Die große Grubenkatastrophe

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Transkript:

Die große Grubenkatastrophe aus: Alsdorf - Geschichte einer Stadt von Albert Kraemer neu bearbeitet von Friedrich Schmitz / 1971 unter Mitwirkung von Rudolf Bast für das Internet aufbereitet von Peter Dzinga - 2001 / 2010 Eine Geschichte des Alsdorfer Bergbaus kann leider nicht vollständig sein, ohne die Erwähnung der großen Katastrophen, die ihn getroffen haben. Der Bergmann ist weitaus mehr als die meisten anderen arbeitenden Menschen von einem plötzlichen Tod oder schweren Verletzungen bedroht. Immer wieder kommt es im Untertagebetrieb der Grube zu Unfällen, denn eine Grube ist keine Fabrik, sondern eine Stätte des beständigen Kampfes des Menschen gegen die oft feindlichen Naturgewalten. Früher pflegte man zu sagen, daß der Bergmann, wenn er sich umziehe zur Schicht, sein Totengewand anziehe. In Anbetracht dieser steten Bedrohung von Leib und Leben war es bei den Bergleuten Sitte, daß sie vor Beginn der Schicht gemeinsam beteten. Diesen Brauch hat es in Alsdorf noch bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts gegeben. Bis heute verehren die Bergleute die hl. Barbara als ihre besondere Schutzpatronin. Drei schwere Unglücke haben den Alsdorfer Bergbau betroffen. Das erste ereignete sich während des Ersten Weltkrieges. Am 29. November 1917 brach auf Anna I ein Grubenbrand aus, der durch eine schadhaft gewordene Benzollokomotive verursacht worden war. Er forderte 58 Opfer, darunter 17 russische Kriegsgefangene. Am Festtage der hl. Barbara, am 4. Dezember, wurden die Opfer beigesetzt. BArch, Bild 102-10604 21. : Überblick über das riesige Trümmerfeld der großen Bergwerks-Katastrophe auf Anna II Eduard - Schacht http://www.alsdorf-online.de/geschichte/ Kapitel 8.05 Seite 1

BArch, Bild 102-10610 Ein geretteter Bergmann wird von Sanitätern in Sicherheit gebracht Dienstag, dem 21., um 7.29 Uhr, geschah die größte Katastrophe in der Geschichte des Bergbaus in Alsdorf. Es war die zweitgrößte im deutschen Bergbau überhaupt. Aus dem Eduard-Schacht auf Anna II schoß zunächst eine gewaltige Feuersäule und danach eine riesige Rauchwolke. Die Explosion wirkte sich über- und untertage aus. Das 36 m hohe Fördergerüst stürzte um. Beim Aufschlag zerstörte es große Teile der Übertageanlagen, andere wurden durch den Explosionsdruck in Trümmer gelegt. Die Stoßrichtung der Explosion muß aus dem Schacht herauskommend gewesen sein; denn untertage waren die Zerstörungen nicht so umfangreich, wie man nach dem schrecklichen Bild, das sich übertage bot, annehmen mußte. Vor allem auf der 360-m-Sohle gab es allerdings Brandspuren und Brüche; die Abbaubetriebe waren aber von den unmittelbaren Explosionswirkungen verschont geblieben. Verheerende Wirkungen hatten dann allerdings die Schwaden, denen sehr viele Bergleute zum Opfer fielen. Insgesamt forderte das schreckliche Unglück 271 Tote. Aber neben diesen beklagenswerten Opfern gab es auch viele Verletzte, die sich aus eigener Kraft nicht retten konnten. Bei ihrer Bergung zeigte sich die bewundernswerte Kameradschaft und der Mut der Bergleute, vor allem der Rettungsmannschaften. BArch, Bild 102-10608 Dem Tode entronnen. Gerettete Bergknappen der Grube Anna II, welche 24 Stunden in dem verschütteten Bergwerk begraben waren. http://www.alsdorf-online.de/geschichte/ Kapitel 8.05 Seite 2

BArch, Bild 102-10608 Bergmannslos. Tote Bergknappen, die aus dem Unglücksschacht Anna II geborgen wurden, auf dem Zechenhof. Wenige Minuten nach der Katastrophe ordnete der zuständige Betriebsdirektor die Ausfahrt der gesamten Belegschaft von Anna I an, da diese Grube mit Anna II eine gemeinsame Wetterführung hatte und daher Gefahr für die Bergleute von Anna I bestand. Durch die Schächte von Anna I, Anna III und Adolf retteten sich zahlreiche Bergleute, die auf Anna II der Gefahr entkommen waren. Noch während die Bergleute ausfuhren, begann das Rettungswerk. BArch, Bild 102-10611 Das Ende der Alsdorfer Katastrophe. Die Särge für die Toten der großen Grubenkatastrophe in Alsdorf auf dem Zechenhof der Grube Anna II http://www.alsdorf-online.de/geschichte/ Kapitel 8.05 Seite 3

BArch, Bild 102-10606 Sanitätsautos schaffen verwundete und tote Bergleute in das Knappschaft-Lazarett Zuerst waren die Grubenwehren zur Stelle, dann eilten zu Hilfe die Alsdorfer Ärzte, Sanitäter, Feuerwehr, Bergleute von anderen Schichten und die Polizei. Viele Besitzer privater Kraftwagen kamen mit ihren Fahrzeugen zum Abtransport der Verletzten. So konnte den Verletzten übertage sehr schnell geholfen werden. Speziell ausgebildete und mit Drägergeräten ausgerüstete Grubenwehrmänner begannen von Anna I, Anna III und Adolf aus die Rettungsarbeiten untertage. In einer ungeheuren Anstrengung konnten noch am Unglückstage selbst fast alle Verletzten geborgen werden. Nachmittags halfen auch Grubenwehren aus dem Ruhrgebiet. Vier Tage später, am 25. Oktober 1930, wurden nach einer Trauerfeier ohnegleichen die Opfer beigesetzt. Vor allem in Alsdorf selbst herrschte tiefste Trauer; denn allein 144 Opfer stammten aus dem damals noch kleineren Alsdorf. Alle 144 Toten wurden gemeinsam auf einem neuen Friedhof, dem Nordfriedhof, beigesetzt; die anderen auf den Friedhöfen ihrer Heimatgemeinden. Zu den Trauerfeierlichkeiten auf Anna I und zur stummen Anteilnahme am Leichenzuge 25. : Bergknappen tragen ihre Kameraden zu Grabe http://www.alsdorf-online.de/geschichte/ Kapitel 8.05 Seite 4

waren rund 100.000 Menschen nach Alsdorf gekommen. Zum ersten Male war aus überaus traurigem Anlaß der Name Alsdorf in der ganzen Welt bekannt geworden. Dem Andenken der Toten sind zwei Denkmale gewidmet. Das erste befindet sich auf dem Nordfriedhof am Kopfende der Gräberrabatte, in der die Verunglückten beigesetzt sind. http://www.alsdorf-online.de/geschichte/ Kapitel 8.05 Seite 5

Vier dunkle Kreuze verkünden den Ernst des Unglücks und des Todes überhaupt. Das zweite Denkmal ist ein Mosaik in der Eingangshalle des Alsdorfer Gymnasiums neben den Türen zur Aula. Dieses Werk ist vor allem der Kameradschaft der Bergleute gewidmet. Das dritte große Unglück, das den Alsdorfer Bergbau betraf, ist durch die Explosion verdorbenen Sprengstoffes ausgelöst worden. Am 21. Januar 1945, mehrere Monate nach der Besetzung Alsdorfs durch die Amerikaner, sollte der verdorbene Sprengstoff zu Tage gebracht werden. Dabei explodierte er im Füllort der 610-m-Sohle und tötete 21 Bergleute. Die aus Alsdorf stammenden Opfer sind wiederum auf dem Nordfriedhof beigesetzt worden; auch ihnen wurde links vom Haupteingang ein Denkmal gesetzt. http://www.alsdorf-online.de/geschichte/ Kapitel 8.05 Seite 6