Blattflecken in Gerste

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Transkript:

Blattflecken in Gerste Symptome Diagnose Bedeutung Bekämpfung www.agrar.bayer.de

Verwechslungsmöglichkeiten von parasitären unspezifischen Blattfleckenkrankheiten NETZFLECKEN: SPOT TYPE dunkelbraune, elliptische Läsionen unterschiedliche Ausdehnung NET TYPE Netzwerk aus engen, dunkelbraunen, längs und quer verlaufenden Linien PSL-BLATTFLECKEN sortenabhängige Form- und Gestaltsausprägung (rund bis oval) Abgrenzung zum gesunden Gewebe diffus sehr dunkel von beiden Seiten gleich POLLENNEKROSEN überwiegend auf oberen Blattetagen vermehrt dort, wo auf den Blättern Wasser zusammenläuft gezackte, unstrukturierte Abgrenzung zum umliegenden Gewebe Nekrotisierung nur auf Blattoberseite MEHLTAUNEKROSEN kleine bis größere Nekrosen (Sorten!) unterliegen keiner Anordnung auf dem Blatt MLO-Flecken: zielscheibenartige Nekrosen (nur Sommergerste) RAMULARIA 1 bis 5 mm große Nekrosen (bei starkem Infektionsdruck auch kleiner) dunkles Zentrum (fast schwarz) mit (hell)-braunem Rand Farbunterschied zwischen den Blattseiten später mit silbrig schimmernden Belag auf der Blattunterseite 2

Leitfaden zur Unterscheidung von Gerstenblattkrankheiten RCC: Ramularia collo cygni, Sprenkelkrankheit PLS: Physiologische Blattflecken durch gelben Hof umgeben (hell)-braune Nekrose NEKROSE ohne Hof dunkelbraune, fast schwarze Nekrose RCC ODER NETZFLECKEN durch Blattadern begrenzt keine Strukturen mit Lupe FRÜHE RCC ODER PLS ODER NETZFLECKEN NET TYPE POLLEN- ODER MEHLTAUNEKROSEN Strukturen auf Oberfläche nicht durch Blattadern begrenzt RCC ODER NETZFLECKEN NET TYPE POLLEN- ODER MEHLTAUNEKROSEN kein Farbunterschied zwischen den Blattseiten belichtete Nektroseseite dunkler als unbelichtete FRÜHE RCC ODER PLS weiße Tüpfelchen unstrukturiert angeordnet (nicht perlschnurartig) feines, watteartiges Mycel (auch einzelne Hyphen) zu erkennen Nekrosen wachsen Nekrose bleibt fast gleich NETZFLECKEN: SPOT TYPE dunkelbraune, elliptische Läsionen unterschiedliche Ausdehnung Quelle: Dr. T. Balz und Prof. Dr. A. v. Tiedemann, Georg-August-Universität Göttingen NETZFLECKEN: NET TYPE Netzwerk aus engen, dunkelbraunen, längs und quer verlaufenden Linien RCC 1 bis 4 mm große Nekrosen (bei starkem Infektionsdruck auch kleiner) dunkles Zentrum (fast schwarz) mit (hell)-braunem Rand später mit silbrig schimmernden Belag auf der Blattunterseite FRÜHE RCC (siehe auch RCC) sehr kleine Nekrosen (ca. 1 mm) bereits durch Blattadern begrenzt (aufgrund der Größe schlecht zu erkennen) PLS sortenabhängige Form- und Gestaltsausprägung (rund bis oval) Abgrenzung zum gesunden Gewebe diffus POLLENNEKROSEN überwiegend auf oberen Blattetagen vermehrt dort, wo auf den Blättern Wasser zusammenläuft gezackte, unstrukturierte Abgrenzung zum umliegenden Gewebe Nekrotisierung nur auf Blattoberseite MEHLTAUNEKROSEN kleine bis größere Nekrosen (von der Sorte abhängig) unterliegen keiner Anordnung auf dem Blatt MLO Flecken: zielscheibenartige Nekrosen (nur Sommergerste) 3

Entwicklungszyklus der Sprenkelkrankheit (Ramularia collo-cygni) in Gerste 4 FRÜH SPÄT früh gesät Wintergerste Nebenwirte (Wildgräser) Auflaufgetreide (Stroh) Wintergerste Sommergerste Sporenzuflug von Wildgräsern und aus anderen Regionen Sporenexport auf Wildgräser und in andere Regionen SYMPTOME: Befällt sowohl Blätter als auch Halme und Grannen 1-2 mm große braune Nekrosen (zum Zentrum dunkler - nach außen von gelbem Hof umgeben) Flecken auf der belichteten Seite dunkler Deutliche Begrenzung durch Blattadern, chlorotischer Hof mit späteren weißlich glänzender Belag auf der Blattunterseite Verwechslungsgefahr mit physiologischen Blattflecken (PLS)! AUFTRETEN UND URSACHEN: Erreger ganzjährig vorzugsweise auf grünen Pflanzen Schwächeparasit befällt u. a. stressgeschädigtes Gewebe Herbst- oder zeitige Frühjahrsinfektionen möglich Hauptinfektion der Wintergerste April - Mai Zuflug von Konidien (auch von Wildgräsern) Grüne Brücke Befall von Wintergerste auf Sommergerste und Wechsel auf Auflaufgerste oder Wildgräser; Pilz produziert große Mengen Konidien und ermöglicht eine weiträumige Ausbreitung in andere Regionen Mäßige-warme Temperaturen (16-25 C) bei gleichzeitig feuchten Bedingungen (Taubildung) Lange Feuchtigkeitsperioden mit Sonneneinstrahlung Starke Verbreitung mit beginnendem Ährenschieben BEDEUTUNG: Ertragsverluste je nach Auftreten/ Befallsstärke 10-20% an Bedeutung zunehmend - Sortenunterschiede beachten VORBEUGENDE MASSNAHMEN UND BEKÄMPFUNG: Anbau weniger anfälliger Wi- und So-Gerstensorten Konsequentes Stroh- und Ausfallgerstenmanagement Fruchtfolge: nicht So-Gerste nach Wi-Gerste anbauen Effektive Krankheitsbekämpfung nur als Spritzfolge möglich Fungizidwirkstoffe mit langer Wirkungsdauer nach Ährenschieben einsetzen (Prothioconazol/Chlorothalonil) Mögliche Strobilurinresistenzen beachten Quelle: Sprenkelkrankheit der Gerste ein neues Pathogen auf dem Vormarsch T. Balz u. A. v. Tiedemann, Institut für Pflanzenpathologie u. Pflanzenschutz, Universität Göttingen

Auftreten der unspezifischen Blattflecken P(hysiological) L(eaf) S(pots) in Gerste Photosynthese Atmung Licht Wassermangel Luftschadstoffe, z. B. Ozon Pilze Ertragsbegrenzung Mikronährstoffmangel Oxidativer Stress Sauerstoffradikale PLS vorzeitige Alterung SYMPTOME: Blattsymptome, die nicht auf pilzliche Schaderreger (nichtparasitär) zurückzuführen sind Beginnt mit punktförmigen Nekrosen auf den der Sonnenstrahlung ausgesetzten Blattteilen (ab F-2 bis Fahnenblatt), Beschattete Pflanzenteile zunächst noch grün (ohne Flecken) Vergilbungen gehen innerhalb weniger Tage in rotbraune Sprenkelnekrosen über Bei frühzeitigem Befall und zusätzlichen Stressfaktoren sterben die Blätter binnen 3 Wochen komplett ab (frühe Abreife) AUFTRETEN UND URSACHEN: Ursache und Schadmaß sind auf verschiedene Stressfaktoren zurückzuführen Hohe Sonneneinstrahlung in empfindlichen Stadien Geringe Wachsschicht, Hitze, Trockenheit, Nährstoffdefizite, Luftschadstoffe oxidativer Stress zellgiftige Sauerstoffradikale Zelltod (Blattflecken) Alterung Sekundärinfektionen mit Schwächeparasiten (Ramularia) Standort/Sorte/Witterungsverlauf und Ernährungszustand der Gerste haben Einfluss auf Geschwindigkeit und Umfang der Blattverbräunung Tritt in Süddeutschland früher und deutlich stärker auf BEDEUTUNG: Verluste je nach Auftreten/Befallsstärke 10-25% (bis 45% möglich) Wi-Gerste anfälliger als in So-Gerste (Sortenunterschiede) VORBEUGENDE MASSNAHMEN UND BEKÄMPFUNG: Anbau weniger empfindlicher stresstoleranter Sorten Vermeidung zusätzlicher Stressfaktoren (Nährstoffmangel/PS-Maßnahmen/ Tankmischungen ) Frühzeitiges Ausschalten anderer Krankheitserreger Einige Wirkstoffe (Prothioconazol/ Strobilurine/SDHI s ) vermindern zu Beginn der Hochstrahlungsphase den antioxidativen Stress der Pflanze und vermindern das Schadmaß deutlich Quelle: Blattflecken an Gerste Krankheit oder Stress? TOP AGRAR 4/2003; A. v. Tiedemann Institut für Pflanzenpathologie u. Pflanzenschutz, Universität Göttingen 5

Wichtige Gerstenkrankheiten und Häufigkeit des Auftretens Mittel der Jahre 2005 bis 2014* und 2015** (aus 569 Versuchen) und deren mögliche Ertragsverluste Netzflecken Mehltau KRANKHEITSAUFTRETEN IN WINTERGERSTE Mit einer Einfachbehandlung wird es schwierig, bei gleichzeitigem Auftreten früher und später Krankheiten, den richtigen Termin zu finden! 65%* / 23%** < 40 % früher Befall < 10 % später Befall (EC59-61) 32%* / 9%** bei Frühbefall 10-25 % (Sortenabhängig) 1. Behandlung gegen frühe Blattkrankheiten (Rhynchosporium, Mehltau, Netzflecken, Zwergrost) 2. Behandlung gegen späte Blatt-/Abreifekrankheiten (Netzflecken, Zwergrost, Ramularia, PLS-Blattflecken) PLS-Blattflecken Rhynchosporium Aviator Xpro Duo 0,65 l/ha + 0,65 l/ha Fandango 0,8 l/ha Aviator Xpro 0,8 l/ha evtl. + Credo oder AmistarOpti 17%* / 16%** bis 45 % in Wintergerste bis 25 % in Sommergerste 45%* / 23%** 10-15 % mittlere Verluste 30-40 % bei Epidemien PLS-Blattflecken Ramularia Zwergrost Ramularia Netzflecken Zwergrost Rhynchosporium Mehltau 6 18%* / 23%** Frühes, starkes Auftreten 5-20 % 19%* / 27%** Frühzeitiger Befall 10-20 % BBCH- Code 29 30 31 32 37 39 49 51 59 61 Bestockungsphase Schossen Fahnenblatt Erscheinen Ähre Ährenschieben Blüte

Vergleich verschiedener Fungizid Wirkstoffe Bekämpfung von Ramularia in Gerste Wirkungsdauer von Fungiziden gegen Ramularia in Gerste proplant-einstufung 2015 Standort: Bad Münder 2014, Sorte: Lomerit PSA - LWK Niedersachsen Einfach-Behandlung zu BBCH 49 Fungizid Wirkstoffe Ramularia WG (%) 28.04.2014 03.06.14 12.06.14 BBCH 49 F / F -2 F / F -1 Kontrolle 17% (BS) 25% (BS) Bravo 500 2 Chlorthalonil 100 96 Dithane Neo Tec 2 Mancozeb 59 58 Proline 0,8 Prothioconazol 100 80 Orius 1,5 Tebuconazol 82 52 Epoxion 1 Epoxiconazol 82 52 Unix 1 Cyprodinil 0 0 Ampera 1,5 Cirkon 1,3 Prochloraz + Tebuconazol Prochloraz + Propiconazol 41 36 29 24 Acanto 1 Picoxystrobin 0 0 Amistar 1 Azoxystrobin 6 0 Twist 0,5 Trifloxystrobin 0 0 Cabrio 1 Pyraclostrobin 0 32 Strobilurine ohne Wirkung (G143A-Mutation) Quelle: S. Lohmann, PSA Hannover Cirkon 1,0 0 6 Gladio 0,6 0 6 Juwel Top 0,7 0 6 Opus Top 1,0 + Talius 0,2 0 6 Champion 0,5 + Diamant 0,5 0 12 Fandango 0,8 0 80 g PTZ 13 Input Classic 0,6 0 96 g PTZ 14 Proline 0,4 0 100 g PTZ 14 Proline 0,6 + Vegas 0,2 0 150 g PTZ 21 Adexar 1,0 + Diamant 1,0 0 24 Aviator Xpro Duo 0,65 + 0,65 0 150 g PTZ 28 Bontima 1,25 + Amistar Opti 1,25-14 -7 0 7 14 21 28 35 Wirkungsdauer in Tagen nach proplant Quelle: proplant 2015 0 32 Adexar 1,0 + Credo 1,0 0 32 Input Xpro 1,0 + Credo 1,0 0 100 g PTZ 32 Aviator Xpro 0,6 + Credo 1,0 0 90 g PTZ 34 Siltra Xpro 0,6 + Credo 1,0 0 120 g PTZ 34 Aviator Xpro 0,8 + Credo 1,0 0 120 g PTZ 36 7

Bayer CropScience Deutschland GmbH Elisabeth-Selbert-Str. 4 a D-40764 Langenfeld Telefon +49 (0) 21 73-20 76-0 Telefax +49 (0) 21 73-20 76-4 51 www.agrar.bayer.de 12/2015 8 BCSD 00131949