Multisensor- Koordinatenmesstechnik



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Transkript:

Die Bibliothek der Technik Band 248 Multisensor- Koordinatenmesstechnik Produktionsnahe optisch-taktile Maß-, Form- und Lagebestimmung Ralf Christoph und Hans Joachim Neumann verlag moderne industrie

Inhalt Vom Profilprojektor zur optisch-taktilen Messtechnik 4 Gerätebauweisen und Messprinzipien 6 Messmikroskope und Projektoren... 7 Koordinatenmessgeräte mit Kreuztisch... 9 Koordinatenmessgeräte mit Portal... 10 Sensoren für Koordinatenmessgeräte 13 Visuelle Sensoren... 15 Abstandssensoren... 25 Taktile Sensoren... 33 Multisensorik... 42 Geräteklassen 44 Werkstattmessgeräte... 44 Mechanisch gelagerte Präzisionsgeräte... 46 Luftgelagerte Portalgeräte... 48 Messgeräte für Mikrostrukturen... 51 Spezialgeräte... 51 Gerätesoftware 53 Grafisch-interaktives Messen... 54 Programmierung komplexer Messabläufe... 56 Messen mit CAD-Daten... 59 Messgenauigkeit 64 Spezifikation und Annahmeprüfung... 65 Messunsicherheit... 68 Messprozesseignung... 71 Anwendungsschwerpunkte 75 Kunststoffspritzguss... 75 Blechbiegeteile und Stanzwerkzeuge... 78 Profilwerkstücke... 81 Spanabhebende Werkzeuge... 84 Wellen... 88 Bauteile mit Mikrogeometrien... 90 Ausblick 93 Literatur 94 Der Partner dieses Buches 95

13 Sensoren für Koordinatenmessgeräte Die Sensoren eines Koordinatenmessgeräts dienen zur Aufnahme des primären Signals vom Messobjekt. Ihr Aufbau aus mechanischen, ggf. auch optischen, elektronischen und Softwarekomponenten ist unterschiedlich komplex. Bei der Auswahl der Sensorik müssen die Bedingungen am Messobjekt wie die Berührungsempfindlichkeit des Objekts und die Größe der zu messenden Merkmale sowie die Anforderungen aus der Prüfplanung wie die Anzahl der Messpunkte berücksichtigt werden. Die Auswahl des Sensors bzw. der Sensoren hängt somit grundsätzlich von der Messaufgabe ab. Koordinatenmessgeräte können mit schaltenden und messenden Sensoren ausgestattet sein (Abb. 6). Schaltende Sensoren liefern beim Aufnehmen eines Messpunkts lediglich ein Triggersignal. Dieses bewirkt, dass die Wegmesssysteme ausgelesen und die Koordinaten bestimmt werden. Zur Ermittlung der Koordinaten eines Objektpunkts ist eine Bewegung in den Achsen zwingend erforderlich (dynamisches Messprinzip). Messende Sensoren weisen intern einen eigenen Messbereich von bis zu einigen Millimetern auf. Die Bestimmung eines Objektpunkts erfolgt durch Überlagerung der Messwerte des Sensors und der ausgelesenen Koordinaten des Messgeräts. Das Bestimmen eines Punkts ist somit auch möglich, wenn das Koordinatenmessgerät stillsteht (statisches Messprinzip). Voraussetzung ist lediglich, dass sich der Objektpunkt im Messbereich des Sensors befindet. Ein weiteres wesentliches Unterscheidungskriterium für Sensoren ist das physikalische Prin- Schaltende Sensoren erfordern dynamisches Messprinzip Messende Sensoren gestatten statisches Messprinzip

14 Sensoren für Koordinatenmessgeräte Sensoren für Koordinatenmessgeräte Schaltende Sensoren Messende Sensoren Optisch Taktil Optisch Taktil Laser 1D»Tastauge«2D Schaltender Messkopf 3D Interferometer Weißlichtinterferometer Interferometer- Laser 1D Triangulation Triangulationslaser 1D Foucault-Laser 1D Liniensensor 2D Fotogrammetrie 3D Streifenprojektion 3D Messender Messkopf 3D Werth Fasertaster 2/3D Bildverarbeitung Kontrastverfahren Kantenfinder 2D Autofokus 1D Binär- Verarbeitung 2D 3D-Patch 3D Grauwert- Verarbeitung 2D Abb. 6: Sensoren für Koordinatenmessgeräte Gliederung nach der Funktionsweise: Aus Gründen der Anschaulichkeit sind die im Grunde den Triangulationsverfahren zuzuordnenden Kontrastverfahren separat aufgeführt. Ein-, zwei- und dreidimensionale Sensoren zip der Übertragung des primären Signals. Die derzeit üblichen Sensoren sind diesbezüglich in optische und taktile Sensoren zu unterteilen. Auf einen optischen Sensor wird die Information über die Lage eines Messpunkts durch Licht übertragen, so dass hieraus die entsprechenden Koordinaten ermittelt werden können. Beim taktilen Sensor wird diese Information durch Berühren des Messobjekts mit einem Antastelement, meist einer Tastkugel, erzeugt. Ein weiteres für die Anwendung wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist die Dimensionalität des Sensors. Sie sagt aus, ob der Sensor eine, zwei oder drei Koordinaten aufnimmt. Bei Sensoren mit weniger als drei Freiheitsgraden für die Antastung werden die restlichen Koordinaten aus der vorher eingemessenen Position des Sensorantastpunkts im Gerätekoordinatensystem ermittelt. Dies schränkt je-

doch die Anwendbarkeit bei komplexen dreidimensionalen Objekten ein und führt durch die erforderliche Positionierung der Sensoren zu längeren Messzeiten. Visuelle Sensoren 15 Visuelle Sensoren Unter visuellen Sensoren versteht man alle Sensoren, die ähnlich wie das menschliche Auge ein mindestens zweidimensionales Abbild des zu messenden Objekts zur Grundlage haben. Die Intensitätsverteilung dieses optischen Bildes wird mit einem Sensor erfasst und ausgewertet. Über Jahrzehnte war das menschliche Auge der einzig verfügbare visuelle»sensor«für optische Koordinatenmessgeräte wie Messmikroskope und Messprojektoren. Subjektiv bedingte Fehlerquellen beim Messen sind z. B. die Parallaxe (schräges Anvisieren) und die durch die logarithmische Lichtempfindlichkeit des menschlichen Auges bedingte Fehlmessung von Hell-Dunkel-Übergängen z.b. an Kanten. Die Messergebnisse hängen daher Visuelle Sensoren ersetzen das Auge Abb. 7:»Ich sehe mal wieder gar nichts.«(cartoon Manfred Pühn)

16 Sensoren für Koordinatenmessgeräte Visuelles Antasten Durchlichtmessung mit Werth Tastauge grundsätzlich vom Bediener ab (Abb. 7) und sind nur bedingt vergleichbar. Die Messgeschwindigkeit ist nach oben hin begrenzt. Trotz aller Nachteile stellt das visuelle Antasten auch bei modernen Bildverarbeitungsgeräten die letztmögliche Alternative dar. Sie wird eingesetzt, wenn die zu messenden Objektstrukturen sehr schlecht sichtbar sind und die geometrischen Merkmale nur noch intuitiv angetastet werden können. Setzt man voraus, dass das menschliche Auge beim Anvisieren mit dem Fadenkreuz einige Zehntelmillimeter aufzulösen vermag, kann man mit diesem Verfahren bei z. B. hundertfacher Vergrößerung der Optik einige Mikrometer Auflösung erreichen. Tastauge Das Tastauge ist ein schaltender Sensor für Messprojektoren. Eine dünne Glasfaser nimmt das Lichtsignal im Strahlengang des Projektors auf und führt es auf einen Fotomultiplier (s. Abb. 3c). Bewegt man ein Messobjekt durch den Strahlengang, erzeugt jede Kante einen Hell-Dunkel- bzw. Dunkel-Hell-Übergang. Wird nach einem elektronischen Schwellwertverfahren ein Kantenübergang erkannt, werden die Koordinaten des Messtisches ausgelesen. Wichtig ist die richtige Bestimmung des Schwellwerts an kalibrierten Normalen. Bei modernen Systemen geschieht dies vollautomatisch. Der Einsatz des Tastauges ist in der Praxis auf Messungen in zwei bis zweieinhalb Dimensionen im Durchlichtverfahren beschränkt. Zweieinhalb Dimensionen bedeutet, dass in der dritten Achse eine Verstellung, aber keine Messung möglich ist. Geringe Kontraste, wie sie im Auflicht meist vorhanden sind, können zu Fehlmessungen führen, da der punktförmige Sensor kaum Strategien zur Unterscheidung

zwischen Verschmutzungen, Oberflächenstörungen und echten Antastmerkmalen zulässt. Bildverarbeitungssensor Als visuellen Sensor verwendet man heute typischerweise einen Bildverarbeitungssensor (Abb. 8). Das Messobjekt wird durch das Objektiv auf eine Matrixkamera abgebildet. Die Kameraelektronik wandelt die optischen Signale in ein digitales Bild um, das zur Berech- Visuelle Sensoren 17 Kamera Bildverarbeitungssensor Abb. 8: Prinzipieller Aufbau eines Bildverarbeitungssensors mit Durch- und Auflichtbeleuchtung Hellfeld- Auflicht Objektiv Objekt Durchlicht nung der Messpunkte in einem Auswerterechner mit entsprechender Bildverarbeitungssoftware herangezogen wird. Auf die Leistungsfähigkeit solcher Sensoren haben die verschiedenen Einzelkomponenten wie Beleuchtung, Optik, Sensorchip, Elektronik und Rechenalgorithmen maßgeblichen Einfluss [3]. Die besten Ergebnisse hinsichtlich der Messunsicherheit lassen sich mit telezentrischen

18 Sensoren für Koordinatenmessgeräte Telezentrische Objektive sind genau Zoomobjektive sind flexibel Werth Zoom Vergrößerung und Arbeitsabstand sind variabel Objektiven erreichen. Die Telezentrie hat den Vorteil, dass bei Veränderung des Arbeitsabstands innerhalb des Telezentriebereichs der Abbildungsmaßstab konstant bleibt und hierdurch keine zusätzlichen Messabweichungen hervorgerufen werden. Dies ist insbesondere bei niedrigeren Vergrößerungen wichtig. Die beste Qualität erreichen telezentrische Objektive mit fester Vergrößerung. Aus anwendungstechnischer Sicht ist es sinnvoll, hohe und niedrige Vergrößerungen miteinander zu kombinieren. Es sollen z. B. weniger genau tolerierte Merkmale möglichst schnell in einem Bild gemessen oder auch die zu messenden Objekte bei grober Positionierung auf dem Messgerät noch gefunden werden. Zugleich sollen aber eng tolerierte Merkmale in kleinen Bildfeldern hochgenau gemessen werden. Mit telezentrischen Objektiven mit festem Abbildungsmaßstab lässt sich dies auf zwei Wegen realisieren. Der eine Weg besteht darin, die Objektive zu wechseln. Automatisch kann dies z. B. durch einen Revolver geschehen. Problematisch ist die erforderliche hohe Reproduzierbarkeit beim Objektivwechsel. Diese Vorgehensweise wirkt sich somit negativ auf die Messunsicherheit aus. Da meist nur zwei verschiedene Vergrößerungen erforderlich sind, besteht der elegantere Weg darin, zwischen zwei Bildverarbeitungssensoren unterschiedlicher Vergrößerung umzuschalten. Die größte Flexibilität erzielt man durch Einsatz einer Zoomoptik (Abb. 9). Aufgrund der Positionierbewegung der optischen Komponenten im Objektiv sind zwar geringfügige Genauigkeitsverluste zu erwarten, diese sind jedoch bei modernen Systemen weitgehend vernachlässigbar. Um eine hohe Reproduzierbarkeit der Positionierung zu erzielen, werden beim Werth Zoom Linearführungen eingesetzt.

Visuelle Sensoren 19 Zoombereich Stifte Klassisches Zoom Kurve Werth Zoom Motorische Verstellung konstant Arbeitsabstand variabel a) b) Drehteil mit großem Durchmesser Sacklochbohrung mit großer Tiefe Die für die Zoomvorgänge erforderliche Bewegung der Linsenpakete erfolgt jeweils motorisch. Dieser Aufbau ermöglicht etwa ein bis zehnfache Vergrößerung und Arbeitsabstände in einem Bereich von 30 mm bis maximal 250 mm. Hierdurch kann die Optimierung zwischen dem Messbereich des Sensors und der erreichbaren Messunsicherheit erfolgen (Vergrößerung). Weitgehend unabhängig davon kann der Arbeitsabstand den Erfordernissen des Messobjekts angepasst werden (Kollisionsproblematik). Zur Digitalisierung der Bilder werden heute üblicherweise CCD-Kameras in Verbindung mit PC-Komponenten für die Bilderfassung (Frame-Grabber-Boards oder Firewire-Schnittstellen) eingesetzt. Der Vorteil der CCD-Kamera gegenüber dem konkurrierenden CMOS- Chip liegt in der guten metrologischen Qualität. Insbesondere der lineare Zusammenhang zwischen dem Eingangssignal (Lichtintensität) Abb. 9: Werth Zoom mit einstellbarer Vergrößerung und variablem Arbeitsabstand im Vergleich zur klassischen Zoomoptik a) Kollision bei rotationssymmetrischen Teilen und tiefen Bohrungen b) Kollision wird vermieden.

42 Sensoren für Koordinatenmessgeräte Abb. 25: Oben: selbstzentrierendes Messen von Zahnrädern mit dem Werth Fasertaster im Durchlichtmodus, Tastkugeldurchmesser 180 µm Unten: Flankenwinkelmessung im Selbstleuchtmodus Selbstzentrierendes Messen Multisensorik verbindet alle Vorteile (Abb. 25). Zur Bestimmung von Teilungsabweichungen eines Zahnrads wird eine kalibrierte Kugel in eine Zahnlücke positioniert. Aus dem Messwert des Fasertasters (Position der Kugel im Bildfeld) und den Koordinaten des Koordinatenmessgeräts ergibt sich die Position der Kugel am Zahnrad. Aus mehreren Positionen in verschiedenen Zahnlücken kann dann z. B. das Zweikugelmaß oder auch die Teilung des Zahnrads bestimmt werden. Durch Antasten der Zahnflanken kann die Flanke gemessen werden. Aufgrund seines Wirkungsprinzips gehört der Fasertaster neben dem Bildverarbeitungssensor zu den derzeit genauesten Sensoren für Multisensor-Koordinatenmessgeräte. Multisensorik In Multisensor-Koordinatenmessgeräten werden verschiedene der oben beschriebenen Sensoren kombiniert eingesetzt. Abhängig von den prinzipiellen Eigenschaften der Sensoren ergeben sich unterschiedliche Anwendungsschwerpunkte (Abb. 26). Wesentliche anwendungsbezogene Unterscheidungsmerkmale sind die

Multisensorik 43 a) b) c) d) e) f) Größe der antastbaren Objektmerkmale, die Art der Objektmerkmale (Kante, Fläche) sowie die Eignung zur schnellen Erfassung vieler Punkte (Scanning). Um komplexe Messaufgaben umfassend lösen zu können, ist meist der Einsatz mehrerer Sensoren in einem Messablauf erforderlich. Abb. 26: Multisensorik: typische Einsatzfälle unterschiedlicher Sensoren: a) Mechanischer Taster b) Werth Fasertaster c) Laser d) Bildverarbeitung e) Autofokus f) 3D-Patch

Der Partner dieses Buches Werth Messtechnik GmbH Siemensstraße 19 35394 Gießen Internet: www.werthmesstechnik.de E-Mail: mail@werthmesstechnik.de Die Werth Messtechnik GmbH feierte im Jahr 2001 ihr 50. Gründungsjubiläum. Qualität und Präzision in Verbindung mit Innovationen bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung. Der erste Profilprojektor in Pultbauweise setzte 1955 ergonomische Maßstäbe. Mit ihrer Digitalisierung erhielten die Messprojektoren Ende der 60er-Jahre die Funktionalität eines Koordinatenmessgeräts. Mit dem Werth Tastauge wurde 1977 erstmals ein Glasfasersensor für Messprojektoren angeboten. Dieses Prinzip hat sich weltweit für Messungen im Durchlicht etabliert. Ebenfalls von Werth Messtechnik wurde 1980 das erste optische CNC-Koordinatenmessgerät in den Markt eingeführt. Ende der 80er-Jahre begann die Entwicklung der Multisensor-Koordinatenmesstechnik. Schon 1987 wurde ein solches Gerät mit integrierter Bildverarbeitung und Lasersensorik unter dem Namen INSPECTOR vorgestellt. Mit der Einführung der Produktlinie VIDEO-CHECK im Jahr 1992 wurde der Grundstein für weiteres erfolgreiches Unternehmenswachstum gelegt. Die frühzeitige Integration der PC-Technik und ein streng modulares Konzept erlaubten höchste Leistungen zu akzeptablen Preisen. Werth Messtechnik entwickelte sich zum mit Abstand größten europäischen Anbieter von optischer und Multisensor-Koordinatenmesstechnik. Die Integration der Linearantriebstechnik in Koordinatenmessgeräte sowie Sensorentwicklungen wie der Werth Fasertaster und der Werth Zoom bestätigen den Anspruch der Werth Messtechnik GmbH auf weltweite Technologieführerschaft in diesem Marktsegment. Moderne Entwicklungen im Bereich der Software wie BestFit, ToleranceFit oder WinWerth -Autoelement runden dieses Bild ab. Die stets zweistelligen Zuwachsraten im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts gestatteten den Aufbau eines hoch motivierten Teams. 150 Mitarbeiter in Deutschland sowie Vertriebs- und Servicestützpunkte in allen wichtigen Industrieländern gewährleisten, dass Werth Messtechnik auch in der Zukunft modernste Multisensor-Koordinatenmesstechnik in bester Qualität und mit ausgezeichnetem Service bereitstellen kann.