lndustrial Engineering Standardmethoden zur Produktivitätssteigerung und Prozessoptimierung http://shop.refa.de/shop/details.php?id=207 PRINT ISBN 978-3-446-44786-8 E-PDF ISBN 978-3-446-44787-5 1. Auflage 2011 2. Auflage 2015 Copyright 2015 by REFA Bundesverband e.v., Darmstadt Nachdruck oder fotomechanische Wiedergabe sowie Speicherung und Verarbeitung in digitalisierter Form sind ohne ausdrückliche Genehmigung des Herausgebers untersagt. Bei nicht mit Quellenangabe versehenen Bildern handelt es sich um eigene Darstellungen.
Alternative Bezeichnungen Ablaufanalyse, Auftragsdurchlaufanalyse, Ablaufstudie, Prozessanalyse Ziel Analyse, Darstellung und Bewertung von Prozessen oder Arbeitsabläufen als Auftragsdurchlauf in Wertschöpfungsketten, in einzelnen Geschäftsfeldern oder im Gesamtunternehmen. Weg systematische Untersuchung des Zusammenwirkens der beteiligten Personen, Betriebs- und Arbeitsmittel zur Erfüllung von Kundenaufträgen Gliederung des Auftragsdurchlaufs in Prozesselemente (Aufgaben, Vorgänge etc.) grafische Darstellung des Ablaufs (ggf. unter Einsatz von Software) Ergebnisse wertschöpfende und nicht wertschöpfende Ablaufabschnitte Ausmaß von Ablaufunterbrechungen (Liegen, Störung, Abwesenheit) Anregungen für technologische, organisatorische, ergonomische Verbesserungen realistisches Bild des Ablaufs Anzahl von Schnittstellen gering mittel hoch Einsatzaufwand Schulungsaufwand X X kurzfristig mittelfristig langfristig Dauer der Ergebnisrealisierung X 162 Industrial Engineering www.refa.de
Rahmenbedingungen für den erfolgreichen Einsatz Für eine aussagekräftige sollten Prozesse und Abläufe gewählt werden, die repräsentativ hinsichtlich der benötigten Zeiten, der eingesetzten Hilfs- und Betriebsmittel sowie der Qualifikationen der Beteiligten sind. Es muss sichergestellt werden, dass alle Ablaufabschnitte erfasst werden. Liege- und Wartezeiten in Prozessen können schnell übersehen werden. Die Personen, die mit der Analyse beauftragt werden, sollten die entsprechenden Grundlagenkenntnisse des Verfahrens haben und über praktische Anwendungserfahrungen verfügen. Sind solche Personen im Unternehmen nicht vorhanden, können spezialisierte Dienstleister wie z. B. REFA:Consulting beauftragt werden. Einzelschritte der Methode Prinzip: Im Arbeitsablauf wird erfasst, wer was wo (Abteilung, Prozess, Arbeitsplatz) wann (in welcher zeitlichen Aufeinanderfolge) womit (Betriebsmittel) zur Erfüllung von Kundenaufträgen beigetragen hat. Vorgehensweise: Schritt 1 Vorbereitung Für die Analyse muss ein typischer Ablauf des Prozesses gewählt werden. Der Umfang der Untersuchung muss eindeutig mit Beginn und Ende des Prozesses definiert werden. Es ist zu klären, welche Arbeitssysteme in dem Prozess zum Einsatz kommen und zu welchen Zeiten an diesen gearbeitet wird. Der Prozess wird in einzelne Teile gegliedert und in eine zeitliche Abfolge gebracht. In Abhängigkeit von dem Untersuchungszweck werden die Hilfsmittel und Daten für die Analyse bestimmt. Die vorhandenen Unterlagen zu dem Prozess wie Standardarbeitsblätter, Arbeitspläne oder Auditberichte werden beschafft und ausgewertet. Vor der Analyse werden die Beteiligten über Zeitpunkt und Umfang der Erhebung informiert. Schritt 2 Durchführung Der tatsächlich vorgefundene Ablauf vor Ort wird beobachtet, verfolgt und dokumentiert. Alle Ablaufabschnitte des Prozesses werden mit den entsprechenden Daten wie Stückzahlen, Zeiten, Wegen etc. erfasst. Eventuelle Unterbrechungen und Störungen werden notiert. Unklarheiten und notwendige Nachfragen werden festgehalten und später geklärt. www.refa.de Industrial Engineering 163
Schritt 3 Schritt 4 Auswertung Die Aufzeichnungen werden auf ihre Vollständigkeit und Konsistenz geprüft und, wo nötig, ergänzt. Die Daten werden durch Summierung, Anteilsbildung und Bildung von Verhältniskennzahlen ausgewertet. Die gesamte Ablaufstruktur wird grafisch und datenmäßig abgebildet. Soweit ein Soll-Ablauf vorliegt, werden eventuelle Abweichungen aufgezeigt. Nach einer Ursachenanalyse z. B. mittels Fischgräten-Diagramm werden daraus Verbesserungsansätze abgeleitet. Verbesserung Die zuvor gefundenen Verbesserungsansätze werden detailliert und nach Aufwand und Effekten abgeschätzt. Die Voraussetzungen und Möglichkeiten einer Umsetzung werden ermittelt. Bestätigte Lösungsvorschläge werden in einen Maßnahmenplan aufgenommen und zeitnah umgesetzt. Nach der Realisierung und einer angemessenen Einsatzzeit werden die Erfolge geprüft und bewertet. Anwendungsbeispiel Herstellung von Blechwinkeln in einer Werkstattorganisation (Verrichtungsprinzip) Der Prozess wurde durch Beobachten des Auftragsdurchlaufes in seiner Struktur erfasst. Die Arbeitsfolgedarstellung zeigt das folgende Bild. Quelle: IfaA 2008 164 Industrial Engineering www.refa.de
Hilfsmittel www.refa.de Industrial Engineering 165
Quelle: IfaA 2008 Literaturhinweise Fuhrmann, K.-W.; Heisterkamp, H.; Schröter, K.: Methoden der Rationalisierung. Berlin, Köln: Beuth, 1983 IfaA Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (Hrsg.): Abläufe verbessern Betriebserfolge garantieren. Köln: Wirtschaftsverlag Bachem, 2008 REFA (Hrsg.): REFA-Methodenlehre des Arbeitsstudiums: Teil 3 Kostenrechnung, Arbeitsgestaltung. München: Hanser, 1985 REFA (Hrsg.): REFA-Methodenlehre der Betriebsorganisation. Datenermittlung. München: Hanser, 1997 166 Industrial Engineering www.refa.de