Geisteswissenschaft Fangesänge im Fussballstadion Das Phänomen des Gesangs in der Fussballkultur Facharbeit (Schule)
Fangesänge im Fussballstadion Das Phänomen des Gesangs in der Fussballkultur Maturaarbeit von Sommer 2011
Fangesänge im Fussballstadion, Das Phänomen des Gesangs in der Fussballkultur Inhaltsverzeichnis Einleitung 4 Hauppteil 5 1 Geschichte und Entwicklung 5 1.1 Ursprünge 5 1.1.1 Antike 5 1.1.2 Schlachtgesänge im Militär 5 1.2 Fangesänge im Fussball 6 1.2.1 Die Anfänge der Gesänge im Fussballstadion 6 1.2.2 Die Fussballhymne You ll Never Walk Alone 6 1.3 Fangesänge in anderen Sportarten 7 1.4 Unterschiede unter Fussballklubs 8 1.4.1 Steht auf wenn ihr 8 1.4.2 Vereinslieder 8 1.4.3 Regionale Unterschiede 9 2 Bedingungslose Identifikation mit dem Verein 10 2.1 Fan und Fanatismus 10 2.1.1 Ultràs 10 2.2 Identifikationssymbole 11 2.3 Verein als Ersatzreligion 12 2.3.1 Fussball und Kirche 12 2.3.2 Fallbeispiel - Arbeiterregion Ruhrpott 13 3 Fangesänge beim BSC Young Boys 14 3.1 Repertoire 14 3.2 Stilistische Unterschiede der Gesänge 17 4 Die Fans 20 4.1 Warum singen nicht alle Zuschauer? 20 4.1.1 Unterteilung nach Gewaltbereitschaft 20 4.1.2 Unterteilung nach Verhalten 20 4.2 Umfrage an Fans des BSC Young Boys 22 4.3 Das Entstehen von neuen Liedern 24 5 Die Wahrnehmung der Spieler 25 5.1 Fragebögen an YB und GC Spieler 25 6 Psychologische Erklärungsversuche 27 6.1 Mögliche Gründe für das Singen 27 6.2 Der Zusammenhang zwischen Gesang und Aggression 28 7 Die Zukunft der Fankultur 29 7.1 Wird die Kommerzialisierung zum Problem? 29 7.2 Spontanität gegenüber vorgegebenes Lied 30 Schluss 31 Schlusswort 31 Persönliche Stellungnahme 32 Quellen- und Literaturverzeichnis 33 Anhang 36 Maturarbeit Seite 3 von 36 13.10.2011
Fangesänge im Fussballstadion, Das Phänomen des Gesangs in der Fussballkultur Einleitung Hättest du gewusst, dass die Gesänge der Fans im Fussballstadion viel mit dem Kirchengesang zu tun haben?, frage mich mein Vater vor etwas mehr als einem Jahr. Er zeigte mir einen Artikel aus dem Deutschen Kirchenbaltt, in dem der offenkundig fussballbegeisterte Pastor Bernhard Leube die These aufstellte, Kirchengesang und Fangesang seinen miteinander mehr verwandt, als der sonntägliche Gottesdienstbesucher dies denken würde. Gut, das mit dem Kichengesang interessierte mich weniger, aber da ich ohnehin vorhatte, meine Arbeit dem Fussball, und wenn möglich meinem Verein YB zu widmen, beschloss ich, das Phänomen des Gesangs im Stadion unter die Lupe zu nehmen. Denn als grosser Fussballfan schaue auch ich sehr viele Spiele im Fernsehen an, oder erlebe sie hautnah im Stadion, sei das in der Schweiz oder im Ausland. Da gehören die Fangesänge für mich einfach so dazu. Erst durch den Hinweis meines Vaters und genaueres Betrachten bzw. hinhören schien es auf einmal merkwürdig auf mich zu wirken, wie Hunderte, ja sogar Tausende Menschen in einem Fussballstadion im Chor singen. Ich stellte mir deshalb die Fragen, warum solche Fans überhaupt auf die Idee kommen, für ihren Klub zu singen und zu tanzen und wie dieses Phänomen entstanden ist. Nehmen die Spieler den Gesang überhaupt wahr und wie wird sich der Fangesang in Zukunft entwickeln? Könnte die Kommerzialisierung des Massensports Fussball dem Gesang im Fussballstadion gar ein Ende setzen? Zudem fragte ich mich, was ein sogenannter Fan ausmacht und warum einige eine solch starke Identifikation zu ihrem Verein haben. Beim Suchen von Literatur wurde mir bewusst, dass ich mich auf ein eher unerforschtes Thema eingelassen habe. Lediglich die Musikwissenschafter Guido Brink und Reinhard Kopiez veröffentlichten ein Buch zu Fangesängen, auch einen Dokumentarfilm und einige Zeitungsartikel sind zu finden, viel mehr gedruckte Literatur aber nicht. Ich sah mich deswegen gezwungen, die Fankultur selbst als ergänzendes Thema in Betracht zu ziehen und mittels Umfragen und eigenen Erfahrungen die Ursachen für das Singen selbst zu erforschen und zu interpretieren. Neue Erfahrungen machte ich zum Beispiel bei einem Treffen mit dem Fanverantwortlichen des BSC YB, Marcel Wirth. Er führte mich durch das Stade du Suisse in Bern (wir Fans sagen noch immer noch Wankdorf-Stadion) veranschaulichte mir die Fankultur und machte mir ersichtlich, wie wichtig für einige Fans der Klub ist. Da ich selbst an so gut wie jedes Heimspiel der Berner Young Boys gehe, war es mir auch möglich meine Erfahrungen mit Fangesängen in meine Arbeit einfliessen zu lassen. Deshalb wollte ich beim Liedergut vor allem Bezug auf den BSC Young Boys nehmen, aber auch Gesänge anderer Fangruppen durften in meiner Arbeit nicht zu kurz kommen, da es mir ein Anliegen war, mit praktischen Beispiele die eigenen Erfahrungen zu veranschaulichen. Mit Umfragen bei Fussballprofis wollte ich zudem die Erlebnisse der Spieler ergründen. Ich schickte Fragebogen an verschieden Mannschaften der Axpo Super League. Geantwortet haben zwei Mannschaften, die des BSC YB und des Grasshoppers Club aus Zürich. Die Antworten machten es mir möglich, die Meinungen der Spieler mit denjenigen der Fans zu vergleichen. Mein persönliches Ziel ist es, dass der Leser durch die Arbeit das Verhalten der Fussballfans besser versteht und in ihnen nicht nur singende, randalierende Idioten sieht, ein Bild, wie es leider nur allzu oft von den Medien verbreitet wird. Ich versuche zu vermitteln, dass Fussballgesänge ein grosses, zu wenig wahrgenommenes, kreatives Potential aufweisen und es sich lohnt, genau hinzuhören. Maturarbeit Seite 4 von 36 13.10.2011