Migration in der Bundesrepublik



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Transkript:

Migration in der Bundesrepublik im Rahmen des Seminars Stadt - Jugend - Migration Oktober 2008 Erika Schulze

Mobilität und Migration in Vergangenheit und Gegenwart Seit es Menschen gibt, gibt es auch Wanderungen Städte sind ohne physische Mobilität von Menschen kaum vorstellbar Städte bzw. ganze Stadtteile sind mit und durch die Migration gewachsen Köln ist seit 2000 Jahren eine weltoffene Stadt, eine der ältesten in Westeuropa. Manche Armee und einige Flüchtlingsströme überquerten hier den Rhein: Germanen, Römer, Hunnen, Amerikaner. 20 Jahre lang gehörte Köln zu Frankreich. Die meisten Kölner sind eigentlich keine Eingeborenen, sondern Immis aus Anatolien und Aachen, Kasachstan und Kurdistan, dem Sauerland und Schlesien. So entstand eine Mischung aus vielen Völkern. (Schmidt-Fink).

Mobilität und Migration in Vergangenheit und Gegenwart Zwischen 1954 und 1999 wanderten insgesamt 30,4 Millionen Menschen (In- und Ausländer) nach Deutschland ein Neben bzw. nach der Einwanderung aus der DDR (bis zum Mauerbau 1961) ist hier vor allem die Arbeitsmigration aus den Mittelmeerländern im Zuge der Anwerbeabkommen zu nennen. Hinzu kommen Flüchtlinge und AussiedlerInnen aus den osteuropäischen Ländern. In den großen Städten der alten Bundesländer haben inzwischen bis zu einem Drittel der Jugendlichen einen Migrationshintergrund.

Mobilität und Migration in Vergangenheit und Gegenwart Doch nicht nur verstetigte Einwanderung, ebenso eine kontinuierliche Bewegung prägt die bundesrepublikanische Gesellschaft: In den Jahren zwischen 1990 und 2002 sind fast 12,2 Millionen Menschen aus dem Ausland nach Deutschland zugewandert. In der selben Zeit haben ca. 8,5 Millionen Menschen das Land verlassen.

Das Staatsverständnis und seine Folgen Das Staatverständnis der BRD prägt den Umgang mit den EinwanderInnen und ihren Nachkommen auf eine sehr spezifische Weise: Bis 2000 prägte das Abstammungsrecht (jus sanguinis) das Staatsbürgerschaftsrecht - deutsch war, wer zumindest ein deutsches Elternteil hatte Erst mit der Reformation des Staatsbürgerschaftsrechtes wird dem Geburtsortprinzip (jus soli) mehr Gewicht beigemessen - nicht mehr allein die Herkunft, sondern ebenso der Geburtsort ist bedeutsam für die Staatsangehörigkeit

Zur Terminologie und ihren Problemen Grundsätzlich unterscheidet die Statistik zumeist zwischen AusländerInnen und Deutschen - ohne dabei die Heterogenität der beiden Gruppen zu berücksichtigen zur Gruppe der Deutschen gehören u.a. - zugewanderte Kinder und Jugendliche aus Aussiedlerfamilien - Kinder aus binationalen Familien (mit einem deutschen Elternteil) - aus Migrantenfamilien mit deutscher Staatsangerhörigkeit durch Einbürgerung - Kinder mit Migrationshintergrund mit deutscher Staatsbürgerschaft nach Zuwanderungsgesetz von 2000 - Kinder und Jugendliche aus dänischer und sorbischer Minderheit

Zur Terminologie und ihren Problemen zur Gruppe der AusländerInnen gehören u.a. - Kinder und Jugendliche aus Arbeitsmigrantenfamilien, die ihre Staatsangerhörigkeit beibehalten haben - Flüchtlingskinder mit ganz unterschiedlichem Aufenthaltsstatus - Kinder und Jugendliche aus Familien deren Eltern als Hochqualifizierte vorübergehend in der BRD sind - Kinder von Diplomaten und ausländischen Streitkräften Der Pass erlaubt keinen Rückschluss auf pädagogisch relevante Sachverhalte: weder auf die Erstsprache bzw. auf die sprachliche Sozialisation und die Sprachkompetenz von Kindern und Jugendlichen in der Erstsprache und/oder in Deutsch, noch auf deren sozio-kulturellen Hintergrund, die religiöse oder weltanschauliche Orientierung oder generell auf Migrationserfahrungen. Dem Pass lässt sich nicht entnehmen, wie lange die Familie in der Bundesrepublik lebt und wie bzw. wo sie ihre Zukunft plant (Marianne Krüger-Potratz 2005)

Mikrozensus 2005 - ein Versuch der Differenzierung Die Statistik versucht dieser Heterogenität in den letzten Jahren durch den Wechsel von einem Ausländer- zu einem Migrationskonzept gerecht zu werden. Nach den Schulleistungsstudien IGLU und PISA wurde dies zuletzt an dem Mikrozensus 2005 sichtbar. Durch letzteren liegen nun für die BRD erstmals repräsentative Daten zu den Merkmalen: Staatsangehörigkeit, Geburtsort, Zugzugsjahr, Einbürgerung vor - sowie jeweils diese Daten zu den Eltern und Großeltern. Der Mikrozensus ist eine statistische Erhebung, bei der nach bestimmten Zufallskriterien ausgewählte Haushalte (1% aller Haushalte der BRD) beteiligt sind. Die Anzahl der Haushalte wird so gewählt, dass die Repräsentativität der Ergebnisse statistisch gesichert ist. Der Mikrozensus dient dazu, die im Rahmen von umfassenden Volkszählungen erhobenen Daten in kurzen Zeitabständen mit überschaubarem organisatorischem Aufwand zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren.