Division Mobility Hintergrund- Information München, 2. Juni 2016 Der Velaro von Siemens im weltweiten Einsatz Als Technologietreiber gibt Siemens der Entwicklung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs auf der Schiene bis heute entscheidende Impulse. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 350 Kilometern pro Stunde ist der von Siemens in Eigenregie entwickelte Velaro einer der schnellsten Serientriebzüge der Welt. Aufgrund seines Plattform-Konzeptes kann er an unterschiedliche Bahnnetze und verschiedene Kundenbedürfnisse angepasst werden. Fahrzeuge aus der Velaro- Familie sind weltweit im Einsatz: für die spanische Staatsbahn (Renfe) seit 2007, für das chinesische Eisenbahnministerium seit 2008 sowie für die Russische Eisenbahn (RZD) seit 2009. Im Jahr 2013 nahmen Hochgeschwindigkeitszüge dieses Typs für die Deutsche Bahn den Betrieb auf. Die Türkische Staatsbahn (TCCD) startete im Mai 2015 den Fahrgasteinsatz. Im Dezember 2015 nahm der Velaro für die Eurostar International Limited den Verkehr durch den Eurotunnel zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland auf. Weltweit hat Siemens 823 Fahrzeuge mit Velaro-Technik verkauft. Davon sind 143 komplette Velaro-Züge und die restlichen 680 mit Velaro-Komponenten ausgestattete Zugsätze. Die Triebzugtechnik des Velaro Der Velaro verfügt über einen technologischen Erfahrungsvorsprung. Den Sprung von der konzentrierten Traktion mit Triebkopf hin zur verteilten Traktion hat Siemens schon Ende der 1990er Jahre getan. Generell gibt es zwei verschiedene Arten, Züge auf der Schiene fortzubewegen: Die Push-Pull-Technik mit Hilfe von Lokomotiven und die Triebzugtechnologie. Der erste europäische Hochgeschwindigkeitstriebzug mit verteilter Traktion ging als ICE 3 zur Expo 2000 in Betrieb. Technologisch basiert die Velaro-Plattform von Siemens auf konsequenten Weiterentwicklungen des erfolgreichen Triebzugkonzeptes ICE 3 der Deutschen Bahn. Siemens AG Communications Wittelsbacherplatz 2 80333 München Deutschland Seite 1/6
Beim Velaro sind wie beim erfolgreichen Triebzugkonzept ICE 3 die Antriebskomponenten und Technikmodule (beispielsweise Fahrmotoren, Bremsen und Transformatoren) unter dem gesamten Zug verteilt angebracht und nicht wie bei herkömmlichen Zügen in Lokomotiven vorne oder am Ende des Zuges. Dies ermöglicht bei gleicher Zuglänge bis zu 20 Prozent mehr Platz für Passagiere. 50 Prozent der Achsen werden beim Velaro angetrieben, so dass er aufgrund der besseren Antriebsverteilung schneller beschleunigen und steilere Streckenabschnitte befahren kann. Die gleichmäßige Gewichtsverteilung reduziert zudem das Gewicht auf dem einzelnen Radsatz. Das führt zu weniger Verschleiß und schont damit sowohl die Schienen als auch die Räder des Zugs. Velaro T für die Türkei Die türkische Staatsbahn TCDD erteilte im Mai 2013 Siemens einen Auftrag über einen ersten Zug auf Basis des Velaro D. Es folgte ein Auftrag über weitere sechs achtteilige Hochgeschwindigkeitszüge. Die Verträge beinhalten darüber hinaus eine bis zu siebenjährige Instandhaltungsvereinbarung inklusive der Ersatzteile und die Lieferung eines Fahrsimulators. Für die Erfüllung des ersten Auftrags wurde ein Velaro aus der laufenden Fertigung für den Betrieb in der Türkei umgerüstet und innerhalb von 180 Tagen geliefert. Dieser Zug nahm am 24. Mai 2015 den Seite 2/6
Fahrgastbetrieb zwischen Ankara und Konya auf. Die Lieferung der sechs weiteren Züge hat begonnen und wird Jahr 2017 abgeschlossen sein. Velaro Eurostar für den Eurotunnel Im Dezember 2010 bestellte Eurostar International Limited zehn Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro Eurostar bei Siemens. Im Januar 2015 folgte die Bestellung weiterer sieben Züge. Die jeweils 400 Meter langen, 16-teiligen Fahrzeuge bieten Sitzplätze für bis zu 950 Fahrgäste und erreichen mit einer Leistung von 16.000 Kilowatt eine Höchstgeschwindigkeit von 320 Kilometern pro Stunde. Seit Dezember 2015 ergänzen sie die bestehende Eurostar-Flotte auf der Strecke Paris London. Die Strecke Amsterdam Brüssel London wird folgen. Neue Kommunikations- und Entertainmentsysteme bieten den Passagieren dabei Internetanschluss und Videofilme. Neben der Lieferung der Züge übernahm Siemens auch den Umbau des Eurostar-Depots Temple Mills bei London sowie eine zehnjährige Unterstützung der Instandhaltung. Ab Sommer 2016 beginnt die Lieferung der zweiten Tranche also bereits 16 Monate nach Beauftragung durch Eurostar Internationl Ltd. Die Fertigung der zweiten Tranche erfolgt genauso wie die erste Tranche derzeit im Werk Krefeld. Velaro D für Deutschland Im Dezember 2008 bestellte die Deutsche Bahn AG bei Siemens 15 Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro D mit einem Volumen von rund 500 Millionen Euro; zwei Züge wurden später nachbestellt. Die Viersystem-Züge werden von der Deutschen Bahn als neuer ICE 3 der Baureihe 407 weitergeführt. Der Velaro D ist das erste Mitglied aus der vierten Velaro-Generation. Die achtteiligen Züge werden für den grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Deutschland und Frankreich eingesetzt und sind dafür mit allen relevanten europäischen Zugsicherungssystemen ausgestattet. Zukünftig sollen sie auch nach Belgien verkehren. Sie sind bis zu 320 Kilometer pro Stunde schnell und haben eine Leistung von 8.000 Kilowatt, was rund 11.000 Pferdestärken entspricht. 460 Sitzplätze bietet der 200 Meter lange Zug in insgesamt zwei Klassen und einem Bordrestaurant. Zudem gibt es leicht zugängliche Plätze für Rollstuhlfahrer. Velaro RUS für Russland Im Jahr 2006 bestellte die Russische Eisenbahn (RZD) acht Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro RUS, die bei der RZD unter dem Seite 3/6
Namen Sapsan verkehren (russisch für Wanderfalke ). Fünf Jahre später, im Dezember 2011, erfolgte die Bestellung weiterer acht Velaro RUS. Die ersten Züge gingen im Dezember 2009 in Betrieb und verkehren heute zuverlässig mit einer Pünktlichkeit von rund 99 Prozent zwischen Moskau, Sankt Petersburg und Nischni Nowgorod. Bei einer betrieblichen Höchstgeschwindigkeit von 250, die auf 300 Kilometer pro Stunde aufgerüstet werden kann, reduziert sich die Fahrzeit auf der Strecke Moskau Sankt Petersburg um 45 Minuten. Der Velaro RUS bietet in zehn Wagen Platz für mehr als 600 Fahrgäste. Alle Elemente des Zugs wie Technik, Isolation und Schmierstoffe sind an die extremen klimatischen Bedingungen in Russland angepasst. So ist der Sapsan bei Außentemperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius betriebsfähig. Um die Traktionskomponenten vor Vereisung und Schneeverwehungen zu schützen und gleichzeitig ausreichend zu kühlen, wird im Winterbetrieb die Kühlluft durch spezielle Luftkanäle vom Dach in die dichten Bodenwannen geleitet. Auch das Material der Drehgestelle wurde weiterentwickelt und musste den Nachweis für Festigkeit bei den extremen Minustemperaturen erbringen. Mit seinen verbreiterten Drehgestellen ist der Velaro RUS für die russische Breitspur (1520 Millimeter) ausgelegt und rund 33 Zentimeter breiter als der ICE 3. Im Gegensatz zu den anderen Velaro-Zügen hat die russische Variante zehn Wagen und ist deshalb 50 Meter länger als beispielsweise der Velaro E der spanischen Staatsbahn. Ein Teil der Velaro-RUS-Flotte ist sowohl auf Gleich- als auch auf Wechselstrom-Strecken einsetzbar. Wie die erste, so fertigte Siemens auch die zweite Velaro-Tranche für Russland in seinem Werk in Krefeld und hält alle Züge für die Dauer von 30 Jahren instand. Zusammen belaufen sich die Auftragswerte für 16 Züge und deren Instandhaltung auf rund 1,2 Milliarden Euro. Velaro CN für China Im November 2005 bestellte das chinesische Eisenbahnministerium (MoR) 60 Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro CN alias CRH3, die mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde unterwegs sind. Die ersten fünf Züge gingen pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen in Peking im August 2008 in Betrieb. Seitdem verbinden sie Peking mit Tianjin in nur 30 Minuten Fahrzeit und im Zehn-Minuten- Takt. Gegenüber der europäischen Variante ist der Wagenkasten des Velaro CN 3265 Millimeter breit statt, wie in Europa üblich, 2950 Millimeter. Auf einer Gesamtlänge von 200 Metern haben mehr als 600 Fahrgäste Platz. Siemens baute die Züge zusammen mit seinem chinesischen Partnerunternehmen Tangshan Locomotive & Rolling Stock Works. Der Siemens-Anteil betrug rund 670 Millionen Seite 4/6
Euro. Zusammen mit chinesischen Partnern lieferte Siemens Velaro-Komponenten für weitere 680 Züge. Velaro E für Spanien Den ersten Auftrag für den Velaro erhielt Siemens 2001 aus Spanien: Die Staatsbahn Renfe bestellte 16 Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Velaro E mit einem Auftragsvolumen von rund 700 Millionen Euro inklusive Instandhaltung der Züge für die Dauer von 14 Jahren. Im März 2004 orderte Renfe zehn weitere Garnituren. Der Velaro E, in Spanien als AVE S 103 bekannt, ist mit einer Betriebsgeschwindigkeit bis zu 350 Kilometer pro Stunde unterwegs. Im September 2006 erreichte der Velaro E auf einer Testfahrt ohne technische Modifikationen sogar die damalige Weltrekordgeschwindigkeit für Serienzüge von 404 Kilometern pro Stunde. Insgesamt 404 Passagiere finden in dem achtteiligen, 200 Meter langen Zug Platz in den drei Klassen Club, Preferente und Turista. Seit Februar 2008 fährt der Velaro E auf der 625 Kilometer langen Strecke zwischen Madrid und Barcelona in einer Fahrzeit von 2 Stunden und 38 Minuten. Der Velaro E hat heute eine exzellente Zuverlässigkeit von rund 99 Prozent: Zwischen zwei technischen Problemen, die zu mehr als zehn Minuten Verspätung führen, liegen etwa 1,4 Millionen Kilometer oder fast vier Jahre Betrieb. Seit Betriebsbeginn erhöhte sich der Marktanteil der Bahn für die Strecke von rund 11 auf etwa 50 Prozent; der Marktanteil des Flugzeugs ging entsprechend zurück. Ansprechpartner für Journalisten: Ellen Schramke, Tel.: +49 30 386 22370 E-Mail: ellen.schramke@siemens.com Folgen Sie uns auf Twitter: www.twitter.com/siemensmobility Die Siemens AG (Berlin und München) ist ein führender internationaler Technologiekonzern, der seit mehr als 165 Jahren für technische Leistungsfähigkeit, Innovation, Qualität, Zuverlässigkeit und Internationalität steht. Das Unternehmen ist in mehr als 200 Ländern aktiv, und zwar schwerpunktmäßig auf den Gebieten Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Siemens ist weltweit einer der größten Hersteller energieeffizienter ressourcenschonender Technologien. Das Unternehmen ist Nummer eins im Offshore-Windanlagenbau, einer der führenden Anbieter von Gas- und Dampfturbinen für die Energieerzeugung sowie von Energieübertragungslösungen, Pionier bei Infrastrukturlösungen sowie bei Automatisierungs-, Antriebs- und Softwarelösungen für die Industrie. Darüber hinaus ist das Unternehmen ein führender Anbieter bildgebender medizinischer Geräte wie Computertomographen und Magnetresonanztomographen sowie in der Labordiagnostik und klinischer IT. Im Geschäftsjahr 2015, das am 30. September 2015 endete, erzielte Siemens einen Umsatz von 75,6 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 7,4 Milliarden Euro. Ende September 2015 hatte das Seite 5/6
Unternehmen weltweit rund 348.000 Beschäftigte. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.siemens.com. Seite 6/6