Ähnliche Dokumente
IGV Sport als Therapie

Beitrag zur Gesundheitsförderung aus Sicht des Sports

Kann man dem Diabetes davonlaufen?

Bundesweite Diabetes-Aufklärung mit Gesünder unter 7": Diabetiker brauchen Bewegung

Für Patientinnen und Patienten. Blutdruckpass. Die mit dem Regenbogen

Gemeinsam zum Ziel. Mehr Lebensqualität dank dem Sanitas Gesundheitscoaching

LÄNGER LEBEN BEI GUTER GESUNDHEIT

INFORMATIONEN FÜR TYP-2-DIABETIKER. Warum der HbA 1c -Wert für Sie als Typ-2-Diabetiker so wichtig ist!

Genereller Nutzen körperlicher Aktivität im Alltag

Blutdruckpass Name. Gute Besserung wünscht Ihnen: Arztstempel: Ein Service von

Die CARAT-Studie: Ein Teamansatz zur Versorgung von Diabetes Patienten

Geschlechtsperspektiven in der Medizin - Gesundheits- und fachpolitische Herausforderungen nach Erkenntnissen bei Diabetes

Kritische Lebensereignisse und Gesundheit im Alter

Compliance: Drei Mal täglich nach dem Essen?

BLUTHOCHDRUCK UND NIERE

Übergewicht im Kanton Zürich

Wie oft soll ich essen?

Die unterschätzte Bedrohung: Öffentliche Wahrnehmung zur Fettleibigkeit in Europa

!!! Folgeerkrankungen

Patienteninformation Ich bin schwanger. Warum wird allen schwangeren Frauen ein Test auf

(ISRCTN ) W. Mayer-Berger 1, C. Kettner 1, C. Pieper², A. Marr², S. Moebus² U. Bräutigam 3, A. Michalsen 4

Bewegung als gesundheitspolitische Herausforderung für eine alternde. Univ. Prof. Dr. Paul Haber Wien

Osteoporose. Ein echtes Volksleiden. Schon jetzt zählen die Osteoporose und die damit verbundene erhöhte Brüchigkeit der Knochen

Unaufmerksamkeit für eigene Risikofaktoren

1x1. der Blutdruckmessung. Premium-Qualität für die Gesundheit

Hypertonie: Ernährungsmedizinische Aspekte

3.9 Brustdrüse der Frau

Schneller durch HIT (High Intensity Training)

Praxistage Gesundheitsversicherung statt Krankenkasse - Ist der Weg das Ziel? Ein Plus für UnternehmerInnen

Behandlung von Diabetes

Darmgesundheit. Vorsorge für ein gutes Bauchgefühl. OA Dr. Georg Schauer

Mehr Bewegung im Alltag

Bevölkerung mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung 2012

Wir sind für Sie da. Unser Gesundheitsangebot: Unterstützung im Umgang mit Ihrer Depression

POINT. of Reha Sport e.v. Reha-Sport. Der Wegweiser zum. Eine Information für Patientinnen, Patienten und Angehörige

Sterbegeldversicherung. Vorsorge treffen

Einfluss von Sport auf Entstehung und Verlauf von Herz-Kreislauferkrankungen

SVEN-DAVID MÜLLER CHRISTIANE WEISSENBERGER

Effekte von Sport und Bewegung für Hochaltrige

Übersicht Verständnisfragen

Dr. med. M. Menzen Chefarzt der Abteilung Innere Medizin - Diabetologie. Vitamin Diabetes mellitus wie hängt das zusammen

3.19 Non-Hodgkin-Lymphome

Risikofaktor Cholesterin Gute und schlechte Blutfette? Was ist dran an der Cholesterinlüge?

GESUNDHEITSZENTRUM TEUCHERN. Entdecken Sie Ihr Leben neu. Prävention Physiotherapie Fitness Ernährung Entspannungstraining Rehabilitation

ELTERNFRAGEBOGEN. Name: Vorname: Tel: Ausgefüllt am:

Eine Autoimmunerkrankung kommt selten allein was tun wenn Diabetes und Co zusammentreffen. Dr.oec.troph. Astrid Tombek

Fast jeder zweite Deutsche würde gerne abnehmen

Evaluation des DMP Diabetes

BLUTZUCKER- UND BLUTDRUCK- TAGEBUCH FÜR MENSCHEN MIT DIABETES GEEIGNET FÜR ALLE INSULIN-THERAPIEFORMEN

Behandlungsprogramme für Diabetiker was bringt das Mitmachen?

Rauchen bis kurz vor Bekanntwerden einer Schwangerschaft: Physiologische Beeinträchtigung im Kindergartenalter?

Weiterentwicklung der DMP Evaluation: Anforderungen und Erfahrungen mit dem Kontrollgruppenansatz

Labortests für Ihre Gesundheit. Blutzucker- und Cholesterintests 11

3 Walken. 2. Laufen/Walken. 1. Laufen. Die Leistungsklassen. Übergewichtig BMI ab 30 BMI 25-30

Xpert Business-Kurse mit Durchführungsgarantie

Online Banking. Nutzung von Online Banking. Ergebnisse repräsentativer Meinungsumfragen im Auftrag des Bankenverbandes April 2011

Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen

Zukunft Gesundheit 2013 Jungen Bundesbürgern auf den Puls gefühlt

Verständnis als Voraussetzung von Handeln -

Der Typ 2 Diabetiker mit arterieller Hypertonie. 1. zu spät gehandelt. 2. zu spät behandelt. 3. zu ineffektiv therapiert.

Palliativtherapie durch den Hausarzt

Tagesgeld-Studie. Auswertung der Online-Abschlüsse von Tagesgeldkonten über CHECK24 von 2011 bis 2013 nach Alter und Geschlecht

Demenz Gestern heute morgen? G. Gatterer Geriatriezentrum am Wienerwald Abteilung für Psychosoziale Rehabilitation

KOPIE. Diabetes in Kürze. «Schritt um Schritt zu mehr Gesundheit!»

Naturgewalten & Risikoempfinden

IhreInsulinfunktionen

Leseauszug DGQ-Band 14-26

Der Einsatz von Alcohol Interlock aus eignungsdiagnostischer Sicht

Psychische Risiken des Alterns Wie altern wir gesund?

Methodische Vorbemerkungen

DSR Daten, Statistik, Risikobewertung AUSWERTUNG GAHS. Intervention + BMI

Wenn Sie möchten, können Sie den Bogen auch anonym ausfüllen und an folgende Adresse senden:

Ernährung, Bewegung, Motivation. Das A und O bei Adipositas und Typ-2-Diabetes

Senkung technischer Zinssatz und

cybermarathon Maik Plischke Institut für Medizinische Informatik, TU Braunschweig

NEET - Jugendliche: Problemausmaß, Charakteristika und Handlungsstrategien

Presseerklärung. Sparen an der Gesundheit für Eltern und Kinder gefährdet Deutschlands Zukunft. Berlin,

Gefährlich hohe Blutzuckerwerte

Meinungen der Bürgerinnen und Bürger in Hamburg und Berlin zu einer Bewerbung um die Austragung der Olympischen Spiele

Geriatrische Rehabilitation. Bezirksklinikum Ansbach

Patienten-Informations-Zentrum Mobiles PIZ

Möglichkeiten der Bolusvariablen (CSII) unter Berücksichtigung der Fett- und Eiweißmenge

Gesundheitsökonomische Evaluation des TK-Telefon-Gesundheitscoach

Einfluss von einem Computerspiel auf Depression, Angststörungen und Schmerzen bei stationären Patienten: rct. Institut für Physiotherapie

Deutsches Rotes Kreuz. Kopfschmerztagebuch von:

-Serie. Die individuelle Lösung für Ihr Training

Gesünder unter 7" Uwe Seeler, Johann Lafer und Thomas Fuchsberger für eine bundesweite Diabetes-Aufklärung in Deutschland

ENERGY-CONTRACTING EASY-BOX. Der faire und simple Weg zur Finanzierung von Geräten zur Senkung von Stromverbrauch und zur Kostenreduktion

Onkologie und Rehabilitation in der Praxis ÖÄK Diplomlehrgang für Kurmedizin, Präventivmedizin und Wellness

Analyseinstrumente im betrieblichen Gesundheitsmanagement Einsatzbereiche Chancen - Fallen

Von kardiovaskulären Risikofaktoren zu Demenz. Brennpunkt Demenz, Köln

EINKAUFSLEITLINIE FÜR FETT-, ZUCKER

Plasma spenden und Leben retten.

WAS IST DIABETES? 1. Zucker - Kraftstoff des Menschen

Berliner Herzinfarktregister: Geschlechtsspezifische Aspekte des Herzinfarkts in Berlin

Anleitung zur Online-Schulung

Transkript:

Ball statt Pille Kann Bewegung Medikamente ersetzen? Prof. Dr. Dr. Winfried Banzer Abteilung Sportmedizin J.W. Goethe Universität Frankfurt am Main Ein Paar Zahlen Nicht übertragbare Krankheiten: 92% der Todesfälle in Deutschland (WHO 2011) Risikofaktoren Alkoholkonsum Tabakkonsum Zu niedriger Obst- und Gemüseverzehr Körperliche Inaktivität Bluthochdruck Erhöhte Cholesterinwerte Übergewicht und Fettleibigkeit Erhöhte Blutzuckerwerte Arzneimittelausgaben der GKV 2009 32,4 Mrd (Arzneiverordnungsreport 2010) 1

Ein Paar Zahlen Nicht übertragbare Krankheiten: 92% der Todesfälle in Deutschland (WHO 2011) Risikofaktoren Alkoholkonsum Tabakkonsum Zu niedriger Obst- und Gemüseverzehr Körperliche Inaktivität Bluthochdruck Erhöhte Cholesterinwerte Übergewicht und Fettleibigkeit Erhöhte Blutzuckerwerte Arzneimittelausgaben der GKV 2009 32,4 Mrd (Arzneiverordnungsreport 2010) Diabetes in Deutschland Prävalenz des bekannten Diabetes: etwa 7 8% in der erwachsenen Bevölkerung (Deutsche Diabetes Gesellschaft) Jahresinzidenz in der Altersgruppe 55-74 J: 270,000 (Rathmann et al 2009) Altersgruppe 35-59 J: hohe Prävalenz undiagnostizierter Fälle (Meisinger et al 2010) Direkte und indirekte Kosten verursacht durch einen Diabetiker 1,9 höher als durch einen Nicht- Diabetiker (Köster et al 2006) 2

Diabetesprävention Diabetes erhöht das Infarkt- und Apoplexrisiko um das 3-4fache (Professional Associations for Physical Activity 2010) Diabetes kann die Lebenserwartung um 15 Jahren senken (Gilles et al 2007) Lebensstil und pharmakologische Interventionen können bei Patienten mit Glukosetoleranzstörung das Diabetesrisiko halbieren (Gilles et al 2007) Diabetesprävention Lebensstilintervention: mehrere Risikofaktoren ansprechen Lebensstilinterventionen haben langfristige Effekte (bis 20 Jr. Post- Intervention): Niedrigere Mortalität Niedrigere Inzidenz (Tuomilehto et al 2011) 3

Diabetesmanagement Aerobes Training, Krafttraining und Kombi führen zu vergleichbarer Reduktion von HbA 1c Mehr als 150 Min/W höhere Reduktion Reduktion vergleichbar mit medikamentösen Therapien (Umpierre et al 2011) Diabetesmanagement so wirkt Bewegung Verbesserte glykämische Kontrolle: Bewegung senkt das glykosyliertes Hämoglobinniveau um 0.6% HbA 1c (Thomas et al 2009) Zunahme an fettfreier Masse Abnahme an viszeralem Fett Verbesserte Lipidwerte Blutdruckreduktion 4

Gehen und Diabetes Gehen mindert das allgemeine und kardiovaskuläre Sterblichkeitsrisiko mind. 2 St/W Gehen 34% - 39% 3-4 St/W 54% (Gregg et al 2003) Mind. 1 Mile/T Gehen halbiert das Sterblichkeitsrisiko bei älteren Diabertikern (Smith et al 2007) Look Ahead Study 5145 übergewichtige oder adipöse Diabetiker Usual care (Kontroll) vs. intensive Lebensstilintervention (Intervention) Vor Studienbeginn beide Gruppen vergleichbar Nach einem Jahr: 25% der Interventionpatienten vs. 12% der Kontrollpatienten brauchen kein Diabetikum Fitness in der Interventionsgruppe signifikant höher als in der Kontrollgruppe Gesamtkosten der Medikamente gesunken (ca. -10%) in der Intervention-, gestiegen (ca. +10%) in der Kontrollgruppe Redmon et al 2010 5

Bewegung und der Blutdruck Während des Trainings: erhöhter systolischer Blutdruck Bis zu 24 St. nach der Belastung: Senkung des Blutdruckes um 10 20 mmhg ( post-exercise hypotension ) Bewegung muss regelmäßig stattfinden Maximaler Effekt nach 4-6 Monaten erreicht Schon nach 10 Tagen Inaktivität kann der Blutdruck sich wieder erhöhen (Professional Associations for Physical Activity 2010) Bewegung bei Bluthochdruck 5-7x mind. 30 Min/W moderates aerobes Training Krafttraining mit vielen Wiederholungen und niedrigerer Belastung Regelmäßiges Gehen kann den Blutdruck 5,2-11 bzw. 3,8-7,7mmHg senken (Lee et al 2010) Kontraindikation: Blutdruck von 200/115 mmhg 6

Blutlipide The only known method of actively raising HDL cholesterol without side-effects is physical activity (Professional Associations for Physical Activity 2010) Threshold: Energieverbrauch von 1200-2200 kcal/w: Zunahme von 2-3 mg/dl in HDL- C und Reduktion von 8-20 mg/dl in TG (Durstine et al 2001) Mehr Aktivität führt zu deutlicheren Verbesserungen (Durstine et al 2001) Bewegung und das kranke Herz Usual care vs. Trainingsintervention bei chronischer Herzinsuffizienz Trainingsgruppe: niedrigere Mortalität und Hospitalisation 7

Sitzen: Gesundheitsgefahr Langes, ununterbrochenes Sitzen ist linear assoziert mit kardio-metabolischen und inflammatorischen Risikofaktoren (Bauchumfang, HDL- Cholesterin, C-reactives Protein, Triglyceride, Insulin, HOMA-%B und HOMA-%S.) (Healy et al 2011) geht mit erhöhtem Risiko von o Adipositas und metabolischem Syndrom (Otten et al 2009) o Diabetes (Grontved & Hu 2011) o kardiovaskulärer Krankheit (Grontved & Hu 2011) einher Sitzen: Lebensgefahr Jede zusätzliche Stunde am Tag vor dem Fernseher geht mit einem um 11% höheren Gesamt- und einem um 18% höheren kardiovaskulären Mortalitätsrisiko einher Unabhängig von körperlicher Aktivität und Übergewicht (Dunstan et al 2009) Längeres Sitzen geht mit erhöhtem Gesamtsmortalitätsrisiko einher (Grontved & Hu 2011) 8

Gibt es ein Anti-Sitz-Medikament? Unterbrechungen sind unabhängig von Gesamtsitzzeit, mod-int. Aktivität und durchschnittlicher Intensität der Aktivität o mit niedrigerem Bauchumfang, o BMI und o günstigeren Triglyceride- und o 2h Plasma Glukose assoziiert (Healy et al 2008, Healy et al 2011, Dunstan et al 2010) Leichte Aktivität statt sitzen (Levine et al 2000, Healy et al 2008c) Stehen statt sitzen (Levine at al 2005) Zusammenfassung Körperliche Aktivität ist effektiv In der Prävention In der Therapie In der Rehabilitation Körperliche Aktivität kann medikamentöse Behandlung Ersetzen oder Ergänzen Leichte Aktivität bzw. Unterbrechen des Sitzens kann gesundheitsschädigende Effekte mindern 9

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! 10