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AUSVERKAUF DER MEERE Bedrohter Fisch in Österreichs Supermärkten Impressum: Ein Bericht von Greenpeace in Zentral- und Osteuropa Siebenbrunnengasse 44, 1050 Wien, Österreich Tel.: ++43-1-545 45 80 Fax: ++43-1-545 45 80 98 office@greenpeace.at http:// Mai 2006 Layout: www.ichdesign.biz

MEERE IN SEENOT Rund 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Meeren bedeckt. Mit ihren riesigen, oft unerforschten Tiefen galten sie lange Zeit als unendliche Ressource. Doch die zeitlich unbeschränkte, grenzenlose Ausbeutung der Meere hat sich als Illusion entpuppt: Unsere Ozeane stecken tief in der Krise. Verantwortlich dafür ist - neben den Folgen des Klimawandels - die industrielle Fischerei. Wie ernst die Situation ist, zeigt eine Studie der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen. 76 Prozent der Philip Reynaers/Greenpeace Davison/Greenpeace wirtschaftlich wichtigen Fischbestände sind demnach bereits geschädigt. Davon sind wiederum 52 Prozent komplett ausgebeutet, 16 Prozent überfischt und 8 Prozent erschöpft. Tunfisch, Schwertfisch, Dorsch und Heilbutt befinden sich ebenfalls schwer in Bedrängnis ihre Bestände wurden weltweit um 90 Prozent reduziert. Andere Fischbestände sind bereits zusammengebrochen - wie etwa der Dorschbestand im Gebiet der Neufundlandbank im Nordwestatlantik. Verschärft wird das Problem der Überfischung durch unselektive und zerstörerische Fischereimethoden. Bis zu 39 Millionen Tonnen Beifang allein an Fisch gehen jedes Jahr tot wieder über Bord. Hinzu kommen unzählige Schildkröten, Seevögel, Robben, Wale und Delfine, die in Schleppnetzen, Stellnetzen und an Langleinen qualvoll verenden. 2

KATASTROPHALE FISCHE & MEERESFRÜCHTE IN ÖSTERREICH Der Fischführer von Greenpeace Fisch & Facts reiht 38 Speisefische hinsichtlich der Kriterien Bestandslage, Haltung, Fangmethoden und Umweltauswirkungen. Je nach der aktuellen Situation werden Fischarten als akzeptabel, kritisch oder katastrophal bewertet. Die im Folgenden aufgelisteten und auch in Österreichs Supermärkten angebotenen Fische fallen in die Kategorie katastrophal. Greenpeace rät vom Kauf und Verkauf dieser Fische ab. Atlantischer Lachs Dornhai und andere Haie Heilbutt Hoki Kabeljau / Dorsch Schellfisch Neuseeländischer Sankt Petersfisch Rotbarsch Scholle Seezunge Seehecht Shrimps / Kaisergranat Tunfisch / Bonito Schwertfisch Viktoriabarsch Fisch Illustration.Lachs Sonia Schadwinkel/Greenpeace Einzelne regionale Bestände der aufgelisteten Fischarten können durchaus in einem stabileren Zustand sein. Dazu gehören beispielsweise Lachs und Kabeljau aus dem Pazifik. Dieses wird jedoch nur von den wenigsten Supermärkten in ihrer Einkaufspolitik berücksichtigt. 3

ÖSTERREICHS SUPERMÄRKTE TRAGEN VERANTWORTUNG Die Situation der weltweiten Fischbestände drängt zum Handeln. Doch obwohl Organisationen wie Greenpeace seit etlichen Jahren Beschränkungen von Fangquoten, Verbote zerstörerischer Fischereimethoden und die Einrichtung großflächiger Meeresschutzgebiete fordern, werden kaum Maßnahmen zur Bewältigung der Krise gesetzt. Bislang konnte die Fischereiindustrie nicht davon überzeugt werden, die erforderlichen Veränderungen selbst zu initiieren. Deshalb muss nun der Handel aktiv werden. Es sind die Supermärkte, die den Großteil der Fischprodukte, die wir verzehren, einkaufen und verkaufen. Sie haben die Macht, nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Fischereierzeugnissen war in Österreich 1999 mit 11,4 Kilo der niedrigste im europäischen Vergleich. Überschlagsartige Berechnungen legen jedoch nahe, dass der Fischkonsum in Österreich von 1999 bis heute deutlich angestiegen ist und die Österreicher den Deutschen heute kaum mehr in punkto Fischkonsum nachstehen. Der Konsum an Tiefkühlfisch in Österreich stieg in den letzten Jahren sogar rasant an. Trotz dieser Entwicklung scheint bei Österreichs Supermärkten kein Bewusstsein für die Notwendigkeit eines nachhaltigen Fischangebots vorhanden zu sein. Bei einer von Greenpeace Anfang 2006 durchgeführten Befragung hielten zahlreiche Supermärkte es nicht für erforderlich, eine Antwort zu geben. Viele von denen, die geantwortet haben, haben sich bislang gar nicht oder kaum mit dem Thema beschäftigt. Teresa Novotny/Greenpeace 4

WAS SIND NACHHALTIGE FISCHE & MEERESFRÜCHTE? Wird einem Fischbestand immer nur so viel entnommen, dass er wieder nachwachsen kann und damit für zukünftige Generationen erhalten bleibt, dann spricht man von Nachhaltigkeit. Zudem dürfen anderen Arten im Ökosystem oder die Meeresumwelt bei der Befischung nicht zu Schaden kommen. RANGLISTE DES NACHHALTIGEN FISCHEINKAUFS In der folgenden Tabelle sind vierzehn österreichische Supermarktketten hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitspolitik bei Fischen & Meeresfrüchten gereiht. Zur Vergleichbarkeit wurde die vorbildhafte Bewertung der britischen Supermarktkette Marks & Spencer aus dem Bericht A Recipe for Disaster von Greenpeace Großbritannien mit aufgenommen. Je mehr Gesamtpunkte ein Supermarkt hat, desto nachhaltiger sein Einkauf von Meeresprodukten. Germain/Greenpeace 5

UNTERNEHMEN Marks & Spencer Lidl Austria GmbH MPreis Warenvertriebs GmbH Norma GmbH & Co KG Hofer KG KATEGORIE Sutterlüty Handels Gmbh Zielpunkt Warenhandel Gmbh &Co KG (Zielpunkt, Plus) Rewe Austria AG (Merkur, Billa, Pennymarkt ehem. Mondo) Spar Österreich Warenhandels AG (Spar, Eurospar, Interspar, Spar Gourmet) Metro Cash & Carry Österreich Julius Kienast (Nah & Frisch) Maximarkt Handels- Gesellschaft m.b.h. Firmengruppe Kastner (Kastner, Nah & Frisch) Pfeiffer Handels GmbH (Nah & Frisch, Unimarkt, C+C Pfeifer, Pro Kaufland) Handelshaus Wedl (Nah & Frisch, C+C Wedl, Wedl & Dick) ADEG Österreich AG (ADEG, AGM, Edeka, E-Center) Unterstützung nachhaltiger Initiativen Kennzeichnung und Bewerbung nachhaltiger Produkte Verkauf katastrophaler Fischarten Fischeinkaufspolitik GESAMT- PUNKTE (maximal 20) 5 5 4 3 17 2 1 1 4 8 1 1 1 2 5 0 0 0 3 3 0 0 0 3 3 0 0 0 3 3 1 0 0 2 3 1 0 2 0 3 0 1 0 1 2 1 0 1 0 2 0 0 0 2 2 0 0 0 2 2 0 0 0 1 1 0 0 0 1 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Kategorie 1-3 0 - Keine 1 - Kaum 2 - Wenig 3 - Mittel 4 - Gut 5 - Ausführlich Kategorie 4 0 - Mehr als 12 der 1-10-12 2-7-9 3-4-6 4-1-3 5 - Keine der katastrophalen Fischarten werden verkauft katastrophalen Fischarten wird verkauft Bei einer abschließenden Gesamtbewertung werden die Punktezahlen aller Kategorien addiert. Die zu erreichende Maximalpunktezahl beträgt 20 Punkte. 6

ADEG - KEIN PROBLEMBEWUSSTSEIN? Die ADEG Österreich AG belegt den letzten Platz der Rangliste. Das Unternehmen verkauft die gesamte Palette der von Greenpeace als katastrophal eingestuften Fischarten. Auch hat es keine Informationen über eine etwaige Fischeinkaufspolitik übermittelt. Dieses lässt annehmen, dass sich das Unternehmen bislang nicht mit dem Thema nachhaltiger Fischeinkauf beschäftigt haben. ADEG muss schnellstmöglich eine nachhaltige Fischeinkaufspolitik erarbeiten. Greenpeace 7

SUPERMÄRKTE SIND GEFORDERT! Greenpeace fordert Österreichs Supermärkte auf, konkrete Maßnahmen zu setzen: SORTIMENT BEREINIGEN - Fische, die in die Kategorie katastrophal fallen, sollten nicht länger angeboten werden. GUTEN FISCH FÖRDERN - das Sortiment von Fischen & Meeresfrüchten aus nachhaltiger Bewirtschaftung sollte erweitert und beworben werden. AKTIV EINFLUSS NEHMEN Supermärkte nehmen eine wichtige Position in der Produktlinie ein. Sie können Veränderungen hin zu einer nachhaltigen Fischereipraxis bewirken, indem sie Druck auf Lieferanten und Fischindustrie ausüben. Des weiteren sollten sie ihre Kunden über die angebotenen Fische und Meeresfrüchte, sowie ihre Fischeinkaufspolitik informieren. Aktuelle Informationen und Aktionsmöglichkeiten zum Thema finden Sie im Internet unter: www.marktcheck.at 8