht 260 4 13 ursächlich für Körperschaden 3.3. Anerkennungsquote (in Prozent) 25,57 22,61 25,65

4. Gliederung nach Fachrichtungen (Bezugsgröße: im Berichtsjahr in Auftrag gegebene Gutachten) n 4.106 253 266 Allgemeinmedizin 208 9 9 Anästhesiologie und Intensivtherapie 106 9 3 Augenheilkunde 100 8 8 Chirurgie (gesamt) 1.702 99 111 Allgemeine Chirurgie 32 30 Unfallchirurgie * 54 71 Gefäßchirurgie 3 2 Herzchirurgie 2 5 Kinderchirurgie 2 1 Thoraxchirurgie 2 1 Plastische Chirurgie 1 0 Handchirurgie 3 1 Gynäkologie / Geburtshilfe 437 21 21 Genetik 1 0 0 HNO 112 8 7 Haut- und Geschlechtskrankheiten 40 1 2 Innere Medizin 413 36 28 Kinderheilkunde 57 4 2 Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie 21 3 3 Neurochirurgie 62 4 6 Neurologie/Psychiatrie 106 9 13 Nuklearmedizin 1 1 0 Orthopädie 472 29 41 Pathologie 8 0 0 Physikalische Medizin und Rehabilitation 1 0 4 Radiologie (Diagnostik und Therapie) 39 5 4 Transfusionsmedizin 1 0 0 Urologie 105 7 4 * Die Fachgebiete Unfallchirurgie und Orthopädie werden (noch) getrennt geführt, da die Daten nur in dieser Form in die bundeseinheitliche Statistik aufgenommen werden können.