Kita mit Biss - die Aktion wird Programm

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Transkript:

Kita mit Biss - die Aktion wird Programm Evaluation des Präventionsprogrammes Kita mit Biss des Zahnärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes Frankfurt (Oder) im Schuljahr 2010/2011 Im Dezember 2003 startete der Zahnärztliche Dienst des Gesundheitsamtes Frankfurt (Oder) die Aktion Kita mit Biss. Anlass dafür waren die Befunde der zahnärztlichen Untersuchungen in den Kindertagesstätten, die in keiner Weise zufrieden stellen konnten. Besonders die frühkindliche Karies in Form der Nuckelflaschenkaries (Nursing Bottle Syndrom) trat bei vielen Kindern in mehr oder minder ausgeprägter Form in fast allen Frankfurter Kindereinrichtungen auf. Ein Problem für Eltern und natürlich auch für Kinder. Denn diese Zähne sehen nicht nur hässlich aus, sie verursachen häufig Schmerzen und beeinträchtigen die Nahrungsaufnahme, das Wohlbefinden sowie die Sprachentwicklung. Für diese Form der Zahnkaries gibt es eine klar definierte Ursache: Der dauerhafte Genuss von Getränken aus Nuckelflaschen oder anderen Trinkgefäßen mit Aufsatz. Dabei wird die Vielfalt der Getränke in diesen Flaschen immer größer. Gesüßte Tees, Saft oder Saftschorle, Multivitaminsäfte und Eistees sind typischer Inhalt. Wenn Kinder unbeaufsichtigt mehrmals täglich oder abends beim Einschlafen sich aus diesen Gefäßen bedienen können, kommt es zur Auflösung des gesunden Zahnschmelzes, und innerhalb kürzester Zeit wird aus dem weißen Milchzahn ein brauner Milchzahnrest. Abb. 1: Frühkindliche Karies Daher wurde vom Zahnärztlichen Dienst die Aktion Kita mit Biss, die sich an alle Kindertagesstätten der Stadt Frankfurt (Oder) richtet, initiiert. Ziel der Aktion Kita mit Biss war, frühzeitig etwas zu tun, dass die Milchzähnchen bei den Kleinen gar nicht erst krank werden können. So entstand die Idee, durch ein umfangreiches Ernährungs- und Aufklärungsprogramm für Erzieherinnen und Eltern diesen unbefriedigenden Ergebnissen entgegen zu wirken. Es wurden Handlungsleitlinien für Kindertagesstätten zur Vermeidung der frühkindlichen Karies (Anlage 1) entwickelt, die unter anderem ein zahngesundes Frühstück, das Anbieten von ungesüßtem Tee oder stark verdünnten Fruchtsäften, das Zähneputzen nach jeder Hauptmahlzeit und vor allem das Ablehnen der Nuckelflasche bei Kindern, die schon aus der Tasse trinken können, zum Inhalt haben. Weitere Schwerpunkte sind die jährlichen Prophylaxeimpulse in den Kindertagesstätten und vor allem eine intensivierte Elternarbeit. 29 Kindertagesstätten der Stad Frankfurt (Oder) haben sich inzwischen durch ihren schriftlichen Beitritt zur Aktion Kita mit Biss freiwillig verpflichtet, die Handlungsleitlinien in ihrer Kindertagesstätte umzusetzen. 1

Um die Wirksamkeit dieser Aktion nachvollziehen zu können, wurde erstmals im Schuljahr 2006/2007 eine Evaluation unter Verwendung des Fragebogens Kita mit Biss- Macht unsere Kita noch mit? durchgeführt. Nach Auswertung der Fragebögen konnte festgestellt werden, dass es mit der Einführung von Kita mit Biss gelungen ist, das gesundheitsfördernde Lebensumfeld der Kinder in den Kita s mit Biss positiv zu verändern. Abb.2: Logo Kita mit Biss Im Schuljahr 2010/2011 erfolgte die zweite Evaluation im Rahmen einer interviewbasierten Befragung der Kita- Leiterinnen in der Kindertagesstätte in der Regel nach Abschluss der Basisprophylaxe. Nach Auswertung der Evaluationsinterviews mit den Kita- Leiterinnen ist festzustellen: Alle Kita s mit Biss haben am Evaluationsinterview teilgenommen. Eine konsequente Ablehnung der Verabreichung der Nuckelfläschchen bei Kindern, die aus der Tasse trinken können sowie eine Elterninformation zu dieser speziellen Thematik erfolgt in allen Kita s mit Biss. ( Zum Vergleich: 86 % im Schuljahr 2006/2007) In 97 % der Einrichtungen wird ein zahngesundes Frühstück verabreicht. (Zum Vergleich: zwei Drittel im Schuljahr 2006/2007) Alle Kita s mit Biss bieten kauintensive Obst- und Gemüsezwischenmahlzeiten an. (Zum Vergleich: 86 % im Schuljahr 2006/2007) In 93% dieser Einrichtungen werden zuckerfreie Getränke gereicht. (Zum Vergleich: 76% im Schuljahr 2006/2007) Dabei erhalten die Kinder in 80% der Kita s mit Biss reine Fruchtsäfte ausschließlich verdünnt. (Zum Vergleich: 76% im Schuljahr 2006/2007) In allen Kita s (wie auch im Schuljahr 2006/2007) wird das tägliche Zähneputzen durch die Erzieherinnen unterstützt und begleitet. In 15 Kita s mit Biss werden die Zähne sowohl nach dem Frühstück als auch nach dem Mittagessen geputzt, in 14 Einrichtungen erfolgt die Zahnpflege nach dem Mittagessen und in einer Kita wird ausschließlich nach dem Frühstück geputzt. 80% der Kita s mit Biss haben in den vergangenen 2 Schuljahren Elterninformationsveranstaltungen zur Kariesvorsorge durchgeführt und 87% der Kindereinrichtungen haben diese in Planung. Damit gehört die Prävention der frühkindlichen Karies zu den Schwerpunkten der Elternarbeit in den Kita s mit Biss. 2

Zum Abschluss der Interviews wurden die Kita- Leiterinnen um Hinweise für die zukünftige gesundheitsfördernde Arbeit der Kita s mit Biss gebeten, es wurden Wünsche zur Bereitstellung von Informations- bzw. Prophylaxematerial entgegengenommen sowie Probleme (u.a. der fehlende Elternkontakt der unter 3- Jahre alten Kinder, die noch nicht in der Kita betreut werden) angesprochen. Da der Wunsch geäußert wurde, bereits bei der Aufnahme eines Kindes in eine Kita mit Biss die Eltern durch gezielte schriftliche Fachinformationen um Unterstützung zu bitten, wurde gemeinsam mit den Zahnärztlichen Diensten der Stadt Cottbus (hier wurde im Januar 2010 Kita mit Biss gestartet) und der Stadt Brandenburg an der Havel (Start erfolgt im September 2011) sowie unterstützt durch die Leiterin des Büros der zahnärztlichen Gruppenprophylaxe im Land Brandenburg der Eltern- Flyer Kita mit Biss... und Eltern helfen mit! entwickelt (Abb.3). Abb.3: Eltern-Flyer Damit können die Leiterinnen der Kita s mit Biss ihre kariespräventive und mundgesundheitsfördernde Elternarbeit verstärken. (Anlage 2) Des Weiteren wurden die Handlungsleitlinien für Kindertagesstätten neu gestaltet und werden den Kita s mit Biss ebenfalls zur Verfügung gestellt. (Anlage 1) Die jährlich nach der zahnärztlichen Untersuchung der Kita- Kinder stattfindenden Auswertungsgespräche in den Kita s mit Biss wurden auch im Schuljahr 2010/2011 3

durchgeführt. Hier stellte der Zahnärztliche Dienst des Gesundheitsamtes den Kita- Leiterinnen bzw. den Kita- Teams die Untersuchungsergebnisse vom Start der Aktion Kita mit Biss bis zur aktuellen Untersuchung vor. Anschließend wurden gemeinsam weitere Maßnahmen zur Fortführung der Bemühungen um die Zahngesundheit der Kita- Kinder zielgerichtet geplant. Im Rahmen der Elternarbeit wurden im Schuljahr 2010/2011 durch die Zahnärztinnen des Gesundheitsamtes 204 Mütter bzw. Väter in 17 Elterninformationsveranstaltungen/ Baby- Treff s zur Thematik der frühkindlichen Kariesprävention informiert. Seit dem Schuljahr 2009/2010 laden der Baby- Besuchsdienst und der Zahnärztliche Dienst zum Zähnchentreff ins Gesundheitsamt ein und freuen sich über eine rege Teilnahme der Eltern an den 4 Veranstaltungen im Jahr. Neben den im Rahmen der Aktion Kita mit Biss umgesetzten Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention wirken sich zusätzlich die jährlichen Prophylaxeimpulse des Zahnärztlichen Dienstes sowie die Früherkennungsuntersuchungen der Hauszahnärzte (so diese in Anspruch genommen werden) präventiv auf die Zahn- und Mundgesundheit der Kita- Kinder aus. Auf der Basis der Untersuchungsergebnisse der jährlichen zahnärztlichen Untersuchungen und unter Berücksichtigung des durch die Partner der Vereinbarung entspr. SGB V 21 verabschiedeten Prophylaxeprogramms für das Land Brandenburg erfolgte die Planung intensivprophylaktischer Programme für Kindertagesstätten, in denen das durchschnittliche Kariesrisiko überproportional hoch ist. So erhielten in den Schuljahren 2004/2005 18,3%, 2006/2007 26 % und im Schuljahr 2010/2011 24% der Frankfurter Kinder in 13 Kindertagesstätten eine intensive Kariesprophylaxe mit Fluorid - Lack durch die Teams des Zahnärztlichen Dienstes. Haben sich die gemeinsamen Bemühungen aller Beteiligten auf die Zahngesundheit der Frankfurter Kita- Kinder ausgewirkt? Da der schriftliche Beitritt der überwiegenden Zahl der Kita s zur Aktion Kita mit Biss zum Tag der Zahngesundheit 2004 erfolgte, wurden die im ersten Schulhalbjahr 2004/2005 erhobenen Befunde der Frankfurter Kinder als Ausgangswerte gewählt und diese den im Schuljahr 2010/ 2011 erhobenen Daten zur Zahn- und Mundgesundheit gegenübergestellt. Natürlich ist ein reiner Vergleich der Daten nicht möglich, da es sich im Schuljahr 2010/2011 um eine anders zusammengesetzte Kinderpopulation handelt. Im Schuljahr 2004/ 2005 lag der Anteil der 2 Jahre alten Frankfurter Kinder mit naturgesunden Gebissen bei 88% und im Schuljahr 2010/2011 bei 91 %. Wurden im Schuljahr 2004/2005 bei 11,3 % der Kinder in dieser Altersgruppe kariöse Zähne diagnostiziert, so wiesen im Schuljahr 2010/ 2011 7,7 % der Kinder eine frühkindliche Karies auf (Abb.4). Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die frühkindliche Karies bei den jüngsten Frankfurtern nach wie vor ein Problem darstellt und die kariespräventiven Anstrengungen auf jeden Fall fortzuführen sind, um Erreichtes zu stabilisieren und weitere Verbesserungen zu erzielen. 4

Gebisszustand 2 Jahre alter Kinder in den Schuljahren 2004/2005 und 2010/2011 100 90 80 88 91 70 Prozent 60 50 40 30 20 10 0 11,3 0,7 1,3 2004/2005 2010/2011 Schuljahr 7,7 naturgesund saniert behandlungsbedürftig Abb.4: Gebisszustand 2 Jahre alter Kinder im Vergleich Da für die Altersgruppe der 5 Jahre alten Kinder im Rahmen der Brandenburger Gesundheitsziele im Bündnis Gesund Aufwachsen ein Mundgesundheitsziel besteht, wird diese Altersgruppe explizit betrachtet. In Abbildung 5 wurden erneut die Untersuchungsergebnisse der Schuljahre 2004/2005 und 2010/11 gegenübergestellt: Gebisszustand 5 Jahre alter Kinder in den Schuljahren 2004/2005 und 2010/2011 70 60 61,2 50 44,5 Prozent 40 30 37 27,3 20 18,5 10 11,5 0 2004/2005 2010/2011 Schuljahr naturgesund saniert behandlungsbedürftig Abb.5: Gebisszustand 5 Jahre alter Kinder im Vergleich In der Altersgruppe der 5 Jahre alten Kita-Kinder ist der Anteil der Kinder mit naturgesunden Zähnen im Berichtszeitraum von 44,5 % auf 61,2 % und damit um 16,7% angestiegen. Erfreulich rückläufig ist der Anteil der Kinder mit behandlungsbedürftigen Gebissen um ca. 10 %, der allerdings mit 27,3 % immer noch zu hoch ist. Hier sind die Sanierungsbemühungen zu verstärken. 5

Abb.6: Kariesfreie Kita- Kinder im Alter von 5 Jahren im Land Brandenburg 2009/2010 (Quelle: Landesamt für Umwelt, Gesundheits- und Verbraucherschutz) Im Bündnis Gesund Aufwachsen in Brandenburg wurde als Zahn- und Mundgesundheitsziel für das Jahr 2010 für die Altersgruppe der 5 Jahre alten Kinder formuliert: Kita-Kinder haben im Alter von 5 Jahren überwiegend (60%) kariesfreie Milchzähne. Milchzahnkaries wird frühzeitig erkannt und behandelt. Mit einem Anteil von 61% kariesfreier Milchzähne in dieser Altersgruppe im Schuljahr 2009/2010 ist dieses Mundgesundheitsziel erreicht worden. Anteil der Familien von Einschülern mit niedrigem Sozialstatus 2010, in % Land Brandenburg 15% Brandenburg an der Havel Frankfurt (Oder) Uckermark Prignitz Ostprignitz-Ruppin Oberspreewald-Lausitz Cottbus Elbe-Elster Barnim Oder-Spree Märkisch-Oderland Havelland Teltow-Fläming Oberhavel Spree-Neiße Dahme-Spreewald Potsdam Potsdam-Mittelmark 7% 8% 16% 15% 14% 14% 14% 14% 13% 13% 12% 18% 20% 21% 24% 24% 25% 27% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% Abb.7: Familien von Einschülern mit niedrigem Sozialstatus im Landesvergleich (Quelle: Landesamt für Umwelt, Gesundheits- und Verbraucherschutz) 6

Die Abbildungen 6 und 7 veranschaulichen, dass das Mundgesundheitsziel in der Altersgruppe der 5 Jahre alten Frankfurter Kita- Kinder trotz ungünstiger sozialer Lage erreicht wurde und im Landesvergleich durchaus beachtenswert ist. Epidemiologische Untersuchungen zur Zahn- und Mundgesundheit haben gezeigt, dass die Karies vor allem im Kindes- und Jugendalter nicht gleichmäßig verteilt ist. Einer zunehmend größer werdenden Population mit kariesfreien Gebissen oder nur geringer sogenannter Karieslast steht eine kleinere Gruppe gegenüber, die einen Großteil aller kariösen Schäden auf sich vereint. Es sind Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko. Diese Kinder befinden sich oft in schwierigen sozialen Lebenslagen. Bundesweite Studien haben gezeigt, dass die Zahngesundheit nicht nur vom direkten Gesundheitsverhalten abhängt, sondern auch von den allgemeinen Lebensverhältnissen, wie u. a. Arbeitslosigkeit eines Elternteils, Bildungsstand der Eltern, unvollständige Familie, finanzielle Probleme. Die Probleme der Frankfurter Kinder spiegelten sich in den vergangenen Jahren stets in den Ergebnissen der zahnärztlichen Untersuchungen wieder, da diese im Vergleich zu den Landesdaten deutlich schlechter waren. Anteil 5 Jahre alter Kita- Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko im Vergleich zum Landesdurchschnitt 35 30 28,8 Frankfurt(Oder) Land Brandenburg 25 23,3 24,6 Prozent 20 15 18,7 19,2 18,4 16,6 16,2 13,8 14,3 10 12,8 12,1 5 0 2000/2001 2002/2003 2004/2005 2006/2007 2008/2009 2009/2010 Schuljahr Abb.8: 5 Jahre alte Kita-Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko im Vergleich Die Abbildung 8 zeigt, dass der Anteil der 5 Jahre alten Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko gerade in dem Zeitraum, in dem sowohl die gesundheitsfördernde Veränderung des Lebensumfeldes der Kinder in den Kindertagesstätten im Rahmen der Aktion Kita mit Biss als auch die zugehende sozialkompensatorische intensivprophylaktische Betreuung durch die Teams der Zahnärztlichen Dienste erfolgte, erheblich (um ca. 10 %) abgesunken ist. Durch die gemeinsamen Bemühungen aller Beteiligten, insbesondere der Kita-Teams einschließlich des Küchenpersonals, der Eltern, Hebammen, Kinder- und Zahnärzte, 7

der Teams des Zahnärztlichen Dienstes des Gesundheitsamtes und der vielen anderen Beteiligten wurde die frühkindliche Karies bei den Kita- Kindern zurückgedrängt. Damit ist es gelungen, Kinder unabhängig von ihrer Lebenssituation präventiv zu erreichen und dazu beizutragen, typische sozialspezifische Unterschiede der Inanspruchnahme medizinische Leistungen auszugleichen sowie die gesundheitliche Benachteiligung der Heranwachsenden zu verringern. Die dargestellte zweite Evaluation belegt, dass sich die Aktion Kita mit Biss inzwischen als Präventionsprogramm etabliert hat. Kita mit Biss hat über die Stadtund Landesgrenze hinaus Aufmerksamkeit geweckt und zum Nachahmen angeregt. Allen Beteiligten sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt. Dr. Petra Haak Zahnärztlicher Dienst Gesundheitsamt Frankfurt (Oder) Literatur / Quellen: Harald Strippel, Schluss mit der frühkindlichen Karies- aber wie? 3. Gesundheitsbericht der Stadt Frankfurt(Oder) 2. Gesundheitsbericht der Stadt Brandenburg an der Havel Prophylaxeprogramm des Landes Brandenburg 8