Brenstoffzelle (BRZ)

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Transkript:

Seite 1 Themengebiet: Thermodynamik 1 Literatur A. Macdonald, M. Berry, Wasserstoff: Energie für morgen, Band 4, Heliocentris, Berlin, 2007 A.J. Bard, L.R. Faulkner, Electrochemical Methods Fundamentals and Applications, Wiley, New York, 2001 C.H. Hamann, W. Vielstich, Elektrochemie, Wiley-VCH, Weinheim, 1998 K. Kordesch, G. Simader, Fuel Cells and Their Applications, VCH, Weinheim, 1996 A.F. Hollemann, E. Wiberg, Lehrbuch der Anorganischen Chemie, degruyter, Berlin, 1995 G. Wedler, Lehrbuch der physikalischen Chemie, VCH, Weinheim, 1987 2 Grundlagen 2.1 PEM-Brennstoffzellen In einer Brennstoffzelle wird chemische Energie, die im Brennstoff und im Oxidationsmittel gespeichert ist, in elektrische Energie umgewandelt. Man spricht hierbei von einer elektrochemischen Reaktionen. Eine Brennstoffzelle besteht aus einer Anode, an der der Brennstoff zuströmt und einer Kathode, an der das Oxidationsmittel zuströmt. Diese beiden Elektroden bestehen aus porösem Kohlenstoffgewebe, das mit sehr fein verteiltem Platin als Katalysator beschichtet sind. Die beiden Elektroden sind durch einen Polymerelektrolytmembran getrennt, die die beiden Gase, H 2 und O 2, voneinander trennt, jedoch für Protonen durchlässig ist (PEM = proton exchange membrane). An den Außenseiten der Elektroden liegen Gasflussplatten, die dafür sorgen, dass die Gase über die gesamte Elektrodenfläche verteilt werden. Gleichzeitig wird das entstehende Wasser darüber abgeführt. In Abbildung 1 ist der Aufbau und die Funktionsweise der Brennstoffzelle zusammengefasst. Abbildung 1: Aufbau einer PEM-Brennstoffzelle

Seite 2 2.1.1 Chemische Reaktion Die eigentliche chemische Reaktion findet an der Drei-Phasen-Grenze zwischen Gas, Wasser und Katalysator statt. An dieser Grenzfläche adsorbieren die Gase am Katalysator, werden ionisiert und diffundieren dann weg. An der Anode erfolgt die Oxidation des H 2, wobei Elektronen freigesetzt werden wobei Elektronen freigesetzt werden. H 2 2H + + 2e, (1) Die Reduktion des O 2 erfolgt an der Kathode, wozu Elektronen benötigt werden Beide Reaktionen laufen freiwillig ab. Bei der Gesamtreaktion O 2 + 4e 2O 2. (2) O 2 + 2H 2 2O 2 + 4H + (3) wird Energie frei - sie ist exotherm. Ist der Stromkreis geschlossen, fließt ein Strom, ist er nicht geschlossen, baut sich zwischen den Elektroden ein Potential auf. Die bei der Oxidation entstehenden Protonen H + können durch die Membran diffundieren und verbinden sich an der anderen Elektrode mit den dort entstehenden Sauerstoffionen O 2 zum Reaktionsendprodukt Wasser H 2 O. Hier muss für eine kontinuierliche Abführung des Wassers gesorgt werden, damit die Zelle nicht überflutet wird. Im Experiment müssen die Zellen daher wiederholt mit den Gasen gespült werden! 2.1.2 Katalysator Die Reaktion in der Brennstoffzelle läuft zwar freiwillig, aber nicht sehr schnell ab. Ein positiver Katalysator beschleunigt die Reaktionsgeschwindigkeit, durch Erniedrigung der benötigten Aktivierungsenergie. Katalysatoren nehmen an einer chemischen Reaktion teil, werden aber nicht verbraucht. 2.2 Der Elektrolyseur Der Elektrolyseur dient zur Erzeugung der benötigten Gase (H 2 und O 2 ) aus Wasser. Seine Funktionsweise entspricht fast genau der einer Brennstoffzelle, allerdings laufen die Vorgänge umgekehrt ab. Legt man an den Elektrolyseur eine Spannung an, wird an der Anode Wasser aufgespalten An der Kathode entsteht Wasserstoff 2H 2 O(l) O 2 (g) + 4H + + 4e. (4) 2H + + 2e H 2 (g), (5) wobei die Protonen durch die Membran von der Anode zur Kathode wandern. Die Gesamtreaktion ist endotherm, es muss also Energie zugeführt werden. 2H 2 O(l) 2H 2 (g) + O 2 (g) (6)

Seite 3 U E 0 U 0 elektro kinetischer Bereich ohmscher Bereich diffusions kontrollierter Bereich I grenz I Abbildung 2: Typische Kennlinie einer Brennstoffzelle. Es können drei Bereiche unterscheiden werden: Elektrokinetischer Bereich, Ohmscher Bereich und der Bereich mit Diffusionseinfluss. 2.3 Kennlinie einer Brennstoffzelle Eine ideale elektrochemische Zelle verhält sich wie eine Konstantspannungsquelle. Die theoretisch mögliche Spannung bei der idealen Wasserstoff-Brennstoffzelle beträgt U theo = 1,23 V, was auch die Mindestspannung für die Elektrolyse von Wasser ist. Um die Abweichungen der Zelle vom idealen Verhalten zu charakterisieren wird die Abhängigkeit der Zellspannung U vom Zellstrom I, die Kennlinie der Brennstoffzelle, betrachtet (siehe Abbildung 2). Die Differenz zwischen der theoretisch möglichen Spannung E 0 und der tatsächlichen Zellspannung wird Überspannung genannt. Dazu tragen verschiedene Faktoren bei, die in den verschiedenen Bereichen der Kennlinie deutlich erkennbar sind. Der Wirkungsbereich der einzelnen Faktoren reicht jedoch über diese Bereiche hinaus. 2.3.1 Durchtritts-Überspannung Der Bereich kleiner Zellströme wird elektrokinetischer Bereich genannt. Hier ist die Kennlinie durch katalytische Prozesse an den Elektroden bestimmt. Der Hauptfaktor ist die Geschwindigkeit der katalytischen Umwandlung der Gase, die der Geschwindigkeit entspricht, mit der die Elektronen die Kontaktfläche zwischen den Gasmolekülen und dem Platinkatalysator überqueren. Charakteristisch für diese (Ladungs-)Durchtrittsüberspannung η Durch ist der schnelle Abfall der Spannung (Anstieg der Überspannung) bei kleinem Strom. In Abschnitt 2.4 wird dieser elektrokinetische Bereich näher erläutert. 2.3.2 Ohmsche Überspannung Jede Zelle hat einen inneren Widerstand R in, der z.b. durch den Widerstand gegen den Stromfluss im Elektrolyten verursacht wird. Die Spannung nimmt linear mit dem Strom ab, entsprechend steigt die ohmsche Überspannung η Ohm mit dem Strom gemäß η Ohm = R in I. (7)

Seite 4 2.3.3 Diffussionsüberspannung Bei hohen Strömen wird die Diffusion der Gase durch die porösen Elektroden zum Katalysator und zum Elektrolyten der bestimmende Faktor. Wenn sie durch die elektrochemische Reaktion am Katalysator schneller Verbraucht werden, als sie durch Diffusion dorthin gelangen können, tritt eine Diffussionsüberspannung η Diff auf. Dies äußert sich in einem plötzlichen Abknicken der Kennlinie nach unten. Die Spannung nimmt mit steigendem Strom stark ab. Bei Erreichen des Grenzstroms I grenz sinkt die Spannung auf Null ab. 2.3.4 Gesamtsystem Zusammenfassend kann das Brennstoffzellensystem mit den Gleichungen U = E 0 η Durch η Ohm η Diff (8) ( ) RT I = E 0 (1 α)z F ln R in I η Diff J beschrieben werden, wobei R = 8, 3144621 mol K die allgemeine Gaskonstante, T die absolute Temperatur, F = 96485 C mol die Faradaykonstante und z die Anzahl der durchtretenden Elektronen bedeutet. Es ist verständlich, dass der Einfluss von η Diff bei kleinen Strömen noch keine Rolle spielt, da an der Elektrode mehr Gas angeboten wird, als verbraucht werden kann. η Ohm spielt im gesamten Bereich eine Rolle. Der Term für η Durch ändert sich bei kleinen Strömen stark, und wird für große Ströme konstant. Er wird im folgenden Abschnitt genauer erklärt. I 0 2.4 Durchtrittsüberspannung Die Durchtrittsüberspannung η Durch einer Elektrode beruht auf der endlichen Geschwindigkeit des Ladungsdurchtritts der Elektronen durch die Phasengrenze Elektrode/Elektrolyt. Die Durchtrittsgeschwindigkeit hängt von den an der Durchtrittsreaktion beteiligten Spezies, vom Elektrolyten und vom Katalysator ab. Zwischen dem Strom I und der Durchtrittsüberspannung η Durch besteht ein Zusammenhang, der durch die Butler-Volmer-Gleichung ( ) ( )] α z F ηdurch (1 α)z F ηdurch I = I 0 [exp exp (9) RT RT beschrieben wird. Der Durchtrittsfaktor α liegt zwischen 0 und 1 und gibt den Anteil von η Durch an, der für die Aktivierungsenergie der anodische Oxidation benötigt wird. Der Anteil der Aktivierungsenergie der kathodischen Reduktion entspricht 1 α. Der Austauschstrom I 0 beschreibt die Größe des Stoffaustausches durch anodische und kathodische Reaktion am Gleichgewichtspotential (dynamisches Gleichgewicht). Auch wenn kein Strom fließt kommt es an den Elektroden zum Durchtritt von Elektronen in die Lösung und zurück. Anodische Ströme I an und kathodische Ströme I kat sind betragsmäßig gleich und heben sich auf. Unterscheiden sich I an und I kat im Betrag, so fließt ein Strom, zum Beispiel auf Grund einer ablaufenden Reaktion oder einer angelegten Spannung. Für ausreichend große Überspannung kann man in der Butler-Volmer-Gleichung (9) jeweils eine Reaktion vernachlässigen und gelangt zu den einfacheren Gleichungen für die Oxidation ( ) α z F ηdurch I = I 0 exp (10) RT

Seite 5 und für die Reduktion ( ) (1 α)z F ηdurch I = I 0 exp. (11) RT Nach Vorzeichenkonvention werden anodische Ströme (Oxidation) mit einem positiven und kathodische Ströme (Reduktion) mit einem negativen Vorzeichen versehen. Von den beiden ablaufenden Reaktionen ist die Reduktion von O 2 (Gleichung (2)) die langsamere. Sie bestimmt damit die Geschwindigkeit und das Verhalten im elektrokinetischen Bereich. Aus Gleichung (11) ergibt sich die Tafelgleichung für die Durchtrittsüberspannung η Durch = ( RT I (1 α)z F ln I 0 ). (12) Daraus können mit Hilfe von experimentellen Daten die Parameter α und I 0 bestimmt werden. 2.5 Wirkungsgrad Der Wirkungsgrad ist ein Maß für das Verhältnis von Nutzen zu Aufwand. In diesem Versuch werden drei verschiedene Wirkungsgrade betrachtet. 2.5.1 Faraday-Wirkungsgrad Der Faraday-Wirkungsgrad ε F ist das Verhältnis aus dem experimentell bestimmten, pro Zeit umgesetzten Wasserstoffvolumen, zum theoretisch erwarteten Wasserstoffvolumen, das man über die Anzahl der Ladungen errechnet. Bei einem elektrischen Strom I ergibt sich in der Zeit t ein Volumen von mit dem molaren Gasvolumen V m bei Laborbedingungen. V H2,theo = I t V m z F, (13) Für den Elektrolyseur ist dabei das experimentell gemessene Volumen das Nutzvolumen, der Stromfluss ist der Aufwand, es gilt also ε F,Elektrolyseur = V H 2,exp. (14) V H2,theo Bei der Brennstoffzelle wird das gemessene Volumen verbraucht, der Strom wird genutzt, es ist laso ε F,BRZ = V H 2,theo. (15) V H2,exp Ein Faraday-Wirkungsgrad deutlich kleiner als 100% deutet auf Nebenreaktionen (z.b. Korrosion) im System hin. 2.5.2 Energiewirkungsgrad Beim Energiewirkungsgrad ε E setzt man den Energieinhalt des umgesetzten Gases mit der gewonnenen bzw. eingesetzten elektrischen Energie W = U I t ins Verhältnis. Der chemische Energiegehalt von H 2 beträgt dabei H 0 = 286 kj mol. Diese Energie wird bei der Verbrennung frei und muss entsprechend bei der Elektrolyse aufgebracht werden.

Seite 6 2.5.3 Wirkungsgrad des experimentellen Aufbaus Der Wirkungsgrad ε Aufbau bezieht sich auf den gesamten Versuch. Die an der Brennstoffzelle abgegebene Arbeit W BRZ wird zu der im Elektrolyseur aufgewendeten elektrischen Arbeit W Elektrolyseur ins Verhältnis gesetzt: ε Aufbau = = W BRZ (16) W Elektrolyseur U BRZ I BRZ t U Elektrolyseur I Elektrolyseur t 3 Versuchsdurchführung Aufgabe 1: Bestimmung der Leckrate Erzeugen Sie mit dem Elektrolyseur, bei geschlossenen Klemmen, einen Gasvorrat von etwa 30 ml. Trennen Sie alle elektrischen Verbindungen und messen Sie den Füllstand des Wasserreservoirs über 10 Minuten in sinnvollen Zeitabständen. Schätzen Sie die Unsicherheiten ihrer Messung ab. Aufgabe 2: Charakterisierung des Elektrolyseurs Nehmen Sie die Werte auf, die benötigt werden um ein U-I-Diagramm des Elektrolyseurs zu erstellen. Variieren Sie den Strom in 0,1 A Schritten. Bestimmen Sie die Spannung, bei der der Stromfluss einsetzt (U(I 0)) möglichst genau. Achtung! Der Strom darf 1,5 A nicht überschreiten! Aufgabe 3: Der Wirkungsgrad des Elektrolyseurs Stellen Sie einen Strom von ungefähr 1 A am Elektrolyseur ein und bestimmen Sie die zugehörige Spannung. Messen Sie bei geschlossenen Klemmen jede Minute den Füllstand des Wasserstoffreservoirs über 6 Minuten. Bestimmen Sie die Gaserzeugungsrate. Aufgabe 4: Spülen Sie zur Vorbereitung der nächsten Versuche die Zelle 2 mal. Erzeugen Sie hierzu jeweils etwa 40 ml H 2 und 20 ml O 2. Öffnen Sie dann beide Schlauchklemmen, so dass das Gas surch die Brennstoffzellen strömt. Wiederholen Sie diesen Vorgang vor jeder Messung. Sollte während der folgenden Aufgaben der Strom zusammenbrechen, so befindet sich Wasser in der Leitung und die Zelle muss erneut gespült werden. Aufgabe 5: Der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle Verbinden Sie die beiden Brennstoffzellen zu einer Parallelschaltung (siehe Abbildung 3). Der Lastwiderstand wird zunächst offen gelassen. Erzeugen Sie einen Gasvorrat von mindestens 40 ml und trennen Sie die Stromversorgung vom Elektrolyseur. Messen sie bei einem Lastwiderstand von 0,3 Ω oder 0,5 Ω die Zeit, die benötigt wird um ein Gasvolumen vom 30 ml zu verbrauchen. Notieren Sie in sinnvollen Zeitintervallen auch Spannung und Strom der Brennstoffzellen. Aufgabe 6: Kennlinie der Brennstoffzelle in Parallelschaltung Betreiben Sie die Brennstoffzelle in Parallelschaltung. Erzeugen Sie bei offenem Lastwiderstand ein ausreichendes Gasvolumen. Messen Sie für alle eingebauten Lastwiderstände den Strom und die Spannung an der

Seite 7 O 2 H 2 Kathoden Anoden V V Anode Kathode V R L R L A A A a) b) c) Abbildung 3: Schaltplan: a) Elektrolyseur, b) Reihenschaltung, c) Parallelschaltung. Brennstoffzelle. Es wird empfohlen mit dem größten Widerstand zu beginnen. Beachten Sie, dass die Werte sich erst nach ungefähr 30 Sekunden stabilisieren. Führen Sie drei Messreihen durch und bestimmen Sie ihre Unsicherheiten Aufgabe 7: Kennlinie der Brennstoffzelle in Reihenschaltung Wiederholen Sie die Vorgehensweise für die Reihenschaltung der Brennstoffzellen. 4 Auswertung Aufgabe 8: Bestimmung der Leckrate Tragen Sie den Gasvorrat gegen die Zeit graphisch auf und bestimmen Sie über eine Ausgleichsgerade die Leckrate. Achten Sie auf die korrekte Handhabung der Unsicherheiten. Aufgabe 9: Charakterisierung des Elektrolyseurs Tragen Sie die Spannung des Elektrolyseurs gegen den Strom graphisch auf und diskutieren Sie die Kennlinie. Aufgabe 10: Der Wirkungsgrad des Elektrolyseurs Bestimmen Sie analog zur Leckrate die Gaserzeugungsrate. Korrigieren Sie ihr Ergebnis um die Leckrate (auf richtiges Vorzeichen achten) und bestimmen Sie die beiden Wirkungsgrade ε E und ε F und die Unsicherheiten. Diskutieren Sie ihr Ergebnis und untersuchen Sie welche Auswirkung der Strom am Elektrolyseur auf den Wirkungsgrad hat. Aufgabe 11: Der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle Bestimmen Sie graphisch die Wasserstoff-Verbrauchsrate. Korrigieren Sie auch hier das Ergebnis um die Leckrate und bestimmen Sie die beiden Wirkungsgrade ε E und ε F mit Unsicherheiten. Diskutieren Sie ihr Ergebnis! Aufgabe 12: Kennlinie der Brennstoffzelle Da das System aus zwei Brennstoffzellen besteht, müssen Sie Ihre Messdaten auf eine Zelle zurückrechnen. Nehmen Sie dabei an, dass diese vollkommen identisch sind. Tragen Sie die Spannung über dem Strom auf (Kennlinie).

Seite 8 Bestimmen Sie nun aus dem ohmschen Bereich der Kennlinie den Innenwiderstand der Brennstoffzelle mit Hilfe einer Ausgleichsgeraden. Überprüfen Sie, ob die Werte der Parallelschaltung und die Werte der Reihenschaltung innerhalb der Unsicherheiten übereinstimmen. Aufgabe 13: Charakterisierung der Elektrochemischen Zelle Ermitteln Sie aus dem elektrokinetischen Bereich der Kennlinie den Durchtrittsfaktor α und die Austauschstromstärke I 0. Verwenden Sie hierfür eine sinnvolle Auftragung der Durchtittsüberspannung η Durch über den Strom I. Vergleichen Sie die Werte für Parallel- und Reihenschaltung. Hierfür ist Gleichung (12) sehr nützlich.