Thermodynamische Diagramme

Ähnliche Dokumente
Gewitter. Physik der Atmosphäre. Überblick. Entstehung Aufbau Gefahren. 1. Wolken: Entstehung eines Gewitters in Bildern. 2. Physik der Atmosphäre:

Musterlösung zu Übung 2: Thermodynamik

Umweltphysik / Atmosphäre V2: Struktur der Atmosphäre WS 2011/12

Erklärungen zu den Radiosondendiagrammen Autor: Volker Ermert Institut für Geophysik und Meteorologie Universität zu Köln Stand:

b ) den mittleren isobaren thermischen Volumenausdehnungskoeffizienten von Ethanol. Hinweis: Zustand 2 t 2 = 80 C = 23, kg m 3

Season Opener 2012 MET

Inhaltsverzeichnis. 4. Register Formelgrößen und Symbole

Inversion/Isothermie:

Aktuelle Vertikalprofile

Das Emagramm Möglichkeiten und Grenzen der Thermikprognose für die Fluggebiete

Die Atmosphäre der Erde (4)

Wetter. YC Bregenz, Christoph Zingerle Arnold Tschofen

Land- Seewind-Zirkulation

Flüssigkeitsteilchen sind frei gegeneinander verschiebbar. Flüssigkeitsoberfläche stets senkrecht zur wirkenden Kraft. F G

Kapitel 9: Der Temperaturgradient, kurz Temp oder Emagramm, und was er bedeutet

Dampfdruck von Flüssigkeiten (Clausius-Clapeyron' sche Gleichung)

1 Thermodynamik allgemein

5.2 Druck in Flüssigkeiten Kap5_2_Druck_in_:Flüss_fs3_06_01_05

Hydrostatik Mechanik von Fluiden im statischen Gleichgewicht. Fluide: Stoffe, die sich unter Einwirkung von Schubspannungen fortlaufend deformieren

Interpretation von Wolkenbildern und Wetterphänomenen für Piloten und Ballonfahrer Dr. Manfred Reiber

Sieben Hauptsünden konservativer Auffassung der Wetterkunde

6 Dynamik der Atmosphäre

Aufgaben zum Stirlingschen Kreisprozess Ein Stirling-Motor arbeite mit 50 g Luft ( M= 30g mol 1 )zwischen den Temperaturen = 350 C und T3

Physik 1. Kinematik, Dynamik.

Einführung in Atmosphäre und Klima

2.2 Arbeit und Energie. Aufgaben

Labilität, Windscherung und Konvektion

Allgemeine Gasgleichung und technische Anwendungen

Die Bedeutung des Windes für das Fliegen und Ballonfahren Wetterkunde von Dr. Manfred Reiber Teil 3

Luftmassen und Fronten

Dr. Manfred Reiber

Übungen zu Physik 1 für Ingenieure Musterlösung Blatt 6

Interpretation von Wolkenbildern und Wetterphänomenen für Piloten und Ballonfahrer Dr. Manfred Reiber

2.7 Hydrostatik Spannung Spannung ist definiert als Kraft pro Fläche,

Das Klima im Exkursionsgebiet

Physik für Mediziner im 1. Fachsemester

Temp-Auswertung mittels pc_met für Drachen- und Gleitschirmflieger. von Dr. Manfred Reiber

Thermodynamik I. Sommersemester 2012 Kapitel 3, Teil 3. Prof. Dr.-Ing. Heinz Pitsch

Modifikation der Strömung über Mittelgebirgen und die Auswirkungen auf das Auftreten hochreichender Konvektion

Physik für Bauingenieure

9.4 Stationäre kompressible Strömungen in Rohren oder Kanälen konstanten Querschnitts

Energie und Energieerhaltung

Einführung in die Meteorologie Teil I. Thermodynamik der Atmosphäre IV

U. Nickel Irreversible Volumenarbeit 91

ST Der Stirling-Motor als Wärmekraftmaschine

Wie kommt der Vorhersagemeteorologe zu einer schlüssigen Wettervorhersage?

Verdunstung von Wasser

Die globale Energiebilanz - Teil I

Wettersysteme HS 2012

Der Millikan-Versuch. Einstiegsfragen. Theorie. betreffenden Feldstärken?

Grundwissen Physik 8. Klasse II

Wettersysteme HS 2012

Von der Schäfchenwolke.

2.6 Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik

Geografie, D. Langhamer. Klimarisiken. Beschreibung des Klimas eines bestimmten Ortes. Räumliche Voraussetzungen erklären Klimaverlauf.

Stickstoff kann als ideales Gas betrachtet werden mit einer spezifischen Gaskonstante von R N2 = 0,297 kj

Aufbau einer Gewitterwolke:

Isotherme 3. 4 Adiabate 2 T 1. Adiabate Isotherme T 2. Arbeit nach außen = eingeschlossene Kurve

2. Lagrange-Gleichungen

Mechanik. Entwicklung der Mechanik

Die Entwicklung des Erde-Mond-Systems

Formel X Leistungskurs Physik 2005/2006

Vorlesung 15 II Wärmelehre 15. Wärmetransport und Stoffmischung

Kühlung: Verdampfer-Kühlschrank: Das Arbeitsgas muss sich bei der gewünschten Temperatur verflüssigen lassen. (Frigen, NH 3, SO 2, Propan)

Gleichförmige Kreisbewegung, Bezugssystem, Scheinkräfte

Eis- und Schneebedeckung im Klimasystem

Aufgabensammlung zum Üben Blatt 1

Zur Erinnerung. Wärmetransport durch: -Wärmekonvektion -Wärmestrahlung -Wärmeleitung. Planck sches Strahlungsgesetz. Stefan-Boltzman-Gesetz

1. Eindimensionale Bewegung

Physik. 1. Mechanik. Inhaltsverzeichnis. 1.1 Mechanische Grössen. LAP-Zusammenfassungen: Physik Kraft (F) und Masse (m) 1.1.

Selbst-Test zur Vorab-Einschätzung zum Vorkurs Physik für Mediziner

5.4. KINETISCHE ENERGIE EINES STARREN KÖRPERS 203. Abbildung 5.12: Koordinaten zur Berechnung der kinetischen Energie (siehe Diskussion im Text)

Ergänzungsübungen zur Physik für Nicht-Physikerinnen und Nicht-Physiker(SoSe 14)

Beachten sie bitte die Punkteverteilung

Probeklausur zur Vorlesung Physik I für Chemiker, Pharmazeuten, Geoökologen, Lebensmittelchemiker

Arbeit und Energie. Brückenkurs, 4. Tag

2.4 Stoßvorgänge. Lösungen

Wie entsteht ein Gewitter?

Luftfeuchtigkeit. Definition

M1 Maxwellsches Rad. 1. Grundlagen

Probeklausur 1 - Einführung in die Physik - WS 2014/ C. Strassert

Physikalische Aspekte der Respiration

Instrumentenpraktikum

Wie kann man die - für das Trocknen wesentlichen - Eigenschaften feuchter Luft quantitativ beschreiben?

2.2 Spezifische und latente Wärmen

W2 Gasthermometer. 1. Grundlagen: 1.1 Gasthermometer und Temperaturmessung

3. Erhaltungsgrößen und die Newton schen Axiome

Tag der offenen Türe Dr. August Kaiser Schadstoffe in der Atmosphäre

Typische Fragen. Fragen und Aufgaben zu den Themenbereichen: 1. Mechanische Energien 2. Gasgesetze 3. Innere Energie 4. Aggregatszustandsänderungen

Praktikum Beobachtungsnetze Versuch A. Remote Sensing. Abbildung 0.1: Quelle:

A 1.1 a Wie groß ist das Molvolumen von Helium, flüssigem Wasser, Kupfer, Stickstoff und Sauerstoff bei 1 bar und 25 C?

a) Welche der folgenden Aussagen treffen nicht zu? (Dies bezieht sind nur auf Aufgabenteil a)

Prof. Dr. Peter Vogl, Thomas Eissfeller, Peter Greck. Übung in Thermodynamik und Statistik 4B Blatt 8 (Abgabe Di 3. Juli 2012)

Versuch V1 - Viskosität, Flammpunkt, Dichte

Überlegungen zur Leistung und zum Wirkungsgrad von Solarkochern

Theoretische Physik I Mechanik Blatt 1

ρ = Versuch 4/1 MOHRSCHE WAAGE Blatt 1 MOHRSCHE WAAGE

Versuchsauswertung: P1-26,28: Aeromechanik

V1 - Dichtebestimmung

Transkript:

Einführung in die Meteorologie eil I hermodynamische Diagramme q = 20 o C d r s = Konst. Abb 5.12 800 mb 900 mb 1000 mb d 10 o C 15 o C 20 o C

Feuchtadiabaten 4 Feuchtadiabat r = r s (p,), dθ/dz > 0. Isotherme r, θ konst. HKN Sättigungsmischungsverhältnis Adiabate Feuchtadiabaten 5 Die Feuchtadiabaten werden in thermodynamischen Diagrammen meist mit der pseudopotentiellen emperatur gekennzeichnet. Die pseudopotentielle emperatur θ e nimmt eine gesättigte Luftmenge an, wenn sie vom Kondensationsniveau solange feuchtadiabatisch aufsteigt, bis der gesamte Wasserdampf kondensiert und ausgefallen ist, und dann trockenadiabatisch auf einen Druck von 1000 mb absinkt. Manchmal gibt man zu den Feuchtadiabaten auch die zugehörige feuchtpotentielle emperatur θ w an. Diese emperatur herrscht in gesättigter Luft, wenn sie feuchtadiabatisch auf das Druckniveau von 1000 mb gebracht wird. Es mub flüssiges Wasser vorhanden sein.

q e, q w feuchter Adiabat gesättigtes Luftpaket = -3 o C trockener Adiabat 850 mb = 5 o C θ w = 5 o C = 20 o C θ e = 20 o C 1000 mb Latente Labilität Die trockenadiabatische emperaturabnahme ist größer als die feuchtabdiabatische emperaturabnahme. Es kann vorkommen, daß die emperaturabnahme in der Atmosphäre zwischen diesen beiden Werten liegt, d. h. die Schichtung ist gleichzeitig trockenstabil und feuchtlabil. Mit anderen Worte, die Schichtug ist stabil, solange bei der Hebung des Luftpakets keine Kondenstaion eintritt. Wenn aber der Wasserdampf im austeigenden Luftpaket kondensiert, wird dabei Wärme frei, das Luftpaket wird wärmer als seine Umgebung und setzt daher seine Vertikalbewegung verstärkt fort. Diese Art der Schichtung nennt man bedingte oder latente Labilität (potential instability auf Englisch).

Latente Labilität2 Wenn von labiler Schichtung gesprochen wird, meint man fast immer latente Labilität, denn eine trockenlabile Schichtung kommt in der freien Atmosphäre praktisch nicht vor. Die latente Labilität wirkt sich erst aus, wenn ein Luftpaket aus irgendeinem Grund, z. B. an Hindernissen, bis zum Kondensationsniveau gehoben wird. Erzwungene Hebung tritt auch an der Vorderseite einer Kaltfront oder Seewindfront ein, wo sich kalte Luft unter warme schiebt. Durch die Sonne stark aufgeheizte Luftpakete haben ebenfalls genügend Auftriebskraft, das Kondensationsniveau zu erreichen. Latente Labilität3 Mit Hilfe eines thermodynamischen Diagramms kann man beurteilen, bis in welche Höhe das Luftpaket seine Vertikalbewegung fortsetzen wird. Ob nur kleine Quellwolken entstehen oder diese bis zur Schauerwolke wachsen, hängt von der vertikalen Mächtigkeit der feuchtlabilen Schicht ab.

Anwendung der thermodynamischen Diagramme Die Radiosondenmessungen (p,, d ) werden in thermodynamische Diagramme eingetragen, um Aussagen über Stabilität bzw. Labilität der atmosphärischen Schichtung machen zu können. In einem thermodynamischen Diagramm läßt sich feststellen, ob ein Luftpaket, wenn es durch irgendeinen atmosphärischen Vorgang gehoben wird, in der neuen Höhe wärmer oder kälter als die umgebende Luft ist. Eine höhere emperatur (geringere Dichte) im Luftpaket hat eine Auftriebskraft nach oben zur Folge, d. h. das Luftpaket setzt seine Vertikalbewegung beschleunigt fort. Wenn die emperatur im Luftpaket nach der Hebung niedriger (die Dichte ist größer) als in der Umgebung ist, wirken rücktreibende Kräfte in Richtung Ausgangsposition. Anwendung der thermodynamischen Diagramme 2 Genaugenommen müßte man bei diesen Betrachtungen statt der emperatur die virtuelle emperatur verwenden. Die Fehler, die durch die Vernachlässigung des virtuellen emperaturzuschlages v = 0,61r entstehen, ist typischerweise kleiner als die Meßgenauigkeit der Radiosonden, auber vielleicht in den ropen. Die atmosphärische Schichtung in der Umgebung eines gehobenen Luftpakets ist stabil, wenn auf das Luftpaket rücktreibende Kräfte wirken; labil, wenn das Luftpaket die Aufwärtsbewegung fortsetzt; indifferent (neutral), wenn die Dichte im Luftpaket gleich der Dichte der Umgebungsluft ist.

Anwendung der thermodynamischen Diagramme 3 Wenn feuchte Luft gehoben ist, kühlt sie über dem Kondensationsniveau die emperatur langsamer ab als bei trockenadiabatischer Hebung. Die atmosphärische Schichtung kann deshalb bezüglich der Vertikalbewegung eines trockenen Luftpakets stabil geschichtet sein, sobald aber Kondensatsion einsetzt, erfährt das vertikal bewegte Luftpaket Auftrieb. Friewerdende Kondensationswärme im Luftpaket setzt die Dichte herab. z Abb 5.10 8 km 5 θ F = 0 o C Feuchtlabil + trockenstabil labil θ F = 20 o C stabil sehr stabil Inversion 1-1 -0.8-0.6-0.4 0 o C/100 m d dz

Anwendung der thermodynamischen Diagramme 4 Verschiedene Vorgänge bei der Untersuchung der Vertikalbewegung mit Hilfe der sogenannten Paketmethode bisher nicht berücksichtigt: Der Vertikalbewegung wirken Reibungskräfte entgegen. Die Hebung des Luftpakets wird in seiner Umgebung durch absinkende Luftströmungen kompensiert. Durch Mischung mit der Umgebungsluft ändert sich der Wasserdampfgehalt und die emperatur im Luftpaket. Die Auftriebskraft wird durch das Gewicht des kondensierten Wassers verringert. Anwendung der thermodynamischen Diagramme 5 Schwerwiegender als diese Vernachlässigungen wirkt sich jedoch bei der Anwendung der Paketmethode für die Wettervorhersage die atsache aus, daß Radiosondenmessungen nur zweimal pro ag durchgeführt werden und deshalb die augenblickliche atmosphärische Schichtung nicht genau bekannt ist. Wie man dennoch aus dem vertikalen emperatur- und aupunktverlauf Rückschlüsse auf Wolkenuntergrenze oder (konvektive) Wolkenentwicklung ziehen kann, soll im folgenden erläutert werden.

Das Hebungskondensationsniveau Das Hebungskondensationsniveau (HKN) ist die Höhe, in der bei erzwungener Hebung der Luft (z. B. Überströmen eines Berges, Aufgleiten von warmer Luft auf kalte Luft) Kondensation eintritt. Es läßt sich in einem thermodynamsichen Diagramm aus der gemessenen emperatur- und aupunktkurve folgendermaßen bestimmen: Bestimmung des Hebungskondensationsniveaus q = Konst. d r s = Konst. 800 mb 900 mb HKN 1000 mb d

Das Hebungskondensationsniveau Die Höhe des HKN hängt vom Ausgangsniveau des gehobenen Luftpakets ab. Die geringste der möglichen Höhen des HKN bestimmt die Wolkenuntergrenze bei erzwungener Hebung. Häufig erreicht aufsteigende bodennahe Luft, die einen hohen Feuchtgehalt und eine niedrige potentielle emperatur hat, das HKN zuerst. Beim Aufgleiten von verschiednen Luftmassen kann es jedoch vorkommen, daß die Hebungsvorgänge die stabil geschichtete Luft in Bodennähe nicht erfassen. Dann muß man das HKN aus emperatur und aupunkt der betreffenden höheren Luftschicht ermitteln. Konvektionskondensationsniveau, Auslösetemperatur Die Erdoberfläche wird bei Sonnenstrahlung erwärmt und dadurch auch die aufliegende Luft. Die entstehende thermsiche Konvektion bewirkt eine von der Bodenoberfläche ausgehende Durchmischung, die im agesverlauf immer höhere Luftschichten erfaßt. Im Konvektionsraum ist die Luft dann trockenadiabatisch geschichtet und die morgendliche Bodeninversion aufgelöst. Haben die im Konvektionsraum aufsteigenden Warmluftpakete relativ hohen Wasserdampfgehalt, führt die trockenadiabatische mperaturabnahme bei der Vertikalbewegung in einem bestimmten Niveau, dem Konvektionskondensationsniveau (KKN), zur Sättigung. In dieser Höhe liegt die Untergrenze der sich bildenden Quellwolken.

Konvektionskondensationsniveau, Auslösetemperatur 2 Bei sonnenreichen Wetterlagen im Sommerhalbjahr steht man vor der Aufgabe, aus einem in der Nacht gemessenen Radiosondenaufstieg (emp) den agesgang der Konvektionsbewölkung vorherzusagen (z. B. Segelflugwetterprognosen). Die Höhe des KKN läßt sich einem thermodynamischen Diagramm auf folgende Weise ermitteln: q = Konst. d r s = Konst. Abb 5.12 800 mb KKN 900 mb 1000 mb d a 10 o C 15 o C 20 o C

Konvektionskondensationsniveau, Auslösetemperatur 2 Zur Quellwolkenbildung kommt es, sobald die Luft am Boden bis zur Auslösetemperatur a aufgeheizt ist. Erst bei dieser emperatur können Luftpakete bis zum KKN trockenadiabatisch aufsteigen. Im thermodynamischen Diagramm erhält man die Auslösetemperatur, indem man Das KKN bestimmt, von dort trockenadiabatisch bis zum Bodenniveau absteigt und am Schnittpunkt rockenadiabate/bodendrucklinie die emperatur abliest. Konvektionskondensationsniveau, Auslösetemperatur 3 Im Bild ergibt sich eine Auslösetemperatur von 20 C, d. h., wenn die emperatur im agesverlauf auf diesen Wert ansteigt, werden sich erste Quellwolken bilden. Wegen der stabilen Schicht über 800 mb können sie nicht weiter in die Höhe wachsen; an diesem ag sind also nur flache Quellwolken zu erwarten. Es kommt auch vor, daß eine derartige Sperrschicht in der Atmosphäre fehlt - dann entstehen immer größere Wolken und evtl. auch Schauer. Manchmal ist die Luft so stabil geschichtet (oder so trocken), daß die Sonneneinstrahlung nicht für die Erwärmung der Luft bis auf die Auslösetemperatur ausreicht. An solchen agen gibt es keine Cumuluswolken.

q = Konst. d Abb 5.12 r s = Konst. 800 mb KKN 900 mb 1000 mb d a 10 o C 15 o C 20 o C Konvektionskondensationsniveau, Auslösetemperatur 3 Bei der Vorhersage der Konvektionsbewölkung muß man auch berücksichtigen, wie die großräumigen Luftbewegungen (Advektion, Absinken, Anhebung) die vertikale Luftschichtung während des ages verändern. Dies läßt sich nur abschätzen, was an manchen agen zu (kleinen) Unstimmigkeiten zwischen Prognose und tatsächlichem Wetter führen kann.

Niveau freier Konvektion Häufig kommt es vor, daß die Luft in Bodennähe schwach stabil geschichtet ist, in höheren Schichten aber (feucht-) labil. Ein Luftpaket könnte nicht von selbst von der Erdoberfläche in die Atmosphäre aufsteigen und die Schichten erreichen, in denen nach oben gerichtete Kräfte wirken. Wenn jedoch das Luftpaket an Unebenheiten im Gelände (oder durch großräumige Hebungsvorgänge) bis zum HKN gelangt, und dann feuchtadiabatisch aufsteigt, erreicht es bei feuchtlabiler Schichtung eine Höhe, in der es eine höhere emperatur (geringere Dichte) als die umgebende Luft hat. Dieses Niveau ist das Niveau freier Konvektion (NFK; auf Englisch: Level of Free Convection, LFC), Niveau freier Konvektion 2 Über dem NFK setzt das Luftpaket seine Vertikalbewegung fort, bis in größere Höhe die emperatur im Luftpaket niedriger (die Dichte größer) als in seiner Umgebung ist und deshalb rücktreibende Kräfte wirken (nächstes Bild). Auf diese Weise können bei hochreichender Labilität kräftige Schauer auch während der Nachtstunden entstehen.

Positive und negative Fläche 500 mb 600 mb 700 mb -20 o C GN -10 o C 0 o C 9 g/kg 10 o C Feuchtadiabate 850 mb d NFK HKN 1000 mb Gleichgewichtsniveau Das Gleichgewichtsniveau (GN) (auf English, Level of Neutral Buoyancy, LNB) ist die Höhe, in der die emperatur in einem aufsteigenden Luftpaket wieder gleich emperatur seiner Umgebung wird. Über dem Gleichgewichtsniveau verringert sich die Auftriebskraft des Luftpaketes, weil es im Vergleich zur Umgebung kälter (schwerer) ist. Das Luftpaket wendet sich etwas oberhalb des Gleichgewichtsniveaus und bewegt sich beschleunigt nach unten. Dabei durchquert es wieder das GN, wird gebremst und beginnt von neuem eine Vertikalbewegung nach oben, d. h. es pendelt um die Gleichgewichtslage. Reibung und Mischung mit der Umgebungsluft führen jedoch dazu, daß das Luftpaket schnell zur Ruhe kommt.

500 mb -20 o C -10 o C 0 o C Feuchtadiabate 8 g/kg 600 mb + 10 o C 700 mb 850 mb d KKN 1000 mb PA, NA - Positive und negative Flächen Die Koordinaten der thermodynamischen Diagramme wurden so gewählt, daß die von der Kurve eines Kreisprozesses eingeschlossene Fläche der verrichteten Arbeit proportional ist. Ich zeige nun, wie man die Fläche zwischen der Hebungskurve eines Luftpaketes (rocken- bzw. Feuchtadiabate, entlang der das Luftpaket aufsteigt) und der Schichtungskurve (emperaturverlauf in der Umgebung des Luftpaketes) interpretieren kann. Ein Luftpaket (Masse m, Volumen V, Dichte ρ) soll in der Höhe z mit der Geschwindigkeit w aufsteigen. Die Dichte der Umgebungsluft betrage ρ 0 (z). Das Zweite Newton sche Gesetz lautet für dieses Luftpaket:

Positive und negative Flächen 2 dw m dt = resultierende Kraft in der Höhe z Wenn man die Reibungskräfte vernachlässigt, ergibt sich die resultierende Kraft aus der Differenz der nach oben wirkenden Druckgradientkraft ( dp/dz)v und der nach unten gerichteten Gewichtskraft ρgv. Angenommen das Luftpaket hat die Form eines Zylinders mit Höhe dz und Querschnittsfläche A dp [p(z) p(z+ dz)]a dz A dz dp = V dz p(z + dz)a ρgv p(z)a Positive und negative Flächen 3 dw dw dp m =ρ V = V+ρgV dt dt dz Da w von der Höhe abhängt, folgt für die Vertikalbeschleunigung des Luftpaketes dw dw dz dw = = w dt dz dt dz ρ dw dp w g dz = dz ρ Der Druck p im Luftpaket gleicht sich während der Vertikalbewegung schnell dem äußeren Luftdruck an. Die Druckänderung im Luftpaket ist demnach gleich der vertikalen Druckänderung in der Umgebungsluft dp/dz = g ρ 0 (z).

Positive und negative Flächen 4 ρ dw dp w g dz = dz ρ d 1 w 2 = g dz 2 ( ρ ρ) d. h. die vertikale Änderung der kinetischen Energie pro Kilogramm des Luftpaketes ist gleich der Auftriebskraft pro Einheitsmasse. Integration von der Höhe A bis zur Höhe B liefert ZB 2 2 ( ρ ρ) 0 wb wa = g dz z 1 1 2 2 A 0 ρ ρ Positive und negative Flächen 5 Mit Hilfe der hydrostatischen Gleichung in der Form α 0 dp = gdz und der Beziehung läßt sich die rechte Seite so umfassen pb 1 2 1 2 2 B 2 A 0 pa w w = ( α α)dp die Änderung der kinetischen Energie zwischen A und B entsteht dadurch, daß die Auftriebskraft am Luftpaket Arbeit verrichtet. Die Gleichung zeigt, daß in einem pα-diagramm die Fläche zwischen der Schichtungskurve α 0 (p) und der Hebungskurve α(p) der bei der Vertikalbewegung umgesetzen Arbeit entspricht. Dies gilt nicht nur im pα-diagramm sondern auch in den durch flächentreue ransformation entstandenen thermodynamischen Diagrammen.

Positive und negative Flächen 6 Die Größe der Fläche ist ein Maß dafür, wie stark sich die kinetische Energie des Luftpakets ändert. Man unterscheidet zwischen negativen (bei Abnahme der kinetsichen Energie) und positiven Flächen (bei Zunahme der kinetischen Energie). 500 mb -20 o C -10 o C 0 o C Feuchtadiabate 8 g/kg 600 mb + 10 o C 700 mb 850 mb d KKN 1000 mb PA, NA -

Negative Flächen Ist das Luftpaket kälter bzw. schwerer (ρ > ρ 0 ) als die Umgebungsluft und die Auftriebskraft negativ, verringert sich die Vertikalgeschwindigkeit; unter Umständen kehrt das Luftpaket zum Gleichgewichtsniveau zurück. Bei dieser stabilen Schichtung sind Vertikalbewegungen nur bei Energiezufuhr (Sonneneinstrahlung, Hebung and einem Hindernis) möglich. Man bezeichnet die Flächen zwischen Hebungs- und Schictungskurve, die eine aufzuwendende Energie (Stabilitätsenergie) darstellen, als negative Flächen. Positive Flächen Wenn das Luftpaket wärmer bzw. leichter (ρ < ρ 0 ) als die Umgebungsluft ist, steigt es wegen positiven Auftriebskraft beschleunigt in die Höhe. In diesem Fall entspricht die Fläche zwischen Hebungs- und Schichtungskurve freiwerdender Energie (Labilitätsenergie) und wird positive Fläche genannt. Beispiele für negative bzw. positive Flächen zeigen die Abbildungen Die bodennahe negative Fläche in Abbildung nennt man auch Auslöseenergie (vgl. Abschnitt zur Auslösetemperatur).

Positive Flächen Die positive Fläche (PF) ist (in erster Näherung) proportional zur kinetischen Energie, die durch die Auftriebskräfte erzeugt werden. Die negative Fläche (NF) ist andererseits proportional zum Arbeitsaufwand, der notwendig ist, das Luftpaket bis zum NFK zu heben. Als CAPE (Abkürzung für Convective Available Potential Energy ) bezeichnet man gerade jenen (Netto-) Energiebetrag, der freigesetzt wird beim gesamten Aufstieg des Luftpakets. CAPE entspricht gerade der Differenz von PF - NF in einem flächentreuen aerologischen Diagramm. + -