Suchen, finden, parken Wie Technologie den Frust bei der Parkplatzsuche mindern kann Durchschnittlich verschwenden wir 106 Tage unseres Lebens mit der Suche nach freien Parkplätzen 1. Darum überrascht es kaum, dass es immer mehr Versuche gibt, die Parkplatzsuche gerade in Städten effizienter zu gestalten. Wie das aussehen kann? Dank Sensoren in Parkhäusern, am Bordstein und an Laternen weiß der Autofahrer, welche Parkplätze in seiner Nähe frei sind, alles andere regeln neue Technologien im Auto. Wer kennt das nicht: Man ist mit dem Auto unterwegs in einer fremden Stadt, hat vielleicht sogar einen wichtigen Termin und findet dank Navigationssystem meist ganz einfach zur richtigen Adresse. Doch da fängt häufig das eigentliche Problem erst an: die Suche nach einem freien Parkplatz, die Zeit und Nerven kostet. Bald schon sollen Fahrer Unterstützung bei ihrer Jagd nach Parkmöglichkeiten erhalten, in dem sie automatisch zu einem freien Parkplatz in der Nähe gelotst werden. Die entsprechende Technik dazu gibt es bereits und wird in Parkhäusern auch seit geraumer Zeit eingesetzt. Schlauer parken in deutschen Städten Der deutsche Unternehmer Thomas M. Hohenacker hat die Vision, die Parkplatzsuche in deutschen Städten zu vereinfachen: Einen Parkplatz zu suchen ist wahrscheinlich die Aktivität, die weltweit täglich am meisten Zeit kostet. Wäre es also nicht genial, wenn es ein System gäbe, das mir exakt sagt, ob Parkbuchten an meiner Zieladresse frei sind, sodass ich nicht suchend um den Block irren muss? Er rief deshalb 2011 mit einem Team von Ingenieuren, Software-Entwicklern und anderen kreativen Köpfen das Projekt SchlauerParken ins Leben. Ziel ist ein effektives und kostengünstiges System, das innerstädtische Parkmöglichkeiten in Echtzeit überblickt. Um das zu erreichen, entwickelte Hohenacker ein neues Parksensorensystem und eine dazugehörige App. Die Besonderheit dabei ist, dass die Sensoren oberhalb der Straße beispielsweise an 1 http://www.telegraph.co.uk/motoring/news/10082461/motorists-spend-106-days-looking-forparking-spots.html 1 of 5
Straßenlaternen angebracht sind und sich nicht in den Parkbuchten befinden. Das hat laut dem Erfinder den Vorteil, dass so ganze Straßenzüge gescannt werden können und der vorhandene Raum effizienter genutzt wird. Die Sensoren können erkennen, ob mehr als ein Auto in einer Parkbucht Platz hat. Durch die App soll der Fahrer dann auch erfahren, ob der freie Platz groß genug für seinen Wagen ist, wie teuer es wird oder wie viel Restparkzeit zur Verfügung steht. In ausgewählten deutschen Städten soll der Service noch dieses Jahr angeboten werden. Die Schlauerparken-App zeigt an, welche Parkplätze frei sind und ob der eigene Wagen dort Platz hat. SchlauerParken Die an den Straßenlaternen angebrachten SchlauerParken-Sensoren analysieren Parkplätze im Sekundentakt. Pro Sensor können zwischen 15-100 Fahrzeuge erfasst werden. SchlauerParken 2 of 5
Sprechende Straßen in San Francisco und Los Angeles In Amerika ist man schon einen Schritt weiter: In San Francisco und Los Angeles sind viele Parkplätze bereits mit Sensoren ausgestattet. Diese befinden sich jedoch, anders als bei Hohenackers SchlauerParken- Ansatz, unter dem Asphalt. Die Stadt verwendet die Sensoren, um je nach Auslastung der Parkplätze die Preise anzupassen. Audi machte sich diese Tatsache zunutze: Der Automobilhersteller bekommt die Belegungs- und Preisinformationen von der Stadt live übermittelt und nutzt diese Daten für seine dreijährige Forschungsinitiative Audi Urban Intelligent Assist (AUIA). Zusammen mit dem Volkswagen Group Electronics Research Laboratory (ERL) im Silicon Valley, der University of Southern California, der University of California in Berkeley und der University of California in San Diego hat sich Audi zum Ziel gesetzt, Technologien und Ansätze zu entwickeln, die den Autofahrer zukünftig auf den chaotischen Straßen der Megastädte dieser Welt entlasten sollen. Schlauer parken mit dem Intelligent Parking Assist Im Rahmen der Forschungsinitiative entstand unter anderem das Prognosesystem Intelligent Parking Assist, das für viele Straßenzüge in San Francisco und Los Angeles und jede Uhrzeit eine Prognose über die freien Parkplätze liefern kann. Das System nutzt hierfür sowohl gesammelte Daten aus der Vergangenheit als auch Echtzeitdaten zur Parkplatzbelegung und der Verkehrsauslastung, die ihm die Sensoren in San Francisco und L.A. liefern. Gibt der Autofahrer ein Ziel in sein Navigationsgerät ein, ermittelt das System mit Hilfe der Verkehrsprognose die wahrscheinliche Ankunftszeit. Zusätzlich merkt sich die Technik die Präferenzen des Fahrers und weiß aus dieser Erfahrung, wieviel der Parkplatz kosten und wie weit er vom eigentlichen Ziel entfernt sein darf. Schließlich erhält der Fahrer so die zur Ankunftszeit prognostizierten freien Parkbuchten, welche hinsichtlich Kosten und Entfernung seinen Wünschen entsprechen. Sollte sich während der Fahrt die Situation am Zielort ändern, wählt das System automatisch einen anderen passenden Parkplatz. Auf demselben Prinzip basiert die App Time-2-Start, die den Anwender bei seiner täglichen Terminplanung unterstützt und ihn unter anderem an seinen Abfahrtszeitpunkt erinnert. Die Anwendung bietet zudem die Möglichkeit, einen zur Ankunftszeit freien Parkplatz zu wählen. Ist das Smartphone dann per NFC (Near Field Communication) mit dem Bordcomputer verbunden, wird die Planung inklusive Parkplatz direkt an 3 of 5
das Navigationssystem im Auto übergeben. Die App Time-2-Start unterstützt den Nutzer bei seiner täglichen Terminplanung und bietet zudem eine Übersicht über freie Parkplätze in der Nähe des Zielortes. Audi Neben diesen Smart Parking-Funktionen wurden im Rahmen der Audi Urban Intelligent Assist-Initiative noch weitere Technologien für das vernetzte Auto der Zukunft entwickelt. Mario Tippelhofer, Senior Software Engineer ERL, ist von den Ergebnissen überzeugt: Das Projekt lässt ein Connected Car entstehen, das das Verhalten seiner Fahrer voraussagt, aktuelle und zukünftige Fahrbedingungen analysiert und für ein sicheres und hoffentlich weniger anstrengendes Fahrerlebnis sorgt. Im Januar präsentierte die Initiative Audi Urban Intelligent Assist in San Francisco erstmals Ergebnisse ihrer dreijährigen Forschungsarbeit wie den Intelligent Parking Assist. Bis die Parkplatzapplikation aber tatsächlich im Auto zum Einsatz kommt, wird es sicher noch etwas dauern. Entscheidend dafür ist die Bereitschaft der Datenprovider mit Automobilherstellern und Entwicklern von Prognosesystemen zu kooperieren. Bis dahin müssen Autofahrer wohl noch so einige Kilometer auf der Suche nach dem freien Parkplatz abspulen. 4 of 5
In San Francisco zeigte die Forschungsinitiative Audi Urban Intelligent Assist erste Ergebnisse ihrer Arbeit und präsentierte Technologien wie den Intelligent Parking Assist. Audi 5 of 5