Jugendtraining ( Rolf Römer )

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Transkript:

Jugendtraining ( Rolf Römer ) Einleitung Die Jugend ist heute das Kapital des Vereins. Das Training übernehmen oftmals Personen die gerade verfügbar sind: Senioren / Eltern / Jugendliche - egal ob qualifiziert Kinder zu trainieren oder nicht, mit oder ohne Trainervorkenntnisse. Es stellen sich immer die gleichen Fragen: Was soll ich wann trainieren? Welche Abwehr-/Angriffsformation? Wie soll ich mich als Trainer verhalten? Wie vermittle ich langfristig Spaß am Handball? Die Trainer sollten auch ihr Bild vom Jugendtraining anhand der folgenden Punkte überprüfen. Denn nicht immer ist eine jahrelange Tätigkeit auf diesem Feld mit Erfahrung gleichzusetzen. Von Minis bis A-Jugend sollte altersspezifisch trainiert werden! Neue Schwerpunkte sind wichtig (hoher spielerischer Anteil) Erster Gedanke vor jedem Trainingsplan sollte sein: Entspricht das, was ich heute mit den Kindern/Jugendlichen zu trainieren vorhabe, ihrem Alter und Ihrer Leistungsfähigkeit Minis: Spielformen, bei denen sich die Kinder austoben können, turnerische und allgemeinsportliche Übungen! Grundtechnik: Werfen, Fangen, Prellen, Passen Ab 12 Jahre Grundlagentraining - ab 15-17 Jahre Aufbautraining - ab 17 Jahre Leistungstraining! Jugendtraining darf keine Kopie des Erwachsenentrainings sein! Kopierer schaden sich selbst und den Jugendlichen! Verschiedene Übungen ja, aber altersgerecht serviert, vielseitige allgemeine und motorische Grundausbildung ist wichtig! Trainingsaufbau: a) motivierender Einstieg (Aufwärmen) b) Stretching und Funktionsgymnastik c) Hauptteil ( Angriff/Abwehr ) d) Spielen ( 6gegen6, usw.) 1

Eine gute Ausbildung der Grundtechnik! Mit dem Schlagwurf beginnen, Sprungwurf, Fallwurf, Fangen, Tippen, Prellen, die jeweilige Armhaltung beachten! Beim Abwehrverhalten, falsche Bewegungen korrigieren! Dehn- und Kräftigungsübungen! Dehnen/Stretching ist zur Verringerung der Gefahr von Muskel- und Gelenkverletzungen Die Muskulatur Wachstum hinkt Knochenwachstum hinterher, verkürzte Muskeln sind verletzungsanfälliger. Die Pausen zur Erholung nach Belastungen! Erst nach Dehnen/Stretching, die Kräftigungsübungen beginnen! Ziel: vielseitige Kräftigung der Muskulatur des gesamten Haltungs- und Bewegungsapparates (Rücken, Bauch, Hals, Seite) Durch kindgerechtes Kräftigungstraining wird die Grundlage für spätere sportliche Leistungsfähigkeit gelegt, Rumpf- vor Arm- und Beinkraft! Keine Konditionsübungen - sondern diese in Spiele - verpacken! Reines Konditionstraining ist nicht sinnvoll, denn Handballspielen gewährleisten die nötigen konditionellen Verbesserungen. Trainieren von Spielzügen! Definition Spielzug: trainieren von Spielzügen mit mehr als drei Spielern ist vergeudete Zeit! Deshalb nur in Kleingruppen üben (Sperren/Absetzen, Doppelpass, 2er oder 3er-Kreuzen) Erklären und Korrigieren! Ein Übungsziel angeben, nicht zu viel vor Anfängern reden. Bildhafte Redewendungen verwenden, Kinder eine Übung selbst beschreiben lassen. Nur selbst vorzeigen, wenn Technik beherrscht wird. Vorzeigen wiederholen (Abstand 5-8 Meter) Die Kinder zum Vorzeigen auswählen, Komplexe, schnelle Übung in Zeitlupe vorführen lassen. Bei komplexen Bewegungen (z.b. Sprungwurf) Markierungen verwenden. Zur Unterstützung ( Jetzt rufen) 2

Korrigieren: Immer positiv erklären, Präzise Fehlerbeschreibung Falsch ist Aussage: Richtige ist Aussage: das war gut / das war schlecht immer beschreiben was an Aktion gut / schlecht war... etc. 30-70% der Versuche sollten bei Anfängern korrigiert werden Korrektur gleich im Anschluss an Übung, die Qualität des Korrekturverhaltens hängt ganz entscheidend von der Fähigkeit des Trainers ab, Bewegungen zu analysieren und Fehler zu entdecken! Loben, loben, loben. Ein Trainer sollte schwierige Abläufe erklären! Fangen in der Luft, beidbeiniges Aufkommen am Boden, Grundstellung, schnelles Abdrücken auf andere Seite / Ballsicherung (mit 2 Händen, mit Körper) 3 Schritte-Regelung beachten etc. Vom leichten zum schweren üben... Techniktraining kann auch in kleine Spiele verpackt werden! Grundtechnik sollte vorher bekannt sein! Lernerfolg ist schneller und höher, da spielerisch erlernt! (Im Gegensatz zu langweiligem üben) Beispiel: Wettkämpfe zwischen 2 Mannschaften (Prellen im Parcours, 10 Ballkontakte gewinnt etc.) Voraussetzung: Gruppen sollten gleichwertig sein! Viele Ballkontakte, hohe Intensität! Besonders geeignet beim Aufwärmtraining! Ein Trainer sollte unterschiedliche Leistungen fordern! Forderung entsprechend des biologischen Alters und der jeweiligen Erfahrung. BSP: ein erfahrener Spieler sollte einen Pass im Laufen über 15 m genau anbringen, für einen Neuling reichen 5 m. Auch "nicht so gute" Handballer haben ein Recht auf ein gutes Handballtraining! Kinder/Jugendliche nicht zu früh spezialisieren! Die Vielseitigkeit steht im Vordergrund! Alle Spieler sollten gleiche Grundausbildung erhalten, keine fixierte Spielposition im Kinderbereich (weder Abwehr noch Angriff) Keine zu frühe Spezialisierung in Training und Spiel: also Rückraumbomber auf Außen/Kreis, Torwart ins Feld etc. Beide werden dabei etwas lernen! Merke: Früheinsteiger sind bei frühzeitiger Spezialisierung meist auch Frühaussteiger! 3

Ein Trainer fördert die Kreativität! Den Kindern/Jugendlichen auch Freiräume geben und einfach was ausprobieren lassen. Im Kinderhandball viele verschiedene Geräte anbieten (Luftballons, Tennisbälle aber auch andere Geräte wie Reifen, Pedalos, etc.) Das Training motivierend gestalten, da in diesem Alter die Basis für eine langfristige Bindung en Handballsport geschaffen wird. Die beste Angriffskonzeption ist eine gute Abwehrarbeit! Die Tore die ich nicht kassiere, brauche ich vorne nicht zu werfen Ein Persönliches Abwehrverhalten (1gegen1 Verhalten) zählt zur Grundausbildung! Die richtige Abwehrarbeit ist im frühen Alter relativ einfach zu lernen, Abwehrarbeit bietet schnelleren Erfolg als Angriffsarbeit. Ballgewinn muss oberstes Abwehrziel sein. Defensives Abwehrverhalten ist tabu! Nur über offensives Abwehrspiel werden notwendige Grundlagen im Spiel 1gegen1 gelernt. Ein offensives Abwehrspiel entspricht dem Bewegungsdrang und der Spielfreude von Kindern, kleinere Spieler können dadurch oft die Dominanz großer Spieler reduzieren. Vom Kinderhandball ausgehend erfolgt ein systematischer Übergang von der Manndeckung zur Raumdeckung. Ausbildungsorientiert steht in allen Altersklassen das Spiel 1gegen1 und die Kooperation im Spiel 2gegen2 im Vordergrund. Ein offensives Abwehrspiel sichert einen langfristigen Lernerfolg im Jugendtraining. Folgende Abwehrarten sollten gespielt werden: E-Jugend: D-Jugend: C-Jugend: B-Jugend: A-Jugend: Manndeckung über das ganze Feld, ab der Mittellinie gestaffelt Manndeckung ab der Mittellinie in Tornähe (vor der Freiwurflinie) kombinierte Mann- /Raumdeckung, 1:5 Abwehr Übergang zur Raumdeckung, 3:3 Abwehr, kombinierte Mann-/Raumdeckung 3:3-, 3:2:1-Abwehr (ballbezogen), kombinierte Mann-/Raumdeckung 3:2:1 Abwehr, 5:1 Abwehr (aktiv, antizipativ), 6:0 Abwehr 4

Der Trainingsaufbau sollte langfristig angelegt sein! Langfristiger, periodischer Trainingsaufbau (bis zu einem Jahr) ist wichtig, nicht von Woche zu Woche hangeln Erreichbare Lernziele setzen! Nach Baukastenprinzip arbeiten (z.b. 8 Wochen Abwehr, 8 Wochen Angriff etc.) Übungen innerhalb der Perioden nicht zu oft wechseln (Wiedererkennungswert heißt mehr Zeit, da weniger Erklärungsbedarf) Auf lange Sicht gesehen, werden Spiele nur gemeinsam gewonnen! Negative Beispiele: gute Kinder werden früh zu Stars Der Trainer lässt schwächere Kinder auf der Bank sitzen Die Eltern sehen in ihren Kindern schon den Nationalspieler von morgen, obwohl der gute 9-jährige - nicht auch unbedingt der gute 15-jährige - sein muss Trainer/Betreuer lassen sich von den Eltern unter Druck setzen Trainer lassen nur erfolgsorientiert spielen Zeitungsbericht: C-Jugend: N.N. wirft 17 von 18 Tore... Folge: Schwächere Spieler hören auf und man kann keine Mannschaft mehr stellen. Die stärkeren Spieler hören auch auf oder wechseln den Verein. Ziel: entwicklungsorientiertes Training geht vor ergebnisorientiertem Training! Die Spieler müssen lernen mit dem Mitspieler gemeinsam zu handeln, miteinander zu spielen. Der Trainer hat eine Vorbildfunktion! Das Verhalten des Trainers hat Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder, ohne dass sie dieses Verhalten kopieren wollen. Es beeinflusst die Kinder oft mehr als uns bewusst ist (Umgangston, Gesten, Verhalten zum Gegner, Schiedsrichter, die Fähigkeit Fehler einzusehen usw.) Schlüsselposition des Jugendtrainers im Verein. Zugang zu einer Sportart wird meist über den Trainer gewonnen. Seine Person und sein pädagogisches Geschick entscheiden meist über den Verbleib der Kinder im Verein. Der Trainer hat oft eine Erziehungsfunktion Die Betreuung beschränkt sich nicht nur auf Training und Spiel Spitzensportler gelten zwar als Idole, sind jedoch weit entfernt. Realistischer und greifbarer ist die Bezugsperson Trainer. Der Trainer sollte Spieler zur Selbstverantwortlichkeit erziehen 5

Die Pünktlichkeit der Kinder vor dem Training/Spiel Die Übernahme von Einzelaufgaben (z.b. Aufbau von Geräten) Die Kinder kümmern sich beim Wurftraining um störende Bälle Hohle Phrasen sind bei der Spielbetreuung unbedingt zu vermeiden! Jetzt mach doch mal was Jetzt macht doch mal ein sicheres Tor Die Abwehr steht heute ganz schlecht Jetzt halt doch mal einen Ball Wenn schon leere Sprechblasen, dann bitte mit sofortiger detaillierter Erklärung hinterher wie das Problem zu lösen ist! Für Jugendtrainer ist die Aus-/Fortbildung besonders wichtig! Das Grundwissen für einen Jugendtrainer sollte die Übungsleiterausbildung darstellen. Bücher können Lehrgänge (Erfahrungsaustausch) nie ersetzen! Die TSF fördert lehrgangswillige finanziell. Wer Kindern und jugendlichen gegenüber verantwortungsbewusst handeln will, bildet sich weiter! Die besten Trainer sollten Jugendmannschaften trainieren Ø Handballexperte ist nicht gleich bester Kindertrainer! Ø Nur gute Trainer bringen Handballnachwuchs wirklich voran! Ø Fortschritte sind besser zu sehen wie im Seniorenbereich! 6