Grußwort der Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, Sylvia Löhrmann Eröffnung der Ausstellung LITERARISCHE BILDER DES HOLOCAUST. DIE PASSAGIERIN VON ZOFIA POSMYSZ 27. Januar 2017 Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum Solingen
2 Sehr geehrter Herr Kaumkötter, sehr geehrte Frau Dr. Potocka, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr Prof. Wilhelm, lieber Herr Szuster, liebe Gäste, und vor allem: liebe Frau Posmysz, ich bedaure außerordentlich, heute nicht persönlich dabei zu sein bei diesem für mich in doppelter Hinsicht besonderen Anlass besonders deshalb, weil mich mit der Hauptperson des heutigen Abends inzwischen so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung verbindet. Und weil Zofia Posmysz mit dieser Ausstellung in gewisser Weise in meine Heimatstadt Solingen kommt. Dass Sie, liebe Frau Posmysz, heute Abend persönlich gekommen sind, ist mir eine große Ehre und Freude. Wie gerne hätte ich Sie auch persönlich begrüßt und willkommen geheißen hier im Zentrum für verfolgte Künste im Kunstmuseum Solingen!
3 Stattdessen sende ich Ihnen allen zur heutigen Eröffnung der Ausstellung LITERARISCHE BILDER DES HOLOCAUST. DIE PASSAGIERIN VON ZOFIA POSMYSZ herzliche Grüße aus Israel, von einer Fahrt zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. So sind wir zwar an verschiedenen Orten, aber in gemeinsamer Mission unterwegs: Erinnern für die Zukunft. Gestern konnten Sie Frau Posmysz im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen erleben. Morgen findet dort die Premiere einer Neuinszenierung der Oper Die Passagierin statt. Dazu wurde mit zahlreichen Kooperationspartnern ein umfangreiches und vielseitiges Rahmenprogramm auf die Beine gestellt, zu dem auch diese Ausstellung gehört. Dafür möchte ich allen Beteiligten sehr herzlich danken! Wenn das Echo ihrer Stimmen verhallt ist der Titel des Rahmenprogramms, nach dem Motto der Oper doch der Satz geht dort noch weiter: Wenn das Echo ihrer Stimmen verhallt, gehen wir zugrunde.
4 Es ist ein Appell an das Gedächtnis und das Gewissen eines jeden von uns: Wir müssen uns an das Vergangene erinnern, damit sich die Schrecken der Vergangenheit niemals wiederholen. Wir müssen uns erinnern für die Zukunft. Erinnerungskultur ist ein wichtiger Teil der historischpolitischen Bildung an unseren Schulen. Denn die Schülerinnen und Schüler müssen über die Schrecken des Holocaust erfahren, sie müssen sich mit diesem dunklen Teil unserer Geschichte auseinandersetzen, um zu erkennen, dass Werte wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechte nicht selbstverständlich sind. Dass wir uns dafür immer wieder einsetzen müssen. Und dass es sich lohnt weil die Alternative Diktatur, Gewalt und Willkür wären. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus Nordrhein- Westfalen hatten das Glück, Frau Posmysz in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz deren Leiter Herr Szuster heute auch anwesend ist als Zeitzeugin zu erleben. Sie erzählt dort immer wieder ihre eigene, schmerzhafte Geschichte von der 18- jährigen Polin Zofia, die aus purer Willkür ins Lager kam
5 und überlebte. Auch Geschichten von Menschlichkeit unter unmenschlichen Bedingungen. Ich habe selbst mehrfach erlebt, wie beeindruckt und berührt die Schülerinnen und Schüler von Zofia Posmysz waren, von ihrer Geschichte, aber vor allem von ihrer menschlichen Größe: Nicht Verbitterung und Hass, sondern Freundlichkeit und Zugewandtheit strahlt diese außergewöhnliche Frau aus, wenn sie den Besucherinnen und Besuchern der Gedenkstätte Auschwitz begegnet. Ihr eigenes Motto, das lebt sie uns vor: Vergessen darf man nie, aber man muss vergeben. Ich wünsche Ihnen noch eine schöne Ausstellungseröffnung und der Ausstellung, der Oper und allen anderen Veranstaltungen des Rahmenprogramms zahlreiche Besucherinnen und Besucher!