Projektskizze GemeinSinnschafftGarten Gemeinschaftliches Gärtnern im urbanen Raum Strategien zur Aktivierung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen in der Bottroper Innenstadt Antragsteller: Stadt Bottrop Der Oberbürgermeister Ernst-Wilczok-Platz 1 46236 Bottrop Bottrop, Februar 2015 1
Quelle Titelbild: website wachstumsphase.wordpress.com 2
Sehr geehrte Damen und Herren, das Wissenschaftsjahr 2015 steht im Zeichen der Zukunftsstadt: Städte sind zentrale Orte für die Entwicklung einer nachhaltigen Lebensweise, so lautet das Credo. Im Rahmen der InnovationCity Ruhr arbeiten wir gemeinsam daran, unsere Stadt nachhaltig zu entwickeln und das Klima zu schützen. Unser Ziel lautet: einen klimagerechten Stadtumbau bei gleichzeitiger Sicherung des Industriestandorts Bottrop voranzutreiben. Konkret sollen dazu die CO 2 -Emissionen halbiert und die Lebensqualität gesteigert werden. Der gemeinsame Nenner unserer Bestrebungen und der Intention des Wissenschaftsjahres 2015 sind die Bürgerinnen und Bürgern, die entscheidenden Akteure bei der Umsetzung einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Aus diesem Grund möchte die Stadt Bottrop das Wissenschaftsjahr 2015 aktiv mitgestalten und die Möglichkeit nutzen in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft neue Beteiligungs- und Aktivierungsformate zu entwickeln, zu erproben und umzusetzen. Ich bin der Überzeugung, dass unser Projekt Gemeinschaftliches Gärtnern im urbanen Raum Strategien zur Aktivierung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen in der Bottroper Innenstadt thematisch und konzeptionell das Potenzial bietet, durch eine nachhaltige Nutzung von Freiflächen im innerstädtischen Raum die Wohn- und Lebensqualität zu steigern sowie das Stadtklima und die kleinklimatischen Verhältnisse zu verbessern. Darüber hinaus bietet die Bottroper Innenstadt aufgrund der Vielfalt an Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen die Möglichkeit, mit Hilfe der wissenschaftlichen Begleitforschung kultursensible Ansprachen, insbesondere durch direkten und persönlichen Kontakt zu erforschen. Hierzu haben wir bereits den Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften der FH Dortmund als Kooperationspartner gewinnen können, sodass eine erfahrene Begleitforschung in dem Bereich Aktivierung von Migrantinnen und Migranten garantiert ist. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir mit Unterstützung des Bundesministeriums für Forschung und Bildung dieses ambitionierte Projekt durchführen könnten. Mit freundlichen Grüßen Oberbürgermeister Bernd Tischler 3
Inhaltsverzeichnis 1. Stadt Bottrop InnovationCity Ruhr...5 2. Gemeinschaftliches Gärtnern im urbanen Raum...6 3. Ziele des Projektes... 10 4. Wissenschaftskommunikation... 11 5. Projektpartner und wissenschaftliche Begleitforschung... 14 6. Projektablauf und Zeitplanung... 15 7. Projektkosten... 17
1. Stadt Bottrop InnovationCity Ruhr In Bottrop leben ca. 116.800 Einwohner auf einer Gesamtfläche von 10.061 ha. Die Entwicklung der Bevölkerungszahl in Bottrop stand in der Vergangenheit stets in starker Abhängigkeit zur wirtschaftlichen Entwicklung des Bergbaus. Auch heute sind im Bergbau noch etwa 5.200 Menschen beschäftigt. Das Ende des Bergbaus im Jahr 2018 sowie ein längst begonnener Strukturwandel eröffnen die Chancen für einen innovativen Stadtumbauprozess. Aus diesem Grund hat sich die Stadt Bottrop besonders der großen Herausforderungen des Klimawandels und der Energiewende angenommen und ist seit vielen Jahren mit einer großen Anzahl an Projekten aktiv, die dem Klimaschutz dienen und eine CO 2 -Minderung zum Ziel haben. Seit dem Jahr 2010 laufen diese Projekte gebündelt unter dem Dach der InnovationCity Ruhr Modellstadt Bottrop. Die Kernaufgabe der InnovationCity Ruhr ist der klimagerechte Umbau von bestehenden Stadtquartieren kurz: Klimagerechter Stadtumbau. Dieses Kernziel wird durch das Motto Blauer Himmel. Grüne Stadt. versinnbildlicht. Der blaue Himmel symbolisiert dabei den Aspekt Klimaschutz bzw. als Voraussetzung dafür die messbare Reduzierung der CO 2 -Emissionen. Die grüne Stadt steht für eine fühlbare Steigerung der Lebensqualität im Arbeits- und Wohnumfeld sowie im gesamten Stadtraum. InnovationCity Ruhr verfolgt das Ziel, bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen und Projekte im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz neue Wege zu gehen. Dazu zählen insbesondere neue Strategien zur Aktivierung und Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie Betrieben vor Ort, die Bildung neuer Partnerschaften zwischen den handelnden Akteuren auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene sowie die Entwicklung neuer Finanzierungswege. 5
2. Gemeinschaftliches Gärtnern im urbanen Raum Das Konzept Urbaner Gartenbau Urbaner Gartenbau, ist die meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsgebieten oder in deren unmittelbarem Umfeld. Sie gewinnt aufgrund des urbanen Bevölkerungswachstums an Bedeutung. Unversiegelte Freiflächen genutzt als Frei- oder Grünanlagen oder Brachen werden in den Städten zunehmend seltener und insbesondere vor dem Hintergrund der Folgen des Klimawandels immer kostbarer. Dabei stehen die nachhaltige Bewirtschaftung der gärtnerischen Kulturen, die umweltschonende Produktion und ein bewusster Konsum der landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Vordergrund. In den Großstädten Europas ist auch die Steigerung von Lebensqualität durch die gemeinsame Gestaltung von häufig versiegelten Freiflächen ein wichtiger Aspekt. Dabei geht es nur vordergründig um das bloße Ackern in der Stadt, vielmehr verbirgt sich dahinter ein sozialer Aspekt, der Menschen zusammen bringt, um gemeinsam etwas zu schaffen. Somit verbindet das Konzept des Urbanen Gärtnerns stadtklimatische, stadtgestalterische, ökologische sowie soziale Aspekte. Es stellt ein Instrument oder Vehikel zur nachhaltigen und lebenswerteren Gestaltung des öffentlichen Raumes dar. Gleichzeitig ist es aber auch ein Instrument zur Stärkung von Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Nachbarschaft oder ihrem Quartier sowie zur Schaffung von Kommunikationsräumen. Urbanes Gärtnern in der InnovationCity Ruhr Im April 2014 hat der Rat der Stadt Bottrop den Masterplan Klimagerechter Stadtumbau als Grundlage für die zukünftige Stadtentwicklung verabschiedet. Im Rahmen des Masterplans hat sich die Stadt Bottrop das Ziel gesetzt, neben einer Reduktion von CO 2 -Emissionen auch die Lebensqualität im urbanen Raum zu steigern. Dabei nimmt die Begrünung durch die Schaffung sowie Sicherung von Freiflächen vorwiegend wohnungsnaher Freiflächen eine wichtige Funktion ein. Im Masterplan findet sich eine Vielzahl an Projekten, die im Sinne des Urbanen Gärtnerns verstanden werden können. Subsumiert unter dem Titel Dem Bottroper sein Grün finden sich verschiedene Projektansätze, die unterschiedlichste Handlungsfelder tangieren und so im Sinne des perspektivischen Inkrementalismus 6
zum Gesamtziel führen sollen. Gesamtziel dieser Projekte ist die ökologische und soziale Aufwertung von Freiflächen. Abbildung 1: Querschnitt der Projekt- und Handlungsfelder Im Rahmen einer klimagerechten Gestaltung innerstädtischer Freiräume können urbane Gärten aufgrund ihrer flexiblen Gestaltung zur zukunftsfähigen und nachhaltigen Flächennutzung sowohl temporär als auch dauerhaft dienen. Ein Bestandteil der Gesamtstrategie des Urbanen Gärtnerns und Gegenstand der vorliegenden Projektskizze ist das Potenzial der Aktivierung unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen. Neben den bereits genannten stadtklimatischen, ökologischen und ästhetischen Vorteilen urbaner Gärten werden durch das gemeinschaftliche Gärtnern niederschwellige Kommunikationsräume geschaffen. Anders als andere Städte verfügt die Stadt Bottrop insbesondere im Außenbereich über einen hohen Anteil an Grünflächen. Gleichzeitig hat die Stadt einen hohen Anteil an Schreber- bzw. Kleingärten, zu dem überwiegend die Bottroper Mittelschicht Zugang besitzt. Jedoch ist dies im Innenstadtbereich zum einen aufgrund der engen Bevölkerungsdichte und der überwiegend versiegelten Fläche nicht der Fall. Zum anderen leben im südlichen Teil der Innenstadt überwiegend Menschen mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen. Durch diese Faktoren ist das Interesse an öffentlichen Grünflächen im Vergleich zu anderen Stadtteilen hoch, woraus sich automatisch die Abgrenzung des Planungsraumes für ein urbanes Gartenbauprojekt ableitet. Planungsraum Bottroper Innenstadt In der Bottroper Innenstadt leben ca. 6.800 Menschen auf einer Fläche von 107 ha in etwa 700 Wohngebäuden. Im Hinblick auf eine klimatische und ökologische Aufwertung durch zusätzliche Grünflächen liegt hier ein besonders hohes Potenzial. 7
Aus einer detaillierten Akteurs- und Raumanalyse des Innenstadtbereiches lässt sich folgendes ableiten: Im zentralen und hochverdichteten Innenstadtbereich herrscht ein Innenstadtklima mit sehr starken Wärmeinseln. Der Versiegelungsgrad liegt bei rund 95 Prozent, der Luftaustausch ist verringert und hat bioklimatische und lufthygienische Belastungen zur Folge. Die verdichtete Innenstadt ist ein bioklimatischer Belastungsraum, d.h. bei austauscharmen Wetterlagen ist die Luftschadstoffkonzentration erhöht und im Sommer können Belastungen durch Hitze und Schwülebelastung eintreten. Nicht zuletzt aus der Notwendigkeit, dem Hitzeinseleffekt in der großflächig versiegelten Innenstadt entgegen zu wirken, ergeben sich freiraumplanerische Projektschwerpunkte. In der Bottroper Innenstadt finden sich städtebauliche Potenzialflächen mit hoher Sichtbarkeit und großem Veränderungsbedarf, die ideale Anknüpfungspunkte für Projektideen im Sinne eines klimagerechten Stadtumbaus bilden. Abbildung 2: Wärmebelastung in der Bottroper Innenstadt Die Akteursanalyse zeigt, dass eine hohe Anzahl unterschiedlichster Nationen die in der Bottroper Innenstadt lebt (ca. 100 Nationen, Hoher Anteil aus Türkei, Polen, ehem. Sowjetunion sowie Nordafrika/Naher Osten). Diese Tatsache macht eine Aktivierung der Bevölkerung besonders schwierig, ebenso wie die unterschiedlichen Einkommensstrukturen, speziell im südlichen Bereich der Innenstadt. Trotz der umfangreichen Erfahrungen durch den Beteiligungsprozess im Rahmen des 8
Masterplans besteht weiterhin ein Defizit in der Beteiligung von Migrantinnen und Migranten unterschiedlichster Kulturen und sogenannter desinteressierter Gruppen. Dies bedeutet eine Desinteresse sowie eine mangelnde Kenntnis hinsichtlich umweltrelevanter Themen. Die Bereitschaft, sich in dem Bereich zu engagieren, ist sehr gering bis noch gar nicht vorhanden. Dies kann aus vielerlei Gründen der Fall sein. In Abweichung zu anderen Städten und Projekten ist die projektrelevante Gruppe sprich ein interessiertes, bürgerliches Milieu wie beispielsweise Studierende im innerstädtischen Bereich insbesondere im südlichen Bereich der Innenstadt fast nicht vorhanden. Der Anteil an Desinteressierten ist dagegen relativ hoch. Um jedoch langfristig einen klimagerechten Stadtumbau zu gestalten ist es notwendig sämtliche Bevölkerungsgruppen zu erreichen. Hierzu bietet urbanes Gärtnern eine ideale Möglichkeit verschiedene Bevölkerungsgruppen zu aktivieren und Erfolge der privaten, persönlichen Ansprache zu testen, auch hinsichtlich zukünftiger klima- und umweltrelevanter relevante Projekte. Die Übertragbarkeit der Ergebnisse eines solchen Aktivierungs- und Beteiligungsprozesses auf andere Städte mit ähnlichen Voraussetzungen ist sehr hoch. 9
3. Ziele des Projektes Konkret formulierte Ziele für das Projekt Gemeinschaftliches Gärtnern im urbanen Raum Strategien zur Aktivierung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen in der Bottroper Innenstadt sind: Einrichtung urbaner Gärten in der Bottroper Innenstadt zur klimatisch und ökologischen Aufwertung des Wohn- und Lebensraumes Aktivierung der in der Innenstadt lebenden Bevölkerung insbesondere von Migrantinnen und Migranten sowie desinteressierter Gruppen im Sinne einer querschnittsorientierten Integrationsstrategie Erarbeitung und Erprobung zielgrupperelevanter Ansprachemöglichkeiten Evaluierung des Aktivierungsprozesses im Hinblick auf erfolgreiche Aktivierungsstrategien Identifizierung zielgruppenrelevanter Multiplikatoren Erarbeitung eines Konzeptes zum urbanen Gärtnern in der Bottroper Innenstadt in Zusammenarbeit mit Interessierten, der Stadtverwaltung und weiteren Projektpartnern Langfristige Etablierung einer Kultur des urbanen Gärtnerns in Bottrop, aus der heraus weitere Projekte entstehen können Flächenfindung und Bereitstellung für urbanes Gärtnern in der Bottroper Innenstadt Aufbau eines kommunalen, regionalen und überregionalen Netzwerkes für urbanes Gärtnern auch im Hinblick auf die weiteren geplanten Projekte im Sinne des urbanen Gärtnerns 10