6 Integrierte digitale Logikbausteine

Ähnliche Dokumente
DuE-Tutorien 17 und 18

5. Tutorium Digitaltechnik und Entwurfsverfahren

5. Tutorium Digitaltechnik und Entwurfsverfahren

Teil 1: Digitale Logik

Grundlagen der Rechnertechnologie Sommersemester Vorlesung Dr.-Ing. Wolfgang Heenes

Teil 1: Digitale Logik

Verlustleistungsreduzierung in Datenpfaden

Hardware Praktikum 2008

Übertragungskennlinien

Analoge und digitale Signale

Integrierte Digitalschaltungen Vom Transistor zu Integrierten Systemen Vorlesung 10,


Logikausgang Grundschaltungen in CMOS-Technik

Unipolar-Transistor, FET, MOSFET

4. Feldeffekttransistor

Grundlagen der VLSI-Technik

Tutorium: Einführung in die technische Informatik

13. Vorlesung. Logix Klausuranmeldung nicht vergessen! Übungsblatt 3 Logikschaltungen. Multiplexer Demultiplexer Addierer.

4 DIGITALE SCHALTUNGSTECHNIK

Wird jede der PN-Übergänge als Diode dargestellt, lässt sich ein vereinfachtes Ersatzschaltbild zeichnen und die Funktion erklären.

Betriebsverhalten von digitalen integrierten Schaltungen

Grundlagen der Rechnertechnologie Sommersemester Vorlesung Dr.-Ing. Wolfgang Heenes

Proseminar Statische CMOS- Schaltungen. Thema: CMOS-NOR-Gatter Gehalten von: Björn Fröhlich Prof. Dr. Zehendner SS05 - FSU Jena

Grundlagen der Technischen Informatik. CMOS-Gatterschaltungen. Kapitel 7.3

Ausarbeitung: MOSFET

Basisinformationstechnologie I

Waldschmidt, K.: Schaltungen der Datenverarbeitung, Teubner, 1980, ISBN

Digitalelektronik 4 Vom Transistor zum Bit. Stefan Rothe

Integrierte Schaltungen

DIGITALTECHNIK 01 EINFÜHRUNG

Grundlagen der Technischen Informatik. Einführung in CMOS-Technologie. Kapitel 7.2

Technische Grundlagen der Informatik

Grundlagen der Rechnertechnologie Sommersemester Vorlesung Dr.-Ing. Wolfgang Heenes

Technische Informatik

Elektrotechnische Grundlagen, WS 00/01 Musterlösung Übungsblatt 6

Physik in der Praxis: Elektronik

Integrierte Schaltungen

Mikroprozessor - und Chiptechnologie

EDT. Referat: TTL CMOS. TTL, CMOS Page 1 of 23

Transistoren. David Schütze Projekt: Search-E Gruppe B2 Betreuer: Sascha Eden.

etwa 1.5 bis 3.5V sind beide Transistoren mehr oder weniger gleichzeitig leitend (siehe Stromverlauf I ).

3 Die Arten und Familien integrierter Schaltkreise für die Digitaltechnik Die TTL-Familien 166

8. Realisierung von Schaltnetzen mit Gattern

Gabellichtschranke mit Schmitt-Trigger IC Slotted Interrupter with Schmitt-Trigger-IC SFH 9340 SFH 9341

Integrierte Schaltungen

Fach: Elektrotechnik

Bipolartransistor- npn

Institut für Mikrosystemtechnik. Prof. Dr. D. Ehrhardt. Bauelemente und Schaltungstechnik,

PATENTANMELDUNG. int. ei.": H03K 12/00, H03K 19/0175

Handbuch TTLr und CMOS-Schaltungen

Spannungen und Ströme

Logikfamilien der Digitaltechnik

Computer-Generationen

Schaltungstechnik

spacing GEO Detector: Schmitt-Trigger IC SFH 9240: Output active low

Klausur Technische Informatik 1 + E-Technik SS 2013 Prüfer: Sutter Hilfsmittel: keine

Transistorschaltungen

Grundlagen der Digitalen Elektronik

Es wäre von Vorteil, wenn dich die Begriffe Dotierung, thermische Paarbildung, Influenz und Halbleiterdiode nicht gänzlich aus der Fassung brächten.

Labor Grundlagen der Elektrotechnik

Schalten mittels Transistor

Grundlagen-Vertiefung zu PS8. Bau und Funktion von Feldeffekt-Transistoren Version vom 5. März 2013

Präsentation SSP Immanuel Mayrhuber, Boris Scherwitzl

1 DigitaleSchaltkreise

Handbuch TTL- und CMOS Schaltkreise

Der MosFET. Referent: Dominik Tuszyoski

D.3 Versuchsreihe 3: Transistoren und Grundgatter

Technische Grundlagen der Informatik

Hochschule Emden / Leer. Ausarbeitung. Speicherung digitaler Signale

Technische Grundlagen der Informatik

ELEXBO Elektro-Experimentier-Box MOSFET-Kit. -Aufbau, Funktionen und Eigenschaften der Feldeffekttransistoren.

GTI ÜBUNG 9. Multiplexer, demultiplexer, shifter, cmos und pal FRIEDRICH-ALEXANDER UNIVERSITÄT ERLANGEN-NÜRNBERG JAN SPIECK 1

3 Halbleiterbauelemente

Handout. Der MosFET. Von Dominik Tuszyński. Tutor: Ulrich Pötter

Praktikum Elektronik

7. Unipolare Transistoren, MOSFETs

Benutzte Quellen. Benutzte Bezeichnungen. Logik. Logik

Vorbemerkung. [disclaimer]

Technische Informatik I

MOSFET (Metal-Oxid-Silizium Feldeffekttransistor)

E. Elektronische Grundlagen

ELEKTRONIK 2 SCHALTUNGSTECHNIK P4-1/5 Prof. Dr.-Ing. Johann Siegl. P4 Praktikum zum Feldeffekttransistor. P4 Praktikum zum Feldeffekttransistor

3 Elektronische Verknüpfungsglieder

Humboldt-Universität zu Berlin Institut für Physik Versuch 7 Kopplung analoger und digitaler Schaltungen 1. Elektronische Schalter

Teil 1: Digitale Logik

Aufgaben zur Analogen Schaltungstechnik!

MUSTERKLAUSUR Sommersemester 2011

Schaltungstechnik 1. Univ.-Prof. Dr. techn. Josef A. Nossek. Montag, den Uhr

HARDWARE-PRAKTIKUM. Versuch T-3. Eigenschaften von Logikschaltkreisen. Fachbereich Informatik. Universität Kaiserslautern

1. Erläutern Sie die allgemeine Struktur der Störeinkopplung in elektronische Systeme.

Schülerexperimente zur Elektronik

Digitaltechnik. TI-Tutorium. 29. November 2011

Aufgabe 3.1 Schaltalgebra - Schaltnetze

Halbleiter und Transistoren - Prinzip und Funktionsweise

Transkript:

6 Integrierte digitale Logikbausteine 6.1 Kennwerte der Integrationsdichte Die Komplexität einer Integrierten Schaltung (IC) wird außer mit der Transistoranzahl auch mit der Anzahl der logischen Gatter gemessen, die in einem Gehäuse auf einem Siliziumkristall realisiert sind (Gatter-Äquivalent: 1 NAND). Small Scale Integration (SSI): ICs enthalten weniger als 10 unabhängige Gatter, deren Ein- und Ausgänge direkt mit den Pins des Gehäuses verbunden sind (diskrete Gatter). Medium Scale Integration (MSI): Bis zu 1000 Gatter sind in spezifischen Funktionen integriert, wie z.b.: Addierer, Multiplexer und Decoder. Large Scale Integration (LSI): Mehre 1000 (< 10000)Gatter bilden digitale Systeme wie Prozessoren, Speicher ICs und programmierbare ICs. Very Large Scale Integration (VLSI): Bis zu 100000 Gatter in einem IC-Gehäuse. Ultra Large Scale Integration (ULSI): Mehr als 100000 bis zu mehreren Millionen Gatter sind der aktuelle Standard. Moore sches Gesetz 1965 genannt: Die Anzahl der integrierten Transistoren steigt exponentiell an. Die Integrationsdichte verdoppelt sich in einem Bereich von einem bis zwei Jahren. DIGITALTECHNIK 6-1

1000 100 2X growth in 1.96 years! Transistors (MT) 10 1 0.1 0.01 0.001 P6 Pentium proc 486 386 286 8085 8086 8080 4004 8008 1970 1980 1990 2000 2010 Year Die Anzahl der Transistoren in Prozessoren verdoppelt sich alle 2 Jahre [11]. DIGITALTECHNIK 6-2

100 Die size (mm) 10 8080 8008 4004 386 8085 8086 286 P6 486 Pentium proc ~7% growth per year ~2X growth in 10 years 1 1970 1980 1990 2000 2010 Year Die Chipfläche wächst mit 14% nach dem Moore schen Gesetz [11, Intel]. DIGITALTECHNIK 6-3

10000 1000 2X every 2 years Frequency (Mhz) P6 100 Pentium proc 486 10 8085 8086 286 386 1 8080 8008 0.1 4004 1970 1980 1990 2000 2010 Year Die µp-taktfrequenz wird alle 2 Jahre verdoppelt [11, Intel]. DIGITALTECHNIK 6-4

6.2 Digitale Schaltkreisfamilien Die Schaltungstechnologie wird den Entwicklungsstufen der Schaltkreisfamilien zugeordnet: RTL Resistor Transitor Logic DTL Diode Transistor Logic TTL Transistor Transistor Logic ECL Emitter-Coupled Logic MOS Metal-Oxide Semeiconductor CMOS Complementary Metal-Oxide Semiconductors Die Charakteristika der Schaltkreisfamilien werden für die Basisgatter NAND, NOR bzw. Inverter angegeben: Fan Out: Anzahl der Gatter, die an einem Gatterausgang angeschlossen werden dürfen, ohne dass dessen Betriebsverhalten gestört wird. Propagation Delay: Mittlere Verzögerungszeit einer Ausgangssignal-Pegeländerung als Folge eines Eingangssignal-Pegelwechsels. Noise Margin: Maximaler Störpegel, der einem Gattereingangssignal überlagert werden darf, ohne sich der Ausgangpegel ändert (Störspannungsabstand). Power Dissipation: Mittlere Leistungsaufnahme in mw. DIGITALTECHNIK 6-5

6.3 Metal Oxide Semiconductor (MOS) 1 Die Grundfunktion liefert der Feldeffekt-Transistor (FET). Dieser FET ist ein unipolarer Transistor, da nur eine Ladungsträgerart am Stromleitungsmechanismus beteiligt ist. Schematischer Aufbau der Halbleiterbereiche eines p-kanal (a) und eines n-kanal (b) MOS- Transistors [5]. Der Source-Anschluss wird mit dem Substrat verbunden. Der Gate- Steueranschluss ist vom Silizium durch ein Metalloxyd isoliert aufgebracht. 1 Die Grafiken in diesem und den folgenden Abschnitten sind der Quelle www.prenhall.com/mano entnommen, vgl. [5]. DIGITALTECHNIK 6-6

p-kanal MOS Transistor: Unter dem Gate bildet sich ein Kanal mit Löcherleitung, der Drain und Source verbindet, wenn zwischen Gate und dem Source-Anschluss eine negative Spannung angelegt wird: U GS < U TH < 0. Das über U GS < 0 erzeugte Feld zieht die im n-dotierten Substrat vorhandenen Löcher an, sodass die Leitfähigkeit zwischen den p-dotierten Drain- und Source-Bereichen erhöht wird. Es fließt ein Strom vom Source zum Drain-Anschluss. n-kanal MOS Transistor: Unter dem Gate bildet sich ein Kanal mit Elektronenleitung, der Drain und Source verbindet, wenn zwischen Gate und dem Source-Anschluss eine positive Spannung angelegt wird: U GS > U TH > 0. Das über U GS > 0 erzeugte Feld zieht die im p-dotierten Substrat vorhandenen Elektronen an, sodass die Leitfähigkeit zwischen den n-dotierten Drain- und Source-Bereichen erhöht wird. Es fließt ein Strom vom Drain- zum Source-Anschluss. DIGITALTECHNIK 6-7

Die Symbole auf der jeweils linken Seite bei (a) und (b) zeigen, dass der leitende Kanal bei den so genannten Anreicherungstypen ohne angelegte Steuerspannung U GS unterbrochen ist. Der Pfeil gibt die Verschiebung der Elektronen im Substrat an, wenn U GS > 0 wird. Ein vereinfachtes, häufig verwendetes Symbol ist auf der jeweils rechten Seite dargestellt. Der Pfeil zeigt die technische Stromrichtung für den Fall an, dass der Kanal mit U GS > U TH leitfähig wird. DIGITALTECHNIK 6-8

6.4 Complementary MOS (CMOS) CMOS-Schaltungen bestehen aus beiden Typen der MOS Transistoren, die miteinander verbunden die gewünschten logischen Funktionen bilden. Die Inverter-, NAND- und NOR-Funktionen ergeben sich durch wechselseitig ein- bzw. ausgeschaltete MOS Transistorpfade. Beim einfachsten CMOS Element dem Inverter ist der Source-Anschluss des p-kanal Transistors T1 mit der Versorgungsspannung U DD und der andere Source- Anschluss (T2) ist mit Masse verbunden. Funktionstabelle: U A U GS1 U GS2 GND 0 -U DD U DD U DD 0 T1 T2 U Y CMOS Inverter [5] Während des Pegelwechsels an A fließt ein Querstrom durch T1 und T2, der den entscheidenden Verlustleistungsbeitrag des Inverters verursacht. DIGITALTECHNIK 6-9

Ein CMOS NAND-Gatter mit zwei Eingängen besteht aus zwei parallelen p-kanal Transistoren und zwei dazu in Reihe geschalteten n-kanal Transistoren. Funktionstabelle: U A U B T1 T2 T3 T4 U Y Sind beide Eingänge (A, B) auf High, so leiten die n-kanal Typen und die p-kanal Typen sperren. Der Ausgang Y ist dann auf Low. Wenn nur ein Eingang auf Low ist, sperrt der zugehörige n-kanal Typ und der zugehörige p- Kanal Type ist leitend. Der Ausgang Y ist damit auf High. DIGITALTECHNIK 6-10

CMOS NOR-Gatter mit zwei Eingängen besteht aus zwei parallelen n-kanal Transistoren, deren Source-Anschluss an Masse liegt, und zwei dazu in Reihe geschalteten p-kanal Transistoren. Funktionstabelle: U A U B T1 T2 T3 T4 U Y Sind alle Eingänge auf Low, so sind beide p- Kanal Typen leitend und die n-kanal Typen sperren. Der Ausgang Y liegt dann an U DD. Ist einer der Eingänge auf High, so sperrt der zugehörige p-kanal Typ und der zugehörige n- Kanal Typ leitet. Der Ausgang Y liegt somit an Masse. DIGITALTECHNIK 6-11

MOS Transistoren lassen sich als elektronische Schalter auffassen, die entweder geschlossen oder geöffnet sind. Ausgehend von dieser Sicht besteht der CMOS Inverter (a) aus einem oberen Öffner (p-kanal) und einem unteren Schließer (n-kanal). Liegt am Eingang U in ein Low Pegel, so schließt der obere Schalter und der untere öffnet. Am Ausgang liegt das Komplement des Eingangs: U out = U DD. Häufig wird in technischen Dokumentationen ein vereinfachtes Transistorsymbol (b) zur Verdeutlichung des logischen Verhaltens der Schalter bevorzugt. Der Gate-Anschluss des p-kanal Transistors ist darin mit einem Invertierungskreis dargestellt. CMOS Inverter in Schalterdarstellung [5] DIGITALTECHNIK 6-12

6.5 CMOS Kennwerte Die Leistungsaufnahme der CMOS Logik ist bei statischen Pegeln sehr gering, da die jeweils leitenden Transistoren einen geringen Innenwiderstand haben und die sperrenden nahezu keinen Strom führen: P stat = 0.01mW. Die Gateanschlüsse zeigen rein kapazitives Verhalten, sodass die Eingänge statisch stromlos (~1µA) sind. Im dynamischen Betrieb, d.h. bei Pegelwechseln mit z.b. 1µs Periodendauer (1MHz Taktfrequenz) steigt die Leistungsaufnahme auf P dyn = 1mW und bei 10 MHz auf P dyn = 5mW. Ursächlich sind die dynamischen Querströme durch die Transistoren, die ihren Leitfähigkeitszustand in endlicher Zeit ändern. Der Fan-Out der Gatterausgänge spezifiziert die maximal zulässige Anzahl von Gattereingängen, die an einen Ausgang angeschlossen werden dürfen. Der Fan-Out ergibt sich aus dem Quotienten des max. verfügbaren Ausgangsstromes und der Stromaufnahme eines einzelnen Gatters. DIGITALTECHNIK 6-13

Da die CMOS Gatter-Eingänge keinen statischen Strom aufnehmen, ist nur die dynamische Belastung relevant: Fan-Out ~ 30 bei 1MHz. Die Signalpegeländerungen erfahren vom Eingang eines CMOS Gatters zu dessen Ausgang eine zeitliche Verzögerung, die Propagation Dealy genannt wird. Ursächlich sind die Ladungsträgertransportvorgänge beim Aufbau und Leeren eines Kanals, die das kapazitive Verhalten bestimmen. Aufgrund des symmetrischen Aufbaus von CMOS Gattern sind die Zeiten t plh und t phl gleich. Gemessen wird zwischen den 50 % Pegeln der Versorgungsspannung. CMOS Inverter der Reihe 74AHC04: t plh = t phl = 5ns bei 15 pf Lastkapazität. DIGITALTECHNIK 6-14

Der maximale, verfügbare Störabstand (Noise Margin) ergibt sich aus zwei Wertepaaren: High-Ausgang: H = U OH - U IH ; Low-Ausgang: L = U IL - U OL Störspannungen, die sich einem Ausgangspegel überlagern, dürfen die Signalhübe H bzw. L nicht ü- berschreiten, da die Eingangsstufe eines CMOS Gatters ansonsten keine korrekte Low- oder der High- Erkennung durchführt. CMOS NAND der Reihe 74AHC00: H = U OH - U IH = 4,6V 3,5V = 1,1V L = U IL - U OL = 1,5V-0,3V = 1,2V DIGITALTECHNIK 6-15