Textanalyse (argumentierende und appellative Texte)

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Thorsten Zimmer Studienseminar Koblenz Textanalyse (argumentierende und appellative Texte) Wahlmodul 332 Textanalyse: Definitorische Grundlagen Linguistische Textdefinition (Integration einer sprachsystematisch ausgerichteten und einer kommunikationsorientierten Textdefinition) Der Terminus Text bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert. (Brinker 2005 S. 17) 2

Textanalyse: Definitorische Grundlagen TEXTSTRUKTU R Kriterien der Textbeschreibung TEXTSORTE TEXTFUNKTION 3 Textanalyse: Definitorische Grundlagen Was sind dann argumentierende Texte? Textstruktur: Kohäsion von argumentativen Zusammenhängen geprägt (Thesen, Argumente, Beispiele, Gegenargumente ) Textfunktion: Appellfunktion, Informationsfunktion Textsorten: Erörterungen, Stellungnahmen, Kritiken, Rezensionen, Reden, 4

Textanalyse: Argumentierende Texte im Fachunterricht Argumentierende Texte im Fachunterricht Beispiele? 5 Textanalyse: Didaktik der Textarbeit Der schulische Textbegriff Spezifische Erscheinungsform der Texte Schriftlichkeit Spezifische Relevanz der Texte Texte als Lerngegenstand: Es wird gelernt, mit dem Text umzugehen Texte als Lernmedium: Mithilfe der Texte wird ein Thema gelernt Spezifische Beschreibungskriterien der Texte Textinhalt Textstruktur Textfunktion(en) (Textsorte) Sprache 6

Textanalyse: Didaktik der Textarbeit Übergeordnetes Lernziel des Textanalyse-Lehrgangs Die Schüler kennen und nutzen Strategien, um einen Text und seine Teile (in Bezug auf deren Inhalt, Struktur, Funktion, Textsorte und sprachliche Merkmale) zu erfassen, zu verstehen und zu bewerten und die Ergebnisse in über den Text hinausgehende Dikurse einbringen zu können. 7 Textanalyse: Didaktik der Textarbeit Zum Klassenstufenfolgeprogramm Es gibt keine/ kaum eine ausdrückliche Lernspirale zur Kompetenz Argumentierende Texte lesen. Die relevanten Lese- und Nutzkompetenzen werden an der Lernspirale Sachtexte lesen eingeführt und geübt (Die hier vorkommenden Textbeispiele sind aber oft mehr oder weniger argumentierend). Weitere relevante Kompetenzbereiche, die berücksichtigt werden, sind: Mündlich und schriftlich argumentieren, Präsentieren, Lesetechniken kennen und anwenden. Ein ausdrücklicher Blick auf argumentierende Texte erfolgt in der Klasse 8 (Zeitungstextanalyse) und 10 (Rhetorik/ Redeanalyse). In allen Klassen werden argumentierende Texte als Lernmedien eingesetzt. 8

Möglicher Ablauf einer Textarbeit im Unterricht Situation: Aus dem Unterricht ergibt sich die (vorbereitete) Notwendigkeit, einen argumentierenden Text einzusetzen AM TEXT Erwartungshaltung ist geschaffen. (z.b. eine Frage steht im Raum; eine bestimmte Situation ist erklärt ) Hypothesen bilden Text überfliegen: Kontext, Autor, Inhalt, Absicht bestimmen Genauer lesen/ analysieren (Alternativen, je nach Unterrichtsziel und Zeit) Lesen und markieren Eigene Fragen beantworten Vorgegebene Fragen beantworten Schriftlich gründlich analysieren (nach geübter Methodik) Hypothesen überprüfen Weitergehende Aspekte besprechen (z.b. Sprache, Stil, Textsorte, Überzeugungskraft ) 9 Zum Beispiel: Alles Blödsinn Situation: Bild und kurzes Zitat: Reich-Ranicki lehnt den Fernsehpreis ab. Alles Blödsinn Es kommt zu einer Einstiegsdiskussion, aus der sich die Fragestellung nach der Qualität und den Aufgaben des Fernsehens ergibt. Erwartungshaltung ist geschaffen. Frage: Welche Aufgaben u. Möglichkeiten hat d. Fernsehprogramm? Erfüllt es sie? AM TEXT Hypothesen bilden Es handelt sich um einen Kommentar zu Reich-Ranickis Auftritt. Er gibt ihm scheinbar recht. Genauer lesen/ analysieren (Alternativen, je nach Unterrichtsziel und Zeit) z.b. Lesen und markieren Hypothesen überprüfen Beleg der Hypothese im Text: Nennen von Stellen, die zeigen, dass der Text sich auf die Seite von Marcel Reich-Ranicki stellt Präzisierungen durch Bezug zu anderen Schülerbeiträgen oder gezieltes Nachfragen Weitergehende Aspekte besprechen (z.b. Sprache, Stil, Textsorte, Überzeugungskraft ) 10

Aspekte/ Kriterien bei der genaueren Textarbeit Inhalt (Schlüsselwörter markieren/inhaltsaufhänger oder Stichwörter notieren) Struktur (Einleitung, Hauptteil, Schluss, Thesen, Argumente, Beispiele markieren) Funktion (Gesamtfunktion bestimmen; Sprechabsichten einzelner Abschnitte notieren) Textsorte (Alltagsbegrifflichkeit genügt oft) Sprache (Sprache nach geübten Kriterien untersuchen, Belege markieren) 11 Lesetechniken/ Lesearten suchendes, selektives Lesen (Scanning): Gezieltes Suchen nach bestimmten Informationen orientierendes Lesen (Skimming): Den Text ausgehend von Überschriften, grafischen Hervorhebungen oder Bildern überfliegen, um entscheiden zu können, was man sich genauer anschauen möchte kursorisches (extensives) Lesen: Flüchtiges Lesen, um möglichst schnell ein globales Textverständnis zu erreichen detailliertes (intensives) Lesen: Der Text wird mit bestimmten Strategien gelesen, um ihn als Ganzes im Detail zu verstehen und zu bearbeiten. zyklisches Lesen: Der Text wir zunächst orientierend, dann extensiv und danach intesiv gelesen Die 5-Schritt-Lesetechnik/ SQ3R-Methode: Survey (Überblick verschaffen) Question (Fragen stellen) Read (Gründlich lesen) Recite (Rekapitulieren einzelner Abschnitt) Review (Rückblickende Überprüfung, ob das Verstandene stimmig ist, die Fragen beantwortet ) 12

Genaue Textarbeit: Strukturen erkennen Treppendarstellung Geben Sie die Argumentationsstruktur des Textes in Form einer Treppendarstellung wieder, welche die Hierarchie v. Thesen, Argumenten und Beispielen (u.a.) veranschaulicht. Cluster Übertragen Sie die inhaltliche Struktur oder die Argumentationsstruktur des Textes in ein übersichtliches Cluster. Tafelbild/ Strukturskizze Stellen Sie die Aussagen und die Argumente des Textes in einem anschaulichen Tafelbild dar. 13 Arbeit mit Folienschnipseln 1: Zeilen 10-25 Bezug zum Hauptthema (z.b. Hauptthese, Argument zur Hauptthese, Beispiele zur Hauptthese) Inhalt/ Thema Argumentationsstruktur (Mikro-Ebene) Sprachbeschreibung/ sprachliche Besonderheiten 14

Textanalyse: Argumentations- und Manipulationstechniken Schlüsse und Scheinschlüsse Syllogismen Logische Dreischritte: 1.Schritt: Einem Oberbegriff werden bestimmte Eigenschaften zugeordnet. 2.Schritt: Die Zugehörigkeit eines Einzelfalls zum Oberbegriff wird festgestellt. Logische Folgerung: Der Einzelfall hat die Eigenschaften des Oberbegriffs. Enthymeme Scheinschlüsse 1.Schritt: Einem Oberbegriff werden wahrscheinliche Eigenschaften zugeordnet. 2.Schritt Ein Einzelfall gehört zum Oberbegriff. Scheinbare logische Folgerung: Der Einzelfall hat die Eigenschaft des Oberbegriffs. Induktionen Ableiten einer Regel aus Beispielen 1.Beispiel stimmt 2.Beispiel stimmt Logische Folgerung: 3. Beispiel stimmt 15 Textanalyse: Argumentations- und Manipulationstechniken Argumenttypen Faktenargument Auf unwiderlegbare Tatsachen zurückzuführen Normatives Argument An akzeptierte Wertvorstellungen angebunden Autoritätsargument Berufung auf eine akzeptierte Autorität Analogisierendes Argument Vergleich mit einem Beispiel aus einem anderen Lebensbereich Indirektes Argument Gegenteilige Positionen werden als unstimmig vorgeführt 16

Textanalyse: Ergänzungen/ Ausblick Weitere Methodenideen 1 Fragen zum Text beantworten Fragen an den Text stellen Den Text strukturieren Den Text mit dem Bild lesen Farborientiert markieren Den Text in eine andere Darstellungsform übertragen Den Text expandieren Verschiedene Texte zum Thema vergleichen Schlüsselwörter suchen und den Text zusammenfassen Das Fünf-Phasen-Schema anwenden 17 Textanalyse: Ergänzungen/ Ausblick Weitere Methodenideen 2 Begriffe aus dem Text vordefinieren lassen Schlüsselwörter vorher markieren und aus dem Kontext erklären lassen 18

Textanalyse: Ergänzungen/ Ausblick Häufige Fragen zur Textarbeit Muss man immer den ganzen Text besprechen? Sollen die Schüler die Abschnitte selbst einteilen? Wie gründlich muss zwischen den einzelnen Strukturebenen (z.b. Thesen, Argumente) unterschieden werden? Sollen Texte lieber in den Hausaufgaben vorbereitet werden? Wie kann man den Blick der Schüler lenken? Wie geht man mit heterogenen Klassen (Lesegeschwindigkeit!) um? Haben Sie weitere Fragen? 19 Textanalyse: Literaturliste Literatur Brinker, Klaus: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 6., überarbeitete und erweitere Auflage. Berlin: Erich Schmidt Verlag 2005. (Grundlagen der Germanistik) Sachtexte lesen im Fachunterricht der Sekundarstufe. Hrsg. v. Staatlichen Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien, Koblenz. Seelze-Velber: Klett-Kallmeyer 2009. Röckel, Gerhard: Texte erschließen. Grundlagen- Methoden-Beispiele für den Deutsch- und Religionsunterricht. Aus dem Nachlass herausgegeben und bearbeitet von Georg Bubholz. Düsseldorf: Patmos 2006. 20