Entsorgung von EPS-Abfällen Aktueller Stand und weitere Entwicklungen BranchenForum 2016: Alles nur Fassade? 24.11.2016 24.11.2016 1
EPS-Hersteller 14 EPS-Hersteller m. 28 Werken sowie Rohstoffhersteller und Maschinenhersteller Industrieverband Hartschaum e.v., Heidelberg Technik, Umwelt, Öffentlichkeitsarbeit Qualitätssicherung 24.11.2016 2
Entsorgung von EPS-Abfällen Jahrzehntelanger unproblematischer Entsorgungsweg Bis Ende September 2016 konnten EPS- Dämmstoffe aus dem Rückbau von Dach- und Gebäudedämmungen gemeinsam mit anderem Abfall zusammen problemlos in zahlreichen deutschen Müllverbrennungsanlage verbrannt werden und zwar als ungefährlicher Abfall. 24.11.2016 3
HBCD-haltige EPS-Dämmstoffe EPS ist wie andere Dämmstoffe auch mit einem Flammschutzmittel ausgerüstet. Das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD o. HBCDD) ist ein Rohstoff-Additiv, welches bei der Rohstoffherstellung dem Polystyrol zugegeben wird. HBCD ist fest in das Polymergerüst eingebunden. Bei der Verarbeitung HBCD-haltiger Abfällen ist keine zusätzlichen Arbeitsschutzausrüstung notwendig HBCD bei EPS Dämmstoffen wurde von IVH-Mitgliedern bis Ende 2014 eingesetzt und fällt heute nur als Abfall bei Rückbau- oder Umbaumaßnahmen an. 24.11.2016 4
Was war passiert? Über Jahrzehnte: Einsatz von EPS/ XPS mit dem Flammschutzmittel HBCD für Dämmanwendungen Mai 2013: HBCD wird durch die Vertragsparteien des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Stoffe als persistenter organischer Schadstoff (Persistant Organic Pollutant kurz: POP) gelistet. Die EU ist verpflichtet, die UN-Listung nach einer Übergangszeit in die europarechtliche Verordnung (EG) 850/2004 (sog. EU-POP-Verordnung) zu übernehmen. 25.09.2015: Der deutsche Bundesrat beschließt im Rahmen der Novelle der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) einen dynamischen Querverweis ( in der jeweils geltenden Fassung ) in Nr. 2.2.3 der Einleitung zur AVV (n.f.) auf die EU-POP-Verordnung. Künftig sollen demnach alle Abfälle, die eine in der EU-POP-Verordnung normierte Konzentrationsgrenze erreichen oder überschreiten, hierzulande automatisch als gefährliche Abfälle gelten. 11.03.2016: Die novellierte AVV vom 04.03.2016 tritt nach ihrer Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft. 24.11.2016 5
Was war passiert? 30.09.2016: Die geänderte Abfallverzeichnisverordnung (AVV) tritt in Kraft: Damit gelten infolge des Bundesratsbeschlusses vom 25.09.2015 Abfälle, die über 1.000 mg/kg HBCD enthalten, in Deutschland als gefährlicher Abfall. Ziel der Änderung der AVV Rückverfolgbarkeit von HBCD sowie Ausschleusung aus dem Stoffkreislauf 24.11.2016 6
Bundesrat entscheidet sich gegen die Empfehlung der Bundesregierung und des Umweltbundesamtes Umweltbundesamt in HBCD - Antworten auf häufig gestellte Fragen, Februar 2014): HBCD-haltige Dämmplatten unterschreiten den maßgeblichen Grenzwert für Gesundheitsschädlichkeit nach 3 Abs. 2 Nr. 4 der Abfallverzeichnis-Verordnung. HBCD-haltige Dämmstoffabfälle sind somit dem Abfallschlüssel 17 06 04 Dämmmaterial mit Ausnahme desjenigen, das unter 17 06 01 und 17 06 03 fällt zuzuordnen. Auch mit einer Umweltrisikobetrachtung der Entsorgung dieses Abfalls ergibt sich keine andere abfallrechtliche Gefährlichkeitseinstufung." (UBA, HBCD - Antworten auf häufig gestellte Fragen, 02/2014) Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage im Bundestag, Februar 2015 Die Bundesregierung hält die Einstufung von gebrauchten HBCD-Platten als gefährlichen Abfall nicht für sinnvoll und erforderlich. (Deutscher Bundestag, Drucksache 18/4129 vom 26.02.2015) 24.11.2016 7
Trotz anerkannter und bewährter Verwertungswege ist vollkommen unnötig ein Entsorgungsnotstand eingetreten Abfallverzeichnis-Verordnung AVV vom 04.03.2016 in Kraft seit 01.10.2016 Abfallschlüssel Abfallbezeichnung 17 06 03* Dämmmaterial, das aus gefährlichen Stoffen besteht oder solche Stoffe enthält (Monochargen) 17 09 03* sonstige Bau- und Abbruchabfälle (einschließlich gemischte Abfälle), die gefährliche Stoffe enthalten Als Entsorgungsweg für EPS-Dämmstoffe mit HBCD steht künftig ausschließlich die Verbrennung in Müllheizkraftwerken (MHKW), die über die entsprechende Sondergenehmigung (Abfallschlüsselnummern 17 06 03* oder 17 09 03*) zur Verfügung. Die HBCD-haltigen EPS-Abfälle dürfen nicht mit nicht gefährlichen Abfällen vermischt werden und müssen in einem separaten Container gesammelt werden. 24.11.2016 8
HBCD-haltige EPS-Abfälle Im Februar 2016 schreibt das UBA: HBCD-haltigen Textilien und Möbeln ist kein Abfallschlüssel als gefährlicher Abfall zugeordnet, d.h. es sind keine Entsorgungsnachweise zu führen. Ebenso sind keine Entsorgungsnachweise für Kleinmengen HBCD-haltiger Dämmstoffabfälle (< 2 Tonnen pro Jahr) zu führen. Aber auch für diese Abfälle gilt die Vorschrift der POP-Verordnung, dass das HBCD in ihnen unumkehrbar zerstört oder umgewandelt werden muss. Hierfür ist die Abfallverbrennung das geeignete Verfahren. (UBA, HBCD - Antworten auf häufig gestellte Fragen, 02/2016) 24.11.2016 9
Entscheidung mit Augenmaß in Österreich 24.11.2016 10
Die Folgen der geänderten AVV in Deutschland Verwertungsanlagen und vorgeschaltete Entsorgungsunternehmen nehmen von jetzt auf gleich keine EPS-Abfälle an. Es wird nicht unterschieden, ob es sich um HBCD-haltige EPS-Abfälle aus Rückbau- oder Umbaumaßnahmen oder ob es unbedenkliche EPS-Abfälle aus Neubaumaßnahmen handelt. Entsorgungskosten steigen immens Handwerker/Entsorger bleiben auf den Abfällen sitzen Baumaßnahmen werden nicht ausgeführt bzw. verzögern sich unnötig. Trotz anerkannter und bewährter Verwertungswege ist auf politischem Wege ungewollt ein vollkommen unnötiger und überflüssiger Entsorgungsnotstand herbeigeführt worden, der nur durch die Politik wieder behoben werden kann. Momentan noch Intransparenz bzgl. Entsorgungssituation in den Ländern Jedoch erfolgten bereits Erlasse und Hinweise zur Entsorgung von EPS in vielen Bundesländer um Entsorgungsnotstand zu lösen 24.11.2016 11
Was passiert aktuell? www.ivh.de 24.11.2016 12
IVH-Hilfestellung Erlasse und Hinweise der Bundesländer Quelle: www.ivh.de 24.11.2016 13
IVH-Hilfestellung Auszug Tabelle Erlasse 24.11.2016 14
IVH-Hilfestellung Übersicht Entsorgung EPS mit HBCD Stand 21.11.16 Quelle: www.ivh.de 24.11.2016 15
EPS-Kennzeichnung von HBCD-haltigen Abfällen Laut REACH müssen HBCD-haltige Dämmstoffe gekennzeichnet sein. Hersteller bzw. Händler müssen über die Verwendung des Stoffes HBCD Auskunft geben. Über ein Online-Formular des Umweltbundesamtes kann der Hersteller, Händler oder Importeur hier angefragt werden. Zudem muss nach der Bauproduktenverordnung die Information mit der Leistungserklärung zum CE- Zeichen den Endverbrauchern bereitgestellt werden. 24.11.2016 16
Neues EPS mit dem Flammschutzmittel Polymer-FR Neu-EPS ist mit dem unbedenklichen Flammschutzmittel Polymer-FR ausgerüstet. Auch dieses Flammschutzmittel ist ein Rohstoff-Additiv, welches bei der Rohstoffherstellung dem Polystyrol zugegeben wird. Die Rohstoffumstellung auf Polymer-FR begann in 2013 und war Ende 2014 abgeschlossen und damit vor dem sogenannten REACH- Sunset in 08/2015! Regelmäßige Prüfungen an am Markt eingekauften EPS-Produkten haben die Umstellung bestätigt! 24.11.2016 17
EPS-Kennzeichnung IVH-Mitglieder sind aktiv Die EPS-Dämmstoffhersteller im IVH produzieren seit Ende 2014 ausschließlich mit Rohstoffen, die mit dem unbedenklichen Flammschutzmittel Polymer-FR ausgestattet sind (HBCD-frei) 24.11.2016 18
EPS-Kennzeichnung Möglichkeiten Die EPS-Dämmstoffe herstellenden Firmen im IVH produzieren seit Ende 2014 ausschließlich mit Rohstoffen, die mit dem REACH unbedenklichen Flammschutzmittel Polymer-FR ausgestattet sind (HBCD-frei) begonnen 1 Jahr vor dem HBCD-Verbot. Folgende Kennzeichnungsmöglichkeiten sind aufgezeigt: 24.11.2016 19
Weitere Schritte Der IVH engagiert sich neben anderen Verbänden aktiv um eine bundeseinheitliche Lösung zur Entsorgung von EPS mit HBCD / Rücknahme des Beschlusses Erarbeitung einer praktikablen Entsorgungslösung mit den MHKW-Betreibern und Entsorgungsbetrieben Information und Aufklärung der Länder und MHKW 24.11.2016 20
Zukünftige Verwertungswege von EPS Der IVH engagiert sich neben anderen Verbänden aktiv an dem europäischen Projekt Bis 2018 soll eine erste Solvolyse-Pilotanlage in Betrieb gehen. Über eine stoffliche Verwertung kann dann der EPS-Ausgangsstoff Polystyrol gewonnen werden. Parallel dazu kann das HBCD zerlegt und damit zerstört werden. Auch EPS mit dem Flammschutzmittel Polymer-FR kann mit dem CreaSolv -Verfahren recycelt werden. 24.11.2016 21
Europäischer Ausstieg aus der Ausnahmegenehmigung Ein Konsortium von Rohstoffherstellern hatte bei der Europäischen Chemieagentur ECHA eine Ausnahmegenehmigung (Authorisierung) zur weiteren Verwendung von HBCD unter sehr hohen Auflagen bis zum 21.08.2017 erreicht. Pressemitteilung vom 28.10.2016 EPS aus Europa ist HBCD-frei, EPS-[Rohstoff-]- Hersteller treten aus der HBCD-Authorisierung aus! 24.11.2016 22
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Stefanie Mohmeyer, s.mohmeyer@ivh.de Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Industrieverband Hartschaum e. V. 24.11.2016 23