Sachbericht Sachbericht Inhalte: Aus- und Fortbildung von Teamer-innen und Jugendleiter-inne-n, speziell für blinde, sehbehinderte und sehende Jugendliche; Durchführung einer integrativen Ferienfreizeit; Erstellung eines Leitfadens für blinde und sehende Jugendliche für Hannover Sachbericht Ziele: Im Projekt sollen Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung abgebaut werden. Menschen mit und ohne Behinderung sollen voneinander lernen und sich gegenseitigen respektieren. Durch eine JuleiA, ein Wochenende mit Teens, eine Fortbildung für Teamer, die Vorbereitung der Freizeit sowie die integrativen Freizeit selber, wurden Vorurteile abgebaut. Durch die Anwesenheit von blinden und sehbehinderten Jugendlichen konnte beim Teenswochenende, bei der JuleiA und bei der integrativen Freizeit ein voneinander Lernen stattfinden. Bei der Fortbildung waren ausschließlich sehende TeamerInnen anwesend. Ziel ist es Räume zu schaffen, in denen blinde und sehende Jugendliche gemeinsam und miteinander Erfahrungen machen können. Ihre Freizeit und auch ehrenamtliche Zeit können sie zusammen verbringen. Räume wurden geschaffen. So konnten blinde bzw. sehbehinderte Jugendliche bei verschiedenen Veranstaltungen (Teenswochenenden, JuleiA, Bundestreffen NFJD, Sommerfest, Ferienfreizeit...) integriert werden. Des weiteren sollen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Sehbehinderung in die Jugendverbandsarbeit integriert werden. Dadurch sollen den Beteiligten alternative Formen der Freizeitgestaltung außerhalb von Computer und Handy näher gebracht werden. 1
Neue Menschen mit Behinderung konnten während der Ferienfreizeit integriert werden. Insgesamt konnten bereits vorhandene Kontakte ausgebaut und weiter vertieft werden. Als schwierig hat sich erwiesen neue Kontakte zu knüpfen, da: - es wenig blinde und sehbehinderte Jugendliche gibt - es wenig Kooperationsbereitschaft seitens der Blindenschulen gibt - viele blinde und sehbehinderte Jugendliche zusätzliche Behinderungen haben, die eine Integration erschweren - es schwierig ist das Interesse von blinden und sehbehinderten Jugendlichen für Jugendverbandsarbeit zu wecken Sachbericht Methoden 1. integrative Jugendleiter-Ausbildung Im Herbst 2005 fand unsere integrative JugendleiterInnen-Ausbildung statt. Zehn Jugendliche/ junge Erwachsene wurden zu JugendleiterInnen ausgebildet, wobei ein TN blind war. Die dazu extra konzipierte JugendleiterInnen- Ausbildung umfasste dabei sowohl die allgemeinen Inhalte der Ausbildung, als auch zusätzliche Teile, die sich intensiv mit dem Thema blind sein befassten: Neben den klassischen Themen wie Sozialisation, Recht, Gender Mainstreaming, Jugendarbeit und Vorbereitung von Zeltlagern bzw. Gruppenstunden, gab es auf der diesjährigen Ausbildung noch einen ganz speziellen Teil zum Thema Behinderung. Dabei ging es zunächst ganz allgemein um das Thema Behinderung, z.b. welche Behinderungsarten gibt es, wie viele behinderte Menschen gibt es in Dtschl., welche Unterstützung gibt es für behinderte Menschen, mit welchen Vorurteilen werden sie konfrontiert u.v.m. Im zweiten Teil zum Thema Behinderung ging es speziell um Menschen mit einer Sehbehinderung bzw. um blinde Menschen. Hier ging es in erster Linie darum, dass die sehenden Teilnehmer einen Eindruck bekommen, was es heißt blind zu sein. Es gab daher viele Spiele und Übungen, die mit verbundenen Augen ausgeführt werden mussten. Natürlich waren auch Hilfsmittel für sehbehinderte/blinde Menschen, Unterstützungsmöglichkeiten, der Umgang mit diesen Menschen, aber auch die gesellschaftliche Diskriminierung von blinden und sehbehinderten Menschen ein wichtiges Thema. 2
Vorhandene Arbeitsmaterialen wurden überarbeitet, so dass auch Jugendliche, die blind oder sehbehindert sind, diese Materialien nutzen konnten. 2. Fortbildung für TeamerInnen: Bereits vorher ausgebildete JugendleiterInnen wurden in einer gesonderten Fortbildung für die freizeitpädagogische Arbeit mit Menschen, die blind sind oder eine Sehbehinderung haben, qualifiziert. Es waren insgesamt 8 Teilnehmer, die sich an diesem Wochenende intensiv mit dem Thema blind sein auseinandersetzt haben. Die Inhalte der Fortbildung waren folgende: - theoretischer Input (Daten, Zahlen, Fakten) - Austausch über bereits gemachte Erfahrungen mit blinden oder sehbehinderten Personen - ein großer praktischer Teil: Wie ist es blind zu sein? Die Teilnehmer machten selber ihre Erfahrungen durch viele Spiele, Übungen mit verbundenen Augen - Umgang mit blinden und sehbehinderten Menschen(theoretisch erörtert und praktisch ausprobiert) - Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen: 1. Wie können blinde Teamer integriert werden und welche Aufgaben können sie übernehmen? 2. Welche Angebote kann es für blinde und sehbehinderte Teilnehmer auf einer Freizeit geben? 3. Erstellung eines Leitfadens: Unsere Idee war es einen Leitfaden für gemeinsame Freizeitaktivitäten von blinden/sehbehinderten Jugendlichen und sehenden Jugendlichen zu entwickeln. Leider mussten wir festestellen, dass es kaum integrative Angebote für diese Zielgruppe gibt. Daher konnten wir keinen Leitfaden erstellen. 4. Umgestaltung unserer Homepage: Anstatt einen Leitfaden zu erstellen, wollen wir unsere Homepage umgestalten. Dort sollen in Zukunft unsere integrativen Angebote, als auch integrative Angebote nach denen wir uns weiter umschauen, beworben werden. Geplant ist außerdem, dass 3
unsere Homepage barrierefrei gestaltet wird, damit die Zielgruppe sie ohne fremde Hilfe nutzen kann. 5. Vorbereitung der integrativen Freizeit: Die Vorbereitung der integrativen Freizeit bestand aus mehreren Teilen. Zum einen gab es mehrere Wochenenden für das Team, an denen Inhalte und Strukturen für die Freizeit entwickelt wurden, um eine sinnvolle Einbindung und Beschäftigung für alle Teilnehmenden zu entwickeln. Darüber hinaus fanden mehrere Treffen in Kleingruppen stand, bei denen einzelne Aktionen intensiv vorbereitet wurden und bei denen die Integrationstauglichkeit überprüft wurde. Zusätzlich wurden sämtliche vorhandenen Erfahrungen zu Ferienfreizeiten ausgewertet, um somit eine größtmögliche Integration zu erreichen. 6. integrative Ferienfreizeit: In den Sommerferien fand unsere integrative Ferienfreizeit nach Italien statt. Die Zielgruppe waren sehbehinderte, blinde und sehende Teens im Alter zwischen 12 und 15 Jahren. Insgesamt waren es 20 TN, wovon 3 TN sehbehindert bzw. blind waren. Auch das Team war integrativ. Es gab einen blinden Teamer, der auch die integrative Jugendleiter-Ausbildung im Herbst absolviert hat. Der Rest des Teams hat zur Vorbereitung auf die Freizeit die Fortbildung besucht. Vor Ort gab es viele verschiedene integrative Angebote, z.b.: Kreatives Schreiben, Erlernen der Braille-Schrift, Gipsmasken, Torball, Speckstein, Karate, Massage, Hörsspiel, Campzeitung, Klettern, Sandburgenwettbewerb, Theater u.v.m. Sachbericht Zielgruppe Das Projekt richtet sich unmittelbar an blinde Jugendliche und Jugendliche mit einer Sehbehinderung. Diese haben einen besonderen Förderungsbedarf, da sie als Randgruppe in unserer Gesellschaft von vielen Aktivitäten ausgeschlossen werden. Durch ihre Behinderung sind blinde Jugendliche eingeschränkt, was die Auswahl ihrer Freizeitaktivitäten betrifft. Aber auch die Möglichkeit zu Kontakten zu sehenden Jugendlichen sind erschwert. Mittelbar werden darüber hinaus auch Teens mit einer Sehbehinderung erreicht, da sie für die Freizeit im Sommer 2006 explizit angesprochen und geworben werden. 4
Neue Menschen mit Behinderung konnten integriert werden, bereits vorhandene Kontakte konnten außerdem ausgebaut und weiter vertieft werden. Die bestehenden Kontakte zum Landesbildungszentrum für Blinde (LBZ) konnten dabei sinnvoll genutzt werden. Sachbericht Kooperationen: - Weitere gute Kooperation mit dem LBZ. - Neue gute Kooperation mit dem Blindenverband Nds. (Erstellung von blindgerechten Materialien,...) - Kontakt zu verschiedenen Vereinen, Verbänden und Beauftragten für Behinderte ( es gab Interesse an unserem Projekt, da die Altersgruppe der unter 27jährigen jedoch kaum unter den blinden und sehbehinderten vertreten ist, konnte daraus keine Kooperation entstehen) - Kooperation mit der Blindenschule Hannover: seitens der Blindenschule bestand kein Interesse an einer Kooperation Sachbericht Ausblick Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Integration im freizeitpädagogischen Bereich möglich und sinnvoll ist. Wir konnten Räume schaffen, um eine gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen. Alle konnten voneinander lernen und sich ausprobieren. Integration ermöglichte Grenzen zu überwinden und neue Erfahrungen zu bieten. Die Fähigkeiten und Empathie der Kinder und Jugendlichen wurden gefördert, sowie neue Erfahrungen ermöglicht. Es wurde deutlich, dass ein integratives Projekt für sehbehinderte und blinde Jugendliche dringend notwendig und sinnvoll ist. Es gibt zwar viele Angebote für blinde oder sehbehinderte Menschen, diese sind allerdings selten integrativ. Dabei sind gerade integrative Angebote notwendig, bei denen voneinander gelernt werden kann, um vorhandene Vorurteile abzubauen. In unserer Gesellschaft ist Blindheit eine Behinderung, die fast ausschließlich bei älteren Menschen auftritt. Daher sind Angebote für Kinder und Jugendliche mit dieser Behinderung kaum vorhanden und umso notwendiger. 5
Uns ist es daher wichtig auch in Zukunft weiter integrative Angebote zu machen. Wir wollen in diesem Bereich weiter tätig sein und ihn noch weiter ausbauen. Wir werden, wie oben bereites geschrieben, unsere Homepage ändern und barrierefrei gestalten, so dass wir die Zielgruppe noch direkter ansprechen. Durch Next Netz wurde uns eine gute Grundlage geschaffen. Wir können nun auf bereits ausgebildete Teamer, sowie auf geeignetes Material zurückgreifen. Auch inhaltlich konnten wir im Rahmen von Next Netz viel entwickeln, so dass unsere zukünftige Arbeit sehr erleichtert wird. 6