GLZ - September 2010 1) II. VORBEREITUNG AUF DAS Blatt 1 Trennungsarten Briefmarken kommen meist als größere Einheit in Bögen oder auf Rollen an Schaltern und Automaten zum Verkauf. Um die einzelnen Marken als Frankierung einzusetzen, braucht man daher einen Trennungsbehelf, um sie einzeln aus dem Bogen oder von der Rolle entnehmen zu können. a) geschnitten Die ersten Briefmarken kamen als große Bogen ohne Trennungshilfe heraus. Die einzelnen Marken wurden durch eine Schere voneinander getrennt. Unter Philatelisten wird eine solche Briefmarke als geschnitten bezeichnet. Für den Sammler ist es dabei wichtig, dass dabei die Abbildung der Briefmarke beim Schnitt komplett erhalten geblieben ist. Je nach Abstand der Briefmarken auf dem Bogen, gibt es geschnittene Briefmarkenausgaben, bei denen man einen sauberen großen Rand erwarten kann, aber auch solche, die so eng zusammen gedruckt wurden, dass es kaum möglich war, zwei Marken mit einer Schere so zu trennen, dass dabei nicht in eine von beiden hineingeschnitten wurde. b) durchstochen Wahrscheinlich die am wenigsten gebräuchliche Trennungsart von Briefmarken. Bereits 1847, sieben Jahre nach der ersten Briefmarke, wurde eine Erfindung der britischen Post angeboten, bei der scharfe Schneiden zwischen den Markenbahnen regelmäßige Durchstiche einfügten. Dabei blieb die ursprüngliche Papiermenge weitestgehend erhalten. Weil das Ergebnis der Trennung aber sehr unbefriedigend war und derselbe Erfinder schon an einer neuen Möglichkeit arbeitete, kam die Trennungsart "durchstochen" nur kurz zur Anwendung. Beim Durchstechen wurde außerdem eine gewisse Zeit mit der Form und Anordnung der Schneiden experimentiert, so dass wir heute verschiedene Durchsticharten kennen. 16
Blatt 2 c) gezähnt Im Gegensatz zum Durchstich ist bei der Zähnung der markanteste Unterschied, dass durch Ausstechen von Papier zwischen den Briefmarkenbahnen eine Trennungshilfe gegeben wird, die sich bis heute bewährt hat. Die Gesamtpapiermenge wird dabei also reduziert. d) gestanzt Die heutigen selbstklebenden Postwertzeichen der Deutschen Post haben keine Zähnung mehr, wie wir sie bisher kannten, auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht. Im Grunde handelt es sich um maschinengeschnittene Briefmarken, die man als gestanzt bezeichnet. 2) Zähnungsarten a) Linienzähnung Bei der Linienzähnung werden im Prinzip nach und nach die Lochreihen zwischen den Briefmarken angebracht, erst in der einen Richtung und dann um 90 Grad gedreht. Eine Nadelleiste hat dabei eine Lochreihe zwischen den Marken gezogen. Zur Erhöhung der Produktion wurden dabei oft die für einen Bogen benötigte Anzahl von Lochreihen als entsprechende Anzahl an Nadelleisten hintereinander montiert, so dass in einem Arbeitsgang alle Löcher einer Zähnung für eine Richtung gestanzt werden konnten.
II. VORBEREITUNG AUF DAS Blatt 3 Bei der oft vorkommenden Linienzähnung kommt es durch den getrennten Arbeitsvorgang für die waagerechte und senkrechte Zähnung in der Regel dazu, dass die Zahnlöcher in den Ecken der Briefmarken nicht genau ineinander treffen. Dadurch entsteht das charakteristische Erkennungsmerkmal runde Eckzähnung, woran man die Linienzähnung später immer wieder erkennen kann. Der Bogenrand ist bei der Linienzähnung durchgezähnt. Die Linienzähnung wird bei der Zähnungsangabe mit einem L abgekürzt.
Blatt 4 b) Kammzähnung Grundsätzlich sieht die Anordnung der Lochstanze für die Zähnung einem Kamm ähnlich. Bei der einfachen Kammzähnung wird gleichzeitig die Zähnung an drei Seiten der Briefmarke angebracht und für eine Reihe im Bogen. Danach wird die nächste Reihe gezähnt, wobei dann natürlich die obere Stanzreihe gleichzeitig die vierte Seite der darüber liegenden Briefmarkenreihe ausstanzt. Im Gegensatz zur Linienzähnung entstehen hier sehr saubere Zähnungsecken an den Briefmarkenecken. Dieses Verfahren benötigt aber immer einen Durchgang bei der Zähnung mehr, damit die untere Markenreihe auch eine untere Zähnung erhält. Daher ist dann der untere Bogenrand durchgezähnt, der obere aber nicht. Die Kammzähnung trifft man aber häufig auch in Varianten an: Doppelkammzähnung, Kreuzkammzähnung oder Doppelkreuzkammzähnung. Diese Art wird bei der Zähnungsangabe mit einem K abgekürzt. Die Varianten werden bei der Zähnungsangabe nicht angegeben. c) Kastenzähnung Eine perfekte Zähnung trifft man bei der Kastenzähnung an, bei der ein ganzer Bogen in einem Arbeitsgang perforiert wird und entsprechend alle Briefmarken an allen Seiten gleichzeitig eine Zähnung erhalten. Blöcke und Briefmarken, die nicht rechteckig sind, benötigen dieses Zähnungsverfahren. Der Bogenrand brauchte bei dieser Zähnungsart aus Produktionsgründen nicht durchgezähnt sein.
II. VORBEREITUNG AUF DAS Blatt 5 Die Abbildung zeigt Kammzähnung, Doppelkammzähnung, Kreuzkammzähnung und Doppelkreuzkammzähnung
Blatt 6 Die Abkürzung bei der Zähnungsangabe lautet Ks. 3) Zähnungsangabe Die Trennungsart im Katalog wird durch Symbole und Abkürzungen bezeichnet. Gebräuchlich ist ein kleines geschlossenes Quadrat für geschnitten, ein unterbrochenes Quadrat für durchstochen und die Abkürzung gez steht für gezähnt. Hinter gez. wird u.u. die Abkürzung der Zähnungsart angegeben, gefolgt von einer bis zu vier Zahlenangaben, zum Beispiel 14¼ oder 12 ½ : 14. Diese Zahl bezeichnet die Anzahl an Zahnlöchern auf 20 Millimeter. Bei mehreren Zahlenangaben, die durch einen Doppelpunkt getrennt sind, bedeutet: - 12 ½ : 14 = oben und unten ist die Marke 12 ½ gezähnt und links und rechts 14. - 11:12:13 = oben 11, links und rechts 12 und unten 13 Zahnlöcher auf 20 Millimeter. - 12 ½ : 14 : 12: 11 ½ = oben 12 ½, rechts 14, unten 12 und links 11 ½ gezähnt. Die Zahnlöcher werden aber nicht per Hand gezählt, sondern man nimmt einen sogenannten Zähnungsschlüssel zu Hilfe. Hier legt man die Zähnung über eine Schablone, die die verschiedenen Zähnungsgrößen darstellt und verschiebt solange die Briefmarke, bis Zähnung und Schablone übereinstimmen. Dann liest man die auf der Schablone stehende Zähnungsgröße einfach nur ab. Die Zähnungsgröße zu vergleichen macht nicht nur bei Briefmarken einen Sinn, die in verschiedenen Zähnungsvarianten ausgegeben wurden, sondern auch bei älteren Briefmarken, die auf schlechtem Papier gedruckt oder mit schlechter Zähnung hergestellt wurden. Es kann durchaus vorkommen, dass teurere Briefmarken, deren Zähnung nicht in Ordnung war, zum Schaden des Sammlers nachgezähnt wurden. Oft musste aber dazu dann eine andere Zähnungsgröße verwendet werden.
Blatt 7 4) Erhaltungsarten einer Briefmarke Mit Erhaltungsarten sind hier nicht der qualitative Zustand einer Briefmarke gemeint, der sollte immer perfekt sein, sondern ihr Vorkommen, unterteilt in postfrisch, postfrisch mit Falz und gestempelt bzw. gestempelt auf Brief. a) postfrisch Dies bezeichnet eine ungebrauchte Briefmarke im tadellosen Zustand mit vollkommender Gummierung auf der Rückseite, so wie sie von der Post verausgabt wurde, eben postfrisch. Die Angabe postfrisch bezieht sich bei einer ungestempelten Briefmarke immer auch auf das Gummi. Eine Angabe ungebraucht besagt nur, dass die Briefmarke ungestempelt ist und ggf. mit beschäftigtem oder fehlendem Gummi minderwertig ist. Abgekürzt wird die Bezeichnung mit zwei Sternen ** b) postfrisch mit Falz Diese Bezeichnung steht für eine ungebrauchte Briefmarke, auf deren Rückseite ein Falz klebt oder Spuren von Falzresten zu finden sind, aber ansonsten sich im tadellosen Zustand befindet. Das Gummi muss also bis auf die Stelle wo der Falz angebracht wurde, komplett in Takt und unbeschädigt sein. Die ersten Marken wurden in Alben, Heften oder als Tapetenersatz und ähnliches gesammelt und mit Klebstoff befestigt. Im Grunde waren damit diese Briefmarken nach heutiger Auffassung zerstört. Schon bald fing man an, die Briefmarken mit kleinen meist transparenten mehrfach gefalteten Klebezetteln in den Alben zu sammeln. Bei gestempelten Briefmarken kein Problem, aber bei ungebrauchten Briefmarken wird dadurch das Gummi beschädigt. Noch heute kann man, wenn man das unbedingt will, so sammeln. Und da diese Version des Sammelns so lange und so weit verbreitet war, hat sich neben der Bezeichnung postfrisch für ältere Marken postfrisch mit Falz ergeben. Wobei die Abwertungen für postfrische Briefmarken mit Falz schon sehr erheblich sind. Abgekürzt wird die Bezeichnung postfrisch mit Falz durch einen Stern *.
Blatt 8 c) gestempelt Diese Erhaltungsart bezeichnet gestempelte Briefmarken. Sie wird einen Punkt in einem Kreis als Symbol abgekürzt. Das Symbol eines schraffierten Kreises steht für eine Gefälligkeitsabstempelung. Wobei man in einem Briefmarkenkatalog hier in der Regel nicht zwischen Briefmarken die echt gelaufen sind und die direkt am Postschalter abgestempelt wurden unterscheidet, sondern bei systematisch gemachten Gefälligkeitsabstempelungen. So zum Beispiel die Briefmarkenserie Fünf Jahresplan aus den 50er Jahren der DDR: hier wurden große Bestände gleich abgestempelt gedruckt bzw. nachträglich mit einem Stempel bedruckt und an die Sammler verkauft. Dort wo man dies unterscheiden kann, bedeutet dies wiederum einen erheblichen Abschlag bis hin zur Sammelunwürdigkeit, wobei im genannten Beispiel schon wieder von einigen Sammler zusätzlich auch die Gefälligkeitsabstempelungen gesammelt werden um diese zu belegen. Ganz anders sieht es beim Symbol eines Rechteckes, das von zwei Diagonalen durchkreuzt wird, aus. Dieses Steht für gestempelt auf Brief, bedeutet, dass die Briefmarke auf einem komplett erhaltenen Briefumschlag vorliegt und erheblich teurer ist, als eine lose gestempelte Briefmarke. Gibt es die Briefmarke heute nur noch ganz selten auf einem kompletten Brief, kann schon ein Briefausschnitt mit der Marke erheblich sein. Das Symbol dafür ist ein quadratisches Rechteck, das an der rechten und unteren Seite gezackt ist.