Unnötige Diskussion ums Bargeld

Ähnliche Dokumente
Haltet den Dieb! Kann Bargeld kriminell sein?

Bargeld auf dem Rückzug

China: Shopping-Tour in Europa

Klimawandel: Was kostet ein Tornado?

Künstliche Intelligenz: Der Ab lug verspätet sich

Klimawandel: Was kostet ein Tornado?

Tut mir schrecklich leid, hab keine Zeit

Erbschaftsteuer vor dem Neustart

Einkauf der Zukunft, Teil III: Der Mensch im Mittelpunkt

Goodbye, Großbritannien

TV-Deals machen englische Clubs reich

Was ist eigentlich dein Job, Chef?

Europas schwerer Kampf gegen leichte Plastiktüten

Android Pay pusht Google an die Spitze

Family Business Barometer: Im Sinne der Familienunternehmen

Das macht die Bundes-Bank

Sharing Economy: Konsum ohne Kauf

IT-Sicherheit: Unternehmen betrachten die Themen zu technisch

Ehrlich gesagt begann die Digitalisierung beim Herzschrittmacher.

Deutschland schlägt in Sachen Korruption doppelt zurück

Wenn das Start-up mit der Verwaltung

Verteidigung in Europa: Mehr Strategie wagen

Erfolg in der Gesundheitswirtschaft durch ein gutes Governance- System

ab abend Abend aber Aber acht AG Aktien alle Alle allein allen aller allerdings Allerdings alles als Als also alt alte alten am Am amerikanische

Wortformen des Deutschen nach fallender Häufigkeit:

Automatisierung: Kollege Roboter verdient Vertrauen

Der Traum von der großen Rendite

Kommunale Energieversorger setzen auf Stabilität

Neues Gesetz: Russische Daten sollen in Russland bleiben

Digitaler Bankraub. Keyfacts über Blockchain-Bankraub

Forensische Datenanalyse: Der Betrüger mit der Alu-Krätze

Neue Standards zur Umsatzrealisierung: Von wegen Abschottung

Chinas Automarkt: Wird der nächste Tesla ein Chinese?

Kundenzentrierung: Erfolgsrezept im Zeitalter des Kunden?

Gefährliche Geliebte: Was Banken von Blockchain halten sollten

Wachsende Investitionen für ein digitales Deutschland

DER PREIS FÜR EINE WELT OHNE BARGELD IST ZU HOCH

Für die Schönheit im Urlaub unters Messer

Suche digitale Nähe, biete Lust auf Veränderung

Start-ups: Wer nicht skaliert, verliert

Firmenerben sind zu beneiden und zu bemitleiden

Corporate Governance: Die Ehre des ehrbaren Kaufmanns

Frauenkarrieren entscheiden sich am Küchentisch, nicht am Schreibtisch

Ausgelagert und sorgenfrei?

Pharmaindustrie im Visier

Wie Roboter unser Geld anlegen

Bankgeheimnis hat sich erledigt

Die geheimen Pläne der neuen Logistiker

Initiative Deutsche Zahlungssysteme. Allensbach-Umfrage zum Bezahlen in Deutschland 2017 Management Summary

Mittelstand: Den richtigen Käufer, Investor oder Verkäufer inden

Das Kartellamt kennt keine Gnade bei Preisabsprachen

Automotive Finance: Digitalisierung der Customer Journey

Bargeld bremst Wirkung der Geldpolitik

Sourcing: Partnerwahl mit Excel?

Dekarbonisierung: Nah am Wasser gebaut

Compliance Management System: Nutzen messen

Lerneinheit Kreditgeldschöpfung

Alles im Blick: Interne Revision 4.0

10 Jahre. Vor IPO: Corporate Governance auf den Prüfstand. Keyfacts über IPO

Informationen für Akzeptanzpartner

Energiebranche: Mit Daten Werte schaffen

TASI Dialektische Gliederung. Pro- und Kontra Argumente schreiben. Dialektische Gliederung

Italiens Wirtschaft in Au bruchstimmung

GfK-Studie: Bezahlen mit der girocard

Teamkapitän und Moderator was Manager von morgen können müssen

Der Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) ist eine gefährliche Vereinfachung

Wie die Flüchtlingswelle Deutschland stärken kann

Quo vadis Europa? Zerbrechen Euro und EU? Referenten: Marc Friedrich und Matthias Weik

Kfz-Versicherer suchen nach Alternativen für eine unfallfreie Zukunft

AutoShanghai 2015: 7 unbequeme Wahrheiten für die Autoindustrie

TRANSCRIPT: WER HAT DAS SAGEN? Der Wagen ist bis auf drei Leute, die an einem Tisch sitzen, leer. Alle sind elegant gekleidet.

Transkript:

Unnötige Diskussion ums Bargeld Keyfacts - Politik: Kriminalität und speziell die Terrorfinanzierung kann erschwert werden - Abschaffung des 500-Euro-Schein könnte höhere Negativzinsen ermöglichen - Psychologisch ist es für den Bürger schwierig auf Bargeld zu verzichten 19. Februar 2016 Das Thema Bargeld bewegt die Deutschen. Erst sprach Deutsche Bank-Vorstandschef John Cryan auf dem Weltwirtschaftsforum davon, dass es in zehn Jahren keinen Bedarf mehr für Bargeld geben würde. Dann meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Bundesregierung erwäge eine Bargeldobergrenze von 5.000 Euro. Tatsächlich diskutieren nun die EU- Finanzminister deren Einführung. KPMG-Partner Uwe Nowotnick erklärt, was dahinter steckt. Was genau ist eigentlich gemeint mit der Bargeldobergrenze? Darf man dann nicht mehr als 5.000 Euro mit sich führen? Nein, es geht um eine Bargeldzahlungsgrenze. Die EU-Kommission erörtert eine Beschränkung für Barzahlungen. Also wird man auch danach theoretisch noch mehr Bargeld mit sich führen können. Wie verdächtig man sich damit aber macht, ist eine andere Frage. Welches Motiv steckt dahinter? 1/5

Es scheint, dass hier die derzeit aufgeheizte Stimmung von der Politik genutzt wird. Es heißt nämlich, damit könnte die Kriminalität und speziell die Terrorfinanzierung erschwert werden. Auch die Korruption wolle man damit eindämmen. In anderen Ländern wie Frankreich und Italien sind die Bargeldzahlungsgrenzen schon Normalität. Hier im Land ist die Aufregung allerdings nicht unerheblich, zumindest wenn man den Internetforen folgt. Die Deutschen hegen offensichtlich eine hohe Wertschätzung für Bargeld. In Deutschland wollen 79 Prozent nicht auf Bargeld verzichten. Die Obergrenze betrifft allerdings, ehrlich gesagt, nur die Allerwenigsten. Wie viele Menschen begleichen schon Rechnungen von mehr als 5.000 Euro in bar? 79 % der Deutschen wollen nicht auf Bargeld verzichten. Dem Vernehmen nach könnte auch der 500-Euro-Schein abgeschafft werden. Nutzt das, um die Kriminalität zu unterbinden? Zunächst muss man sich ja fragen, welche Kriminalität gemeint ist. Sicher kann dann ein Taschendieb nicht mehr auf einen Streich 500 Euro erbeuten. Auch in 100-Euro-Scheinen kann man relativ platzsparend große Mengen Geld transportieren; in einem Aktenkoffer wohl etwa ein halbe Million Euro. Zudem hat der größte handelsübliche Schein in den USA auch nur einen Wert von 100 Dollar. Das macht den Dollar gefühlt aber nicht weniger beliebt für kriminelle Vorgänge. Ich glaube nicht, dass etwa Drogenhändler in Süd- und Mittelamerika ihren Umsatz weiter steigern würden, gäbe es 500-Dollar-Noten. Einzig der Schaden durch gefälschte Scheine ist geringer, wenn ein Laden nicht versehentlich auf einen falschen 500er rausgibt, sondern nur noch auf einen 100er. Gibt es also auch andere Motive für Bargeldzahlungsgrenzen und kleinere Scheine? 43 Prozent der Bargeldbestände Europas sollen ja in 500-Euro-Scheinen bestehen. Die Frage, wer denn solche Mengen an großen Scheinen vorhält, ist auch nicht schwer zu beantworten. Es sind die Banken. Ich verstehe also, warum der renommierte Ökonom Hans-Werner Sinn neulich sagte, die Zentralbank könnte noch tiefere Leitzinsen (höhere Negativzinsen) durchsetzen, wenn der 500-Euro-Schein abgeschafft wird. Sein Argument ist, dass Banken dann mehr Tresorraum brauchen, wenn sie Bargeld lagern. Sie werden dann höhere Negativzinsen hinnehmen, solange diese unter den Lagerkosten für Bargeld liegen oder vielleicht sogar Kredite zu niedrigeren Zinsen vergeben. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das einen wesentlichen Effekt hat. 2/5

Aber Negativzinsen werden häufiger als Grund für Bargeldgrenzen genannt. Ja, aber das bezieht sich nicht auf Zahlungsgrenzen. Denn Negativzinsen lassen sich nur durchsetzen, wenn überhaupt kein Bargeld mehr gehalten wird. Eine Zahlungsgrenze ist da, wenn überhaupt, nur ein erster Schritt. Denn solange jeder noch die Möglichkeit hat, Geld bar zuhause aufzubewahren, wird er keine oder zumindest nur ganz geringe Strafzinsen auf seinem Konto akzeptieren. Aber ist Bargeld nicht auch unnötig teuer und ineffizient, wie John Cryan sagte? Das stimmt natürlich. Und mit den technischen Möglichkeiten heutzutage wäre es auch theoretisch möglich, Bargeld abzuschaffen. Nur ist eben die Neigung zum Bargeld bei den Deutschen groß. Psychologisch ist es für den Bürger schwierig auf Bargeld zu verzichten. Viele Leute wissen ja auch gar nicht mehr, wie das Bargeld überhaupt entstanden ist. Denken Sie an die Goldsmith Banks im siebzehnten Jahrhundert. Ohne das Papier hätte ja jeder das Gold, für das der Zettel ihn als Eigentümer auswies, mit sich herumtragen müssen. Das war eine hocheffiziente Erfindung. Heutzutage ist es ja in der Tat nur noch Papier und ein Haufen Vertrauen. Zusammengefasst»Es scheint, dass hier die derzeit aufgeheizte Stimmung von der Politik genutzt wird. Es heißt nämlich, damit könnte die Kriminalität und speziell die Terrorfinanzierung erschwert werden. Auch die Korruption wolle man damit eindämmen.«erst sprach Deutsche Bank-Vorstandschef John Cryan davon, dass es bald keinen Bedarf mehr für Bargeld geben würde. Dann meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Bundesregierung erwäge eine Bargeldobergrenze von 5.000 Euro. Dazu KPMG-Partner Uwe Nowotnick: Mit den technischen Möglichkeiten heutzutage wäre es auch theoretisch möglich, Bargeld abzuschaffen. Nur ist eben die Neigung zum Bargeld bei den Deutschen groß. Psychologisch ist es für den Bürger schwierig auf Bargeld zu verzichten. 3/5

Uwe Nowotnick Partner, Global Mobility Services ÄHNLICHER ARTIKEL BLOG Bargeldobergrenze: Du zahlst bar dann bist du ein Terrorist Privatkunden zahlen immer noch bevorzugt bar, mit einer leichten Mehrheit von 53 Prozent. Fast genauso viele überweisen online. Mobile Zahlungen nehmen zu, davon profitieren aber... MEHR 4/5

KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, ein Mitglied des KPMG-Netzwerks unabhängiger Mitgliedsfirmen, die KMPG International Cooperative ("KPMG International"), einer juristischen Person schweizerischen Rechts, angeschlossen sind. Alle Recht vorbehalten. 5/5