Arbeitsheft. Kostenartenrechnung

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Transkript:

Arbeitsheft zur Kostenartenrechnung Hochschule Anhalt (FH), Abteilung Bernburg Fachbereich Wirtschaft Prof. Dr. Jörg Schmidt

Inhaltsverzeichnis Seite I. Anwendungsbeispiele 2 II. Übungsaufgaben 6 I. Anwendungsbeispiele AWB 1: Abgrenzungstabelle In einer Zahnradfabrik fielen im vergangenen Monat folgende Aufwendungen und Erträge, Kosten und Leistungen an (alle Angaben in EURO): 1. Umsatzerlöse Fertigerzeugnisse: 12.275 2. Bestandserhöhung Fertigerzeugnisse: 155 3. Rohstoffverbrauch: 1.275 4. Löhne und Gehälter: 5.400 5. Abschreibungen (Finanzbuchhaltung): 248 Abschreibungen (KLR): 193 7. Erträge aus Finanzanlagen: 20 8. Zinsaufwendungen: 197 Kalkulatorische Zinsen: 237 10. Verlust aus dem Verkauf einer Anlage unter Buchwert: 6 11. Kalkulatorische Wagnisse: 22 Die Zahlen der Finanzbuchhaltung stellen sich in der Abgrenzungstabelle wie folgt dar: Rechnungskreis 1 Rechnungskreis 2 Finanzbuchhaltung Abgrenzung KLR Aufwand Ertrag Abgrenzung Kosten Leistungen 12.275 155 1.275 5.400 248 20 197 6 0 7.126 12.450 Gesamtgewinn aus GuV: 5.324 Abgrenzungsergebnis: Internes Betriebsergebnis : 2

AWB 2: Mengenmäßiger Materialverbrauch Eine Uhrenfabrik fertigt im April eines Jahres 44 goldene Armbanduhren für Damen und 41 goldene Armbanduhren für Herren. Zur Herstellung einer Herrenarmbanduhr werden 25 g, für eine Damenarmbanduhr 20 g Gold benötigt. Das Goldlager zeigt folgende Entwicklung im Monat April. 01.04. Anfangsbestand 500 g 03.04. Zugang 750 g 04.04. Abgang 300 g 07.04. Abgang 350 g 09.04. Abgang 300 g 10.04. Zugang 500 g 12.04. Abgang 400 g 17.04. Zugang 500 g 22.04. Abgang 300 g 27.04. Abgang 300 g 30.04. Endbestand 260 g a) Ermitteln Sie den Materialverbrauch im April nach der Skontrationsmethode, der Inventurmethode sowie nach der retrograden Methode! b) Ermitteln Sie den Soll-Endbestand zum 30.04.! c) Diskutieren Sie die Verantwortlichkeit für die Bestandsabweichung! AWB 3: Wertmäßiger Materialverbrauch Der Verbrauch von Rohstoffen in einer Beispiel - GmbH beträgt im Berichtsmonat Mai 2.000 t. Sie setzen sich zusammen aus den folgenden Partien: 700 t, Einstandspreis 900 je t, Eingang 01.05.2001 300 t, Einstandspreis 950 je t, Eingang 10.05.2001 400 t, Einstandspreis 1.000 je t, Eingang 15.05.2001 600 t, Einstandspreis 850 je t, Eingang 20.05.2001 a) Bewerten Sie den Verbrauch zum gewogenen Durchschnittspreis! b) Der aktuelle Tagespreis, zu dem der Lieferant auch Aufträge zu späteren Lieferungen annimmt, beträgt 1.200 /t abzüglich 20 % Rabatt, bei 9 Fracht- und Transportversicherung je t. Mit welchem Verrechnungspreis würden Sie den Verbrauch bewerten? c) Wie hoch sind die gesamten Materialkosten, wenn außerdem für den Berichtsmonat eine Stromrechnung in Höhe von 35.700 (inkl. Ust.) sowie eine Rechnung für Kleinmaterial (ohne Lagerhaltung) in Höhe von 1.190 (inkl. Ust.) eingehen? 3

AWB 4: Behandlung aperiodischer Lohnzahlungen in der Kostenrechnung Ein Unternehmer hat im abgelaufenen Jahr folgende Lohnsituation: Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Monat Fertigungslöhne (Akkordlohn) 370.000,- 410.000,- 400.000,- 480.000,- 490.000,- 600.000,- 570.000,- 200.000,- 520.000,- 450.000,- 460.000,- 450.000,- Gesamt 5.400.000,- Die Zahlung eines 13. Monatslohns an die Beschäftigten des Unternehmens betrug 405.000,- und wurde einmalig im Monat März gezahlt. Verteilen Sie diesen Betrag a) unter dem Gesichtspunkt einer gleichmäßigen Periodenbelastung sowie b) unter dem Gesichtspunkt einer gleichmäßigen Belastung der Leistungseinheiten, wobei unterstellt sei, dass der Fertigungslohn pro Einheit des Endproduktes konstant ist! AWB 5; Kalkulatorische Abschreibungen Gegeben sind folgende Ausgangsdaten: Anschaffungswert (am 1.1.2003) 144.000 Preisindex Basisjahr 1998 100 Preisindex Anschaffungsjahr 2003 115 Preisindex 2013 (geschätzt) 134 Abschreibungsmethode linear bilanzielle Abschreibungszeit 6 Jahre voraussichtliche Nutzungsdauer 10 Jahre Berechnen Sie die bilanzielle und die kalkulatorische Abschreibung pro Jahr AWB 6: Kalkulatorische Zinsen In der Kostenrechnungsabteilung eines Betriebes sollen die kalkulatorischen Zinsen bestimmt werden. Für die Entscheidung wird die folgende, auf Wiederbeschaffungswerten basierende Bilanz vom 31.12. des Geschäftsjahres zugrunde gelegt ( ): Aktiva Anlagevermögen 1.000.000 Umlaufvermögen 550.000 Passiva Eigenkapital 650.000 Langfristige Verbindlichkeiten 400.000 Wertberichtigungen auf das Anlagevermögen 200.000 Rückstellungen 70.000 Kundenanzahlungen 50.000 Verbindlichkeiten aufgrund von Warenlieferungen 180.000 1.550.000 1.550.000 4

Im Anlagevermögen ist eine stillgelegte Produktionsanlage mit einem kalkulatorischen Restwert von 60.000,- enthalten. Im Umlaufvermögen ist ein Wertpapierpaket in Höhe von 80.000,- enthalten, das zur Anlage liquider Mittel erworben wurde. Am 31.12. des Vorjahres wurde das Umlaufvermögen mit 450.000,- bilanziert. a) Bestimmen Sie das betriebsnotwendige Vermögen! b) Bestimmen Sie das betriebsnotwendige Kapital und die kalkulatorischen Zinsen b1 ohne b2 mit Berücksichtigung des Abzugskapitals bei einem Zinssatz von 10 %! AWB 7: Kalkulatorische Miete Die durchschnittlichen Kosten der letzten 3 Jahre betragen für ein von der Walter Schmidtke OHG genutztes Gebäudes ( ): Kosten 2003 2004 2005 Abschreibungen Hypothekenzinsen Instandhaltung sonstige Kosten 14.500 9.450 3.300 2.630 14.500 11.100 3.450 2.710 In welcher Höhe sollte die kalkulatorische Miete für die Planung 2006 angesetzt werden? 14.500 10.630 3.520 2.720 AWB 8: Kalkulatorischer Unternehmerlohn Bei der Werner Schulz OHG, Leichtmetallbau, üben die Gesellschafter Schulz, Witt, Hold und Lutz die Geschäftsführung aus. Im Innenverhältnis sind verantwortlich für a) den kaufmännischen Bereich, ausgenommen die Abteilung Vertrieb, der Gesellschafter Dipl.-Kfm. Schulz, b) den Vertrieb als Abteilungsleiter der Gesellschafter Witt, c) den technischen Bereich, ausgenommen die Abteilung Entwicklung, der Gesellschafter Dipl.-Ing. Hold und d) für die Entwicklungsabteilung der Gesellschafter Lutz. Für die KLR ist der monatlich anzusetzende kalkulatorische Unternehmerlohn für die Gesellschafter der OHG im Verhältnis zu den Gehältern in der Leichtbau-GmbH zu ermitteln. Geschäftsführung Geschäftsführergehälter Prokuristengehälter Umsatz Belegschaft Leichtbau-GmbH 2 Personen 8.000,- monatlich 6.500,- monatlich 250 Mio. 1.200 Personen W. Schulz OHG 4 Personen, davon 2 vergleichbare Tätigkeit 2 Prokuristentätigkeit 160 Mio. 800 Personen AWB 9: Kalkulatorische Kosten Sie treffen Ihren alten Freund F wieder, der sich vor einiger Zeit selbständig gemacht hat. F strahlt: "Mein Laden läuft sehr gut. Dieses Jahr habe ich einen Gewinn von 60.000 erzielt. Ich spare nämlich jetzt Zinsen und Miete, da ich von meiner Tante 100.000 und ein Haus in der Innenstadt geerbt habe Das Geld deckt genau meinen Kapitalbedarf und für die Ladenmiete müssen meine Konkurrenten pro Monat 2.000 ansetzen, Deswegen habe ich auch ein Stellenangebot der XY GmbH abgelehnt, Sie hätten mir nämlich nur 50.000 p.a angeboten. Hat F Grund zur Freude, wenn die Zinsen auf dem Kapitalmarkt 8 % betragen7 Wie hoch ist der Betriebserfolg nach Ihren Berechnungen? 5

AWB 10: Kalkulatorische Wagnisse Für ein Unternehmen sind die monatlich zu verrechnenden kalkulatorischen Wagnisse für das Jahr 2006 zu errechnen: Wagnisart Bezugsgröße Durchschnittsverlust der letzten 5 Jahre ( /Periode) Durchschnittswert der Bezugsgröße in den letzten 5 Jahren ( /Periode) Wert der Bezugsgröße 2000 ( /Periode) Beständewagnis 12.500 Lagerbestand 500.000 580.000 Anlagewagnis 9.600 Wiederbeschaffungswert 1.200.000 1.290.000 Ausschusswagnis 15.000 Herstellkosten 1.500.000 1.620.000 Gewährleistungs- 60.000 Umsatz 2.000.000 2.300.000 wagnis Vertriebswagnis 24.000 Forderungsbestand 600.000 550.000 II. Übungsaufgaben Aufgabe 1: Kostensystematik Beurteilen Sie, ob die folgenden Behauptungen richtig sind oder nicht! Kennzeichnen Sie das entsprechende Feld mit einem Kreuz! Es können mehrere Antworten richtig sein! 1.1. Bei welchen der folgenden Kostenarten handelt es sich um variable Kosten? Nr. Behauptungen richtig falsch 1) Grundsteuer 2) Akkordlöhne 3) Zeitabschreibung 4) Einzelmaterial 5) Leistungsabschreibung 6) Geschäftsführerergehalt 7) Ladenmiete 1.2. Einzelkosten Nr Behauptungen richtig falsch 1) sind Kosten, die einer Bezugsgröße direkt zugerechnet werden können, z.b einem Kostenträger oder einer Kostenstelle 2) sind Kosten, die unabhängig von der Ausbringungsmenge anfallen 3) sind immer Fixkosten; 4) sind die Kosten, die nur bei Einzelfertigung anfallen 1.3. Einzelkosten sind Kosten, die Nr Behauptungen richtig falsch 1 ) auch als Stückkosten bezeichnet werden, 2) den einzelnen Kostenträgern direkt zugerechnet werden können, 3) in der Regel variable Stückkosten sind, 4) nicht Gemeinkosten sind. 6

1.4. Gemeinkosten Nr. Behauptungen richtig falsch 1) können Kostenträgern nicht direkt zugerechnet werden; 2) sind immer Fixkosten; 3) sind meist beschaftigungsabhängige Kosten; 4) fallen nur im Vertriebs- und Verwaltungsbereich an. Aufgabe 2: Materialkosten 2.1. Grenzen Sie Roh-, Hilfs und Betriebsstoffe voneinander ab und geben Sie jeweils ein Beispiel! 2.2. Beschreiben Sie in groben Zügen die Schritte bei der Erfassung der Matenalkosten! Aufgabe 3: Materialkosten Die Depot KG hat ein geschlossenes Materiallager. Aus der Lagerbuchhaltung erhalten Sie folgende Informationen: Anfangsbestand lt. Inventur: 3 000 Stck. Endbestand lt. Inventur: 1 200 Stck. Zugang (1) 1 800 Stck. Zugang (2) 500 Stck. Zugang (3) 2 000 Stck. Entnahme (1) lt. Materialentnahmeschein 1500 Stck Entnahme (2) lt. Materialentnahmeschein 1700 Stck Entnahme (3) lt. Materialentnahmeschein 2400 Stck Materialverderb 150 Stck. a). Ermitteln Sie den Materialverbrauch nach der Inventurmethode und nach der Skontrations- (Fortschreibungs-)methode b) Ermitteln Sie den Soll-Endbestand c) Wer ist für die Abweichung des tatsächlichen Endbestands vom Soll-Endbestand verantwortlich? Aufgabe 4: Personalkosten Die neue Assistenzcontrollerin Annette Häuflein-Elend soll die Personalkosten für den Monat März ermitteln Insgesamt werden 5 Arbeiter beschäftigt, die jeweils Anspruch auf einen Monat Urlaub im Jahr haben Der Stundenlohn pro Arbeiter beträgt 12. In jedem Monat werden 180 Arbeitsstunden pro Arbeiter angesetzt. An krankheitsbedingten Ausfall werden pro Jahr insgesamt 240 Stunden angesetzt, für die die Unternehmung Arbeiter kurzfristig aus einer Personalverleihungsgesellschaft zum Lohn von 18 pro Stunde entleiht Die gesetzlichen Sozialkosten betragen voraussichtlich insgesamt 85 330 zusätzlich. Zum Lohn, der weiter bezogen wird, wird Urlaubsgeld in Hohe von 650 pro Jahr und Arbeiter veranschlagt. Im Dezember erhalten die Arbeiter pro Person 500 Weihnachtsgeld. Sonstige Kosten fallen nicht an! a) Helfen Sie Frau Häuflein-Elend bei der Berechnung der Personalkosten für den Monat März' b) Wie hoch wäre ein kalkulatorischer Sozialkostenzuschlagsatz anzusetzen? Aufgabe 5: Kalkulatorische Kosten 5.1. Welchen Zweck verfolgt die Verrechnung kalkulatorischer Kosten? 7

5.2 Beurteilen Sie, ob die folgenden Behauptungen richtig sind oder nicht! Kennzeichnen Sie das entsprechende Feld mit einem Kreuz! Es können mehrere Antworten richtig sein! Kalkulatorische Kosten Nr Behauptungen richtig falsch 1 sind Kosten, denen keine Aufwendungen oder Aufwendungen in anderer Hohe gegenüberstehen 2) entsprechen betragsmäßig dem Zweckaufwand; 3) brauchen nur dann berücksichtigt zu werden, wenn es sich um die Vorkalkulation eines Auftrages handelt. 4) müssen nach den Prinzipien der kaufmännischen Vorsicht bestimmt werden 5) setzen sich aus Zusatzkosten und Anderskosten zusammen 6) sind immer zahlungswirksam. Aufgabe 6: Kalkulatorische Abschreibungen Eine Maschine mit einem kalkulatorischen Ausgangswert von 90.000 und einem erwarteten Liquidationserlös von 6.000 soll in vier Jahren abgeschrieben werden. Die Abschreibung erfolgt zu 60 % nach dem Zeitverschleiß (Iinear) und zu 40 % nach dem Leistungsverschleiß (variabel). Im Nutzungszeitraum wird mit nachstehender Gebrauchsinanspruchnahme der Maschine in Betriebsstunden gerechnet. Jahr 1 2 3 4 Leistung 3000 h 2500 h 3200 h 3300 h Berechnen Sie die jährlichen Abschreibungsbeträge während des Nutzungszeitraums der Maschine! Aufgabe 7: Kalkulatorische Zinsen Gegeben sind die nachstehenden Werte aus der Kostenrechnung Betriebsnotwendiges Grundvermögen 200.000 Betriebsnotwendiges abnutzbares Anlagevermögen (Anschaffungswerte) 1.000.000 Betriebsnotwendiges Umlaufvermögen (Durchschnittswerte) 4.200.000 Kundenanzahlung 60.000 Fremdkapital 600.000 Effektiver Fremdkapitalzinssatz 11 % Kalkulatorischer Zinssatz 8 % Berechnen Sie die tatsächlichen und die kalkulatorischen Zinsenl Aufgabe 8: Kalkulatorische Wagniskosten Der Umsatz der Werkzeugbau-GmbH betrug innerhalb der letzten vier Jahre 30 000 000. Dabei entstanden Forderungsverluste von 318 000. Außerdem traten Gewährleistungsansprüche in Höhe von 600 000 auf. In welcher Höhe sind kalkulatorische Wagniskosten für das kommende Jahr anzusetzen, wenn ein Umsatz von 7 000 000 geplant ist. 8