Betriebliche Logistik 5 Lagerwirtschaft / Lagerlogistik 5.1 Einleitung und Begriffe 5.2 Gründe für Lagerhaltung 5.3 Lagerarten 5.3.1 Unterscheidungsmerkmale 5.4 Fördern / Umschlagen 5.5 Lagersysteme 5.5.1 statische Lagertechnik 5.5.2 dynamische Lagertechnik B. Lackmann WS 2010-11 1
5.4 Fördern / Umschlagen Grundbegriffe des Fördern und Umschlagens Fördern Als Fördern wird der Transport innerhalb einer örtlich begrenzten und zusammenhängenden Betriebseinheit ( z.b. innerhalb eines Werkes, eines Flughafens, einer Grube, eines Lagers, eines Büros) bezeichnet Quelle: DIN 30781 Teil 1; Transportkette Grundbegriffe Anmerkung: Fördern entspricht somit dem innerbetrieblichen Transport. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Fördern jedoch nicht verwendet, wenn der innerbetriebliche Transport mit Verkehrsmitteln durchgeführt wird Umschlag Der Umschlag ist die Gesamtheit der Förder- und Lagervorgänge beim Übergang der Güter auf ein Transportmittel, beim Abgang der Güter von einem Transportmittel und wenn das Gut das Transportmittel wechselt Quelle: DIN 30781 Teil 1; Transportkette; Grundbegriffe (ähnlich VDI 2411 ) B. Lackmann WS 2010-11 2
5.4 Fördern / Umschlagen Umschlag von / auf Straßenverkehrsmittel Organisation der Ladezone Verladung ohne Bereitstellung Ungeordnete Bereitstellung der Ladung Bereitstellung der Ladung auf Bereitstellungsflächen Bereitstellung auf Wechselbrücken Bereitstellung in Container Gestaltung des Ladevorganges Beladung ohne Rampe Beladung mit Rampe Förderprozesse beim Umschlag Rein manueller Umschlag Mechanisierter Umschlag Nutzung von Gabelstaplern Nutzung von Kränen Technische Systeme zur Vereinfachung des Umschlages Teleskopbandförderer für Stückgut Rollenbahnen für Paletten Rollpaletten / Rollbehälter B. Lackmann WS 2010-11 3
5.4 Fördern / Umschlagen Gebräuchliche Stetigförderer Vgl. Jünemann/Schmidt (2000) Materialflußsysteme, S 95-118 Bezeichnung Besonderheit Logistikeinheit Unterflurkettenförderer Teil des Gebäudes Fahrzeuge Rollenbahn mit- und ohne Antrieb mit ebener Grundfläche Tragkettenförderer auch mit Hub- oder mit ebener Grundfläche Dreheinrichtung Bandförderer auch mit Gliederband verschiedene Packungen Rutschen Schwerkraft verschiedene Packungen Schwingförderer Änderung der Anordnung unverpackte Güter kleine Werkstücke Schleppkreisförderer unterbrochene Bewegung hängende Logistikeinheiten und Verzweigung möglich B. Lackmann WS 2010-11 4
5.4 Fördern / Umschlagen Gebräuchliche Unstetigförderer Vgl. Jünemann/Schmidt (2000), Materialflußsysteme S.118-184 Bezeichnung Besonderheit Logistikeinheit Wagen, Schlepper universell verschiedene Gabelstapler palettenbezogen Paletten, Gitterboxen Kommissionierstapler palettenbezogen Paletten, Gitterboxen Regalbediengerät regalgebunden Paletten, Tablare, Kleinbehälter Fahrerlose Transport ferngesteuert Paletten, Tablare, Kleinbehälter, Systeme (FTS) Werkstückträger Aufzüge vertikales Fördern verschiedene Krane vertikales Fördern verschiedene Hängebahnen Einzelantrieb hängende B. Lackmann WS 2010-11 5
5.4 Fördern / Umschlagen Genormte Grundbegriffe des Lagerns Lagern I Jedes geplante Liegen von Arbeitsgegenständen im Materialfluß. VDI 2411, S. 18. Lagern II Speichern Tätigkeit, Güter in einem Lager unterzubringen, oder der Status der Ware, sich im Lager zu befinden. CEN 273001, S. 9 Comité Européen de Normalisation Allgemein dient Speichern dem Aufbewahren von Vorräten (Stoff, Energie, Information). VDI 2860, S. 4. Lager Raum bzw. Fläche zum Aufbewahren von Stück- und / oder Schüttgut, das mengen- und / oder wertmäßig- erfaßt wird. VDI 2411, S. 17. B. Lackmann WS 2010-11 6
5.4 Fördern / Umschlagen Logistische Ausführungsprozesse in Lagern Wareneingang Fördern, Handhaben, Identitätsprüfung, Mengenprüfung, (Qualitätskontrolle), Bildung von lagerfähigen Logistikeinheiten Verteilung Fördern, Handhaben, Sortieren, Zwischenpuffern Identifikation Identitätsprüfung, Prüfung der Lagerfähigkeit, Prüfung der Transportfähigkeit Einlagerung Lagern i.e.s Fördern, Handhaben Lagern, Speichern, Festhalten Auslagerung Fördern, Handhaben Kommissionierung Bildung von auftragsbezogenen Logistikeinheiten Warenausgang Identitätsprüfung, Mengenprüfung, (Qualitätskontrolle), Bildung von transportmittelbezogenen Logistikeinheiten, Fördern, Handhaben B. Lackmann WS 2010-11 7
5.5 Lagersysteme Gebräuchliche Lagereinrichtungen Lagergestelle: Fördermittel: Block- und Zeilenlagerung Fachbodenregale Palettenregale manuelle Bedienung Gabelstapler Gabelstapler / Hochregalstapler Einfahrregale Kommissionierstapler Hochregale Regalförderzeug Kragarmregale Durchlaufregale Umlaufregal Verschieberegal B. Lackmann WS 2010-11 8
5.5 Lagersysteme Technische Systematisierung von Lagersystemen I statisch LAGERSYSTEME dynamisch Kompaktlagerung Zeilenlagerung Kompaktlagerung Zeilenlagerung ohne Lagergestell mit Lagergestell ohne Lagergestell mit Lagergestell mit Lagergestell mit Lagergestell auf Fördermittel Bodenblocklager Einfahrregallager -Einfahrregal -Durchfahrregal Bodenzeilenlager -Flachregal -Mittelhochregal -Hochregal Durchlaufregallager -angetrieben Umlauf-/ Umsetzregallager Verschiebe-/ Einschubregallager Regallager Blockregallager -Hochregalblocbetrieb Paternoster -Schwerkraft--vertikal -dynamisches -horizontal -Compact Blocklager Karussel B. Lackmann WS 2010-11 9 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.1 statische Lagertechnik Blocklagerung Statische Lagertechnik I Zeilenlagerung Bodenlagerung Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel kein Einzelzugriff Bodenlagerung Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 10 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.1 statische Lagertechnik Statische Lagertechnik II Einfahr- /Durchfahrregal Wabenregal Block-Regallagerung Stückgut mit Lade-Hilfsmittel kein Einzelzugriff LiFo Block-Regallagerung Langgut mit und ohne Lade-Hilfsmittel Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 11 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.1 statische Lagertechnik Statische Lagertechnik III Fachbodenregal Schubladenregal Regallagerung Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff Regallagerung Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 12 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.1 statische Lagertechnik Statische Lagertechnik IV Palettenregal Hochregal (Beton) Regallagerung Stückgut mit Ladehilfsmittel Einzelzugriff FIFO Regallagerung Stückgut mit Ladehilfsmittel Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 13 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.1 statische Lagertechnik Statische Lagertechnik V Hochregal (Stahl) Behälterregal Regallagerung Stückgut mit Ladehilfsmittel Einzelzugriff Regallagerung Stückgut mit Ladehilfsmittel Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 14 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.1 statische Lagertechnik Kragarmregal Statische Lagertechnik VI Kragarmregal mit beweglichem Arm Regallagerung Langgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff Regallagerung Langgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 15 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.1 statische Lagertechnik Einplatz- und Mehrplatzlagerung Einplatzlagerung Mehrplatzlagerung (= flexible Lagerplatzhaltung) B. Lackmann WS 2010-11 16 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.1 statische Lagertechnik Beispiel Kragarmregal B. Lackmann WS 2010-11 17 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.2 dynamische Lagertechnik Dynamische Lagertechnik I Durchlaufregal, Schwerkraft Durchlaufregal, Schwerkraft Regallagerung Stückgut mit Ladehilfsmittel Kein Einzelzugriff Stetigförderer Regallagerung Stückgut mit Ladehilfsmittel Kein Einzelzugriff Unstetigförderer B. Lackmann WS 2010-11 18 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.2 dynamische Lagertechnik Durchlaufregal, Antrieb Dynamische Lagertechnik II Durchlaufregal, Antrieb Regallagerung Stückgut mit Ladehilfsmittel Kein Einzelzugriff Stetigförderer Regallagerung Stückgut mit Ladehilfsmittel Kein Einzelzugriff Unstetigförderer B. Lackmann WS 2010-11 19 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.2 dynamische Lagertechnik Dynamische Lagertechnik III Horizontales Umlaufregal Vertikales Umlaufregal Bewegte Fachböden Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff bewegte Fachböden Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 20 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.2 dynamische Lagertechnik Verschiebe-Umlaufregal Dynamische Lagertechnik IV Verschieberegal (Tische) bewegte Regalfächer Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff bewegte Regalfächer Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 21 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.2 dynamische Lagertechnik Verschieberegal (Zeilen) Dynamische Lagertechnik V Regal auf Flurförderzeug bewegte Regalfächer oder Fachböden Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff bewegte Fachböden Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 22 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.2 dynamische Lagertechnik Staurollenbahn Dynamische Lagertechnik VI Staukettenförderer bewegte Ladeeinheiten Stückgut mit Ladehilfsmittel kein Einzelzugriff bewegte Ladeeinheiten Stückgut mit Ladehilfsmittel kein Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 23 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.2 dynamische Lagertechnik Paternoster Dynamische Lagertechnik VII Kreisförderer bewegte Ladeeinheiten Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel kein Einzelzugriff bewegte Ladeeinheiten Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel kein Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 24 Quelle: Bode, Intralogistik
5.5.2 dynamische Lagertechnik Paternoster Dynamische Lagertechnik VII Kreisförderer bewegte Ladeeinheiten Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel kein Einzelzugriff bewegte Ladeeinheiten Stückgut mit und ohne Ladehilfsmittel kein Einzelzugriff B. Lackmann WS 2010-11 25 Quelle: Bode, Intralogistik
Gesamtlagersystem Ein Gesamtlagersystem besteht aus folgenden Teilsystemen : Waren-Eingangs- System Zuführendes Transportsystem Lager-System (Einlagerung-, Lagerungs-, Auslagerungssystem) Abführendes Transportsystem Waren- Ausgangs-System B. Lackmann WS 2010-11 26 Quelle: Bode, Intralogistik
Gesamtlagersystem (grafisch) Waren-Eingangs- System Zuführendes Transportsystem Lager-System (Einlagerung-, Lagerungs-, Auslagerungssystem) Abführendes Transportsystem Waren- Ausgangs-System B. Lackmann WS 2010-11 27 Quelle: Bode, Intralogistik
Mögliche Strukturvarianten im Lager WE WE WE WE EL EL KL EL KL KL WA WA WA WA I II III IV B. Lackmann EL WS = Einheiten-Lager 2010-11 ; KL = Kommissionier-Lager 28 Quelle: Bode, Intralogistik
Der typische Materialfluss im Lager Bypass Legende: 4 B. Lackmann WS 2010-11 29
Der typische Materialfluss im Lager Bypass Quelle: Bode, Intralogistik Wareneingang WE Bereitstell- Zone: Erfassen Identifizieren Kontrollieren Bestellabgleich Verwendungsbestimmung Nachschub Verpackung Kontrolle Voll-Paletten Reservelager Kommissionierung Misch- Paletten Kontrolle, Warenausgang WA (Lagerplatzvergabe) Produktion B. Lackmann WS 2010-11 30 Legende: Standard Optional
Lagerlogistik / Arbeitsabläufe Arbeiten im Kommissionierlager Daten- / Informationsfluss Hersteller / Auftraggeber Eingang Empfangskontrolle -Scannung (Schnitt- Stelle ) Einlagern Pflege und Manipulation Kommissionierung Auslagern Ausgang +Verpacken +Scannung +Versand (Schnittstelle) Empfänger Güterfluss B. Lackmann WS 2010-11 31
Kommissionieren I - Begriffsbestimmung Kommissionieren ist das Sammeln von bestimmten Artikeln aus einem Lagersortiment und ihre Zusammenstellung zu einem Auftrag. Kommissioniert werden Kundenaufträge, also absatzorientierte Aufträge innerbetrieblicher Aufträge, also meist produktionsorientierter Aufträge B. Lackmann WS 2010-11 32
Kommissionierung Begriffsbestimmung II Kommissionieren ist das Zusammenstellen von bestimmten Teilmengen oder Artikeln aus einer bereitgestellten Gesamtmenge oder einem Sortiment aufgrund von Bedarfs-Informationen oder (internen oder externen) Aufträgen! (VDI-Richtlinie 3590, Blatt 1) Typische Zeitanteile beim Kommissionieren: * Informationsver-/-bearbeitung: ca. 10-20 % * greifen und ablegen der Waren: ca. 10-30 % * bewegen (zu Fuß oder fahren): ca. 30-50 % * Nebenzeiten (suchen und klären/beseitigen Fehler): ca. 20-40 % B. Lackmann WS 2010-11 33
Herausforderung Kommissionierkosten können mehr als 50% der gesamten Lagerkosten betragen Nach der Just-in-time -Philosophie bemühen sich die Abnehmer verstärkt darum über die richtige Ware, in richtiger Anzahl und geforderter Qualität, zum richtigen Zeitpunkt am Verwendungsort verfügen zu können. Diese Tendenz führt dazu, dass Lieferanten immer häufiger Sendungen mit kleineren Mengen je Artikel sehr schnell abfertigen müssen. B. Lackmann WS 2010-11 34
Sammelverfahren Die Mehrzahl der Betriebe bedient sich des seriellen Verfahrens, d. h., die einzelnen Aufträge werden nacheinander kommissioniert. Beim parallelen Kommissionieren wird im gesamten Lagerbereich an einem Auftrag gleichzeitig gearbeitet. B. Lackmann WS 2010-11 35
Strategien des Kommissionierens Einstufige oder auftragsbezogene Kommissionierung Auftrag wird in einem Arbeitsprozess zusammengestellt. auch das gleichzeitige Kommissionieren mehrerer Aufträgen Artikel werden (auftragsbezogen) am Entnahmeort in verschiedenen Kommissionierbehälter vor sortiert Einstufiges, mehrzoniges Kommissionieren Kommissionierbehälter (Auftrag) geht über verschiedene Lagerzonen und wird von verschiedenen Kommissionierern komplettiert Zweistufige oder artikelbezogene Kommissionierung Erste Stufe wird artikelbezogen, Zweite Stufe auftragsbezogen kommissioniert B. Lackmann WS 2010-11 36
Kommissioniersysteme Mann zur Ware: Systeme mit statischer Warenbereitstellung alle klassischen Regalsysteme wie Fachbodenregale, Kragarmregale, Palettenregale sowie Durchlaufregale Ware zum Mann: Systeme mit dynamischer Warenbereitstellung Umlaufregale, automatische Behälterlager sowie Plattenlager; ortsfeste Arbeitsplatz Automatische Kommissionierung: Hierbei sind Automaten nach dem Schachtprinzip und Roboter mit Greifeinrichtungen verfügbar (Einsatz beider Systeme unterliegt einer Reihe von Einschränkungen) Kommissioniersysteme werden unterschieden nach den Prinzipien: Mann zur Ware Ware zum Mann Automation B. Lackmann WS 2010-11 37
Kommissionierprinzipien Ware zum Mann Mann zur Ware Bereitstellung Bereitstellung am Bereitstellungs-punkt Bereitstellung am Lagerort Bewegung Logistikeinheit zum Bereitstellungs-punkt angebrochene Logistikeinheit zum Lagerort Kommissionierer zum Lagerort Kommissionierer mit kommissionierter Logistikeinheit zum Abgabepunkt Entnahme i.d.r. manuell i.d.r. manuell Technik Regalbediengeräte, Rollenbah-nen, Tragkettenförderer etc. Kommissionierwagen, Kommissionierstapler Anwendung hoher Automatisierungsgrad großes Sortiment, lange Wege geringer Automatisierungsgrad, kleines Sortiment, kurze Wege B. Lackmann WS 2010-11 38
Richtige System-Kombination Funktionelle und effiziente Kommissionierlager sind nur selten systemreine Lager im Sinne von Organisation, Strategie und Regaltechnik. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind daher immer optimierte Mischformen anzustreben. Die Regaltechnik bildet hierbei einen besonderen Schwerpunkt und durch die Mischung der Regaltechnik lässt sich die Effizienz der Arbeitsabläufe in einem Kommissionierlager erheblich steigern. B. Lackmann WS 2010-11 39
Kommissionieren II Was kommissionieren nicht sein sollte!!! Hier wäre ein EDVgesteuertes LVS bzw. Kommissioniersystem notwendig! B. Lackmann WS 2010-11 40
Literaturhinweise VDI Richtlinie 3590, Blatt 1 bis 3 Kommissionier-Systeme, Grundlagen, Aufbau- und Ablauforganisation, Entscheidungsfindung VDI Richtlinie 3590, Blatt 4 Ergonomische Gestaltung von Kommissionierarbeitsplätzen VDI Richtlinie 4428 Mobile Datenterminals VDI Richtlinie 3591 Transportleitsysteme VDI Richtlinie 3311 Beleglose Kommissioniersysteme B. Lackmann WS 2010-11 41
Typische Vorgänge beim Kommissionieren Bilden der Kommissionieraufträge nach bestimmten Strategien Auslieferreihenfolge Kommissionierweg-Optimierung Reihenfolge nach Ladensortiment kombinieren von Kleinaufträgen (Auftragsverdichtung) Aufteilen von Großaufträgen Vorziehen von Eilaufträgen Drucken von Belegen und/oder Etiketten Zuordnung der Kommissionieraufträge zu den Ressourcen (Personen, Fahrzeuge) Sortieren der Kommissionieraufträge Übernahme der Kommissionieraufträge B. Lackmann WS 2010-11 42
Typische Vorgänge beim Kommissionieren organisieren der Ladehilfsmittel Wegstrecken zurücklegen orientieren/identifizieren greifen/picken zählen/nulldurchgang bestätigen etikettieren Nachschub anfordern umpacken/verpacken kontrollieren der Ware bereitstellen der Ware im WA B. Lackmann WS 2010-11 43
Vorteile der beleglosen Kommissionierung a) minutengenaue Aktualität der Bestandsführung: - günstig für Bestandsoptimierung - günstig für die Verbesserung der Verfügbarkeit -Druck aktueller Faktura, Lieferscheine und Ladelisten gemäß tatsächlich kommissionierter und versandter Waren b) verbesserter Kundenservice: - schnellere Auftragsdurchlaufzeit - kurzfristige Berücksichtigung von Auftrags-Änderungen -bessere Abwicklung von Sonderfällen wie Unterlieferung, Ersatzlieferung, Nachlieferung, etc. c) spontane Behandlung von Sonderfällen - Ausführung von Eilaufträgen - schnellere Reaktion auf Fehlbestände B. Lackmann WS 2010-11 44
Vorteile der beleglosen Kommissionierung d) verbesserte Wegeoptimierung: - keine Leerfahrten zur Auftragsabholung - standortbezogener Fahrauftrag -kombinierte Ein-/Auslagerung (Doppelspiele) e) Führung und Kontrolle der Mitarbeiter: - weniger Fehlgriffe und weniger Fehlerbehandlung - bessere Erfassung von Leistungsdaten (z. B. für Prämien) -einfacherer Einsatz von "Saison"-Personal f) Unterstützung der permanenten Inventur: - on-line-erfassung von Nulldurchgängen - Rückmeldungen von Differenzmengen B. Lackmann WS 2010-11 45
Online-Inventory im Materialfluss und im Lager Online-Erfassung und Bestellabgleich per EDV-Rollwagen im Wareneingang Automatische Staplerleitsysteme für die Ein-, Aus- und Umlagerungen Beleglose Nachschubsteuerung für die Kommissionierer Belegloses Kommissionieren Online-Verpackung/-Versand Online Warenausgangs-Kontrolle mit mobilen Terminals B. Lackmann WS 2010-11 46
Vorteile durch Online-Systeme im Lager und im Materialfluss Wege- und Zeitverkürzungen bei Ein-, Aus-, Umlagerungen und Kommissioniernachschub durch Leerfahrtreduzierungs- und Doppelspiel-Strategien mit der Folge von Stapler- und Personaleinsparungen deutliche Fehler-Reduzierungen in der Kommissionierung und im Versand mit der Folge von deutlich weniger Verwaltungs- und Organisationsaufwand wesentlich höhere Bestandssicherheit mit besseren Dispositionsmöglichkeiten und deutlich weniger Fehl- oder Überbestände einzelner Artikel B. Lackmann WS 2010-11 47
Vorteile durch Online-Systeme im Lager und im Materialfluss bessere Möglichkeiten der Verdichtung von kleineren Kommissionieraufträgen mit der Folge von Zeitgewinn und Personaleinsparung in der Kommissionierung Unterstützung und Ermöglichung der permanenten Inventur in manuell bedienten Lagersystemen Unterstützung und Ermöglichung von Qualitätssicherungssystemen nach DIN ISO 9000 ff sowie Hilfe bei der Dokumentationspflicht Unterstützung von Lohn-Anreizsystemen (Leistungslohn, Prämien, etc) B. Lackmann WS 2010-11 48
LAGERTECHNIK - Lager-Nutzfläche *I-Pkt.=Identifikationspunkt B. Lackmann WS 2010-11 49
Lager-Bruttofläche Nicht dazu gehören: Lagerbüros Betriebsräume Bereitstellung für Lagergut, Leergut Auf- u. Abgabestationen Be- u. Entladeplätze Lager- Bruttofläche B. Lackmann WS 2010-11 50
Lager-Nettofläche =Bruttofläche abzüglich: Verkehrs- u. Manipulationsflächen für Lagerbediengeräte Lager- Nettofläche Entspricht der mit Regalen belegten Fläche B. Lackmann WS 2010-11 51
Beispiel für ein Fachboden-Etagenlager Ca. 2 x 2 m, Vierkantrohre m. Stahlblech B. Lackmann WS 2010-11 52
Vor- und Nachteile von Kleinteile-Lagertechniken (I) Fachbodenlager: Schubladenregallager: Vorteile: - geringe Investitionskosten - Zugriff zu jedem Artikel - sehr flexibel bei Strukturveränderungen - einfache Organisation Nachteile: - hoher Flächenbedarf - hoher Personalbedarf - ungünstige Griffpositionen - geringe Kontrollierbarkeit - schlechte Lagerraumnutzung Vorteile: - Kombination Fachboden / Schubladen - Zugriff zu jedem Artikel - sehr flexibel bei Strukturveränderungen - gute Lagerraumnutzung möglich - gute Kontrollierbarkeit Nachteile: - größerer Gangbreitenbedarf - hoher Flächenbedarf - hoher Personalbedarf - höhere Investitionskosten B. Lackmann WS 2010-11 53
Vor- und Nachteile von Kleinteile-Lagertechniken (II) Behälterlager: Vorteile: - einheitliche Lagerhilfsmittel - einfache Lagerorganisation - Automatisierung leicht möglich Nachteile: - Behältergewicht und -kosten - Brandschutz - inflexibler bei Produktänderungen - aufwendigeres manuelles Handling Automatisches Behälterlager: Vorteile: - gute EDV-Steuerung - Ware zur Person - gute Kommissionier- Ergonomie - gute Kontrollierbarkeit Nachteile: - hohe Investitionskosten - kein manueller Zugriff möglich B. Lackmann WS 2010-11 54
Vor- und Nachteile von Kleinteile-Lagertechniken (III) Durchlauflager: Vorteile: - strenges FIFO - hoher Durchsatz - Automatisierung leicht möglich Nachteile: - nicht für hohe Artikelvielfalt - nicht für alle Produkte geeignet - schlechte Lagerraumnutzung oder aufwendige Reorganisation Verschieberegallager: Vorteile: - gute Lagervolumennutzung - guter Schutz der Ware Nachteile: - hohe Investitionskosten - geringer Durchsatz B. Lackmann WS 2010-11 55
Vor- und Nachteile von Kleinteile-Lagertechniken (IV) Horizontales Umlauflager: Vorteile: - Prinzip Ware zur Person - hohe Kommissionierleistung - gute Lagerorganisation - Automatisierung leicht möglich Nachteile: - geringe Raumnutzung - hohe Investitionskosten - nicht alle Artikel im direkten Zugriff Vertikales Umlauflager: Vorteile: - gute EDV-Steuerung - Ware zur Person - gute Kommissionier- Ergonomie - gute Kontrollierbarkeit - guter Schutz der Ware - gute Höhennutzung Nachteile: - hohe Investitionskosten - geringer Durchsatz - nicht alle Artikel im direkten Zugriff B. Lackmann WS 2010-11 56
Vor- und Nachteile des klassischen HRL *RGB= Regal-Bedien-Geräte B. Lackmann WS 2010-11 57
Ebenen der Lagerplanung Planung des Lagerleistungspotentials Planung des Leistungsumfangs Planung des Fremdbezugsanteils Planung des Lagersystems Planung der Lageraufgaben Planung der räumliche Struktur Planung des Lagerhauses Planung der Lagerplatzzuordnung Planung der Aufnahme- und Abgabebereitschaft Planung der Lagerplatzkapazität Planung der Förderkapazität Personalplanung Operative Lagerplanung Planung des Lagerortes einer Logistikeinheit B. Lackmann WS 2010-11 58
Räumliche Grundstrukturen von Distributionssystemen K K K K K K K AL K K K K AL K K WA WA AL K WA WA VL K K K K K K AL K K K K AL K K Einstufiges System mit direktem Güterfluß Zweistufiges System mit einem Auslieferungslager Zweistufiges System mit zwei Auslieferungslagern Dreistufiges System mit zwei Auslieferungslagern und einem Verteillager B. Lackmann WS 2010-11 59
Ablauf der Planung der Lagergebäude und einrichtungen (1) Bestimmung der Anforderungen und Rahmenbedingungen (2) Entwurf alternativer Lagersysteme und Lagerprozesse (3) Bewertung und Vergleich der Alternativen Investitionen (Investitionsrechnung) fixe und variable Betriebskosten Leistungen (4)Stabilität der besten Lösung gegenüber Veränderungen der Rahmenbedingungen (5) Finalentscheidung B. Lackmann WS 2010-11 60
Strukturierte Vorgehensweise bei der Lagerplanung Standortwahl durchführen bzw. die Alternative Outsourcing prüfen Lagerplanung Lagertechnik Lagerorganisation - Verwaltung - Steuerung Lagergut Abläufe - Typen - Informationsflüsse - Mengen - Belegwesen Lagerarten Lagerordnung Bereiche - Lagerstrategien - Lagerbediengeräte - Lagerzonen - Fördertechniken - Prioritäten Funktionsbereiche EDV-Konzept - WE, I-Punkt - Hierarchie - Bereitstellung(WE,WA) - Schnittstellen - Versand - Peripherie (+ MDE) - WA, K-Punkt - Identtechnik Lagergebäude B. Lackmann WS 2010-11 61
Vorgehensweise bei der Planung 1) Feststellung der Ist Situation Daten/Mengengerüst EDV Konzeption Lager /Kommissioniertechnik Ablauf/Organisation Informationsflüsse/Belegwesen Schwachstellen 2) Bewertung der Ist Situation 3) Bewertung gegebenenfalls vorliegender Planungen 4) Gegebenenfalls ergänzende Datenaufnahme (event. stud. Mitarbeit) B. Lackmann WS 2010-11 62
Vorgehensweise bei der Planung 5) Entwicklung eines neuen Systemkonzeptes Bewertung möglicher Alternativen Technik und Organisation Investitions und Betriebskosten Amortisation 6) Abstimmung mit Auftraggeber 7) Realisierungsplanung (event. stud. Mitarbeit) 8) Erstellen der Ausschreibungs Unterlagen 9) Bewertung der vorliegenden Angebote und begründeter Vorschlag für Auswahl eines Lieferanten 10) Realisierungsbegleitung bis zur Abnahme B. Lackmann WS 2010-11 63
Rahmenbedingungen der Lagerhausplanung Eigenschaften der Lagergüter Art und Anzahl der Artikel (Materialpositionen) Art der an- und ausgelieferten Logistikeinheiten Art und Anzahl der zu lagernden Logistikeinheiten besondere Eigenschaften der Lagergüter Eigenschaften der Lagerprozesse Anzahl Einlagerungen pro Tag Anzahl Kommissionierpositionen pro Tag durchschnittliche Menge einer Kommissionierposition zulässige Kommissionierzeit pro Auftrag sonstige Rahmenbedingungen Raumbedarf für sonstige Logistikprozesse Art der An- und Auslieferung (Transportmittel) Häufigkeit der An- und Auslieferung Anfahrtsmöglichkeiten der Transportmittel Bodeneigenschaften Energieversorgung verfügbare Fläche vorhandene Gebäude und Einrichtungen vorhandenes Personal vorhandene EDV-Systeme Bauvorschriften B. Lackmann WS 2010-11 64
Einflussgrößen auf die Planung der Lagerplatzzuordnung Automatisierungsgrad Planbarkeit der Lagerplatzbedarfe je Artikel Häufigkeit von Artikeländerungen Umschlagshäufigkeit Vorhandensein eines Lagerverwaltungssystems Größe des Lagers Auslastungsgrad des Lagers Notwendigkeit der Trennung von Gütern bzw. Gütergruppen B. Lackmann WS 2010-11 65
Trends für das Lager in der Logistik-Kette Hersteller Lager Verbraucher Bypass Voll-Paletten Wareneingang WE Bereitstell- Zone: Erfassen Identifizieren Kontrollieren Bestellabgleich Nachschub Verpackung Kontrolle Verwendungsbestimmung (Lagerplatzvergabe) Reservelager Kommissionierung Misch- Paletten Kontrolle, Warenausgang WA Produktion 1) Größere Lagerzentren, ausgefeiltere Distributionsstrukturen 2) Mehr Lagerung durch Logistik-Dienstleister --> mehr weniger Automatisierung 3) Mehr Automatisierung in der Kommissionierung (Ware zur Person) 4) Aufwendigere/komplexere Software für die EDV-gestützte Lagerverwaltung 5) konsequente Online-Steuerung von Mitarbeitern und Flurförderzeugen in der Lagerorganisation, insbesonders für e-commerce-lager 6) Die installierte Lagerkapazität verdoppelt sich alle 5 bis 10 Jahre B. Lackmann WS 2010-11 66
Ladeeinheit ( Packstück ) Ist eine vom Verlader gebildete Handhabungseinheit, die während des Transportes nicht aufgelöst werden darf. Eine Ladeeinheit kann z.b. ein Karton, Kiste, KLT, Gebinde oder eine Gitterbox, Container mit mehreren Einzelbehälterns ein. oder Ladeeinheit ist ein Transportgut, das im TUL-Prozess als ein Ganzes behandelt wird und beim Be-,Um- und Entladen ein Einheit bildet. Die Größe der Ladeeinheit ist von der Leistungsfähigkeit der in der Transportkette eingesetzten technischen Mittel abhängig. Ladeeinheiten ergeben sich entweder aus der Natur des Gutes oder werden durch Paketierung, Bündelung oder durch Verwendung von Paletten, Containern u.ä. oder einer Kombination der vorerwähnten Arten gebildet. oder eine Ladeeinheit ist eine physische Einheit zur Zusammenfassung von Gütern, um den Transport, den Umschlag und die Lagerung zu erleichtern Ladeeinheiten bauen auf einem genormten Ladungsträger, meist einer Palette, auf Die Ladeeinheitenbildung Logistisches Optimum beinhaltet das Zusammenfassen von Stückgütern und Packstücken zur rationelleren Handhabung, Lagerung und Beförderung von Gütern. Ladeeinheit ( LE ) = Produktionseinheit ; = Lagereinheit ; = Transporteinheit ; =Verkaufseinheit B. Lackmann WS 2010-11 67
Hochschule Anhalt (FH) / Betriebliche Logistik B. Lackmann WS 2010-11 68