Definition von Krieg

Ähnliche Dokumente
Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) Wolfgang Schreiber (Hrsg.) Das Kriegsgeschehen 2008

Wie Kriege geführt werden

Grundkurs I Einführung in die Politikwissenschaft 4. Vorlesung 3. November Politikwissenschaftliche. Methoden

Krieg und Frieden. Vorlesung Einführung in die Friedens- und Konfliktforschung

Neue oder alte Kriege? Die Website der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung

Spiel: Anspruchsvolles Quiz über Henry Dunant

Krieg Herrschaftssicherung: Furcht vor einer Bedrohung der eigenen Vormachtstellung.

Demokratie weltweit. Materialien zur Politischen Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Steckbrief Fallbeispiel Verkehrsunfall

Export in Mrd. US-Dollar nicht zuzuordnen 2,2 3,5 4,5 3,7 2,0 9,7 4,3 4,5 6,4 4,4 14,9 12,5 16,8 50,9 43,5

Import in Mrd. US-Dollar 2,0. nicht zuzuordnen 3,6 1,2 1,7 4,3 4,2 2,7. 3,3 3,4 Naher Osten 2,3

Internationalisierung und Privatisierung von Krieg und Frieden

DEKOLONISIERUNG. Prof. Dr. Marc Frey Modul: Internationale Beziehungen in Vergangenheit und Gegenwart

Krieg und Frieden im 20. Jahrhundert. Peter Strutynski, 28. April 2014 Uni Kassel FB 5 FRIEDENSVORLESUNGEN

Inhalt. 3 Wir Kinder dieser Welt. 4 Kindheit im Wandel der Zeit. 5 Zahlen und Fakten zu Kindern weltweit. 8 Wir Kinder dieser Welt

Analyse des Falbeispiels MONUSCO

Steckbrief GS gut für mich

Alte und neue Formen kriegerischer Auseinandersetzungen Erscheinungsformen, Ursachen und Folgen des internationalen Terrorismus

Steckbrief Selbsteinschätzung zum Thema Inklusion

Bilanz der menschlichen Entwicklung

Wir Kinder dieser Welt

Die völkerrechtliche Definition von Krieg

Politik und Politische Bildung von Peter Filzmaier, Buch-Nr

Fluchtgrund: Bürger-Krieg

Infoblatt: Bosnienkrieg

Manche Menschen meinen, dass man zwischen guten und schlechten Kriegen unterscheiden soll.

Video-Thema Manuskript & Glossar

Infoblatt. Junge Menschen und Bevölkerungsentwicklung. Am wenigsten entwickelte Länder. Weltweit

Afrika: Viele Probleme, viele Chancen

(2) Was bedeutet es konkret für ein Land, wenn der Reichtum dort gleichmäßig verteilt beziehungsweise sehr ungleichmäßig verteilt ist?

KASCHMIR-KONFLIKT - EN-PAZ

Wie lange dauerte der Erste Weltkrieg?

Rede anlässlich des Volkstrauertages 2012 in Übach-Palenberg. Herr Bürgermeister, meine sehr verehrten Damen und Herren,

Rede anlässlich der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Ungarischen Revolution Budapest, 22. Oktober 2006

Geschichte Afrikas. Heinrich Loth. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Teil II. Akademie-Verlag Berlin

SICHERHEITSPOLITISCHES FORUM NIEDERSACHSEN Prävention und Stabilisierung in Krisenregionen in Hannover

B) Was ist ein schwacher, ein zerfallener, ein zerfallender Staat?

NGOs - normatives und utilitaristisches Potenzial für das Legitimitätsdefizit transnationaler Politik?

Wie Kriege beginnen. Wolfgang Schreiber, AKUF, Universität Hamburg. Wolfgang Schreiber für Ringvorlesung Friedensbildung 1

Ausländische Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit

Grundwissen Geschichte an der RsaJ

Diskussionsgrundlagen Lehrerinformation

Schulinterner Lehrplan

Peter Meyns. Konflikt und Entwicklung im Südlichen Afrika

Lehrstoffverteilung Band 2 AHS

Brinkmann Meyhöfer. Internationale Sicherheitsund Friedenspolitik

4. Sitzung: 04. Mai 2010 Globalisierung und Wirtschaftswachstum: Kolonialismus und Ausbeutung im 19. Jahrhundert

Auf der Flucht. 1) Warum flieht man eigentlich?

Ohne Angriff keine Verteidigung

Du hast vier Arbeitsblätter (AB) erhalten. Gehe folgendermaßen vor:

de combat sind und keine verbotenen Waffen oder Praktiken angewendet werden. Die Gewalt im traditionellen Krieg richtet sich aber nicht gegen

INHALTSVERZEICHNIS VORWORT ZUR NEUAUSGABE VORWORT VON GORDON A. ZUR TASCHENBUCHAUSGABE VORWORT ZUR TASCHENBUCHAUSGABE

1 Einleitung Thematische Einführung Methodische Einführung Dank... 30

05c / Muslime in der Schweiz. Herkunft der Muslime in der Schweiz. Kosovo. Republik. Landesflagge Religiöse Bezüge: Keine

Auswertung der bvh-händlerstudie Cross Border Sale

Pädagogik. meike scheel. Zweisprachigkeit. Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Praxis bilingualer Erziehung. Examensarbeit

Der Hunger in der Welt

Die einzige Weltmacht. Click here if your download doesn"t start automatically

Volker Matthies Kriege in der Dritten Welt

Der Nahe Osten. Schwerpunkt. Nahostkonflikt

Schautafel-Inhalte der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Bremen zur Nakba-Ausstellung

Bevölkerungsentwicklung nach Regionen

Welt-Bruttoinlandsprodukt

1 Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten

EU Globalstrategie: Nach Brexit und US Wahlen der Militarisierungsschub?

A/ SIPRI-Report C. DieJCriege der Welt Das sowjetische Erbe Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen

Wahrnehmung und Bewertung der Ukraine-Krise und Meinungen zu Wirtschaftssanktionen gegen Russland

Asylbewerber nach Staatsangehörigkeit

Grundwissen Geschichte an der RsaJ

Deutscher Bundestag Drucksache 18/5252. Beschlussempfehlung und Bericht. 18. Wahlperiode des Auswärtigen Ausschusses (3.

Geospots HAK und Hotspots HAK:

FREIHEIT FÜR WEN UND FÜR WAS? Oder: Erste Thesen zum Freihandelsabkommen zwischen EU und USA... 26

Bruchrechnung Aufgaben zum Geobrett 1

Dreizehnter Kaufbeurer Dialog am

Die UNIFIL ( ) als Beispiel für mangelhafte Effizienz friedenssichernder Operationen der Vereinten Nationen

GEISTES- UND SOZIALWISSENSCHAFTEN

Jahrgang 10. Thema + Leitfrage Kategorien: Erdkunde = E Politik = P Geschichte = G Wirtschaft = W. Projekte Medien Methoden

HEISST POLIZEI.

Adenauers Außenpolitik

Die Rolle der Bundeswehr in der ersten Phase der Operation Enduring Freedom

Fachgruppe Lokale Entwicklung Naturfreunde Bad Emstal

Wie ernst ist die Gefahr eines deutschen Faschismus? Vortrag auf der IX. Konferenz Der Hauptfeind steht im eigenen Land!

Abstract Die Rechtsstellung des Kombattanten im humanitären Völkerrecht

Internationale Politik und Internationale Beziehungen: Einführung

Transkript:

Schrank der Vielfalt Definition von Krieg Dateiname: HVR_II_Material_Arbeitsblatt_Kriegsdefinition Abstract: Vorbereitungszeit: - Durchführungszeit: - GL-Bedarf: - Materialien: - Rahmenbedingungen: - Geeignet für: AutorIn: Link: Hier wird in einem kurzen Abriss Krieg definiert und die Typen von Krieg aufgelistet. Es werden folgende Fragen beantwortet: Wie definiert man Krieg? Wo finden Kriege statt? Wie enden Kriege? Schulsanitätsdienst und Stufe II Catrin Grunewald Klicken Sie hier, um Text einzugeben. Name / Link HVR_II_Material_Arbe itsblatt_kriegsdefiniti on Beschreibung Hier wird in einem kurzen Abriss Krieg definiert und die Typen von Krieg aufgelistet, sowie die Gründe, warum Kriege enden. Aufwand Dauer Ort Eingestellt am: Klicken Sie hier, um ein Datum einzugeben. 13.10.2015 Eingestellt von: Catrin Grunewald

Was ist Krieg? Allgemein gesagt ist Krieg ein gewaltsamer Massenkonflikt. Es gibt verschieden Definitionen von Krieg und es ist schwer eine kurze und prägnante Definition zu finden: In Anlehnung an den ungarischen Friedensforscher István Kende (1917-1988) gelten folgende Merkmale als definierend für Kriege, die von vielen anderen übernommen werden: (a) an den Kämpfen sind mindestens zwei bewaffnete Streitkräfte beteiligt. Mindestens eine davon ist eine reguläre Streitkraft einer Regierung. (Militär, paramilitärische Verbände, Polizeieinheiten) (b) auf beiden Seiten gibt es ein Mindestmaß an zentralgelenkter Organisation. (c) die bewaffneten Konflikte zeigen planmäßige Strategie und somit Kontinuität und finden nicht nur gelegentlich oder spontan statt. (Die Dauer der Kämpfe ist hingegen irrelevant) Sind alle drei Kriterien erfüllt gilt eine Auseinandersetzung als Krieg. Werden diese Kriterien nicht in vollem Umfang oder nur teilweise erfüllt, dann handelt es sich um einen bewaffneten Konflikt. In der Regel handelt es sich dabei um Fälle, in denen die Kontinuität der Kampfhandlungen nicht mehr oder auch noch nicht gegeben ist. Kriege werden als beendet angesehen, wenn die Kampfhandlungen dauerhaft (d.h. für den Zeitraum von mindestens einem Jahr) eingestellt werden.

Kriegstypologie Man kann außerdem einen Krieg nach seinem Typus definieren: Antiregime-Kriege: In diesen Kriegen geht es um den Sturz einer Regierung, um die Veränderung oder die Erhaltung eines politischen Systems oder einer Gesellschaftsordnung. Autonomie- und Sezessionskriege: In diesen Kriegen geht es um die Abspaltung einer Region von einem Staatsgebiet oder um größere Autonomie innerhalb eines Staates. Zwischenstaatliche Kriege: In diesen Kriegen kämpfen die Streitkräfte mindestens zweier Staaten gegeneinander. Dekolonisationskriege: In diesen Kriegen wird um die Befreiung von einer Kolonisationsmacht gekämpft. Zahlreiche Kriege lassen sich nicht eindeutig einem dieser Typen zuordnen, weil sich oft verschiedene Typen überlagern und Mischtypen von Krieg entstehen. Darüber hinaus können Kriege mit oder ohne unmittelbare Fremdbeteiligung unterschieden werden. (wobei Waffenlieferungen, finanzielle oder logistische Unterstützung und dergleichen meist nicht als Intervention gewertet werden)

Entwicklungstrends seit 1945 Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) zählt 238 Kriege in der Zeit von 1945 bis 2007. Kriegsschauplätze / Akteure Über 90 Prozent der Kriege nach 1945 fanden in Regionen der Dritten Welt statt. Von den 238 Kriegen fanden statt in: - Asien 68 - Afrika südlich der Sahara 64 - Dem Vorderen und Mittleren Orient 60 - Süd- und Mittelamerika 30 - Europa 16 - Nordamerika fand überhaupt kein Krieg statt Allerdings haben sich die Staaten Europas und Nordamerikas gehäuft an Kriegen beteiligt: - Großbritannien (22 Beteiligungen), - die USA (16) - Frankreich (14) - Indien (19) - Irak (11) - Jemen (11) Dies lässt sich vor allem durch ihre Stellung als (ehemalige) Kolonialmächte und den Versuch der USA, ihren Hegemonieanspruch militärisch durchzusetzen erklären. Insgesamt ist aber zu beobachten, dass die Beteiligung Dritter an innerstaatlichen Kriegen seit den 1980er Jahren merklich zurückging. Dies lässt sich wohl auf die Erfahrung zurückführen, dass parteiisches Mitkämpfen in Kriegen anderer sich nicht "auszahlt".

Innerstaatliche Kriege Zwei Drittel aller Kriege seit 1945 sind innerstaatliche Kriege gewesen und nur ein knappes Viertel internationale Kriege (einschließlich der Dekolonisationskriege). Dass das Kriegsgeschehen nach dem Zweiten Weltkrieg von diesen dominiert wird, stellt eine qualitative historische Veränderung gegenüber früheren Perioden dar. Antiregimekriege machen fast die Hälfte aller innerstaatlichen Kriege aus. Die zweite große Gruppe machen die Autonomiekriege aus. Beides ein Hinweis auf mangelnde Legitimität vieler Machthaber in nur formal existierenden Staaten. Vor allem wirtschaftliche Strukturschwäche und große Ungleichheiten in der Einkommensverteilung sowie politische Privilegierung bestimmter Gruppen sind Ursachen dieser Konflikte. Kriegsbeendigungen - Etwa ein Fünftel der Kriege enden durch einen militärischen Sieg der angreifenden Seite - Etwa bei einem Drittel behauptet sich die militärisch angegriffene Seite - In einem Zehntel der Fälle endeten Kriege einfach durch einen Abbruch der Kämpfe - In etwas mehr als einem Zehntel steht am Ende eine Vereinbarung (z.b. Waffenstillstand) - Mit etwa einem Drittel ist der Anteil der Kriegsbeendigung durch Vermittlung von dritter Seite überraschend hoch. Die Vermittlung durch Dritte ist offenbar zur Institution der Weltgesellschaft geworden. 40 Prozent dieser Vermittlungserfolge erzielen die Vereinten Nationen (12% aller beendeten Konflikte). Bemerkenswert ist auch, dass über zwei Drittel der zwischenstaatlichen Kriege im politischen Ergebnis unentschieden endeten. Bei keinem Typ der innerstaatlichen Kriege hat die angreifende Seite eine deutliche Erfolgschance. (Diese Zusammenstellung basiert überwiegend auf Informationen der Homepage der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung der Universität Hamburg: http://www.wiso.uni-hamburg.de/fachbereiche/sozialwissenschaften/forschung/akuf/akuf/)