Der Frühling ist die Zeit der Pläne, der Vorsätze. Lew Nikolajewitsch Tolstoi ( ) 4. Jahrgang 1. Ausgabe März ,00

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Transkript:

Der Frühling ist die Zeit der Pläne, der Vorsätze Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828 1910) 4. Jahrgang 1. Ausgabe März 2017 5,00

Editorial Inhalt Editorial 03 Editorial Grußworte von Anneli Zenker und Manfred Preuss 04 Mütter und Väter der Pflege (3) Agnes Karll schafft die berufliche Organisation der Krankenpflege 06 Brauchtum Karneval, Fastnacht, Fasten 08 Bad Liebenzell Die Marzipan und Schokoladen Manufaktur in Bad Liebenzell 10 Ostern Was man unbedingt über das Osterfest wissen sollte 12 FrühlingKultur KulturFrühling Frühjahrsgedanken oder wie aus Trotz der Frühling entstand 14 Ausbildung Unsere bisherigen Erfahrungen als Auszubildende im Johanneshaus Bad Liebenzell-Monakam 15 Ausbildung MHT Ausbildungsinitiative 16 Bad Wildbad Jubiläum im Jahr 2017 650 Jahre Überfall im Wildbad 18 Gewaltfreie Kommunikation Gewaltfreies Führen im Unternehmen Fortbildung für Leitungskräfte 19 Ergotherapie Das Neurotraining in der Ergotherapie 20 Ernährung Frühstück, Frühsport und Frühlingsgefühle 22 Ausbildung Das Erlebnis Naomi Feil 23 Natur und Heilkunde Birke als Arzneilieferant Terminvorschau 17. Mai 2017 8. GeriatrieForum Bad Wildbad der Johannesklinik im Forum König-Karls-Bad König-Karl-Str. 1, 75323 Bad Wildbad 09. Juli 2017 Sommerfest des Johanneshauses und der Johannesklinik Bad Wildbad (mit Bunkerführungen) 8. bis 10. Dezember 2017 Winterzauber Bad Wildbad Nostalgischer Weihnachtsmarkt im Kurpark Impressum Herausgeber: MHT Gesellschaft für soziale Dienstleistungen mbh Hochwiesenhof 5 10 75323 Bad Wildbad www.mht-dienstleistung.de www.johanneshaus-bad-wildbad.de www.johannesklinik-bad-wildbad.de www.johanneshaus-bad-liebenzell.de Redaktion: Gabriele Pawluczyk Martin Kromer Wolfgang Waldenmaier gabriele.pawluczyk@monacare.de Grafische Umsetzung: Dagmar Görlitz kontakt@goerlitz-grafik.com Drucktechnische Umsetzung: Karl M. Dabringer dabringer@gmx.at Auflage: 3.000 Liebe Leserinnen und Leser, schon schreiben wir das Jahr 2017. Oh, wie die Zeit vergeht. Kaum ist es her, dass wir Weihnachten und Sylvester gefeiert haben, schon erwacht das neue Leben, die Krokusse und die Schneeglöckchen sprießen. Die Sonne lacht vom Himmel und wir spüren die wohlige Wärme auf der Haut. Jetzt heißt es raus gehen, mit dem Hund an der Leine durch die bunt werdende Natur. Endlich! Die karge Zeit der Grautöne ist vorbei, die Nächte werden kürzer und die Natur erwacht und zeigt sich in frischen Farben. Die Cafes und Restaurants öffnen ihre Außenterrassen, die uns in der bereits wärmenden Mittagssonne zum Verweilen und Sonne tanken einladen. Wohltuend für Körper und Seele dieser Neuanfang, dieser Zauber des Frühlings. Tanken Sie diese Energie! Vielleicht kann der eine oder andere Artikel Sie in diesem Sinne unterstützen. Nota bene wohlgemerkt, lassen Sie sich verzaubern Ihre Anneli Zenker Geschäftsführerin MHT Zum Geleit Der Frühling ist in aller Munde auch die Ihnen jetzt vorliegende nota bene zeugt davon. Nach den kalten, nassen und grauen Wintertagen lechzt man förmlich nach den ersten Sonnenstrahlen. So wie sich Körper, Geist und Seele erneuern, so markiert diese Zeit aber auch Meilensteine für Aufbruch und Erneuerung. Eine unserer zentralen Botschaften dabei ist das Signal, künftig noch stärker auf die Jugend, den Nachwuchs in der MHT zu setzen. Unsere großartigen Auszubildenden (Titelbild) bilden die Grundlage für eine neue, mit allen Kräften zu unterstützende Ausbildungsoffensive. Wir wollen junge Menschen auf ihrem Weg in ihre berufliche Zukunft mit neuen Ideen fördern und unterstützen. Wir wollen damit nicht nur sie selbst, sondern auch das Unternehmen in besonderer Weise fit machen für die Zukunft gesellschaftliche Verantwortung mit Freude und Enthusiasmus erleben. Ihnen unsere Werte von Offenheit, Transparenz und Vertrauen zu vermitteln, von der Wertschätzung und vom Respekt für die Menschen, mit denen und für die wir arbeiten was gibt es Wertvolleres? Eine Aufgabe, für die sich zu kämpfen wahrlich lohnt. Packen wir es an. Manfred Preuss GlobalConcept.Consult AG Seite 2 nota bene März 2017 Seite 3

Mütter und Väter der Pflege (3) Mütter und Väter der Pflege (3) Unter dem Titel Unser Ziel veröffentlichte die Zeitschrift Unterm Lazaruskreuz am 1. Januar 1906 in ihrer ersten Ausgabe dieses flammende Pamphlet: Hatte in vergangenen Zeiten die Krankenpflegerin nur Glied einer Wohltätigkeitsinstitution werden können, so gestalteten allmählich die Wandlungen der Verhältnisse die Pflegetätigkeit zu einem Beruf. männliche Körper schrankenlos preisgegeben. Eltern wurden gewarnt, ihre Töchter unter keinen Umständen einer anderen, als einer religiösen Schwesterngemeinschaft beitreten zu lassen, ansonsten könne eine reine, moralisch einwandfreie Gesinnung nicht garan- Agnes Karll (1868 1927), in Embsen in der Lüneburger Heide geboren, trat im August 1887 in das Clementinenstift in Hannover ein. In diesem Mutterhaus des Roten Kreuzes wurde sie während einer halbjährigen Probezeit von Mitschwestern angelernt. Sie ver- Unterm Lazaruskreuz en, nicht konfessionellen Pflege ausgesetzt waren. Ausbeutung durch die Betreiber privater Schwesternheime, katastrophale Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung waren die Erfahrungen, die Agnes Karll machen musste. Diese zehn Jahre in der Privatpflege brachten sie an den Rand ihrer körperlichen Leistungskraft ihre Gesundheit war existentiell gefährdet. So erging es zur Wende des letzten Jahrhunderts unzähligen Mädchen und Frauen, die nichts anderes im Sinn hatten, als sich der Not der Kranken zu widmen. Durch die Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung (1883) konnten sich nun auch diejenigen Bevölkerungsschichten zu einer Behandlung oder zu einer Operation bege- ben, die sich so etwas vorher nicht leisten konnten. Das führte natürlich zu einem Mehrbedarf an Kran- Ziele waren unter anderen: Arbeitsplatzvermittlungen, Unterstützung bei Vertragsabschlüssen, Beratung in Arbeits- und Rechtsfragen und allgemeine Bildungs- und Aufklärungsangebote. Eines der Hauptziele der Organisation war, die dreijährige fundierte Ausbildung mit staatlicher Prüfung gesetzlich festzuschreiben. Am 1. Juni 1907 trat das erste Krankenpflegegesetz Preußens in Kraft. Enttäuschend für staatliche Abschluss. Dadurch war von nun an der Krankenpflegeberuf ein anerkannter, staatlich definierter Beruf. Die gesetzliche Verankerung der dreijährigen Ausbildung sollte noch einige Zeit auf sich warten lassen nämlich bis zum Jahre 1957. Vom Wintersemester 1912 an hielt Agnes Karll als Dozentin an der Frauenhochschule zu Leipzig Fortbildungskurse für Krankenpflegerinnen ab. Unter anderem referierte sie vor unzähligen wissensbegierigen Schülerinnen über die Geschichte der Krankenpflege. Agnes Karll verstarb am 12. Februar 1927. Die von ihr ins Leben gerufene Berufsorganisation wurde ab 1933 von den Nationalsozialisten zuerst stark eingeschränkt, ab 1938 dann verbo- ten. Nach Ende des Zweiten Welt- Man mag es sich kaum vorstellen: So genannten wilden Schwestern, das heißt, Schwestern, die nicht konfessionell an ein Mutterhaus gebunden waren, wurde Ende des vorletzten Jahrhunderts ernsthaft vorgeworfen, sie hätten unehrenhafte Motive für ihre Berufswahl. Ihnen sei, so hieß es, der ganze Agnes Karll schafft die berufliche Organisation der Krankenpflege tiert werden. Allgemeiner Konsens der konfessionellen Verbände war, dass die Krankenpflege eine reine christliche Liebestätigkeit sei und keinerlei Vergütung bedarf. pflichtete sich für die damals üblichen drei Jahre, erduldete die schlechte Behandlung und die Ungerechtigkeiten der Oberin und gab sich mit einem geringen persönlichen Taschengeld zufrieden. Hier erfuhr sie das ganze Ausmaß der Missstände innerhalb der Krankenpflege zu jener Zeit. Im Jahre 1890 entschloss sich Agnes Karll, als freiberufliche Privatpflegerin nach Berlin zu gehen. In den folgenden zehn Jahren wurde ihr dann jedoch das ganze Ausmaß der Diskriminierung klar, dem die Schwestern in der frei- ken- pflegerinnen. Und so stand Agnes Karll mit ihren negativen Erfahrungen selbstverständlich nicht alleine sie fand schnell Frauen mit ähnlichen Vorstellungen, mit gleichen Zielen und Wünschen für eine bessere Zukunft. Die Gründungsversammlung für die Berufsorganisation der Krankenpflegerinnen Deutschlands fand am 11. Januar 1903 statt. Agnes Karll hatte die Satzung dafür entworfen. Das Symbol des Lazaruskreuzes wurde zum Zeichen des neu gegründeten Verbandes. Agnes Karll und ihre Mitstreiter war, dass es lediglich eine einjährige Ausbildungszeit vorschrieb aber ein Teilerfolg war immerhin der nun garantierte kriegs gründete sich der Verband nun als Agnes-Karll-Verband und schloss sich 1973 gemeinsam mit anderen Organisationen zum Deutschen Berufsverband für Krankenpflege (DBfK) zusammen. Im Blick der Geschichte gilt Agnes Karll als eine der herausragenden Gestalterinnen in der Entwicklung der Krankenpflege. Ihre Entschlossenheit, ihre Kompetenz und ihre Weitsicht haben die Pflege insgesamt bis auf den heutigen Tag geprägt. Wolfgang Waldenmaier Seite 4 nota bene März 2017 Seite 5

Brauchtum Bereits vor 5000 Jahren wurden in Mesopotamien Vorläufer des Faschings oder Karnevals gefeiert im Land mit den ersten urbanen Kulturen. Eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. gibt Kunde davon, dass unter dem Priesterkönig Gudea ein siebentägiges Fest gefeiert wurde und zwar nach Neujahr als symbolische Hochzeit eines Gottes. Die Inschrift besagt: Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet. Hier wird zum ersten Mal das Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert bis heute ein charakteristisches Merkmal der fünften Jahreszeit. Die derzeit älteste bekannte literarische Erwähnung der fasnaht findet sich in einem auf das Jahr 1206 datierten Teil des Parzival des Minnesängers Wolfram von Eschenbach. Er beschreibt dort mit blumigen Worten, wie die Frauen rund um die Burg der Grafen von Hirschberg-Dollnstein am Donnerstag vor Aschermittwoch groteske Spiele, Tänze und Verkleidungen vollführten. Die kleine Marktgemeinde Dollnstein im Altmühltal (Bayern) reklamiert deshalb für sich, Wiege des deutschen Karnevals im Allgemeinen und der Weiberfastnacht im Besonderen zu sein. Am 5. März 1341 wird das Wort Fastelovend im so genannten Eidbuch der Stadt Köln mit der Bemerkung erwähnt, dass der Rat zu Fastnacht keiner Gesellschaft Zuschüsse aus dem städtischen Vermögen gewähren (soll). Zum 1. Juli 1412 trat ein Verbot des Kölner Rats, Spiele und Tänze an geheimen Orten und in Zunfthäusern ohne Wissen und Willen der Zünfte abzuhalten, in Kraft. 1422 taucht erstmals eine Erwähnung des Kölner Bauern als Schildhalter des Reichs in einem Gedicht auf. Karneval, Fastnacht, Fasten 1425 erscheint der Bauer dann auch erstmals in einem Rosenmontagszug. Um 1440 entstanden in einem Fries des Gürzenich erste Abbildungen des Fastnachtstreibens. 1570 erschien auch erstmals die Kölner Jungfrau neben dem Bauern. Sie verkörperte die Stadtgründerin Agrippina und die freie unabhängige Stadt. Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren in seinem Werk De civitate Dei zurückgeführt. Die Fastnacht steht für die civitas diaboli, den Staat des Teufels. Daher wurde die oftmals ausartende Fastnacht von der Kirche als didaktisches Beispiel geduldet, um zu zeigen, dass die civitas diaboli wie auch der Mensch vergänglich sind und am Ende Gott siegreich bleibt. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden Szenen während der Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den Aschermittwoch hinein streng verfolgt. Neuzeit Die Reformation stellte die vorösterliche Fastenzeit in Frage. Die Fastnacht verlor damit ihren Sinn. In protestantischen Gegenden gerieten viele Bräuche zum Teil wieder in Vergessenheit. Im Barock und Rokoko wurden vor allem auf Schlössern und an den Fürstenhöfen Karnevalsfeste gefeiert, deren Masken sich stark an die italienische Commedia dell arte anlehnten. Während in den Städten vermehrt Handwerkszünfte und dort insbesondere die jungen Gesellen die Fastnacht ausrichteten, übernahm im frühen 19. Jahrhundert insbesondere im rheinischen Raum das Bürgertum die Festveranstaltung, da Zünfte in der Folge der Französischen Revolution und des Einmarsches von französischen Truppen unter Napoleon Bonaparte an Bedeutung verloren oder sogar aufgelöst wurden. Die französischen Besatzer untersagten in Köln die Fastnacht am 12. Februar 1795, erlaub- ten sie jedoch am 28. Januar 1804 wieder. Karneval war zwar wieder erlaubt, wurde jedoch als rüpelhaft angesehen und vielfach beklagt. Zu diesem Zeitpunkt tauchte wohl nicht erstmals der Ruf Kölle Alaaf auf, und zwar als Toast-Ruf für den späteren König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen während seines Besuches in Köln im Jahre 1804. Der kölnfreundliche König erinnerte sich später bei seinem erneuten Besuch 1848 anlässlich des Beginns des Weiterbaus am Kölner Dom daran und rief zum Schluss seiner Ansprache auch Alaaf. Das Bürgertum feierte zwar nach wie vor närrische Maskenbälle, die Straßenfastnacht war aber nahezu ausgestorben. Der Karneval in Köln, das nach dem Abzug der Franzosen seit 1815 preußisch war, wurde 1823 mit der Gründung des Festordnenden Comites neu belebt und organisiert, vermehrt um die Komponente der Kritik an der (fremden) Obrigkeit: ein kulturpolitischer Streich mit humoristischem Ambiente. Vor allem in Österreich, der Schweiz, dem Elsass, Bayern und Baden-Württemberg erhielten sich ältere Formen. Besonders in Baden-Württemberg wird heute zwischen Karneval und schwäbisch-alemannischer Fastnacht unterschieden. Nachdem sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch hier der Karneval durchgesetzt hatte, wurde nach dem Ersten Weltkrieg eine Rückbesinnung auf die alten Formen gefordert, die sich in der Gründung der Vereini- gung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte 1924 manifestierte. Fasten damals und heute Kurz nach der Fixierung des Karnevals im Jahr 354 gab es auch bereits vor Weihnachten eine vorbereitende vierzigtägige Fastenzeit, ähnlich der heutigen österlichen Fastenzeit nach Karneval. Sie begann am 11. November, dem Martinstag. Es galt, die vorhandenen Lebensmittel zu verzehren, die nicht fastenzeittauglich waren, wie Fleisch, Fett, Schmalz, Eier und Milchprodukte. Heute beginnt die Fastenzeit mit dem Aschermittwoch. In der Nacht zu Aschermittwoch um Punkt Mitternacht endet der Karneval und es gibt an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine Strohpuppe, den so genannten Nubbel, als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage verbrennen. Mancherorts treffen sich die Karnevalisten am Aschermittwoch noch einmal zu einem gemeinsamen Fischessen oder zu einem rituellen Portemonnaie-Auswaschen. Die Bedeutung des Fastens geht heute weit über die Enthaltsamkeit oder den Verzicht von Nahrung hinaus. Es gibt viele Wege, zu sich zu finden und sich auf Elementares zu fokussieren der eine verzichtet auf Nahrung insgesamt, der andere nur auf Süßes oder Alkohol, wieder ein anderer legt einmal eine gewisse Zeit sein Handy zur Seite. Fasten kann die Reinigung des Körpers ebenso sein wie eine Heilkur für die Seele red(quellen Wikipedia) Seite 6 nota bene März 2017 Seite 7

Bad Liebenzell Bad Liebenzell vor zwei Jahrzehnten hat die Fachfrau für süße Genüsse die im Jahr 1976 in Bad Liebenzell gegründet Frischmann- Marzipan GmbH übernommen und daraus ein neues Konzept entwickelt, das mittlerweile durch die Gläserne Manufaktur zu einem besonderen Highlight für Gäste aus der Region und Besucher aus ganz Europa geworden ist. Der aus hygienischen Gründen hinter Glas stattfindende Prozess des Schokola- volle Handschrift der kreativen Konditoren zu erkennen. Jedes Detail stimmt. Zwölf Mitarbeiter haben mittlerweile in der Manufaktur einen Arbeitsplatz gefunden. Unverkennbar spiegeln die Produkte aus Marzipan die raffinierten und facettenreichen Details wieder, die das Produkt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene so einzigartig macht. Son- Liebenzeller Marzipan und Schokoladen Manufaktur GmbH Kirchstr. 2, 75378 Bad Liebenzell Telefon: 07052-1670 Jeden 1. Dienstag im Monat gibt es eine öffentliche Führung um 13.30 Uhr, für Gruppen werden gerne extra Termine vereinbart. (www.liebenzeller-msm.de und www.facebook.com/liebenzeller) Im Herzen von Bad Liebenzell verwirklichte Margot Wein ein nicht alltägliches Projekt. Mitten in der Kurstadt entstand eine Gläserne Manufaktur mit einem Verkaufsraum für Schokoladen und Marzipanfreunde Margot Wein ist die Erfinderin der Schwarzwälder Kirschtorte aus Marzipan die Marzipan und Schokoladen Manufaktur in Bad Liebenzell Im Bereich der Schokoladenliebhaber ist Margot Wein keine Unbekannte. Vor zehn Jahren fand die leidenschaftliche Konditorin in Bad Liebenzell den richtigen Platz für eine Genuss-Oase, die ihren ganz speziellen Vorstellungen entsprach. Die Geschäftsführende Gesellschafterin der Liebenzeller Marzipan und Schokoladen Manufaktur ist eine waschechte Schwarzwälderin und daher der Region und der Heimat mehr als verbunden. In der Kirchstrasse 2 waren die erforderlichen Räumlichkeiten vorhanden, um das Konzept der kreativen Geschäftsfrau umzusetzen. Bereits demachens belebt als Touristische Attraktion das Liebenzeller Stadtgebiet. Unterstützt durch eine raffinierte Videotechnik wird bei öffentlichen Führungen die Produktion von Marzipanfiguren und die aufwändige Dekoration der hausgemachten Pralinés in den Mittelpunkt gerückt und wie ein Theaterstück inszeniert. Im stimmungsvollen Ambiente des Verkostungsraums können Gäste vom massiven Tisch aus heimischen Holzbalken aus verfolgen, wie aus einem Stück Marzipan ein liebenswertes Glücksschwein entsteht. Besonders deutlich ist im Verkaufsraum die liebe- derwünsche werden prompt erledigt, auch wenn ein hellblaues Einhorn offiziell nicht im Sortiment vorhanden ist. Vom Affen bis zum Schweinchen mit Zuckerschnäutzchen haben aber alle Tiere eine wohlüberlegte Berechtigung. Spannend wird es bei den Workshops zu Kindergeburtstagen. Dann steht auch schon mal eine Spezial-Pizza aus erlesenen Schokoladenzutaten im Mittelpunkt des Geschehens. Mit der Liebenzeller Marzipan und Schokoladen Manufaktur hat Margot Wein nicht nur eine regionale Marke gegründet, sondern zudem die Kunst der handwerklichen Produktion für je- dermann zugänglich gemacht. Lokal und mit vielen Facetten vertritt sie zudem die Genussregion Nördlicher Schwarzwald. Speziell aus regionalen Zutaten hat sie eine neue Pralinensorte kreiert: Der Apfel-Birnen Trüffel besteht aus einer hellen Sahneganache und ist verfeinert mit einem Apfelbrand, selbstverständlich aus heimischem Obst von alten Streuobstwiesen, und ist, gerollt in knusprigen Mandelblättchen, einfach ein Genuss. Das Sortiment ist umfangreich. Über 60 verschiedene Pralinensorten werden saisonal gefertigt. Darunter selbstverständlich auch Spezialitäten, die zum Schwarzwald passen. Neben Kirschwasser-Trüffel und Schwarzwaldholz ist die Schwarzwälder Kirschtorte aus Marzipan ein echter Exportschlager. Den Klassiker unter den Torten gibt es als feines Tortenstückchen ebenso wie als ganze Torte en miniature und geht als Souvenir aus dem Schwarzwald auch über den online Shop weltweit auf Reise Marzipan sei Dank. Sabine Zoller Seite 8 nota bene März 2017 Seite 9

Ostern Ostern Wie errechnet sich der jährliche Ostertermin? Am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond ist Ostersonntag. Das heißt, der früheste mögliche Ostertermin ist der 20. März (Frühlingsanfang) wenn an diesem Tag Sonntag und Vollmond ist. Seit wann wird das Osterfest gefeiert? Ostern ist das älteste Fest der Christenheit und wird seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. gefeiert. Der Ursprung ist das jüdische Passahfest, auf das auch die Errechnung des Ostertermins zurückgeht. Was geschah an Ostern? Jesus wurde der Überlieferung nach an Gründonnerstag verraten und verhaftet. Er wurde verhört, aufs Schlimmste gefoltert und schließlich an Karfreitag brutal ans Kreuz genagelt. Am Ostersonntag, also am dritten Tage, feiern die Christen die Auferstehung Jesu. Wer fand das leere Grab, gibt es Zeugen? Nachdem fast alle Jünger vor Angst das Weite suchten, machten sich drei Frauen darunter Maria Magdalena auf den Weg, den Leichnam nach jüdischer Tradition zu salben. Sie fanden das Grab leer. Jesus erschien den Frauen und fragte, warum sie den Lebenden unter den Toten suchen. Er gab ihnen den Auftrag, den Jüngern die freudige Botschaft der Auferstehung zu übermitteln. Warum ist der Sonntag der erste Tag der Woche? Eigentlich heiß es doch: Am siebenten Tage sollt ihr ruhen. Der siebente Tag ist aber in der jüdischen Tradition der Sabbat (Samstag). Laut Evangelium fand die Auferstehung Jesu am ersten Tag der Woche statt. Aus diesem Grunde legte die Christenheit ihren Ruhetag vom siebenten auf den ersten Tag der Woche. In vielen Kalendern ist das auch heute noch so: Die Woche beginnt mit dem Sonntag. Aus welchem Grund feiern wir Fastnacht, Karneval, Fasching? Die Fastenzeit vor Ostern, auch Passionszeit genannt, dauert vierzig Tage. In dieser Zeit wird an das Leiden Jesu erinnert und Einkehr gehalten. Man hält sich mit den Genüssen zurück und Von Hasen und von bunten Eiern, vom Fasten und vom Ostern feiern Was man unbedingt über das Osterfest wissen sollte Was hat das denn mit dem Hasen auf sich? Zur Symbolfigur der Auferstehung wurde der Hase, weil man ihm die Eigenschaft zuerkannte, nie zu schlafen. Er hat keine Augenlider und schiebt aus diesem Grund seine Pupillen im Schlaf nach oben. Warum hat das Ei zu Ostern eine ganz besondere Bedeutung? Das Ei gilt als Zeichen des Lebens. Im Christentum wurde es zum Zeichen des neuen, von Gott kommenden Lebens. Vielfach wurden in früheren Zeiten die Pacht und der Zins vom kleinen Mann mit Eiern bezahlt. Die üblichen Fälligkeitstermine waren der 11. November (Martini) und das Osterfest. fastet. Diese Zeit beginnt nun also vierzig Tage vor Ostersonntag, nämlich an Aschermittwoch. So hat es sich im Laufe der Jahrhunderte eingebürgert, vor der Zeit des Verzichtes noch einmal kräftig auf den Putz zu hauen. Fastnacht eben! red Seite 10 nota bene März 2017 Seite 11

FrühlingKultur KulturFrühling Der Frühling. Eine Zeit des Neubeginns und der Reinigung. Zumindest war das bei uns zuhause so. Sobald die ersten warmen Strahlen durch unsere Fenster schienen, wurde der Schlachtruf zum Frühjahrsputz ausgestoßen! Dann wurden alle Putzmittel, die man mal aus schlechtem Gewissen oder kurzlebiger Motivation gekauft hatte, hervorgekramt und die Wohnung auf den Kopf gestellt. Die Böden wurden gesaugt und gewischt, die Teppiche ausgeklopft, die Küche auf Hochglanz poliert, die Fensterscheiben von innen und außen gereinigt, das Bad wurde industriell entkeimt und die Vorhänge aus dem ganzen Haus gewaschen. Abends war man mehr als erledigt. Man hatte Muskelkater an Stellen, die man vorher nicht einmal kannte und die Hände waren wund vom Schrubben und zu viel Putzmittel. Aber man fühlte sich fantastisch. Man fühlte sich leicht, als wäre der ganze Schmutz des Winters, des ganzen letzten Jahres abgewaschen worden und man beginne jetzt von neuem (nach der obligatorischen Belohnungsdusche für das müffelnde Selbst, natürlich). Als Kind macht man da halt mit, weil die Erziehungsberechtigten einen entweder zwingen oder man mit Ihnen gerne gemeinsam etwas macht, was Ihnen wohl wichtig ist. Man versteht noch nicht, warum man diesen Neubeginn braucht, es ist doch alles so wunderbar spannend und selbstbestimmt als Erwachsener. Jetzt, in meinen Mittzwanzigern, verstehe ich dieses Bedürfnis nach einem sauberen Neuanfang durchaus. Aber woher kommt eigentlich diese Assoziation des Frühlings mit dem Neubeginn? Nehmen wir einmal Ludwig Uhlands Gedicht Frühlingsglaube : Die linden Lüfte sind erwacht, Sie säuseln und weben Tag und Nacht, Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! Nun, armes Herze, sei nicht bang! Nun muss sich alles, alles wenden. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Man weiß nicht, was noch werden mag, Das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Tal: Nun, armes Herz, vergiss der Qual! Nun muss sich alles, alles wenden. Schon bei ihm war das Erwachen des Frühlings ein Aufruf zur Wende. Sei es ein neuer Vorsatz, den man endlich umgesetzt hat, ein neuer Job, neue Möbel oder eine neue Liebe. Und hier wären wir wieder. Bei dem Thema, das sich durch alle anderen Themen zieht. Die Kraft, die alles durchströmt, und, je mehr ich mich damit auseinandersetze, hinter allem steckt. Nehmen wir allein die griechische Mythologie. Ich liebe einfach den ersten Satz in der Schöpfungsgeschichte: Am Anfang war das Chaos. Aus dem Chaos entstand Gaia, die Erde, und Uranos, der Himmel, Tartaros, die Dunkelheit/die Nacht, und natürlich der Tag. Als Gaia dann anfing, die Erde zu gestalten, gebar sie als Erstes die Liebe, um die Schönheit in die Welt zu bringen. Natürlich gestaltete sie noch etwas mehr und so entstand die Welt, wie wir sie heute kennen, mit Gaia als Erdmutter und später dann Zeus und seiner Familie auf dem Olymp. Eine von Zeus Schwestern, Demeter, war für die Fruchtbarkeit auf der Erde verantwortlich, dafür dass alles wuchs und gedieh. In der damaligen Zeit herrschte noch immerwährender Sommer auf der Erde. Demeter hatte eine Tochter, Persephone, die der junge, strahlende Frühling selbst war. Dies blieb dem Gott der Unterwelt, Hades, nicht verborgen. Er verliebte sich in sie und, da er sich nicht anders zu helfen Frühjahrsgedanken oder wie aus Trotz der Frühling entstand wusste, stahl er Persephone kurzerhand von der Erde und nahm sie mit in sein Reich, die Unterwelt. Dort wollte er sie solange behalten bis sie einwilligte, seine Frau zu werden. Doch Persephone ließ sich nicht so leicht einschüchtern. Ihr einziges Problem war nur, sie durfte in der Unterwelt nichts essen. Tat sie es doch, war sie für immer dazu verdammt, dort zu bleiben. Die Monate zogen sich dahin und irgendwann stahl sich Persephone in einem scheinbar unbeobachteten Moment vier Granatapfelkerne. Dies besiegelte ihr Schicksal. Als Demeter entdeckte, dass ihre Tochter verschwunden war, fiel sie in tiefe Traurigkeit und zog sich zurück in eine Höhle, während die ganze Welt im tiefsten Winter versank. Hermann Hesse: Im Nebel Seltsam, im Nebel zu wandern! Einsam ist jeder Busch und Stein, kein Baum sieht den anderen, jeder ist allein. Voll von Freuden war mir die Welt, als noch mein Leben Licht war, nun, da der Nebel fällt, ist keiner mehr sichtbar. Wahrlich, keiner ist weise, der nicht das Dunkle kennt, das unentrinnbar und leise von allen ihn trennt. Seltsam, im Nebel zu wandern! Leben ist Einsam sein. Kein Mensch kennt den anderen, jeder ist allein. Doch Hades, bis über beide Ohren verliebt in seinen unfreiwilligen Gast, schaffte es, ihr Herz zu gewinnen und ihr die Freude zurückzugeben. Doch Persephone vermisste trotz allem die Welt im Tageslicht und ihre Mutter. Hades, der es nicht ertrug, seine junge Braut so unglücklich zu sehen (der Fakt, das Zeus ihm wegen des ewigen Winters und der Unfruchtbarkeit auf der Welt im Nacken saß, spielte auch etwas mit hinein), schloss daraufhin mit Demeter einen Kompromiss: Acht Monate des Jahres lebt Persephone nun mit ihrer Mutter auf der Erde, und vier Monate lebt sie bei ihrem Mann Hades in der Unterwelt. Und so entstanden die Jahreszeiten: Winter Persephone ist in der Unterwelt, Frühling Persephone kehrt zurück, Sommer ihre Mutter ist sehr glücklich, Herbst der Abschiedsschmerz beginnt. Kurz zusammengefasst: Kaum setzt sich die Göttin der Fruchtbarkeit, erst aus Traurigkeit und dann aus reinem Trotz, über das Verschwinden ihrer Tochter mal ein paar Monate in eine Höhle ab, schon beugt sich der große Gott der Unterwelt ihren Wünschen. Diese Geschichte fasziniert mich. Die Liebe einer Mutter zu ihrer Tochter ist so stark, dass sie alles überwindet und nebenbei noch die Jahreszeiten erschafft. Ist es diese Wiedersehensfreude von Demeter, die uns jeden Frühling aufs Neue mitreißt? Oder ist es das Erstrahlen der Natur in neuer Fruchtbarkeit, die uns motiviert? Egal woran man glaubt, der Einfluss des Frühlings auf alle Lebewesen ist nicht zu verleugnen. 0 Fortsetzung auf Seite 22 Seite 12 nota bene März 2017 Seite 13

Ausbildung Ausbildung Unsere bisherigen Erfahrungen als Auszubildende im Johanneshaus Bad Liebenzell- Monakam Seit 01.10.2016 bin ich Auszubildender im ersten Lehrjahr im Johanneshaus. Entdeckt habe Ich den Beruf des Altenpflegers durch einen guten persönlichen Freund im Jahre 2014, woraufhin ich meinen 1 ½ jährigen bundesfreiwilligen Dienst (BfD) im Friedensheim Stammheim absolviert habe. Nachdem der BfD abgelaufen war, habe Ich beschlossen, mich als Azubi im Johanneshaus zu bewerben, um einer neuen Herausforderung in meinem Leben nachzugehen. Seit März 2016 arbeite ich nun im Johanneshaus, wo ich bis zu meinen Ausbildungsbeginn als Pflegehelfer beschäftigt war. Meine bisherigen Erfahrungen haben meine Erwartungen um Meilen positiv übertroffen! Mein Team im Wohnbereich ist zwar eher ein kleines, jedoch sind wir alle mit viel Leidenschaft dabei. Ich helfe bei der Grundpflege mit, fülle Tagesberichte aus, bekomme Anleitungsstunden von unseren Mentoren und kümmere mich mit großer Begeisterung um die Bewohner unseres Hauses. Wir Schüler bekommen regelmäßig Anleitungsstunden, in denen uns Tipps für die Grundpflege, Verbandswechsel, Wundversorgungen oder Vitalwertmessungen gegeben und viele theoretische Grundlagen beigebracht werden. Genau durch diese sehr wichtigen Stunden bekommen wir Schüler einen geschulteren Blick für den Alltag in der Einrichtung und können unsere Beobachtungen und Wahrnehmungen täglich fördern und verbessern. Ich bin also im Großen und Ganzen sehr mit meiner Ausbildung zufrieden, bereue es nicht, den Schritt gemacht zu haben, und freue mich auf die nächsten zweieinhalb Jahre Ausbildung in diesem tollen Haus, wo es Spaß macht, jeden Tag zur Arbeit zu kommen! Tristan Morof Auszubildender, 1. Lehrjahr Kurz vor dem Schulabschluss, planlos in die Zukunft, welchen Beruf will ich lernen? So geht es vielen, die zwischen dem 16. und 19. Lebensjahr ihren Schulabschluss absolvieren. Für mich stand schon immer fest, sinnvoll muss es sein. Schon als Kind hatte ich mehrere Einblicke in die Pflege alter Menschen und machte mir somit ein Bild dieses Berufes. Dabei stand fest, das möchte ich nicht lernen! Doch als es dann mit 17 Jahren ernst wurde, stellte ich mich einem Thema, dem ich bis dahin aus dem Weg ging der Herausforderung Altenpflege. Noch unsicher, entschied ich mich dafür, die 3-jährige Ausbildung am 1. September 2015 in Angriff zu nehmen. Tatsächlich erkannte ich schon nach wenigen Tagen den Wert meiner Arbeit und die große Dankbarkeit von denjenigen, die bis heute auf meine Hilfe angewiesen sind. In meiner Tätigkeit lerne ich sehr viele Menschen kennen, die auf ein Leben voller Erinnerungen zurückblicken. Ich höre täglich die unterschiedlichsten Geschichten, lerne von den Alten und lerne gleichzeitig mich selbst ein Stück besser kennen. Schon alleine die Dankbarkeit, der Respekt und die Freude während jedes Arbeitstages sind ein wertvoller Preis der sich nicht in Geld zählen lässt. Was ich am Johanneshaus besonders schätze, ist das Gefühl der Zugehörigkeit. Egal, ob Fachkraft oder nicht, jedes Teammitglied wird gleich gewertet. Es erfordert Zusammenhalt, aber gleichzeitig Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein, um unseren beruflichen Alltag gut zu meistern. Schon als Auszubildende fühle ich mich in meinem Arbeitsalltag als wichtig angesehen. Da das gegenseitige Vertrauen ein gleichzeitiges Zutrauen ist, lernt man viele neue Dinge dazu und vergrößert so seine Vielfalt der Aufgaben. Auch während stressigen Situationen vergeht bei mir kein Tag ohne Freude. Wenn Unklarheiten, Probleme oder persönliche Anliegen auftreten, finde ich immer jemanden, der ein offenes Ohr für mich hat und mich dabei unterstützt. Durch die Größe unserer Einrichtung gib es ein enges Zusammenarbeiten im gesamten Haus und eine gewisse Atmosphäre von Zuhause für die Bewohner. Franziska Hagen Auszubildende, 2. Lehrjahr MHT Ausbildungsinitiative Verantwortung übernehmen in einem der besonders wichtigen gesellschaftlichen Bereiche Wer Freude daran hat, abwechslungsreiche und verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen, ist in der Pflege genau richtig. Im Team und dabei doch selbständig bewegen Pflegende jeden Tag etwas. So gestalten sie die Gesellschaft aktiv mit und machen den kleinen Unterschied. nota bene sprach mit Monika Werner, der Verantwortlichen für die neue Ausbildungsinitiative bei der MHT. nb: Was hat die MHT zur neuen Ausbildungsinitiative veranlasst? Monika Werner: Der Mangel an Pflegefachkräften wird immer dramatischer. Und diese Situation wird sich künftig eher verschärfen. Also müssen wir verstärkt selbst ausbilden und alles dafür tun, dass sich unsere Auszubildenden mehr und mehr mit unserem Unternehmen identifizieren und uns dann nach ihrer Ausbildung auch erhalten bleiben. nb: Was kann einen bewegen, einen Pflegeberuf zu ergreifen? Monika Werner: Pflegefachkräfte werden aufgrund der stetig zunehmenden Zahl älterer Menschen immer mehr gebraucht. Wer sich für eine Ausbildung im Pflegeberuf entscheidet, wählt einen Beruf mit Zukunft und guten Aufstiegsund Karrierechancen. nb: Was verstehen Sie unter Karrierechancen? Monika Werner: Wir begleiten unser Azubis auch nach Ihrer Ausbildung. Wir bieten und fördern Fort- und Weiterbildung ebenso wie berufliche Qualifikation. Jeder hat es selbst in der Hand, seine berufliche Karriere weiter voranzubringen mit unserer Unterstützung. Auch künftig werden Führungskräfte in der Pflege gebraucht. nb: Was spricht gerade für die MHT als Ausbildungsbetrieb? Monika Werner: Die Ausbildung durch unsere Praxisanleiter mit dem zu begleiten, was für einen Ausbildungsbetrieb Pflicht ist, halten wir für selbstverständlich. Wir wollen und werden darüber hinaus aber noch mehr bieten, z.b. gemeinsame Studientage mit anerkannte Referenten zu besonders interessanten Fachthemen, vertiefende Lernangebote gerade auch im Wundmanagement oder der Naturheilkunde, vergütete Freizeit für Prüfungsvorbereitungen, kostenfreie Lernmaterialien oder auch einmal jährlich einen Team-Eventgemeinsam lernen und feiern. nb: Was erhoffen Sie sich von diesem Angebot? Monika Werner: Wir bauen auf engagierte und kompetente Mitarbeitende, die den Menschen, die sich unseren Einrichtungen anvertrauen, in Würde, mit Wertschätzung und mit viel Herz begegnen. Monika Werner Seit März 2015 ist Monika Werner im Pflegemanagement der MHT tätig. Ihre Hauptaufgaben sind die Entwicklung eines Ausbildungskonzeptes und die Einführung der Entbürokratisierten Pflegedokumentation (kurz SIS genannt) in den beiden Pflegeheimen der MHT. In einem Haus wurden zwischenzeitlich alle Bewohner auf SIS umgestellt, im anderen laufen die Vorarbeiten für die Umsetzung. Mit dem geplanten Ausbildungskonzept soll die Ausbildung der Altenpflege attraktiver gestaltet werden Aktivitäten zur Stärkung der Gemeinschaft und gezielte Lernangeboten sollen die Freude und Fachlichkeit am Beruf fördern. Frau Werner ist zudem Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung. Auch in diesem Bereich wird unermüdlich daran gearbeitet, wie die Pflege in den MHT-Häusern sowohl für die Mitarbeiter als auch für Bewohner und Patienten verbessert und attraktiv gestaltet werden kann. Ihre Berufspraxis sammelte Frau Werner zuerst als Krankenschwester, überwiegend im klinischen Bereich der Neurologie und in der Altenpflege. Sie bildete sich zur Lehrerin für Gesundheitsberufe weiter. Und, heute kaum vorstellbar, zu dieser Zeit gab es zu viele Pflegelehrer für wenige freie Stellen und so rutschte sie beruflich in die Anfänge des Qualitätsmanagements. In einem psychiatrischen Pflegeheim in Göppingen entwickelte und implementierte Frau Werner das Pflege-Qualitätshandbuch und später auch das Ausbildungskonzept. Zuletzt arbeitete sie in Karlsruhe als Einrichtungsleitung. Privat engagiert sich Frau Werner im Tier- und Naturschutz. 10 Jahre lang betrieb sie eine kleine Ranch mit Hühnern, Katzen, Hunden und Westernpferden. Heute vermittelt sie Hunde aus einer Tierschutzorganisation. Über den zuletzt vermittelten Hund Chico wurde in der letzten Ausgabe der nota bene berichtet. Er hat inzwischen einen festen Platz in einer Familie in Baden- Baden gefunden und alle sind glücklich und zufrieden mit ihm und bestimmt auch umgekehrt. Seite 14 nota bene März 2017 Seite 15

Bad Wildbad Bad Wildbad Jubiläum im Jahr 2017 650 Jahre Überfall im Wildbad Die historischen Fakten Im Frühjahr 1367 hielt sich der württembergische Graf Eberhard II, genannt der Greiner, zusammen mit seiner Frau, seinem Sohn, seiner Schwiegertochter, seinem Enkel sowie dem Gesinde in Wildbad auf. Eines Nachts wurde er von Wolf von Eberstein, Wolf von Wunnenstein sowie Konrad und Hans von Schmalenstein und anderen Verschwörern angegriffen. Die Gegner kamen aus Norden, vermutlich hatten sie sich für den Überfall in der Burg Straubenhardt versammelt. Sie mussten nur eine kurze Strecke über fremdes Territorium reiten, um an ihr Ziel zu gelangen, denn Wildbad lag an der westlichen Grenze der württembergischen Grafschaft. Mit einem schnellen, nächtlichen und damit überraschenden Angriff hofften sie, die Gunst der Stunde nutzen und den Überfall erfolgreich durchführen zu können. Warum kam es zu diesem Überfall? Das 14. Jahrhundert war im Südwesten geprägt von Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Herrschaften, die um Territorien und deren Erweiterungen sowie um Einfluss und Macht rangen. Die Württemberger entwickelten dabei großes Geschick: So manches Territorium wurde aufgrund wirtschaftlicher Krisen aufgekauft, bei Erbteilungen streckten sie die Finger nach den Besitzungen aus und erlangten oft Rechte, sie schreckten auch nicht vor Kämpfen und Eroberungen zurück. So hatten die Württemberger in den vergangenen Jahrzehnten u.a. das Vorkaufsrecht an allen Ebersteinischen Besitztümern und Nutzungsrechte an der Burg Neueberstein sowie in Gernsbach erlangt. Der Ebersteiner und seine Verbündeten wollten mit dem Überfall sicher weitere Eingriffe der Württemberger auf ihre Besitzungen verhindern und ihrerseits im Ränkespiel ihre Positionen stärken. Was genau die Angreifer bei diesem Überfall mit der gräflichen Familie vorhatten, wird wohl für immer Spekulationen vorbehalten sein. Eine zeitgenössische Quelle formuliert, dass die Angreifer die Württemberger mortlich und rauplich ubervallen, beraubt und ubel gehandelt han und auch etliche ihrer diener erslagen, gewunt und gevangen han. Das deutet auf einen heftigen, gewalttätigen sowie Tote und Verwundete fordernden Überfall hin. Die Herrschaftsfamilie überstand den Überfall jedoch unbeschadet, weil sie sich auf ihre Burg Zavelstein im heutigen Bad Teinach retten konnte. Wäre das Attentat auf Graf Eberhard und seine Familie damals jedoch geglückt, hätten sie gar ihr Leben verloren, wäre das Haus Württemberg zumindest für einige, vielleicht für eine entscheidende Zeit ins herrenlose Chaos gestürzt und die territorialen Kämpfe hätten vermutlich andere Wendungen genommen. Dass die Gegner mit dem Attentat nicht erfolgreich waren, bekamen vor allem die Ebersteiner zu spüren: Sie wurden von Kaiser Karl IV., der auf der Seite der Württemberger stand, mit der Reichsacht belegt und verloren in den nächsten Jahrzehnten immer weiter an Einfluss und Macht, versanken bis zum Ende des Jahrhunderts gar in die Bedeutungslosigkeit. Ludwig Uhlands Ballade Der Überfall im Wildbad Richtig berühmt gemacht und in der Kulturgeschichte verankert hat das historische Ereignis der schwäbische Dichter Ludwig Uhland mit seiner Ballade Der Überfall im Wildbad, die er 1815 erstmals veröffentlichte. Ganz im Sinne der Romantik schmückte er in 18 Strophen die Geschichte etwas aus. Er erzählt zunächst vom Aufbruch des Grafen in Stuttgart, seiner Reise-Zwischenstation in Hirsau, seiner Ankunft und dem Thermalwasser-Bad in Wildbad. Laut Uhland wird Eberhard von einem Getreuen rechtzeitig vor dem bevorstehenden Angriff gewarnt und er kann mit Hilfe eines Hirten über geheime Wege und durch Dickicht in die rettende Burg fliehen. Die Untertanen sind ihrem Herrn so treu ergeben, dass sie den Grafen sogar auf ihren Schultern die Berge hinauf tragen. Die Geschichte wird bekannt Die Hauptszenen aus der historischen Begebenheit und aus der Uhlandschen Ballade, vor allem das Bad des Grafen im Thermalwasser und seine Flucht mit Hilfe eines Untertanen, wurden im 19. Jahrhundert in Glasfenstern, Zeichnungen, Holzschnitz- und Terrakottaarbeiten künstlerisch verarbeitet. Sie dienten noch im 20. Jahrhundert auch als Motive für Reklamemarken und verbreiteten sich so über Württemberg hinaus. Ein besonderes Kleinod kann im Sitzungssaal des Rathauses Wildbad bewundert werden: Hier wird auf Holztafeln, erschaffen von Karl Spingler im Jahr 1927, die Uhlandsche Ballade mit vollständigem Text und in 11 Reliefdarstellungen bildlich wiedergegeben. Bad Wildbad feiert Der Überfall im Wildbad ist ein historisches Ereignis mit Wirkung bis hinein ins 20. Jahrhundert und damit Anlass für die Stadt Bad Wildbad, die mittelalterliche Geschichte um den württembergischen Grafen, das heilende Thermalwasser und Ludwig Uhland umfassend zu feiern! Ein Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das Festwochenende vom 26. bis 28. Mai 2017. Mit einer Eröffnung am Freitagabend, einem dreitägigem Mittelaltermarkt im Kurpark plus Konzert am Samstag und dem sonntäglichen Festumzug wird es Bürgerinnen und Bürger sowie Besucher/innen in Zeiten entführen, die schon lange zurückliegen. Aber in Bad Wildbad kann man den Spuren von Graf Eberhard und seinen Nachfolgern aus dem Hause Württemberg, von Ludwig Uhland und seinen Dichterkollegen immer noch begegnen. Und das Thermalwasser, das vor mehr als sechs Jahrhunderten dem Grafen Eberhard so gut tat, sprudelt auch heute noch angenehm warm und wohltuend für die Gelenke aus den Quellen. Uhland beschrieb dessen Wirkung mit einfachen, prägnanten Worten: Es heilt, kräftigt und jüngt. Dr. Marina Lahmann Seite 16 nota bene März 2017 Seite 17

Gewaltfreie Kommunikation Ergotherapie Wünsche dir nicht weniger Probleme zu haben, sondern mehr Fähigkeiten Jim Rohn Gewaltfreies Führen im Unternehmen Fortbildung für Leitungskräfte Am Arbeitsplatz, wo man es mit Menschen unterschiedlichster Couleur zu tun hat, ergeben sich immer wieder Herausforderungen und Schwierigkeiten im Umgang miteinander, die sich zu ernsthaften Problemen entwickeln können. Was kann eine Leitungskraft tun, wenn Mitarbeiter Aufgaben nicht erfüllen, sich nicht an Vereinbarungen halten oder das Team boykottieren? Im normalen Arbeitsalltag, so wie ihn die meisten von uns kennengelernt haben, werden Führungskräfte durch folgende Schritte ihre Macht über diese Mitarbeiter demonstrieren: Sie interpretieren das Verhalten des Mitarbeiters, machen sich Gedanken darüber, entwickeln eine Strategie zur Erreichung ihrer Ziele und stellen entsprechende Forderungen an den Mitarbeiter. Durch dieses Vorgehen entstehen oft Missverständnisse und die Fronten verhärten sich zunehmend. Bei einem gewaltfreien, wertschätzenden Umgang miteinander setzt die Führungskraft auf die Macht des Miteinanders zur Problemlösung: Statt zu interpretieren, spricht sie das tatsächlich beobachtete Verhalten an. Statt über Gedanken zu sprechen, redet sie von ihren Gefühlen. Statt eine Strategie zu entwickeln, wird sie sich ihrer Bedürfnisse bewusst. Und statt Forderungen zu stellen, äußert sie eine Bitte zur Erfüllung dieser Bedürfnisse. Durch diesen wertschätzenden Umgang entsteht oft eine Kooperationsbereitschaft, auf deren Basis eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden werden kann. Im Seminar Mediatives Führen auf der Basis der Gewaltfreien Kommunikation durften Leitungskräfte aus der MHT-Gruppe im vergangenen August zwei Tage lang an der Umsetzung dieses wertschätzenden Umgangs miteinander arbeiten. Mit Katarina Sander und Christof Hatlapa, GfK-Trainer und Mediatoren, begaben sie sich auf Entdeckungsreise zu ihren eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Sie durften zunächst einmal üben, bei persönlichen Beispielen aus ihrem Alltag genau zu beobachten statt zu interpretieren, und dann Klarheit über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu erlangen, um diese dann als Bitte zu formulieren. Ihr Gegenüber stand bei dieser Art der Kommunikation auf Augenhöhe und erhielt ebenso die Möglichkeit, eigene Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen und Bitten auszusprechen. Die Basis vieler Bedürfnisse in konkreten Situationen bilden menschliche Grundanliegen wie Wertschätzung, Zugehörigkeit, Autonomie, Respekt und die Klärung von Aufgaben, Zuständigkeiten und Rollen. In Kleingruppen konnten die Teilnehmer Klarheit über ihre eigenen wichtigsten Grundanliegen erlangen und sich darüber austauschen, wie sie sich für die Erfüllung dieser Bedürfnisse einsetzen. Dabei gilt die Grundregel, dass jeder selbst für die Erfüllung seiner Bedürfnisse verantwortlich ist! Wir lernten unter der sensiblen und einfühlsamen Leitung unserer Referenten die Schritte der gewaltfreien Kommunikation, uns selbst und unsere Kollegen besser kennen. Dabei entwickelten wir ein gegenseitiges Verständnis und eine Wertschätzung füreinander, die unseren alltäglichen Umgang miteinander in schöner Weise geprägt hat. Wir sind dankbar für den Raum zum Wachstum und zur Entwicklung, den wir durch dieses Seminar erhalten haben, und wir freuen uns schon auf die Fortsetzung im Herbst 2017. fasste eine Teilnehmerin ihre Erfahrungen aus diesem Seminar zusammen. Ursula Dehner und Karin Heimerdinger Herr Maier hat einen Schlaganfall erlitten. Kurz nachdem er eine neue Arbeitsstelle angetreten hatte, hat ihn dieser ereilt, ein Ereignis welches ihn aus den Bahnen seines gewöhnlichen Lebens geworfen hat. Zunächst erscheint alles nicht so schlimm, nach wenigen Tagen im Krankenhaus läuft er wieder einige Schritte ohne Hilfe und bewegt seine Arme, Hände und die Finger. Ein motorische Defizit scheint der Schlaganfall nicht mit sich gebracht zu haben. Als fußballinteressierter Leser der Zeitung entdeckt er einen Artikel über die Nationalmannschaft, welche ihn sehr interessiert. Er beginnt zu lesen, legt die Zeitung jedoch irritiert nach wenigen Minuten beiseite der Inhalt des Geschriebenen scheint ihm keinen Sinn zu machen. In der Ergotherapie wird Herr Maier nach seinem Alltag in der Rehaklinik gefragt und er berichtet von der Schwierigkeit, den Sportteil der Zeitung zu lesen. Die Ergotherapeutin erhebt den Befund über die Hirnleistungen von Herrn Maier und stellt fest, er leidet an einem Gesichtfeldausfall. Ein sogenannter Neclegt ist dafür verantwortlich, dass in der linke Bildhälfte die Buchstaben und Worte nicht wahrgenommen werden. Das Neurotraining in der Ergortherapie In der Ergotherapie wird ein neuropsychologisch fundiertes Hirnleistungstraining durchgeführt, in welchem kognitive Fertigkeiten wie 0 Raumsinn 0 Orientierung 0 Praxis 0 Gedächtnis 0 Sprache 0 Rechenfähigkeit 0 Denken 0 Planen und Konzentration neu erlernt werden. Das Neurotraining basiert darauf, dass das menschliche Gehirn plastisch ist und neue Verbindungen herstellen kann. Diese neuen Verbindungen werden dazu genutzt, einmal Bekanntes wieder zu erlernen. Vier gewinnt lautet das Spiel, welches Herr Maier mit seiner Therapeutin spielt. Er hat bereits zweimal gewonnen und es macht ihm zunehmend Spaß, sich damit zu beschäftigen. Mit dem Spiel anhand dessen er lernt, den Kopf nach links zu drehen, bevor er einen Spielzug tätigt. Eine Erfahrung, welche ihm lehrt, dass er das ganze Gabriele Steckler-gabriele.steckler@monacare. de-feld erfasst, wenn er darauf achtet, die linke Raumhälfte wahrzunehmen. Den Sportteil seiner Zeitung liest er fortan wieder ausführlich. Seit dem er verstanden hat, wie er sein Blickfeld erweitert, macht das Lesen wieder Sinn. Während vor der Erkrankung das Handy Herrn Maier Tag und Nacht begleitet hat, ist ihm das Gerät nun fremd. Ungeschickt hält er es in den Händen und weiß nichts damit anzufangen. Gemeinsam mit der Ergotherapeutin entscheidet er, welche Funktionen des Handys bedeutungsvoll für seinen Alltag sind. Er möchte über WhatsApp mit seiner Frau zu Hause kommunizieren und mit dem Terminkalender sich über seine Therapien Orientierung verschaffen. Herr Maier bekommt die Aufgabe, alle Termine seines Rehaplans in den Terminplaner seines Handys einzugeben. Pünktlich erscheint er zur Ergotherapie. Der Bezug der Aufgabe zu seinem Alltag hat aus der Übung eine Betätigung gemacht, anhand derer eine verloren gegangene Fertigkeit neu erlernt worden ist. Anke Matthias-Schwarz Ergotherapeutin Seite 18 nota bene März 2017 Seite 19

Ernährung Ernährung Die Größen des Sports machen es vor. Die Vorbereitung zählt. Niemand ist Weltmeister geworden ohne eine entsprechende Vorbereitung. Diesen Vorbereitungsgedanken kann ein jeder für sich adaptieren und diesen Frühling damit starten. Denn nicht nur der Sommer kommt, sondern das gesamte restliche Leben. Möchte man ein nachhaltig gesundes Leben führen, so ist die Vorbereitung einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg dahin. Wie passt das Ganze zu der heutigen Ausgabe in der nota bene? Der Frühling beginnt, die Vögel zwitschern, die Energie und die gute Laune steigen. Diese Energie kann genutzt werden, um rauszugehen, sich zu bewegen und so die Vorbereitung auf ein besseres Leben einzuläuten. Viele läuten dieses bessere Leben mit einer Fastenzeit ein. Wichtig ist jedoch nicht nur die Fastenzeit, sondern die Zeit darüber hinaus, um langfristige Ergebnisse zu spüren. Die Frühlingsgefühle sind jedoch ambivalent. Die Einen spüren eine neue am besten bei Sportarten, die ohne viel Aufwand direkt vor der Haustür beginnen, keine große Vorbereitung erfordern und die einem Spaß machen. Gegen den inneren Schweinehund helfen auch die eigenen Kontakte. Verabredet man sich mit einem Freund/einer Freundin zum Sport (idealerweise immer zu einem festen Termin), so steigt die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches, dass die eigenen Ziele erreicht und der Plan umgesetzt werden. Doch neben den energiereichen Frühlingsgefühlen gibt es auch die sogenannte Frühjahrsmüdigkeit. Diese kann mit Bewegung und gutem Essen überwunden werden. Frühstück, Frühsport und Frühlingsgefühle Von der frühen Vorbereitung und den Eigenheiten des Frühlings gemeinen von Frühjahrsmüdigkeit. Zu den Symptomen zählen Abgeschlagenheit, Konzentrations- und Motivationsschwächen oder auch Stimmungsschwankungen und Gereiztheit. Manche klagen im Zusammenhang mit Frühjahrsmüdigkeit auch über Schwindelgefühle, Kreislaufbeschwerden und Kopfschmerzen. Frühjahrsmüdigkeit tritt etwa ab März auf. Der Körper braucht ca. vier Wochen, bis er sich an die Wetterumstellung gewöhnt und die Frühjahrsmüdigkeit überwunden hat. Leicht essen heißt die Devise In der kalten Jahreszeit neigt man dazu, schwer und reichhaltig zu essen. Bei Frühjahrsmüdigkeit ist es aber wichtig, den Organismus nicht noch durch die Ernährung zusätzlich zu belasten. Mit einigen einfachen Tricks können die Symptome gelindert werden. Es wird Energiezufuhr ist ein kleiner Kickstart notwendig. Außerdem braucht der Körper jetzt viele Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Proteine. Deshalb sollten Sie bei Frühjahrsmüdigkeit Pommes, Schnitzel und Co. gegen Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, fettarme Produkte und wenn Fleisch, dann mageres Fleisch, eintauschen. Der sportliche Frühling 2017 Mit einfachem Spazierengehen kann in diesem Frühling begonnen werden. Ein schöner Spazierweg in der Nähe des eigenen Zuhauses kann bereits Wunder wirken. Wer nicht das Glück hat, in Waldnähe zu wohnen, der hat es sicher nicht weit zu einem Park oder einem Flussufer. Mindestens 30 Minuten in moderatem Tempo am Tag werden sich langfristig bemerkbar machen. Im besten Fall wird morgens Frühsport nehund zu überwinden. Beispielsweise biete die Laufsportakademie in Calw (www.laufsport-akademie.de) Gruppenkurse, Schnupperkurse für verschiedene Laufsportarten und unterschiedliche Events an. Wenn diese sportliche Vorbereitung gestartet und täglich in das eigene Leben integriert wird, so entsteht eine Gewohnheit, die im Laufe der Zeit ein ganz natürlicher Bestandteil des Alltags wird. Wenn eine Gewohnheit erst einmal entstanden ist, so wird das gesunde Leben ganz nebenbei erschaffen. Viel Spaß in diesem Frühling mit dem Sport, der gesunden Ernährung und der Vorbereitung auf ein vitaleres Leben. Das Motto Wer daran scheitert sich vorzubereiten, der bereitet sich vor zu scheitern! trifft es hierbei auf den Punkt. Bezieht man dieses Bild auf das Leben, die Gesundheit, den Beruf, Beziehungen oder Freundschaften, so erkennt man überall dieselben Muster. Wer sich früh um diese Punkte bemüht, der kann sich im höheren Alter eines gesunden, vitalen, energie - reichen und sozialstarken Lebens erfreuen. und frische Energie, die Anderen sind schlapp und müde. Wie kann beides genutzt oder überwunden werden? Der Drang nach mehr Bewegung Man muss diesem natürlichen hormonellen Reiz einfach nur folgen und mit kleinen, erreichbaren Zielen beginnen Was hat es mit der Frühjahrsmüdigkeit auf sich? Sobald der Winter zu Ende geht, die ersten Sonnenstrahlen unsere Nase kitzeln und der Frühling langsam zum Leben erwacht, entstehen aufgrund der Wetterumstellung bei vielen Menschen eine Angespanntheit und Energielosigkeit. Man spricht dabei im All- empfohlen, bei Frühjahrsmüdigkeit eher kleinere Portionen zu sich zu nehmen. Im Gegenzug kann natürlich häufiger gegessen werden. Auf diese Art wird vermieden, zu viel Energie für die Verdauung aufzuwenden. Das Frühstück kann und sollte ebenfalls in das Leben integriert werden, denn nach einer langen Nacht ohne gemacht. Die Energie, die man morgens nach einem Spaziergang spürt, ist enorm und wird sich über den gesamten Tag positiv auf das Leben auswirken. Reicht das nicht, so kann auf Nordic Walking übergegangen werden. Dabei kommt der Kreislauf auf Trab und ins Schwitzen gerät man auch. In der Gruppe macht es noch mehr Spaß als allein und hilft, den inneren Schwei- Mateo Sudar Unabhängiger Ernährungsberater und Mitarbeiter im MHT-Team Verwendete Bilder: www.pixabay.com Seite 20 nota bene März 2017 Seite 21

Ausbildung Natur und Heilkunde 0 Fortsetzung von Seite 13 Doch was ist mit der Liebe zwischen Mann und Frau? Diese erste Verliebtheit, wenn alles neu ist und aufregend, wenn die ganze Welt strahlt und jeder Tag ein neues Geschenk ist, so wie das Glitzern in den Augen des Anderen, wenn er einen sieht. Das passiert ja nicht nur im Frühling. Herr Uhland hat das ganz passend in seinem Gedicht Der Ungenannten beschrieben: Auf eines Berges Gipfel, da möcht ich mit dir stehn, auf Täler, Waldeswipfel mit dir herniedersehn; da möcht ich rings dir zeigen die Welt im Frühlingsschein und sprechen: wär s mein eigen, so wär es mein und dein. In meiner Seele Tiefen, o sähst du da hinab, wo alle Lieder schliefen, die je ein Gott mir gab! Da würdest du erkennen: Wenn Echtes ich erstrebt, und mag s auch dich nicht nennen, doch ist s von dir belebt. Diese Ungenannte ist natürlich nicht irgendwer, es ist an seine Frau gerichtet. Wenn man verliebt ist, ist auch im tiefsten Winter Frühling. Und warum? Weil man wieder Hoffnung hat, Hoffnung auf ein Leben nach dem kalten, eisigen Winter, in dem nichts wuchs, außer der eigenen Einsamkeit. Das Erlebnis Naomi Feil Wussten sie, dass Hermann Hesse einmal mit J.S. Bach zusammengearbeitet hat? Nun ja, zumindest im übertragenen Sinne. Hesse schrieb ein Gedicht über eine Toccata von Bach, und dieses Gedicht beschreibt meiner Meinung nach den Ausbruch des Frühlings mit all seinen Facetten am besten. Zu einer Toccata von Bach Urschweigen starrt... Es waltet Finsternis... Da bricht ein Strahl aus zackigem Wolkenriss, greift Weltentiefen aus dem blinden Nichtsein, baut Räume auf, durchwühlt mit Licht die Nacht, lässt Grat und Gipfel ahnen, Hang und Schacht, lässt Lüfte locker blau, lässt Erde dicht sein. Es spaltet schöpferisch zu Tat und Krieg der Strahl entzwei das keimend Trächtige: Aufglänzt entzündet die erschrockne Welt: Es wandelt sich, wohin die Lichtsaat fällt, es ordnet sich und tönt die Prächtige dem Leben Lob, dem Schöpfer Lichte Sieg. Und weiter schwingt sich, gottwärts rückbezogen, und drängt durch aller Kreatur Getriebe dem Vater Geiste zu der große Drang. Er wird zu Lust und Not, zu Sprache, Bild, Gesang, wölbt Welt um Welt zu Domes Siegesbogen, ist Trieb, ist Geist, ist Kampf und Glück, ist Liebe. Der Frühling ist unser jährlich wiederkehrender Beweis dafür, dass alles gut wird. Das sich die Welt weiterdreht, egal was passiert. Und dass jedes Frühjahr aufs Neue die ersten weißen Blumen dem letzten schmutzigen Schnee trotzen und uns allen einen klaren Neuanfang verkünden. Rhea Felicitas Steckler Die amerikanische Gerontologin Naomi Feil ist eine Legende. Sie hat unter der Bezeichnung Validation eine Form des verstehenden Umganges mit alten, dementen Menschen gefunden. Nun hat sie ihren Rückzug aus ihrem beruflichen Leben angekündigt. Auf ihrer Abschiedstour haben die Auszubildenden aus den Johanneshäusern in Bad Wildbad und Bad Liebenzell-Monakam den Validations- Workshop mit Naomi Feil in Stuttgart besucht und waren begeistert. Nach Naomi Feil reagiert ein alter Mensch, der desorientiert ist, im täglichen Leben nur nach Gefühl und nicht mit logischer Vernunft. Die Methodik der Validation beruht darin, die Lebensumstände des dementen Menschen zu akzeptieren. Validation unterstützt die Pflegenden im Umgang mit dem sehr alten, desorientierten Menschen, der seinen Gefühlen freien Lauf lässt. Validation akzeptiert die Menschen so, wie sie sind. Validation erklärt die Ursache von Gefühlen und unterstützt den sehr alten Menschen, seine Ziele nicht unsere zu erreichen. Schön und bewegend, diese Pionierin der Altenarbeit nochmals persönlich erlebt zu haben. red Natürliche Hilfe Ein Ratschlag aus der Apotheke Vielen Besuchern einer heutigen Apotheke ist sicherlich nicht bekannt, dass trotz der großen Anzahl chemisch produzierter Arzneimittel bis heute ungefähr ein Drittel des Arzneischatzes aus unserer Natur stammt. Selbst modernste Entwicklungen nutzen häufig die Natur als Lieferanten der Ausgangssubstanzen. Um die Vielfalt der Pflanzenwelt mit ihren Arzneistoff liefernden Arten besser kennen zu lernen, bin ich immer wieder auch mit der Kamera in der Natur unterwegs, um einzelne Exemplare für mein Archiv festzuhalten. In regelmäßiger Folge möchte ich deshalb an dieser Stelle einzelne Pflanzen vorstellen und über ihre Wirkungsweise informieren. Friedrich Böckle (Quellen-Apotheke, Bad Liebenzell) Birke als Arzneilieferant Seit Jahrhunderten gelten Birken im mitteleuropäischen Raum als Symbol für erwachendes Leben im Frühling und noch heute werden deshalb Birken auch als Maibäume aufgestellt. Im Frühling transportiert die Birke sehr große Mengen Flüssigkeit über die Wurzeln in die Blätter. Dort entstehen dann wertvolle Inhaltsstoffe mit arzneilichen Wirkungen. Leider gibt es jedoch auch viele Mitbürger, die auf die Pollen verstärkt im März und April allergisch reagieren. Zur Linderung der typischen Symptome bieten Apotheken dann Antiallergika in Form von Augentropfen, Nasensprays oder auch Tabletten. Der im Holz enthaltene Birkenteer wurde in vielen Apothekenrezepturen als Bestandteil bei Mitteln gegen Hautentzündungen verwendet. Diese Anwendung hat jedoch stark an Bedeutung verloren. Weitaus größere medizinische Bedeutung besitzen dagegen die Birkenblätter, die nachweislich harntreibend wirken. Ihre Inhaltsstoffe fördern die Nierendurchblutung, wodurch mehr Harn produziert wird. Somit sorgen Zubereitungen aus den Blättern für eine gesteigerte Durchspülung der ableitenden Harnwege bei bakteriellen Infekten und bei Nierengrieß. Zum Ausschwemmen von Ödemen bei Herzschwäche eignen sie sich jedoch nicht! Die als Heilmittel verwendeten Blätter stammen von der Hängebirke (Betula pendula) und der Moorbirke (Betula pubescens) und sie werden nach dem Sammeln getrocknet und dann geschnitten. Aus Birkenblättern lässt sich sehr einfach ein Tee aufbrühen. Für eine Tasse wird ein Esslöffel der Blätter mit kochendem Wasser übergossen und nach 10 Minuten abgeseiht. Zur Therapie sollte man zusätzlich viel trinken. Speziell im Frühjahr werden Birkenblättertee oder auch Elixiere im Rahmen von sog. Entschlackungskuren erfolgreich eingesetzt. Die Elixiere werden dabei wegen des Geschmacks gerne mit Zucker versetzt und sind somit für Diabetiker nicht gut geeignet. Für diesen Personenkreis wird zur Geschmacksverbesserung des Tees der Zusatz von etwas Zitronensaft und eventuell Süßstoff empfohlen. Seite 22 nota bene März 2017 Seite 23

Anfang Ich wandre durch die Welt. Noch ist alles trist und braun. Die Blätter des vergangenen Herbstes zerfallen unter meinen schwermütigen Schritten. Mein Blick ist gen Boden gesenkt. Da sehe ich es: Ein kleiner Kelch aus weiß tippt vorsichtig meine Schuhspitze an. Wir begrüßen uns. Ist es denn nicht noch zu früh für dich, Frühlingsbote? Der letzte Schnee liegt noch auf den Feldern und die Vögel singen nur verhalten. Leise wispert das Maiglöckchen: Aber einer muss doch den Anfang machen! Ich drehe mich um und staune. Im blassen Licht der Nachmittagssonne schieben sich abertausende Krokusspitzen in allen Farben des Regenbogens durch die letzten Schneereste. Ich jauchze und lache in die Sonnenstrahlen. Mein Kopf erfüllt von neuer Hoffnung. Meine Hand streichelt zärtlich seine. Wir schauen uns an. Ich mach dann mal den Anfang, Sage ich. Seite 24 nota bene März 2017