Weiterbildung Traumapädagogik

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Transkript:

Weiterbildung Traumapädagogik Mit dem Schwerpunkt geschlechtsspezifische Arbeit mit Mädchen und Frauen für in der Kinder- und Jugendhilfe sowie Erziehungs- und Bildungseinrichtungen tätige Fachfrauen Erfahrungen aus dem pädagogischen Alltag zeigen, dass die meisten Mädchen und Jungen, die in der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendhilfe betreut werden traumatisiert sind. Diese Erkenntnis wurde auch durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. Die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Misshandlungen und Vernachlässigung erfahren haben, die aus Kriegsgebieten kommen oder mit psychisch kranken Eltern zusammenleben, stellt für die Fachkräfte eine große Herausforderung dar. Viele der Betroffenen haben neben den chronifizierten Traumafolgen über die Jahre auch individuelle Überlebensstrategien entwickelt, die oft selbstschädigend sind und sich nur sehr schwer verändern lassen. In der Folge haben Fachkräfte oft das Gefühl, pädagogisch nicht wirksam zu sein. Die Traumapädagogik überträgt die wichtigsten Erkenntnisse aus der Psychotraumatologie und der Traumatherapie auf die pädagogische Arbeit und hat mittlerweile ein breites Spektrum an erprobten Handlungsmöglichkeiten zusammengetragen und neu entwickelt. Für eine konstruktive Arbeit im pädagogischen Alltag bietet sie umfassendes Verständnis der traumaspezifischen Prozesse, die bei den Betroffenen stattfinden. Die Entwicklung einer entsprechenden traumapädagogischen Haltung ermöglicht eine empathische und zugleich abgegrenzte Begleitung und Unterstützung. Das Verständnis für die Bindungsdynamik Traumatisierter ermöglicht einen weniger belastenden Umgang mit Reinszenierungen traumabezogener Verhaltensweisen im pädagogischen Alltag. Stabilisierungsmethoden erweitern die Handlungsspielräume der Fachkräfte und bieten Sicherheit in der Planung adäquater Interventionsstrategien. Doch Traumapädagogik ist noch viel mehr: Sie ist geschlechtsspezifisch und ermöglicht somit eine passgenaue Unterstützung für traumatisierte Mädchen, junge Frauen und Mütter. Mädchen und Frauen sind meistens anderen Gewaltformen ausgesetzt und die chronifizierten Traumafolgen unterscheiden sich von denen bei Jungen und Männern. So sind z.b. deutlich mehr Mädchen und junge Frauen von Selbstverletzung und Dissoziation betroffen. Dementsprechend benötigen sie eine auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Unterstützung im Einzelsetting und in der Gruppe. In der Weiterbildung werden wir uns ausdrücklich geschlechtsspezifisch mit den Chancen und Möglichkeiten eines stabilisierenden und heilenden Umgangs mit den betroffenen Mädchen und Frauen auseinandersetzen und neue Handlungsstrategien einüben. Da diese Arbeit für die Fachkräfte mit hohen emotionalen Belastungen verbunden ist, bietet die Weiterbildung theoretisches Hintergrundwissen zum Berufsrisiko sekundärer Traumatisierung sowie alltagstaugliche Anregungen zur persönlichen Selbstfürsorge. Der Aufbau der Weiterbildung ist strukturiert durch den Wechsel von Input, Übungen, Fragen und Diskussion. Jeden der Themenbereiche illustrieren wir mit konkreten Beispielen aus der alltäglichen Arbeit der Teilnehmerinnen. Letztere werden dabei vorrangig berücksichtigt! Zu unterschiedlichen thematischen Modulen werden praxisorientierte Kleingruppenarbeiten, Übungen und Inszenierungen angeleitet, deren Ergebnisse anschließend im Plenum diskutiert werden. Jeder Fortbildungsblock beinhaltet theoretischen Input, die Erprobung praktischer Handlungsstrategien sowie Anteile von Selbstreflexion und Selbstfürsorge. 1

Ziel der Weiterbildung ist, die persönlichen Handlungsspielräume zu erweitern und Sicherheit im Umgang mit traumatisierten Mädchen, jungen Frauen und Müttern herzustellen. Das multiprofessionelle Referentinnenteam verfügt über langjährige praktische Erfahrungen aus der ambulanten und stationären Jugendhilfe, der Arbeit in Antigewaltprojekten für Mädchen und Frauen sowie Beratungsstellen gegen sexuelle Gewalt. 2

Die Inhalte im Einzelnen: Titel Termin Referentinnen 1 Einführung Psychotraumatologie 28./29.03.2014 Regina Sänger u. Margarete Inhalt Kennenlernen und Organisatorisches, Geschichte der Psychotraumatologie. Verlaufsmodell psychischer Traumatisierung und neurophysiologische Grundlagen. Posttraumatische Symptome und Störungsbilder. Geschlechtsspezifische Traumafolgen, z.b. selbstverletzendes und suizidales Verhalten 2 Trauma und Bindung 23./24.05.2014 Regina Sänger Trauma in Kindheit und Jugend: pränatale Traumatisierung, frühe Deprivation. Auswirkungen auf das Bindungsverhalten und die Beziehungsgestaltung. Transgenerationale Weitergabe von Traumata. Anforderungen an die Elternarbeit bei co-traumatischen Prozessen. 3 Traumapädagogik 20./21.06.2014 Margarete 4 Beziehungsdynamik in der Arbeit mit traumatisierten Mädchen und jungen Frauen 5 Besonderheiten der geschlechtsspezifischen Arbeit mit Mädchen / jungen Frauen und Müttern. Rahmenbedingungen, Vernetzung und Kooperation im HelferInnensystem 05./06.09. 2014 Regina Sänger u. Margarete 31.10./1.11.2014 Michaela Peschel Mädchenhaus Kiel Entstehung der Traumapädagogik, pädagogische Triade, traumapädagogische Haltung. Grundlegende Prinzipien und Aufgaben der Traumapädagogik. Bedingungen des sicheren Ortes, Konzept des guten Grundes. Vertiefung Traumafolgen, traumabezogene Reinszenierungen. Traumatische Übertragung und Gegenübertragung im pädagogischen Alltag. Traumapädagogischer Leitfaden zum Umgang mit traumatischer (Gegen-) Übertragung und Reinszenierung. Beratung, Inobhutnahme, ambulante und stationäre Betreuung von Mädchen, jungen Frauen und Müttern. Vernetzung und Kooperation im Helfer_innensystem sowie mit Psychotherapeut_innen, KJP, Schule, Berufsbildung etc. Notwendige Rahmenbedingungen, Dynamik von Traumafolgen im (Helfer_innen-) System 6 Stabilisierung 12./13.12.2014 Regina Sänger Grundlagen von Stabilisierung: Identifikation und Minimieren von Triggern, Vermeidung von Intrusionen und Dissoziation, Distanzierungs- und imaginative Techniken, Förderung der Selbstkontrolle von traumatisierten Mädchen. Biografie- und Ressourcenarbeit mit einzelnen Mädchen. Traumapädagogische Gruppenarbeit. 7 Prävention von Sekundärer Traumatisierung und Selbstfürsorge, Abschluss 13./14.2.2015 Regina Sänger u. Margarete Berufsrisiken Burnout und Sekundäre Traumatisierung, Prävention und Selbstfürsorgemethoden Präsentation der Fall-/Projektarbeiten, Abschlusskolloquium 3

1. Einführung in die Psychotraumatologie Das Modul beginnt mit einer Einführung in die Geschichte der Psychotraumatologie. Verschiedene Definitionen von Trauma, das Verlaufsmodell psychischer Traumatisierung sowie die unmittelbaren Auswirkungen von Traumata in Kindheit und Jugend werden im Kontext neurophysiologischer Erkenntnisse vorgestellt und anhand praxisbezogener Fallbeispiele veranschaulicht. Im nächsten Schritt wird die Dynamik posttraumatischer Symptome und Störungsbilder im geschlechtsspezifischen Kontext besprochen. Die Teilnehmerinnen bekommen die Gelegenheit, Traumafolgesymptome aus der Sicht der betroffenen Mädchen kennen zu lernen und ihren Sinn und ihre Funktion zu verstehen. Dies gilt auch für selbstverletzendes und suizidales Verhalten. 2. Trauma und Bindung Traumatisierungen durch nahe Bezugspersonen sind immer auch Bindungs-Traumata bzw. Traumata durch Verrat. Daher werden wir nach einer Einführung in die Bindungstheorie anhand von Fallbeispielen aus der Praxis Folgen früher Traumatisierungen für das Bindungsverhalten und die Beziehungsgestaltungen aufzeigen. Dabei berücksichtigen wir auch die besondere Dynamik zwischen Helferinnen und betroffenen Mädchen und Frauen. Die transgenerationale Weitergabe von Traumata stellt einen weiteren Schwerpunkt des zweiten Moduls dar. Aus der Betrachtung co-traumatischer Prozesse in traumaorganisierten Familiensystemen entwickeln wir Hinweise und Möglichkeiten für eine konstruktive Elternarbeit. 3. Traumapädagogik Nach einer Einführung in die Entstehungsgeschichte der Traumapädagogik werden grundlegende traumapädagogische Aufgaben erläutert. Die Teilnehmenden bekommen die Gelegenheit, sich mit der traumapädagogischen Haltung auseinanderzusetzen und das Konzept des guten Grundes kennenzulernen und zu erproben. Als Nächstes werden die Prinzipien der Traumapädagogik reflektiert, sowie die Bedingungen des sicheren Ortes im Kontext der jeweiligen Arbeitsbereiche erarbeitet. Das Ziel dieses Seminares ist, die bisher erarbeiteten psychotraumatologischen Wissensgrundlagen auf die konkrete pädagogische Arbeit zu übertragen. 4. Beziehungsdynamik in der Arbeit mit traumatisierten Mädchen und jungen Frauen Nach einer Vertiefung der Traumafolgen um Phänomene wie strukturelle Dissoziation, Täter-Introjekte und täterloyale Anteile, werden wir uns Reinszenierungen von traumatischen Erfahrungen und Übertragungs-/ und Gegenübertragungsgefühlen widmen. Da Trauma-Reinszenierungen destabilisierend wirken, gilt es, sie im pädagogischen Alltag zu erkennen, zu reflektieren und die betroffenen Mädchen zu schützen. Auf der Grundlage praxisbezogener Übungen werden die Teilnehmerinnen einen hilfreichen Umgang mit den potentiell retraumatisierenden Situationen entwickeln können. Hinweise zur eigenen Abgrenzung und Selbstfürsorge runden das Seminar ab. 5. Besonderheiten der geschlechtsspezifischen Arbeit mit Mädchen / jungen Frauen und Müttern. Rahmenbedingungen, Vernetzung und Kooperation im HelferInnensystem Nach einer Einführung in die besonderen Problematiken traumatisierter Mädchen, jungen Frauen und Müttern werden wir uns am ersten Seminartag mit geschlechtsspezifischen Aspekten der Traumapädagogik in unterschiedlichen Arbeitsfeldern, wie ambulante und stationäre Betreuung, Inobhutnahme und Beratung, befassen. Im nächsten Schritt widmen wir uns in diesem Seminar der Kooperation zwischen der Familie des traumatisierten Mädchens und den beteiligten Helfer_innensystemen sowie der Vernetzung mit Psychotherapeut_innen, KJP, Polizei, Schule, Berufsbildung etc. Darüber hinaus liegt ein weite- 4

rer Schwerpunkt in der Betrachtung der notwendigen Rahmenbedingungen in der (Team-) Arbeit sowie der Dynamik von Trauma und Traumafolgen und dessen Auswirkungen im (Helfer_innen-) System. 6. Stabilisierung Dieses Modul beschäftigt sich mit der wichtigsten Aufgabe der Traumapädagogik: der Stabilisierung. In praxisbezogenen Übungen werden die Teilnehmerinnen die Möglichkeiten Auslösereize zu identifizieren sowie Methoden der Vermeidung und Unterbrechung von Intrusionen und dissoziativen Zuständen einüben. Im nächsten Schritt werden sie ausgewählte Techniken zur Förderung der Selbstkontrolle von traumatisierten Mädchen kennen lernen und erproben. Der zweite Seminartag befasst sich zunächst mit den Möglichkeiten, traumatisierte Mädchen durch Biografie- und Ressourcenarbeit zu stabilisieren. Als nächstes widmet sich das Modul der traumapädagogischen Gruppenarbeit, insbesondere den haltgebenden Strukturen und Psychoedukation. 7. Selbstfürsorge und Prävention von Sekundärer Traumatisierung / Abschluss Die Arbeit mit traumatisierten Mädchen und jungen Frauen ist mit hohen emotionalen Belastungen verbunden und kann zur sog. Sekundären Traumatisierung bei den Fachkräften führen. Am ersten Seminartag wird Wissen über Ursachen, Symptome und erprobte Präventionsstrategien vermittelt. Neben der theoretischen Beschäftigung mit den Berufsrisiken stehen praktische Übungen der Selbstfürsorge im Mittelpunkt. Am zweiten Seminartag werden die Teilnehmerinnen ihre Abschluss- und Projektarbeiten vorstellen und in einem Fachgespräch mit den Referentinnen und der Gruppe reflektieren. Nach den Präsentationen werden im Rahmen einer kleinen Feier die Zertifikate überreicht. Zielgruppe Zielgruppe der Weiterbildung sind Fachfrauen die in Obhut genommene / außerfamiliär untergebrachte traumatisierte Kinder und Jugendliche betreuen aus ambulanten und stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen sowie aus der offenen Jugendarbeit der Jugendämter aus Erziehungsstellen / Pflegefamilien der Fachdienste und Beratungsstellen aus dem Frühförder-, KiTa- und Hortbereich Lehrerinnen und Beratungslehrerinnen Teilnahmevoraussetzungen Hochschul-, Fachhochschul-, Fachschulabschluss oder spezifische berufliche Ausbildung zwei Jahre Berufspraxis in einem relevanten Arbeitsfeld ein aktuelles Arbeitsfeld, das die Umsetzung des Erlernten ermöglicht Über Ausnahmen zur Teilnahmevoraussetzung, z.b. bei beruflicher Umorientierung oder Wiedereinstieg, entscheidet die Weiterbildungsleitung. Zertifizierung Nach erfolgreichem Abschluss der Weiterbildung erhalten die Teilnehmerinnen das Zertifikat des Mädchenhauses Kiel und der Psychologischen Praxis für Beratung und Traumapädagogik. 5

Voraussetzungen für die Vergabe des Zertifikats Aktive Teilnahme an den Seminartagen (max. Fehlzeit zwei Tage - 18 UE) Durchführung der u.a. selbstorganisierten Peergruppen Studium der Fachliteratur (mind. 25 UE) Erstellung einer schriftlichen Fall- oder Projektarbeit. Die schriftlichen Arbeiten sind entlang eines vorgegeben Schemas vorzunehmen. Erfolgreiche Teilnahme am Abschlusskolloquium 6