Grundkurs Soziologie (GK I) BA Sozialwissenschaften Karl Marx (1818-1883) Kolossalfigur des 19. Jahrhunderts 1. Historischer Materialismus 2. Arbeit als Basis der Gesellschaft 3. Klassen und Klassenkämpfe GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 1
1. Historischer Materialismus 1. Historischer Materialismus Beginn von Marx Werk durch die Auseinandersetzung mit Hegel und dem deutschen Idealismus gekennzeichnet Hegels Philosophie a. Fortschrittslogik der Menschheitsgeschichte als die permanente Auflösung von Widersprüchen Dialektik: These (das Alte) + Antithese (Negation des Alten = das Neue) = Synthese (Aufhebung der Widersprüche auf einer höheren Ebene) b. geistiges ( ideelles ) Prinzip: alle gesellschaftlichen Erscheinungen wie Wirtschaft, Politik oder Recht sind Manifestationen des Weltgeistes Idealismus GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 2
1. Historischer Materialismus Marx Kritik am Idealismus Marx stellt Hegel vom Kopf auf die Füße Dabei bezieht er sich zunächst auf Feuerbach es gibt kein außermenschliches Gestaltungsprinzip gibt (weder Gott noch Weltgeist) sondern: nur der Mensch allein ist Schöpfer seiner Welt Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) Ludwig Feuerbach (1804-1872) GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 3
1. Historischer Materialismus Marx Kritik an Feuberbach Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum inwohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das ensemble der gesellschaftlichen Wirklichkeit. (Marx, Thesen über Feuerbach) Historischer Materialismus historisch = Mensch im geschichtlich-gesellschaftlichen Kontext Materialismus = Mensch als Schöpfer der Welt GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 4
Marx Werk in drei Schritten 1) Historischer Materialismus 2) Arbeit als Basis der Gesellschaft 3) Klassen und Klassenkämpfe GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 5
2. Arbeit als Basis Marx Menschenbild Arbeit als anthropologische Grundvoraussetzung des Menschen: Arbeit ist die tätige Auseinandersetzung mit der Natur der Mensch muss arbeiten um zu überleben (Handlung / Mirko-Ebene) erst durch Arbeit entsteht das, was wir Gesellschaft nennen (Struktur / Makro) Axiome (= ohne Beweis anerkannt) Notwendigkeit der Produktion um Reproduktion zu sichern Notwendigkeit, dies in Kooperation mit anderen zu tun GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 6
2. Arbeit als Basis Produktionsweise der Gesellschaft Produktionsweise = Verhältnis von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen Produktivkräfte = alle konkreten Arbeitsgegenstände Menschliche Arbeitskraft Produktionsmittel wie Kapital, Rohstoffe, Werkzeuge, Maschinen produktive Fähigkeiten (Wissen) menschlicher Arbeitskraft, technische Erfindungen Produktionsverhältnisse die Beziehungen der Gesellschaftsmitglieder untereinander und zu den Produktionsmitteln/Produkten GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 7
2. Arbeit als Basis Basis und Überbau Basis = materielle Produktion Überbau = Staat, Religion, Kunst, etc. In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt. Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt. (Marx, Zur Kritik der politischen Ökonomie) GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 8
Marx Werk in drei Schritten 1) Historischer Materialismus 2) Arbeit als Basis der Gesellschaft 3) Klassen und Klassenkämpfe GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 9
2. Klassen und Klassenkampf Marx dialektisches Geschichtsverständnis Produktivkräfte entwickeln sich weiter und geraten zunehmend in Widerspruch zu den bestehenden Produktionsverhältnissen revolutionäre Spannungen neue Produktionsweise etabliert sich Theorie des sozialen Wandels Marx weist den Produktivkräften und Produktionsverhältnisse jeweils soziale Gruppen als Träger zu = Klassen Klassen = bestimmt durch Stellung im Produktionsprozess u. Eigentumsverhältnisse (Besitz vs. Nicht-Besitz von Produktionsmitteln) Klassenkämpfe als Motor des sozialen Wandels GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 10
2. Klassen und Klassenkampf Gesellschaftsformationen Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. (Marx/Engels) Urgesellschaft: klassenlose Gesellschaft Sklavenhalterordnung: Freier vs. Sklave Feudalismus: Feudalherr vs. Leibeigener Kapitalismus: Bourgeoisie vs. Proletariat Kommunismus: klassenlose Gesellschaft Kritik: Marx beschreibt mit seiner Theorie v.a. den Übergang von der feudalen Agrargesellschaft zur kapitalistischen Industriegesellschaft GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 11
2. Klassen und Klassenkampf Klasse und Bewusstsein Bedingungsfaktoren für die Entstehung von Klassenbewusstsein im Kapitalismus Verschwinden der Übergangs- und Zwischenklassen Homogenisierung und Entfremdung innerhalb der Arbeiterklasse Verelendungs-These: Polarisierung des Reichtums Reservearmee verhindert steigende Löhne in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität Konzentrierung der Arbeiter in den Städten (Elendsviertel) Krisen des Kapitalismus machen die gemeinsame Lage bewusster Aus der Klasse an sich (=gemeinsame Lage) wird eine Klasse für sich (=gemeinsames Bewusstsein) Prognose: Es kommt zur Revolution und nach einer kurzen Diktatur des Proletariats erreicht die Gesellschaft den Endzustand als klassenlosen Gesellschaft GK Soziologie I - Saša Bosančić, M.A. 12