Definition Hippotherapie

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Transkript:

Definition Hippotherapie Grundlage. Hippotherapie ist der rein medizinische Einsatz des Pferdes zur Ergänzung und Erweiterung der üblichen Physiotherapie auf neurophysiologischer Sie wird prinzipiell vom Arzt verordnet und von einer/m speziell dafür ausgebildeten Physiotherapeutin durchgeführt. Das eigens für diese anspruchsvolle Aufgabe ausgewählt und ausgebildete Therapiepferd wird von einer/m Pferdeführer/in, meist am Langzügel im Schritt und auf genaue Anweisung der/s Physiotherapeut/in geführt. Dabei überträgt das Pferd auf den Rumpf des aufrecht sitzenden Patienten etwa 100 dreidimensionale Schwingungsimpulse pro Minute, nahezu identisch mit dem Bewegungsablauf des Gehens eines durchschnittlichen Erwachsenen. Wie keine andere Behandlungsmethode bietet dabei die Hippotherapie den Menschen mit unterschiedlichsten neurologischen Bewegungsstörungen und dadurch gestörter oder verlorener Gehfähigkeit, eine harmonische Fortbewegung im Raum, in vertikaler und gangähnlicher Körperhaltung und in komplexem gangphysiologisch ablaufenden Bewegungsmuster. Dabei wirkt der Patient nicht aktiv auf das Pferd ein, sondern reagiert auf die ihm angebotenen Bewegungsimpulse im Rahmen seiner motorischen Fähigkeiten, übernimmt, wiederholt verbessert und automatisiert sie letzlich. Das Ziel ist es, Muskelfuntionen oder Bewegungsabläufe durch Zugriff auf ein bereits subcortical, d.h. im Gehirn gespeichertes und unbewußt ablaufendes Bewegungsmuster wie das Gehen wieder zu erlernen, zu verbessern oder manchmal einfach nur zu erhalten. Weiterhin positiv wirkt sich die Pferdebewegung aus auf Gleichgewicht und Koordination, auf Rumpfaufrichtung und Kontrolle, auf die sensomotorische Integration und auf die Psychomotorik durch Motivation über das lebendige Medium Pferd und die Freude an der einzigartigen Bewegung bzw. Fortbewegung. Eingebunden in eine stationäre oder ambulante physiotherapeutische Behandlung wird Hippotherapie üblicherweise 1 bis 2 mal wöchentlich

durchgeführt. Die Behandlungsdauer auf dem Pferd beträgt im Durchschnitt etwa 20 min, abhängig von Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit des Patienten. Indikationen In der Hippotherapie werden in erster Linie die neurologischen Symptome behandelt. Hauptindikationen sind neurologische Bewegungsstörungen wie sie z. B. auftreten bei Multipler Sklerose, bei Zuständen nach Schädel-Hirn-Verletzungen oder Schlaganfällen, bei extrapyramidalen Bewegungsstörungen wie z.b. dem Krankheitsbild des spastischen Schiefhalses ( torticollis spasmodicus), bei Bewegungsstörungen nach frühkindlicher Hirnschädigung ( Cerebralparese ) und bei einigen anderen neurologischen Krankheitsbildern Wissenschaftliche Arbeit Wissenschaftliche Messung der Hippotherapie Am Institut für normale und pathologische Physiologie der Universität Witten/ Herdecke ( Prof.Dr.med.E.David) hat U.Leyerer im Rahmen einer Dissertation vor einigen Jahren eine dreidimensionale, piezoelektrische Beschleunigungsmessung im Körperschwerpunkt beschrieben. Die Messdaten wurden im Computer mit der am selben Institut entwickelten Software HTANALYS als ein-, zwei- und dreidimensionale Graphiken gesichtet und ausgewertet.

Es werden individuelle Gangunterschiede gefunden. So findet sich z.b. bei fast allen Frauen ein eigenes Beschleunigungsmuster in der Horizontalebene, das dem Hüftschwung entspricht. Die normale Bewegung startet im Körperschwerpunkt und führt wieder dorthin zurück. Wie ein normales Gangbild aussieht, wird anhand der Messung von 45 ganggesunden Probanden beschrieben. Diese Kriterien normalen Gehens stehen im Einklang mit dem, was schon vorher in der Literatur angegeben wird. Es werden gezielte, begrenzte Gangstörungen wie Stolpern und künstlich erzeugter Schwindel bei gesunden Versuchspersonen ausgelöst. Dadurch kann überprüft werden, ob das Auswertprogramm auch feine Gangunterschiede erfasst und richtig verarbeitet. In einem zweiten Schritt werden die 45 Probanden auf ein Therapiepferd gesetzt und in der Gangart Schritt gemessen. Die Ergebnisse der Beschleunigungsmessung auf dem Pferd entsprechen dem Beschleunigungsmuster des gesunden Gehens. Der Mensch erfährt, auf dem Pferderücken eines Therapiepferdes sitzend, in seinem Körperschwerpunkt im Bereich zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbelkörper fast exakt die gleichen Beschleunigungsimpulse, als wenn er selber geht. Hiernach werden 11 Patienten mit Multipler Sklerose zunächst gehend, dann auf dem Pferd während einer Hippotherapie sitzend und anschliessend erneut gehend gemessen. Es kann bei allen 11 Patienten eine Verbesserung des Gehvermögens dokumentiert werden. Diese hält auch über eine Woche nach Therapieende an.

Bei einem Patienten kann gezeigt werden, daß nach einer konventionellen physiotherapeutischen Behandlung keine Gangveränderung sichtbar wird, jedoch nach der anschliessenden Hippotherapie eine deutliche, anhaltende Verbesserung erreicht werden kann. Die Arbeit verzichtet wegen der gerigen Fallzahl bewußt auf eine Statistik. Es wird eine Single- Case- Studie betrieben. Die Messergebnisse der jeweiligen Patienten werden mit mathematischen Mitteln vergleichbar gemacht. In keinem Fall ist es zu einer anhaltenden Verschlechterung des Gehvermögens gekommen. Eine kurzzeitige Verschlechterung kann im Einzelfall auftreten, wenn eine ausgeprägte Spastik das ataktische Beschwerdebild überdeckt und nach Reduzierung der Spastik die Ataxie eine Gangunsicherheit auslöst. Nach einer Behandlung von vier Wochen kann aber in allen 11 dokumentierten Fällen eine messbare Verbesserung des Gehvermögens dokumentiert werden. Vergleichende Studien, die Qualitätsunterschiede zwischen den Erfolgen der verschiedenen Behandlungssätze in Bezug auf die Verbesserung des Gehvermögens bei Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, aufzeigen können, sind für die Zukunft wünschenswert. Die von Leyerer etablierte Methode der Gangmessung ist geeignet, eine objektive Erfassung des Therapieerfolges in Bezug auf das Gehen zu ermöglichen. Eine Doppelblind-Studie ist nicht möglich, da zumindest die Patienten immer wissen, welche krankengymnastische Behandlung sie erhalten haben. Eine subjektive Beeinflussung der Messungen und der Ergebnisinterpretation ist bei der zitierten Arbeit durch die standardisierte Messmethode und die computergestützte Auswertung weitgehend ausgeschlossen.